Liebe opfert sich

Hebr. 9, 15, 26b-28

Wenn die Blumenmönche dem Gourmet-Gastronomen in Stuttgart das Empfangsgesteck in der Eingangshalle gestalten, geben sie alles. Da opfert der Florist am Bindetisch sein Leben. Doch nicht dadurch, dass er sich umbringt, sondern indem er seine ganze Hingabe hineinlegt. Er gibt seine Arbeitszeit, seine Lebenskraft, sein ganzes Empfinden für Gestalten, Formen und Farben, letztlich seine ganze Leidenschaft in ein ausdrucksstarkes Kunstwerk. Er sieht die vielen feinen Herrschaften, die sich dadurch erfreut willkommen heißen lassen und sich  das Herz für einen unvergesslichen Abend öffnen. Er weiß, wofür er sich in diesem Moment opfert. Lebendig opfert er seine Liebe zu seinem Beruf und zu seiner Berufung. Genauso wie sich der Gastronom, an seine Gäste hingibt, um damit das Geld zu verdienen, mit dem er dieses Arrangement bezahlt. So dienen wir einander, mit dem, was wir sind und haben. Wir opfern dem anderen etwas von unserem Leben.

 

  • Hingabe, die uns meint

15 So hat Christus den neuen Bund zwischen Gott und uns Menschen vermittelt: Er starb, damit die Sünden aufgehoben werden, die unter dem alten Bund geschehen sind.

Karfreitag, ist schwarzer Freitag. Jesus leidet an der Selbsthingabe Gottes. Da ist Gott, der so sehr liebt, dass er um alles in der Welt nicht für sich sein kann. Er ist Gott, und bräuchte niemand für seine Vollkommenheit, weil er alles und in allem ist. Dennoch sucht er ein Du. Dabei leidet er genau an dem Du, das sich alles sein will, und zeigt, wie fähig es ist, ohne Gott zu sein. Das Kreuz zeigt, wie weit Gott aus sich herausgeht, und wie kaputt die Welt ist. Das Kreuz zeigt den Grund, dass es mich überhaupt gibt, dass er alles gegeben hat, mich ins Leben zu rufen, und es zeigt, wie ich mit dieser Leidenschaft umgehe. Das Kreuz ist Spiegelbild von Gottes und meines Handelns. Es ist der Grund und der Abgrund aller Existenz. Der sterbende Christus bringt zwei Extreme zusammen – den leidenschaftlichen Gott und den distanzierten Menschen.

Christus stirbt aus einer bitteren Notwendigkeit heraus. Gott leidet deshalb, dass der Mensch Mensch sein kann und nicht Gott sein muss. In der Begegnung mit dem Emausjüngern stellte Jesus diese Notwendigkeit mit einer Frage klar: Musste nicht Christus dies alles erleiden? Ja er musste! Es ist ein freiwilliges Leiden, für eine erneuerte Beziehung. Hier glüht Liebe, die alles geben will, um Unvollkommenes mit Vollkommenem zusammenzubringen. Es ist die totale Hingabe, die verlorenes Leben zurückgeben will.

  • Opfer, das lebendig ist

26  Aber er ist jetzt, am Ende der Zeit, erschienen, um ein für alle Mal durch seinen Opfertod die Sünden zu tilgen. 27 Jeder Mensch muss einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht.

Wo es um einen Opfertod geht, geht es gerade nicht um den Tod, sondern um das Leben. Es wäre abgründig, Jesu Leiden auf seinen Tod zu reduzieren. Nicht der Tod, sondern seine Hingabe ist die Botschaft des Kreuzes. Jesus ist nicht gekommen sein Leben zu opfern, sondern er für etwas einzusetzen. Sein Sterben ist sein Dienst an den Menschen. Er ist nicht gekommen um sich dienen zu lassen, sondern dass er diene und sich als Löseopfer gebe für viele. Diesen Dienst kann er nur mit seinem ganzen Leben erbringen, aber nicht mit dem Tod. Das zeigt die Qualität des Opfers. Er opfert das Allerletzte, um Sünden, die Gottestrennung zu tilgen. Am Kreuz heilt die gefallene Schöpfung. Da ist ein für alle Mal Schluss, dass ein Mensch opfern muss, um einen gnädigen Gott zu finden. Gott braucht kein Opfer mehr, um versöhnt zu sein. Christus beendet damit den religiösen Urreflex der menschlichen Seele, der in allen kultischen Opferhandlungen liegt. Keine Bauchaufschwünge mehr, keine Selbstkasteiungen, keinen Ablass, keine auferlegten Bußübungen oder sonstigen menschlich verkrampften Aktionen. Gott braucht kein Opfer mehr. Sein Opfer hat mit uns zu tun. Es ist das lebendige Opfer für unvergängliches Leben. Es nimmt aller Anklage das Gericht. Dieses lebendige beendet das Sterben nach dem Sündenfall.

Martin Schleske, der Geigenbauer sagt: „Es ist wichtig, die Leidensbereitschaft der Liebe nicht in die Erlösungskraft des Leidens zu verkehren! Es wäre ein fatales Missverständnis, den Tod Jesu zu verherrlichen – gerade so als habe Martyrium aus sich selbst heraus einen Wert, als sei Leiden eine Form des Gottesdienstes, als habe Jesus quasi darauf gewartet, endlich für uns zu sterben. Das wäre die religiös perverse Verherrlichung des Selbstmords.“ (Martin Schleske, Der Klang, Klangfarbe der Notwendigkeit, S. 165)

Im Opfertod geht es um Leben.

  • Liebe, die alles gibt

Nun können alle, die Gott berufen hat, das von Gott zugesagte unvergängliche Erbe empfangen, das ewige Leben bei Gott.

Das Kreuz verwandelt alles. Wir verherrlichen an Karfreitag nicht die Erlösungskraft des Leidens, sondern die Leidensbereitschaft der erlösenden Liebe. Wenn Christus für uns gelitten hat, ist nicht das Leiden das große Thema, sondern wie weit seine Liebe geht. Wir stehen erschüttert unter dem Kreuz, betroffen von dieser Notwendigkeit, blicken auf und sagen: Du hast mich in den Himmel geliebt. Das ist das unvergängliche Erbe, das wir am Karfreitag empfangen. Das Kreuz wird zur Kraft meines Lebens. Mit dem Kreuz spricht er über unserem Leben sein es werde und es ward. Da beginnt Neuschöpfung. Damit erschafft die Liebe das Leben zurück. Ich gebe mich ganz, damit es dich gibt. Die Selbsthingabe ist die Liebe, die sich nicht abschütteln lässt.

„Ein Mensch der Liebe sucht, aber nicht bereit ist, auch am Geliebten zu leiden, hat das Wesentliche der Liebe nicht begriffen. Es wäre der armselige Versuch, das eigene Dasein in schmerzfreier Belanglosigkeit zu ertragen. Es wäre ordinär.“ (Schleske)

Der Anfang des Glaubens beginnt am Kreuz. Somit ist Glaube, lebendiges Opfer aus Liebe. Das ist ein Glühen unter Schmerzen. Es ist die Leidenschaft eines Floristen, der einen traumhaften Rosenstrauß bindet, auch wenn ihm manchmal die Dornen die Finger zerstechen. Das ist unvergängliches Erbe, wenn aus dem Opfer am Kreuz, in uns ein lebendiges Opfer wird. Wer liebt, kann sich nur für Großes opfern. Da muss Glaube nicht nur warm und schön sein, da darf er auch schmutzig und hart sein.

Durch das Kreuz sind wir lebendig, weil Liebe sich opfert.

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Staub soll blühen

Wo wir uns auf Grundlagen besinnen und der Realität stellen, bekommt Flüchtiges etwas Festes.

„Gott spricht: Im Schweiß deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“
1.Mose 3, 19

Dieses Wort aus der Sündenfallsgeschichte stellt auf den Boden der Tatsachen. Wir leben, ob wir glauben oder nicht in einer gefallenen Schöpfung. Irdisches Leben ist erdbezogen. Was aus Erde gemacht ist, wird dahin zurückkehren. Darauf liegt ein Hauch von Mühe und Flüchtigkeit. Alles unterliegt dem Kommen und Gehen, mit allen Lasten der Arbeit. Wo sich der Mensch von Gott gelöst hat, tritt er in ein Leben der Banalität und Vergänglichkeit ein. Im Staub ist nichts mehr von der Ebenbildlichkeit Gottes, zu der er eigentlich geschaffen war. Hier spielt sich die ganze Tragik des Sünderseins ab. Diese Gottlosigkeit in der wir in dieser Welt leben, hat sich der Mensch selbst geschaffen. Manch einer wird unter dem Staub sein verrückt. Auf- und Ableben ist die Ausgeburt von Sinnlosigkeit. Erdendasein mit Verfallsdatum hat keine Perspektive. Der Verfall der Gottesbeziehung, ist der Verfall des Lebens. Wo dem Leben Gott genommen ist, wird es um das Ewige beraubt. Das ist das Gesetz der Erde, unter dem jedes Leben steht. Es wird Mühe machen unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir werden um die Ernte kämpfen müssen, es fällt uns nichts in den Schoß. Alle Härten, alles Beschwerliche hat darin seinen Sitz. Auch der Glaubende braucht ein Ja zu dieser Tatsache. Wir schweben nicht darüber, oder sind von dieser Gesetzmäßigkeit entrückt. Gerade als Glaubende finden wir ein Ja zu harter Arbeit. Wir stellen uns bewusst dem Gesetz der Erde und akzeptieren damit Gottes Realität.

Doch der Glaubende lebt in einer zweiten Realität, wie sie Paulus ausdrückt: Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Mit Christus kommt der Unvergängliche in die Vergänglichkeit. Damit knüpft Gott wieder an den Anfang der Schöpfung an. Der gefallene Mensch bekommt in Christus seine Gottesebenbildlichkeit zurück. Da kommt zusammen, was zusammen gehört. Mit Christus wird der Zerfall zurück in die Erde durchbrochen. Damit bekommt das Staub sein etwas ewiges. Somit ist unserer irdisches Dasein ein Doppelleben. Wir leben in der gefallenen Schöpfung, mit all ihren Mühen und Plagen, und gleichzeitig kommt unsere Hoffnung nicht aus dieser gefallenen Welt, sondern aus Christus. In allem Sterbensprozess findet dann einen ständige Gegenbewegung des Lebens statt. Wir sind nicht mehr die an die Welt Ausgelieferten, sondern durch Christus die Lebendigen, die kein Ende kennen.

Geben wir da einer vergänglichen Welt, nicht einen ganz neuen Glanz?

Von Glückseligkeit verfolgt

Ewigkeit kommt zu jedem Zeitpunkt vor. Elazar Benyoetz

Aus einem der größten Trost-Psalmen kommt die volle Wucht der Gottes Güte. Wir sind die von Erbarmen Verfolgten. Der Reichtum von Gottes befreiender Kraft, wird uns überall hinterherschleichen. Wohin uns unsere Wege auch führen, quer durch die finstersten Täler, hängt uns die Erlösung an den Füßen. Wo Gutes und Barmherzigkeit allgegenwärtig sind, ist Christus mitten in der größten Hölle. Der menschliche Ausnahmezustand ist Gottes Präsenz. Mitten in der „Todes-Schatten-Schlucht“, wie Martin Buber diese Stelle übersetzt, bricht Herrlichkeit an. Ewigkeit ist der Schatten aller Nacht. Wer vom Guten verfolgt ist, dem klebt Glückseligkeit an den Fersen. Was auch kommt, es wird sich zum Guten wenden. Das ist die Gesamtaussage, die über unserem Leben steht. Wir können aus dem Hause Gottes nicht herausfallen. Wir werden für alle Zeiten in seiner Gegenwart bleiben. Im Leben und Sterben, sind wir des Herrn. Alle Ängste, Kämpfe und schrecklichen Ereignisse, die wir erleben, können uns nicht von dieser Tatsache wegreißen. Das heißt, es wird für allen Zeiten das Bittere nie isoliert im Raum stehen. Alles was geschieht, alles was wir durchmachen, geschieht innerhalb des Hauses des Herrn. Das Haus des Herrn umfasst das Elend der Welt. Egal was wir im Augenblick von dieser Herrlichkeit erkennen, sie umgibt uns wie die Luft die wir achtlos einatmen. Die Herrlichkeit, dieses Haus des Herrn erhält uns am Leben, gerade wenn wir sterben. Somit kann der Tod, keine Katastrophe mehr sein; kein Unglück, ein untröstlicher Schrecken. Jedes Schicksal geschieht in der absoluten Gottesgegenwart.

Wieviel Wärme kommt daraus in die Eiseskälte unserer Tage. Da ist alle Verzweiflung von Hoffnung verfolgt. Da kann ein Bonhoeffer aufrechten Hauptes seines Galgens entgegen gehen. Damit verlieren die schlimmsten Befürchtungen ihre Angst. Wer auf Schritt und Tritt vom Guten verfolgt ist, braucht kein Übel zu fürchten. Wer immerdar im Hause des Herrn bleibt, braucht in keinem Zerbruch mehr Angst haben. Dieser Trost entspannt all unseren Stress. Er gibt Gelassenheit in allen Turbulenzen. Da kann in aller Aufregung, der Herzrhythmus ruhig bleiben. Wir sind geborgen, auch wenn der Sturm, dem Haus, das Dach abdeckt.

Wenn wir in diesem Hause zuhause sind, wenn wir vom Guten verfolgt sind, welcher Schrecken will uns da noch nachschleichen?

Heute ist der wichtigste Tag

Einen Tag vor deinem Tode kehre um. (Talmud)

„Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.“

Ps. 146, 4
Davon müssen, steht über jedem Tag unseres Lebens. Der Mensch lebt im Angesicht des Todes. Und das sieben Tage nach Beginn des neuen Jahres, das mit vielen Plänen und Vorsätzen gestartet ist. Zeit und Tod sind Geschwister. Wer Zeit hat, hat gleichzeitig ihr Ende im Blick. Zeit ist somit ein Geschenk, die nicht in unserer Verfügbarkeit steht. Wo wir Zeit haben, halten wir die wichtigste Gottesgabe in den Händen. Im Tod stehen wir unmittelbar vor dem Zeitgeber. Somit ruht das Leben und Sterben in Gott. So wie wir heute aufstehen und atmen sind wir Beschenkte. In dem jetzigen Augenblick liegt das ganze Glück unseres Lebens, denn keiner weiß, ob er morgen wieder aufstehen wird. Angesichts des davon Müssens, kommt die höchste Brisanz in unsere Heute. Nicht umsonst heißt es: Der Tod ist der allerbeste Lebensratgeber. Und der Talmud schreibt: Einen Tag vor deinem Tode kehre um. Auch darin steckt das tiefe Geheimnis, da keiner weiß, wann sein letzter Tag ist, kehre vorsichtshalber heute um. Komme heute zur Besinnung und stelle das Leben in das was es ist, – Gottesgabe. In dem Augenblick, indem ich das erkenne, werden viele Sorgen, die ich mir um das Morgen mache lächerlich. Wo meine Pläne dahinfliegen, muss ich mich heute fragen, zu was bin ich heute von Gott beschenkt worden. Damit verdichtet sich das Leben. Es konzentriert sich auf das Wesentliche und trennt sich vom Flüchtigen. Angesichts des Todes steigt die Qualität des Lebens. Jeder Augenblick bekommt ein Christus-Gepräge. Da geht es in erster Linie um die Frage, wie entfalten sich das Geschenk und die Gaben Gottes in meinem Leben. Da verwandeln sich meine Pläne in Gottes Ziele. Wo wir uns unserer Endlichkeit bewusst sind, wird die Gegenwart Gottes präsenter.
Bei dieser Verdichtung des Heute, wo der jetzige Moment, der wichtigste im meinem Leben wird, beginnt eine große Abspeckungskur. Da können wir gelassen Ballast ablassen. Da wird plötzlich bisher Wichtiges, völlig belanglos. Da wird meine Zeit zum kostbarsten auf der Welt, die ich nicht mehr mit Sinnlosem verschwenden will. Da fangen wir an, wertwolle Beziehungen zu bauen und belastende zu trennen. Wo wir die Beschenkten und Begnadeten sind, ist heute der wichtigste Tag in unserem Leben.
Was müssen wir über Bord werfen, um den heutigen Tag großartig und gehaltvoll zu gestalten?

Leben ohne Verfallsdatum

Einmal gezeitigt, ist für immer verewigt. Viktor Frankl

„Deine Toten werden leben.“

Jes. 26, 19
Zwischen Gott und dem Menschen ist in dem Begriff Tod ein himmelweiter Unterschied. Was für den Menschen das Ende ist, ist für Gott der Anfang. Wo den Menschen das Licht ausgeht, geht bei Gott das Licht an. Am Tod erkennt man dem Glauben und das Gottesbild des Menschen. Bei Gott gibt es keinen Anfang und Ende, es gibt nur Sein. Das ist ein ewiger Ist-Zustand. „Ich bin“. Alles was aus diesem Ich bin hervorgeht, ist geschaffen für die Ewigkeit. Was Gott ins Leben ruft, kennt keine Schrottpresse. Entstandene Lebensenergie lässt sich nie mehr vernichten. Was geschaffen ist, geht in die Geschichte ein. Leben im irdischen Zeitfenster ist ein Bruchteil, von dem was der Mensch ist. Der Mensch ist weit mehr als seine leibliche Hülle, die die Daseinsform der vergänglichen Welt ist. Daher ist der Tod kein Bruch, sondern der Übergang in ein weit größeres Leben. Mit der Auferstehung Christi offenbart Gott, dass es für das Leben kein Verfallsdatum gibt. 
Beim Blumenschmuck dekorieren auf dem Friedhof, tritt eine Trauernde an mich heran und sagt: Die Blumen sehen so schön aus, das würde meiner Mutter bestimmt gefallen, wenn sie es noch sehen könnte. Ich sagte ihr nur: Sie sieht es. – Dann großes Erstaunen und die Rückfrage: Glauben sie das wirklich? – Ich nickte und spürte, wie das bei der Tochter etwas auslöste. 
Der Glaube an das ewige Leben verändert unser gebrechliches, vergängliches Leben total. Da sind wir in allem Verfall getröstet. Wo die Toten leben werden, ist dem Endgültigen die Macht und der Schrecken genommen. Darin bekommt das Leben seinen Sinn, weil in unserem Leben Ewiges schaffen können. Durch den Glauben an Jesus Christus, bauen wir in unserem vergänglichen Miteinander an bleibenden Werten. Da lernen die Menschen wieder hoffen, wo es nichts zu hoffen gibt. Da kann uns das Sterben und alles Vergehen um uns herum keine Angst mehr machen, weil wir um die Lebenszusammenhänge wissen. Wir vertrösten uns nicht mit der Zukunft, die nach dem Tod beginnt, sondern wir bringen jetzt schon das Leben in alles Sterben.
Welchem Tod können wir heute zum Leben verhelfen? 

Wir kommen nicht zu kurz

Wir brauchen uns nirgends von irgendwelchen Ängsten beherrschen lassen.
„Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der Herr hat es nicht getan?“

Amos 3, 6
Bei Gott gibt es keine Angst vor dem Tod. Da gibt es keine Angst, zu kurz zu kommen. Nirgends ist das Leben so sicher, als in dem, der es erschaffen hat. Einmal geschaffenes Leben, ist in Gott garantiert. Da gibt es nichts, was diesen Lebenswillen auslöschen kann. Menschsein bedeutet Dasein in Gott. Es ist in eine Urgeborgenheit eingehüllt. Zwischen Mensch und Leben gibt es etwas Unzertrennliches. Gott ist Leben im Vollsinn. Da ist Überfluss, der ewig überläuft. 
Menschen haben Angst vor dem Unglück. Dahinter steckt die Angst vor dem „nicht überleben“; die Angst vor dem Tod. So ganz frisch nach einem Attentat nach Barcelona zu fahren, brachten mir auch Stimmen ein: Hast du keine Angst? Es ist alles so unsicher. Und in der Tat, am Tag meiner Ankunft, gab es eine aktuelle Terrorwarnung, die dann am nächsten Tag wieder zurückgezogen wurde. Vieles im Leben wird auf Sparflamme gekocht, aus Angst, es könnte etwas passieren. Wir schöpfen das Leben nicht aus dem Vollen, weil irgendwo eine Gefahr lauern könnte. Da ist ständig ein schleichender Begleiter der uns abhält. Wir meinen, wir wären leichtsinnig, wenn wir uns nicht vor dem Unglück schützen, wenn wir das überhaupt können. Dieses ständig ängstlich sein, setzt das Leben auf Reserve. Wir sind hoch begabt und reich beschenkt und haben Angst es anzufassen.
Wenn das Leben in Gott ist, kann das Unglück dieses Leben nicht nehmen. Paulus sagt das treffend: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Für den Glaubenden ist der Tod kein Schrecken mehr. Egal was passiert, aus Gott können wir nicht herausfallen. Christus besiegelt die Überwindung des Todes mit dem Ostermorgen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein, formuliert Bonhoeffer. Wir können alles mit dem Auferstehungsglauben angehen. Da fangen wir an alle Register zu ziehen. Wir können das was uns gegeben ist, angstfrei und freudig genießen. In großer Freiheit können allem Bösen widerstehen. In diesem Glauben können wir die vom Unglück Gebeutelten kraftvoll trösten.
Warum wollen wir Gott für einen Schiffbruch anklagen, wenn er der Ozean ist, in den wir fallen?

Das Leben wählen

Die Glaubenden sind keine Kostverächter.
„Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst.

5.Mose 30, 19
Damit haut Gott auf die Pauke, „dass du das Leben erwählst.“ Da sprüht die Lebendigkeit. Das klingt wie Musik, wie ein Tanz der Farben, wie die Fülle bei Tag und bei Nacht. Da feiert die Überwindung ein Fest über Negation und Depression. Da sind gerade die Glaubenden die Vorreiter, wenn es ums dankbare Genießen und ums Ausschöpfen von Lebensqualität geht. Gott will den Durchbruch schaffen, gegen alles, was das Leben nach unten zieht. Er schenkt das Leben gegen allen Sterbensprozess, er feiert die Auferstehung über dem Fluch, der auf der Schöpfung liegt. Gott hat sich nie damit abgefunden, dass die Menschen, die Welt herunterwirtschaften.
Da fragt man sich, warum gerade bei den Glaubenden an dieser Stelle so viel Verklemmung sitzt. Aus Angst, über die Stränge zu schlagen, wird ein Leben auf Sparflamme geführt. Da zeichnet sich die Christenheit oft damit aus, dass sie moralische Barrikaden aufgebaut hat. Da ist ein frommer Weg mit unliebsamen Verbotsschilder gepflastert. „Das macht man als Christ nicht.“ 
Es war für mich am vergangen Sonntag ein faszinierend, eindrucksvolles Schauspiel, Barcelona bei Nacht zu erleben. Als es dunkel wurde, kamen von allen Seiten die Menschen geströmt, um sich dann an einer Wassermusik zu erfreuen. Da steht auf dem Schlossplatz ein Brunnen, bei dem die Fontänen eindrucksvoll in farbigem Licht zur Musik zu tanzen begannen. Über eine Stunde lang haben Licht, Tanz und meist klassische Klänge die gebannten Betrachter in Atem gehalten.
Das Leben wählen ist noch viel mehr, als sich so ein paar Glanzlichter zu gönnen. Darin liegt die ganze Überwindungskraft der Erlösung. Da ist die ganze Lebenseinstellung von unbändiger Hoffnung getragen. Da wird der Geist der Schwere und des nicht mehr Wollens umgebrochen, zu einem Geist des Ja, ich will. Wo wir das Leben wählen, sagen wir allem Sterben den Kampf an.
Glauben wir nicht, dass wir alle Macht haben, gegen Tod und Fluch anzutreten?

Im Tod erkennt man Werte

Wenn das Leben durch die Finger zerrinnt, braucht es Fixpunkte.
„Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!

Ps. 39, 6
Drastische Gegensätze werden hier aufeinander bezogen. Sicher leben, und nichts vor dir. Die allgemeine Lebensgestaltung ist wie Luft. Vor Gott, ist das Menschengemachte kalter Kaffee, wertlos und flüchtig. Hier wird eine bittere Billanz gezogen; ohne Gott, kann man alles vergessen. Da ist nichts was hält, was trägt, oder überhaupt als lebenswert bezeichnet werden kann. Siebzig, achtzig Jahre, ein reiner Flop. Alles Mühen, aller Einsatz, alles was erreicht wurde, nur Schall und Rauch. 
Vor dir, ist der Blick vom Ende her. Was ist noch wichtig, von all dem, was uns umtreibt, wenn wir morgen sterben müssten? Im Angesicht des Todes, erkennen Menschen, was in ihrem Leben wertvoll ist. Sobald ich weiß, dass morgen mein letzter Tag wäre, würde mein Heute anders aussehen. Unser Ende stellt vor Gott. Vor ihm erkennen wir schlagartig alles Nichts. Vor ihm, scheidet sich die Spreu vom Weizen. Vor dem Ewigen, wird uns unsere Vergänglichkeit klar. Das stehen wir nach einem gelebten Leben, mit leeren Händen da.
Daher gehört der Bezugspunkt, des vor dir in unser Heute. Sicher, gehaltvoll, erfüllt kommt aus dem Schöpfer. Im Stehen vor Gott, lösen wir uns aus unserem Nichts. Lebesgestaltung, lebt aus der unmittelbaren Gottesbeziehung. Alles Denken und Tun steht in engem Austausch mit Gott. Da sind wir von Liebe geprägt, von Güte umschlossen und von Treue gefestigt. Da arbeiten wir nicht um zu überleben, da bekommt jeder Augenblick einen bleibenden Sinn. Da verkaufe ich keine Blumen mehr, sondern verteile AHA-Erlebnisse, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Da springt ein Funke Liebe über, der dem Anderen einen unvergesslichen Moment schafft und ihn über seine belasteten Tage trägt. Erst im Stehen vor Ihm, verliert unser Nichts. Da fallen ewige Samen in die vergängliche Erde. Da können wir im Rückblick erkennen, Gott hat seine Spuren in unserem Leben hinterlassen.
Wäre es nicht gut, gerade die Urlaubszeit dazu zu verwenden, unsere grundsätzliche Lebensausrichtung zu Überdenken?   

Loslassen ist eine Geburt

An jedem Abend stirbt der vergangene Tag, damit am naächsten Morgen ein Neuer zum Leben erwacht.
„Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.“

PS. 116, 8
Sterben und wieder lebendig werden, ist das Thema unseres Lebens. Vom Tode erretten, ist Gottes großes Thema. Gott setzt zu allem Sterben ein Gegengewicht. In all unserem Abwärts liegt ein Aufwärts. Krankheit, Leiden und Schmerzen sind so normal wie sein Retten. Dass Augen weinen, Füße dahingleiten und keinen Halt mehr haben, gehört zum Leben. 
Schwachsein und Sterben gehören zu einem natürlichen Lebensprozess für etwas Neues. Bei der Geburt verlassen wir den Mutterschoß. Wir trennen uns von dem bestumschützten Raum, für ein aufregendes Dasein in Freiheit. Dazu werden wir gestillt und abgestillt. So ist das ganze Leben voller Prozesse des Loslassens, Absterbens, hinter sich Lassens und neu Werdens. Der heutige Tag ist abends vorbei. Er stirbt, wir trennen uns, er ist nur noch Erinnerung. Am nächsten Morgen beginnt etwas Neues. Zwar machen wir oft im alten Trott weiter, nehmen die Schmerzen von gestern ins Heute, doch der neue Morgen hat zunächst etwas total unverbrauchtes, in dem alles möglich ist. 
Wenn Gott vom Tode errettet, hat das mit einer tiefgreifenden Lebensgestaltung zu tun. Rettung ist immer ein Umbruch für das danach. Nichts bleibt im Tod, nichts bleibt im Aus. Gerade dort, wo wir uns als Schach matt sehen, hat Gott noch einen Zug und noch einen. In Retten liegt Gottes schöpferische, befreiende, erlösende und erneuernde Macht. Nach Tränen, nach dem Gleiten kommt noch was. Im Retten liegt aller Trost der Welt. Im Retten liegt die Geburt zum Leben in Freiheit. Vom Tode erretten, bringt das Unsterbliche ins Leben. Da sind die Krisen nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Morgens.
Ist es da nicht möglich, in allem Weinen und Gleiten, diesem Retten viel mehr Bedeutung zu schenken?

Pipeline zum Ewigen

wer in der Nacht Lobgesänge anstimmt, lebt aus einer anderen Macht.
„Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“

Ps. 118, 17
Was für den normalen Menschen einen Widerspruch bedeutet, ist für den Glaubenden die Lebensgrundlage. Sterben kann nicht diskutiert werden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer durch ein Pflegeheim geht, wird damit konfrontiert, wie der Mensch Stück um Stück abbaut. Jeder Tag ist ein kleines Sterben, bei dem wir uns von etwas trennen und verabschieden müssen.
Wenn jemand solch ein Loblied anstimmt und sein nicht Sterben müssen proklamiert, gehört er entweder in die Klapsmühle oder lebt er in anderen Zusammenhängen. In Gott sein, setzt zum Sterben ein Gegengewicht. Da schafft eine Kraft allem Verfall entgegen. Das Leben, das aus Gott kommt, ist ein Leben ohne Verfallsdatum. Christus bringt in die irdische Begrenzung himmlische Erneuerung. Er setzt aus der unvergänglichen Welt Lebensimpulse in der vergänglichen Welt. Er ist die Pipeline in die ewige Welt. Dadurch fließt permanent Leben in alles Sterben. Gerade dort wo das Gericht über die Welt geht, wo alles unter den Lasten des Lebens zebricht, wird Heil realisiert. Da geschieht im Sterben Auferweckung zum ewigen Leben. In Christus wirkt Zukünftiges in die Gegenwart.
Das haben Paulus und Silas in der Nacht im Gefängnis erfahren. Deshalb konnten sie zur Verwunderung aller, um Mitternacht Gott loben. Da haben die Schläge und die Folter des Lebens ihre Macht verloren, weil Gott in das Schicksal Lebensimpulse gesetzt hat. Unter den Lebensschlägen wird das Sterbende zum Leben verwandelt. Mit Christus brauchen wir keine Vergänglichkeit zu fürchten,, weil sich immer sein Leben durchsetzt.
Welche Lieder klingen in unseren Nächten?