Wer dient, muss prüfen

Wenn unser Leben Gott gehört, ist zu prüfen, welcher Mensch welchen Rat gibt.

„Dient dem Herrn von ganzem Herzen. Und weicht nicht ab; folgt nicht denen, die nichts sind, die nichts nützen und nicht retten können, denn sie sind nichts!“
1. Sam. 12, 20-21

Ein paar klare Worte, die hier von Samuel kommen. Er hat von jung auf gelernt auf Gott zu hören. Als er nachts im Tempel von jemand angesprochen wurde, ging er zu Eli, der ihn jedoch nicht gerufen hatte. Von ihm bekam er den Rat, auf diese Stimme hören, weil es Gottes Stimme war. Damit begann sein Prophetendienst. Er bekam ein feines Gespür, für das, was von Gott kommt. Die Basis allen Glaubens und Dienstes ist die Beziehung zu Gott. Der Ursprung einer Berufung, liegt in einer ganz persönlichen Verbindung, zu dem der ruft. Das Herz schlägt bei Gott und für Gott. Diese innige Verschmelzung ist die Grundlage, für alle Formen christlicher Gemeinschaft. Wir sind um Gotteswillen in unserer Gemeinde und Bruderschaft, und nicht, weil unser Partner dort ist, oder uns jemand gefällt. Weicht nicht ab, zeigt die Gefahr, dass wir den Dienst leicht um der Menschenwillen machen. Samuel zieht hier ein scharfe Trennung. Unser Dienst für Gott gilt zwar den Menschen, doch er kann sehr schnell aus einer falschen Motivation heraus geschehen. In unserer Bruderschaftsregel gibt es den Satz: „Der Rat des Bruders ist zu achten.“ Das heißt, Menschen neben mir können zur Stimme Gottes werden, und das gilt es zu prüfen. Es heißt nicht, tue alles, was dein Bruder sagt, sondern spüre dem nach, ob dir Gott damit etwas sagen will. Die Grundlage bei allem ist unsere ureigene Gottesbeziehung, an der wir die menschliche Rede einmessen. Es gibt somit Menschen, deren Rat uns von Kurs abbringen, die uns nicht förderlich für unserem Glauben sind. Auch bei vielen frommen Leuten gibt es viele Moralapostel, die einen nicht zum befreienden Evangelium führen. Das sind die, die abraten und ausbremsen, weil sie selbst keinen lebendigen Glauben haben und aus Tradition zu Gemeinde gehören.

Die Rettung für unseren Glauben sind die Menschen, die selbst in den Hintergrund treten und auf Christus weisen. Unser Dienst wird dort fruchtbar, wo wir die Menschen unterscheiden lernen. Von Menschen kann keine Rettung kommen; Bruder und Schwester können Wegweiser und Hilfe sein. Wo wir uns auf Menschen verlassen und falschen Ratschlägen folgen, können wir uns in größte Seelennöte stürzen. Es gibt einige Gemeinschaften, die daran zerbrochen sind. Unser Dienst lebt aus unserer ureigenen Verbindung mit Christus. Davon dürfen wir nie abweichen.

Wollen wir nicht bei allem was auf uns zukommt, prüfen, was der Wille des Herrn ist?

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Wenn der Verstand rebelliert

So sehr geht Gott seinen eigenen Weg, dass menschliche Vernunft ihn nur so verstehen kann, dass sie an ihm zunichte wird. Helmut Gollwitzer

„Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!Ps. 139, 17

Die Größe Gottes raubt den Menschen den Verstand. Alles, was über Länge, Breite und Höhe, also über den sichtbaren und wahrnehmbaren Bereich des Lebens hinausgeht, ist etwas, womit sich der Mensch schwer tut. Da ist etwas weit größeres als ich, das ich nicht fassen und einordnen kann. Wie sollte ein Mensch mit Anfang und Ende unendlich denken können? Bei allen Gedankenspiele um Gott, müssen wir immer wieder erkennen, Gott passt nicht in unseren Verstand. Die Brüder in der Ausbildungsstätte unseres Priors in Unterweisach, wurden zu Beginn ihres Studiums mit dem Satz konfrontiert: „Liebe Brüder, das erste Verständnis, das wir von Gott haben, ist ein Missverständnis.“ Soll heißen, wir begegnen Gott immer mit falschen Vorstellungen. Gott handelt und denkt anders als wir denken. Wenn er ruft, kommt er uns immer unpassend. Er unterbricht und durchbricht unsere Lebenskonzepte. Seine Gerechtigkeit werden wir nie verstehen, einmal ist er uns zu heilig, ein andermal zu gnädig. Gott ist derart souverän, dass sich dem alles unterordnet. Er ist der, dem Himmel und Erde folgen, dem Wind und Wellen gehorchen, der zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt spazieren geht. Unser Leben ist vor ihm, wie der Tropfen am Eimer, wie das Sandkorn in der Wüste. Wenn er nur ein Wort spricht, teilt sich das Meer und rauchen die Berge. All unseren Grenzen, begegnet in ihm einer totalen Grenzenlosigkeit. Wo es um Gott geht, braucht und kann der Verstand nicht mehr begreifen. Für ihn sind alle Aufregungen in unserem Dasein ein Windhauch. Wo Gott sich Menschen herauswählt, um etwas Neues entstehen zu lassen, müssen wir das nicht verstehen, wir sollen glauben. Unser Verstand ist in Glaubensdingen ein schlechter Ratgeber. Gott will nicht verstanden werden, er will geglaubt und geliebt werden. Wo der Mensch sich im Glauben hingibt, wächst er über sein Verstehen hinaus. Wer Vertrauen wagt, wächst in die Grenzenlosigkeit Gottes hinein.

Wenn Lebensereignisse die Luft rauben, wenn die Wellen hochschlagen und Krankheiten uns auffressen wollen, wenn unser Verstand nur noch seine eigene Sinnlosigkeit begreift, dann schlägt die Stunde Gottes. Hinter all dem, was wir nicht erkennen und verstehen, steht der, der alles weiß. Wo uns unser Herz verdammt, brauchen wir den, der aus dem Staub erhebt. Gerade in der Unfassbarkeit Gottes, liegt das umfassende Erbarmen, das das Brüchige und Begrenzte in seine Weite führt. Die größte Depression, die darauf angelegt ist, seinem Leben ein Ende zu setzen, braucht vor solch einem großen Gott nicht abzustürzen. In dieser Unbegreiflichkeit, liegt das heil werden der ganzen Schöpfung.

Sind nicht unsere Grenzen der Anfang für den der keine Grenzen kennt?

Der Traum von süßen Trauben

Wo der Weinberg sich nicht vom Winzer hegen und pflegen lässt, wird der Wein sauer.

„Wir haben gesündigt samt unseren Vätern, wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen.“
Ps. 106, 6

Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ein Mensch haben kann. Im gestrigen Predigttext von dem Lied des Freundes im Weinberg (Jes. 5 ) kam das sehr bildreich zum Ausdruck. Wir sind für einen edlen Tropfen gedacht, der sich vollmundig am Gaumen entlang spielt und einen blumigen, gewürzreichen Abgang hat. Wir sind in den Weinberg gepflanzt, damit satte, fruchtige Trauben an uns reifen. Gottes Ziel mit uns ist, dass seine Liebe und Gerechtigkeit an uns reifen. Er hat mit uns die Vision von seinem großen Gottesreich. Er will mit uns den weltbesten Wein keltern, der Medaillen abkassiert und alles andere in den Schatten stellt. Gottes Traum von seinem Weinberg ist das Beste vom Besten. Doch bei dem Traum von einem Spitzenwein erntet er saure Trauben, unreifes Stinkzeug. Statt Hochgenuss, bitterer Essig. Wir haben gesündigt, ist nicht das Trauben klauen, er ist der Weinstock ohne Trauben. Wo die Rebe keine edlen Früchte ansetzt, versauert der Mensch. Unrecht ist nicht zuerst eine böse Tat, sondern wo der Weinstock ein Eigenleben führt und sich nicht bebauen, beschneiden und pflegen lässt. Gottlos sind wir, wo wir uns der Hand des Winzers entziehen. In dem Moment, indem einer sagt: Mein Leben gehört mir, fängt die Zielverfehlung, das Sündigen an. An der Loslösung von dem Winzer verwahrlost der Weinberg und werden die Trauben sauer. Sündigen ist nicht ein Fehlverhalten, sondern die Bestimmung, eine edle Traube zu werden, zu verfehlen. Wo der Weinstock sich der Pflege entzieht, fängt die Verwilderung an.

An den Trauben erkennen wir den Zustand und die Qualität des Weinberges. Wo wir sauer sind, wo wir uns schwer tun anderen zu vergeben, wo wir Lasten aus vergangenen Jahren mit uns herumschleifen, erkennen wir die Verwilderung des Weinberges. Wo es uns die Kehle zuschnürt, in der Begegnung mit anderen, merken wir den Bittergeschmack unserer Früchte. Wo wir unser Leben nicht als Leihgabe betrachten, die diese Welt befruchten soll, trocknet der Weinberg aus. Das Elend der Menschen allgemein und der Glaubenden im Besonderen ist, so wenig dem Traum des Winzers zu entsprechen, weil Eigenes wichtiger ist.

Jesus hat im Vaterunser die Bitte gesetzt: Erlöse uns von dem Bösen. Es ist der Schrei nach der guten Frucht. Es ist der Ruf nach Befreiung aus dem Wildwuchs. Es ist das Ringen gegen unsere Zielverfehlung. Erlösung ist die Loslösung von allen Formen des gottlos sein. Erlösung ist der Aufbruch, zur saftigen Traube zu werden.

Wenn wir erkennen, dass wir daran scheitern, wo eigenes im Vordergrund steht, ist das nicht die Voraussetzung für den besten Wein?

Gerechtigkeit macht verletzungssicher

Oft werden Menschen krank, weil andere sie beleidigen und missachten.

„Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue treten vor dein Angesicht.“
Ps. 89, 15

Ungerechtigkeit und Unrecht treffen mitten ins Herz. Mit Intrigen werden Leben ruiniert. Mit Verleumdungen, Menschen schachmatt gesetzt. Verdrehte Worte machen krank. Ungerechte Behandlung im menschlichen Miteinander schafft Aufruhr. Wo Menschen sind, geht es verletzend zu, weil für das Recht der umfassende Blick fehlt. Gerechtigkeit steht für die Wahrheit auf beiden Seiten. Kein Mensch kann diese Wahrheit für sich selbst beanspruchen. Der Psalmbeter erkennt, dass Gerechtigkeit und Recht in einer weit höheren Instanz liegt. Gott in seiner Existenz ist wahr und gerecht. Hier liegt der Maßstab, für das was richtig ist. Hier ist die Ruhe in aller Unruhe. Wo Gerechtigkeit regiert, beginnt das Aufatmen. Wo Gott zum Richtigen führt, beginnt Heilung. Unheil ist die Frucht der Ungerechtigkeit. Mit Christus antwortet Gott auf die Ungerechtigkeit. Wo Gott im Menschen zu seinem Recht kommt, heilen die durch das Unrecht erlittenen Schmerzen. Mit Christus kann der Mensch in einer ungerechten Welt leben. Weil Gott Recht schafft, kann das Unrecht nicht mehr verklagen. Das ist die Gnade, die aus einer höheren Gerechtigkeit leben kann. Diese Gnade bleibt zu allen Zeiten an unserer Seite. Es ist ein riesen Geschenk, wenn Lügen nicht mehr krank machen können. Es ist ein halb Himmelreich, wenn Unwahrheiten ihre verletzende Kraft verlieren. Wo wir bei dem Gerechten zuhause sind, verliert das Unrecht seine lähmende Macht.

Diese Wahrheit brauchen wir für alles belastende Miteinander. Wenn wir unsere Verletzungen betrachten, die jeder mit sich herumschleppt, erkennen wir, das unbewältigte Unrecht, das uns zu schaffen macht. Enttäuschungen, Beleidigungen, Unwahrheiten, das ganze Programm menschlicher Ungerechtigkeiten, belasten das Gemüt und machen unfrei. Wir quälen uns wegen böser Worte zu oder über uns. Wir leiden an dem Unrecht, das an uns geschehen ist. Ein Geschwür, das sich immer tiefer frisst, bis wir nicht mehr können. Es ist die größte Gnade, wenn hier die Gerechtigkeit Gottes ins Spiel kommt. Sie will herauslösen aus dem auffressenden Krampf der Ungerechtigkeit. Bei manchen Gerichten können wir lange warten, bis uns Recht zugesprochen wird. Wer sich in Christus rehabilitieren lässt, braucht auf keine andere Gerechtigkeit mehr warten. Da können Wunden ausheilen, auch mitten im Unrecht. Da kann jemand Böses wollen, doch damit nicht mehr verletzen. Die Gerechtigkeit in Christus stabilisiert geschlagene Gemüter. Dieses Geschenk des Himmels ist das stärkste Heilmittel in aller Ungerechtigkeit.

Wenn wir solch eine Gnade haben, was will uns dann verletzen?

Ohne jäten kein Paradies

Wenn die Insel Mainau mit Brombeerranken und Kratzdisteln übersät ist, werden nach und nach die Besucher ausbleiben und die Blumeninsel hat ihren Zweck verfehlt.

„Wasche dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?“
Jer. 4, 14

Gott hat sich einen Garten Eden geschaffen. Ein Paradies für Mensch, Tiere und Pflanzen. Auch die Blumenmönche haben zwei Parkanlagen, einen Garten der Stille und einen Garten Eden, einfach damit Menschen sich freuen und erholen können. Doch ein schön angelegter Garten bleibt nicht von selbst schön. Im ersten Garten war ein Mensch mit heillosen Gedanken. Er wollte sich nicht zufrieden geben, mit der Fülle die ihn umgab, er wollte noch mehr. Ihn packte die Gier nach Macht. In seinem größer sein wollen als Gott, fing der Garten an zu verwildern. Heckenrosen und Löwenzahn überwucherten das paradiesische Blühen. Seit diesem Tag kämpfen wir gegen das Unkraut. Wir kämpfen gegen die Bosheit der Gedanken, und gegen ein aufmüpfiges Herz.

Gott hat sich mit unserem Leben einen Garten angelegt, der systematisch zuwuchert, wenn keiner daran arbeitet und ständig die hochschießenden Brombeerranken und Kratzdisteln herauszuzieht. Damit der Garten ein Park der Freude bleibt, müssen Gärtner täglich aktiv sein. So wie ein Park mit den Jahren immer schöner und reifer wird, wächst in gleicher Weise das Unkraut mit. Wer nicht dauernd darin arbeitet, lässt eine Wildnis entstehen. Wer nicht an sich selbst arbeitet, kann selbst als frommer Mensch zum Urwald werden, an dem nicht viel vom Geheimnis Gottes zu sehen ist. Er verliert seine eigentliche Attraktivität, die Gott mit ihm vor hatte.

Herzen waschen und heillose Gedanken entsorgen ist harte Arbeit. Das geht nicht von selbst, nur weil wir in die Kirche gehen und die Bibel lesen. Was in unserer Lebenseinstellung an schlechten Gewohnheiten wuchert, muss erzogen und abtrainiert werden. Wo wir uns über unseren Partner ärgern und für Wochen gefrustet sind, dass tagelang Eiseskälte herrscht, müssen wir lernen, den Frust zu verkürzen. Erst drei Tage, dann 3 Stunden und dann 3 Minuten. Wir arbeiten daran, so schnell wie möglich, die Schönheit des Gartens wieder herzustellen. Ich lerne vergeben, nur indem ich dem Bruder der mich beleidigt hat zu vergeben. Anfangs dauert das noch länger, doch nach und nach gelingt es, viel schneller wieder ein freies und unbelastetes Miteinander zu bekommen. Wer nicht an Herz und Gedanken hart arbeitet, verwildert. Waschen und loslassen gelingt ganz dicht an der Seite Jesu. Mit Christus und dem Wort können wir diese harte Trainingsaufgabe meistern und die Schönheit des Gartens zum Blühen bringen.

Wie lange wollen wir noch an unseren heillosen Gedanken festhalten?

Schmerzen sind gut

Getröstete, sehen Sterben als Gewinn.

„Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus all seinen Nöten.“
Ps. 34, 7

Das größte Unglück des Menschen ist, sich nur nach Glück und sonnigen Tagen zu sehnen. Wir sind inzwischen darauf geeicht, wenn die Sonne scheint, dies als schönen Tag zu bezeichnen. Sonne gleich gut und Regen gleich schlecht. Die Moderatoren beim Wetterbericht suggerieren uns das vor. Spätestens wenn im Sommer einige Wochen das Wasser fehlt, die Blumen ihre Köpfe hängen und die Bäume im Wald sterben, müssen wir erkennen, wir gut Regen ist. Gewitter ist nicht nur schädigende Bedrohung, es ist Befreiung, Reinigung, Entladung und Erneuerung. Die Stimmung nach einem Nachtgewitter ist wie eine Neuschöpfung. Wo in einem Leben die Fetzen fliegen, Dasein jämmerliche Formen annimmt, das Elend zum Himmel schreit, hat eine Schöpfungsstunde begonnen. Der Schöpfer arbeitet an seinem Werk. Wo die Blume in ihrer Schönheit abgeschnitten wird, in ein kunstvolles Altargesteck verarbeitet wird, wird sie zu einem Loblied. Ihre Existenz verehrt den Meister. Das Holzbrett wird unter dem zersägen, hobeln und schleifen zur Wohnzimmervitrine.
Jesus sagt: Wo das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es viel Frucht. Die Bearbeitungsschritte des Lebens, die uns zersägen, abschneiden und zum Sterben bringen, das, was wir als Elend empfinden, sind die Wege zur Fruchtbarkeit.
Gerade im Leid liegen die Wege zur Vollkommenheit. Das Ungemütliche, die Kreuzwege, sind nötig für die Herrlichkeit. Die Seligpreisungen sprechen die, die Leid tragen glückselig. Sie trösten die Untröstlichen. Gerade die, die unter den Lasten stöhnen sind die Glücklichen. Nicht diejenigen, die von Lasten befreit sind. Jesus nimmt nicht den Schmerz, sondern er verwandelt ihn. In der Verwandlung, in der Umgestaltung meiner Person, im unverständlichen Leiden, entsteht die Glückseligkeit. Im Elend verwirklicht sich die ganze Nähe Gottes. Im tiefsten Leid formt Christus sein Heil. Darin wird das Leid zutiefst sinnvoll, weil es uns zu dem macht, was wir sind – Spiegelbild Gottes.

Wo wir uns gegen das Leid wehren, wehren wir uns gegen unsere Heiligung und Glückseligkeit. Wir stellen uns gegen das Sterben, das zum Leben führt. Im Elend begegnen wir Christus. Im Elend fangen wir an zu rufen. Im Elend wird Gott groß, weil unsere Größe klein wird. Der scheinbar unangenehme Regen begießt seine Schöpfung und bringt neues Blühen hervor. Das Unangenehme ist unsere Rettung. Wo wir im Elend rufen, haben wir Gott auf unserer Seite und die Hilfe ist sicher.

Wollen wir uns den Schmerz nicht zum Freund machen, weil wir darin unsere größte Hilfe erfahren?

Worte die nicht wahr werden, lügen

Wer zur Geschäftseröffnung eine pompöse Tischdekoration bestellt und danach die Rechnung nicht bezahlt, bekommt ein unerfreuliches Date mit dem Rechtanwalt.

Sollte Gott etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?“
4.Mose 23, 19

Wo im September für einen Rollifahrer auf März ein Aufzug versprochen wird, und Ende Februar weder Pläne noch eine Finanzierung steht, sind wir nicht nur im deutschen Beamtenstaat, sondern in einer Lügenrepublik. Wo Wort und Tat auseinanderklaffen beginnt die Hölle auf Erden. Wortbruch zeigt, ich will nicht, oder ich kann nicht. Gebrochene Versprechen nehmen der Welt den Frieden. Wenn Gott sagt: Es werde, so ist die Welt erschaffen, so entsteht der Mensch und es geht nach der Nacht die Sonne auf. Wort und Tat sind eins. Gesprochenes ist Handeln. Ein Ja ist eine Bewegung. Seine Worte sind quicklebendig. Sein Versprechen ist Ereignis. Für ein Wort steht der Schöpfer in seinem ganzen Tatendrang. Ein erklärte Absicht, ist bereits das vollendete Werk. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Sprechen und Tun. Da sind die Worte glasklar und funkeln wie geschliffene Edelsteine. Ein gesprochenes Wort heilt die Wunden der ganzen Schöpfung. Ein Wort, weckt den verstorbenen Lazarus aus seinem Grab auf. Solch eine Macht haben gehaltene Worte. Sie versöhnen die Menschen und schaffen der Welt Frieden. Solche Worte sind Felsen, auf die man Schlösser baut. Verlässliche Worte tragen die Not der ganzen Welt. Sie schaffen Glauben, denen kann man vertrauen, die werden zur Hilfe.

Nicht gehaltene Worte belasten das Miteinander bis zur Unerträglichkeit. Unzuverlässigkeit ist der Anfang vom Ende. Wo Worte lügen, beginnt der Krieg. Menschenworte sind derart brüchig und stehen auf wackeligen Beinen, weil sie viel versprechen und wenig halten. Gesprochenes, das nicht zur Tat wird, wird automatisch zum Brechmittel. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Wer sich nur auf die Zusagen vom Menschen verlässt, muss die Enttäuschung einkalkulieren. Was nicht zur Tat wird, ist wertlos. Wer Blumen bestellt und nicht bezahlt, betrügt sich und andere. Gebrochene Worte offenbaren gebrochene Menschen.

Daher liegt in Gott 100%tige Glaubwürdigkeit. Was er zusagt, hält er für alle Zeit. Da ist jedes Wort ein Meilenstein, jeder Anflug eines Gespräches ein Wunder. Diese Worte brauchen wir nicht hinterfragen; sie haben sich selbst bezeugt. Nichts ist verlässlicher, als diese Verheiratung von Reden und Tun. Darauf können wir bauen. Damit können wir alles wagen.

Woran wollen wir zweifeln, wenn sich Worte bedingungslos erfüllen?

Geführte kommen gut an

Es säumen mehr Engel unseren Weg, als wir glauben können.

Der Herr wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.
Jes. 51,12

Bei einem Festzug geht vorn der Fahnenschwenker und zum Abschluss ein Trommler. Damit hält die ganze Kapelle dazwischen ihren Kurs. Wo Gott Anfang und Ende ist, liegt alles andere dazwischen. Somit ist das Ziel klar, und dass jeder an diesem Ziel ankommt. Im Dazwischen spielen die Höhen und Tiefen die Musik. Das Dazwischen steht unter höchstem Geleit. Durch die Zugspitze und das Zugende ist der ganze Weg vom Segen begleitet. Alles was sich auf diesem Weg ereignet, ist innerhalb der Führung Gottes. Der Fahnenschwenker ist immer an der Spitze und der Trommler fasst alle zusammen. Für den der zu Gottes Volk gehört, gibt es kein außerhalb. Auch wenn wir uns einsam und verlassen fühlen, sind wir von Führung umgeben und von Engeln umringt. Vom Anfang bis zum Ende, genießen die Glaubenden einen Rundumschutz. Der der vorangeht, formt den Zug und hält auf Kurs. Da braucht sich keiner über irgendeinen Weg eine Sorge machen. Der geführte Weg ist unter allen Umständen richtig. Und wer geführt ist, kommt gut an. Wenn unser Ziel ist, Gott zu loben und den Menschen in Liebe zu dienen, trägt jeder Schritt dazu bei. Alles was sich in unserem Leben abspielt, dient diesem einen Ziel. Jedes Unglück soll uns zum Besten dienen. Wo der Herr voranzieht, führt er seine Kinder zur Reife. Auch die bittersten Streckenabschnitte sind Wege zu diesem großen Ziel. Alles dient unserer Anbetung und der Hingabe an den Nächsten. Kreuzwege sind Wege zur Auferstehung. Geführt sein ist das eingehüllt sein in das Wort. Das Wort ist Kursbuch, Navi und Schutz. Im Wort säumt Christus unseren Weg.

Am Anfang war das Wort und es wird am Ende sein. Das Wort ist die Kraft, die uns auf Händen trägt. Damit ist Weg und Wort eine Einheit. Geführte Wege sind Wort-Wege. Damit haben wir im härtesten Kampf des Lebens den Fahnenschwenker vor Augen. Damit wissen wir bei gebrochenen Knochen und blutenden Herzen, wir sind auf Kurs. Auch wenn unsere ersehnten Träume platzen, die Misstöne unserer Wegbegleiter in den Ohren gellen, sind wir auf dem besten Weg. Wo Gott vorne, hinten, oben und unten ist, ist selbst der Schmerz lobenswert. In allem ruhen wir im Segen, weil durch das Wort, unser Weg kein Irrtum mehr ist.

Was kann uns da noch aus den Händen solcher Liebe herausreißen?

Erinnern baut Brücken

Wo die Erinnerungen wegbrechen, bricht das Leben weg.

„Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.“
Ps. 111, 4

Das Gedächtnis hält Erlebtes fest. Im Gedächtnis speichern sich starke Erinnerung. Es ist das Nachschlagewerk unseres Lebens. Darin ist verankert, was stattgefunden und unser Dasein geprägt hat. Selbst unsere Haut hat ein Gedächtnis und vergisst keinen Sonnenbrand. Wo Gott ein Gedächtnis stiftet, verwurzelt er den Menschen in seine Geschichte. Er lässt darin seine Wunder aufleben. Im Rückblick erkennen wir, wie er sein Volk aus der Wüste geführt hat, wie er Gefangenschaft und Unterdrückung beendet hat. Damit können wir die Geschichten der Wunderheilungen Jesu uns wieder ins Gedächtnis rufen. Mit den Erinnerungen lassen wir das Vergangene lebendig werden, um es in die Gegenwart zu stellen. Wir kramen in den Erfahrungen, um das Heute zu meistern. Die ganze Gottesgeschichte mit den Menschen, ist nicht nur geschehen und in Akten abgelegt, sondern man holt sie ständig in die Gegenwart, um sich daran zu erbauen. Dieses Gedächtnis hält uns lebendig. Die Geschichte gestaltet unser Heute. Wer eine starke Geschichte hat, kann sich fest im Heute bewegen. In der Geschichte bekommen wir Halt und Zukunft. Wo die Geschichte wegbricht, hört das Leben auf. Da kommt die Demenz, in der die Erinnerungen verblassen. Da sind wir nicht mehr manövrierfähig. Wo das Gedächtnis aussetzt, kommt das Leben durcheinander.

Daher hat Gott uns nicht nur die Erinnerung gegeben, an sein Führen mit seinem Volk, sondern er stiftet ein Gedächtnis. Das Gedächtnismal, die Eucharistie ist die stärkste Verwurzelung in die Gegenwart Gottes. In Brot und Wein vergegenwärtigt sich Christus. In allem, was in einem Leben durcheinander kommen kann, stellt dieses Gedächtnis uns auf festen Boden. Wenn wir die Orientierung in unseren Tagen verlieren, wenn wir alles vergessen, was wir an der Hand Gottes schon erlebt haben, das Abendmahl durchbricht die Verwirrung der Jünger. In aller Anfechtung, in allem wo wir Gott nicht verstehen und nicht erkennen, hält uns dieses Gedächtnis am Geheimnis Gottes fest. Darin liegt die Überbrückung zu allem, was zerbrochen ist. Damit finden wir in aller Demenz und Verwirrung zum Leben zurück. Das ist die Gnade, die Gott allem Gedächtnisverlust geschenkt hat. In dieser Erinnerung ist Gott gegenwärtig, auch wenn alles andere wegbricht.

Wie können wir diese Erinnerung stärken, um in schweren Tagen daraus zu leben?

Dienen erhebt

Jeder soll sehen, das Glaubensmenschen ungebrochen freundlich und heiter sind, mit Liebe alles überwinden.

„Gefällt es euch nicht, dem Herrn zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt. Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“
Jos. 24, 15

Das Volk Gottes genießt nach harten Jahren der Unterdrückung, das freie Leben wieder. Sie bauen die Städte und Häuser wieder auf, machen ihre Gärten schön und bewirtschaften ihre Äcker. Eine Zeit des Aufatmens, in der gleichzeitig die unterschiedlichsten Religionen ihre Blüten treiben. Nachdem das Gottesvolk seine Freiheit zurück erhalten hat, lebt es im Markt der Möglichkeiten, wo jeder anfängt, nach seiner Fasson selig zu werden. In einer Art Volksversammlung, stellt Josua diese Frage des Dienens. Es ist die ureigenste Frage nach dem Zweck der Existenz. Josua bekennt: Mit meiner Familie diene ich Gott. Darin liegt der Grund meines Seins. Gott zu dienen kehrt den Spieß um. Da fängt man an, dem Leben andere Fragen zu stellen. Nicht mehr, was dient mir, was tut mir gut, welche geistigen Strömungen liegen mir am nächsten, sondern was hat Gott mit mir vor. Jeder dient. Jeder kann in jedem Augenblick wählen, wem er dient, sich selbst, oder Gott. Bei dieser Wahl entscheidet sich, was aus dem Leben wird. Wo die Wahl auf Gott fällt, werden wir zu Dienern Christi und zu Haushaltern der Geheimnisse Gottes. In der Wahl zu diesem Dienen, erkennen wir das eigene Lebensgeheimnis. Wo der Mensch anfängt Gott zu dienen, erkennt er sich selbst, seine Wahrheit und seine eigentliche Bestimmung. Im Gott dienen, lässt sich der Mensch formen und zu einem Meisterstück gestalten. Im Dienen arbeitet der Schöpfer an seinem Werk. Da werden aus Menschen Juwelen geschaffen. Da sind wir für Herrlichkeit bestimmt. Damit schafft Gott eine Enklave seiner Welt, in dieser Welt. Dienende stehen im Auftrag eines Höheren. Sie leben in der Freiheit des anderen Reiches, die sie in die Selbstgefangenheit dieser Welt hineintragen. Gottes Diener sind dadurch die Frischzellen, für die, die am Boden liegen, weil sie sich verwählt haben.

Mit der Wahl Gott zu dienen, verändern wir uns selbst und verändern wir unsere Umgebung. Wir werden zu einem Markenzeichen der ewigen Welt. Wir dienen nicht unseren eigenen Bedürfnissen, sondern wir dienen Gott. Damit werden nicht nur unsere Bedürfnisse gestillt, sondern es breitet sich damit das Heil für die Welt aus. Damit wird Himmel und Erde eins, vermählt sich das Leben mit dem Tod und wird der Mensch durch Christus ein neuer Mensch.

Wir haben heute die Wahl; wem wollen wir dienen?