Was wir betrachten, werden wir

Mit guten Worten kann man andere auf Händen tragen.

„Betrachte das Buch des Gesetzes Tag und Nacht, dass du es hältst und tust in allen Dingen.“
Jos. 1, 8

Das Buch des Gesetzes ist keine Schablone und kein Katalog, nach dem ein frommen Leben abgearbeitet wird. Wenn Jesus vom Gesetz spricht, redet er von sich als die Erfüllung des Gesetzes. Diese Erfüllung ist die vollkommene Liebe. Das Gesetz sind die befreienden Worte der Gottesliebe. Darin liegt Aufbruchstimmung, liegen heilende Kräfte. Wer sich guten Worten aussetzt wird geformt und verändert. Wo zwei Menschen sich die Worte, ich hab dich lieb, zusprechen, findet eine Annäherung, ein zusammenschweißen statt. Da haben ein paar kleine Worte eine starke verbindende Kraft. Während die Worte, ich mag dich nicht, einen Kälteschock auslösen. Worte lösen Reaktionen aus. Worte bauen auf und zerstören. Wo sich ein Mensch Tag und Nacht dem Gotteswort aussetzt, geschieht an ihm etwas. Wo wir andauernd dem, Ich liebe dich, ich tröste dich, ich heile dich, ich vergebe dir, ich erneuere dich begegnen, wird Gottes Güte in uns einmassiert. Da gehen Worte durch und durch, die jede unserer Zellen berührt und alle Bewegungen durchdringen. Geliebte gehen anders, sie stehen anders, sie kommunizieren anders. Je stärker dieses Betrachten ist, umso mehr werden wir von diesem Wort geformt. Da findet ein Bearbeitungsprozess zum Guten statt. Geliebt zu werden, entspannt zum Lieben. Da werden alle Sensoren auf lebendig und erfüllt gestellt. Da sind wir gehalten und können halten. Da spüren wir von innen heraus, was es heißt ein neuer Mensch zu sein. Betrachte das Wort so viel du kannst und du wirst dich nicht wiedererkennen, über dem, was da an dir geschieht. In diesem Betrachten wächst Glauben und Vertrauen. In diesem Betrachten, werde ich bereit, vom Wort bearbeitet zu werden. Dieses tägliche Betrachten, dieses intensive Auseinandersetzen mit dem Wort, trägt mich selbst durch Spannungen und Zukunftsängste, wo eigentlich die Situation auf Verzweifeln angelegt ist.

Wenn wir anschauen, welche Worte wir tagtäglich hören, lesen, anschauen und in uns aufnehmen, brauchen wir uns über unsere Kraftlosigkeit nicht zu wundern. Die Zeitung beim Frühstück serviert uns den Krieg von Türkei uns Syrien oder zwei große Parteien, die nicht zu Topfe kommen, um eine Regierung zustande zu bringen. Wo wir diese Worte betrachten, ist uns die Freude schon am Anfang des Tages versaut. Das was wir in uns eindringen lassen zermürbt uns, oder baut uns auf. Wo wir die Lehre der Liebe lernen, werden wir anders und wird unser Tag anders. Wir brauchen das Wort, ich liebe dich, nicht nur einmal am Anfang hören, wir brauchen es ständig neu. Sich dauerhaft dem Wort ausliefern, trägt uns auf Händen und schafft etwas Neues in uns.

Was kann uns erschüttern, wenn wir in der Macht der Liebe ruhen?

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Hörende haben kraftvolle Worte

Es gibt Worte, die die Kraft haben, die ganze Welt zu bewegen.

„Der Herr war mit Samuel und lies keines von allen seinen Worten zur Erde fallen.“1. Sam 3, 19

Samuel, ein junger Prophet, bewegte sehr viel in den damals politischen Spannungen des Volkes Israel. Was Samuels Worte so schlagkräftig machte, war, dass der Herr mit ihm war. Wo sich Gott hinter einen Menschen stellt, machen Worte Geschichte. Die Voraussetzung dazu war, dass Samuel schon in jungen Jahren auf die Worte Gottes hörte. Sehr feinfühlig reagierte er auf die Stimme, die zu ihm sprach. Dieses Hören und auf das Reden Gottes eingehen, machte ihn zum Sprachrohr. Im Hören auf das Wort, bekamen seine Worte Gewicht. Er wurde damit selbst zu O-Ton Gottes. Mit dem was er sagte, begann Gott zu handeln und Geschichte zu schreiben. Seine Worte wurden zu Gottes Worten. Darin äußert sich die Vollmacht eines Verkündigers, dass seine Worte von einem höheren Geist geprägt und durchdrungen sind. Wo sich der Mensch Gott hingibt, bekommen seine Worte eine durchschlagende Kraft, die nicht unter seiner Kontrolle liegen. Da können wir die Geschichte von Paulus durch Kleinasien und Europa verfolgen. Das wurde uns im vergangenen Jahr oft eindrücklich im Reformationsjubiläum vor Augen gestellt. Da hat ein kleiner Mönch eine Kirchenrevolution ausgelöst, was viel Erneuerung und auch Trennendes mit sich gebracht hat. Doch auch heute sind es Männer, die vom diesem Geist des handelnden Wortes durchdrungen sind, die gegen diese Trennung der beiden Großkirchen angehen. Bei dem ökumenischen Gedanken sprachen die Bischöfe Marx und Bedford-Strohm große Worte. Das verbindende Element in der Kirche, sind nicht all die Bemühungen gutmeinender Menschen, sondern Christus selbst. Wo Christus die Mitte ist, wird die Kirche eins. Karl Barth sagte: nur die Predigt des Wortes Gottes ist Gottes Wort. Überall wo Menschen sich auf das Wort einlassen, ist Gott mit ihnen, und werden ihre Worte zu einer Macht, die Welten bewegt.

Das sind dann Worte die aufrichten und trösten. Es sind Worte, die klare Wege in die Zukunft aufzeigen. Es sind Worte, die konfrontieren und vom Übel befreien. Die Zielrichtung dieser Worte ist immer, sich auf den handelnden Gott einzulassen. Große Worte führen in die Gottesgegenwart. Es sind immer die Worte eines Hörenden. Bei solch einer Haltung der Glaubenden, ist Gott mit uns und bekommen unsere Worte Gewicht.

Sind wir so offen für das Wort, dass dadurch unsere Worte Kraft haben, Glauben zu wecken?

Worte, die nie vergehen 

In allem Redeschwall unserer Tage, gibt es noch Worte, die die Welt verändern. 
„Ich will rühmen Gottes Wort. Ich will rühmen des Herrn Wort.“

Ps. 56, 11
Das Wort Gottes müsste eigentlich eine Auszeichnung bekommen, für die bestgehaltene Rede aller Zeiten. Es hat solch eine emotionale Kraft, dass es über Jahrtausende Menschen berührte und zu außergewöhnlichen Taten bewegte. Aus diesem Wort haben die vom Leben erschlagenen neuen Lebensmut bekommen. Dieses Wort entlastete die Belasteten. Dieses Wort bewirkte Kurskorrekturen und stellte ganze Lebensplanungen auf den Kopf. Es animierte zu den großartigsten Leistungen in der Baukunst und in der Fürsorge für Menschen. Dieses Wort brach Herzen auf und machte zur einer Liebe fähig, die menschliche Grenzen übersteigt. 
Nirgendwo in der Geschichte der bedeutendsten Reden großer Menschen, konnten Worte solch eine dauerhafte Dynamik entwickeln. Und es gab wahrlich bewegende, unvergessliche Reden, wie die von Martin Luther King: Ich habe einen Traum, oder die Antrittsrede von Nelson Mandela zum Präsidenten. Auch J.F. Kennedy gab den vom Kommunismus beherrschten Deutschen in Ost und West viel Kraft, mit seinem berühmten Satz: Ich bin ein Berliner. Doch im Wort Gottes steckt noch eine zusätzliche Qualität, die kein Mensch vermitteln kann. Es sind Worte, die den Menschen über sich hinausheben. Das sind keine normalen, guten Worte, es ist ein Ereignis. In diesem Wort wird der Mensch von Christus erfasst. Darin wirkt die ganze Energie des Schöpfers. Es ist ein permanenter Lebendig Macher. Darin feiert die Auferstehung ihren Triumph über das Sterbende. Im Wort wird der Mensch von Herrlichkeit geküsst.
Das Wort löst Anbetung aus, gerade am Sonntag, an dem wir ihm besonderen Raum einräumen. Es will die vielen Worte, die auf uns herunterprasseln durchdringen und Beständigkeit hineinbringen. Was auch die Worte um uns herum täglich aufmalen, wo sie uns in der Werbung zum Kaufen bewegen wollen, brauchen wir umso stärker dieses eine Wort, das uns wirklich Leben gibt. Verehren wir dieses Wort. Wertschätzen wir es. Lassen wir uns vom ihm antreiben und in die Anbetung führen.
Geben wir dem Wort so viel Raum in uns, dass alles was uns ausmacht zur Anbetung wird?   

   

Gott segne euch an diesem Sonntag. 

Eine Treue, die in Atem hält

es ist ein Fest, wenn auf Worte Verlass ist.
„Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss..“

Ps. 33, 4
Es geht um eine ganz besondere Qualität von Worten. Gottes Wort ragt aus allen Worten heraus. Es hat ein Alleinstellungsmerkmal. Wo Menschenworte oft flüchtig daherkommen und Ausdruck von unsteten Gestalten sind, ist Gottes Wort eine Institution. Worte veraten einen Menschen. Sie zeigen die Person hintern den Worten. Sie offenbaren eine ganze Welt; eine sehr zerbrechliche Welt.
Wort Gottes offenbart eine ganz andere Welt. Den Status quo des Lebens. Wahrhaftig ist eine reale Wirklichkeit, die zu allen Zeiten steht und gilt. In diesem Wort kommt eine verbindliche Festigkeit auf uns zu; eine Treue, die wie gemeißelt da steht. In diesem Wort manifestiert sich der Schöpfer in seiner Schöpfung. Seine Ordnungen, sein Recht und Gesetz, sind das Lebenselixier der Menschen. Im Wort verpflichtet sich Gott auf alles was lebt. Er verschweißt seine Lebenskraft mit einer vergänglichen Welt. Seine Treue hält die Welt in Atem. Wo Gott sein Wort abziehen würde, würde die Menschheit wie ein Kartenhaus zusammenfallen. 
Dieses Wort ist der Lebensnerv allen Geschaffenen. Jesus Christus ist das lebendig gewordene Wort, das Siegel der Treue Gottes zu den Menschen. In Christus trifft der Lebensnerv die Kreatur. Durch Christus kommen in unsere vergänglichen Worte, Gottes Verbindlichkeit. Da kommt Festigkeit in alles jämmerliche Dasein. Christus ist der ständige Gegenpol zu allen Worten, die sich in Schall und Rauch auflösen. 
Wie stark sind unsere Tage von diesem unverrückbaren Wort gefestigt?

Worte, die Licht anzünden 

ein Wort, das schafft, was es sagt.
„Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“

Jes. 55, 11
Vor Jahren hatte die CDU in Baden Württemberg den Slogan: Ned schwätza, schaffa! Soll heißen, wer viel redet, tut nichts. Das Tun entscheidet über Ergebnisse die erreicht werden. Arbeiten ist besser als Reden.
Wort Gottes ist anders. Dieses Wort ist Tat. Wort Gottes sind nicht nur leere Worte, sondern Handlung. Da redet nicht einer fromm daher; mit diesen Worten passiert was. Dieses Wort erschafft sich die Welt. Ein solches Wort gesprochen macht Seelen gesund. Wort Gottes wirkt. Im Wort begegnet uns der lebendige Christus. Da kommen Worte, die Lichter anzünden, die aufrichten und befreien. Dieses Wort entfaltet eine Kraft, inmitten der vielen belanglosen und nichtssagenden Worte der Menschen.
Dieses Wort war zu dem Volk Israel in die babylonische Gefangenschaft gesprochen und es steht für uns am Anfang eines neuen Kirchenjahres. Egal ob uns kirchliche Strukturreformen Angst vor der Zukunft machen wollen, oder Lebensumstände wenig Hoffnung für das Morgen machen, dieses Wort wirkt. Wo Gottes Wort wohnt, ist Gott am Handeln. Es schafft, was es sagt. Es wird das gelingen, was es beinhaltet.  Mit dieser Verheisung kann es am 1. Advent nicht dunkel bleiben. Dieses Wort zertrümmert alle Hoffnungslosigkeit.
Wieviel Raum geben wir dem Wort, damit in dieser Welt nicht die Lichter ausgehen?
Einem gesegneten 1. Advent wünsche ich euch.