Ein heißer Hintern hilft

Es ist ein halb Himmelreich, wenn ein Mensch zur Einsicht kommt.

„Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not über sie kommt, sprechen sie: Auf und hilf uns!“
Jer. 2, 27

Auch fromme Menschen sind hartnäckig, stur und traditionsverhaftet. Gott hat es schwer, willige und geschmeidige Menschen zu finden, die sich schlicht auf sein Wort hin führen lassen. Er will Einsichten wecken, will Menschen großartige Wege aufzeigen, will ihnen das Geheimnis seiner Wahrheit näher bringen, will lebendig machen und der Mensch blockt. Da kann eine Bruderschaft Jahrzehnte im Segen stehen, umwerfende Wunder erleben, und dann tut sie sich schwer, wenn die Mitgliederzahlen schwinden, die Ursprungsgeneration älter wird, umzudenken und zu fragen: Herr, was willst du jetzt von uns? Durch unseren Prädikantendienst kommen wir in die kleinen Gemeinden auf der schwäbischen Alb. Auch da gehen die Kirchgänger zurück. Es müssen dann zwei benachbarte Gemeinden zusammengelegt werden, wo dann sonntags nur noch im Wechsel von der einen zur anderen Gemeinde Gottesdienst gefeiert wird. Da gibt es Gläubige, die sagen: Zu denen gehe ich nicht! Da haben Menschen Probleme, sich den Realitäten zu stellen. Sie machen da nicht mit, sie kehren mir den Rücken, sagt Gott. Gott will zur Erkenntnis der Wahrheit führen, das ist in der Menschenführung ein harter Brocken. Er will in der augenblicklichen Realität seine Wege aufzeigen. Das heißt zuerst, sich seiner eigenen Realität zu stellen. Einsicht braucht die Offenheit zu dem was ist. Doch aus der Menschenführung wissen wir, wie schwierig es ist Einsichten zu wecken. Warum soll das, was bisher gut und richtig war, plötzlich anders gemacht werden? Warum soll ich umdenken und neue Wege gehen?

Gott will, um des Guten willen, das er mit uns vor hat, Einsichten wecken. Wo es bei einem Menschen „Klick“ macht, und er erkennt, häng deinen Beruf an den Nagel und gehe ins Kloster, dann ist Führung gelungen. Doch er findet sich nicht damit ab, wenn sich andere schwer damit tun. Manche Menschen lernen durch Schmerzen. Sie kommen erst in Bewegung, wenn sie diese Schmerzen verhindern wollen, und das ist auch gut so. Manchmal hält Gott einen Bunsenbrenner unter den Hintern, damit Menschen lernen und den richtigen Weg einschlagen. Da kann man nicht die Methoden anprangern, sondern muss das Ziel dahinter erkennen. Es ist kein Sarkasmus, wenn Gott seine Kinder über einen Weg ins Krankenhaus rettet. Ihm geht es um die Erkenntnis der Wahrheit. Er will, dass sich ein Mensch seiner und der Gottesrealität stellt. Bis ein Mensch kapiert, muss manches Mal die Not so groß sein, dass fast die Lichter ausgehen. Erst wenn der Schmerz unerträglich wird, wächst dann die Erkenntnis: Auf und hilf uns!

Ist es nicht unwesentlich, wie wir zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, wenn wir uns dadurch auf Gott zubewegen?

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Schmerzen sind gut

Getröstete, sehen Sterben als Gewinn.

„Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus all seinen Nöten.“
Ps. 34, 7

Das größte Unglück des Menschen ist, sich nur nach Glück und sonnigen Tagen zu sehnen. Wir sind inzwischen darauf geeicht, wenn die Sonne scheint, dies als schönen Tag zu bezeichnen. Sonne gleich gut und Regen gleich schlecht. Die Moderatoren beim Wetterbericht suggerieren uns das vor. Spätestens wenn im Sommer einige Wochen das Wasser fehlt, die Blumen ihre Köpfe hängen und die Bäume im Wald sterben, müssen wir erkennen, wir gut Regen ist. Gewitter ist nicht nur schädigende Bedrohung, es ist Befreiung, Reinigung, Entladung und Erneuerung. Die Stimmung nach einem Nachtgewitter ist wie eine Neuschöpfung. Wo in einem Leben die Fetzen fliegen, Dasein jämmerliche Formen annimmt, das Elend zum Himmel schreit, hat eine Schöpfungsstunde begonnen. Der Schöpfer arbeitet an seinem Werk. Wo die Blume in ihrer Schönheit abgeschnitten wird, in ein kunstvolles Altargesteck verarbeitet wird, wird sie zu einem Loblied. Ihre Existenz verehrt den Meister. Das Holzbrett wird unter dem zersägen, hobeln und schleifen zur Wohnzimmervitrine.
Jesus sagt: Wo das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es viel Frucht. Die Bearbeitungsschritte des Lebens, die uns zersägen, abschneiden und zum Sterben bringen, das, was wir als Elend empfinden, sind die Wege zur Fruchtbarkeit.
Gerade im Leid liegen die Wege zur Vollkommenheit. Das Ungemütliche, die Kreuzwege, sind nötig für die Herrlichkeit. Die Seligpreisungen sprechen die, die Leid tragen glückselig. Sie trösten die Untröstlichen. Gerade die, die unter den Lasten stöhnen sind die Glücklichen. Nicht diejenigen, die von Lasten befreit sind. Jesus nimmt nicht den Schmerz, sondern er verwandelt ihn. In der Verwandlung, in der Umgestaltung meiner Person, im unverständlichen Leiden, entsteht die Glückseligkeit. Im Elend verwirklicht sich die ganze Nähe Gottes. Im tiefsten Leid formt Christus sein Heil. Darin wird das Leid zutiefst sinnvoll, weil es uns zu dem macht, was wir sind – Spiegelbild Gottes.

Wo wir uns gegen das Leid wehren, wehren wir uns gegen unsere Heiligung und Glückseligkeit. Wir stellen uns gegen das Sterben, das zum Leben führt. Im Elend begegnen wir Christus. Im Elend fangen wir an zu rufen. Im Elend wird Gott groß, weil unsere Größe klein wird. Der scheinbar unangenehme Regen begießt seine Schöpfung und bringt neues Blühen hervor. Das Unangenehme ist unsere Rettung. Wo wir im Elend rufen, haben wir Gott auf unserer Seite und die Hilfe ist sicher.

Wollen wir uns den Schmerz nicht zum Freund machen, weil wir darin unsere größte Hilfe erfahren?

Unser Jammer ist bekannt 

Wer erkannt ist, dem sind Lasten abgenommen.
„Gott kennt ja unseres Herzens Grund.“

Ps. 44,  22
Was Gott kennt, ist versorgt. Gott kennt Höhen und Tiefen, er kennt Stärken und Abgründe. Gott dringt bis zur letzten Faser unseres Empfindens durch. Was er kennt, ist bekannt, ist offenbar. Die gibt es keine Geheimnisse und keine grauen Schatten. Gott weiß zutiefst wie wir ticken, was uns bewegt und umtreibt. Er ist am Kern unserer Existenz. So nahe kommt nicht der liebste Mensch. Wen Gott kennt, der ist nicht mehr auf sich gestellt. Kennen heißt nicht, er hat uns auch einmal über die Erde springen sehen, sondern kennen ist erkannt sein. Erkannt sein ist in der Bibel die innigste Verschmelzung zwischen Mann und Frau. Gott verschmelzt sich mit uns. Er geht in uns auf. Er wird ein Teil von uns. Was uns berührt, berührt ihn. Unsere Freude ist seine Freude, unser Kampf ist sein Kampf. Im Kennen wird unser Sein zu seinem Sein. Ab diesem Moment sind wir nicht mehr auf uns selbst gestellt. Unser Wohl und Wehe ist seine Sache. Was er erkannt hat, treibt ihn um. Wir sind zu seinem Herzensanliegen geworden. Da gibt es keine Träne, die einsam geweint wird, keinen Kummer, der ohne Trost bleiben würde. 
Wer erkannt ist, kann Vertrauen aufbauen. Vertrauen ist die beste Medizin bei Ängsten und Sorgen. Unser ehemaliger Ministerpräsident von Baden Württemberg Erwin Teufel sagte einmal: Wenn du das Vertrauen der Menschen gewinnst, kannst du Großes bewegen, du kannst sie führen, auch bei Dingen, die sie nicht verstehen. Gottvertrauen kommt daraus, dass er alles aus dem FF kennt. Da kommt Ruhe in alle Verwirrungen. Das entstresst alles angespannte Dasein. Dieses Kennen wirkt jeder Sorge für Morgen entgegen. 
Das können wir von keiner menschlichen Beziehung erwarten. Da müssen wir oft erschreckend feststellen, dass wir selbst in einer langjährigen Lebensgemeinschaft noch nicht einmal wissen, was das Lieblingsessen des einzelnen Bruders oder der Schwester ist. Menschliches Kennen ist selbst im vertrauten Kreis sehr flüchtig. Das erleben wir im Extrem bei Amokläufern bitter. Keiner im Umfeld hat etwas von den inneren Umtrieben gemerkt.  
Wen Gott kennt, ist aufgefangen und gehalten. Dieses Kennen durchbricht die einsamsten Stunden. Deshalb können wir vertrauen. Daher gibt es keine Situation, die zum Verzweifeln ist.
Was haben wir zu beklagen, wenn alles bekannt ist?

Überraschende Begegnung

Wir bringen Christus in das Elend der Welt und wir empfangen ihn daraus.

„Der Herr sprach zu Mose: Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben.“5.Mose 18,18

Heute feiert die orthodoxe Kirche Weihnachten. An der Krippe zeigt uns Gott wo wir Jesus finden. Nicht zuerst im Tempel, in irgendwelchen heiligen Hallen, in super aufregenden Events, sondern im Stall. In die Unwirklichkeit dieser Welt hat die Liebe eingeschlagen. Gott ist in der Pampa angekommen. Im letzten Dreckloch, wo ihn keiner vermutet. Oft meinen wir Glaubenden, wir müssen die Begegnung mit Christus schön verklären und auf ein nettes, freundliches Niveau heben. Doch wir begegnen Christus im Elend und der Armseligkeit dieser Welt. Vielleicht gerade unter den Menschen, mit denen wir am liebsten gar nichts zu tun hätten. Christus wird uns erweckt, an den dunkelsten Ecken der Menschheitsgeschichte. Wir begegnen Christus am Kreuz und am offenen Grab auf dem Friedhof. Genau an den unschönen Seiten des Lebens ist Gott angekommen. Die Christusbegegnung hat Gott in die Katastrophen des Lebens gelegt, um deutlich zu machen, die Elenden und Erschlagenen sind seine Zielgruppe. In der schlimmsten Situation unseres Lebens wird Christus geboren. Im dem Unfrieden der Welt, erweckt Gott Worte des Friedens. Dort wo niemand an ihn denk, keiner von ihm redet, die Welt sich von ihrer kältesten Seite zeigt, werden Worte Herzen erwärmen. 
Wenn die Christusgeburt in der dunkelsten Nacht geschieht, wird er uns immer dort begegnen, wo wir nie mit ihm rechnen. So wird die schlimmste Lebenskrise zum Geburtsort. Genau in den Spannungen in der Gemeinde, Familie, im Berufsleben, will es Weihnachten werden. Wir empfangen Christus nicht nur im Sonntagsgottesdienst, sondern erst recht an den Nahtstellen der ungemütlichen Tage. Somit bringen wir nicht nur den Christus in das Elend, wir empfangen ihn, im und aus dem Elend. Da kann an einer unverhofften Stelle Gott durch einen Menschen reden, der gar nicht weiß, dass er zur Gottesstimme geworden ist. Gott ist immer für Überraschungen gut. Da kann bei mir und bei anderen, gerade die Situation unter der wir leiden, Du zum Davonlaufen ist, zur Geburtsstunde Christi werden. 
Welche Worte erweckt Gott gerade aus meinem unangenehmen Stand?  

Wir haben ausgesorgt

Es ist ein riesiger Unterschied, von dem, wer die Sorge über unser Leben übernimmt.
„Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.“

Ps. 127, 2
Ganz selbstverständlich geht heute Morgen die Sonne über der endlosen Orangenküste Spaniens auf. Ich habe keine andere Aufgabe, als durch den Sand ans Meer zu laufen und das glühende Schauspiel zu bewundern. Ich kann nichts dazu beitragen; das großartigste Ereignis eines Sonnenaufgangs, spielt sich einfach vor meinen Augen ab. Die Schöpfung erwacht und holt sich Atem für einen langen, heißen Tag. Wohltuende Ruhe breitet sich aus, die vom Rhythmus des Wellenschlages gestreichelt wird. Das Leben feiert seine Auferstehung, als wäre es nie anders gewesen.
In größter Selbstverständlichkeit zelebriert Gott seine Freude am Dasein und der Mensch sitzt mit Sorge am Frühstück. Gleich nach dem Aufstehen dreht sich das Riesenrad mit der Melodie, wie werden wir das heute bloß wieder schaffen. Die Sorgenmühle ist derart lähmend, dass wir manchmal unter dem Eindruck stehen, dass wenn wir es nicht schaffen, dreht sich die Erde nicht mehr. Mit allzu großer Sorge pfuschen wir Gott ins Handwerk.
Das Wort heute will uns an die Hand nehmen und den eigentlich für-uns-Sorgenden vor Augen malen. Fürsorge ist Gottes tägliches Brot. Das was er anpackt ist versorgt. Mit Links greift er in die Schwere unserer Tage. Von ihm aus ist an alles gedacht. Der Gott des Heils übersieht nichts. Wo er sorgt, kann unsere Soge schwinden. Da läuft das, was wir nicht zum Laufen bringen. Glaube schafft die Gelassenheit, das Gott sein Reich baut, dass er die Erde erneuert, und auch mit den Menschen zurechtkommt, an denen wir uns die Füße wundgelaufen haben. Was Gott im Schlaf gibt, braucht uns nicht zu sorgen.
Ist nicht jeder Sonnenaufgang ein Gemälde davon, dass Gott nicht schläft?

Beten verändert

Beten heißt, Gott zu Wort kommen lassen.
„Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein.“

Pred. 5, 1
Im Beten, treten wir in Gottes Hoheitsbereich ein. Da treten wir in einen heiligen Raum, der wie der Säulenwald der Sagrada Familia in Barcelona unsere Sinne in das Allerheiligste zieht. Da steht der Erdenbürger, dessen Unscheinbarkeit in den Himmel gezogen wird. Herz und Mund verstummen und werden in Anbetung verwandelt. Der unruhige Mensch tritt in Gottes Herrlichkeit ein. Licht und Farbe übermannen alles schattenhafte Dasein. Im Stillhalten und Aushalten verwandelt Gott seine Kinder. Unsere Worte werden immer weniger und unser Herz von dem Wunder des Allmächtigen erfasst. Beten ist das Hinübergleiten in den staunenden Lobgesang. Alles Laute und Stürmische des Alltags verliert in dieser Gottesgegenwart an Macht. Da wird in uns ein anderer mächtiger. Da werden die Schwergewichte des Lebens geordnet und neu verteilt. Beten verwandet, nicht zuerst die Umstände, die wir mitbringen, sondern uns selbst.
Wenn wir auf Jesus sehen, wie er seinen Jüngern das Beten gelehrt hat, reißt er mit dem Vater unser den Himmel auf. Da wird Gott in die Mitte platziert. „Geheiligt werde dein Name“, „dein Reich komme“, „dein Wille geschehe“! Da wird Gott nicht zuerst mit unseren Problemen zugetextet. Da bekommt der problemgeladene Mensch zuerst einen allmächtigen Gott. Gott wird nicht mit der Not der Welt zugeschwallt, sondern darüber angebetet. Aus dem vom Terror bedrohten, hektischen Raum, der durch riesige Polizeipräsenz gesichert ist, tritt der Mensch unter Antonio Gaudis Meisterwerk in die Gottespräsenz. 
Im Gebet verändert sich die Richtung. Da kommt nicht der Mensch zu Gott, sondern Gott zum Menschen. Damit ändert sich alles.
Wollen wir Gott die Zeitung vorlesen, damit er weiß, wie es auf der Erde zu geht?

Das Wunder des Augenblicks

Wenn Gott heilt, will er nicht nur ein paar Pickel am Körper verschwinden lassen.
„Gott spricht: Als du mich in der Not anriefst, half ich dir heraus.“

Ps. 81, 8
Ganz provokativ attestiert Gott seine Hilfe. Anruf genügt und er hilft heraus. Ein Satz, der unumstößlich ausgesprochen ist, gegen alle Erfahrung der Menschen. Was ist mit denen, die ihn angerufen haben und immer noch im Elend sind?
Wie Gott heraushilft können wir z.B. bei der Heilung des Aussätzigen sehen. Dieser bittet Jesus, wenn du willst, kannst du mich reinigen. Jesus heilte ihn, jedoch mit zwei Auflagen. Geh zu den Priestern, dem damaligen Gesundheitsamt und lass deine Gesundheit bestätigen, und posaune nicht herum, was an dir passiert ist. Jesus will sich nicht als heilender Marktschreier verkaufen. Er will nicht Krankheiten, sondeen Menschen von Grund auf erneuern. 
Darin liegt das Heraushelfen Gottes, dass er nicht nur einen kranken Körper wieder zusammenflickt, sondern sich selbst in der Not offenbart. Heraushelfen ist das Überwinden der Not. Nicht die Not bestimmt unser Schicksal, sondern der in der Not gegenwärtige Gott. Damit verliert die Not an Macht. Wo der heilende Gott hereinbricht, geht in der Nacht die Hoffnung auf, da schwinden die Ängste für den Morgen. In der Begegnung mit dem Heil löst sich der Mensch von seiner Not. Die allesbestimmende Krankheit, hat nicht mehr das Sagen. Diese Hilfe  verändert Menschen total. Da findet ein innerer Umbruch statt. Das ist ein Umwandlungsprozess der ganzen Persönlichkeit. Da lernt ein Mensch gesund mit Krankheit umzugehen. Das sind die Wunder, die Gott in den Menschen hineinlegen will. Wo Gott heraushilft, macht er den Menschen neu, mitten in der alten Not. Darin zeigt sich göttliche und menschliche Größe.
Verwandelt sich nicht in Gottes Nähe, das Jammertal in das Wunder des Augenblicks?

Not treibt an 

Wenn es schwer wird, hilft es nicht zu flüchten.
„In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn; meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab.“

Ps. 77, 3
Wenn man in einer Ordensgemeinschaft lebt, sieht man sehr genau, wie der Einzelne mit seinen Krisen umgeht. Wo die Tage schwerer und die Nächte einsamer werden, zeigt sich, was im Glauben trägt. Oft lässt sich feststellen, wenn die Wege steiler werden, sich Krankheiten einschleichen, das Miteinander belastet ist, schwindet der Gottesdienstbesuch. Da geht man säumig oder gar nicht mehr zu den Stundengebeten, weil es einem überhaupt nicht gut geht. Systematisch nabelt man mehr und mehr von der Quelle ab und wird dabei noch träger und belasteter.
Der Umgang mit der Not entscheidet, ob wir darin Kraft erfahren, oder irgendwann das Handtuch werfen. Der Psalmist sucht nicht den Rückzug; er sucht den Herrn. Gerade die Not braucht eine klare Ausrichtung. Wenn´s ganz dick kommt, brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Gott. In der Not stellen wir die Weichen über Untergang  oder aufgerichtet werden. Die Not ist unsere Aus-Zeit, da sind wir am Ende, da kommt aus uns nichts mehr. Da ist es tödlich, sich auf sich zu beziehen. Dabei verstärkt sich die Not, weil wir in der Leere fischen. Unsere Aus-Zeit ist Gottes Zeit. Wo von uns nichts mehr kommt, muss er umso mehr ran. Für die Not gibt es den Nothelfer. Die Not trennt nicht von Gott; sie treibt in die Arme des Christus. In der Not will Christus groß werden. Wo wir ihn suchen, wird die Not zur Stunde der Erlösung. Mit Christus kann eine schlaflose Nacht hell werden. Wer im ausgebrannt sein seiner Seele Christus sucht, erfährt die Gottesseite seiner Not. Da findet eine heilige Verwandlung statt. Da sieht die Finsternis ein Licht; da sieht der Tod, der Auferstehung in die Augen.
Wie wehren wir uns gegen den Irrtum,  dass im Rückzug unsere Nächte heller werden?

Güte macht im Elend fröhlich 

wer fröhlich sein will, braucht dafür einen triftigen Grund.
„Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele.“

Ps. 31. 8
Wie passt freuen und Elend zusammen? Wer in einer untröstlichen Situation steht, dem vergeht das Lachen. Die einzige Verwandlung die da in Richtung Humor stattfindet, ist der Galgenhumor. In der Not verwandeln sich die normalen Gemütsverfassungen eher zu Bitterkeit und Verzweiflung. Da machen die Umstände mürbe statt entspannt. Was macht da fröhlich, wenn man unerwartet nach einem Herzinfarkt an ein Sterbebett auf die Intensivstation gerufen wird? Wenn der Vater am Tag zuvor noch den schönsten Spaziergang in seinem Weinberg machte, und nun vielleicht seine Augen nicht mehr öffnen wird.
Lebensumstände geben keine tiefgreifende Freude. Freude kommt nur aus der Güte. Gott schafft im Schicksal eine Gegenbewegung. Wo Lebensumstände ins Elend, in die Nacht, in das Sterben treiben, kommt von Gott ein Lebensstrahl. Er verändert nicht die belastenden Umstände, er verwandelt uns in den Umständen. In die Bedrückung fällt Güte. Da kommt etwas heilendes in das Unheil. Da entspannt sich die niederziehende Spannung und lässt im Unguten etwas gut werden. Diese umwandelnden Kräfte machen fröhlich in der Verzweiflung. Die Güte von Gott nimmt der Not ihren Schrecken. Wenn in der Trauer etwas gut wird, kann die Seele aufatmen.
Warum bleiben wir in unserem Elend oft alleine und bitten nicht um diese Güte, die alles in sich hat, damit wir wieder froh werden?

Der Glaube macht die Nacht heilig 

die dunkelste Nacht, wird durch einen einzigen Stern zur Heiligen Nacht.
„Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“

Ps. 116, 10
Leben ist belastet. Da ist keiner, bei dem alles glatt läuft. Wir plagen uns durch die Tage. Da sind Dauerschmerzen, da sind Worte die verletzen und Menschen die enttäuschen. Da ist ständig etwas, was an uns nagt. Klage ist normal, Klage ist biblisch. Not darf nicht verschluckt werden, sonst frisst sie einen auf. Not braucht den Hilfeschrei. Mit dem was belastet, darf man sich nie abfinden. Wer zufrieden ist, mit dem wie es ist, stumpft ab.
Die Klage bahnt sich einen Weg. In die Nacht, die zum Himmel schreit fällt ein Licht. Das belastete Dasein ist nicht die Endstation, sondern der Anfang des Glaubens. Wo zum „ich klage“ das „ich glaube“ kommt, fängt Gott zu handeln an. Das Beschwerliche bleibt nicht allein, sondern öffnet sich dem Spielraum Gottes. Das Elend der Welt wird zum Stall und zur Krippe, die einem Erlöser Platz macht. Die Plage steht für alles was im Leben aus den Fugen geraten ist, es sind die widrigen Stallverhältnisse, und dahinein funkt Gott. Ich glaube, lässt den Christus kommen. Ich glaube, verbindet sich mit der schwärzesten Nacht. Da kann ein Kind die Zukunft auftun. Durch den Glauben macht Christus jede Nacht zur Heiligen Nacht. Da wird die Finsternis umgebrochen, da wird die belastete Seele frei. Die Nacht ist immer noch Nacht, aber eine verwandelte, eine helle Nacht. Der Glaube baut dem Christus die Krippe in seinem Elend auf.
Über welcher Plage sollte dieser Stern nicht aufgehen?
Eine gesegnete heilige Nacht wünsche ich euch.