Gutes entsteht im Kampf gegen sich

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achte auf dein Herz und deine Gedanken wohin sie dich treiben.

„Herr, neige mein Herz nicht zum Bösen.“
Ps. 141, 4

Hier erkennt ein Mensch welche Gefahr in ihm steckt. Wir neigen von Grund auf Gott davonzulaufen. Im Menschen liegt die Tendenz, Nein, zu Gott zu sagen. Unsere Persönlichkeit bevorzugt, das zu tun, was nicht aus Gott kommt. Das Böse ist unser „ich will nicht“ zu Gott. Es sind die vielen Ausreden, mit denen wir uns an Gottes wegen vorbeitrixen. Böse ist alles, wo die Erneuerung, das Auferstehungserleben nicht durchbrechen kann und blockiert wird. Es ist das Ausgliefert sein an die Schlange, die uns die Gegen-Gott-Alternativen schmackhaft machen will, die Striche ziehen will, mit sich und anderen. Wir neigen zur Anfechtung. Wir stehen, was die Dinge um Gott anbelangen auf wackeligen Füßen.

Dieser Tatsache muss sich ein Glaubender bewusst sein. Der Psalmist geht damit sehr offensiv um. Er verzweifelt nicht, wo ihm das vor Augen steht, sondern ruft seinen Herrn an. Er stellt sich gegen sich selbst, und schreit nach Erlösung. „Ich brauche einen, der mich aus dem Bösen befreit und zurückholt.“ Ich brauche den Herrn, ich brauche einen Christus. Den Kampf gegen die Anfechtung gewinnen wir nicht mit Vernunft und Anstrengung, sondern mit dem Ruf zu Christus. Die Versuchung gehört zum täglichen Brot, die hinter jeder Ecke lauert, darum muss unser Gebet sein: Herr, neige mein Herz zu Christus.

Das Gute tun, kann der, dessen ganze Persönlichkeit sich auf den Guten ausrichtet. Wollen wir diese Auseinandersetzung gegen uns selbst nicht aktiv führen?

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Wo der Mensch seine Ohnmacht erkennt

können wir solch einer Gegenüberstellung standhalten?

„Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen.“
Dan. 9, 7

Da wird ein mächtiger Pfoten in die Erde gerammt. Der Herr, ist gerecht! Da wird nicht einfach gesagt, Gott ist gerecht, sondern der Herr. Das umfasst Gott in seiner ganzen Macht, das beinhaltet seine Vaterschaft, die er Jesus Christus gegenüber hat und wenn jemand „du Herr“ spricht, ist somit auch das Wirken den Heiligen Geistes mit inbegriffen, der uns diesen Gott erschließt. Von diesem dreieinigen Gott entsteht die Erkenntnis: Du bist gerecht. Das ist die Maxime, dessen, was auf der Erde und im Himmel geschieht. Das ist der Maßstab zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis. Das ist die Gegenüberstellung von sichtbarer und unsichtbarer Welt, zwischen Mensch und Gott.

Diese Erkenntnis schließt unser Menschsein auf. Wenn der Herr gerecht ist, ist außerhalb von ihm Unrecht, Finsternis und alles, was in die falsche Richtung führt. Wenn der Herr gerecht ist, ist das für uns die ethische Grundlage, an der wir alle Stöhmungen und Entwicklungen einmessen können. Unter diesem Erkennen, endecken wir uns selbst und wie wir zu Gott stehen. Wir endecken, wie unwillig wir ihm gegenüber sind. Wir müssen uns schämen, wieviel von Gottes Werten bei uns übrig bleibt. Wo der Herr gerecht ist, erkennt der Mensch seine Ohnmacht. Er erkennt, dass er nie diesem Recht und diesem Richtigen entsprechen kann. Wir sind immer auf sein „gerecht sein“ und dadurch sein gerecht machen angewiesen. Dazu brauchen wir ihn als den Herrn, der sich in Christus uns gezeigt hat.

Wir selber leben aus dieser Erkenntnis, die ein täglicher Erneuerungsprozess bedeutet. Um gerecht zu werden, sei unser Leben, wie Luther es ausdrückt, eine tägliche Rückkehr, eine tägliche Buße.

„Du, Herr, bist gerecht“, ist unser größter Durchbruch zu einem erneuerten Leben. Wollen wir dieses Erkennen unserer Unwilligkeit, nicht jeden Tag neu, von diesem Herrn durchbrechen lassen?

Frieden trotz Unglück

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Losung

was geschieht mit unserer Angst?

„Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe.“
Ps. 57, 2

Es gibt einen Umgang mit dem Unglück. Die Spannungen unseres Lebens haben einen geschützten Raum. Die Angst unserer Tage muss uns nicht auffressen. Der Glaubende hat eine Zuflucht. Unter dem Schatten deiner Flügel, welch ein wunderschönes Bild. Mitten in allem Unfrieden gibt es einen Platz, den wir aufsuchen können. Es ist der Platz nach Ostern. Es ist der Raum des Auferstandenen. Es ist der Ort an dem Jesus die Welt überwunden hat. In allem was passiert, umgibt uns der Schatten dieser anderen Welt Gottes. Inmitten unserer Angst sind wir die vom Ewigen Eingehüllten. Das ist für uns ein realer Ort, der uns in aller Aufregung zur Ruhe kommen lässt, an dem wir tiefen Frieden zugesprochen bekommen.

Das Unglück passiert zwar, wir müssen es überstehen und durchstehen, doch wir sind nicht mehr der Frosch vor der Schlange. Wir haben den Schatten seiner Flügel. Egal wie dick es kommt, der Schreck ist weg. Wir sind seit der Auferstehung Jesu nicht mehr die schutzlos Ausgelieferten. Wir leben in dem Bewusstsein, der Friede, den uns Christus gegeben hat ist stärker als das Unglück, das mir Angst machen will. Der Auferstandene gibt auch uns Stehvermögen, in allem was uns zu Fall bringen will.

Deshalb müssen wir in den Tagen des Unglücks um diese Zuflucht wissen und sie bewusst aufsuchen. Im Unglück brauchen wir erst recht den Schatten seiner Flügel.

Warum sollen wir uns mit unseren Ängsten herumquälen, wenn uns die Geborgenheit Gottes so herrlich umhüllt?

Unser Mann

1. Kor. 15, 1-11 
 
Offenes Grab, Leichenraub, der Friedhof von seiner dunkelsten Seite. Ein Grab, und der Frischbeerdigte ist weg. Wo Blumen waren, ein großes schwarzes Loch. Schrecklich! Unser Geliebter, einfach fort. War der Abschied schon brutal und jetzt das noch…
Ich werde wahnsinnig! Was hat sich Gott dabei gedacht? Na denn, frohe Ostern!
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1. Christus im Wort

3  Zuerst habe ich euch weitergegeben, was ich selbst empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben. Das ist das Wichtigste, und so steht es schon in der Heiligen Schrift. 4  Er wurde begraben und am dritten Tag vom Tod auferweckt, wie es in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist.“
Ostern kann man nicht begreifen. Christus kann man nicht verstehen. Das Geheimnis um Christus lässt sich nur empfangen. Die Heilige Schrift erzählt nicht von Christus, sie bringt ihn. Das Wort ist der Christus Träger. Jesus ist das Wort, das sich ereignet. Wir empfangen Gottes Handlungen im Wort. „Christus ist für unsere Sünde gestorben“ ist keine historische Aussage, sondern der Gott, der sich jetzt gerade aktiv über einen Menschen erbarmt. Der Christus im Wort bringt die verkrachte Situation des Menschen in Ordnung. Dieses Wort verbindet das menschliche Aufbäumen mit Gnade. Im Wort setzt sich unablässig das Heils Christi frei. Dieses Wort wurde beerdigt und auferweckt. Es hat die tiefsten Abgründe der Menschlichkeit erfasst, sich dann aber von aller Vergänglichkeit getrennt.
Auferstehung ist kein biologisches Geschehen. Es hat nichts mit der Reanimierung eines Toten zu tun. Hier ist niemand rückwärts gestorben und dadurch wieder lebendig geworden. Das Wort, der Christus hat eine unvergängliche Form angenommen. Das ist von der Eigenschaft eine neue Materie, die gar nichts mehr mit irdischen Abläufen zu tun hat. Durch die Auferstehung wirkt die unmittelbare Welt Gottes. Christus ist jetzt einer von der anderen Seite. Das Wort hat einen ewigen Wirkstoff. Diese Verwandlung geschieht in Auferstehung. Christus hat nichts mehr mit der sterblichen Welt zu schaffen, sondern begründet den Anfang der neuen Menschheit. Er ist „unser Mann“; er hat unsere Hölle auf sich genommen und gibt sie uns als neue Leiblichkeit zurück, als etwas von der anderen Welt Gottes. Christus schenkt in unsere irdische Daseinsform etwas von dem zukünftigen Reich Gottes. Das Wort vergegenwärtigt Ewiges in Vergänglichem.

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2. Christus in den Zeugen

5  Er hat sich zuerst Petrus gezeigt und später allen zwölf Jüngern. 6  Dann haben ihn mehr als fünfhundert Brüder zur gleichen Zeit gesehen, von denen die meisten noch heute leben; einige sind inzwischen gestorben. 7  Später ist er Jakobus und schließlich allen Aposteln erschienen. 8  Zuletzt hat er sich auch mir gezeigt, der ich es am wenigsten verdient hatte. 9  Ich bin der unbedeutendste unter den Aposteln und eigentlich nicht wert, Apostel genannt zu werden; denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt. 10  Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade.“ 
Christus zeigt sich in Menschen. Auch da ist er genauso wenig ein Stück Geschichte, wie in dem Wort von damals. Die Aufzählungen, an wem er wann und wie handelte sind keine Referenzliste, mit der Jesus haussieren geht. Er braucht keine geistliche Hitliste von Trophäen im Reich Gottes. Von solch einem Zeugnis kann kein Mensch leben, wenn er weiß, welchen Rang Mose oder Billy Graham in Gottes Geschichte hat. Glaube entzündet sich nicht am Glauben anderer. Ein Glaube, der aus der Erfahrung eines anderen leben will kann nicht lebendig sein. Stellvertretend glauben gibt´s nicht. Wir sollten nie vom Glauben anderer abhängig sein, sondern immer wie sich Christus durch sie selbst bezeugt. Und Christus bezeugt sich an Menschen. Was uns an anderen überzeugt ist nicht ihre Gläubigkeit, sondern der Christus, der durch sie zu uns kommt. Im Zeugnis des Anderen findet eine Selbstoffenbarung des Christus statt.
Auch das apostolische Zeugnis bindet uns an Christus. Wo das Evangelium verkündet wird, entsteht jetzt und heute ein lebendiges Gespräch mit Gott. Dieses Gespräch ist immer rückbezogen auf das, was Gott in Christus für alle Zeit an mir getan hat. Der heute mit uns redende Gott ist kein anderer, als der, der sich in Christus zu erkennen gibt. Der gestorbene Christus zeigt sich als der Lebendige in der Liste der Augenzeugen, zu denen wir jetzt dazu gehören. Wem Christus erscheint, der wird dem anderen zum Christus. Wir haben es auch bei den Zeugen immer mit einem gegenwärtigen Christus zu tun.
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3. Christus in mir

1  Liebe Brüder und Schwestern! Ich möchte euch an die rettende Botschaft erinnern, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie angenommen und darauf euer Leben gegründet. 2  Ganz gewiss werdet ihr durch diese Botschaft gerettet werden, vorausgesetzt, ihr bewahrt sie genau so, wie ich sie euch überliefert habe. Sonst glaubt ihr vergeblich und erreicht das Ziel nicht.“
Ostern gibt es nur in dem sich so offenbarenden und rettenden Christus. Ohne den sich im Wort und Zeugnis ereignenden Christus in der Glaube ein luftleeres Ei. Ostern ist ein Christusereignis. Dieses Ereignis findet in jedem Gottesdienst statt. Somit ist jeder Sonntag ein Auferstehungsfest. Wir leben nicht aus den Jesuserinnerungen, sondern erfahren in Wort und Sakrament eine Jesusbegegnung, eine Begegnung mit dem Auferstandenen. Nur dieses Ostergeheimnis trägt den Glauben. 
Das ist das Ende allen frommen Machwerks, hier wirkt kein Mensch mehr, sondern allein die unvergängliche Welt Gottes. Nur die Christuswirkungen geben überhaupt unserer irdischen Welt etwas Tragfähiges. Dazu dient Kirche, Ostergeheimnisse in Menschen zu pflanzen. Da ist unser persönliches Erlebnis und gleichzeitig unser Auftrag. Hier entzündet sich das Osterfeuer, das sich in die Welt hinaus ausbreitet. Es gibt keinen Grund, ein Schattendasein zu führen, es gibt keine Ausrede, dass irdisches Leben mühsam und schwer ist; seit Ostern wirkt Christus. Die unerlöste Welt hochzuhalten, hieße, die Auferstehung hätte doch etwas mit Scheintod zu tun. Doch wenn Ostern ein Christus-Ereignis ist, stellt das alle unsere Erfahrungswerte auf den Kopf. Da geschehen Handlungen, die nicht von dieser Welt sind.
Wir sind eine österliche Kirche, wir sind österliche Menschen, deshalb ist Christus unser Mann.
Amen.

Lebendige Menschen sind Gottlober

wer etwas Unvergängliches atmet, dessen Dasein hat eine andere Bestimmung.

„Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.“
Ps. 80, 19

Welch ein herrlicher Bezug von „leben“ und „deinen Namen anrufen.“ Leben in allem was es ausmacht, steht in einer unmittelbaren Beziehung mit Gott. Gott anrufen, auf ihn bezogen sein, von ihm alles zu erwarten, ihn hochhalten und verehren, ist das Mittel gegen die Sterblichkeit. Leben ist das in Gott sein. In der Gottesgegewart entfaltet sich unser Menschsein. Ohne Anrufen, ohne um Gott sein, also kein Leben. Dieses Leben ist direkt in das Ostergeschehen eingebettet. Es entzündet sich an dem auferstandenen Christus, der uns Menschen das unvergängliche Leben aus Gott erschlossen hat. Mit Ostern bekommt das Leben ein ewigkeitliches Qualitätssiegel. Durch Jesus ist der Mensch wieder in das, ‚in Gott sein‘ gerückt. Im Gott anrufen, in der Anbetung sind wir Zuhause. Im in und um Gott sein, sind wir voll in unserem Element. Leben beginnt am Herzen dessen, der den Tod zerstört hat.

Unsere allererste Daseinsform liegt nicht in irgendwelchen Aktivitäten oder Zuwendungen an Menschen; sie liegt in „deinen Namen anrufen.“ Lebenserfüllung kann sich nie aus unserer Leistung entwickeln, aus den Erfolgerlebnissen, die wir zu verbuchen haben, sondern aus dem Gotteslob. Aus der Anbetung, aus dem empfangenen Ostererlebnis entwickeln sich unsere Lebensäußerungen, die in die Welt und die Menschen hineindringen. Ein lebendiger Mensch ist ein Gottlober.

Warum sollten wir in irgend etwas anderem unsere Bestimmung und Lebensinhalt suchen?

Ostern ist der neue Status quo

 

mit Ostern haben wir ein neues Zuhause.

„Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung.“
Ps. 43, 3

Bei einer Bitte zu Gott nach Licht und Wahrheit geht es nicht um etwas mehr Helligkeit und ein paar ehrliche Worte. Diese Wahrheit ist nicht die Abkehr von Lüge, sondern die Realität um Gott selbst. Die Bitte um Licht und Wahrheit geht mit Ostern in Erfüllung. Heute feiern wir die neue Wahrheit Gottes. Wir feiern Christus, der Licht und Wahrheit ist. Mit dieser Wahrheit bricht für uns Menschen ein neues Zeitalter an. Durch Jesu Auferstehung ist die Wahrheit der Gottes Welt nicht mehr ein fernes Zukünftiges, das sich irgenwann einmal ereignet; Reich Gottes ist in unser unmittelbares Dasein gerückt. Aus dem irdischen Jesus ist ein Jesus der unsichtbaren Welt Gottes geworden. Mit diesem Jesus steht uns seit Ostern der Himmel offen. Das ist die neue Wahrheit und die veränderte Realität, mit der sich die Glaubenden auseinanderzusetzen haben. Die zukünftige Welt ist durch den auferstandenen Christus, für den Menschen der Erstwohnsitz. Das bisher Geheinisvolle, Undurchschaubare, Unerreichbare, wird durch den „hinübergewechselten“ Christus, für den Glaubenden zu einer realen Wahrheit.

Ostern ist der Dammbruch zur ewigen Welt. Dieses Licht und diese Wahrheit, bestimmen ab jetzt unser irdisches Dasein. Durch die Auferstehung ist unser Wohnraum auf Erden bestimmt, beeinflusst, durchdrungen von dieser anderen Wohnung. Dieser Wahrheit können wir uns nicht mehr entziehen, weil sie der neue Status quo Gottes auf Erden ist.

Wollen wir uns nicht durch diese neuen Eigentumsverhältnisse, zu einem ostermäßigen Lebensstil hinreißen lassen?

Gesegnete und frohe Ostern wünsche ich euch.

Glaube ist kein Alleingang

unser Gebet erhält die Glaubenden.

„Ach, Herr, lass doch deine Ohren aufmerken, dass du das Gebet hörst, das ich jetzt vor dir bete Tag und Nacht für Deine Knechte.“
Neh. 1, 6

Die zu Gott gehören stehen in Gefahr. Einmal gewonnener Glauben ist nicht automatisch für immer fest. Das Leben mit Gott ist angefochten. Diese innige Verbindung mit Christus muss ständig erneuert und lebendig gehlaten werden. Das Einssein mit ihm braucht die tagtägliche Wiederbelebung, damit sie nicht unter den Auseinandersetzungen unserer Tage in die Brüche geht. Die Nächte nach dem Karfreitag brauchen immer einen neuen Energieschub.

Das gelingt nicht mit unserer Anstrengung, nicht mit irgendwelcher frommer Disziplin, nicht mit einem speziellen Fitnessprogramm für Glaubende, das geschieht mit Gebet. Und zwar mit einem Gebet „für“ deine Knechte. Den Glauben durchtragen ist kein Alleingang, sondern funktioniert in Gegenseitigkeit und Stellvertretung. Nicht wir ringen um Gottes Handlen in uns, sondern es sind unsere Brüder uns Schwestern. Damit Gott sein Feuer in den Glaubenden erhält, bedarf es der Gemeinschaft. Der andere trägt meine Lasten vor Gott und ich ringe für die seinen. Wenn wir schwach sind, wird der andere zum Christus, und wir sind es in der Not des Mitbruders. Die Fürbitte baut ein Netzwerk, damit die Einheit mit Gott in der Krise nicht abreißt. Wir stehen nicht nur für uns vor Gott, wir tragen die Verantwortung für alle Glaubenden. Nur wo uns der andere auf dem Herzen liegt, wo uns seine Spannungen Tag und Nacht an Gottes Seite treiben, fällt keiner durch das Netz.

Wollen wir für das innige Miteinander, das Gott zu seinen Knechten will, nicht viel stärker noch Gott in den Ohren liegen?

Singen statt jammern

wir haben keinen Grund zu jammern und zu klagen.

„Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für.“
Ps. 89, 2

Gnade und Treue kennzeichnen den Karfreitag. Gott erbarmt sich über seine Menschheit. Gott kann das Chaos der Welt nicht mit ansehen. Seine Gedanken mit seiner Schöpfung waren ganz andere, als das, was die Menschen daraus gemacht haben. Er wird sich nie damit abfinden, dass die Welt im Unheil erstickt. Dort wo wir von ihm abrücken und damit das Elend auslösen, lässt er nicht locker. Treue ist das Stehen für uns. Gott weicht keinen Augenblick von unserer Seite, auch wenn wir weichen, uns zurückziehen und zweifeln. Diese Treue ist das stärkste Ja, gegen alles Nein. Er leidet sich gegen allen Widerstand zu uns durch. Diese Treue vollendet sich in seiner Gnade. Sein Stehen zum Menschen, legt er in das Kreuz Christi. Mit Christus zeigt Gott, dass er nicht unversöhnt mit Menschen leben will. Weil er gnädig und treu ist, ist Heil für uns greifbar. Nur dadurch kommen Lebensbrüche in Ordnung. Gnädig und treu, lassen uns wieder voll und ganz im Leben stehen. Da sind Blockaden und Anklagen weg, da beginnt unser Aufatmen.

Wer aufatmet, ist aufgerichtet und kann singen, kann reden, kann verkündigen. Gnade und Treue bringen ein Leben in Aufbruch. Wer Gnade und Treue erfährt, ist ab jetzt ein Lobsänger und das für alle Zeit. Das ist eine ganz neue Bestimmung, ein ganz neuer Antrieb, da passiert etwas mit unserem Mund. Der kann einfach nicht mehr still sein. Wir sind wie Angezündete, wie Begeisterte über dem, was von Gott, von Christus auf uns zukommt. Wo Gnade und Treue auf einen Menschen fallen, wird aus Jammern ein Singen, aus Klagen ein Verkündigen.

Kann die Welt an uns entdecken, dass uns Christus wieder mit Gott versöhnt hat?

Wachsen unter scheußlichen Bedingungen

gute Wachstumsbedingungen gibt es nicht nur am optimalen Standort.

„Gott hat mich wachsen lassen in dem Lande meines Elends.“
1. Mose 41, 52

Wer einen Oleander aus dem mediteranen Klima bei uns durchbringen will, muss für die besten Verhältnisse sorgen, dass das gelingt. Viel Sonne, viel Wasser, viel Dünger. Wo das nicht möglich ist, wird ein Prachtstück zum Trauerfall.

Es geht um unser Wachstum und unser Gedeihen. Gott lässt wachsen unter katastrophlen Bedingungen. Im Lande meines Elendes, sind wohl die schlimmsten Voraussetzungen, die man sich denken kann. Da ist nichts von besten Bodenverhältnissen, nichts von optimalem Licht, nicht von Harmonie und idealen Umständen. Da ist alles nur schlimm. Das sind die Extremsituationen des Lebens, Ausnahmezustand, der eigentlich nichts Gutes zulässt. Da ist tiefste Nacht, da ist alles, was diese Welt an Scheußlichkeiten aufbieten kann.

Wo kein Funke von dem ist, was wir uns für unser Gedeihen wünschen, lässt Gott uns wachsen. Mein Elend ist der Humus mit dem Gott eine neue Kultur beginnt. Genau das, was uns zuwider ist, wird zum Dünger für eine prächtige Pflanze. Gott schafft keine anderen Umstände, sondern lässt im Elend wachsen.
D.h. dass manches Elend bleibt und trotzdem etwas wächst. Da geht nur mit dem, der das Elend überwunden hat. Jesus Christus. Christus ist das Wachstumshormon, das unter widrigsten Bedingungen Neues aufkeimen lässt. Er lässt verbrannte, schwarze Erde grünen.

Suchen wir keine besseren Verhältnisse, fürchten wir nicht das Elend unserer Tage, suchen wir Christus, dann lässt Gott die besten Früchte wachsen und die schönsten Blumen blühen.

Warum sollten wir die Angst haben, dass unser Leben unter den Spannungen und Unwirklichkeiten unseres Daseins zerbricht, wenn Gott uns gerade im Elend wachsen lässt?

Hören ohne Tun ist wertlos

es sind nicht die schönen Worte, die uns helfen.

„Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet: ˋVerstocket euer Herz nicht.´“
Ps. 95, 7-8

Fast beschwörend appeliert diese Aussage an unser Gewissen. Das mit dem „auf seine Stimme hören“ klappt demnach nicht so richtig. Wir hören täglich jede Menge. Unsere Ohren sind sogar reizüberflutet, von dem, was sie aufnehmen. Doch was geschieht mit seiner Stimme? Was passiert mit dem Wort, das von Gott kommt? Das ist keine zusätzliche Beschallung, die irgendwelche guten Gefühle wecken soll; Gottes Stimme ist Aktion. Wo Gott redet, geschieht Handlung. Das ist kein Wort, das man hören kann, oder auch nicht. Wenn Gott spricht, bewegt sich die Welt. Wenn er nur ein Wort spricht, so wird meine Seele gesund, heißt es. Am Anfang war das Wort und durch das Wort war Himmel und Erde geschaffen. Gottes Reden ist beben. Gottes Wort ist Christus. Mit seiner Stimme will er nicht nur unser Ohr, sondern unser Herz. Gott will durch und durch, bis in unsere Willenszentrale, bis dahin, wo der Kern unseres Menschseins ist. Diese Stimme will uns voll uns ganz erfassen und uns zu erneuerten Menschen machen. Sie will mit uns diese Gotteswelt aufrichten. Ganz im Gegensatz, zu denen, die die Welt und die Menschen brutal vernichten, und inneren Stimmen folgen, die von Hass geprägt sind.

Hören auf die Gottes Stimme will uns prägen. Es ist ein Wort das wir nicht nur hören, sondern das uns in Handeln bringt. Das handelnde Gotteswort will uns zu Tätern machen. Wort Gottes ist keine beschauliche Macht, sondern eine, die Welt umkrempelnde Macht. So ist auf seine Stimme hören immer eine, uns ins Bewegung bringende Geschichte. Seine Stimme hören und sitzen bleiben, zeigt ein Betonherz in uns. Gutstav Werner sagte: was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert.

Ist nicht unser Handeln ein Zeichen dafür, wie gut unser Herz seine Stimme hört?