Heilsamer Schock 

Über sich erschrecken, ist die Voraussetzung, um Erbarmen zu erfahren.
„Die Israeliten sprachen zum Herrn: Wir haben gesündigt, mach du es mit uns, wie dir´s gefällt; nur errette uns heute!“

Richter 10, 15
Sündigen und erretten gehören zusammen. Wer nicht sündigt, braucht keinen barmherzigen Gott. Da keiner sich von Schuld freisprechen kann, braucht es ständig einen, der uns frei spricht. Sündigen und erretten ist ein täglicher Kampf. Es ist die lebenslange Auseinandersetzung mit unseren Abgründen und der Wiedergutmachung. 
Am Anfang steht dabei immer das Erkennen: Ich habe gesündigt. Das ist der Auftakt der Erlösung. Wo wir Gott begegnen, erschrecken wir über uns selbst. Sich in seinen Abgründen erkennen, ist ein heiliger Moment. Gestern hatte ich solch einen Augenblick. Ich hatte mein Handy verlegt und überall gesucht. Da nahm ich ein Telefon und rief es an. In diesem Moment klingelt ein Handy in der Tasche einer Kundin, die dann schlagartig unter meinem Verdacht stand, sich daran vergriffen zu haben. Ich folgte ihr zum Ausgang und stellte fest, dass sie dann ein vertrauliches Gespräch führte. Beim weiteren Suchen, klingelte dann mein Handy auf meinem Schreibtisch, von einem Dokument zugedeck. Ein bitterer Schock, über diese üble Verdächtigung. Wir müssen erschrecken. Wir brauchen den Schmerz, um zu erkennen, durch mich kommt das Böse in die Welt. Dieser Schock ist der Schrei nach Erlösung. Wir müssen vor uns selbst erschrecken, um unsere Gottesbedürftigkeit zu erkennen. Unsere üblen Gedanken treiben uns in die Christus-Arme.
Im täglichen Kampf, mit allem was in uns verdammenswert ist, wo wir Gottes Sache entehren, gibt es nur das eine Gebet: errette uns heute. Dieses Fallen und Aufstehen ist unser Lebensrythmus. Schuld ist kein Grund zu verzweifeln, sondern der Anstoß, uns unmittelbar Christus zuzuwenden. Somit ist sündigen nicht unser Untergang, sondern unser Glück. Wo wir uns selbst erkennen, kann dadurch etwas heil werden. 
Wenn Gott gerade mit Sündern sein Reich baut, wollen wir da an unseren Abgründen die Flinte ins Korn werfen?

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Dauerkontakt mit dem Ewigen

Alle Verbindungen entstehen und werden erhalten. indem wir kommunizieren.
„Ich bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade; Gott nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.“

Ps 69, 14
Beten ist der Austausch mit Gott. Dieser Austausch verbindet und lässt uns Gott erkennen. Beim Beten kommen sich Gott und Mensch näher. Wer betet, rechnet dass ein Höherer eingreift. Wenn wir beten, treten wir aus uns heraus und erwarten mehr, von etwas was größer ist als wir. Beim Beten soll Gott bei uns Raum gewinnen, auf unser Schicksal und Dasein Einfluss nehmen. Es ist das Ringen nach Hilfe, wo wir an Grenzen stoßen. Es ist der Dank und die Freude über Glücksmomente. Freud und Leid will sich mit Gott verbinden. Beim Beten wird unsere Biografie an Gott geknüpft. Es wird der handelnde Gott auf die Erde geholt. 
Wer betet, rechnet mit Gottes Erbarmen, dass sich der Mächtige zum Geringen beugt. Unsere Erdenzeit ist die Zeit der Gnade. Das ganze Leben dient dazu, uns nach diesem barmherzigen Gott auszustrecken. Von A bis Z ist alles in uns angelegt, nach diesem Erbarmen zu ringen. Jedes Gebet ist der Schrei nach dem Gott in mir. Es ist das Rufen nach Christus, der das was wir sind und was uns umtreibt, vor Gott stellt. Die Zeit der Gnade ist die riesige Chance auf Hilfe. Da wird Gott selbst ein Teil von uns. 
Aufbauende Lebensgestaltung kann daher nur Gebet sein. Leben steht dann in allen Phasen in Dauerkontakt mit dem Ewigen. Da bleibt nichts ungesehen und ungehört. Da lebt jede Not und jede Freude am Herzen Gottes. Da entkrampfen sich hilfose Verspannungen. Da ist die schrecklichste Situation nicht mehr trostlos. Beim Beten lassen wir unsere ganze Existenz von fürsorglichen Händen umfangen.
Wird nicht unser ganzes Kämpfen und Ringen armselig, wenn es nicht vom Beten getragen ist?

Himmlische Erzählungen

Starke Geschichten lassen in tiefe Geheimnisse eindringen.
„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.“

Ps. 19, 2
Wenn der Himmel erzählt, wird die Erde befruchtet. Hier werden interessante Bezüge aufgemalt. Was Gott Ehre macht, sind nicht die Geschichten und die Wunder die die Erde erzählt. Der Himmel erzählt die Geheimnisse um Gott. Was im Himmel geschieht, lässt Rückschlüsse auf den Schöpfer zu. Himmel ist die Welt Gottes, in der all das Geschaffene ruht. Da ist über die Erde und den unfassbaren Kosmos die Unendlichkeit Gottes gelegt. Dieser unsichtbare Raum ist Gott in seiner ganzen Existenz. Durch den Himmel offenbart sich die Allgegenwart Gottes. Aus dieser Welt lebt alles Dasein. Die Geschichten, die da geschrieben werden, sind das Elixier für die Erde. Der Himmel ist der Ursprung des Wortes. Er ist die Wiege des Christus. Von dort geht alles aus, was eine geschundene Erde heil macht. Wo sich der Himmel öffnet, atmet die Erde auf. 
Es gibt vieles auf der Erde, was Gott Ehre macht. Die ganze Schöpfung ist ein einziger Lobgesang auf einen genialen Gestalter. Wir können in der Natur Gott finden, weil sie das Abblild eines großen Künstlers ist. Am Werk kann man den Meister erkennen. Doch das ist nur die halbe Geschichte. Das eigentliche Eindringen in die Welt Gottes geschieht durch den Direktkontakt mit dem Himmel. Dort wo sich die Schöpfung mit Christus verbindet, erfährt sie die Kräfte der Erlösung. Man kann im Wald Energie tanken. Man kann sich von der Natur, einer schönen Landschaft, einem malerischen Sonnenuntergang inspirieren lassen, doch für das umfassende Heil muss der Himmel aufgehen. Da muss Brot und Wein zur Speise werden. Da ist es Christus allein, der uns wahrhaftig aufrichtet. 

Daher leben wir einzig von den Geschichten, die der Himmel erzählt. Das was Gott ehrt, ist Christus bei den Menschen. Wenn der Himmel diese Geschichte erzählt, entsteht unsere Lebensgeschichte. Diese Geschichten tragen uns. In diesen Erzählungen ist Dasein eingehüllt. Daher geht mit Christus der Himmel auf. Mit ihm dringen wir in die Geheimnisse Gottes ein, die wir so nirgends auf dieser Welt finden.
Erzählen unsere Tage von dieser himmlischen Ehre? 

Aus der Küche riecht Bratenduft

Matth. 22, 1-14

Wenn die Hochzeitsglocken läuten, vibriert die Familie und es kribbelt durch die Verwandtschaft. Bei keinem anderen Fest werden derartige Register gezogen. Neulich bekam ich die Hochzeitseinladung von meinem Neffen. Termin Juni 2018, also in einem Jahr. Im Blumenhaus war die längste Vorausbestellung für die Dekoration einer Hochzeit 1 ½ Jahre. Da wird eine groß Halle in Reutlingen gemietet, Köche aus Nürnberg engagiert, Fotografen aus Frankfurt angeheuert und Blumen bei den Blumenmönchen bestellt. Alles soll vom Feinsten sein, um einen Tag lang unvergessliche Momente zu schaffen. 12 Monate im Voraus liegt die Budgetplanung bei 20.000,- €. Dabei geht es nicht um ein Firmenevent, sondern um ein Hochfest von zwei Privatpersonen.

Gott hat Hochzeitsgedanken.

  • Die Kostverächter

»Mit Gottes himmlischem Reich ist es wie mit einem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitete. 3 Viele wurden zu der Feier eingeladen. Als alles fertig war, schickte der König seine Diener, um die Gäste zum Fest zu bitten. Aber keiner wollte kommen. 4 Er schickte andere Diener und ließ nochmals ausrichten: ›Es ist alles fertig, die Ochsen und Mastkälber sind geschlachtet. Das Fest kann beginnen. Kommt doch zur Hochzeit!‹ 5 Aber den geladenen Gästen war das gleichgültig. Sie gingen weiter ihrer Arbeit nach. Der eine hatte auf dem Feld zu tun, der andere im Geschäft.

Stell´ dir vor, da ist eine Mega Hochzeit, und keiner geht hin. Da reißt sich ein König alle Beine heraus, um Pomp und Gloria zu servieren, und erntet ein müdes Achselzucken. Das Beste vom Besten wird aufgetischt, und mit Verachtung bestraft.

Gott lädt zur Hochzeit. Er ruft die, mit denen er feiern will. Reiches Gottes hat heute und morgen mit Hochzeit zu tun. Jesus will sein heil machen feiern. Dazu lädt er sein Volk ein. Es will die Vermählung des Bräutigams mit seiner Braut feiern. Die Gottesliebe verheiratet sich mit Sünder. Christus will sich mit seinen Erwählten unlösbar verbinden. Die Propheten rufen das durch das ganze Alte Testament, da lädt jede Predigt heute zum Fest. Ochsen und Mastkälber vom 5 Sterne Koch zubereitet, sollen anlocken. Der Duft davon soll durch Straßen und Gassen ziehen und Gäste verzücken. Gott will feiernde Menschen fröhlich zusammen haben.

Israel war geladen, wir sind geladen. Es sind die geladen, die bereits seine Gnade erfahren haben. Gott lädt ein – und der Mensch will nicht. Jesu erfährt, dass die Einladung gerade an den Guten, Bewährten, an den als zuverlässig Bekannten abprallt. Der Bratenduft steigt auf, und wird von wichtigen alltäglichen und ehrenwerten Aufgaben ignoriert. Glaubende stehen ständig in der Gefahr, die gestaltende, erneuernde Kraft des Christus auszuschlagen. Obwohl wir fromm sind, kann uns Christus nicht gewinnen. Keine Zeit, überlastet, es gibt wichtigere Dinge. Es gibt durchaus ein krasses, frommes Denken: Im Großen und Ganzen bin ich gar nicht so schlimm. Ich engagiere mich voll in meiner Gemeinde – ich bringe einen gnadenlosen Einsatz. Wenn alle wie ich wären, hätte Christus vielleicht nicht sterben müssen, das ist nur für die anderen nötig gewesen. Ich habe meine Macken, ja, doch damit kommt Gott schon zu seinem Recht. Mit solch einer Einstellung lehnen wir dankend ab. Selbstgerechtigkeit ist unter den Frommen die gefährlichste und zerstörendste Schuld.

Sie trennt von Gott, doch Gott will unbeirrt feiern.

  • Die Reingeschmeckten

›Die Hochzeitsfeier ist vorbereitet, aber die geladenen Gäste waren es nicht wert, an diesem Fest teilzunehmen. 9 Geht jetzt auf die Landstraßen und ladet alle ein, die euch über den Weg laufen!‹  10 Das taten die Boten und brachten alle mit, die sie fanden: böse und gute Menschen. So füllte sich der Festsaal mit Gästen. 

Die Tische gedeckt, die Plätze leer – nicht so bei Gott. Was jeden Gastgeber frustriert, soviel Ablehnung zu erleben, irritiert Gott in keiner Weise. Wenn er Fest will, macht er Fest. Wenn die einen nicht wollen, verschenkt sich Gott lückenlos an den Nächsten. Sein Zorn wird von seiner unbegreiflichen Geduld in den Schatten gestellt. Das ganze Gleichnis ist das Ringen eines enttäuschten Gottes, der nie aufgibt, die Seinen zu lieben und zu rufen. Selbst Zorn, selbst geballte Wallungen, verwandeln sich unter seiner eigenen Liebe. Unter der Sünde des Menschen, kommt er immer wieder an den einen Punkt: Nie wieder will ich die Erde zerstören, solange ich lebe, wird es immer Saat und Ernte, Tag und Nacht geben, und es wird immer den einladenden Gott geben.

Wenn wir uns weigern, gibt es zunächst einen leeren Platz, denn Gott vergewaltigt keinen. Liebe gewährt und gibt Freiheit auch nein zu sagen. Jesus will nur Freiwillige. Er hat andere. Er geht immer, er ruft immer. Er ruft die Reingeschmeckten, die nicht zu den Seinen zählten. Er hat sie alle erschaffen, doch im heilsgeschichtlichen Sinn gehören sie nicht dazu. Er lädt Ungläubige.

Das ist die große Wende. Wenn Jesus König von Israel ist, dann ist er das für das auserwählte Volk. Gott hat ein Volk gewählt gegen alle anderen. Das ist sein Recht, was jedoch sein Erbarmen ist. Wer so erwählt wurde, an dem wurde die Gnade wirksam. „Allein die Gnade“ heilt die Heiden. Dass sich nun Gnade weltweit ausbreitet, liegt nicht an den verstockten Israeliten, sondern weil Gott grundsätzlich alle Menschen liebt. Gott schwärmt für die Guten und Bösen, er siebt keinen aus. Die Aussieber sind wir!

Vielleicht wurde Mancher, den Gott wollte verprellt, weil er nicht in unser frommes Raster passte. Vielleicht wurde suggeriert: Du passt nicht zu uns, dein Lebenslauf ist zu bewegt, deine Psyche zu verbogen, deine Haare zu lang. Wenn Gott auf solche Typen zu geht, sollte sie keiner vom Feiern abhalten. Es geht noch einen Schritt weiter, deren Probleme müssten dann die unseren werden, weil sie Gott zu den seinen gemacht hat. Ladet ein, wen ihr findet, hat schon einen Touch von sozialer Müllabfuhr. Da sind Chaoten dabei und welche, die meinen, für Gott sei kein Platz in ihrem Leben.

Keine Sorge: Die Hochzeit steigt, die Tische werden voll.

  • Ein Fest für Dahergelaufene

14 Denn viele sind eingeladen, aber nur wenige sind auserwählt.«

Die Einladung zu Hochzeit ist keine Lappalie. Wer sie versäumt, bleibt draußen. Das Evangelium ist kein Luxus, den man sich leisten kann, oder ohne ernste Folgen darauf verzichten kann.  Jesus will hier niemand die Hölle heiß machen, sondern will vor der Hölle retten. Er droht nicht mit Feuer, Mord und Todschlag, sondern will davor bewahren. Die Hochzeit will Menschen verändern, erneuern, befreien und in einen neuen Status versetzen. Bei der Verheiratung mit dem Bräutigam werden Sünder begnadigt.

Jeder kann zu dem Fest kommen wie er ist, aber keiner kann so bleiben wie er ist, sagt Gottfried Voigt. Keiner muss mit feierlichem Gewand zu Hochzeit kommen, er muss es sich jedoch überkleiden lassen, von Christus umziehen lassen. Die Gnade lässt uns hinein, und sie bewirkt eine Sinnesverwandlung und Persönlichkeitsveränderung. Bei der Hochzeit, wird jeder Dahergelaufene von unwürdig zu würdig verwandelt. Reich Gottes ist keine Dauerparty, sondern da will die Liebe, alles was uns von Gott abhält, auf den Kopf stellen. Diese Liebe fällt nicht einfach vom Himmel herunter, sie will, dass wir uns jeden Augenblick dazu einladen lassen.

Diese Hochzeit will uns den Mund wässrig machen, dass nichts bleibt wie es ist. Der Bratenduft steigt in die Nase. Sünder sollen das Feiern lernen.

Können wir das, was uns erneuern will, so einfach ausschlagen?

Herausgepickt zum Dienen 

Unter guter Führung hat man ausgesorgt.
„Ich habe dich bereitet, dass du mein Knecht seist, Israel, ich vergesse dich nicht!“

Jes. 44, 21
Knecht sein beschreibt einen Stand, den heutzutage keiner mehr gerne hören will. Doch Gott erwählt zum Knecht sein. Er hat sein Volk dazu bestimmt, und er hat sich uns ausgesucht. Hier wird eindeutig ausgedrückt, in welch einer Beziehung Gott zu den Menschen steht. Herr und Knecht ist ein sauber  geregeltes Rollenverständnis. Da ist eine starke Führungskraft, die mit Weisheit und Vision vorangeht und da sind tatkräftige Umsetzer dieser Vision. Der Knecht ist der Praktiker des Reiches Gottes. Er hat den Bauplan des Schöpfers in der Tasche.  Es setzt eine gewaltige Idee um. 
Knecht bei solch einem Herrn zu sein, ist bereits ein Privileg. Für den Höchsten erwählt zu sein, ist ein Vorzugs-Status. Es hat etwas von dem Flair eines Arbeiters, der stolz verkündet: Ich schaffe beim Daimler. „Gott hat dich bereitet.“ Er hat investiert und riskiert, dich mit ins Boot zu holen. In dem bereitet sein liegt die Gnade, für diese Aufgabe bestimmt zu sein. Wer zum Knecht für Gottes Reich erwählt wurde, auf den ist ein besonderes Auge gefallen. Da hat eine Führungskraft den Eindruck, da habe ich den richtigen Mann am richtigen Platz. Hier lässt sich jemand gerne führen und weiterentwicklen. Hier ist ein Mensch, der an der Hand Gottes, seine eigenen Grenzen sprengt. Unter dieser Führung entwickelt sich ein Mitarbeiter weiter, als auf „dem freien Markt“. Die Abhängigkeit des Knechtes, ist die größte Herausforderung seines Lebens. Er wird nicht zum Trottel gemacht, sondern in die höchste Mission gestellt. 
Wer in diesem Rollenverständnis steht, ist nicht vergessen. Wer im Auftrag des Herrn unterwegs ist, hat seine ganze „Firma“ im Rücken. Der Gerufene ist immer der best Ausgestattete. Unter solch einer Führung bleibt keiner unversorgt. Daher ist dieses Knecht sein niemals eine Erniedrigung, sondern die beste Rolle, die uns zufallen kann.
Hat denn Gott jemals seine Erwählten verstoßen?

Es wird heller,  wenn ich rede

Kommen aus uns geerdete Worte?
„Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit.“

Ps. 119, 43
Ein starkes Image; das Wort der Wahrheit. Mit diesem Wort ist Dreh- und Angelpunkt der Existenz definiert. Hier wird Christus ins Zentrum dieser Welt gerückt. Wahrheit ist die letztgültige Maxime, von der alles ausgeht, in der alles ruht. Wahrheit offenbart die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Wahrheit ist die Grundrechenart, auf die alle Berechnungen des Lebens aufgebaut sind. Wenn man alle Fäden der Wahrheit zurückverfolgt, landet man am Herzen Gottes. Von ihm geht aus was wahr, gerecht und richtig ist. Die Wahrheit ist an der Liebe Gottes geeicht. 
Die Worte der Wahrheit, sind die vertonte Gerechtigkeit. Daraus erklingen die Werte, die Gott für das Leben festgelegt hat. Sie sprudeln als lebendige Quelle, die dürres Land wiederbelebt. Diese Worte sind der Regen in einem heißen Sommer. Diese Worte sind das Navi für die Wegsucher. Diese Worte kommen aus dem Herz des Guten, um damit alles Chaos zu ordnen.
Diese Worte sind mit Sorge an meinen Mund geknüpft. Unser Mund steht dafür wie unser Herz tickt. Wenn jemand den Mund öffnet, erkennen wir, welch Geistes Kind er ist. Der Mund, das was wir von uns geben, offenbart was wir lieben, was uns treibt, was wir verachten, wo wir falsche Einsichten verfolgen. Daher die Sorge mit der Bitte, dass das Wort der Wahrheit, immer in mir wohne. Es soll das Zentrum meiner Persönlichkeit sein. Ich wäre schief gewickelt, wenn aus meinem Mund etwas anderes käme. 
Wenn in diese Welt, in unsere Beziehungen und Handlungen die Wahrheit einziehen soll, geschieht das durch einen geheiligten Mund. Wir müssen uns ertappen, wo wir Wahrheiten verbiegen, um selbst zu unserem Recht zu kommen. Als Glaubende sind wir Haushalter über Gottes Geheimnisse. Unsere ganze Person steht für die Worte der Wahrheit.
Lässt sich an unseren Mund erkennen, dass wir am Herzen Gottes zuhause sind?

Freundlich verblüffen

Wo die Enttäuschung regiert, kann man nicht versöhnt zusammenleben.
„Josef tröstete seine Brüder und redete freundlich mit ihnen.“

1. Mose 50, 21
Trösten und freundlich reden ist zunächst nichts Außergewöhnliches. Wenn wir jedoch betrachten, wem gegenüber das geschieht, bekommt die Situation eine unfassbare Brisanz. Josef legt seinen Brüdern gegenüber ein unmenschliches Verhalten an den Tag. Seine Brüder sind nicht die netten Geschwister, sondern ganz große Halunken. Es sind Betrüger, Erbschleicher und brutale Sklavenhändler. Sie bescheißen ihren Vater, verkaufen ihren Bruder als Sklave und das alles aus Habgier und Eifersucht. 
Die freundlichen Worte treffen Nahestehende, die voller Hass sind und deren Verzweiflung über sich auf ihr Gewissen schlägt. Freundlich zum Bösen ist keine menschliche Reaktion. Zumal die freundlichen Worte aus einem zutiefst gedemütigtem Herzen kommen. Josef hätte hier allen Grund, die Faust auf den Tisch zu schlagen. Freundlich ist eine Christusgesinnung. Dahinter steht ein Gott, der mit dem Übel einen grundsätzlich anderen Umgangstil pflegt. Hier begegnet der Gute dem Bösen. Angesichts der menschlichen Schande flippt Gott nicht aus, sondern heilt das Zerstörende. Wo der Gute regiert, wird das Böse nicht vernichtet sondern verwandelt. Die Gottesliebe kann nicht hassen. Das Gute ist in sich vollkommen. Würde sie sich auf das Böse einlassen, hätte sie aufgehört gut zu sein. Mit Christus antwortet Gott allem Hass. Den zerstörenden Kräften begegnet er mit heilenden Kräften. Das Böse kann nicht mit dem Bösen aus der Welt geschafft werden, da wäre noch lange kein Gutes. 
Daher kann nur ein Verwandelter freundlich reden, um andere zu verwandeln. Gott verblüfft den Sünder mit Liebe. Dietrich Bonhoeffer sagt es treffend: „Das segnende Wort verandelt auch den, der es ausspricht.“
Ist das nicht eine umwerfende Übung, den üblen Bruder mit dieser Gesinnung zu verblüffen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Leiden ist Reifen 

Wo steht, dass Leben ein Erfolgskurs ist?
„Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt.“

Ps. 83, 2-3


Wenn Gott schweigt, leidet der Mensch. Wenn Gott still ist, geht der Mensch am Rande des Wahnsinns entlang. Dieses Schweigen ist unerträglich. Schweigen ist Hölle. Darin spiegelt sich die ganze Gottverlassenheit wieder. Naturkatastrophen, Krieg, persönliches Schicksal, und Gott schweigt. Das Schweigen erleben wir besonders starkt, wenn wir an unserer Hilflosigkeit leiden. Wenn wir gegen bestehende Situationen nichts mehr ausrichten können. Wir leiden. Wir empfinden Schmerz. Wir klagen. 
Erfolgsmenschen tun sich mit Leiden schwer. In unserer Vorstellung lebt der Gedanke: Erfolg ist gut – Leiden ist schlecht. Vielleicht ist es gut, sich etwas mehr mit Leiden zu beschäftigen. Adalbert Stifter sagte: „Das Leid ist ein heiliger Engel, durch das Menschen unvergleichlich größer geworden sind, als durch alle Freuden dieser Welt.“ Leiden hat einen Sinn. Sinn verwirklicht sich nicht nur in den schöpferischen Werten von etwas Gestalten und Schaffen. Sinn ist auch nicht nur die Möglichkeit zu lieben, zu erleben und zu genießen, was die großen Werte des Menschen sind, sondern auch im Leiden. Viktor Frankl  bezeichnet das Leiden als nicht nur eine Möglichkeit, sondern die Möglichkeit den höchsten Wert zu verwirklichen, um den tiefsten Sinn zu erfüllen. Er sagt: „Wo keine Handlung mehr möglich ist – die das Schicksal zu gestalten vermöchte – , dort ist es nötig, in der rechten Haltung dem Schicksal zu begegnen.“
Leiden ist eine Lernaufgabe, um zur höchsten Würde des Menschen zu gelangen. Daher muss Gott schweigen, daher muss der Mensch leiden. Jesus hat sich durch das Schweigen Gottes durchgelitten. Das musste geschehen, um die Erlösung vollkommen zu machen. Leidenswege sind Heilswege. Sie tragen, wie nichts anderes zur Veredelung des Menschen bei. 
Daher flüchten wir uns nicht vor den schmerzhaften Wegen. Lassen wir uns im Leiden zur größten Reife verwandeln. Über die Kreuzwege, macht uns Gott für seine Herrlichkeit tauglich.
Wird nicht gerade das Schweigen Gottes, für uns zum Schrei nach Erlösung?

Unbegreiflicher Arm

Gott schreibt auf krummen Linien gerade.
„Herr, sei unser Arm alle Morgen, ja unser Heil zur Zeit der Trübsal!“

Jes. 33, 2
Wo Gott als Arm angerufen wird, ist er die aktiv handelnde Kraft. Das ist dort, wo unser Arm zu kurz ist. Das Volk Israel durchschritt wieder einmal Wege voller Mutlosigkeit. Sie haben gelebt, sie haben gehandelt und hatten keine Hoffnung. Für uns als Blumenmönche bleibt der Großbrand ein prägendes Ereignis. Wir haben ein Jahr lang geschafft und uns unermüdlich für unseren Auftrag eingesetzt. Die Wintermonate standen vor uns, Zeit zum auftanken und erholen. Darauf lebt man am Jahresende richtig sehnsüchtig zu. Dann die Katastrophe, bei der schlagartig der ganze Lebensraum weg war. Statt zur Ruhe kommen in der weihnachtlichen Zeit, war Schutt aufräumen. Eine Situation, bei der wir dachten: Lieber Gott, was hast du dir dabei gedacht. Haben wir uns nicht schon genug, bis zum Umfallen eingesetzt? Und jetzt so etwas! Kurzer Arm – langer Arm. Wir haben die Welt nicht mehr verstanden und Gott hat unbeirrt seine Geschichte mit uns weitergeschrieben. Da wo vor unseren Augen alles schwarz wird, handelt ein Arm im Verborgenen. Da wo wir im Aus stehen, entsteht eine großartige Führungsgeschichte. Da wo bei uns die Luft raus ist, handelt ein anderer.
Egal wir knüppeldick und unverständlich unsere Lebensgeschichte aussieht, wir können aus dem Gottes Handeln nicht herausfallen. In aller Trostlosigkeit ist ein verlängerter Arm. Da ist ein schöpferischen Handeln das allen Verstand übersteigt. Da ist eine Kraft da, wenn wir am Ende sind. 
Da ist der Ruf nach diesem Arm an jedem Morgen, der Griff nach dem Heil in unserem Chaos. Dieser Arm ist der Christus Zuschuss, der aus den verkohlten Balken Neues werden lässt. Solange dieser Arm greifbar ist, kann kein Aschehaufen die Hoffnung rauben. Da geschehen Dinge, die nicht in unserer Macht stehen.
Wenn wir an diesen überschwänglichen Gott glauben, der über unser bitten uns verstehen wirkt, warum greifen wir nicht jeden Morgen nach diesem Arm?

Genießen ist Lob

Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er auf´s Eis zum Tanzen.
„Wenn du isst und satt wirst, so hüte dich, dass du nicht den Herrn vergisst.“

5. Mose 6, 11-12
Hüte dich heißt: Schütze dich vor deiner eigenen Dummheit. Menschen haben ein großes Problem, sie vergessen, wenn sie satt sind. Der Esel vergisst die Verhältnisse in denen er lebt und wird übermütig. Manch einer hat sich in einer schweren Krankheit geschworen: Wenn ich hier davon komme, wenn ich das überlebe, wenn ich wieder gesund werde, gehört mein Leben Gott. Als er gesund war, hat er dann sein Versprechen schnell wieder vergessen. 
Doch nicht nur die Not soll uns beten lehren, sondern erst recht wenn wir satt sind, wenn der Segen fließt. Hinter dem Satt werden, steht nicht der Zufall, sondern der, der uns alles zufallen lässt. Jeder gedeckte Tisch, jedes delikate Essen, jeder vollmundig, fruchtige Spätburgunder ist die Frucht der menschlichen Arbeit und des Segens von Gott. Segen ist immer ein Zusammenspiel Schöpfer und Geschöpf. Wir können vieles tun, wir können uns anstrengen und uns Mühe geben, jedoch der Erfolg ist dadurch noch nicht garantiert. Wenn nicht Gott das Gelingen schenkt, können wir uns noch so sehr abstrampeln. Satt werden ist zutiefst im Segen verankert. Satt werden ist eine Gottes Gabe. Daher musste die sozialistische These in die Hose gehen: „Ohne Gott und Sonnenschein, bringen wir die Ernte ein.“  Das war nur dumm, das war vergessen, das war vermessen. 
Jesus Christus selbst knüpft das satt werden im Reich Gottes an Brot und Wein. Gott ist der Vollversorger. Aus ihm fließt alles, was den Menschen satt macht. Satt ist Segen. Im Satt werden hat Gott seine Kammern aufgerissen. Daher ist jeder Bissen Brot und jeder Schluck kaltes Wasser, Lobpreis uns Gottesdienst. Essen und genießen ist eine heilige Handlung in Dankbarkeit. Satt werden ist Anbetung.
Warum sollten wir da nicht aufpassen, dass wir das nie vergessen?