Ich habe einen Traum

Wer eine weite Sicht bekommt, kann nur von einem großen Frieden träumen.

„Du bist die Zuversicht aller auf Erden und fern am Meer“Ps. 65, 6

Was die Rede „I have a dream“, von Martin Luther King so unvergesslich und weltumspannend gemacht hat, war die Zuversicht, die dieses Worte ausstrahlten. Zuversicht ist eine Sicht in die Zukunft, mit der die Hoffnung alle Grenzen sprengt. In Zuversicht liegt eine Bewegung, die einen viel größerer Horizont über unserem begrenzten Dasein aufreißt. Darin liegt die Perspektive, wie umfassend Gott alles Leben sieht. In Zuversicht, ruht alles Dasein in Gott. Das ist weit mehr als ein bisschen Hoffnung für mich. Da ruht die Zukunft der ganzen Schöpfung in Gott. Aller Menschen auf Erden und am fersten Meer. Gott träumt diesen weltumfassenden Traum. Er ist die Hoffnung und Zukunft für die Glaubenden und nicht Glaubenden. Diese Sicht schließt die Versöhnung aller Menschen ein. Es ist die Sicht, dass alles aus Gott hervorgeht und auf ihn zurückfließt. Gott vereint die Völker, er vereint seine ganze Schöpfung. Es ist der umfassende Blick von Heil, der Gott in seinem Handeln antreibt. Mit dieser Sichtweise, mit dieser Vision, hat Martin Luther King, die Welt bewegt, die Herzen erobert, Grenzen und Systeme überwunden und die Menschen näher zusammengebracht. Das war ein historischer Beitrag zum Frieden in der Welt. In der Zuversicht, liegt der Christus, der in die Welt gekommen ist, um unter den Menschen ein neues Friedensreich aufzubauen. In Christus liegt die Gegenbewegung zu einer auseinanderbrechenden Welt. Mit der großen Sicht auf den Plan, den Gott mit seinem Menschen hat, rücken Fremde näher zusammen. Die Zuversicht hat ein menschenverbindendes Element. Wer unter diesem Horizon lebt, kann dem Andersdenkenden und Andersglaubenden, nicht mehr den Schädel einschlagen. In der Zuversicht aller auf Erden, kann für die Zukunft der Fremde nicht mehr mein Gegner sein.  Da liegt selbst da Leben des Ungläubigen in Gottes Hand. Gott lässt hinter den Frommen keine Schranke herunter, sondern steht mit Christus für eine unversöhnte Welt. Gott will alle, auch die, die wir nicht wollen, weil sie seine Geschöpfe sind. Wo wir in Zuversicht leben, leben wir in der großen Sichtweise Gottes.
In der Zuversicht sehen wir die Menschen nicht wie sie sind, sondern wie sie Gott gedacht hat. Wir sehen sie darin, welches Entwicklungspotential in ihnen liegt. Damit wird der Umgang mit dem Anderen anders. Für eine große Zukunft wird jeder gebraucht, da suchen wir viel mehr das Verbindende, als das Bekämpfens werte. 
Wo kann uns die Zuversicht, hier eine weite und große Sichtweise schenken?

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Klare Besitzverhältnisse, schaffen hoffnungsvolle Zukunft 

Meins bleibt meins, und das geht keinen andern etwas an.

„Sie sollen mein Eigentum sein, und ich will mich ihrer erbarmen, wie ein Mann sich seines Sohnes erbarmt, der ihm dient.“

Mal. 3, 17
Sicher kennen wir den Unterschied zwischen einem Eigenheim und einer Mietwohnung, die vielleicht noch von einer Wohnungsbaugesellschaft angeboten wird. Da liegen Welten dazwischen. Die Mietwohnung ist zweckmäßig eingerichtet, dass alles sauber funktioniert, jedoch wird kaum eine intensive Beziehung zu diesem eigentlich fremden Wohnraum entstehen. Wenn da mal ein Schaden entsteht, steht man schnell mal auf den Standpunkt, das geht mich doch nichts an. Ganz anders, wenn man sich selbst sein Traumhaus verwirklicht hat. Da ist man irgendwie mit jedem Balken und Dachziegel per Du. Was das Eigene ist, hat einen weit höheren Stellenwert, man hegt und pflegt es wie seinen Augapfel. Es wird viel überlegt und investiert um auch noch die letzte Kummerecke prachtvoll herauszuputzen. Man kann es nicht mit ansehen, wenn da irgendetwas anfängt zu vergammeln. 
Wir sind Gottes Eigentum. Wir sind das Beste, auf das er sein ganzes Augenmerk geworfen hat. Ihm ist in keiner Weise egal, was mit dem passiert, was ihm gehört. Uns gilt seine volle Aufmerksamkeit und Hingabe. Für ihn ist es das Größte, uns glanzvoll auszugestalten. Jeder von uns ist ein Musterhaus vom Feinsten. Für seinen Besitz investiert er alles. Eigentum sein, heißt nicht, dass da einer Besitz von uns ergreifen will, sondern das Beste aus seinem Besitz machen will. Weil wir sein Eigentum sind, sind wir sein ein und alles. Wir können uns glücklich schätzen, solch einem Besitzer zu gehören. Sollte da ein Hochwasser eindringen, wird das Haus nicht den Wassermassen überlassen. Oder sollte das Haus einmal ausbrennen, wird es mit Sicherheit nicht wie in unserem Nachbarort nach 3 Jahren dem Verfall überlassen. Der wahre Eigentümer ist die Rettung für alle zerfallende Baumasse. Da ist der richtige Mann am richtigen Platz und legt Hand an. Wo wir Gottes Besitz sind, reißt ein anderer sich für uns die Füße heraus.
Eigentum sein, ist keine Erniedrigung oder Versklavung, sondern ein echtes Privileg. Egal, was über das Haus hereinbricht, ist ein engagierter Kümmerer da. Wo einer da ist, der sich erbarmt, hat die Not keine Macht mehr. Würden wir nicht Gott gehören, oder uns gegen sein Erbarmen wehren, würden wir einfach nur alt aussehen und immer mehr verfallen. Wo die Besitzverhältnisse geklärt sind, ist die Zukunft sicher.
Was soll uns hindern, dass der Hausherr seine Arbeit an uns macht? 

Überlegen durch Geist

1.Kor. 2, 1-10

Vorausdenker und Vorauslebende haben es schwer. Sie sind unentwegt mit denen konfrontiert die ihrem Wissens- und Erkenntnisstand hinterher sind. Die Erkenntnis Galileos: „Und sie dreht sich doch“, brachte beinahe sein Todesurteil. Mit einer Notlüge, schwor er vor der Inquisition von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen ab und überlebte. Die Behauptung Luthers: Vergebung geschieht nicht durch Ablass, sondern durch Glaube, führte ihn in den Bann und die Kirche in eine Spaltung. Paulus in Europa unterwegs, erntete in Athen für die Verkündigung des Evangeliums Spott und Antis. Aus dieser persönlich gedemütigten Situation heraus steht er vor die Gemeinde in Korinth. Er stellt Weisheit gegen Wissen.

1. Wir sind Geheimnisträger

Uns aber hat Gott durch den Heiligen Geist sein Geheimnis enthüllt. Denn der Geist Gottes weiß alles, er kennt auch Gottes tiefste Gedanken. Die Weisheit die wir verkündigen, ist Gottes Weisheit. Sie bleibt ein Geheimnis und vor der Welt verborgen.

Auch wenn der Mensch in der Genforschung den Zahlencode der Erbinformationen entschlüsseln kann, sind das lediglich die Grundrechenarten von Plus und Minus. An Gottes Denken kann sich keiner herandenken. Vor seiner Weisheit hängt ein Panzer-Schloss. Für Menschen nicht erforschbar. Mathematik und Logik passen nicht in dieses Schloss. Der Schlüssel für die Geheimnisse Gottes heißt Heiliger Geist. Wo dieser Geistesblitz den Menschengeist berührt, gibt es Erkenntnisse, außerhalb der menschlichen Wahrnehmung. In ihn dringt ein, was der natürliche Mensch nicht versteht. In den Menschen wird ein Geheimnis hineingelegt, das sich nirgends aneignen lässt. Gott hat sich beim Menschen einen persönlichen Zugang geschaffen. Damit entsteht eine Schnittstelle für einen ganz anderen Datenaustausch. Es ist ein Geistesblitz der den Menschen Gott erkennen lässt.

Der Mensch gewinnt dabei keine höhere Erkenntnisstufe um bei Gott zu sein, nein, Gott selbst kommt. Das Geheimnis ist, dass sich im Heiligen Geist, Christus zu uns auf den Weg macht. Der Geist ist die Frucht aus Kreuz, Tod und Auferstehung. Somit stellt der Geist, das natürliche Menschsein, in die umfassende Gotteswirklichkeit. Der Geist legt das Geheimnis von Erlösung und Neugeburt in den Menschen. In einem sterblich, leiblichen Gehäuse weht Auferstehungsluft. Das Geheimnis des Geistes durchbricht damit die Gesetzmäßigkeiten aller menschlichen Wissenschaften und Erfahrungen.

Zu solchen Geheimnisträgern macht Gott Menschen wie Paulus. Jede Verkündigung lüftet ein Geheimnis. Verkündigung sind keine Worte, die von einem Redenberater geschönt sind, in ihr handelt der Christus-Geist. Wo dieses Geheimnis verkündigt wird, wirkt nicht eine gute oder schlechte Rede, sondern eine eigene geheime Macht. Es gibt keine erlernbare Methode, in der der Geist zu Menschen spricht. Sein Geheimnis offenbart Gott immer selbst, weil es keine Worte, sondern Handlung ist. Der Verkündiger bringt eine unbegreifliche Botschaft, denjenigen, die als natürliche Menschen dafür keine Antenne haben. Der Heilige Geist macht Unfassbares menschenverdaulich.

Er entlockt mit ihm, das großes Geheimnis einer alten, verstaubten Geige aus dem Kasten. In einem Menschen kommt etwas zum Klingen, das niemand anders hätte anzupfen können. Dieses Geheimnis offenbart ein Geheimnis in uns. Es offenbart, wie Gott in uns Auferstehung feiert.

2. Gescheitheit rebelliert

…, auch wenn diese Welt und ihre Machthaber das nicht als Weisheit gelten lassen wollen. Aber die Welt mit aller ihrer Macht wird untergehen.  Von den Herrschern dieser Welt hat das keiner erkannt. Sonst hätten sie Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht ans Kreuz geschlagen.

Geheimnisträger leben gefährlich. Sowohl dem Verkündiger, als auch jedem der mit Gott lebt, wird man nicht glauben. Wer eine Geige sieht und sie noch nie hat spielen hören, kann nicht glauben, dass sie die ganze Welt betören kann. Geisterfahrung ist unnormal, daher ist Christsein ungemütlich. Es treffen hier zwei Welten aufeinander. Gottesweisheit und Menschenweisheit sind Gegensätze. Dabei ist offensichtlich, dass wo der Heilige Geist vom menschlichen Denken blockiert wird, die Menschen verarmen und die Geschichte blutet. Wo die göttliche Perspektive im Leben verschlossen bleibt, verliert das Menschsein seinen Wert. Da sind wir ganz schnell in Holland wo die Erben bestimmen, wie viel Tage dem Opa noch gegeben werden.

Glaubende müssen damit leben, von anderen nicht verstanden zu werden, weil sich Glauben nicht verstehen lässt. Wegen der Menschen, die dieses Gottesgeheimnis nicht kapierten hing Christus am Kreuz. Golgatha ist das Mahnmal für die Auflehnung gegen den Geist. Glaube ist Sprengstoff für eine reizüberflutete Informationsgesellschaft. Wachsender Glaube bedeutet wachsende Herausforderung. Als Geheimnisträger sind wir keine erhabenen Helden, sondern oft die Bekämpften und Belächelten. Erkenntniswege sind oft Kreuzwege. Wer etwas sieht, was andere nicht sehen, macht sich zum Buhmann. In der Gottesoffenbarung rebellieren die Gescheiten und liegt die Konfrontation mit der Vernunft. Da kann selbst die Kirche wie bei Luther und Galileo zum Gegner werden.

Da muss ein Glaube sattelfest sein und im Geist ruhen.

3. Kraftvolles Geheimnis

Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.

Glaube und Menschenwissen haben so viel gemeinsam, wie eine Kuh vom Geige spielen. Wenn eine Geige klingen soll, kann sie nicht von Hufen getreten werden, sondern muss von einem Meister gestrichen werden. Glaube wird vom Geist gestrichen und von der Menschenweisheit mit Füßen getreten. Der Glaube sucht den König in der Krippe und nicht im Palast. Der Glaube kann  sich nicht aus menschlichen Wissen ernähren, sondern hungert nach Geist. Wo der Mensch Wissen als Macht ansieht, sieht der Glaube im Geheimnis alle Macht.

Google kämpft um das Wissen der Welt, der Glaube um ein Lebensgeheimnis, das alles Wissen übersteigt. Die Suchmaschine findet keinen Gott und keinen Erlöser, aber der Geist erschließt Herrlichkeit. Google weiß alles über eine Geige, aber der Geist bringt sie zum Klingen. Der Klang echten Menschseins kommt aus dem Loslassen an den Meister. Der Glaube bringt die Geheimnisse des Lebens zum Klingen. Um das Leben mit all seinen offenen Fragen und unliebsamen Herausforderungen zu meistern, brauchen wir nicht das Wissen der ganzen Welt, sondern das Geheimnis des Geistes.

In der Kraft des Geistes, werden Schafhirten zu Volksführern. In der Kraft des Geistes, widersteht der Mönch aus Wittenberg einem Papst aus Rom. Da gehen schmerzgeplagte Krebspatienten, voll bewusst ihrem Ende entgegen. Der Geist ist die höchste Qualifikation, die einen Menschen auszeichnet. Mit dem Geist handelt der Allerhöchste im Niedrigsten. Darin findet das Unbedeutende seinen größten Wert, das Schwache seine stärkste Kraft.

Um Krisen zu meistern, hilft kein Wikipedia, da braucht es mehr Geheimnisträger. Was die Welt aufhorchen lässt und lebendig erhält, sind Menschen, die in einer höheren Weisheit stehen. Daraus kommt die Kraft, für die Schmerzbewältigung. Daraus fließt die Kraft, in einer scheinbar ausweglosen Zukunftsperspektive voller Hoffnung zu sein. Es ist die Kraft, die noch im Weltuntergang die Auferstehung erkennt.

Wir tragen dieses Geheimnis in uns, daher sind wir durch unseren Glauben zu viel mehr in der Lage, als wir selber denken können. Ich wünsche uns fröhliches Überwinden durch den Geist.

Unverschämte Hoffung 

Es ist ein Traum, wenn alle guten Vorsätze in Erfüllung gehen.
„Der Herr wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen.“Jes. 25, 8
Was Gott sich vornimmt, das bringt er zu Ende. Allem Widerstand zum Trotz, stimmt bei ihm am Schluss das Ergebnis. Wenn wir uns z. B. für das neue Jahr gewisse Änderungen oder Erneuerungen vornehmen, fragen wir bereits nach 14 Tagen, wird sich da gegenüber dem alten Jahr vieles von dem bisherigen Trott verändern. Voller Hoffnung starten wir in der Silvesternacht ins Neue, verbunden mit allen guten Wünschen und sehen in den Tagen danach, wie Stück um Stück an den Alltäglichkeiten wieder aller Schwung ausgebremst wird. Auf dem Menschen mit seinen Plänen liegt viel Schmach und Schande. Aus anfänglich guter Hoffnung, stellt sich Normalität ein, also Hoffnungslosigkeit. 
Wenn Gott Schmach aufhebt, läuft da etwas grundsätzlich anders. Die Hoffnung, mit der er seine Sache beginnt bleibt. Er hat atemberaubende Pläne, will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen und das mit Menschen, die im dauernd querschießen. Zu all seinen großen Zielen, kommt eine gewaltige Widerstandskraft. Er lässt sich von nichts abhalten, auch wenn die Schuld der ganzen Welt dazwischen kommt. Er überwindet mit Christus die Absackermentalität des Menschen. Christus ist der Hoffnungsverstärker, dass das geschieht, was Gott sich vorgenommen hat. Gott erreicht dadurch alles, was er sich vorgenommen hat. Es steht außer Frage, dass Gottes Jahr gut enden wird.
Mit unserer Schmach zurechtzukommen ist eine Christusfrage. Wo der natürliche Mensch, an den Belastungen des Menschseins immer wieder die Segel streicht und in seiner Intension nachlässt, kommt für den Glaubenden durch Christus, ein immer neuer Hoffnungsimpuls. Da bleibt es nicht bei der anfänglich, einmaligen Hoffnung, die wieder schwächer wird, sondern da erhält Hoffnung einen dauernden Nachschlag. Wo die Widerstände und Lebensschläge kommen, ist dieser Hoffnungsträger in uns, der beatmet, wenn die Luft ausgeht. Wenn Paulus uns Mut macht: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet, dann wirkt hier genau der Hoffnungsträger. Mit Christus hat Gott den Trott der Hoffnungslosigkeit durchbrochen. Unsere Schmach ist weg. Wir können dadurch alles glauben und Unverschämtes hoffen. „Durch Leiden führst du uns zu Freuden; ja, alles, was du tust ist gut.“
Was soll uns hindern, in dieser fröhlichen Hoffnung, alle Schwächen zu überwinden? 

Für alle Fälle festlich angezogen

Die Gnadensonne überkleidet mit Festtagsgewändern.

„Der Herr hat mich gesandt, zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden.“

Jes. 61, 1.3
Sonntagmorgen in der Sakristei der Blumenmönche geschieht ein Überkleidungsritual. Da werden die diensttuenden Brüder für den Gottesdienst mit Albe, Kasel und Stola eingekleidet. Sie werden von dem Allerhöchsten in seinen Dienst genommen. Damit ist einem jeden klar, er betritt die Kirche nicht in eigener Sache, sondern in der Beauftragung des Allmächtigen. Es ist das starke Symbol dafür, dass ein Sünder von Christus überkleidet, oder zugedeckt wird und von ihm in Dienst genommen. Christus macht schick. Er legt den Armseligen Schmuck, Freudenöl und schöne Kleider an. Christus vollzieht einen Kleiderwechsel, der dem unwerten Menschen einen neuen Stand gibt. Die äußere Verwandlung vollzieht eine innere Verwandlung. Innen und außen bedingen sich gegenseitig. Gott hat immer den ganzen Menschen im Blick. Nicht umsonst haben wir an den vergangenen Festtagen auch festlicher angezogen. Die Äußerlichkeiten sind nicht egal. So wie eine innere Einstellung sich in leuchtenden Augen, in lebendigen Gesten nach außen äußert, geschieht das auch umgekehrt. Eine entsprechende Kleidung, eine bewusst gewählte aufrechte Körperhaltung wirkt auch nach innen. 
Beispielsweise, können wir wenn wir, wenn wir schlecht drauf sind oder uns geärgert haben, was ja einen inneren Zustand aufzeigt, ihn von außen nach innen beeinflussen. Auch wenn wir uns gerade überhaupt nicht danach fühlen, einfach vor einen Spiegel stellen und sich selber angrinsen. Man kommt sich dabei völlig blöd vor, weil einem nicht nach Lachen zumute ist, und das Grinsen ist auch eher eine Grimasse als ein Lachen, doch dabei drücken die angespannten Backenknochen auf die Zirbeldrüse und lösen Freudenhormone aus. Die Anspannung lässt nach einer Weile und wir werden wieder gesellschaftsfähig. 🙂
Wenn Christus uns überkleidet, betrifft das den ganzen Menschen. Da verwandeln sich Asche, Trauer und trübe Geister. Bei Christus werden die Beladenen erfrischt. Der von außen einwirkende Christus steht für einen inneren Umbruch. Mit ihm, mit seinem Wort, werden unsere schweren Tage therapiert. Wenn er uns anzieht, haben wir auch in diesem Jahr viel Freude.
Wenn solch ein Festgewand im Schrank hängt, haben wir dann wirklich nichts mehr anzuziehen?   

Weihnachten ist kein Irrtum

Gott irrt sich nicht, wenn er Erbschleichern begegnet.

„Der Herr sprach zu Jakob: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten , wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.“

1.Mose 28, 15
Welch eine Zusage für einen listigen Betrüger. Gott steht zu einem Mann auf der Flucht. Jakob, der seinen Bruder Esau um den Segen des alten Vaters Isaak beschlichen hatte, musste außer Landes fliehen. In dieser Fremde kommt ihm Gott ganz nahe. Aus einem Gauner wird eine Gottesgeschichte. Jakob träumte von der Himmelsleiter auf der Engel auf und ab stiegen. Er errichtete an diesem heiligen Ort den Bethel-Altar, aus dem Stein, auf dem er geschlafen hatte. Und er gab Gott das Versprechen, wenn sich diese Verheißung erfüllt, dass er wieder zu seiner Familie zurückkommt, will er alles für Gott tun und ihm dem Zehnten seiner Erträge geben. Gott irrt sich nicht, wenn er den Lumpen nach geht. Genau dort wo Menschen sich Rache schwören oder einen radikalen Schnitt machen, lässt sich Gott in seinem Vorhaben nicht beirren. Das ist eine Freundschaftsanfrage an einen Gegner. Ich bin mit dir, ist das radikale Ja zum Sünder. Es ist ein Ja für eine Welt, die sich selbst zugrunde richtet. Es ist der Stern über Bethlehem. Gott stellt sich bedingungslos auf die Seite der Schwachen, der Kleinen, der Unfähigen und der Schuldigen. Alle Unmöglichkeiten des menschlichen Daseins, sind in das „ich bin mit dir“ eingehüllt. Die Existenz des Allmächtigen steht dem Ohnmächtigen gegenüber. Ich bin, ist das Vollkommene, das sich zu dem unvollkommenen Du stellt. Ich bin, ist der Morgenstern, der in die Nacht der Menschen fällt. Ich bin mit dir und will dich behüten, ist die Botschaft von Weihnachten.
Diese Zusage entkräftet jeden Zweifel. Davon ist nichts und niemand ausgegrenzt. Da ist keine Situation so verratzt, dass Gott außerhalb stehen würde. Da ist selbst im größten Chaos noch Hoffnung. Diese Zusage ist wie ein Generalschlüssel durch alle Krisen. Da sind auch die nicht verlassen, die sich ausgesetzt und isoliert vorkommen. Es ist ein Mut machen für alle, die mit einem schlechten Gewissen herumlaufen. Wo Gott mit uns ist, kann uns keiner mehr anklagen. So schuldhaft und verworren die Zustände auch sein mögen, Weihnachten kommt. Das ist kein Irrtum.
Wenn Gott mit uns ist, in welchem Bereich unseres Lebens können wir dadurch Erleichterung erfahren?  

Hoffnung verwandelt Krisen in Wachstum

Mit einer starken Zusage in der Tasche, kann man große, hoffnungsvolle und geduldige Schritte tun.“

„Er gedenkt ewiglich an seinen Bund, an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.“

Ps. 105, 8
Was den Menschen ausmacht, liegt im Gedenken Gottes. Gott hat sich für alle Zeiten mit seinen Kindern vernetzt. Wo er an seinen Bund gedenkt, ist keine Luft dazwischen. Da ist nicht im Geringsten Platz für ein Auseinanderbrechen. Da ist der Mensch auf ewig an die Wirkungen des Wortes gebunden. Damit ist ein Fundament für einen Wolkenkratzer gelegt. Da kann ein Bauwerk entstehen, das jeden Tsunami übersteht. Gott gedenkt und der Mensch steht. Das ist eine mathematische Lebensformel, ein unumstößliches Naturgesetz. Weil Gott nichts von dem was er verheißen hat zurückzieht, hat der Mensch etwas in der Hand, was nicht der Vergänglichkeit unterworfen ist. Wo bei einer Eheschließung jeder weiß, dass er eine statistische Chance von 50 % für eine haltbare Verbindung hat, garantiert Gott 100%. Den Bund, den Gott schließt ist absolut krisensicher.  Die Zusagen, die in dem Wort den Menschen gegeben sind, haben kein Verfallsdatum. Weil Gott gedenkt, hat der Mensch nichts zu befürchten. In diesem Gedenken liegt Gottes „fürchte dich nicht“ und alles aufgefangen und getröstet werden. 
Die Hoffnung, die jemand entwickelt, kann nie aus sich selbst oder irgendwelchen Umständen kommen. Wir werden nicht dadurch getröstet, dass die Zeit viele Wunden heilt, sondern weil Gott gedenkt. Darauf kann man eine unverschämte Hoffnung bauen. Weil Gott auf Biegen und Brechen an seinem Bund festhält, kann der Glaubende geduldig darin ruhen, auch wenn seine Augen den Untergang der Welt sehen. Wo Gott gedenkt, kann der Mensch in einer angstfreien Zone leben. Da sind die Brüche des Lebens in keiner Phase hoffnungslos. Da endet das Leben nie im Schicksal. Da gibt es immer ein darüber hinaus. Diese Hoffnung macht stark, seine Krisen offensiv zu gestalten. Da gibt es auch dort einen Weg, wo vor uns die Straße aufgerissen ist. Da ist der Mensch nicht mehr schicksalsgeprägt, sondern hoffnungsangetrieben. Somit kann ein Mensch, der von solch einem Bund getragen ist, in allen Widerständen des Lebens nur hoffen, wachsen und reifen. 
Warum sollten wir da keine Hoffnung mehr haben, wenn das Leben uns in Einzelteile zerlegt? 

Das Wort bahnt Wüstenwege

Die letzten Worte großer Menschen haben in der Geschichte ein besonderes Gewicht.

„Mose sprach: Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge. Denn es ist nicht eine Leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben.“

5.Mose 32, 46.47
Was Mose hochbetagt bezeugt, ist sein Vermächtnis an das Gottesvolk. Sein Lebenswerk war, dem Wort den Weg zu bereiten. Er hat bereits in seiner vierzigjährigen Führungsrolle durch die Wüste, Christuswege gebahnt. Wege des Lebens, waren Vertrauenswege an den lebendigen Gott. Wer dem Wort nicht glaubte, hatte existenzielle Probleme alleine in der Wüste durchzukommen. Es war ein vierzigjähriges Drama zwischen Höhen und Tiefen, Hunger und Durst, Gehorsam und Ungehorsam, bei dem das Wort nicht nur einen von vielen Wegen durch die Wüste aufzeigte, sondern den Einzigen. Als Mose die Gebote empfing, wurde das Wort in Stein gemeißelt. Das Wort erhielt unter Mose eine lebensbestimmende Macht. Daran war das Durchkommen in Extrem-Situationen geknüpft. Das Wort bahnte in Wüstenwege geschichtsträchtige Heilswege. Ohne das Wort wäre die Geschichte des Gottesvolkes in der Wüste versandet. Daher legt Mose am Ende seines Lebens, dieses Vermächtnis jedem ans Herz. „Das einzige, was euch überdauern lässt, ist Christus den Weg zu bereiten. Das Wort ist euer Leben.“
Das ist bis heute so geblieben. Auch wenn wir modernen Menschen von Wissen und Worten überhäuft werden, und viele für sich den Anspruch erheben Lebensworte zu vermitteln, kommt in den existenziellen Krisen, der eigentliche Lebensimpuls nicht aus Menschenworten. Selbst in einer Bruderschaft, in der man eng mit Gleichgesinnten lebt und anscheinend von einer Gemeinschaft getragen ist, kommt die einzige Perspektive aus dem Wort. Wo das Wort an Bedeutung verliert, schwindet die Hoffnung und steigern sich die Sorgen. Wo Menschen ihre Berufung verlassen, hat das Wort seine prägende Kraft verloren. Im Umgang mit dem Wort, steht und fällt eine Gemeinschaft und die Kirche. Ich kann für mich nur bezeugen; durch das intensive Beschäftigen mit dem Wort, ist in mit etwas lebendig geworden, mitten in allen Spannungen eine unverschämte Hoffnung zu haben. Das Wort stärkt die Kraft, gegen alle widrigen Umstände anzuglauben. 
Was würde uns sonst den Mut geben, auf Wüstenwegen Hoffnung zu entwickeln?  

Augen auf

Die Wege, die wir gehen, sind davon bestimmt, worauf sich die Augen konzentrieren.

Wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern unsere Augen sehen nach dir.“

2.Chr. 20, 12



Wenn du in die Sonne schaust, fallen die Schatten hinter dich, eine altbekannte Weisheit. Wo wir auf Christus schauen, bekommt die Nacht der Welt ein anderes Gesicht. Das was wir anschauen bestimmt uns. Unsere Augen bahnen den Weg zum Licht oder in den Untergang. Der Blick auf Christus, ist die Wende aus dem Chaos. Es ist der Blick, auf Weg, Wahrheit und Leben. Damit steht der Todüberwinder vor Augen. Aus dem Totensonntag wird der Ewigkeitssonntag, bei uns das Christ-König-Fest. Christus im Visier, nimmt dem Elend den Schreck. Es nimmt der Ohnmacht ihre Übermacht. Wo die Augen Christus sehen, bekommt der Glaube einen Wachstumsschub. Es ist wie ein Baum im Frühjahr, der all seine Zweige der Sonne entgegenstreckt und dann anfängt Blätter zu treiben, die unter dem Licht grün und saftig werden. Glaube wächst unter diesem Blick der Augen. Was die Augen fokussieren, entscheidet über stehen und fallen. Glaube ist die Interaktion der Augen mit Christus. 
Wo die Augen nur das eigene Elend, Nöte und Schwierigkeiten im Blick haben, kann kein Glaube gedeihen. Da bleibt das irren und das „nicht wissen, was wir tun sollen“.  Unglaube, Glaubensschwäche, liegt an dem, was die Augen sehen. Was wir anschauen, bekommt Macht über uns, heißt es. Wo wir uns mit Weltuntergangsszenarien beschäftigen, brauchen wir uns nicht wundern, warum wir keine Hoffnung mehr haben. Wo wir nur auf die Schreckensmeldungen der Medien blicken, kann kein Glaube gedeihen. Wo wir in unseren mitmenschlichen Spannungen, die Blick auf Christus verlieren, kann keine Liebe mehr wachsen. 
Wo Glauben wachsen soll, wo wir in den Fragen des Lebens Antworten suchen, geht es um das, was wir anschauen. Die Blickrichtung entscheidet über Hoffnung oder Verzweiflung. Wenn Glaube wachsen soll, braucht man einen Christus vor Augen und entzieht sich somit anderen Blickrichtungen. Darin liegt auch ein bewusstes Abwenden, von dem, was Glaube ruiniert. Der Glaube braucht die Konzentration auf den Ewigkeitssonntag, um den Totensonntag zu überwinden.
Was geben wir heute unseren Augen zu sehen?

Energiespritze für dürre Zweige

Denen die aufbrechen, gehört die Zukunft.

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell.“

Jes. 9,1



Weihnachtliche Klänge in grauen Novembernächten. Die Botschaft, die der Prophet hier verkündet, hört sich richtig unwirklich an. Gott durchbricht die Schatten der menschlichen Tage. In der Finsternis soll es taghell werden. Der Wahnsinn, der auf den Wegen der Menschen liegt, steht unter unglaublichem Leuchten. In spannungsgeladene, leidvolle Tage stellt Gott seine Krippe. Ein Kontrastprogramm, das für den normal Denkenden völlig realitätsfremd erscheint. Als ob Gott keine Ahnung hat, von dem was in dieser Welt abgeht. Doch genau dort, wo die Nächte am dunkelsten und die Schrecken am größten sind, setzt Gott an. Dort wo keiner mehr etwas zu lachen hat, dreht er den Spieß um. Weil er weiß, zu was menschliche Unvernunft und Hass in der Lage ist, weil er weiß, wie Menschen sich gegenseitig belasten können, legt er Lichtspuren. Mit Christus bricht Gott die Nacht um. Das finstere Land ist immer noch das gleiche, das Leid und Chaos ist noch immer gegenwärtig, doch in der Christusgegenwart verlieren sie ihre Übermacht.  Das Lähmende und Erschlagende wird durch dieses Licht erschlagen. Damit beginnt eine kosmische Verwandlung im gebeutelten Menschen. Da bäumt sich das Licht, das in uns eingeht, über die von außen erschlagenden Umstände auf. Dieses große Licht setzt ein Aufbrechen und eine Vorwärtsbewegung in Gang, mitten in allen Widerständen. Mit dem Licht, klaren finstere Wege auf. Das Licht weckt kahle Bäume zum Leben, der wieder frische grüne Blätter treibt. 
Auch wenn unsere Tage von reichlich Finsternis umgeben sind, die gerade in dieser tristen, grauen Jahreszeit noch stärker auf uns einwirken, liegt in diesem Wort ein starker Antrieb. Wer Licht sieht, kann glauben und hoffen. Er hat Mut für feste Schritte. Daraus wächst eine heitere Zielstrebigkeit, mitten durch Nebelschwaden. Mit solch einem Licht, können wir uns gelassen durch die Widerstände durchkämpfen. Mit diesem Licht steht hinter jedem Tod die Auferstehung. Ein Wort zum entschlossenen Weitergehen, weil ein großes, weites Land vor uns steht.
Wenn wir solch ein Licht sehen, wie können wir da über Nächte klagen?