Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste Freunde, hängen gemeinsam im Fallschirm.

Gott spricht: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“
Ps. 50, 15

Ziemlich beste Freunde ist deshalb so ein guter Film, weil er die natürlichen Grenzen eines von oben bis unten Gelähmten durchbricht. Freundschaft überwindet Grenzen und mobilisiert den Hilflosen. Wenn ein Tetraplegiker in einem Tandemfallschirm hängt, ist menschliches Miteinander nicht mehr zu toppen. Freundschaft, Partnerschaft, ein großes Glück, von jedem angestrebt, doch oft ein Scherbenhaufen. Gott stellt einen Freundschaftsantrag. Er will der Partner für dick und dünn sein. Nicht nur in den erhebenden Sonnentagen, sondern gerade, wenn wir am Kleingedruckten unseres Lebens buchstabieren. Ein Angebot für Vollgelähmte, bei denen nichts mehr selbstständig funktioniert. Gerade da, wo wir einfach sitzen und nicht mehr das Gleichgewicht halten können. Der beste Freund will an den Nerv unseres Schicksals. Dorthin, wo die Verzweiflung und Sinnlosigkeit am größten sind. Dort wo wir aus unserer Haut fahren könnten und das Ende unseres Lebens wünschen. Die Not der Menschen ist die Nacht, in der es nichts zu hoffen gibt. Es sind die Momente, in denen wir mit unserem Elend ganz alleine sind und bittere Stunden schmerzhaft ausleiden. Ganz am Ende geht jeder seinen einsamen Weg und spürt dabei wie ferne einem der liebste Mensch ist. Genau in dieser Leere, die kein Mensch ausfüllen kann, will Gott Freund sein. Er wird dem unter die Räuber gefallenen, zum barmherzigen Samariter. Mein Elend wird sein Ding. Für meine Begrenzung fühlt er sich verantwortlich. Mit ganzer Macht bringt er ins Leben zurück. Sein sprühender Lebensdrang rettet uns. Die Unbeweglichkeit und Unselbstständigkeit, der Rolli, hindern nicht, quitschvergnügt durch die Lande zu fahren und die Schönheit von Bergen und Blumen zu genießen. Der Freund fährt. Mit dem Freund fliegen wir. Ohne dass wir das können, sind wir mitten im blühenden Leben. Unter Lasten leben wir dabei auf. Der Freund reißt die Türen zum Leben auf.

Wer einen Freund hat, ist erlöst. Der Freund befreit von dem was zurückhält. Der Freund macht uns aus. Wir können das, was unser Freund kann, somit immer mehr, als wir selber können. Mit Christus als Freund, hat es die Not schwer. Da können wir in der ausweglosen Lage wieder das Lachen lernen. Es ist die Gnade, die allen Jammer wendet. Solch einen Freund können wir nur besingen.

Warum steigen wir in unserer Not nicht mit in den Fallschirm?

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Von Glückseligkeit verfolgt

Ewigkeit kommt zu jedem Zeitpunkt vor. Elazar Benyoetz

Aus einem der größten Trost-Psalmen kommt die volle Wucht der Gottes Güte. Wir sind die von Erbarmen Verfolgten. Der Reichtum von Gottes befreiender Kraft, wird uns überall hinterherschleichen. Wohin uns unsere Wege auch führen, quer durch die finstersten Täler, hängt uns die Erlösung an den Füßen. Wo Gutes und Barmherzigkeit allgegenwärtig sind, ist Christus mitten in der größten Hölle. Der menschliche Ausnahmezustand ist Gottes Präsenz. Mitten in der „Todes-Schatten-Schlucht“, wie Martin Buber diese Stelle übersetzt, bricht Herrlichkeit an. Ewigkeit ist der Schatten aller Nacht. Wer vom Guten verfolgt ist, dem klebt Glückseligkeit an den Fersen. Was auch kommt, es wird sich zum Guten wenden. Das ist die Gesamtaussage, die über unserem Leben steht. Wir können aus dem Hause Gottes nicht herausfallen. Wir werden für alle Zeiten in seiner Gegenwart bleiben. Im Leben und Sterben, sind wir des Herrn. Alle Ängste, Kämpfe und schrecklichen Ereignisse, die wir erleben, können uns nicht von dieser Tatsache wegreißen. Das heißt, es wird für allen Zeiten das Bittere nie isoliert im Raum stehen. Alles was geschieht, alles was wir durchmachen, geschieht innerhalb des Hauses des Herrn. Das Haus des Herrn umfasst das Elend der Welt. Egal was wir im Augenblick von dieser Herrlichkeit erkennen, sie umgibt uns wie die Luft die wir achtlos einatmen. Die Herrlichkeit, dieses Haus des Herrn erhält uns am Leben, gerade wenn wir sterben. Somit kann der Tod, keine Katastrophe mehr sein; kein Unglück, ein untröstlicher Schrecken. Jedes Schicksal geschieht in der absoluten Gottesgegenwart.

Wieviel Wärme kommt daraus in die Eiseskälte unserer Tage. Da ist alle Verzweiflung von Hoffnung verfolgt. Da kann ein Bonhoeffer aufrechten Hauptes seines Galgens entgegen gehen. Damit verlieren die schlimmsten Befürchtungen ihre Angst. Wer auf Schritt und Tritt vom Guten verfolgt ist, braucht kein Übel zu fürchten. Wer immerdar im Hause des Herrn bleibt, braucht in keinem Zerbruch mehr Angst haben. Dieser Trost entspannt all unseren Stress. Er gibt Gelassenheit in allen Turbulenzen. Da kann in aller Aufregung, der Herzrhythmus ruhig bleiben. Wir sind geborgen, auch wenn der Sturm, dem Haus, das Dach abdeckt.

Wenn wir in diesem Hause zuhause sind, wenn wir vom Guten verfolgt sind, welcher Schrecken will uns da noch nachschleichen?

Eine totale Entlastung

Wo Schuld gesühnt ist, können Menschen gesund werden.

„Führwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.“

Jes. 53,4
Was Jesaja hier auf den Tisch legt ist reines Evangelium. Er beschreibt den leidenden Gottesknecht, mit dem Gott grundlegend das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte löst, – Schuld. Schon zu des Propheten Zeit, wurde Schuld vor sich hergeschoben, verdrängt und ignoriert. Dabei ist eigentlich für jeden klar, Schuld schafft Unfrieden und macht Menschen krank. Es kocht nicht nur Herz und Seele, wenn ein Mann mit 59 Jahren bei einem Einbruch in ein Reihenhaus, durch die Brutalität der Einbrecher ums Leben kommt. Es zeigt auch welche Risse Schuld in die Gesellschaft reißt. Selbst die kleine, unscheinbare Schuld im täglichen Miteinander, belastet Familien und Gemeinden. Wer sich des Themas der Schuld annimmt, der kämpft für das befreite Leben. Gott macht hier ganz gründliche Arbeit. Mit dem „Schmerzensmann“ den Jesaja beschreibt, schafft er eine neue Gerechtigkeit. Er wird zurecht gebracht, was aus dem Lot geraten ist. Wo Schuld von Gott und den Menschen trennt, braucht es Christus der verbindet und heilt. Gott macht den Schuldlosen, für uns zur Sünde, um damit eine Wiedergutmachung herzustellen. Wo Gott auf diese Art Schuld bereinigt, entsteht ein Neuanfang. Das Quälende und krank machende ist völlig weg. Mit Christus hat Gott selbst für den Menschen abgebüßt. Christus ist für alle Zeiten der Schuldvernichter. Mit Christus brauchen wir keine Schuld verschieben oder zudecken, sondern können glasklare Verhältnisse schaffen. Das ganze Versteckspiel kann aufhören, bei dem wir besser da stehen wollen als wir sind. Das ist das befreiende und frohmachende des Evangeliums, das von Grund auf zur Sünde veranlagte Menschen, wieder offen mit Gott und untereinander kommunizieren können. Mit Christus ist auch der größte Bock, den ich im Leben geschossen habe weg.
Das prägt jeden Tag. Eigene Schuld kann mich nicht mehr auffressen. Hier werden wir nach Luther zum fröhlichen Sünder. Ich kann wieder aufrecht stehen, egal was da einmal war. Wer solche Barmherzigkeit erfährt, kann auch mit anderen barmherzig umgehen. Da ist der andere nicht selber schuld, wenn er keine Arbeit findet, oder mit manchen Problemen nicht zurechtkommt. Da wird die Charakterschwäche des anderen mich mit in die Verantwortung nehmen. Wo die Schuldfrage geregelt ist, blüht das Miteinander wieder auf.
Wo leben wir als diese Befreiten, die ihren Nächsten mit entlasten?

Am Nullpunkt beginnt Ostern

es ist nie zu spät, neu anzufangen.
„Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: „Sie gefallten mir nicht.““

Pred. 12, 1
Spätestens, wenn die ungemütlichen Tage im Leben kommen, hat der Mensch vieles nicht mehr in der Hand. Wo man in jungen Jahren vieles aus sich heraus frisch und aktiv angepackt hat, sind es im älter werden die Krankheiten und Beschwerden, die den Handlungsspielraum einschränken. Der einst Aktive, wird zum leidenden Elend. Wenn die bösen Tagen kommen, gleichen wir dem Übeltäter der neben Jesus am Kreuz hing und sprach: Jesus gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 
Das „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend“, wird von Jesu Gedenken am Kreuz überdeckt. Wo Menschen ihr Gedenken von klein auf an Gott vergessen und verlassen, gedenkt Gott an uns. Wo wir unter der Last unseres Lebens leiden, nicht zuletzt aus der Folge des Gott verlassens, leben wir allein aus seinem Gedenken. Der Tod Christi am Kreuz ist die Antwort auf die bösen Tage, aus denen er uns herauslösen will. Unsere bösen Tage können wir nicht selbst überwinden, wir können sie nur durchschreiten, weil Christus unser gedenkt. Er wird uns erlösen, von allem, was in unserem Leben vom Zerfall und Auflösung gezeichnet ist.
Wo Christus, selbst in unserer letzten Stunde an uns denkt, da ist es nie zu spät. Da ist der Zerbruch unseres Lebens noch voller Hoffnung. Da kommt nicht das große, schwarze Loch; da kommt an unserem Nullpunkt Ostern. So ist das Ende Christi am Kreuz, Gottes großes Gedenken an unsere bösen Tage. In den bösen Tagen offenbart sich nicht unser Ende, sondern Gottes Neuanfang.
Wenn Gott so an uns denkt, müssen wir da noch an Tagen, die uns nicht gefallen, in Grund und Boden versinken?
Einen gesegneten Karfreitag wünsche ich euch.

Fröhlich sündigen 

Schluss mit Versteck spielen.
Unsere Missetaten stellst du vor dich, unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.“

Ps. 90, 8
Unsere Welt lebt von Skandalen. Wenn sich einer mal hochgearbeitet hat und vielleicht sogar eine öffentliche Stellung erreicht, kommt ein findiger Journalist und findet den Makel. Die feinen kleinen Ungereimtheiten werden an den Pranger gestellt und gnadenlos in die Pfanne gehauen. Wir haben gelernt, man darf sich keine Fehler leisten, sonst ist man weg vom Fenster. Wehe, es kommen Schwachstellen ans Tageslicht, dann ist Schluss mit lustig.
Wer meint, Gott handle nach dem gleichen Prinzip, irrt gewaltig. Gott macht die Menschen nicht zu Sündern um sie klein zu halten. Die Kirche deckt nicht Schuld auf, um damit ihre Schäfchen gefügig zu machen, nein, darin liegt die eigentliche Größe Gottes. Wir moderne Menschen tun uns schwer, uns als Sünder zu betrachten, doch genau darin liegt unsere Chance. Dadurch, dass wir gerne zudecken und die Ungereimtheiten verheimlichen, verspielen wir oft ein großes Geheimnis des Glaubens. Wer Gott erkennt, entdeckt gleichzeitig seinen Mangel. Wir stellen fest, dass wir ihm nicht im Geringsten genügen können, dass wir immer hinter seinen guten Maßstäben zurückbleiben. Wir müssen erkennen, die Liebe die Gott ist, ist bei uns immer Mangelware. Wir sind Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollen, sagt Paulus und Luther sagt: Wir sind Bettler, das ist wahr. Wo wir diese Erkenntnis zulassen, sind wir einen rießigen Schritt näher bei Gott.
Gott macht uns das nicht bewusst, um uns zu demütigen, sondern um für sein Erbarmen Platz zu schaffen. Je größer die Sündenerkenntnis um so größer wird unsere Gottabhängigkeit. Je mehr Schwäche wir zulassen, umso gewaltiger formt uns das Erbarmen. Somit ist der größte Sünder der glücklichste Mensch, weil die Barmherzigkeit im Überfluss in ihm wohnt. Echte Sündenerkenntnis ist die größte Befreiung, die ein Mensch erleben kann. Es ist das Ende des Versteckspiels. Wir brauchen uns und anderen nichts mehr krampfhaft vormachen. Sündenerkenntnis entspannt, weil sie allen Mangel mit Erbarmen füllt.
Wo treiben wir noch dieses Versteckspiel und betrügen uns um ein großartiges, befreites Dasein?

Geh´ mal zu Trump

2. Mose 3, 10

Hirte, Hund und Herde, ein Kontrastgemälde zu High tech, Bits und Bytes. Der gute Hirte hängt oft nur noch angestaubt im Schlafzimmer der Großeltern. Im realen Leben sieht man ihn nur selten, und wenn, dann lächelt man fast mitleidig und denkt: Wer wird denn heut´ noch Schäfer? Denkt man ein bisschen weiter, erkennt man, hier leitet jemand. Da hat einer die Verantwortung über 156 Leben übernommen. Wohl und Wehe liegt in der Hand dieses Führers. Da steht einer dafür gerade, dass andere durchkommen. Nicht umsonst zieht sich dieses Bild vom Hirten durch die Bibel und Kirchengeschichte.

Gott hat eine heikle Mission und braucht dafür den richtigen Mann.

  1. Ein Wahnsinnsplan

damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.

In der Politik fragt man sicherlich manches Mal, wie kommt ein Minister zu seinem Amt? Welches sind seine Qualifikationen für seine Aufgaben? Gott vergibt hier einen staatsmännischen Posten. Ihm steht ein Kulturkampf vor Augen. So ein bisschen DDR-Revolution im großen Stil. Jahrzehntelange Unterdrückung soll abgeschafft werden. Ein ausgenütztes und gedemütigtes Volk, soll aus der Staatsgewalt von Ägypten befreit werden. Ein geschichtsträchtiger Umbruch, den da Gott plant. Da gibt es mit Sicherheit verheißungsvollere Ziele, die man sich setzen kann. Hier soll tief in eingespielte Systeme eingegriffen werden, die garantiert Widerstand leisten.

Der Auftrag lautet: Herausführen. Dazu braucht er die geeignete Führungskraft; Mose. Herausführen und hindurchführen war mit Sicherheit Moses Spezialität, doch seine Qualifizierung lag auf Schafen. Für politische Operationen im großen Stil sicherlich etwas dürftig. Wenn Gott ruft, bringt keiner dafür die Voraussetzungen mit. Da sind Veranlagungen, da sind Begabungen, die Menschen mitbringen und die Gott in sie hineingelegt hat, doch das ist lediglich die Rebschere in der Hand des Floristen.

Wenn Gott beruft ist jeder dafür unterqualifiziert. Wenn Gott zu einer Führungsrolle beruft, hat er bereits die Führung übernommen. Das ist der größte Schaden im Reich Gottes, wenn Menschen sich einreden, sie haben für diese Aufgabe nicht die nötige Kompetenz. Wenn Gott ruft ist höchste Kompetenz da. Wo Gott sein Volk herausführen will, ist er der Führer. Da hat er die Verantwortung übernommen. Das ist das Gottesprinzip, dass er Schafhirten zum Außenminister beruft.

  1. Mach dir nicht ins Hemd

ich will dich zum Pharao senden

Es ist völlig egal ob die Staatsoberhäupter Baschar al-Assad oder Wladimir Putin und Donald Trump heißen, Gott sendet halt. Wenn Gott sendet, geht es nicht um mich. Da liegt die Autorisierung in Gott. Da ist es Jacke wie Hose, ob ich Schafhirte oder Ziegenpeter bin. Der Sender ist der Entscheidende. Es geht um den, in dessen Namen ich unterwegs bin. Wo Gott sendet, hat es der Gegenüber nicht mit mir zu tun, sondern mit dem Allmächtigen. Da tritt plötzlich einem Pharo ein noch Höherer gegenüber. Wo Gott sendet, gibt es keinen Grund sich von irgendjemand einschüchtern zu lassen. Da sind die Machtverhältnisse ganz klar. Unter diesem „ich sende“ muss jeder Machthaber in die Knie gehen. Ich sende, ist die höchste Rückendeckung in der Auseinandersetzung mit den Mächten und Mächtigen dieser Welt. Da wird ein kleiner Mensch zu etwas ganz Großem gesetzt.

Im Senden liegt das Heil der Welt. Wo Gott sendet, liegt der Christus in der Krippe. Da kommt Ewiges in Irdisches, da durchdringen sich die Welten. Da treten Menschen aus dem Schatten. Da wird eine Mutter Theresa in den Slums von Kalkutta zu einer Heiligen in der Welt. Martin Luther bietet der Staatsmacht die Stirn und wird zum größten Reformer in der Geschichte. Wenn Gott Großes vorhat, kann der Mensch nicht klein denken. Wenn Befreiung in dieser Welt geschieht, braucht es einen Erlöser und braucht es Menschen, die sich senden lassen.

Wie oft wird Reich Gottes banal und wässrig, nur weil sich Menschen als zu klein betrachten. Christliche Bescheidenheit sabotiert das Handeln Gottes. Die Kirche und die Gesellschaft lebt von den Unerschrockenen, die sich senden lassen. Wieviel von wichtigem und wertvollen Handeln Gottes bleibt durch ängstliche Frömmigkeit auf der Strecke? Viele gute Entwicklungen werden ausgebremst, weil Gottes Sendungsauftrag nicht ernstgenommen wird. Wo Gott sendet, soll der Mensch über sich hinauswachsen. Da sollen Dinge geschehen die menschlich undenkbar sind. Wenn Gott sendet, brauchen wir weder vor einem Pharao noch vor unserer Unfähigkeit erschrecken. Der Glaubende muss an das Unglaubliche glauben. Vor Aufgaben, die uns schockieren wollen, brauchen wir uns nicht ins Hemd machen.

  1. Mach was ich will

so geh nun hin,

Wo Gott ruft, gibt es nur eine Antwort – gehen. Wenn Gott senden will, ist es gefährlich mit Überlegen anzufangen. Manch einer überlegt ein Leben lang, wohin will mich Gott wohl senden, was ist sein Auftrag für mein Leben? Dabei muss er sich eher fragen lassen, bin ich gegangen, wo ich gesendet wurde? Wo Gott gehen heißt, gibt es keine Alternative. Jeder der da anfängt abzuwägen, macht sich schuldig. Geh nun, ist der Schritt des Glaubens. Hier beginnt die Selbstüberwindung und hier ist es Ende aller Ausreden.

Im Verkaufen sagt man: Wir leben vom Abschluss! Wir können noch so tolle Beratungsgespräche führen, noch so tolle Kundenkontakte aufbauen, wenn wir nicht abschließen und tatsächlich verkaufen, haben wir nichts zum Leben. Wer nicht geht, wenn Gott will, kann noch so große Erkenntnisse haben, aber Reich Gottes entsteht da nicht. Gott baut sein Reich nur mit Gehern. Er arbeitet mit Menschen, die ins Handeln kommen. Wo wir im Glauben Schritte wagen, überschreiten wir menschlich Nachvollziehbares. Gehen ist ein Glaubensakt. Gehen sind die mutigen Schritte gegen die eigene Rebellion. Es ist das entschlossene Voranschreiten gegen alles bessere Wissen. Gehen ist die Kühnheit, einem Raubtier unerschrocken in die Augen zu schauen.

Gehen schafft Feinde und löst Widerstand aus, weil es eine Bewegung ist, die einen anderen und sich selbst herausfordert. Wer nicht geht, sich nicht herausfordern lässt, verspielt die Hoffnung, die für die Unterdrückten gedacht ist. Nicht gehen, verspielt das Heil. Durch den der geht, kann Gott Gefangenen die Freiheit schenken. Im Gehen werden große Geschichten geschrieben, und entsteht die geheimnisvolle Welt Gottes unter den Menschen. Der allmächtige Gott offenbart sich durch Menschen, die sich bewegen. Wer stehen bleibt, wer nur fromme Töne ablässt, kann das Gottesvolk nicht in die Freiheit führen. Deshalb mach´ dir nicht ins Hemd und geh´ mal zu Trump.

Was können wir tun, um vor dem Großen, das Gott mit uns vorhat, nicht zurückzuschrecken?

 

Lauschen bringt einen König zur Welt 

Menschliche Größe liegt in dem Mut drunter zu bleiben.
„Josua fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach: Was sagt mein Herr seinem Knecht?“

Jos. 5, 14
Welch eine faszinierende Größe, liegt in dieser bescheidenen Frage. Dahinter steckt die Haltung der bewegensten Frau der Welt, Maria. Sie antwortete dem Engel: Ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Danach kam der Erlöser zu Welt.

Große Dinge geschehen, wo Menschen sich vor Gott klein machen. Sich auf sein Angesicht fallen lassen, sich unter Gott stellen, macht Menschen groß. Sich zum Knecht und zur Magd machen, schafft Persönlichkeiten. Gebrauchsgegenstand Gottes zu sein, verändert die Welt. Wo das was Gott sagt, Gehör findet, wo Menschen dem Reden Gottes Raum verschaffen, hat Gott freie Hand, die Erde zu erneuern.
Mit der Frage: Was sagt mein Herr?, wird Christus in der Welt geboren. Wer sich dem Wort öffnet, bringt den König zu den Menschen. Was sagt mein Herr, ist die die Frage: Wer bestimmt mein Leben? In dieser Frage steckt der Mut, sich zum Diener machen zu lassen. Es ist der Mut, über sich Führung zuzulassen. Das ist gelebte Anbetung. Das ist der Anfang für die Auferstehung.
Die Adventszeit will uns bereit machen, zum Hören, auf das was der Herr sagt. Sie will Gefäße vorbereiten, sie will einen Mutterschoß schaffen, in die das Wort hineinfällt. Diese Wort will befruchten, dass in Menschen Christus zur Welt gebracht wird.
Wo kann im Adventsrummel solch eine Befruchtung stattfinden? Wo finden wir im Weihnachtsstress den stillen Raum, in dem wir auf unser Angesicht fallen können?

Erlösung entspannt 

in den Problemen über den Problemen leben.
„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Hiob, 19, 25
Wir alle sind gefangen. Gefangen in den alltäglichen Spannungen, durch den Druck der Arbeit, durch ein Miteinander, das ein ständiger Eiertanz ist, durch Worte, die uns verletzen, durch Lebensschläge, die uns einschränken. Da ist so vieles, das nicht rund läuft und Entwicklungen und Vorwärtskommen lähmen will. Wir sind verbunden mit dem Schicksal unsere Lebens. Wir kleben am Elend  unserer Tage. Hiob kennt die verzweifelten Stunden, in denen ihm ganze Welten zusammenbrechen, selbst gute Freunde mit Vorwürfen und pseudo-guten Ratschlägen dienen. Das ganze Leben ein einziges Fragezeichen und das bei frommen Leuten.
Der Glaube erkennt, dass dies nur eine Seite der Medallie ist. Durch Glaube verwandelt sich gefangen in frei. Der in Christus stehende Mensch, lebt in den Verhältnissen als ein Herausgelöster. Glaube ist das Kontrastmittel zum Übel. Da lösen sich die Bindungen an das Schicksal. Da erlebt der Gefangene Freiheit. Christus ist der Gegenpol zu allem, was uns mit dem Dasein verhaftet. Da stehen wir in der Not, aber sie kann uns nicht mehr bestimmen. Da entspannen sich gespannte Verhältnisse. Da können wir in der Beklemmung aufatmen. Da empfinden wir Ruhe in den größten Stürmen. Erlösung ist das herausgerissen sein aus den Turbulenzen einer vergänglichen Welt.
Durch Christus lebt immer etwas Geheiltes im Unheil. Die Auseinandersetzungen verlieren ihre zerstörende Macht. Da ist in den größten Tiefen, immer genügend Hoffnung da. Wir können befreit lachen, wenn es uns zum weinen ist. Erlösung entspannt.
Wenn wir um solch einen Erlöser wissen, wieso sollten wir da in den Stürmen des Lebens untergehen?

Zorn rüttelt wach 

müssen wir vor Gott das Genick einziehen?
„Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm?

Ps. 6, 2
Wo wir auf den zornigen Gott stoßen, haben wir es nicht mit einem persönlich beleidigten Gott zu tun. Solch Züge kennt er nicht. Zorn ist Leidenschaft gegen das Böse und gegen alle Halbheiten. Gott bebt, weil der Mensch die Gnade nicht ausschöpft. Das ist das verdammenswerte im Menschen, dass Gott alles gibt und der Mensch nur Bruchteile davon aufgreift. Sünde ist, unter den Möglichkeiten Gottes bleiben, die er in uns hineingelegt hat. Unser Defizit ist nicht unser Versagen, sondern dass wir Gottes Gaben in uns verachten. Da steckt ein gewaltiges Potential ins uns und wir verkümmern in den Sorgen unseres ichs. Das ist Gottes große Not und das erkennt derjenige, der offen vor Gott steht.  Schuld ist nicht unser nicht können, sondern unser nicht glauben.
Da in Gottes Zorn seine ganz Liebe liegt, steht hinter seinem Handeln nicht verdammen, sondern erlösen. Jesus bringt nicht Strafe, sondern das Auferwecken. Mit Christus wachen wir auf und entdecken das Geheimnis, das Gott in uns gelegt hat. Somit steht nicht die Anklage oder irgendwelche Vorwürfe über unserem Leben, sondern die größte Entfaltung des Daseins.
Mit Christus endet das Duckmäusertum, das permanent und vorsorglich mit einem schlechten Gewissen herumläuft. Gott züchtet keine depressiven Frommen, die geduckt durch diese Welt gehen. Wir haben keinen Grund das Genick einzuziehen. Mit Christus können wir aufwachen und aufstehen und den Reichtum Gottes entfalten. Gott zeigt nicht mit dem Finger auf uns, sondern breitet seine Hände um unser Leben aus.
Wenn Christus hier ist, wer will uns da verdammen?

Achtung Pulverfass!

die Gewissensfrage geht voll an den Nerv.
„Soll ich meines Bruders Hüter sein?“

1. Mose 4, 9
Getroffene Hunde bellen. Gott legt seine Finger auf die wunden Stellen. Kain schreit dabei nur frech auf. Er drückt sich vor der Verantwortung, seinen Buder umgebracht zu haben. Wo Gott den Mord zur Sprache bringt – Ausreden! Wir blicken hier in die Abgründe menschlicher Seelen. Wer an der Gottesfrage kneift, steht in der Gefahr, dem Leben an den Kragen zu gehen. Da geht es nicht mehr um kleine moralische Delikte, sondern um einen tiefgreifenden Schaden. Menschen können sich innerlich so verhärten, dass sie über Leichen gehen. Da entwickelt das eigene Machtstreben oder erfahrene Enttäuschungen solch ein Potential, dass Köpfe rollen. Wir brauchen diese dunkle Seite nicht nur bei den Terroristen suchen. Wenn wir uns selbst beobachten, wie schnell sich Hassgefühle gegen andere entwickeln, die uns Unrecht getan haben, erkennen wir ein Pulferfass. In Extremsituationen kennen wir uns selber nicht mehr und können nicht abschätzen zu was wir alles in der Lage sind. Da kreisen Gedanken in uns, über die wir selbst erschrecken.
Gott stellt uns immer wieder die Gretchenfrage: Wie hälst du´s mit dem Glauben, sprich. Er will genau in diese Giftküche der Gedanken eindringen. Er will das innere Brodeln und Auflehnen überwinden. Er will den unterschwelligen Gefahrenherd ausrotten. Er will Licht ins Dunkel bringen. Deshalb braucht die Welt Erlösung. Deshalb brauchen Menschen den Christus. Diese Weglauftendenz braucht die ständige Erneuerung. An der Gottesfrage entscheidet sich, ob wir zur Gefahr für uns selbst und für unseren Nächsten werden. Christus macht uns den Nächsten zum Bruder. Darin entsteht die Mitverantwortung für die Welt. Da wächst zusammen, was zusammen gehört. Die Frage nach unserem Glauben stellt uns nicht bloß, sondern heilt die verwundete Schöpfung und verbindet verwundete Herzen.
Wo finden wir bei uns die Stelle, an der wir dieser Frage ausweichen?