In Stürmen entspannt

Wer geliebt ist, ist lebensfähig.

„Ich will dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben.“
2. Mose 15, 1

Solch ein Gesang, kann nur von einem Menschen kommen, der ein starkes Zuhause hat. Geliebt und angenommen sein, gibt den Menschen Heimat. Von der Größe Gottes umborgen zu sein, beruhigt das aufgebrachte Wesen. Hoch und erhaben ist Großes und Gewaltiges über dem Schwachen und Kleinen. In der Liebe dieses Mächtigen getragen zu sein, verankert, festigt und macht jedes Schiff sturmsicher. Wo ein Kind einen starken Vater hat, braucht es nichts zu fürchten; es wird dadurch selbst zu einer starken Person. Wir sind Gottes Kinder, wir stehen in der Erhabenheit des Höchsten, das versetzt uns in einen lobenswerten Stand. Daraus werden Persönlichkeiten des Glaubens geschnitzt. Geliebte Gottes haben nichts zu befürchten. Wo Gott mein Vater ist, können wir getrost Kind sein. Das Kind sein definiert sich über den Vater, nicht über sich selbst. Wir können laufen lernen und dabei hinfallen und wieder aufstehen und das ist völlig normal und in Ordnung. An der Hand des Vaters werden wir Erwachsen. Der gute Vater ist der Grund für die Entwicklung seines Sohnes. Er führt ihn zur Reife und zur Vollendung. An starken Kindern, kann man starke Eltern erkennen. Sie haben es geschafft ihrem Nachwuchs ihren Wert zu geben, der sie in allen Stürmen widerstandsfähig macht. Sie haben Kinder herangezogen, die sich nicht erst selber finden müssen, oder anders sein wollen als sie sind.

Wer in dem hoch Erhabenen steht, braucht nicht um sich selbst zu kämpfen. Er kann gelassen mit allen persönlichen Empfindlichkeiten umgehen. Wer Person, wer Kind in Gott ist, braucht nicht um Anerkennung und sein Selbstwertgefühl zu ringen. Wo wir um die eigene Ehre kämpfen müssen, wo Beleidigungen uns erschüttern, wo wir Angst haben falsch verstanden zu werden, definieren wir uns über uns selbst. Wir nehmen uns zu wichtig und setzen alles dran, das angekratzte Selbstbewusstsein aufzupolieren. Wir drehen uns um uns selbst, obwohl wir Kinder des Höchsten sind.

Kind des hoch Erhabenen zu sein entspannt vielen Psycho-Krampf. Wer sich geliebt weiß und dadurch in dem Liebenden ruht, kann seine Freiheit und Unabhängigkeit von sich selbst und allen widrigen Umständen besingen. Kind zu sein, befreit im täglichen Kampf ums rechthaben wollen. Da sind wir gefestigte Personen, die in allen Stürmen ihren Mann und ihre Frau stehen. Das ist ein Lobgesang wert.

Wenn wir in dem hoch Erhabenen stehen, warum lassen wir uns oft so stark von den Niederungen bestimmen und unsere Lieder verstummen?

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Für den Segen geschaffen

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Frau Königin, Ihr! Aber hinter den sieben Bergen, die den sieben Zwergen, Schneewittchen – sie ist tausendmal schöner als Ihr.

Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn!Ps. 67, 8

Ehrfurcht vor Gott schließt Welten auf. Die Liebe zu Gott stellt die Menschen in die Geheimnisse des Lebens. Da entdeckt einer Zusammenhänge, die ihm im Alltäglichen so nicht aufgehen. Christus erkennen, öffnet einen Wertehorizont, was die wirkliche Erfüllung des Daseins ist. Da entsteht ein Zusammenhang zwischen Ehrfurcht und Segen. Wer Christus liebt, fällt unter die Segensströme Gottes, der Leben in einen Reichtum stellt, der mit keinem Maß zu messen ist. Segen ist, wenn der Unterstützungswille für eine Rollifahrerin, eine Kirche füllt, und keiner mehr versteht, was in diesem Augenblick passiert. Ein Hauch von Erfüllung, den die Besucher des Benefizkonzertes für Natalie am Sonntag hautnah spüren durften. Segen geschieht, wenn alle menschlichen Grenzen durchbrochen werden und Gott seine Türe nur einen kleinen Spalt aufmacht. Da geschieht etwas, das kein Mensch machen, organisieren und herbeiführen kann. Segen sind die kleinen und großen Wunder im Alltäglichen.

Die Königin, im Märchen von Schneewittchen glaubte, ihre Schönheit wäre der Segen ihres Lebens. Die definierte ihren Lebenswert über ihr Outfit. Sobald dann ein Schneewittchen in ihr Leben kommt, ist ihr ganzes Kapital dahin. Sie vergötterte ihre Schönheit und entleerte sich dabei ihres Lebens. Wie oft glauben wir Menschen, die Fülle unseres Lebens und der Wert unserer Person liegt in dem Titel, der auf unserer Visitenkarten steht. Je höher umso Bedeutungsvoller. Die Ehrfurcht vor Äußerlichkeiten, soll die Fülle des Innerlichen ausmachen. Segen liegt jedoch nicht auf dem, was Menschen als glanzvoll, wertvoll und erstrebenswert erachten, sondern wo Gott Raum zum Gestalten findet. Die Ehrfurcht vor Gott führt Menschen zu ihrem ersehnten Reichtum und zur Lebensfülle.

Gott will uns segnen. Er will uns ständig das mehr des Lebens dazugeben. Er will uns in die Sprachlosigkeit seines Handeln versetzen. Wir sollen in eine Schönheit gestellt werden, die wir nicht im Geringsten mit all unseren Bestrebungen erreichen können. Er will uns mit der Fülle seines Handlungsspielraumes überschütten. Er will sein Gutes an uns verwirklichen. Er will, dass es uns eiskalt den Rücken herunterläuft, vor dem was er schafft. Das gilt es jeden Tag neu zu erkennen, dass wir uns nicht vom Spiegel an der Wand stehen und uns zu weniger verlocken lassen.

Wenn Gott geradezu darauf aus ist, dass er uns segnen kann, warum ist dann unsere Liebe zu ihm oft so klein?

Gott segne dich.

Harte Schläge vollenden das Werk des Meisters

Die Erfüllung des Menschen liegt darin, dass das entsteht, was Gott sich ausgedacht hat.

„Ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben.“Hes. 11, 19

Gott will Menschen umbauen. Großbaustelle mit Kernsanierung. Das ursprüngliche Gebäude soll einem neuen Zweck zugeführt werden. Was bei meinem Großvater noch Hühnerstall und Kuhstall gewesen ist, ist bei meiner Schwester heute ein schickes Haus mit Garage. Gott schafft grundlegende Veränderungen. Ein anderes Herz und ein neuer Geist, ist nicht nur ein Tapetenwechsel, sondern eine ganz neue Bestimmung. Dahinter liegt nicht nur eine Verhaltensänderung, in der man sich selbst eine fromme Nettigkeit antrainiert, dahinter liegt eine grundlegende Wesensänderung. Gott arbeitet an unserer Existenz. Paulus beschreibt das mit einer neuen Kreatur, mit einer Neuschöpfung, wenn jemand in Christus ist. Wenn Gott Hand an uns anlegt, dann ist das gegen alle guten Geburtstagswünsche: Bleib wie du bist. Gott will anders. Er will uns nicht lassen wie wir sind. Er will aus einem schön gemaserten Holzbrett, oder einem von Verwachsungen gezeichneten Holzblock eine Geige schaffen. Aus einem steifen nichtssagenden Brett soll ein geschwungenes, wohlklingendes Instrument werden. Dieses Holzstück wird dabei total umgestaltet. Es ist danach nicht wiederzuerkennen. Der Meister ist dabei in seinem Element. Neuschöpfung will aus Brett eine Stradivari machen. Sie soll mit ihrem Klang, die Zuhörer außer Atem bringen. An der fertigen Geige erkennt man den genialen Meister, der sein Handwerk verstanden hat. Niemand würde behaupten, das Brett hat sich in einem Entwicklungsprozess zu einem Instrument entwickelt. Hier hat einer kräftig am Holz gearbeitet. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Für ein Brett ist das nicht angenehm, wenn die Fetzen fliegen und es in seine Einzelteile zerlegt wird. Da geht es hart zur Sache. Da fällt viel Unnötiges weg. Bearbeitung ist der Zerbruch des ursprünglichen Ausgangsmaterials. Für das Brett wird die Bearbeitung zur Krise, doch der Meister führt es dadurch zur Vollendung.

Wenn Gott hart in unser Leben eingreift, will er das andere Herz und den neuen Geist herausformen. Wo wir im Zerbruch die Zerstörung sehen, sieht er Neuschöpfung. In unserer Krise hobelt der Meister. Gerade unter dem Schweren und Unverständlichen soll Neues entstehen. Das Holzstück kann die harten Schläge mit Hammer und Stechbeutel nicht verstehen – das braucht es auch nicht. Er braucht allein das Vertrauen, dass der Meister unter den erlittenen Schmerzen sein Werk zur Vollendung führt. Er will damit Herrliches in uns schaffen.

Wo wehren wir uns gegen diese Bearbeitung, und hindern den Meister daran, etwas ganz Neues in uns zu schaffen?

Trotze dem Unglück

Gewinner sind die, die in Rückschlägen niemals aufgegeben haben.

„Harre auf den Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn.“
Ps. 27, 14

Widerstandsfähig zu sein hat eine Grundlage: an Gott ausharren. Dieses Festhalten macht fest. Darin liegt der Sitz, des niemals Aufgebens. Im Ausharren liegt etwas Pitbull mäßiges. Da beißt sich einer am Guten fest. Das ist die stoische Ruhe, die den machen lässt, der stärker ist als das Unheil. Im Harren liegt das Vertrauen eines Hiobs, dem seine ganze Existenz weggebrochen ist. Harren ist, einem Höheren vertrauen, als dem Schicksal, das gerade über mich hereinbricht. Harren ist die Verbissenheit des Glaubens. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Es ist das Vertrauen, dass Gott gerade diese schreckliche Situation herrlich hinausführen wird. Das Harren bezieht in der eigenen Schwachheit, den handelnden Gott mit ein. Ein anderer machts, ein anderer wird’s richten. Im Ausharren auf den Herrn, zieht der Glaubende, die umfassende Gewalt des Schöpfers in sein Leben.

Das tröstet und macht stark allen Widerwärtigkeiten zu trotzen. Für William Churchill bedeutete dies, die geballten Fäuste gegen den Himmel zu strecken, den deutschen Bombern zu widerstehen, die Nacht für Nacht über England ihre tödliche Ladung abwarfen, und auszurufen: Ich gebe niemals auf. Er weigerte sich zu kapitulieren, auch wo seine Berater ihm vorgeworfen haben, er würde sein Volk sinnlos opfern. Diese Widerstandskraft sicherte ihm ein Platz in der Geschichte. Nicht aufgeben ist auch Natalies Motto, die einige von euch heute beim Benefizkonzert in Bärenstein erleben werden. Da kann man durchspüren, was getrost und unverzagt heißt. Sie hat gewiss viele schwere und schmerzhafte Tage durchzustehen, sie führt einen ständigen Kampf gegen alle Barrieren in ihrem Leben, doch sie blüht im Rolli. Getröstete müssen in den Härten des Lebens nicht verzagen. Sie zögern nicht an den Widerständen. Sie bleiben entschlossen im Voranschreiten, bei allen Hürden, die ihnen im Weg liegen.

Im Gottvertrauen werden wir lebenstüchtig und krisenfest. Da lernen wir einen hoffnungsvollen Umgang mit allen Schwierigkeiten. Da ist das Leben nicht gelaufen, wenn die Beine einmal nicht mehr laufen wollen. Da geht es allen Widerständen zum Trotz voran. Untröstlich und verzagt kann einer nur sein, wenn er das Ausharren verloren hat. Ansonsten sind wir getrost und unverzagt, weil die Hilfe größer ist als das Unglück.

Wie mutig und entschlossen packen wir die Widrigkeiten unseres Lebens an?

Von Glückseligkeit verfolgt

Ewigkeit kommt zu jedem Zeitpunkt vor. Elazar Benyoetz

Aus einem der größten Trost-Psalmen kommt die volle Wucht der Gottes Güte. Wir sind die von Erbarmen Verfolgten. Der Reichtum von Gottes befreiender Kraft, wird uns überall hinterherschleichen. Wohin uns unsere Wege auch führen, quer durch die finstersten Täler, hängt uns die Erlösung an den Füßen. Wo Gutes und Barmherzigkeit allgegenwärtig sind, ist Christus mitten in der größten Hölle. Der menschliche Ausnahmezustand ist Gottes Präsenz. Mitten in der „Todes-Schatten-Schlucht“, wie Martin Buber diese Stelle übersetzt, bricht Herrlichkeit an. Ewigkeit ist der Schatten aller Nacht. Wer vom Guten verfolgt ist, dem klebt Glückseligkeit an den Fersen. Was auch kommt, es wird sich zum Guten wenden. Das ist die Gesamtaussage, die über unserem Leben steht. Wir können aus dem Hause Gottes nicht herausfallen. Wir werden für alle Zeiten in seiner Gegenwart bleiben. Im Leben und Sterben, sind wir des Herrn. Alle Ängste, Kämpfe und schrecklichen Ereignisse, die wir erleben, können uns nicht von dieser Tatsache wegreißen. Das heißt, es wird für allen Zeiten das Bittere nie isoliert im Raum stehen. Alles was geschieht, alles was wir durchmachen, geschieht innerhalb des Hauses des Herrn. Das Haus des Herrn umfasst das Elend der Welt. Egal was wir im Augenblick von dieser Herrlichkeit erkennen, sie umgibt uns wie die Luft die wir achtlos einatmen. Die Herrlichkeit, dieses Haus des Herrn erhält uns am Leben, gerade wenn wir sterben. Somit kann der Tod, keine Katastrophe mehr sein; kein Unglück, ein untröstlicher Schrecken. Jedes Schicksal geschieht in der absoluten Gottesgegenwart.

Wieviel Wärme kommt daraus in die Eiseskälte unserer Tage. Da ist alle Verzweiflung von Hoffnung verfolgt. Da kann ein Bonhoeffer aufrechten Hauptes seines Galgens entgegen gehen. Damit verlieren die schlimmsten Befürchtungen ihre Angst. Wer auf Schritt und Tritt vom Guten verfolgt ist, braucht kein Übel zu fürchten. Wer immerdar im Hause des Herrn bleibt, braucht in keinem Zerbruch mehr Angst haben. Dieser Trost entspannt all unseren Stress. Er gibt Gelassenheit in allen Turbulenzen. Da kann in aller Aufregung, der Herzrhythmus ruhig bleiben. Wir sind geborgen, auch wenn der Sturm, dem Haus, das Dach abdeckt.

Wenn wir in diesem Hause zuhause sind, wenn wir vom Guten verfolgt sind, welcher Schrecken will uns da noch nachschleichen?

Durchfallen unmöglich

„Ich stehe zu dir, egal was kommt!“ Das steht in Stein gemeißelt über unserem Leben.

„Israel, du sollst mein Knecht sein; ich erwähle dich und verwerfe dich nicht.“Jes. 41, 9

Wer solche Worte ausspricht, ist eine umwerfende Persönlichkeit. Gott macht eine Treue-Aussage ohne Wenn und Aber. Wer von ihm einmal erwählt ist, ist für immer erwählt. Erwählen und nicht verwerfen sind bei ihm eins. In seinem zu dem Menschen stehen, ist Gott so stark, dass das für alle Zeiten hält. Völlig unabhängig, wie der Mensch sich verhält. Bei aller Untreue des Menschen, kann Gott nur treu sein. Da ist eine gefestigte Macht, eine unerschütterliche Liebe, die sich durch nichts aus der Bahn werfen lässt. Egal welchen Mist die Menschen bauen, ob sie Gott aus der Schule laufen, oder ihm ins Gesicht schlagen, das irritiert ihn nicht. Sein Erwählen wird ihn nie reuen. Und das in einer Zeit, in der die Menschen quasi zum Loslassen und Aufgeben erzogen werden. Wenn es dick kommt, schmeißt man die einst gute Beziehung hin. Da zählt nichts mehr. Erwählt und doch verlassen. Doch bei Gott sieht die höchste Form der Erwählung so aus, dass Christus zu dem Verbrecher am Kreuz spricht: Heute noch, wirst du mit mir im Paradies sein. Was der Mensch auch verbockt hat, Gott steht zu ihm. Selbst die größte Schuld kann ihn nicht schockieren. Gott ist absolut enttäuschungsresistent. Wer solch eine Treue an den Tag legt, ist sich selbst treu. Er ist nicht von Stimmungen und Tageslaunen abhängig. Liebe ist eine Größe, die ja sagt und beim Ja bleibt, und wenn die Welt Kopf steht. Wo ein Vater in solch einer Beharrlichkeit hinter seinem Sohn steht, steht eine unzerbrechliche Hoffnung über seinem Leben. Egal, welchen Bock er schießt, welche Bauchlandung er macht, da steht ein Auffänger daneben. Wo die Treue regiert, kann kein Mensch ins Bodenlose fallen. Gott erwählt, das steht für alle Zeiten fest. Gottes Treue heißt, dass er auch am tiefsten Punkt unseres Daseins gegenwärtig ist.

Zu aller Zeit sind wir in diese Gegenwart gestellt und zum Knecht sein berufen. Wir stehen in einem höheren Dienst, trotz unserer Untreue. Seine Treue stellt uns nach jedem Versagen sofort wieder an die Arbeit. Wir können lückenlos weitermachen, auch nach jedem Scherbenhaufen, den wir produziert haben. Wir bekommen keinen Stempel wie bei der Musterung aufgedrückt, auf dem steht: Untauglich. Der Treue schafft mit den Untreuen sein Werk. Wer nicht verworfen ist, wer nicht weggeworfen wird, kann mit großem Mut weitermachen, egal was ist und was war.

Warum sollten wir über irgendetwas verzweifeln, wenn da einer fest zu uns steht und an uns glaubt?

Zum Verschwenden geschaffen

Nichts ist widersprüchlicher, als ein Christ, der für sich selber lebt.

„Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.“
Spr. 3, 27

Dem Bedürftigen Gutes zu tun, ist zutiefst Gottes Wesensart. Haben um zu geben, ist Leben in sich. Verschenken, hingeben, sich entäußern, ist die Wolle, aus der Menschen gestrickt sind. Gott hat das Leben mit Gutem vollgetankt, damit das Dasein eine Weltreise unternimmt. Alle Existenz lebt davon, dass Gott sich darin hineininvestiert hat. Wir sind die mit Güte, mit Gaben, mit Wohlwollen, mit Erbarmen Angefüllten. In jeder unserer Bewegung steckt Gottes ganze Zuwendung. Gott macht es Spaß, uns lebendig zu halten. Das ist seine ganze Liebe und Selbstbestimmung. Das was er ist und hat sprudelt auf uns zu. Er kann sich in keiner Faser seines Wesens zurückhalten und auf sich beziehen. Das Gute hat den Drang zum Du, sonst würde es vereinsamen. Diese Grundbestimmung ist uns seit dem ersten Atemzug in die Wiege gelegt. Es ist das Lebensgeheimnis, das der Glaubende an Gottes Seite entdeckt und ausschöpft.

Wo Gaben und Gutes nicht fließen, ist der Glaubende ein See ohne Zufluss und Abfluss. Da beginnt früher oder später das große Fischsterben. Das was wir empfangen haben, ist uns zum Geben gegeben. Aufleben hat mit hingeben zu tun. Das ist ein Lebensgesetz, das vielen modernen Lebensentwürfen entgegensteht. „Gönne dir Gutes“, „nimm dir Zeit für dich selbst“, hat bestimmt einen richtigen Ansatz, doch darin liegt nicht die eigentliche Erfüllung. Wer das Leben in seinem ganzen Reichtum ausschöpfen will, kann nicht das was er hat verbrauchen, sondern muss sich selbst verschwenden. Das steht gegen alle Angst zu kurz zu kommen. Das kenne ich aus meiner eigenen Berufung. In meinen jungen Jahren hatte ich partout ganz andere Pläne, als ins Kloster zu gehen. Da war ein riesen Drang in die äußere Mission, in die große weite Welt. Da war der Gedanke an ein festgefügtes Leben in Gemeinschaft eine Beklemmung. Doch als über Umwegen klar war, Blumenmönch ist dein Weg, hat mich Gott eines Besseren belehrt. Ich konnte diese Geheimnis erleben, dass im sich selber aufgeben, mit allen Gedanken und Lebensplänen, eine größere Lebenserfüllung liegt, als in allem, was ich mir selbst an Land gezogen hätte.

Unsere Gaben haben wir nicht für uns, sie sind für andere. Unsere Zeit, unser Geld, unsere Kinder, unser eigenes Leben, sind Gabe zur Hingabe. Dort wo Gott uns hineinfließen lassen will, mit dem, womit er uns überschüttet hat, dort ist unsere Aufgabe. Wo wir zuhalten und uns weigern, verarmen wir und die Bedürftigen.

Was haben wir und was sind wir, das dort wo es gebraucht wird, zum Guten wird?

Gelassen in aller Klage

Um das Reich Gottes brauchen wir uns keine Sorgen machen, es entsteht, mit uns, trotz uns und ohne uns.

„Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen, und treu sind wenige unter den Menschenkindern.“
Ps 12, 2

Schon zu Davids Zeiten lief die alte Leier, wie bei uns. Die Heiligen haben abgenommen. Die Gemeinden werden leerer, den Klöstern fehlts an Nachwuchs, in strukturschwachen Gebieten müssen die Gottesdienste teilweise ausfallen und zusammen gelegt werden. Säkularisation wo man hinschaut. Der Jammer und die Klage ist heute nicht anders als damals. Die Kirche in dieser Welt, lebt unter dem Sterbensprozesse dieser Erde. Es wird ein Kommen und Gehen, ein Aufblühen und Verblühen sein. Auch wenn das Volk Gottes immer wieder die Schwankungen von Nähe und Ferne erlebt, bleibt es Volk Gottes. Auch wenn die Kirche zerfällt, wird Reich Gottes nie zerfallen. Das zeigt uns die Geschichte. Gottes Geschichte mit den Menschen bleibt eine lebendige Geschichte, zu jeder Zeit. Gerade das zeigt, dass Gott selbst durch Christus seine Kirche baut. Gemeinde, Reich Gottes ist nicht von Menschen gemacht oder abhängig von der Befindlichkeit der Menschen. Gott ist immer der, der Sterben überwunden hat. Darin liegt der größte Trost einer angefochtenen und untergehenden Kirche.

Wo die Heiligen abnehmen und die Glaubenden untreu werden, stellen wir uns mit unter das Leiden, das Gott mit seinen Kindern hat. Wir sind dabei gerufen auch einsame, schwere und umständliche Wege zu gehen, doch wir dürfen bei all unserem Einsatz wissen, Reich Gottes liegt nicht in unserer Macht. Wir müssen, uns nicht zerfleischen und uns alle Beine herausreißen, wenn in den Chören die Sänger immer älter werden und nicht genügend Junge nachrücken. Wir können auch diese Entwicklung getrost dem Herrn der Kirche überlassen. Wo wir die vielen Untreuen zu beklagen haben, können wir nur an unserer Treue arbeiten. Wir schreien in unseren Gebeten zu Gott, der allein die Türen zu den Menschen auftun kann. Gerade in der Stunde der Not und Anfechtung, geht es um unser Gebet und unsere Treue. Alles andere können wir getrost Gott überlassen. Das ist Glaube, der auch in der Säkularisation an Gott fest hält. Der kämpft, als würde alles von ihm abhängen, der aber auch Gott alles anvertraut, das er selbst nicht machen kann.

Somit ist es nicht unsere Aufgabe in das trostlose Klagelied mit einzustimmen, sondern in aller Treue und im fröhlichen Glauben unseren Weg zu gehen. Wir leiden um Gottes Willen unter allem Abnehmen, sind jedoch in allem Sterben noch voller Hoffnung und machen in ganzer Treue unseren Dienst.

Ist es nicht sinnvoller, uns betend an Gott zu wenden, als im Jammern über den üblen Zustände, uns gegenseitig das Leben schwer zu machen?

Hörende haben kraftvolle Worte

Es gibt Worte, die die Kraft haben, die ganze Welt zu bewegen.

„Der Herr war mit Samuel und lies keines von allen seinen Worten zur Erde fallen.“1. Sam 3, 19

Samuel, ein junger Prophet, bewegte sehr viel in den damals politischen Spannungen des Volkes Israel. Was Samuels Worte so schlagkräftig machte, war, dass der Herr mit ihm war. Wo sich Gott hinter einen Menschen stellt, machen Worte Geschichte. Die Voraussetzung dazu war, dass Samuel schon in jungen Jahren auf die Worte Gottes hörte. Sehr feinfühlig reagierte er auf die Stimme, die zu ihm sprach. Dieses Hören und auf das Reden Gottes eingehen, machte ihn zum Sprachrohr. Im Hören auf das Wort, bekamen seine Worte Gewicht. Er wurde damit selbst zu O-Ton Gottes. Mit dem was er sagte, begann Gott zu handeln und Geschichte zu schreiben. Seine Worte wurden zu Gottes Worten. Darin äußert sich die Vollmacht eines Verkündigers, dass seine Worte von einem höheren Geist geprägt und durchdrungen sind. Wo sich der Mensch Gott hingibt, bekommen seine Worte eine durchschlagende Kraft, die nicht unter seiner Kontrolle liegen. Da können wir die Geschichte von Paulus durch Kleinasien und Europa verfolgen. Das wurde uns im vergangenen Jahr oft eindrücklich im Reformationsjubiläum vor Augen gestellt. Da hat ein kleiner Mönch eine Kirchenrevolution ausgelöst, was viel Erneuerung und auch Trennendes mit sich gebracht hat. Doch auch heute sind es Männer, die vom diesem Geist des handelnden Wortes durchdrungen sind, die gegen diese Trennung der beiden Großkirchen angehen. Bei dem ökumenischen Gedanken sprachen die Bischöfe Marx und Bedford-Strohm große Worte. Das verbindende Element in der Kirche, sind nicht all die Bemühungen gutmeinender Menschen, sondern Christus selbst. Wo Christus die Mitte ist, wird die Kirche eins. Karl Barth sagte: nur die Predigt des Wortes Gottes ist Gottes Wort. Überall wo Menschen sich auf das Wort einlassen, ist Gott mit ihnen, und werden ihre Worte zu einer Macht, die Welten bewegt.

Das sind dann Worte die aufrichten und trösten. Es sind Worte, die klare Wege in die Zukunft aufzeigen. Es sind Worte, die konfrontieren und vom Übel befreien. Die Zielrichtung dieser Worte ist immer, sich auf den handelnden Gott einzulassen. Große Worte führen in die Gottesgegenwart. Es sind immer die Worte eines Hörenden. Bei solch einer Haltung der Glaubenden, ist Gott mit uns und bekommen unsere Worte Gewicht.

Sind wir so offen für das Wort, dass dadurch unsere Worte Kraft haben, Glauben zu wecken?

Unser Jammer ist bekannt 

Wer erkannt ist, dem sind Lasten abgenommen.
„Gott kennt ja unseres Herzens Grund.“

Ps. 44,  22
Was Gott kennt, ist versorgt. Gott kennt Höhen und Tiefen, er kennt Stärken und Abgründe. Gott dringt bis zur letzten Faser unseres Empfindens durch. Was er kennt, ist bekannt, ist offenbar. Die gibt es keine Geheimnisse und keine grauen Schatten. Gott weiß zutiefst wie wir ticken, was uns bewegt und umtreibt. Er ist am Kern unserer Existenz. So nahe kommt nicht der liebste Mensch. Wen Gott kennt, der ist nicht mehr auf sich gestellt. Kennen heißt nicht, er hat uns auch einmal über die Erde springen sehen, sondern kennen ist erkannt sein. Erkannt sein ist in der Bibel die innigste Verschmelzung zwischen Mann und Frau. Gott verschmelzt sich mit uns. Er geht in uns auf. Er wird ein Teil von uns. Was uns berührt, berührt ihn. Unsere Freude ist seine Freude, unser Kampf ist sein Kampf. Im Kennen wird unser Sein zu seinem Sein. Ab diesem Moment sind wir nicht mehr auf uns selbst gestellt. Unser Wohl und Wehe ist seine Sache. Was er erkannt hat, treibt ihn um. Wir sind zu seinem Herzensanliegen geworden. Da gibt es keine Träne, die einsam geweint wird, keinen Kummer, der ohne Trost bleiben würde. 
Wer erkannt ist, kann Vertrauen aufbauen. Vertrauen ist die beste Medizin bei Ängsten und Sorgen. Unser ehemaliger Ministerpräsident von Baden Württemberg Erwin Teufel sagte einmal: Wenn du das Vertrauen der Menschen gewinnst, kannst du Großes bewegen, du kannst sie führen, auch bei Dingen, die sie nicht verstehen. Gottvertrauen kommt daraus, dass er alles aus dem FF kennt. Da kommt Ruhe in alle Verwirrungen. Das entstresst alles angespannte Dasein. Dieses Kennen wirkt jeder Sorge für Morgen entgegen. 
Das können wir von keiner menschlichen Beziehung erwarten. Da müssen wir oft erschreckend feststellen, dass wir selbst in einer langjährigen Lebensgemeinschaft noch nicht einmal wissen, was das Lieblingsessen des einzelnen Bruders oder der Schwester ist. Menschliches Kennen ist selbst im vertrauten Kreis sehr flüchtig. Das erleben wir im Extrem bei Amokläufern bitter. Keiner im Umfeld hat etwas von den inneren Umtrieben gemerkt.  
Wen Gott kennt, ist aufgefangen und gehalten. Dieses Kennen durchbricht die einsamsten Stunden. Deshalb können wir vertrauen. Daher gibt es keine Situation, die zum Verzweifeln ist.
Was haben wir zu beklagen, wenn alles bekannt ist?