Christus allein

Durch den Glauben wechseln moralische Formen in Liebe.
„Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.“

Psalm 34, 15
Eine Aufforderung, die nicht besser zum Reformationsfest passen könnte. Was hier nach Menschengerechtigkeit aussieht, ist genau das Gegenteil. Man könnte meinen, dass „lass ab, tue, suche und jage“ Aktivitäten sind, mit denen ein Mensch vor Gott in Ordnung kommt und das Heil erlangt. Ganz nach dem Motto: Wenn du Gutes tust, wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. Gerade dieser frommer Irrtum, brachte Luther auf die Palme und die 95 Thesen an die Kirchentür. Es begann die Revolution der Gnade, gegen alles Menschenwerk. 
Um vom Bösen abzurücken und Gutes zu tun, ist der Mensch gar nicht in der Lage, wenn man diesen Begriffen nachgeht. Gut und Böse entscheidet sich an der Beziehung zu Gott. Gott ist der Inbegriff allen Guten. In Gott ist die Welt in Ordnung, funktioniert und ist lebendig. Wo die Beziehung abbricht, fängt das Elend an. Wo der Mensch sich gegen Gott durchsetzt, ist nichts mehr gut. Im Loslassen von ihm, kommt das Böse in die Welt. Diese Tendenz kann jeder an sich selbst entdecken. Daher kann Gutes tun, nicht aus dem Menschen heraus kommen, der immer wieder gegen diese Beziehung löckt. Gutes tun, geht zuerst von dem Guten aus. Es ist keine menschliche Voraussetzung, sondern eine Göttliche. Gott tut Gutes, indem er verkrachte Verhältnisse befriedet. Wenn Gott auf den Menschen warten würde, würde er vergeblich warten. Er macht den ersten Schritt für den Frieden. Gegen das Böse setzt er Christus. An Christus trennen sich Gut und Böse. Somit ist er die zentrale Figur für das Gute und den Frieden. Das ist der einzige Grund auf dem der Glaube aufbaut. Das ist die menschenverändernde Dimension die Martin Luther proklamiert hat.
Vom Bösen ablassen und Gutes tun, ist der Jesus-Blick. Da hat uns die Liebe getroffen, die uns zur Liebe fähig macht. Wir sind der Ausfluss dessen, was an uns geschehen ist. Dass Gutes in die Welt kommt, liegt nicht mehr in unserer Anstrengung, sondern in unserer Christus-Beziehung. Der Glaube befreit uns von moralischen Pflichten, dass wir nur gut sind, wir unsere Gebete halten und unsere Aufgaben treu erfüllen; das wäre ein selbstgerechter Glaube. Der Glaube hat Liebe empfangen, wurde von Liebe überschüttet und wird dazu gedrängt diese Liebe weiterfließen zu lassen. Allein Christus macht es, dass wir Gutes tun und dem Frieden nachjagen.
Wieviel Gutes und wieviel Frieden käme in die Welt, wenn alles von uns abhängig wäre?

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Fröhlich sündigen 

Wo der Geist vor Ehrfurcht still steht, kann nur die unendliche Liebe unterwegs sein.
„Ich will euch mehr Gutes tun als je zuvor, und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin.“

Hes. 36, 11
Wenn Gott das Gute in sich ist, ist noch mehr Gutes, das Höchste der Gefühle. Gott übertrifft sich damit selbst. Wo Gott sich im Guten überschlägt gibt es keine Steigerung mehr vom Allerbesten. Seine Zuneigung zum Menschen ist durch nichts zu toppen. Da kocht die Liebe in  ihrer ganzen Leidenschaft. Mehr Gutes ist der Höhepunkt all dessen, was Gott für die Versöhnung mit Menschen einsetzt. Der Gipfel des Guten ist Christus, mit dem er dem Adamsgeschlecht vergibt. Damit ist der abgrundtiefe Mensch gerecht und vor Gott in Ordnung. Zwischen Gott und Mensch steht kein Makel von Schuld mehr. In diesem mehr Guten, soll der Mensch erfahren, dass alle Gerechtigkeit von Gott ausgeht. Kein menschliches Werk kann mit dazu beitragen. Das ist die reformatorische Botschaft, die wir morgen feiern. Wir erfahren das Gute durch: allein das Wort, allein die Gnade, allein Christus. Durch das mehr Gute, wird der Mensch vor Gott gut, was sonst unmöglich wäre. Damit hat Gott sich selbst übertroffen. Versöhnung mit Gott ist allein sein Werk und in Christus für alle Welt zusammengefasst. Gott hat dadurch nichts mehr gegen uns in der Hand. Wo er vergeben hat, stehen wir makellos vor ihm. Durch Christus steht der sündige Mensch unter der Schöpfungsaussage: Und alles war sehr gut.
Wie tut das Gute so gut. Da formt sich ein Staunen vor so viel unfassbarer Liebe. Da schlägt die Dankbarkeit Purzelbäume. Da kann die belastete Seele befreit aufatmen. Wo wir von diesem Guten übermannt werden, leben wir aus der Gnade. Wir können fröhliche Sünder sein, wie Luther es sagt, weil aus der Vergebung leben. Wir fallen und können sofort wieder aufstehen, als sei nichts gewesen. So natürlich wir sündigen, so selbstverständlich wird uns vergeben. Wer in dieser unfassbaren Liebe des Guten steht, gebraucht Vergebung in höchster Ehrfurcht. Je mehr wir sündigen, umso Christusabhängiger werden wir. 
Was passiert, wenn wir aus diesem Staunen und befreit sein unseren Tag gestalten?

Wen Gott nimmt, begabt er

Der Herr nimmt sich was er braucht.
„Amos sprach: Ich bin ein Rinderhirt, der Maulbeerfeigen ritzt. Aber der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!“

Amos 7, 15-15
Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Da ist ein einfacher Landwirt, macht seine Arbeit und verdient sein Geld damit, und Gott funkt dazwischen. Berufung schmeißt ein Lebenskonzept über den Haufen. Wer oder was ich bin, spielt für Gott keine Rolle. Er nimmt sich einfach jemand heraus und sagt: „Ich habe eine ganz andere Aufgabe für dich. Lass deine Rinder Rinder sein und zeige meinem Volk wo es lang geht.“ Wir sind Gottes Hoheitsgebiet. Was sich der Herr wie und wo nimmt, ist seine Sache, egal was der Mensch denkt und plant. Gott wählt sich hier einen Propheten, der keine akademische Laufbahn vorweisen kann. Ein Landwirt wird zum Visionär eines Volkes bestimmt. Das erlaubt sich Gott ganz einfach. Jesus wählt ganz normale Fischer, die er zu seinen Jüngern macht, dass sie dann den Menschen zu predigen und sie heilen. Da kommt keine Rückfrage, ob die Jünger, ob Amos das überhaupt wollen. Gott nimmt einfach von der Herde oder den Netzen weg, fragt nicht nach Auskommen oder sozialem Umfeld. Für ihn ist es das Selbstverständlichste von der Welt, in ganzer Radikalität die Lebensplanung seiner Kinder zu bestimmen. 
Doch was hier ganz normal ist, bereitet vielen Glaubenden Bauchschmerzen. Das passt alles gar nicht so sehr in unser Selbstbestimmungsrecht. Viele haben ein Problem, wenn Gott nach ihrem Leben greift. Da sind dann plötzlich Pläne und Vorstellungen, die es an den Nagel zu hängen gilt. Vor ein paar Tagen las ich in der Totenchronik einer mir gut bekannten Diakonisse: Eigentlich wollte ich heiraten und eine Familie haben, doch Gott wollte, dass ich in einer Lebensgemeinschaft Schulen und Krankenhäuser aufbaue. Wo Gott sich unser Leben für sich herausnimmt, geht es ans Eingemachte. Als lebenslustiger, freiheitsliebender Mensch, konnte ich mir nie ein Leben im Kloster vorstellen, Gott aber schon. 
Was sich Gott herausnimmt, erhält einen weit größeren Auftrag, als sich der Mensch selbst erwählt hätte. Gott hat hohe Maßstäbe und große Ziele. Rinderhirte zum Propheten. Wo er ruft, qualifiziert er. Er schafft die Bedingungen. Wo Amos sich darauf einlässt, erfährt er die Gabe der Weisheit, der Menschenführung und der Verkündigung. Er bringt das lebendige Wort dem Volk, um es aufzubauen, zu ermahnen und zu trösten. Da entsteht Reich Gottes pur und einfach dadurch, dass Menschen sich herausnehmen lassen.
Warum sollten wir dieses großartige Schaffen, durch unsere Vorstellungen ausbremsen?

Gott segne euch an diesem Sonntag.

Befreite jubeln lauter

Wer aus Lasten herausgerissen ist, kann nur jubeln.
„Mit fröhlichem Schall verkündet dies und lasst es hören, tragt´s hinaus bis an die Enden der Erde und sprecht: Der Herr hat seinen Knecht Jakob erlöst.

Jes. 48, 20
Das Gottesvolk hat gut lachen. Das große Weltreich Babylonien ist zusammengebrochen und die einst gefangen gehaltenen Juden können wieder in ihre Heimat zurück. Umbrüche, Mauern, die gefallen sind, Menschen, die Befreiung erlebten, kennen wir aus der eigenen Geschichte. Wenn der Herr erlöst, fallen Lasten ab. Gott reißt im Großen und Kleinen Mauern ein. Er schafft Umbrüche in Köpfen und Herzen. Manch einer stürzte sich in eine Beziehung und erhoffte dabei das große Glück, bis nach und nach dieses Glück zur Hölle wurde. Gefangen und angekettet, leidet man sich durch die Jahre, bis zum nicht mehr aushaltbaren Knall. Im Kopf machte es klick und es fallen Mauern ein. Man erkannte, dass Loslassen zur Befreiung wird. Man löste sich von der Vorstellung, dass jede menschlich geschlossene Verbindung unter einem göttlichen Versprechen liegt. Es gibt durchaus Ehen, die nicht von Gott zusammengefügt sind, bei denen eine Trennung befreit, für einen weit größeren Dienst im Reich Gottes. Umbrüche geschehen um Kopf der Menschen. Umbrüche schafft der Herr. Umbrüche wenden die Geschicke der Völker und das Leben der Menschen. Wo Gott aus babylonischer Knechtschaft befreit und die Seinen nach Hause bringt, geht er immer auf die Existenz Christus zu, der seine Kinder wieder beim Vater beheimaten will.
Wer von Zwängen und Lasten befreit wird, der kann nur außer sich sein. Loslösung und Erlösung lässt jubeln. Der Befreier muss gefeiert werden. Wieder Zuhause ankommen ist ein Fest. Wo Gott erlöst, stellt er den „Normalzustand“ wieder her. Mit Christus kommt Grundlegendes in Ordnung. Christus führt aus der Belagerung nach Hause. Das ist ein tagtäglicher Umbruch, in allen Mauern und dem gefangen sein widriger Umstände. Christus macht Erlösung zu einem Dauerzustand. Wir sind die dauerhaft aus der Gefangenschaft herausgerissenen. Da ist ständig ein Grund, sein befreit sein von unerträglichen Lasten hinauszuposaunen. Durch die Erlösung werden wir von heimatlosen Gefangenen zu befreiten Beheimateten. Wir tragen die Spuren der vergangenen Tage an uns, sind jedoch nicht mehr die Ausgelieferten, sondern die Überwinder auf dem Weg nach Hause. 
Ist das nicht ein Fest, von dem alles wissen sollen? 

Spiel mal mit Licht

Licht beendet das Drama der Dunkelheit. 
„Kommt nun, lasst uns wandeln im Licht des Herrn!“

Jes. 2, 5
Der mitreißende Seitenhieb eines Entdeckers. Kommt nun, kommt endlich ist ein Wachrütteln aus der Lethargie. Fische nicht mehr weiter im Trüben. Es ist ein dramatischer Aufschrei, weil einer den Schalter entdeckt hat. Das Tasten und durch die Nacht schleichen ist vorbei. Endlich ist Licht in Sicht. Licht am Ende des Tunnels, Licht in den Schatten des Lebens. Licht in der Verzweiflung verändert alles. Das Licht des Herrn bricht die Nacht der Menschen um. Christus ist der Umschalter im Drama des Lebens. Mit ihm erschrickt die Finsternis. Da ziehen sich die Nebel zurück, die wie eine Dunstglocke alle Sicht versperrt haben. Gott macht mit Christus das Licht an. 
Kommt nun, ist das Anstacheln für alle, denen die Lichter ausgegangen sind. Unsere Tage sind voll Enttäuschungen, Bitterkeit und Trauer, wo am Ende mehr Frust als Dankbarkeit steht. Es ist nicht die große Bedrohung eines evtl. 3 Weltkrieges, die uns zu schaffen macht, es sind vielmehr die vielen kleinen Verwundungen im Miteinander, die belasten und lähmen. Das nicht mehr wollen und können, das keinen Ausweg sehen, das sinnlose ertragen müssen, sind die Nächte unserer Tage. Dahinein kommt dieses Herausreißen des Lichtes. Christus ist genau für die Unerträglichkeiten gemacht. Er ist der Umschalter im Kleingedruckten unseres Daseins. Das Licht ist nicht für die sonnigen Zeiten gemacht, sondern genau für die grauen und schweren Tage. Es gibt den Aussichtlosen eine Perspektive, und denen die nichts mehr zu hoffen haben, festen Boden unter die Füße. In diesem Licht, verliert selbst die Stunde des Todes ihren Schrecken.
Wir sind Kinder, die mit diesem Licht spielen. Bei diesem Spiel zieht sich Dunkelheit geschlagen zurück. Da brauchen wir gar nicht viel machen, wir müssen nicht verkrampft Licht generieren, wir strahlen durch das Licht, das uns umgibt. Das Licht ist unser Aufenthaltsort, unser Wegbegleiter. Damit wird es in uns hell und wir werden zum Leuchtfeuer für die Nächte der Menschen.
Macht solch eine Einladung nicht Lust, mit dem Licht zu spielen?  

Gerecht Gemachte verbreiten Lebensmut

Wem Lasten abgenommen wurden, der kann mit anderen gönnerhaft und großzügig umgehen.
„Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbar werde.“

Jes. 56, 1
Was der Prophet hier ankündigt, ist der größte Befreiungsschlag für die Menschen. Da ist schlagartig ein Berg von Schulden weg. Gott entsorgt Unrecht und Unheil. Gott tritt mit ganzer Macht, der Misswirtschaft der Menschen entgegen. Wo seine Gerechtigkeit offenbar wird, schafft er mit Christus eine Neuschöpfung im Chaos. Er ordnet das aus dem Ruder gelaufene, in „das Richtige“. Wo Heil kommt, verbindet die Liebe die Wunden, die der Eigensinn geschlagen hat. Offenbarende Gerechtigkeit, lässt schäumende Gemüter zur Ruhe kommen. In allem Aufbäumen, in allem innerlichen Kochen über erfahrender Ungerechtigkeit, kommt die Gewissheit, dass Gott Recht schafft und Unrecht zur Verantwortung zieht. Gott lässt keinen Zweifel daran, dass er die höchste und letzte Instanz über allem ist. 
An allen Ecken und Enden schreit das Unrecht zum Himmel. Wir stöhnen, wie selbst staatliche und politische Systeme, die für Recht und Ordnung verantwortlich sind, nur aus Macht- und Eigeninteresse handeln. Es ist unfassbar, wie unser Gesundheitssystem krank macht, weil es die Hilfe verwehrt, die Menschen wieder auf die Beine bringen würde. Doch allem Anschein zum Trotz, haben die Machenschaften der Menschen nicht das letzte Wort. Gerechtigkeit Gottes beginnt nicht in ferner Zukunft. Dieses Wort vertröstet nicht auf bessere Zeiten, die irgendwann mal kommen werden. Wo Christus ist, werden Menschen gerecht gemacht. Wer dieses Zurechtbringen erfährt, tritt dem Unrecht entgegen. Die Glaubenden sind gerecht Gemachte, die zu Brückenköpfen von Gottes Gerechtigkeit in dieser Welt werden. Wir sind Boten und Diener von Recht und Gerechtigkeit. Wie das praktisch aussieht sehen wir bei Paulus: „Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was dem andern dient.“ Im Liebesdienst am Nächsten, erfährt dieser das Heil im Unrecht. Wer den Christus bringt und für andere zum Christus wird, übt Gottes Gerechtigkeit an den Menschen aus, und befreit sie aus dem quälenden Druck des Unrechts. Das ist der Dienst des Aufatmens.
Schaffen wir mit solch einem gönnerhaften Dienst nicht Hoffnung und Lebensmut?  

Hoffende sind schwanger

Der Hoffende ist wie ein Vogel der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.
„Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen.“

Klagel. 3, 26
Die Hoffnung greift nach etwas, was noch nicht ist und was sie nicht sieht. Sie lebt aus einer vorweggenommenen Erfüllung, in froher Erwartung. Die Hoffnung greift in der Nacht nach den Sternen, sie greift nach etwas Festem und Verlässlichem. Sie will aus dem Unzuverlässigen herausziehen. Somit kann Hoffnung nicht aus dieser Welt sein, kann nie auf Menschen bauen. Tragfähige Hoffnung kommt aus Gott. Sie schließt einen Stabilitätspackt mit dem Treuen, dem Unvergänglichen. Sie tanzt mit dem Regenbogen, der sein Farbenspiel an den schwarzen Himmel malt. Weil Gott treu ist, weil er seinen Bund garantiert, kommt daraus eine entäuschungsresistente Hoffnung. Wenn nichts mehr geht, das Leben austherapiert zu sein scheint, dann schenkt diese Hoffnung den Glauben an das Unmögliche. Die Hoffnung auf den Herrn, setzt der Katastrophe einen oben drauf. Sie zerbricht und zerkleinert das Unglück. Da kommt in den Trend des Untergangs die Botschaft: Du bist schwanger. Hoffnung ist, mit Christus schwanger zu sein. Die Hoffnungslosigkeit kreiert eine Neugeburt. 
Das ist köstlich. Ab diesem Moment, geht der Trostlosigkeit die Luft aus. Wir leben nach wie vor in den gleichen erdrückenden Spannungen, doch diese Hoffnung verändert alles. Mitten in der Perspektivlosigkeit, wächst in uns etwas Neues heran. Wo Christus in uns heranwächst, verliert das Übel seine erschlagende Macht. Da können wir mit harten Schlägen geduldiger umgehen. Da spüren wir an uns die zerstörenden und niederschmetternden Kräfte, doch mit dieser Hoffnung schwindet die Irritation. Da ist ständig ein Sog in den neuen Morgen. Da beginnt ein Singen, während wir noch durch die Nacht gehen. Es ist kostbar, solch eine Hoffnung zu haben.
Können wir da noch ungeduldig unser Elend beklagen, wenn wir schon vom neuen Morgen angezogen werden?

Kostenträger sagen NEIN zur Therapie

Wo andere in Not waren und Hilfe brauchten, war Natalie bedingungslos da.

Jetzt braucht sie unsere und deine Hilfe.

Hier die ausführliche Geschichte eines unvorstellbaren Hürdenlaufs.

https://brtheophilos.wordpress.com/2017/10/06/auf-eigenen-beinen/

Der Kontrapunkt

Die Lehre der Harmonie und dessen, was man als schön definiert, kennt in er gewöhnlichen Linienführung die unerwartete Wende.
„Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe.“

Jes. 65, 18
Immerdar fröhlich zu sein, ist ein Schönheitsideal, das offensichtlich nichts mit unserer alltäglichen Wirklichkeit zu tun hat. Studieren wir einmal die Gesetze von gelungener Architektur, wie der des Baltasar Neumanns, entdecken wir, sich immer wiederholende Grundformen, die an bestimmten Stellen von einer Gegenbewegung geschnitten werden und sich so zu einer genialen, faszinierenden Bewegung entwickeln. In der Musik gibt es Tonfolgen und Melodien, die dem Ohr eine gewisse Hörerwartung vermitteln, wie der Verlauf des Stückes sich fortsetzten wird. Doch wenn unerwartet eine Gegenbewegung einsetzt, die in eine ganz andere Richtung verläuft, als vorausempfunden, wird eine Spannung erzeugt, die einfache, schöne Musik zur Kunst werden lassen. Diese Gesetzmäßigkeit haben die alten Meister wie J.S. Bach bis zur Vollendung beherrscht.
Immerdar fröhlich sein, ist die unerwartete Gegenbewegung zur Banalität unserer Tage. Die sich wiederholenden Schläge, menschlicher Ohnmacht, tragen in sich kein Potential für eine hoffnungsvolle Wende. Da brauchen wir nur am Blütenmeer des Grabes eines geliebten Menschen stehen. Fröhlich sein hat seinen Schnittpunkt in dem „was ich schaffe“. Wo Gott schafft, löst sich die Leier des Menschlichen auf. Da ist ein Kreuzungspunkt, bei dem das Leben eine radikale Wende nimmt und zu einem Höhenflug ansetzt. Wo der Schaffensprozess Gottes die Grundlinie des Menschen tangiert, wird das Kreuz zur Auferstehung. Wo die Jünger dachten, das mit dem neuen Messias Glauben sei auf Golgatha alles gelaufen, schafft Gott das Unerwartete und Undenkbare. 
Die Wirklichkeit des Menschen erfährt seine Genialität in diesem Schnittpunkt. An diesem Kreuzungspunkt wendet sich die Trauer in Freude. Gottes Schaffen gibt dem Unscheinbaren und Unglücklichen, einen fröhlichen Verlauf. Dadurch kann ab heute auch unser trauriges Dasein, zu einem großen Kunstwerk Gottes werden.
Warum sollte da auf unserer eingefahrenen Grundlinie, dieser Umbruch nicht eine ganz fröhliche Bewegung ins Spiel bringen?

Hauptsache gesund

Markus 1,32-39

Gesund ist, wenn die medizinische Diagnose keine Fehlanzeige liefert, so das Lexikon. Somit wären vier abgesägte Finger an der rechten Hand ungesund. Wer legt fest, was krank ist? Bin ich bei einem Idealgewicht von 67 Kilo topfit? Gesundheit ist wichtig. Die Menschen tun heute viel für ihre Gesundheit. Gesundheit steht bei den Geburtstagswünschen an oberster Stelle. Hauptsache gesund, lauten fromme Wünsche; das heißt, die Beziehungen, die Arbeit und alles andere darf krank sein. Hauptsache mir geht´s gut, und das übrige ist nebensächlich!?

Jesus irritiert dieses kranke Anspruch Denken.

  1. Gesunde Beziehung

Am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.

Jesus, der gefeierte Wunderheiler setzt sich ab. Eine ganze Nachtschicht lang heilte er Gelähmte, trieb ungute Geister aus und tat an schwer Leidenden Engelsdienste. Er brachte total Verzweifelten den Lebensmut zurück und sprach heilende Worte denen, die keine Zukunft mehr sahen. Er offenbarte sich als der Jesus, den sich die Menschen ersehnen, der die schmerzenden Wunden verbindet. Genau solch einen Arzt braucht die gebeutelte Menschheit.

Doch am Morgen steht er auf und geht. Er zieht sich für das Morgengebet zurück und brüskiert die noch nicht Geheilten. Sein frommer Ritus ist ihm von einem Moment auf den anderen wichtiger als die Kranken. Laudes statt Heilung. Das soll ein Blinder verstehen? Er war voll für die Massen da und verkrümelt sich nun an einen einsamen Ort. Er entzieht sich den Verkrüppelten, für die er die einzig, existenzielle Hoffnung bedeutet. Jesus, warum kannst du nur so weh tun? Da scheint er, wie mancher Fromme an der Realität vorbeizugehen, zieht sich zurück, um sich vor der Arbeit zu drücken.

Doch wenn er betet, stellt er sich der Realität Gottes. Beim Beten löst er sich von Menschen und stellt sich in die Abhängigkeit Gottes. Im Beten knüpft er die Vater-Sohn-Beziehung, aus der heraus überhaupt erst ein Dienst an den Menschen möglich wird. Damit sagt er: Wenn mein Verhältnis zu meinem Vater krank ist, bin ich nicht in der Lage andere gesund zu machen. Wenn es an der Gottesbeziehung krankt, wird das Leben heillos. Auch bei Jesus beginnt alles damit, dass Gott, der Vater unser im Himmel ist. Für Jesus ist das Morgengebet existenzielle Beziehungsarbeit. Ohne das Hinausgehen an die einsame Stätte wäre etwas krank. Jesus definiert Gesundheit in der Beziehung mit Gott. Wo das Gebet schwach wird, würde sein Dienst an den Menschen verkrüppeln. Jesu Beauftragung ist nicht organische Unversehrtheit in die Welt zu bringen, sondern das umfassende Heil, das gegen die Schuld des Menschen angeht und den Urgrund von Krankheit heilt. Seine Gebete sind es, die all seinen Wundern vorausgehen.

Die Sehnsucht nach Gott steht am Anfang. Jesus macht Lust auf Gott. Die Lust auf diese Beziehung macht gesund.

  1. Krank vor lauter Gesundheit

Am Abend brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. Simon und die bei ihm waren, eilten ihm nach, als er wegging.  Als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. 

Jesus hätte hier in Kapernaum eine gutgehende Poliklinik aufbauen können. Die Jünger waren voll von diesem Geschäftsmodell überzeugt: Jeder sucht dich. Doch weshalb suchten sie Jesus? Wenn man sehr genau hinschaut, suchten sie eigentlich nicht Jesus, sondern „nur“ ihre Gesundheit. Ihre ganze Motivation war eine Selbstbezogene. Wer von Jesus nichts weiter will als „nur“ die Gesundheit, ist krank. Es ist ein fatales Missverständnis, zu ihm in die Sprechstunde zu kommen und nichts von ihm wissen zu wollen. Menschen, denen es um nichts weiter geht, als um ihr bisschen Gesundheit, werden eben davon krank, sagt der Theologe Voigt.

Da müsste der Satz der Jünger lauten: Nicht jeder sucht dich, sondern jeder sucht sich. Hierin liegt das Kranke bei der Suche nach Gesundheit. Da werden Wunder für eigene Zwecke missbraucht. Es geht in der Tiefe nicht um die Veränderung im Sinne Jesu, sondern um Weiterwursteln wie bisher. Wer seine Not zum Himmel schreit, wer Jesus um Heilung bittet, muss damit rechnen, dass er nicht nur wieder laufen kann, sondern dass er das ganze kranke Lebenskonzept umkrempelt. Wir dürfen Jesus um Gesundheit bitten, doch was er will ist viel mehr. Der krankhafte Schrei nach Gesundheit, ist für Jesus der Schrei nach Erlösung. Es ist der Schrei nach einem gnädigen Gott.

Gottesdienst wäre humanistisch zweckentfremdet, wenn alle Rollstuhlfahrer, die Kirche stehend verlassen würden. Bei derartigen Heilungsveranstaltungen würde Christus zu einem Wunderheiler degradiert werden, zu dem er nicht angetreten ist.

Wo jedermann Jesus sucht, kann es nicht in erster Linie um mich und meine Wehwehchen gehen, sondern wie sich Gott an meinem kranken Menschsein verwirklicht.

  1. Das Wort macht gesund

Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Orte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.

Jesus legt seine Kernkompetenz auf den Tisch. Er zieht weiter, die einen heilte er, andere ließ er in ihren Gebrechen zurück. Sein Auftrag heißt predigen. Er ist dazu da, das Wort auszubreiten. Die Verkündigung ist Basis aller Diakonie. Der Auftrag Christi, ist der Auftrag der Kirche. Alles Heil liegt in Christus und dem gesprochenen Wort. Im Wort ist die Gesundheit der ganzen Menschheit verankert. Das Wort ist das Dringlichste an Jesu Sendung. Im Wort rührt Christus nicht nur lahme Knochen, und Magengeschwüre an, sondern erneuert den Menschen von Grund auf, von seiner ganzen inneren Einstellung zum Ebenbild Gottes.

Reich Gottes entsteht nicht darin, dass die Gebrechen zu Christus kommen, sondern dass Christus im Wort in die Gebrechen kommt. Christus will sich durch das Wort im Unheil vergegenwärtigen. Das ist die weit größere Gesundheit, als fünf heile Finger. Da können Schmerzen und verkrüppelte Finger Reich Gottes trächtiger sein.

Das Wort spricht nicht nur von und über Gott, es heilt die kranke Beziehung zu Gott. Als Glaubende sind wir den Durstigen den Becher kalten Wassers schuldig, doch viel mehr ist es das Wort, das am anderen Wunder vollbringt. Es ist nicht so, dass man, indem man die Menschen liebt, automatisch Gott liebt. Die Überbetonung des Humanistischen hat in der Kirche, den Leidenden weder mehr Christus noch mehr Heil gebracht.

Wir sollen unter den Menschen aktiv sein. Doch alle Aktivität lebt aus dem Rückzug in die Beziehung im Morgengebet. Wo das Vater unser krankt, kann durch unseren Dienst niemand gesundwerden. Hauptsache gesund heißt: Christus wirken lassen. Das Wunder abgesägter Finger liegt nicht in der Entschädigung der Rentenversicherung, sondern in dem Wort, das kranke Erwartungen heilt. Gesund ist nicht die angestrebte Unversehrtheit, sondern der geheilte Umgang mit dem was krank ist.

Das ist die Gesundheit, das Heil, für die gefallene Schöpfung. Diese Gesundheit schafft allein das Gebet und das verkündigte Wort. Jesus will darauf Lust machen. Hauptsache gesund!