Zum Verschwenden geschaffen

Nichts ist widersprüchlicher, als ein Christ, der für sich selber lebt.

„Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.“
Spr. 3, 27

Dem Bedürftigen Gutes zu tun, ist zutiefst Gottes Wesensart. Haben um zu geben, ist Leben in sich. Verschenken, hingeben, sich entäußern, ist die Wolle, aus der Menschen gestrickt sind. Gott hat das Leben mit Gutem vollgetankt, damit das Dasein eine Weltreise unternimmt. Alle Existenz lebt davon, dass Gott sich darin hineininvestiert hat. Wir sind die mit Güte, mit Gaben, mit Wohlwollen, mit Erbarmen Angefüllten. In jeder unserer Bewegung steckt Gottes ganze Zuwendung. Gott macht es Spaß, uns lebendig zu halten. Das ist seine ganze Liebe und Selbstbestimmung. Das was er ist und hat sprudelt auf uns zu. Er kann sich in keiner Faser seines Wesens zurückhalten und auf sich beziehen. Das Gute hat den Drang zum Du, sonst würde es vereinsamen. Diese Grundbestimmung ist uns seit dem ersten Atemzug in die Wiege gelegt. Es ist das Lebensgeheimnis, das der Glaubende an Gottes Seite entdeckt und ausschöpft.

Wo Gaben und Gutes nicht fließen, ist der Glaubende ein See ohne Zufluss und Abfluss. Da beginnt früher oder später das große Fischsterben. Das was wir empfangen haben, ist uns zum Geben gegeben. Aufleben hat mit hingeben zu tun. Das ist ein Lebensgesetz, das vielen modernen Lebensentwürfen entgegensteht. „Gönne dir Gutes“, „nimm dir Zeit für dich selbst“, hat bestimmt einen richtigen Ansatz, doch darin liegt nicht die eigentliche Erfüllung. Wer das Leben in seinem ganzen Reichtum ausschöpfen will, kann nicht das was er hat verbrauchen, sondern muss sich selbst verschwenden. Das steht gegen alle Angst zu kurz zu kommen. Das kenne ich aus meiner eigenen Berufung. In meinen jungen Jahren hatte ich partout ganz andere Pläne, als ins Kloster zu gehen. Da war ein riesen Drang in die äußere Mission, in die große weite Welt. Da war der Gedanke an ein festgefügtes Leben in Gemeinschaft eine Beklemmung. Doch als über Umwegen klar war, Blumenmönch ist dein Weg, hat mich Gott eines Besseren belehrt. Ich konnte diese Geheimnis erleben, dass im sich selber aufgeben, mit allen Gedanken und Lebensplänen, eine größere Lebenserfüllung liegt, als in allem, was ich mir selbst an Land gezogen hätte.

Unsere Gaben haben wir nicht für uns, sie sind für andere. Unsere Zeit, unser Geld, unsere Kinder, unser eigenes Leben, sind Gabe zur Hingabe. Dort wo Gott uns hineinfließen lassen will, mit dem, womit er uns überschüttet hat, dort ist unsere Aufgabe. Wo wir zuhalten und uns weigern, verarmen wir und die Bedürftigen.

Was haben wir und was sind wir, das dort wo es gebraucht wird, zum Guten wird?

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