Heute ist der wichtigste Tag

Einen Tag vor deinem Tode kehre um. (Talmud)

„Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.“

Ps. 146, 4
Davon müssen, steht über jedem Tag unseres Lebens. Der Mensch lebt im Angesicht des Todes. Und das sieben Tage nach Beginn des neuen Jahres, das mit vielen Plänen und Vorsätzen gestartet ist. Zeit und Tod sind Geschwister. Wer Zeit hat, hat gleichzeitig ihr Ende im Blick. Zeit ist somit ein Geschenk, die nicht in unserer Verfügbarkeit steht. Wo wir Zeit haben, halten wir die wichtigste Gottesgabe in den Händen. Im Tod stehen wir unmittelbar vor dem Zeitgeber. Somit ruht das Leben und Sterben in Gott. So wie wir heute aufstehen und atmen sind wir Beschenkte. In dem jetzigen Augenblick liegt das ganze Glück unseres Lebens, denn keiner weiß, ob er morgen wieder aufstehen wird. Angesichts des davon Müssens, kommt die höchste Brisanz in unsere Heute. Nicht umsonst heißt es: Der Tod ist der allerbeste Lebensratgeber. Und der Talmud schreibt: Einen Tag vor deinem Tode kehre um. Auch darin steckt das tiefe Geheimnis, da keiner weiß, wann sein letzter Tag ist, kehre vorsichtshalber heute um. Komme heute zur Besinnung und stelle das Leben in das was es ist, – Gottesgabe. In dem Augenblick, indem ich das erkenne, werden viele Sorgen, die ich mir um das Morgen mache lächerlich. Wo meine Pläne dahinfliegen, muss ich mich heute fragen, zu was bin ich heute von Gott beschenkt worden. Damit verdichtet sich das Leben. Es konzentriert sich auf das Wesentliche und trennt sich vom Flüchtigen. Angesichts des Todes steigt die Qualität des Lebens. Jeder Augenblick bekommt ein Christus-Gepräge. Da geht es in erster Linie um die Frage, wie entfalten sich das Geschenk und die Gaben Gottes in meinem Leben. Da verwandeln sich meine Pläne in Gottes Ziele. Wo wir uns unserer Endlichkeit bewusst sind, wird die Gegenwart Gottes präsenter.
Bei dieser Verdichtung des Heute, wo der jetzige Moment, der wichtigste im meinem Leben wird, beginnt eine große Abspeckungskur. Da können wir gelassen Ballast ablassen. Da wird plötzlich bisher Wichtiges, völlig belanglos. Da wird meine Zeit zum kostbarsten auf der Welt, die ich nicht mehr mit Sinnlosem verschwenden will. Da fangen wir an, wertwolle Beziehungen zu bauen und belastende zu trennen. Wo wir die Beschenkten und Begnadeten sind, ist heute der wichtigste Tag in unserem Leben.
Was müssen wir über Bord werfen, um den heutigen Tag großartig und gehaltvoll zu gestalten?

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Leben ohne Verfallsdatum

Einmal gezeitigt, ist für immer verewigt. Viktor Frankl

„Deine Toten werden leben.“

Jes. 26, 19
Zwischen Gott und dem Menschen ist in dem Begriff Tod ein himmelweiter Unterschied. Was für den Menschen das Ende ist, ist für Gott der Anfang. Wo den Menschen das Licht ausgeht, geht bei Gott das Licht an. Am Tod erkennt man dem Glauben und das Gottesbild des Menschen. Bei Gott gibt es keinen Anfang und Ende, es gibt nur Sein. Das ist ein ewiger Ist-Zustand. „Ich bin“. Alles was aus diesem Ich bin hervorgeht, ist geschaffen für die Ewigkeit. Was Gott ins Leben ruft, kennt keine Schrottpresse. Entstandene Lebensenergie lässt sich nie mehr vernichten. Was geschaffen ist, geht in die Geschichte ein. Leben im irdischen Zeitfenster ist ein Bruchteil, von dem was der Mensch ist. Der Mensch ist weit mehr als seine leibliche Hülle, die die Daseinsform der vergänglichen Welt ist. Daher ist der Tod kein Bruch, sondern der Übergang in ein weit größeres Leben. Mit der Auferstehung Christi offenbart Gott, dass es für das Leben kein Verfallsdatum gibt. 
Beim Blumenschmuck dekorieren auf dem Friedhof, tritt eine Trauernde an mich heran und sagt: Die Blumen sehen so schön aus, das würde meiner Mutter bestimmt gefallen, wenn sie es noch sehen könnte. Ich sagte ihr nur: Sie sieht es. – Dann großes Erstaunen und die Rückfrage: Glauben sie das wirklich? – Ich nickte und spürte, wie das bei der Tochter etwas auslöste. 
Der Glaube an das ewige Leben verändert unser gebrechliches, vergängliches Leben total. Da sind wir in allem Verfall getröstet. Wo die Toten leben werden, ist dem Endgültigen die Macht und der Schrecken genommen. Darin bekommt das Leben seinen Sinn, weil in unserem Leben Ewiges schaffen können. Durch den Glauben an Jesus Christus, bauen wir in unserem vergänglichen Miteinander an bleibenden Werten. Da lernen die Menschen wieder hoffen, wo es nichts zu hoffen gibt. Da kann uns das Sterben und alles Vergehen um uns herum keine Angst mehr machen, weil wir um die Lebenszusammenhänge wissen. Wir vertrösten uns nicht mit der Zukunft, die nach dem Tod beginnt, sondern wir bringen jetzt schon das Leben in alles Sterben.
Welchem Tod können wir heute zum Leben verhelfen? 

Wir kommen nicht zu kurz

Wir brauchen uns nirgends von irgendwelchen Ängsten beherrschen lassen.
„Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der Herr hat es nicht getan?“

Amos 3, 6
Bei Gott gibt es keine Angst vor dem Tod. Da gibt es keine Angst, zu kurz zu kommen. Nirgends ist das Leben so sicher, als in dem, der es erschaffen hat. Einmal geschaffenes Leben, ist in Gott garantiert. Da gibt es nichts, was diesen Lebenswillen auslöschen kann. Menschsein bedeutet Dasein in Gott. Es ist in eine Urgeborgenheit eingehüllt. Zwischen Mensch und Leben gibt es etwas Unzertrennliches. Gott ist Leben im Vollsinn. Da ist Überfluss, der ewig überläuft. 
Menschen haben Angst vor dem Unglück. Dahinter steckt die Angst vor dem „nicht überleben“; die Angst vor dem Tod. So ganz frisch nach einem Attentat nach Barcelona zu fahren, brachten mir auch Stimmen ein: Hast du keine Angst? Es ist alles so unsicher. Und in der Tat, am Tag meiner Ankunft, gab es eine aktuelle Terrorwarnung, die dann am nächsten Tag wieder zurückgezogen wurde. Vieles im Leben wird auf Sparflamme gekocht, aus Angst, es könnte etwas passieren. Wir schöpfen das Leben nicht aus dem Vollen, weil irgendwo eine Gefahr lauern könnte. Da ist ständig ein schleichender Begleiter der uns abhält. Wir meinen, wir wären leichtsinnig, wenn wir uns nicht vor dem Unglück schützen, wenn wir das überhaupt können. Dieses ständig ängstlich sein, setzt das Leben auf Reserve. Wir sind hoch begabt und reich beschenkt und haben Angst es anzufassen.
Wenn das Leben in Gott ist, kann das Unglück dieses Leben nicht nehmen. Paulus sagt das treffend: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Für den Glaubenden ist der Tod kein Schrecken mehr. Egal was passiert, aus Gott können wir nicht herausfallen. Christus besiegelt die Überwindung des Todes mit dem Ostermorgen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein, formuliert Bonhoeffer. Wir können alles mit dem Auferstehungsglauben angehen. Da fangen wir an alle Register zu ziehen. Wir können das was uns gegeben ist, angstfrei und freudig genießen. In großer Freiheit können allem Bösen widerstehen. In diesem Glauben können wir die vom Unglück Gebeutelten kraftvoll trösten.
Warum wollen wir Gott für einen Schiffbruch anklagen, wenn er der Ozean ist, in den wir fallen?

Das Leben wählen

Die Glaubenden sind keine Kostverächter.
„Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst.

5.Mose 30, 19
Damit haut Gott auf die Pauke, „dass du das Leben erwählst.“ Da sprüht die Lebendigkeit. Das klingt wie Musik, wie ein Tanz der Farben, wie die Fülle bei Tag und bei Nacht. Da feiert die Überwindung ein Fest über Negation und Depression. Da sind gerade die Glaubenden die Vorreiter, wenn es ums dankbare Genießen und ums Ausschöpfen von Lebensqualität geht. Gott will den Durchbruch schaffen, gegen alles, was das Leben nach unten zieht. Er schenkt das Leben gegen allen Sterbensprozess, er feiert die Auferstehung über dem Fluch, der auf der Schöpfung liegt. Gott hat sich nie damit abgefunden, dass die Menschen, die Welt herunterwirtschaften.
Da fragt man sich, warum gerade bei den Glaubenden an dieser Stelle so viel Verklemmung sitzt. Aus Angst, über die Stränge zu schlagen, wird ein Leben auf Sparflamme geführt. Da zeichnet sich die Christenheit oft damit aus, dass sie moralische Barrikaden aufgebaut hat. Da ist ein frommer Weg mit unliebsamen Verbotsschilder gepflastert. „Das macht man als Christ nicht.“ 
Es war für mich am vergangen Sonntag ein faszinierend, eindrucksvolles Schauspiel, Barcelona bei Nacht zu erleben. Als es dunkel wurde, kamen von allen Seiten die Menschen geströmt, um sich dann an einer Wassermusik zu erfreuen. Da steht auf dem Schlossplatz ein Brunnen, bei dem die Fontänen eindrucksvoll in farbigem Licht zur Musik zu tanzen begannen. Über eine Stunde lang haben Licht, Tanz und meist klassische Klänge die gebannten Betrachter in Atem gehalten.
Das Leben wählen ist noch viel mehr, als sich so ein paar Glanzlichter zu gönnen. Darin liegt die ganze Überwindungskraft der Erlösung. Da ist die ganze Lebenseinstellung von unbändiger Hoffnung getragen. Da wird der Geist der Schwere und des nicht mehr Wollens umgebrochen, zu einem Geist des Ja, ich will. Wo wir das Leben wählen, sagen wir allem Sterben den Kampf an.
Glauben wir nicht, dass wir alle Macht haben, gegen Tod und Fluch anzutreten?

Im Tod erkennt man Werte

Wenn das Leben durch die Finger zerrinnt, braucht es Fixpunkte.
„Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!

Ps. 39, 6
Drastische Gegensätze werden hier aufeinander bezogen. Sicher leben, und nichts vor dir. Die allgemeine Lebensgestaltung ist wie Luft. Vor Gott, ist das Menschengemachte kalter Kaffee, wertlos und flüchtig. Hier wird eine bittere Billanz gezogen; ohne Gott, kann man alles vergessen. Da ist nichts was hält, was trägt, oder überhaupt als lebenswert bezeichnet werden kann. Siebzig, achtzig Jahre, ein reiner Flop. Alles Mühen, aller Einsatz, alles was erreicht wurde, nur Schall und Rauch. 
Vor dir, ist der Blick vom Ende her. Was ist noch wichtig, von all dem, was uns umtreibt, wenn wir morgen sterben müssten? Im Angesicht des Todes, erkennen Menschen, was in ihrem Leben wertvoll ist. Sobald ich weiß, dass morgen mein letzter Tag wäre, würde mein Heute anders aussehen. Unser Ende stellt vor Gott. Vor ihm erkennen wir schlagartig alles Nichts. Vor ihm, scheidet sich die Spreu vom Weizen. Vor dem Ewigen, wird uns unsere Vergänglichkeit klar. Das stehen wir nach einem gelebten Leben, mit leeren Händen da.
Daher gehört der Bezugspunkt, des vor dir in unser Heute. Sicher, gehaltvoll, erfüllt kommt aus dem Schöpfer. Im Stehen vor Gott, lösen wir uns aus unserem Nichts. Lebesgestaltung, lebt aus der unmittelbaren Gottesbeziehung. Alles Denken und Tun steht in engem Austausch mit Gott. Da sind wir von Liebe geprägt, von Güte umschlossen und von Treue gefestigt. Da arbeiten wir nicht um zu überleben, da bekommt jeder Augenblick einen bleibenden Sinn. Da verkaufe ich keine Blumen mehr, sondern verteile AHA-Erlebnisse, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Da springt ein Funke Liebe über, der dem Anderen einen unvergesslichen Moment schafft und ihn über seine belasteten Tage trägt. Erst im Stehen vor Ihm, verliert unser Nichts. Da fallen ewige Samen in die vergängliche Erde. Da können wir im Rückblick erkennen, Gott hat seine Spuren in unserem Leben hinterlassen.
Wäre es nicht gut, gerade die Urlaubszeit dazu zu verwenden, unsere grundsätzliche Lebensausrichtung zu Überdenken?   

Loslassen ist eine Geburt

An jedem Abend stirbt der vergangene Tag, damit am naächsten Morgen ein Neuer zum Leben erwacht.
„Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.“

PS. 116, 8
Sterben und wieder lebendig werden, ist das Thema unseres Lebens. Vom Tode erretten, ist Gottes großes Thema. Gott setzt zu allem Sterben ein Gegengewicht. In all unserem Abwärts liegt ein Aufwärts. Krankheit, Leiden und Schmerzen sind so normal wie sein Retten. Dass Augen weinen, Füße dahingleiten und keinen Halt mehr haben, gehört zum Leben. 
Schwachsein und Sterben gehören zu einem natürlichen Lebensprozess für etwas Neues. Bei der Geburt verlassen wir den Mutterschoß. Wir trennen uns von dem bestumschützten Raum, für ein aufregendes Dasein in Freiheit. Dazu werden wir gestillt und abgestillt. So ist das ganze Leben voller Prozesse des Loslassens, Absterbens, hinter sich Lassens und neu Werdens. Der heutige Tag ist abends vorbei. Er stirbt, wir trennen uns, er ist nur noch Erinnerung. Am nächsten Morgen beginnt etwas Neues. Zwar machen wir oft im alten Trott weiter, nehmen die Schmerzen von gestern ins Heute, doch der neue Morgen hat zunächst etwas total unverbrauchtes, in dem alles möglich ist. 
Wenn Gott vom Tode errettet, hat das mit einer tiefgreifenden Lebensgestaltung zu tun. Rettung ist immer ein Umbruch für das danach. Nichts bleibt im Tod, nichts bleibt im Aus. Gerade dort, wo wir uns als Schach matt sehen, hat Gott noch einen Zug und noch einen. In Retten liegt Gottes schöpferische, befreiende, erlösende und erneuernde Macht. Nach Tränen, nach dem Gleiten kommt noch was. Im Retten liegt aller Trost der Welt. Im Retten liegt die Geburt zum Leben in Freiheit. Vom Tode erretten, bringt das Unsterbliche ins Leben. Da sind die Krisen nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Morgens.
Ist es da nicht möglich, in allem Weinen und Gleiten, diesem Retten viel mehr Bedeutung zu schenken?

Pipeline zum Ewigen

wer in der Nacht Lobgesänge anstimmt, lebt aus einer anderen Macht.
„Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“

Ps. 118, 17
Was für den normalen Menschen einen Widerspruch bedeutet, ist für den Glaubenden die Lebensgrundlage. Sterben kann nicht diskutiert werden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer durch ein Pflegeheim geht, wird damit konfrontiert, wie der Mensch Stück um Stück abbaut. Jeder Tag ist ein kleines Sterben, bei dem wir uns von etwas trennen und verabschieden müssen.
Wenn jemand solch ein Loblied anstimmt und sein nicht Sterben müssen proklamiert, gehört er entweder in die Klapsmühle oder lebt er in anderen Zusammenhängen. In Gott sein, setzt zum Sterben ein Gegengewicht. Da schafft eine Kraft allem Verfall entgegen. Das Leben, das aus Gott kommt, ist ein Leben ohne Verfallsdatum. Christus bringt in die irdische Begrenzung himmlische Erneuerung. Er setzt aus der unvergänglichen Welt Lebensimpulse in der vergänglichen Welt. Er ist die Pipeline in die ewige Welt. Dadurch fließt permanent Leben in alles Sterben. Gerade dort wo das Gericht über die Welt geht, wo alles unter den Lasten des Lebens zebricht, wird Heil realisiert. Da geschieht im Sterben Auferweckung zum ewigen Leben. In Christus wirkt Zukünftiges in die Gegenwart.
Das haben Paulus und Silas in der Nacht im Gefängnis erfahren. Deshalb konnten sie zur Verwunderung aller, um Mitternacht Gott loben. Da haben die Schläge und die Folter des Lebens ihre Macht verloren, weil Gott in das Schicksal Lebensimpulse gesetzt hat. Unter den Lebensschlägen wird das Sterbende zum Leben verwandelt. Mit Christus brauchen wir keine Vergänglichkeit zu fürchten,, weil sich immer sein Leben durchsetzt.
Welche Lieder klingen in unseren Nächten?

Leben hört nicht auf

wo es den Tod nicht mehr gibt, verschwindet der Stachel aus dem Leben.
„Er wird den Tod verschlingen auf ewig.“

Jes. 25, 8
Welche Macht der Tod hat, erfährt gerade eine Mitarbeiterin von uns, die innerhalb von 10 Wochen, bei 5 Beerdigungen war. Dabei waren einige Todesfälle 50+. Hier verstummt die Seele in der Sprachlosigkeit. Da geht unter den Füßen der Boden auf. Wir alle kennen das Gefühl von Entsetzen, wenn der Tod seine Opfer verschlingt.
Jetzt spricht Jesaja von einem Rollentausch. Nicht mehr der Tod verschlingt uns, sondern er wird verschlungen. Hier beginnt das Ostergeheimnis zu leuchten. Da ist Christus, der mit dem Tod abrechnet. Der Tod, der vom Leben trennt verliert seine Macht. Mit Christus beginnt ein Leben ohne Tod. Da ist der Abbruch von Gott, der der Tod ist ausgeschaltet. Tod ist nur die Folge, des von Gott getrennt seins. Wenn Christus diese Trennung aufhebt, ist auch der Tod verschwunden. Da ist das Sterben nur ein Seitenwechsel, vom einen Leben zum anderen Leben. Da fällt der Schrecken und das Entsetzliche, weil wir nicht mehr aus dem Leben herausfallen können. Mit Chrsitus entspannt sich die Todesnot.
Da kann ein Paul Schneider aus seiner Todeszelle auf den Apellplatz hinausrufen: Und er ist wahrhaftig auferstanden. Oder Hans Scholl ruft vor seiner Enthauptung: Es lebe die Freiheit. Wir denken an die vielen Märtyrer unserer Zeit, die mit dieser Wahrheit vor Augen, sich durch keine Erniedrigung mehr einschüchtern lassen. Wer mit Christus im Leben steht, für den ist der Tod gestorben. Wir gehen die Leidenswege mit innerer Standfestigkeit und unerschütterlicher Lebendigkeit. 
Christus hat den Tod verschlungen. Welches Sterben sollte uns da noch einen Schrecken einjagen können?

Schöner Wohnen

Offb. 21, 3-5
Ab dem Zeitpunkt, wo die Bagger anrollen, verlässt ein Neubau die Planungsphase. Da geht es nicht mehr um einen Traum, der auf Papier gebannt wurde, da werden Träume wahr. Eine Vorstellung nimmt Formen an. Ein Gedanke wird zu Materie. Eine unsichtbare Idee, entwickelt sich zu einem sichtbaren Ereignis. Der Architekt wird zu einem Verwandlungskünstler. Jeder von uns hat die Fähigkeiten dazu. Da ist der Traum vom neuen Haus, vom neuen Auto, von einem tollen Gericht das wir einmal ausprobieren wollen und plötzlich ist es da.
Gott hat einen Plan von einer neuen Erde und einem neuen Himmel.
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1. Ein bahnbrechendes Konzept

„Der auf dem Thron saß, sprach: „Siehe, ich mache alles neu.“
Gott träumt einen spektakulären Traum. Was Gott träumt kommt. Unsere Zukunft ist keine geträumte Zukunft. Unser Lebensziel ist keine fixe fromme Idee. Unsere Hoffnung kein Wunschtraum. „Gott macht neu“, – eine diskussionsfreie Tatsache. Mit Johannes blicken wir in eine Wirklichkeit, hinter unserer Wirklichkeit, jenseits von dem Alten, in dem wir leben. Die bange Frage, wohin die Reise geht, findet in der Offenbarung eine Antwort. Unsere jetzige Wirklichkeit ist zwiespältig. Diese Wirklichkeit ist auf der einen Seite sehr gut, auf der anderen sehr schlecht. Wirklich ist die Spannung in der wir leben. Immer mit der Sehnsucht nach Entspannung.  Seit damals im Garten, gibt es Leben und Sterben, Lachen und Weinen, Trost und Trostlosigkeit zugleich. Das ist die Wirklichkeit im Jetzt. Christen sind deshalb auch keine Wirklichkeitsverneiner oder Weltflüchter. Wir alle genießen die Strahlen der Sonne und frieren zugleich in der Kälte der Nacht. Hier und jetzt gibt es Arme, aber auch Reiche. Hier und jetzt wird geschenkt und gestohlen. Alles war sehr gut – aber alles ist auch entgleist. Unsere Welt, die uns umgibt, ist weder nur gut noch nur böse. Beides zusammen ist Wirklichkeit. Auseinandersetzung mit Beidem ist Realität.
Gerade dieser Streit der Kräfte will Gott neu machen. Die Vollendung, das volle, ganze, erfüllende Ende ist der Untergang dieser Spannung. Die neue Zeit, ist die Zeit ohne Widerspruch. Es ist die Zeit ohne zweite Meinung. Die gestörte Gottesbeziehung fällt weg. Gott wird ein und alles sein. An Gottes Einzigartigkeit bleibt kein Zweifel mehr. Neu wird, dass Gott allein genügt. Neu wird, dass der Tod stirbt. Mit dem Tod stirbt die zweite Möglichkeit, die Möglichkeit zur Sünde. Mit dem Tod ist der Zweifel an Gottes Wort gestorben. Es gibt keinen Flüsterer mehr, der einem irgendeinen Mist ins Ohr bläst. Im Neuen kriegt das Vertrauen keine Risse mehr, weil das Misstrauen schon auf dem Friedhof liegt und christlich bestattet wurde. In der neuen Welt gibt es nur die einzige Wirklichkeit: Gott! Es gibt keine Enttäuschungen mehr, weil die Dinge anders sind, als wir denken. Die neue Zeit, besticht durch die Eindeutigkeit, dass nur sein Wille geschieht. Unser Wollen ist mit seinem eins geworden. Ein Ja – gesprochen wie zwischen Bräutigam und Braut. Der Tod ist die völlige Befreiung in diese neue Welt. Die Todesstunde verwandelt sich in Ewigkeitssekunden. Dieses bahnbrechende Konzept liegt auf jedem Leben und beginnt mit dem Tod. Da beginnt völlige Erlösung.
Dieses Neue…
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2. Durchbricht bisherige Standards

 „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ 

Es gibt keinen evangeliumsträchtigeren Satz, als eben diesen. Was einmal war, gibt’s nicht mehr.“ Gottes Welt ist ohne Altlasten. Für manche Menschen unvorstellbar, dass es eine Welt ohne Probleme gibt.  „Was war, ist vorbei“ Wenn der Tod weg ist, verschwinden die grauen, dunklen Schatten an den Novembertagen. Was war, steht mit Christus im Licht. Jeder von uns kennt die Schlagschatten der Vergangenheit: Sie sind weg! Schatten der Augenblicke, die man lieber nicht gelebt hätte, Schatten der Momente, in denen man falsch entschieden hat, Schatten, die immer dann aufsteigen, wenn keiner nach ihnen fragt. Alles weg, aus, vorbei! Was einmal war, das war. Vergangenheit, auf nimmer wiedersehen. Alle Narben, die ich mir selbst verschwieg, sind heil! Vergebung hat alles ausradiert. Die Festplatte ist gelöscht. Da gibt es nichts mehr Bisheriges, auf das man zurückgreifen könnte. Aufrechnen ist sinnlos, bzw. unmöglich geworden. Über dem was war, kommt große innere Ruhe, weil Vergangenes nicht mehr quält. Gottes Gegenwart kennt keine Vergangenheit und Zukunft, nur das ewige Jetzt. Das ist Neuschöpfung und keine Aufbesserung des Alten. Das ist noch mehr als die Kehrtwende eines Saulus zum Paulus. Vom Alten ist nichts mehr übrig. Wo alles andere weg ist, ist Gott alles in allem.
Dieser neue Standard…
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3. Schafft gesteigerte Wohnqualität

„Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;“ 

Es geht um eine neue Stadt, um völlig neue Möglichkeit des Lebens und des Seins. Gott baut das neue Jerusalem in eine voll Misstrauen zerstörte Welt. Er baut wider besseres Wissen eine unvorstellbare Welt: die Welt des Überdauerns. Wir überdauern in ihm. Er überdauert mitten unter uns. Er schafft sich jetzt schon diesen Wohnraum unter uns. Er schlägt das Zelt der unvergänglichen Welt in unserer jetzigen Wirklichkeit auf. Dass Gott unter Menschen wohnen will, war schon immer sein Gedanke. Das bahnbrechende Konzept ist schon Wirklichkeit. All die neuen Standards leben schon. Für uns ist nur der Tod noch nicht aus der Welt, doch die Hoffnung, lebt bereits diese neue Wirklichkeit.
 „Leider gibt es keine beweiskräftigen Argumente für das Abenteuer einer solch vermessenen Hoffnung“ sagt der Theologe Jetter.
Die Hoffnung lebt bereits aus der Sicht über den Tod hinaus. Im Glauben wohnt diese neue Wirklichkeit unter uns. Weil Gott sein Zelt mitten in einer korrupten Welt aufgeschlagen hat, erfährt schon jetzt der Schmerz das Heil. Der Glaube transportiert den neuen Standard in alte Verhältnisse. Gott richtet jetzt schon seine Wohnung ein und fängt an, die Möbel aufzustellen. Die neue Welt ist nicht etwas für morgen; schon heute steht der Möbelwagen vor der Tür. Morgen beginnt die Befreiung der Welt, die heute schon frei ist, in einen eucharistischen Augenblick. In der Eucharistie zieht Ewigkeit in unsere Wohnung ein.
Die Offenbarung der Bibel tröstet nicht billig, sondern stärkt unsere Hoffnung auf das Vollkommene, das schon angefangen hat. Es stärkt die Hoffnung, dass das Unvollkommene todsicher zu Ende geht. Jesus Christus ist auferstanden, und zeltet unter uns. Somit können wir am Christ-König-Sonntag in allen Spannungen schöner wohnen.

Ein Zwilling kommt selten allein

Römer 6, 3 – 8
 
Ein Zwilling kommt selten allein
Zwillinge – Fluch oder Segen?  Das fragen sich vermutlich erst einmal alle werdenden Eltern, wenn der Frauenarzt beim Ultraschall verkündet, dass da mehr als ein Embryo heranwächst. Doch eine Zwillingsschwangerschaft bedeutet auch Elternglück im Doppelpack!
Wie ist ein Leben, wenn nochmals einer da ist wie ich? Kann sich da überhaupt eine Persönlichkeit entfalten? Findet im Doppelpack eine Potenzierung oder eine Einschränkung des Lebens statt?
Paulus entwickelt tiefgreifende Gedanken für eine unzertrennliche Beziehung.
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1. So wie er, so auch ich

Ihr wisst doch, was bei der Taufe geschehen ist: Wir sind auf den Namen Jesu Christi getauft worden und haben damit auch Anteil an seinem Tod. Durch die Taufe sind wir also mit Christus gestorben und begraben. Und wie Christus durch die Herrlichkeit und Macht seines Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir ein neues Leben führen. Denn wie wir seinen Tod mit ihm geteilt haben, so haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung. Damit steht fest: Unser früheres Leben endete mit Christus am Kreuz. Unser von der Sünde beherrschtes Wesen ist vernichtet, und wir müssen nicht länger der Sünde dienen.“

Wo Menschen aus dem Teufelskreis aussteigen wollen, aus dem, dass alles zugrunde geht, was eigentlich leben will, aus dem, dass alles verwelkt was blühen möchte, kommt nicht an Christus vorbei. Das unsterbliche Lebens-Geheimnis, offenbart sich, in einem ganz engen Verbund mit Christus. Zwei Existenzen gehen auf eine Eizelle zurück. Oder zwei Zellen müssen sich zu einer verschmelzen. Nur damit lässt sich ein tiefer Schaden des Menschen aus der Welt schaffen. Das natürliche Mensch sein, steht eben im Widerspruch zu Gott. Gott und Mensch passen zusammen wie zwei linke Sofa Füße. Da klaffen Welten auseinander. Der Mensch aus sich ist nicht gut, weil er den Guten ablehnt. Mensch sein steht grundsätzlich im Unguten, im Bösen, im Schlechten und endet mit Untergang, Zerrüttung, Krankheit und Tod.

Es gibt kein Mittel, keine Technik oder psychologische Strategien, mit der wir diese Adams-Struktur abtrainieren können. Wenn der Mensch nicht sterben soll, muss das frühere Leben sterben. Es muss das von Gott-Getrennt-Sein sterben. Sünde muss ans Kreuz. Die alte Wesensart muss weg. Das geschieht durch die Zwillingsgeburt mit Christus. Dort wird etwas Neues geboren, wo sich das Erbarmen Gottes mit verdorbener Menschlichkeit verschmilzt. Wir meinen oft, Sünde wird dadurch überwunden, dass wir über uns und die Welt nachdenken. Daraus folgern wir, wir müssen an uns arbeiten. Wir entschließen uns, neue Verhaltensweisen anzueignen. Wir bemühen uns, schlechte Gewohnheiten abzutrainieren und Gute einzuüben. Nicht schlecht! Wer will da behaupten, dass das falsch sei? Eine absolut edle, humane Gesinnung.
Doch bei Sünde geht es nicht um schlechtes Verhalten, sondern um Feindschaft gegen Gott. Die kann man nicht abschütteln, indem wir es morgen „besser machen“ wollen. Es wäre leicht, ein neues Leben zu beginnen, wenn da nicht die geheimen, unheilbringenden Zwänge wären.  Sie sind die treibende Kraft, dass sich die Menschen auseinanderleben, auseinanderstreiten und sich gegenseitig misstrauen. Da muss ein Zweiter unser früheres Leben vernichten. Wir sind ein Christus-Zwilling. Wie kommt es zu so einer engen Verbindung mit Christus? Wenn wir dem nachgehen, suchen wir meistens an der falschen Stelle. Sie geht erstaunlicherweise auch nicht auf das Wort, auf Gemeinschaft oder gar Eucharistie zurück.
Das neue Mensch sein kommt aus der Taufe. Hier überrascht Paulus die Glaubenden, die oft darin ein weniger bedeutungsvolles Ritual sehen. In der Taufe entfalten sich Tod und Auferstehung Christi. Die Taufe bindet uns an den Christus, der das von Sünde beherrschtes Wesen vernichtet. Mit unserem Namen, mit unserer Person verbinden sich der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Die Taufe reißt mich mit meinen alten Adam auseinander. Darin liegt der Ursprung von Kirche. Christus und die Getauften bekommt man nicht mehr auseinander. Die gängigen Praktiken von Kindertaufe und Wiedertaufe haben einen Schatten auf diese zentrale Botschaft gelegt. Auch wenn die Kirche Steuerzahler aus der Taufe rekrutiert, beginnt darin das Neue in Christus. Gott hat damit den alten sündigen Menschen durchgestrichen. Gott interessiert sich nicht mehr für den alten Adam. Für ihn ist er tot. Durch die Taufe sind wir durch Christus gerecht gemacht. Das ist kein nettes Symbol von Besprenkeln oder eine eindrucksvolle Geste des Untertauchens, es ist Tod des Alten. Im Kampf mit dem Bösen hat Luther nicht gebetet und meditiert, sondern sein Tintenfass geworfen und geschrien: Ich bin getauft!
Darauf müssen wir uns besinnen und etwas ganz neu lernen. Als Zwilling haben wir einen neuen Status Quo.
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2. Krisensicher im Doppelpack

 Wer gestorben ist, kann nicht mehr beherrscht werden – auch nicht von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, dann werden wir auch mit ihm leben – davon sind wir überzeugt.“ 
Unzertrennlich mit Christus, lebt es sich gravierend anders. Von einem Toten, kann man nichts mehr fordern, da ist nichts mehr zu holen. Neu ist, dass das Alte weg ist. Mein Altes, meine Schuldgefühle, das nicht genügen können, sind weg. Hier ist nicht nur ein reparierter, umfunktionierter alter Adam, sondern die neue Auferstehungsgesinnung  im alten Menschen. Unsere Umgebung bleibt alt, die Menschen um uns herum bleiben die Alten, die Probleme sind immer noch die gleichen. Anders ist allein unsere Christus Beziehung, die uns mit bestehenden widrigen Umständen anders umgehen lässt. Mit der Christus Partnerschaft entsteht nicht der Himmel auf Erden, sondern kommt Zukunftsmusik in die gefallene Schöpfung. Wir leben noch nicht in einer erneuerten Welt, sondern Christus hat in uns etwas von dieser neuen Welt geschaffen. Wir sind ein Vorgeschmack auf die neue Welt.
Wir betäuben uns nicht mit göttlichen Zukunftsphantasien und schweben über unser unerträgliches Dasein hinweg, sondern bringen der Unerträglichkeit den auferstandenen Christus. Wir leben mit Christus in den Gesetzen dieser Welt, ohne dass sie uns bestimmen. Für uns gelten die Gesetze der Überwundenen, der Gewinnenden, der nicht mehr vom Tod Beherrschten. Keine Macht der Welt kann uns unsere Freiheit rauben. Wir sind völlig frei zu entscheiden, wie wir mit über uns hereinbrechende Katastrophen umgehen. Mit dem Christus in uns, sind wir nie das hilflose Opfer widriger Umstände. Wir sind nicht dem Schicksal ergebene, sondern immer Handlungsbevollmächtigte. Nichts ist so stark, dass wir davon beherrscht werden können. Keine Anklage, keine Vorwürfe, keine menschen verachtende Gewalt, kann diese neue innere Standfestigkeit auslöschen. 
Pfarrer Theo Lehmann hat vor einiger Zeit in einem Artikel sinngemäß geäußert: „Der Gaube der Christen muss wieder verfolgungssicher und KZ tauglich werden.“
Diese Unabhängigkeit haben wir, diese Zähigkeit können wir durch Christus leben und brauchen kein Regime der Welt zu fürchten. Mit Christus kann uns nichts mehr beherrschen. Selbst Todesdrohungen verlieren mit Christus an der Seite ihre Macht. Sonst würden alle verfolgten Christen in der Psychiatrie landen. Als erneuerte Menschen haben wir alle Macht, über das was uns bestimmt. Es gibt keine Krankheit, keine belasteten Lebensumstände, in denen wir nicht solch ein neues Leben führen könnten. Zukunft im Doppelpack kennt keine Ausreden. Ein Christus Zwilling herrscht über Umstände. Wir können stehen. Wir können Krisen unerschrocken begegnen.
 Wollen wir uns da, nicht viel enger mit dieser Zelle verschmelzen?