Da werden Mächtige machtlos 

Freiheit, liegt in einem Gedanken Gottes.

„Der Herr dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich. „

Ps. 136, 23

Gedanken schaffen Taten. Denken hat die Absicht, sich zu verwirklichen, sich zu materialisieren. Wenn Gott denkt, ist das die Krönung allen Schaffens. Da kommen Welten in Bewegung. Ein Gedanke Gottes ist Schöpfung. Da war ein neuer Tag, da waren Menschen und Tiere, da wurde aus Finsternis Licht und aus Chaos ein Paradies. „Und alles war sehr gut.“ Wenn Gott denkt, entfaltet sich das Leben. Da fällt Güte auf die Erde. Da wird die Welt von dem Guten geküsst.
Diese Erfahrung macht das Volk Israel in seiner ganzen Geschichte. Wo Gott an sie dachte, war die Gefangenschaft in Babylon, Ägypten und in den deutschen KZ´s nicht das Aus. Wo die Güte denkt, werden die Mächtigen machtlos. Wenn die Güte in die Unterdrückung fällt, durchbricht ein Sonnenblumenkern den Asphalt. Wenn Gott an uns denkt, will er die Bedrängten frei machen. Christus ist der Freiheitsgedanke Gottes. Mit Christus fällt die Güte auf vertrocknetes Land. Wo dieser Freiheistgedanke Menschen erfasst, kann nichts mehr auf der Welt gefangen nehmen. Da wirkt eine schöpferische Freiheit, mitten in dem täglichen Gefangensein. Noch in der tiefsten Krise entsteht eine Aufbruchstimmung. Wo Christus frei macht, kann kein Mensch in der Menschenverachtung zerbrechen. Da bekommen die Schmerzen des Lebens, die uns lähmen und gefangennehmen wollen, ewige Güte aufgetischt. Da muss zwangsweise jede Nacht hell werden. Wo Gott an uns denkt, können die Unterdrückten aufatmen.
Gott denkt an uns. Warum sollte soviel Güte nicht genügen?
Einem gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

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Glauben kann man nicht machen

als Glaubende stehen wir immer wieder vor einem Mysterium, das wir nicht erklären können.
„Wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart?“

Jes. 53, 1
Die Dinge um Gott sind für Menschen nicht fassbar. Bei allem, was wir hören, an großartigem erleben und erstaunliche Erkenntnisse haben, bleibt Gott ein Geheimnis. Wir müssen einsehen, dass bei allem Erforschen und ihm näher kommen, wir auf eine Welt stoßen, die wir nicht erfassen und durchdringen können. Das was Gott ausmacht, sprengt den menschlichen Horizont. Je mehr wir in die Unendlichkeit denken, umso mehr Fragen entstehen, als dass wir Antworten erhalten. Je mehr wir in Gott eindringen, umso größer wird das Wunder der Unfassbarkeit.
Glaube und Gottvertrauen entsteht nicht aus uns. Wo Glaube entsteht, hat Gott eine Tür aufgemacht. Um in die Geheimnisse Gottes einzudringen, muss Gott erst auf den Menschen zugehen. Er offenbart sich in Christus, um überhaupt für Menschen anfassbar zu werden. Gottes Wunder erschließt sich nicht aus dem Menschen heraus, sondern in Christus, der zu den Menschen kommt. Wo Christus die Erde berührt, offenbart sich das Mysterium des Glaubens. Dort wo Christus Herzen erreicht, kann die Erkenntnis Gottes wachsen. Ohne Christus kann kein Glaube entstehen, und geht jedes Forschen nach Gott ins Leere. Das Geheimnis des Glaubens entfaltet sich, wo das Wort, wo Christus leibhaftig in Brot und Wein in den Menschen eingeht. Menschengemachter Glaube gibt es nicht. Auch mit allem Engagement im Reich Gottes können wir keinen Glauben schaffen. Das Geheimnis um Gott, das Mysterium des Glauben offenbart sich einzig in der Christusbegegnung. 
Für uns ist das Trost und Anspruch zugleich. Wo wir in Christus sind, ist die ganze Größe und Nähe Gottes präsent. Durch Christus handelt Gott in unseren Werken, so dass wir uns nie vergeblich mühen. Dass Gott sich offenbart, hängt nicht von unseren Anstrengungen ab, sondern inwieweit Christus durch unsere Worte und Taten wirkt.
Mit was wollen wir andere überzeugen, als damit, dass Gott selbst in allem der Handelnde ist?

Von Engeln umzingelt

gegen die Auferstehungskraft halten keine Ketten.
„Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.“

Dan. 3, 28
Ein Lob aus oder nach dem Feuer. Wir sind oft schockiert über die rauen Sitten im Umgang mit Glaubenden. Egal ob zu Daniels Zeiten, oder die ständigen Repressalien am Anfang der Christenheit, oder auch der Verfolgungswahn der Christen heute. Die Glaubenden stehen unter Druck. Vieles ist darauf angelegt, sie mundtot zu machen, oder gar das Leben ganz auszulöschen. Doch die Ketten, die da angelegt werden, der Feuerofen in den die Gottesgläubigen geworfen werden, haben es rein auf das irdische Leben abgesehen. Dabei machen die Herrscher und Könige die Rechnung ohne den Wirt. 
Leben aus Gott lässt sich nicht bändigen und auslöschen. Wie will sich ein vergänglicher Mensch an etwas vergreifen, das für die Ewigkeit geschaffen ist? Somit können Mächte vielleicht das Erdendasein antasten, doch nie das darüber hinaus. Gottes Engel haben haben sogar die Macht, diese Unvergänglichkeit über dem Vergänglichen auszuüben. Somit verbrennen die drei Jünglinge im Feuerofen nicht, zum großen Erstaunen des Königs Nebukadnezars. Somit fallen dem Petrus schwere Eisenketten von den Händen, die ihn aus der Gefangenschaft befreien. Engelsdienste sind Erlöungsdienste.
Der glaubende Mensch steht immer in der Auseinandersetzung mit dieser Welt, ist jedoch ständig von Engeln und Auferstehungskräften umgeben. Selbst wenn er nicht vom Feuer verschont wird, wird ihn Christus selbst aus dem Feuerofen holen. Auch wenn der äußere Mensch verfällt, wird der Innnere von Tag zu Tag erneuert, sagt Paulus. Wo Christus ist, wo die himmlischen Heerscharen sind, ist das Leben in Gott sicher, auch mitten im Tod. So kann unter allen Widrigkeiten das Gotteslob aufsteigen. Nichts und niemand kann uns aus seiner Hand reißen.
Warum sollten wir uns vor Feuer und Ketten, vor Widerstand und Ablehnung, vor Schmerzen und Tod fürchten?

Gedenken lässt aufatmen 

Rückschau holt sich gezielt den Frust Ins Haus.
„Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?

Jes. 43, 18-19
Was unsere Gedanken auslösen, wird zur Zeit in vielen Vorträgen und Büchern bearbeitet. Unser Denken bestimmt unser Morgen. Wir sind heute das, was wir gestern gedacht haben. Somit ist das Denken das größte Steuerungsinstrument unseres Lebens, für das wir ganz alleine verantwortlich sind. 
Wer Reich Gottes bauen will, arbeitet mit Senfkorncharakter. Wer da den Blick auf die Kleinheit und Unscheinbarkeit legt, wird nie die Fülle eines großen Baumes erleben. Das Senfkorn hat es in sich, dass es nichtssagend aussieht. Unser ganzes  Mühen scheint oft vergeblich zu sein. Der Blick auf das was ist und war, verdunkelt die Zukunft. Da gibt es nicht vieles, was zu außergewöhnlicher Hoffnung Anlass gibt. Der Blick auf die eigene Ohnmacht, kann keine Perspektive entwickeln.
Wenn Gott Neues schaffen will, legt er unseren Blick auf sein Wirken. Da bekommen wir beim Anblick des Senfkorns nicht mehr die Krise, sondern bekommen wir durch Christus einen Blick für den Baum. Wir blicken in der Unscheinbarkeit bereits auf das was sein wird. Wenn Jesaja dieses Bild aufzeichnet, sagt er dem Volk Gottes: In eure hoffnungslose Situation kommt der Erlöser. Es zählt nicht, was der Mensch vor Augen sieht, sondern was durch das Handeln Gottes in Christus möglich wird. So geht unser Gedenken gezielt weg von uns und unserer Schwachheit, auf das was unser Handeln übersteigt. Das Denken der Glaubenden kann nie im Menschlichen steckenbleiben, sondern sieht in allem das Wirken Gottes. Er sieht das Große im Kleinen. Er sieht mit den Augen dessen, dem alles möglich ist. Geben wir unseren Gedanken die Gottespersektive, die aus dem Senfkorn ungeahntes werden lässt.
Erkennt ihr´s denn nicht?

Glauben macht gelassen

der Glaube kann viel gelassener mit Widerstand umgehen.
Gott, der du uns viel Angst und Not hast erfahren lassen, du wirst uns wieder beleben.“

Ps. 71, 20
An Angst und Not hat es dem Volk Israel nie gefehlt. Ein Volk, das über die ganze Welt gescheucht wurde, millionenfache Vergasungen erlebt hat. An diesem Volk manifestiert sich Gottesglaube. Die üble Erfahrung des eigenen Lebens, sind nie das Letzte. Der Glaube belebt im Schrecken. Christlicher Glaube ist immer Auferstehungsglaube. Es ist immer ein Glaube gegen alle widrigen Umstände. Menschen die Angst erfahren, erfahren gleichzeitig den auferstanden Christus. 
Der Auferstehungsglaube verbannt die Not ins Vergängliche. Das Elend unserer Tage ist nur vorläufig. Da hinein kommt eine Wiederbelebung. Durch Glaube bestimmt nicht die Not, sondern der auferstandene Christus. In allen Handlungen des Unfriedes, schafft Christus Frieden. Da kommt mitten in die Ausweglosigkeiten unserer Tage eine tiefe Gelassenheit. In Christus handelt ein Höherer in allen Niederungen. Sein Beleben ist die Trotzreaktion gegen das Böse. Glaube ist daher in allen Aus-Situationen nie am Ende. Dort wo der Mensch an seinen Grenzen die Segel steicht, fangen die Gottes Handlungen an. 
So ist die verkrachteste Situation des Lebens nie zum Verzweifeln, weil es nicht auf unser Handeln ankommt. Aus dem Glauben an Christus heraus, belebt der Auferstandene alles Sterbende. In alle Sorge für die Zukunft kommt eine lebendige Gegenbewegung. Gott erschrickt nicht über der Unvollkommenheit der Menschen, sondern setzt seine Auferstehungskraft dagegen.
Warum sollten wir dann vor dem Übel unserer Tage erschrecken, wenn der Glaube die Auferstehung in unser Leben bringt?

Das Drinnen kommt raus

nur ein Anflug von Gottesnähe setzt Welten in Bewegung.
„Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend.“

Ps. 84, 11
Vorhof kann man sich vorstellen wie das Vorzimmer zum Chef. Früher durften nur die Juden in den Tempel hinein; in die Vorhöfe durfte jederman. Nun beginnt hier der Psalmist über die Vorhöfe zu schwärmen, also über die Vorstufe zum Allerheiligsten. Bevor es zum Eigentlichen geht, wirkt sich „draußen“ schon etwas von dem aus, was drinnen ab geht. Nur eine Türe trennt vor der absoluten Gegenwart Gottes. Diese Türe ist Jesus Christus. 
Jesus verbindet unsere Welt mit der Göttlichen. Durch ihn durchdringen sich Räume und Welten. Wo er diese Türe ist, ist der Vorhof nicht mehr vom Allerheiligsten ausgeschlossen. Da ist ein ein herüber und hinüber möglich. Wo diese Türe aufgeht, klingt die Musik bereits im Vorhof. Da ist mehr von dem Handeln Gottes zu erfahren, als man denken kann. Christus ist der Berührungspunkt, an dem die gewaltige Gottesnähe zu allen Menschen kommt. Keiner ist mehr von den Wirkungen des Heiles ausgeschlossen. Wo wir diese Türe kennen, sind wir selbst im „Abseits“ direkt bei Gott. Gottes Nähe kommt dadurch an Stellen, die noch weit weg von ihm scheinen. Gerade da, wo wir noch nicht in heiligen Räumen stehen, wo wir unter der Vorzimmeratmosphäre leiden, geht die Türe auf. Wir sind in Christus nirgends mehr ausgeschlossen, von all dem was in Gott ist. Da beginnen schon im Vorhof unsere besten Tage.
Wenn wir in solch einer Nähe zum Allerheiligsten leben, weshalb sollten wir nicht auf diese Türe zugehen?

Vom anderen Ufer

Text: Johannes 21, 1-14

Vom anderen Ufer

Desaster Woche mit Karfreitag liegt hinter Menschen, die an eine gewaltige neue Idee glaubten.  Schwarze Wolken über der Auslöschung des Hoffnungsträgers lähmten die Gläubigen.  Schlagartig alles am Nullpunkt. Gott ist tot, jetzt ist alles aus. Alltagstrott, du hast uns wieder. Doch selbst der ist erfolglos. Alle Arbeit für die Katz´. Eine volle Nachtschicht umsonst. Einige Jünger am See, ein Pleiteunternehmen. Gleichgestellt mit denen die gearbeitet haben und dennoch am Ende die Lohntüte leer bleibt.

Urgemeinde, – gerade dabei in Schall und Rauch zu verpuffen. Das war´s dann mal Petrus, wenn da nicht im Morgengrauen, der am anderen Ufer stehen würde.

 

  • Christus verbindet

 

Im Morgengrauen stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger erkannten ihn nicht.

Das Unscheinbare, die Dämmerung sind die Plätze an denen sich der auferstandene Christus zeigt. Jesus durchdringt Gewohntes. Ungefragt und unerwartet knüpft er Kontakt zu den Seinen und mischt sich in ihr Programm ein. In die Sinnlosigkeit, kommt durch die Begegnung im Morgengrauen eine eigenartige Bewegung. Bei der Arbeit kommt es zu einer Begegnung mit einer anderen Welt. Dem Auferstandenen begegnen, ist zugleich real und doch geheimnisvoll. Die Jünger erfahren Gott in der Nüchternheit einer vergeblich durchgearbeiteten Nacht. Der Herr macht den Anfang. Es gibt keine andere Gotteserfahrung, als dass Gott kommt und sich zeigt. Die Begegnung mit dem Auferstandenen passt meistens nicht in unser Konzept und kommt dort, wo man nicht damit rechnet. Sie wird nie passen, sie wird immer unerwartet auf uns treffen.

Hier kommt der lebendige Gott, nicht der gnädiger Weise fragende Mensch. Christus legt sein erkannt werden in einfach verständliche Zeichen. Dass „er es ist“, zeigt er im gemeinsamen Essen. Tischgemeinschaft ist für Jesus Lebensgemeinschaft. Eine Einladung zum Essen ist nicht in erster Linie die Geste mit einem anderen meine und seine Hungergefühle zu stillen. Es ist das tiefe Anliegen nach Gemeinschaft. Benedikt betrachtet die Mahlzeit im Kloster als einen Liebesakt. Es ist Gottes Art in der Eucharistie gegenwärtig zu sein. Durch die Einladung zu Tisch, durchbricht Christus das verleugnet und verlassen werden, das seinen Jüngern noch von den Tagen zuvor in den Knochen steckt. Genau wo der Bruch das Miteinander mit Christus für immer hätte beenden können, knüpft er zusammen. Er stellt klar, wir stehen wieder am Anfang der Berufung, wo wir schon einmal begonnen haben. Bei der Mahlgemeinschaft hat Christus immer das ganze Gottes Reich vor Augen. Gemeinschaft mit Gott wird nicht gemacht, sondern liegt allein in der Selbstoffenbarung des auferstandenen Christus.

Glaube beginnt dort, wo wir uns bedenkenlos auf den Andersartigen einlassen; dort, wo er sich zu erkennen gibt.

 

  • Christus bricht auf

 

Wenn Christus die Gemeinschaft zu den Menschen sucht, hat er immer ein Programm. Sein Befehl „werft das Netz aus“ ist die eigentliche Bestimmung der Christus Jünger, – Menschen zu gewinnen. Ich will euch, für das, was ich mit der Welt vorhabe. Durch die Ereignisse stellt Jesus klar – fischen „auf eigene Faust“ ist vergeblich. Doch fischen „auf sein Wort“ macht den Ertrag kaum fassbar. Dieses Wort ist Dynamik, ist Aufbruch. In diesem Wort ist die explosive Gottesenergie. Es übersteigt alles Fachwissen und lebenslange Erfahrung. Dieses Wort ist die Gabe Christi, die die Kirche in die Weite aufbrechen lässt.

Wo enden denn die vielen „Gemeindeaktivprogramme“ die auf „wir sollten mal“ und nicht auf sein Wort aufgebaut sind? Christliche Gemeinde kann nicht gemanagt werden. Es geht nicht um menschliche Bedürfnisse, die irgendwie fromm gestillt werden müssen. Kirche als Dienstleister, die ihre Sache ohne ihren Herrn versucht. Das Wort des Christus, ist die Autorität der Kirche. Die Kirche hat keine Lehrmeinung zu vertreten, keine Vorbilder zu verteilen, oder klassische Lebensmuster zu propagieren. Sie hat einen durch sein Wort an ihr handelnden Christus. Ohne Auferstehung ist jede Predigt vergeblich.

In der Auferstehung liegt die ganze Willenskraft Gottes, seinen Acker nochmals komplett neu zu bebauen. Es ist die nicht zu bändigende göttliche Energie, die Menschen zum Außergewöhnlichem befähigt. Hier ereignen sich Dinge, die selbst den Beteiligten Augen und Ohren schlackern lassen. Das Wort besitzt die Macht, dass Fachleuten, die sich eine Nacht in ihrem Spezialgebiet umsonst mühten, wie durch einen Spuk, das Netz überquillt. Das Wort handelt immer gegen bestehende Denksysteme. Deshalb muss Verkündigung Ereignischarakter besitzen, weil sie den aktiven Gott enthält. „Wann immer die Kirche sich auf anderes verlassen hat, als auf den lebendigen Christus, war sie kraftlos und unglaubwürdig,“ sagt Gottfried Voigt.

Auch wenn Gemeindebau mühsam scheint, Diakonissen und Orden vom Aussterben bedroht sind, Kirchen immer leerer werden, zeigt uns dieses Wort, dass aus ein paar resignierten und frustrierten Jüngern, ein unübersehbares Gottesvolk geworden ist. Keinem noch so verbogenen Regime oder Ideologie ist es gelungen, dieses Gotteshandeln auszuradieren. Das Wirken Jesu ist konstant und lebt von permanentem Aufbruch. Es ist geprägt von dem „an Land ziehen“, aus gottfernen, Gott nahe Menschen zu machen. Er hat die Vision von einem farbenprächtigen ökumenischen zukünftigen Jerusalem, wie der Maler Sieger Köder eindrücklich in der St. Josephs Kirche in Bad Urach in sein Altarbild gebannt hat. Ökumene ist nicht eine Frage von Kirchendiplomatie, sondern ist in der Auferstehung Christi verankert.

Die Konfrontation mit dem Auferstandenen trifft auf gegensätzliche Temperamente.

 

  • Christus vereint

 

Nebenbei erhalten wir das Psychoprofil von 2 Jüngern in einem Boot. Es heißt zwar Gegensätze ziehen sich an, doch liegt in der Regel in der Andersartigkeit meines Nächsten die Problematik. Es begegnet uns der forsch zupackende Aktionsmensch Petrus und der vorsichtig zurückhaltende Erkenntnismensch Lieblingsjünger, ohne dass darüber eine Qualitätsbewertung aufgestellt wird. Da wo wir Menschen uns durch die Andersartigkeit des Anderen oft auseinanderdividieren und gegenseitig die jeweiligen Unmöglichkeiten vorhalten, nimmt Jesus die Gegensätze als Grundlage für seinen Gemeindebau. Es gibt keine Erörterung von Frömmigkeitsformen, oder eine Diskussion über Kontemplation und Aktion, sondern Christus bringt Extreme unter einen Hut. Jede einzelne Persönlichkeit ist durch den einen Christus gemeint, der die Gemeinde zusammenhält. Durch Christus wird die Kirche zum Raum größter Verschiedenartigkeit, die doch die größte Einheit darstellt. Christus uniformiert nicht, presst nicht in einen frommen Klassiker, sondern vereint den Sturm und Drang Petrus mit dem stillen zaghaften, wahrnehmungsstarken Lieblingsjünger. Gemeinde Christi ist ein Verein von Extremikern, die durch Christus verwandelt wurden. Über Christus klappt etwas, was sonst zu Mord und Todschlag führen würde und mit keiner noch so großen Toleranz zusammengehalten werden könnte. Die Eintracht der Verschiedenartigkeit der Glaubenden, wirkt der vom anderen Ufer.

„Sieh, wie fein und lieblich ist´s, wenn Brüder friedlich beieinander wohnen.“ Der auferstandene Christus vereint die Vielfalt der Kirche zu dem einen ewigen Gottes Reich. Und das geschieht mitten im Alltäglichen, in dem er sich unverhofft zu erkennen gibt. Unser täglicher Trott ist genau der Ort, an dem sich der Auferstandene vergegenwärtigt. Daher sollten wir gerade im Morgengrauen, im Frust und aller Verbitterung hellwach sein, damit wir auf sein Wort, die Netze auswerfen.

Fremdgehen in einer anderen Welt

frisch Verliebte leben wie in einem Ausnahmezustand.
„Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Der Herr sei hoch gelobt!“

Ps. 40, 17
Liebe verändert zwei Menschen, den, der geliebt wird und den der liebt. Bei der Liebe könnte man sagen, da geht es nicht mit rechten Dingen zu. Liebe durchbricht das rationale Denken und steigt bei sachlichen Fakten einfach über den Gartenzaun. Daher hängt für frisch Verliebte der Himmel voller Geigen, wo andere nicht mal einen Ton wahrnehmen. 
Wo jemand das Heil liebt, steigert sich die „Verrücktheit“ der Liebe. Da ist ihm Christus zum Lebenspartner geworden. Da geht das Wort aus und ein, da zergeht die Hostie auf der Zunge. Der Leib Christi verkörperlicht sich im Liebhaber. Das Heil lieben, ist das fremdgehen in einer anderen Welt. Es ist das Umarmen von allem, was Gott ausmacht. Das Heil lieben, ist in die völlige Hingabe zu verfallen. Es ist die Ganzhingabe an seinen Schöpfer. Gott erhält dabei die Freiheit, sich voll und ganz in einem Menschen auszutoben und sich zu verewigen. Das geschieht auch, als Jesus den Zachäus vom Baum herunterrief, und bei ihm einkehrte. Wo ein Mensch das Heil liebt, hat lange vorher Gott die Sehnsucht geweckt. Dieses Verlangen trieb Zachäus überhaupt auf den Baum. 
Wo Christus eingeht, geht er durch und durch. Da verwandelt sich das Wort, die Eucharistie in Lob. Da wird das Leben zur Anbetung. Da sind alle Handlungen eine Verherrlichung Gottes. Da jubelt die ganze Schöpfung. Da schwingen nicht nur die Lippen ein paar große Worte, da ist jeder Handgriff von Liebe infiziert. Wo das Heil geliebt wird, kann ein Mensch nicht mehr lau, träge oder schlampig seine Arbeit verrichten. Da erhalten die Beziehungen zu Menschen ein neue Qualität. Wer das Heil liebt, wird selbst zum Heil für die Welt.
Spüren wir da nicht den Drang, uns ganz neu in das Heil zu verlieben?

Sei ein Liebesakt 

um für andere zum Segen zu werden, muss ein anderer an uns wirken.
„So halte nun die Gebote des Herrn, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest.“

5. Mose 8, 6
Das Gebote halten hat das Christentum oft zum größten Krampf aller Zeiten gemacht. Gebote halten, steht schnell in Verbindung mit Polizeistaat, Gängelung und Einengung. Ganz nach dem Motto: Je verbissener umso besser. Wo die Gebote zur moralischen Forderung und zur Voraussetzung des Glaubens gemacht wurden, war das Christ sein abschreckend. Frommer Zwang schafft Ablehnung und Tod. Hier müssen wir mit einem gewaltigen Missverständnis der Gebote aufräumen.
Wo es um die Gebote des Herrn geht, kann es nur um Leben und Befreiung gehen. Wenn wir seine Gebote halten sollen, müssen wir zuerst erkennen, das geht ja gar nicht aus uns selbst heraus. Reich Gottes baut sich nicht durch das Werk der Menschen. Reich Gottes schafft Christus im Menschen. Damit die Wirkungen Gottes in dieser Welt sichtbar werden, legt Gott sich voll ins Zeug. Es ist seine Liebe, die in Christus auf seine Geschöpfe fällt. Gott ist in allem der Ursprung dessen was geschieht. Seine Liebe ist der Zündfunke allen Lebens. Daraus wird dann der Mensch handlungsfähig, und bricht zur Liebe und zum Leben auf. Christus versetzt den Menschen in die Handlungen Gottes, in das, was Gott umtreibt. 
Somit liegt das Gebote halten in der Christusbeziehung. In ihm verwirklicht sich was Gott will. In der Liebe zu Christus werden alle Gebote erfüllt. Gebote halten, ist daher, Christus und das Wort an sich wirken lassen. So baut Gott seine Kirche und sein Reich. Nur so werden Menschen zu göttlichen Liebe fähig. Da werden wir zu etwas gestaltet, was wir von Natur aus nicht sind. Damit fließt der Segen in die Welt.
Was ist lebendiger Glaube, der die Gebote erfüllt; wenn wir pflichtbewusst zur Kirche gehen und unsere Andachten halten, oder wenn wir zuerst von Christus angezündet sind und dadurch all unsere Handlungen zu einem Liebesakt werden?
Gott lasse euch heute zum Segen werden.

Unvermutete Nähe 

manch einer ist mit seinen Schmerzen verheiratet.
„Er wird mich ans Licht bringen, dass ich seine Gnade schaue.“

Mich. 7, 9
Jeder kennt die düsteren und schweren Tage. Da sind Zeiten, in denen man im eigenen Saft schmort und keinen Ausweg sieht. Dauerstress und Probleme, die sich einfach nicht regeln lassen. Das ist wie bei den Jüngern, die sich nach Ostern nur noch in einem Loch verkrümeln wollten, um mit dem ganzen Erlebten fertig zu werden. Ihr Meister ist am Kreuz geendet und somit hat für sie nach verheißungsvollen Zeiten ebenso ein Kreuzweg begonnen. Überall nur Klage, Ach und Weh.
Unbemerkt begegnet ihnen Jesus auf diesem Rückzugsweg in die eigenen vier Wände. Sie nehmen ihn mit und laden ihn zum Essen ein. Beim Brotbrechen, o welch ein Wunder. Sie erkennen den Auferstandenen. Mitten in ihrer verzweifelten Situation ist Christus gegenwärtig. Da geht in der Nacht ein Licht auf. Da werden sie vom Erbarmen Gottes umschlossen. Mitten in aller Hoffnungslosigkeit feiert Christus mit den Seinen Eucharistie. Gerade wenn uns alle Lichter ausgehen, geht sein Licht an. Christus ist viel näher an unserer Not, als wir je wahr haben. Wir erfahren Gnade mitten in den beklagenswerten Umständen unseres Daseins. Dort wo menschlich der Ofen aus ist, ist schon längst die Wärme Christi da. Dort wo wir anfangen, uns mit unserem Elend zu arrangieren, feiert Christus seine Gegenwart. 
Wir trauern über dem Schicksal. Wir suchen Jesus im Grab, das er längst verlassen hat. Wir wundern uns immer neu, das er Tod, Grab und Nacht hinter sich lies und bleiben in unserem Trauer stecken. Wir müssen vergegenwärtigen, dass er gerade in unserem Jammer gegenwärtig ist. Somit ist genau dort, wo wir es nie vermuten, das Licht und die Gnade.

Christus lässt sich in seiner Fremdheit erkennen, wo wir mehr mit dem Schmerz vertraut sind.
Warum sollten wir in unserer Verzweiflung stecken bleiben, wenn bereits so viel Licht unter uns ist?