Keine Angst vor Krisen

Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.

„Mein Gott, des Tages rufe ich, doch du antwortest nicht, und des Nachts, doch ich finde keine Ruhe.“
Ps. 22, 3

Da war gestern Ostern mit erhebenden Gesängen, mit viel Kerzen, die sich an der Osterkerze entzündet haben und das Osterfeuer, das hell lodernd in den Himmel ragte und sich aufmachte in die Welt hineinzuleuchten, und schon ziehen wieder schwarze Wolken auf. Am Nachmittag zog eisiger Regen auf und verbreitete Novemberstimmung, die keinen Hund hinter dem Ofen vorlockte. Gipfelerlebnisse haben es an sich, dass es danach wieder bergab ins Tal geht. Das ist auch im Glauben nicht anders. Da meinen wir, nach einem erhebenden Gottesdienst, nach einer eindrucksvollen Predigt, nach einem unvergesslichen Erlebnis, jetzt geht es nur noch bergauf, jetzt haben wir etwas kapiert, das wir unser ganzen Leben nicht mehr vergessen, und dann kommt immer wieder dieses große schwarz Loch. Da rufen wir zu Gott und es bleibt still. Alles Großartige, wie weggeblasen. Tage, an denen wir uns fragen: wo ist meine Lebensfreude von gestern geblieben? Da spüren wir eine Glaubensleere und verstehen das alles nicht mehr. Da ist so wenig, was diese Momente wieder aufbauen kann. Ja, es gibt die Tage, an denen wir rufen und nichts hören. Hochfeste gibt es nur wenige Tage im Kirchenjahr, das andere sind Bußzeiten und festlose Zeiten. Gerade diese überwiegende Zeit, gilt es im Glauben zu gestalten.

Der Psalmbeter ruft, auch ohne Antwort. Er bleibt ausdauernd am Gebet, gerade da, wo ihm nicht dazu zumute ist. Er lässt das Gespräch nicht abreisen, wenn er in die Krise kommt. Der Glaube betet und glaubt, auch wenn er nichts sieht und hört. Die aufgewühlten und hilflosen Emmausjünger nehmen den Fremden auf. Sie sind völlig durch den Wind, dass ihr Herr und Meister weg ist und sie einfach so zurückgelassen hat. Ihr Glaube liegt erschüttert am Boden. Obwohl sie lieber ihre Ruhe haben wollen, bitten sie den Fremden zu bleiben. Vielleicht bringt und das Gespräch mit ihm Ablenkung. Wer redet und ruft, hat plötzlich Christus in der Stube. Christus offenbart sich in unserer Zerrissenheit. Dafür ist er auferstanden, damit er die Trostlosigkeiten durchbrechen kann.

Wo unser Rufen nicht aufhört, hört auch Gottes Hören nicht auf. Unser Glaube und unser Gebet braucht Nacht-Rituale. Wo unsere Worte verstummen wollen, helfen Psalmen uns wieder eine Sprache zu geben. In einem Kloster gibt es die Stundengebete, in denen Psalmen und liturgische Gebete gebetet werden. Gerade die Treue zu diesen Gebeten können uns durch Krisen tragen.

Welche Formen haben wir, dass unser Beten nicht abreißt, auch dort wo wir nichts hören?

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Gelassen in aller Klage

Um das Reich Gottes brauchen wir uns keine Sorgen machen, es entsteht, mit uns, trotz uns und ohne uns.

„Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen, und treu sind wenige unter den Menschenkindern.“
Ps 12, 2

Schon zu Davids Zeiten lief die alte Leier, wie bei uns. Die Heiligen haben abgenommen. Die Gemeinden werden leerer, den Klöstern fehlts an Nachwuchs, in strukturschwachen Gebieten müssen die Gottesdienste teilweise ausfallen und zusammen gelegt werden. Säkularisation wo man hinschaut. Der Jammer und die Klage ist heute nicht anders als damals. Die Kirche in dieser Welt, lebt unter dem Sterbensprozesse dieser Erde. Es wird ein Kommen und Gehen, ein Aufblühen und Verblühen sein. Auch wenn das Volk Gottes immer wieder die Schwankungen von Nähe und Ferne erlebt, bleibt es Volk Gottes. Auch wenn die Kirche zerfällt, wird Reich Gottes nie zerfallen. Das zeigt uns die Geschichte. Gottes Geschichte mit den Menschen bleibt eine lebendige Geschichte, zu jeder Zeit. Gerade das zeigt, dass Gott selbst durch Christus seine Kirche baut. Gemeinde, Reich Gottes ist nicht von Menschen gemacht oder abhängig von der Befindlichkeit der Menschen. Gott ist immer der, der Sterben überwunden hat. Darin liegt der größte Trost einer angefochtenen und untergehenden Kirche.

Wo die Heiligen abnehmen und die Glaubenden untreu werden, stellen wir uns mit unter das Leiden, das Gott mit seinen Kindern hat. Wir sind dabei gerufen auch einsame, schwere und umständliche Wege zu gehen, doch wir dürfen bei all unserem Einsatz wissen, Reich Gottes liegt nicht in unserer Macht. Wir müssen, uns nicht zerfleischen und uns alle Beine herausreißen, wenn in den Chören die Sänger immer älter werden und nicht genügend Junge nachrücken. Wir können auch diese Entwicklung getrost dem Herrn der Kirche überlassen. Wo wir die vielen Untreuen zu beklagen haben, können wir nur an unserer Treue arbeiten. Wir schreien in unseren Gebeten zu Gott, der allein die Türen zu den Menschen auftun kann. Gerade in der Stunde der Not und Anfechtung, geht es um unser Gebet und unsere Treue. Alles andere können wir getrost Gott überlassen. Das ist Glaube, der auch in der Säkularisation an Gott fest hält. Der kämpft, als würde alles von ihm abhängen, der aber auch Gott alles anvertraut, das er selbst nicht machen kann.

Somit ist es nicht unsere Aufgabe in das trostlose Klagelied mit einzustimmen, sondern in aller Treue und im fröhlichen Glauben unseren Weg zu gehen. Wir leiden um Gottes Willen unter allem Abnehmen, sind jedoch in allem Sterben noch voller Hoffnung und machen in ganzer Treue unseren Dienst.

Ist es nicht sinnvoller, uns betend an Gott zu wenden, als im Jammern über den üblen Zustände, uns gegenseitig das Leben schwer zu machen?

Überraschende Begegnung

Wir bringen Christus in das Elend der Welt und wir empfangen ihn daraus.

„Der Herr sprach zu Mose: Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben.“5.Mose 18,18

Heute feiert die orthodoxe Kirche Weihnachten. An der Krippe zeigt uns Gott wo wir Jesus finden. Nicht zuerst im Tempel, in irgendwelchen heiligen Hallen, in super aufregenden Events, sondern im Stall. In die Unwirklichkeit dieser Welt hat die Liebe eingeschlagen. Gott ist in der Pampa angekommen. Im letzten Dreckloch, wo ihn keiner vermutet. Oft meinen wir Glaubenden, wir müssen die Begegnung mit Christus schön verklären und auf ein nettes, freundliches Niveau heben. Doch wir begegnen Christus im Elend und der Armseligkeit dieser Welt. Vielleicht gerade unter den Menschen, mit denen wir am liebsten gar nichts zu tun hätten. Christus wird uns erweckt, an den dunkelsten Ecken der Menschheitsgeschichte. Wir begegnen Christus am Kreuz und am offenen Grab auf dem Friedhof. Genau an den unschönen Seiten des Lebens ist Gott angekommen. Die Christusbegegnung hat Gott in die Katastrophen des Lebens gelegt, um deutlich zu machen, die Elenden und Erschlagenen sind seine Zielgruppe. In der schlimmsten Situation unseres Lebens wird Christus geboren. Im dem Unfrieden der Welt, erweckt Gott Worte des Friedens. Dort wo niemand an ihn denk, keiner von ihm redet, die Welt sich von ihrer kältesten Seite zeigt, werden Worte Herzen erwärmen. 
Wenn die Christusgeburt in der dunkelsten Nacht geschieht, wird er uns immer dort begegnen, wo wir nie mit ihm rechnen. So wird die schlimmste Lebenskrise zum Geburtsort. Genau in den Spannungen in der Gemeinde, Familie, im Berufsleben, will es Weihnachten werden. Wir empfangen Christus nicht nur im Sonntagsgottesdienst, sondern erst recht an den Nahtstellen der ungemütlichen Tage. Somit bringen wir nicht nur den Christus in das Elend, wir empfangen ihn, im und aus dem Elend. Da kann an einer unverhofften Stelle Gott durch einen Menschen reden, der gar nicht weiß, dass er zur Gottesstimme geworden ist. Gott ist immer für Überraschungen gut. Da kann bei mir und bei anderen, gerade die Situation unter der wir leiden, Du zum Davonlaufen ist, zur Geburtsstunde Christi werden. 
Welche Worte erweckt Gott gerade aus meinem unangenehmen Stand?  

Treue ist stärker

Wer vom Elend getroffen ist, hat nicht ausgegessen.
„Du unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du Bund und Treue hältst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat.“

Neh. 9, 32 
Das ist das Große bei Gott, dem Schrecklichen steht ein großer Bund gegenüber. Zwei übermächtige Extreme begegnen sich. Das Furchtbare steht nie isoliert im Raum. Zum größten Elend gibt es ein Gegengewicht. 
Das Leben ist ein Kontrastprogramm mit allen Schattierungen. Da verstehen wir oft nicht, wie Gott die Lasten verteilt. Oder wie Bernhard Meuser es ausdrückt: Ich weiß nicht, warum Gott es zulässt, dass den Kindern die Mütter und den Müttern die Kinder genommen werden. Manche Härten können auch die Glaubenden nicht einfach mit links wegstecken. Über manchem Schicksal rotiert Herz und Verstand. Manche Wegführungen tun nur weh. Der Prophet Nehemia kennt solche Situationen und geht nicht in die Opposition. Dort, wo er nichts mehr versteht, bezieht er sich auf den Treue Bund. Dem Glaubenden wird die Treue zum Maßstab, mitten in allem Unverstehen. Er nagelt Gott an seinem eigenen Versprechen fest. Er achtet Gott höher, als sein Elend. Dort wo er an seiner eigenen Machtlosigkeit scheitert, bezieht er sich auf den Mächtigen. Damit kann sich der Bund, das Ja zu Leben an ihm offenbaren.
Die Antwort auf Leid, kann daher nie Anklage sein. Jede Form von Vorwürfen zieht den Bund in Zweifel. Leid findet sein Heil, indem wir an dem Treuebündnis aushalten. Der Glaube reift, wo großes Elend mit dem großen Gott in Beziehung gebracht wird. Wo Bartimäus schrie: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner, blieb Jesus stehen und sprach: Ruft ihn her!

Unser Schrei geht nicht ins Leere. Der Treue hat mit den Elenden einen Bund geschlossen. Christus bleibt stehen, wenn wir rufen. Daher ist eine Aus-Situation nie das Aus.
Binden wir Gott an sein Versprechen, wenn uns das Elend getroffen hat?

Helfende Hände sind ganz nahe

Gerade wenn´s dick kommt, können wir mit Engelsdiensten rechnen
„Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

1. Kön. 19, 7
Elia ist in einer vollen Depressivschleife. Er hatte das Volk gegen die Baalspriester aufgebracht. Daraufhin droht ihm die Königin Isebel mit dem Tod, so dass er fliehen musste. In der Wüste ist er mit allem fertig und wünscht sich nur noch den Tod. Er will nur noch schlafen und nie mehr aufwachen. Da wird er mehrmals von einem Engel aufgerüttelt, der ihn auffordert: Steh auf und iss!
Am Punkt der Verzweiflung lässt Gott die Seinen nicht im Stich. Auch wenn Elia unter den Lasten seines Dienstes müde wird und zusammen bricht, kommt genau am Knackpunkt die Hilfe. Mitten in den alltäglichen Auseinandersetzungen hakt Gott nach. Er rüttelt wach, holt von der Flucht in die Gegenwart zurück, tischt auf und gibt Kraft. Mitten in den Problemen sagt er, deine Probleme sind meine Probleme, deshalb stell dich, weil ich dich stelle. Elia muss sich in der Krise nicht selbst den Mut zusprechen, da ist irgendjemand, der Engelsdienste vollbringt. Gott gibt keine Aufträge und lässt dann seine Boten fallen, wenn´s heiß wird. Denn genau in solchen Krisen erweist er sich als der beauftragende und durchbringende Gott. Gott weiß wie schwer der Weg ist, daher gibt er Menschen und Kräfte zur Seite. Aufstehen und essen ist die Gangart in der Krise. Es ist die Stelle in der Gott wachrüttelt und alles gibt, für einen weiten Weg durch die Wüste. Beim Essen versorgt er den ganzen Menschen nach Leib , Seele und Geist. An den Tiefpunkten ist es Gott, der hartnäckig an uns dran bleibt.
Dort wo wir verzweifelt sind, müssen wir wissen, dass es Gott ist der weiter will. Er hört nicht auf, wo wir aufhören wollen, sondern investiert alles, dass wir zur Besinnung kommen. Wir brauchen uns nur wachrütteln lassen und zu essen, dann ist die Kraft für den Weiterweg da. Ein Engel steht ganz in unserer Nähe. 
Sind wir aufmerksam genug, um uns von einem Engel aufrütteln zu lassen, der uns reichlich gibt, dass es weitergehen kann?

Die Krise fragt nach Glauben 

wenn der Mensch in die Enge kommt, ist er ganz schnell dabei Gott infrage zu stellen.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: ˋMein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber´?

Jes. 40, 27
Gott seufzt über die Mentalität der Menschen. Wenn es dick kommt, sucht der Mensch Schuldige. Wenn ein Unglück passiert, sucht man denjenigen, der dafür verantwortlich ist. Wir stehen in der Gefahr, wenn unser Leben in die Krise kommt, Gott dafür verantworlich zu machen. „Warum lässt Gott das zu?“ Wir brauchen einen Schuldigen. Wir klagen Gott an, entziehen ihm das Vertrauen und hegen Zweifel.
Doch so funktioniert das Leben nicht. Wer sind wir, dass wir Gott die Fragen stellen? Muss sich Gott vor uns rechtfertigen, in dem was er tut? Er stellt uns die Frage des Vertrauens. „Hälst du noch bei mir aus, auch wenn du mich nicht verstehtst?“ „Glaubst du nicht, dass ich alle Dinge zum Guten führe?“  Oft beantworten wir Gottes Anfrage nach unserem Glauben mit Schuldzuweisung. Wir wollen schnell dieser Frage auf Herz und Nieren ausweichen. Sowie wir dem anderen die Schuld für eine Situation geben, entziehen wir uns selbst der Verantwortung, dem Leben unsere Antwort zu geben. 
Gott fragt nach unserer Antwort, er fragt nach Glaube. Er fragt genau in den schweren Stunden nach unserem Vertauen. Wo wir anfangen, Gott die Fragen zu stellen, distanzieren wir uns vom Glauben. Gott stellt uns die Frage: Wie hälst du es mit dem Glauben, sprich? Je größer die Krise, umso stärker soll das Vertrauen wachsen. Die dunklen Stunden, wollen uns noch viel mehr in seine Arme treiben. Genau dort, wo wir in den Unmöglichkeiten Vertrauen wagen, offenbart sich der lebendige Gott.
Wo drücken wir uns vor unserer Antwort des Glaubens,  in dem wir Schuldige suchen?

So schnell geht die Welt nicht unter

manches Mal brauchen wir die Krise, um danach die Auferstehung zu feiern.
„Herr, du bist´s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist.“

Neh. 9, 6
Für solch große Gotteserkenntnis brauchte es die Wüstenerfahrung. Das Volk Israel war wieder aus der langjährigen Gefangenschaft in ihrem zerstörten Land zurück. Der Tempel war eine Ruine. Sie selbst ausgelaugt, von Glaube oft nicht mehr viel übrig. Vor ihnen stand ein kompletter Neustart. Nochmal anfangen zu können ist eine Gnade. Manch einer ist in der Krise zerbrochen. Auch wir als Gemeinschaft haben mehrmals neu angefangen und wieder aufgebaut. 
Wer Zerbruch erlebt, macht die Erfahrung, selbst der tiefste Punkt des Lebens liegt nicht außerhalb von Gott.  Aus verbrannter Erde sprießt wieder frisches Gras. Auch die größte Trennung von Gott, liegt nicht hinter seiner Reichweite. Egal, was an Schuld passiert ist, es ist immer ein Neuanfang möglich. Altlasten brauchen uns nicht nachschleichen. Belastende Vergangenheit bestimmt nicht für ewig. Gott räumt auf, Gott fängt neu an. Wir haben bei Gott jeden Tag einen neuen Morgen, bei dem alle Türen offen stehen. Das Gestern spielt für ihn keine Rolle mehr. 
Neulich sagte ich zu einer Mitarbeiterin, die unter den Lasten der vielen Krankheitsausfälle stöhnte und meinte unsere Zukunft sei dadurch gefärdet, „wir haben das große Glück, dass bei keiner Krise die Welt untergegangen ist.“

Wo wir Gott erkennen, ist jeder Tag eine Neuschöpfung wie am ersten Tag. Daher sind auch heute alle Wunder möglich. Machen Sie an diesen Valentinstag irgendjemand eine Freude, dann kann auch das ein Neuanfang sein.
Wenn Gott alles und in allem ist, was wollen wir davon ausschließen?

Krisen sind heiliges Land

sei dankbar für deine Krisen!
„Ich werde mich an euch als heilig erweisen vor den Augen der Nationen. Und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich euch auf Israels Boden bringe, in das Land, das euren Vorfahren zu geben ich meine Hand erhoben habe.“

Hes. 20, 41-42
Man sagt, in den Krisen zeigt sich der wahre Charakter des Menschen. In den Krisen schält sich heraus, was echt ist. So ist die Krise auch der Ort, an dem wir Gott erkennen. Die Qualität Gottes zeigt sich in den dunkelsten Stunden am Besten. Dort wo um uns herum alles zusammenbricht ist ein heiliger Raum. Da wo kein Weg mehr ist, bahnt Gott eine Spur in den Sand, wo er uns trägt. Wo das Volk Israel in der Gefangenschaft lebt, sieht Gott bereits das blühende Land nach der Wüste. Gott bleibt nie an dem Augenblick unserer Perspektivlosigkeit stehen. Er bringt in jede Krise einen Sonnenaufgang. Unsere ausweglosen Situationen sind nie der Maßstab für´s Ganze. Gott bleibt nicht in der Etappe stehen. Seine Absicht, mit seinem Volk sein Reich zu bauen, besteht genauso oder gerade in den Schwierigkeiten. Dort wo unsere Hoffnung versagt, wo uns unser Lachen verlässt, ist der heilige Raum in dem Gott seine Geschichte schreibt.
Die Krise ist der Ort, an dem wir in sein Erbarmen hineinreifen. In den Schwierigkeiten, wo wir selber nichts mehr in der Hand haben, wird sein Handeln immer größer. Oft müssen wir ins Aus kommen, damit er hereinkommt. Damit sind die Schwierigkeiten das Beste, was für unsere persönliche Entwicklung und für unseren Glauben passieren kann. Dass Gott zu uns steht, erfahren wir dort am Stärksten, wo wir nicht mehr auf eigenen Füßen stehen.
Warum entwickeln wir in den Engpässen unseres Lebens, keine größere Dankbarkeit, über dem, was uns in Gottes Verheißungen hineinreifen lassen will?

Feuer macht stark

Glaubende sind so etwas wie Feuerläufer.
„Du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen, wir sind in Feuer und Wasser geraten. Aber du hast uns herausgeführt und uns erquickt.“

Ps. 66,12
Leben ist ein Gang von Krise zu Krise. Es gibt Zeiten, in denen wir bis zum Hals in Widerwärtigkeiten stecken. Da sind wir einfach von den herrlichsten Problemen umzingelt. Egal ob Menschen oder Naturgewalten auf uns einstürzen, es geht uns so an den Kragen, dass uns schier die Luft ausgeht. Wir selbst sind schon einmal abgebrannt, andere durch Hochwasser schier mit ihrer Existens abgesoffen und was Menschen anrichten können ganz zu schweigen. Auch für Glaubende kann das Dasein ein Tanz auf feurigen Kohlen sein. Wer lebt wird unweigerlich auch mit den harten Seiten des Lebens konfrontiert.
Doch an Gott entscheidet sich, ob wir in solchen Situationen zu neuem gebrannt werden. Der Glaube macht den Unterschied, ob wir darin zerbrechen oder erquickt werden. In der Krise zeigt sich was der Glaube wert ist. Genau da wo der Mensch an seine Grenzen stößt, fängt Gott an seine Macht zu entfalten. Wo alles andere über uns mächtiger erscheint, entwickelt der Glaube Auferstehungskräfte. Erquickung geschieht nicht in den festlichen Zeiten des Lebens, sondern in den Dürrezeiten. Egal was über uns hereinbricht, der Glaube bricht aus. Durch Christus liegt in uns ein Kampfgeist, der Feuer und Wasser trotzt.
Somit sind wir keine Wasserschlucker, die kurz vor dem absaufen sind, sondern hellwache Gottvertrauer die geläutert aus dem Feuer gehen. Wer in der Krise Stärke erfährt wird stark. Widerstand richtet nicht zugrunde sondern lässt uns reifen. Der Glaube in der Nacht schafft die größten Persönlichkeiten. Deshalb scheuen wir nicht die feurigen Kohlen, über die wir gehen müssen, denn wir werden darin erquickt.
Wolllen wir weiterhin dem Feuer und Wasser die Schuld geben, dass es uns so dreckig geht und uns selbst um unser stark werden betrügen?

Trete mir ans Schienbein

Kurskorrekturen sind hart aber zielstrebig.

„Weise mich zurecht, Herr, aber im Gerichtsverfahren, nicht in deinem Zorn, damit du mich nicht auslöscht.“
Jer. 10, 24

Gott brennt leidenschaftlich für Recht und Gerechtigkeit. Gott liebt das Gute und hasst das Unrecht. Er hasst alles, was aus dem Ruder läuft und sich von ihm, dem Lebenschaffenden abwendet. Er glüht vor Leidenschaft gegen alles, was dem Untergang ausgeliefert ist. Sein Zorn ist seine geballte Emotion gegen Zerstörung und Tod. Sein Zorn ist keine willkürliche Entgleisung, sondern das Wissen, ohne ihn ist das Leben ausgelöscht. Gottes Zorn ist der Rettungsanker, der Schrei gegen das Verderben. Gott kann es nicht ertragen, wenn Leben zu Grunde geht.

Wenn der Mensch das erkennt, wenn er sich erkennt, kann er nur zu solch einem sonderbaren Gebet finden, wie in diesem Wort. „Weise mich zurecht“. Wer bittet schon gerne um Prügel? Wer so betet hat begriffen, wer er selbst ist; ein Mensch voller Abgründe und zu allem Unrecht in der Lage. Ihm ist bewusst, wenn Gott nicht seine Hand nach mir ausstreckt, habe ich keine Chance. Ich brauche Korrektur. Ich brauche ständig eine Kurserneuerung. Ich bin radikal abhängig von seiner Gerechtigkeit und seinem Heil.
„Deshalb Gott, fasse mich hart an, trete mich ans Schienbein, stoße mich vor den Kopf, damit ich kapiere, welch ein hoffnungsloser Fall ich ohne dich bin.“

Harte Wege sind jetzt schmerzhaft, doch meistens sind sie die heilsamen Kurskorrekturen, an denen wir wachsen. Züchtigung hat das Ziel, nicht an Gottes Gerechtigkeit vorbeizuschießen. Deshalb sehen wir Zurechtweisung nicht als persönliche Abwertung, sondern als die Zuwendung, an dem im Unheil etwas von Gottes Gerechtigkeit entsteht.

Warum sollten wir das Schwere, unter dem wir stöhnen nur kurzfristig betrachten, wenn langfristig unsere eigentliche Rettung darin liegt?