Quittiere mit Gänseblümchen

Weshalb sollten wir Unrecht fürchten, wenn Gott zu den Seinen steht?

Josef blieb im Gefängnis, aber der Herr war mit ihm.“
1.Mose 39, 20, 21

Selbst die Intrige von Potifars Frau, konnte den angesehenen Josef nicht ins Unglück stürzen. Zu Unrecht saß er im dunklen Verlies, aber der Herr war mit ihm. Welch herrliche Kontraste. Stockfinster und doch strahlte ein Licht. Eigentlich war Josef als ehrwürdiger, glaubender Mensch ein Pechvogel. Seine eifersüchtigen Brüder verkauften ihn als Sklave nach Ägypten. Dort machte er sich durch sein vorbildliches Verhalten bei einem hohen Beamten einen Namen, bis er wegen seiner Standhaftigkeit, bei dessen Frau in Ungnade gefallen ist. Hochbegabt landete er unschuldig im Kerker. Menschlich eine Tragödie, wenn das ABER Gottes nicht wäre. Das Unrecht hat seine Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wo Gott mit Josef war, konnte kommen was wollte. Am Aber Gottes zerschellt die Finsternis. Für einen glaubenden Menschen gehen in der verkommensten Situation nicht mehr die Lichter aus. Die Gottesgegenwart lässt sich nicht wegsperren, in den Brunnen werfen oder mit der Falschheit der Menschen entkräften. Die Gottesgegenwart ist ein Bollwerk gegen alles Unrecht der Welt. Josef blieb im Gefängnis und konnte dabei gelassen bleiben. Die erfahrene Ungerechtigkeit auf verschiedenen Ebenen konnte ihn nicht in Verzweiflung stürzen. Er hatte kein Problem mit der Zeit, die ungenutzt verstrichen ist. Der Glaube weiß: Gottes Stunde kommt. Für ihn war in der größten Verlassenheit Gott ganz nah. Wo alle Menschen sich zurückzogen, war er von der Gegenwart Gottes erfüllt. Er brauchte nicht um sein Recht zu kämpfen, weil Gott den Weg frei macht. Wir kennen den Verlauf der Geschichte, die ihn dann in einer völkischen Hungersnot zum zweitmächtigsten Mann Ägyptens machte.

Für den Glaubenden scheint immer in der größten Finsternis ein Licht. Wir haben kein Übel zu beklagen, in dem Gott nicht gegenwärtig wäre. Warum sollte der Unfrieden, der über uns hereinbricht, uns in Unruhe versetzen? Gottvertrauen bringt die stürmischen Wellen der erfahrenen Ungerechtigkeit zur Ruhe. Der Glaube verwandelt die inneren Stürme, die um das eigene Recht kämpfen wollen. Das ganze Brodeln und innere Aufbäumen, das sich gegen die Peiniger richtet, quittiert der Glaube mit einem Gänseblümchen. Wo der Herr mit uns ist, ist das Recht und der Friede auf unserer Seite. In der größten Finsternis geht dem Glaubenden der Morgenstern auf. So sind wir im Unrecht mitten im Recht. Dann ist die Ungerechtigkeit auf dem Weg in den Kerker.

Um was wollen wir kämpfen, wenn der Herr mit uns ist?

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Weniger ist mehr

Im JA zum Willen Gottes, verliert das Leiden seine Macht.

„Der Herr hat´s gegeben, der Herr hats genommen; der Name des Herrn sei gelobt!
Hiob 1, 21

Schon als Kind hat man uns beigebracht: Sag´ Danke, wenn du etwas bekommst. Doch Danken, wenn man uns etwas nimmt? Was ist das für ein Gottesglaube, der lobt, wenn die eigene Welt zusammenfällt und alles Hab und Gut verloren geht? Bei Hiob kam es ganz dick. Hiobsbotschaften sind gefürchtet. Hier lernen wir eine Seite des Glaubens kennen, die uns nicht so sehr schmeckt. Der Herr nimmt, und das zu seiner Ehre. Er speckt ab zum Gewinn. Er lässt das Lebenswerk einer Bruderschaft abbrennen, und gönnt sich einen Wiederaufbau. Darin liegt Gutes, sagt Paulus. „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Somit ist nicht viel oder wenig die Melodie unseres Lebens, sondern die Liebe zu Gott. Das in Gott sein ist der Inhalt des Lebens. Er will unser ein und alles sein, er will sich an uns verwirklichen. Wir sind zu seiner Ehre gemacht. Das war das befreiendste Gefühl nach unserem Brand, von all den persönlichen Dingen nichts mehr zu haben, als die Kleider, die wir auf dem Leib hatten und darin zu erkennen, wir haben mit unserem unversehrten Leben alles, was uns Gott gegeben hat. Ich selbst empfand es als großes Glück und unvorstellbare Freiheit, nichts mehr zu haben und doch alles zu haben. Die sind viele liebgewordene Dinge für immer verloren gewesen, wertvolle Erinnerungen haben sich in Rauch aufgelöst, doch diese Werte waren im Vergleich gering, zu der Erfahrung, dass wir jetzt mit Gott neu beginnen können. Diese wichtige Erfahrung zeigte uns, wir sind nicht mit unserem eigenen Leben und seinen Umständen verheiratet sondern mit Gott. Letztendlich ist alles auf die alleinige Gottesbeziehung heruntergeschrumpft. Somit war alles verlieren gut. Schmerz, Leid und Trauer war gut. Gott wurde zum eigentlichen Gestalter des Lebens.

Im Glauben werden wir immer wieder gefragt, woran hängt unser Herz. Wo wir unser Leben als Gottesgabe begreifen, mit dem er sein Werk baut und seine Größe offenbart, werden Kreuzwege zu Segenswegen. Gerade im Untendurch schafft Gott sein Heil. Unsere Tiefenwege dienen nicht unserem Zerbruch, sondern führen zum Eigentlichen. Das was uns genommen wird, dient dem Besten. Wo wir kleiner werden, wird Gott größer. Damit kann sich Leid in Lob verwandeln. Wenn wir klagen, klagen wir uns an das Herz Gottes. Wir rücken im Schmerz näher an Gottes Liebe.

Warum sollten wir Gott verdammen, wenn er uns etwas nimmt, um uns viel Größeres zu schenken?

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Gott tickt anders

Wir werden nie verstehen, wie ein Verbrecher am Galgen, noch heute mit Christus im Paradies sein wird.

„Herr, deine Güte reicht soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Ps. 36. 6

Die Güte des Herrn ist für den Menschen so unfassbar, wie der ganze Kosmos, in dem die Entfernungen mit Lichtjahren gemessen wird. Die Güte zeigt sich am Stärksten, wie Gott mit denen umgeht, die nicht gut sind. Hier ist der gravierende Unterschied zu uns Menschen. Er liebt nicht nur die, die ihn lieben, er liebt auch die, die ihn hassen, die ihn verspotten, die ihm den Rücken kehren und ans Kreuz nageln. An der Feindesliebe zeigt sich die echte Liebe. An der Feindesliebe offenbart sich die Güte. Gott liebt die Widerspenstigen und Überzwerchen. Die Güte, ist die Liebe, die das Heil ihres Feindes will. Die Güte will nicht verdammen, sie will erlösen. Gott haut nicht in die Pfanne, sondern nimmt die Schuld der Welt auf seine Verantwortung. Dort wo wir sagen, selber schuld, der hats nicht anders verdient, der gehört weggesperrt, fängt Gott an zu leiden. Die Liebe findet sich nie mit der Entgleisung des Menschen ab, gerade auch dort, wo sie in Terror, Gewalt und Tod ausformt. Gott leidet unter jeder Form der Zerstörung. Er leidet unter der sündigen Menschheit. Er leidet unter meiner und deiner verunglückten Liebe. Diese unsagbaren Leiden sind die Quelle der Güte. Je abgrundtiefer der Mensch, umso unendlicher die Güte. Diese Güte hat seinen Gipfel, am dunkelsten Punkt der Menschheitsgeschichte, dem Kreuz Christi. Darin zeigt sich für alle Zeit was Güte ist. Von Kreuz zu Kreuz ruft Jesus dem Verbrecher zu: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Das sagt er zu dem, der es verdient hat zu sterben. Dieser Verbrecher hatte keine Zeit mehr, für ein einziges gutes Werk auf dieser Erde. Das Paradies öffnete ihm einzig Christus, keine menschliche Handlung.

An solch einer Güte, könnte man fast irre werden. Nicht Strafe muss sein, sondern Liebe muss sein. An dieser Güte werden wir uns die Zähne ausbeißen. Sie konzentriert sich nicht auf ein einziges gutes Werk des Menschen, sondern auf die Gnade Christi. Wo wir mit Paulus konsequent von Christus her denken, erkennen wir: Die Liebe, die Gott uns entgegenbrachte, hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht, obwohl wir tot waren in unseren Verfehlungen – durch die Gnade seid ihr gerettet. Die Güte kann nicht verdammen, die Güte errettet. Gott klagt nicht an, sondern hat sich durch Christus zu Güte durchgelitten.

Wer diese Güte und Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, kann weder sich selbst noch andere verdammen. Unter der Güte können wir uns über andere kein Urteil erlauben. Gott tickt anders. Bei ihm gilt eine andere Gerechtigkeit. Der Staat und die Gerichte dieser Welt haben ihren berechtigten göttlichen Auftrag, das Gute zu fördern und das Böse zu strafen, doch für Gottes Gericht gilt ein anderes Gesetz. In der Güte erbarmt sich Gott durch Christus.

Wo so viel Güte ist, können wir da unseren Nächsten in Ungnade stürzen?

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Sorgen werfen

Wo ein Stern aufgeht, können wir den Kummer der Nacht hinwerfen.

Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen.“
4.Mose 24, 17

Wenn Sterne aufgehen und Zepter aufkommen, geschieht ein Umbruch in Nacht und Ohnmacht. Damit kommt Licht in Machtlosigkeit und Orientierungslosigkeit. Das ist die starke Nachricht für die Glaubenden. Den ganzen Auseinandersetzungen des Lebens ist ein Kontrapunkt gesetzt. Über der Zerrissenheit des eigenen Lebens, über dem Durcheinander einer ganzen Welt, geht ein Licht auf. Aller Angst dieser Welt, ist der Christus-Stern gesetzt. Das ist ein Faustschlag gegen die Hoffnungslosigkeit. Das ist ein Hammer gegen alle Sorgen.

Wie sehr sind unsere Tage von Horrorszenarien bestimmt? Die Angst vor dem nächsten kalten Krieg. Die Mächtigen, die Konfliktlösungen mit militärischen Mitteln durchsetzen wollen. Menschen werden zugedröhnt und mit Schreckensmeldungen in Schach gehalten. Im Großen, wie im Kleinen stehen wir ständig unter Strom. Die eigenen Konflikte und Sorgen tun ihr Übriges.

Das Rezept des Glaubens heißt, Sorgen werfen. Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Wo wir werfen, sind die Sorgen weg. Wo ein Stern aufgeht, können wir uns aus unserer Sprachlosigkeit befreien. Das ist die Antwort der Glaubenden für angstgeprägte Menschen. Wir leben in belastenden Situationen und können den Druck loswerden. Sorgen werfen, heißt glauben. Wir vertrauen dem, der die Herrschaft über die Ohnmacht hat. Wir lassen in den Sorgen Gott Gott sein. Wir geben ab und meinen nicht mehr, wir müssten die Welt selbst erlösen. Sorgen werfen macht Mut. Es nimmt zentnerschwere Lasten ab. Er befreit sich von dem lähmenden Gift, das ein Leben auf Sparflamme hält.

Auch bei unsportlichen Menschen ist es hilfreich, das Sorgen werfen zu einem Morgen- und Abendritual werden zu lassen. Es trägt zur geistlichen und leiblichen Fitness bei. Wo wir diesen Frühsport nicht betreiben, werden wir lebensmüde. Belastete, schwermütige Menschen, deren Augen nicht mehr leuchten, haben Schwierigkeiten mit dem Sorgen werfen. Wer diese Disziplin einübt, den erkennt man am Gang seiner Schritte, am Leuchten seiner Augen, an dem Mut und der Hoffnung seines Atems.

Wie erleichtert wären wir selbst, wieviel Sterne würden den Menschen um uns herum aufgehen, wenn wir unserem Ballast abgeben?

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Das Übel verwandeln

Wir haben die große Freiheit NEIN zu sagen.

Auf dich, Herr, mein Gott traue ich! Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich.“
Ps. 7, 2

Wer Gott vertraut, wird nicht vor dem Übel verschont, jedoch erhebt er sich wie ein Adler über das Übel. Unser Leben ist voll von Ereignissen und Gedanken, die uns in Unruhe versetzen wollen, die uns nachschleichen und lähmen wollen. Das was uns Gott an Gutem anvertraut hat, steht ständig in der Gefahr, in der Auseinandersetzung des Lebens über Bord zu gehen. Wir sind zum Weg der Liebe aufgebrochen, wollen ein echt geheiligtes Leben führen und merken, wenn uns einer ein bisschen an unserer Ehre kratzt, wie schnell bei uns im Keller die Wölfe heulen. Schlagartig werden wir von bösen Gedanken aufgefressen. Die Anfechtung, die Verlockung, die Hassgefühle lauern an jeder Ecke. Das Böse verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Wir spüren, wie wir nicht aus unserer Haut können, und zum Spielball anderer Mächte werden. Wo wir solchen Gedanken den Freiraum lassen, mauern wir an unserem eigenen Kerker.

Jesus betet in solchen angefochtenen Situationen: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Das ist das entscheidende im Glauben, nicht dass wir das Böse wegbitten, sondern im Bösen standhaft bleiben. Die Anfechtung wird bleiben, jedoch der Glaube geht anders damit um. Jesus ging seinen bedrohten Heilsweg bis zu Ende, ohne einen inneren Hass gegen seine Verfolger zu entwickeln. Als er vom Bösen versucht wurde und äußerst verlockende Angebote erhielt, hat er einfach nein gesagt. Das Böse bleibt, jedoch das Vertrauen auf Gott schafft einen freiheitlichen Umgang mit dem Bösen. Wenn uns ein beleidigendes, böses Wort trifft, entscheidet das Gottvertrauen, ob mich diese Worte zu Tode verletzen, oder ich mich königlich darüber erhebe. Wo ich Gott vertraue, findet in mir eine Verwandlung des Bösen statt. Wir werden nicht vom Übel verschont, wir transformieren das Übel. Das ist die Freiheit eines Christenmenschen. Das ist die Kraft des Glaubens, der empfangenen Hass, nicht als Hass zurück gibt. Wo das Böse auf Gottvertrauen stößt, verliert es seine zerstörende Macht. Im Vertrauen auf Gott, übernehmen wir die Herrschaft und weisen das Böse in seine Schranken. Wir sind nicht die an das Böse hilflos Ausgelieferten. Wir haben die Freiheit nein zu sagen, gegen die sich in uns aufbäumenden Kräfte. Wir können damit keinem Übel in der Welt die Schuld geben, dass wir innerlich verletzt sind. Im Vertrauen auf Gott, ist der in uns mächtig, der Böses in Heil verwandelt. Daher nehmen wir dieses Gebet zu Herzen: Auf dich, Herr, traue ich!

Zeigen wir nicht unseren Mangel an Vertrauen, wenn wir dem Bösen einfach für alles die Schuld geben?

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Krisen offenbaren Glauben

Ein kleiner Glaube verliert den Boden, wenn die Wellen hochschlagen.

„Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!“
Ps. 116, 3-4

Hier hat ein Beter ein positives Krisenmanagement. Auch Glaubende kommen im Leben in Ausnahmezustände. Das erfuhren selbst die Jünger mit Jesus im Boot. Stürmisches Meer, das in Seenot geraten lässt. Das Leben steht auf dem Spiel und das Schiff droht unterzugehen. Ganz normaler Lebensalltag, dass man auch mit Jesus im Boot in Sturm kommen kann. Selbst der Glaube steht immer wieder vor allerletzten Herausforderungen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, wenn Christus im Boot sitzt, lassen die Stürme nach. Solange wir leben, müssen wir immer damit rechnen, dass das Leben unterzugehen droht. Stürme, Krisen, harte Lebensschläge sind nichts Außergewöhnliches. Die Situation des Untergangs fragt nach unserm Glauben. Der Bruch der Beziehung, die unheilbare Krankheit, der schreckliche Unfall, die Glaubenszweifel suchen nach dem Schrei: Ach, Herr, errette mich! Wo wir nicht mehr auf uns selbst vertrauen können, wartet Jesus auf den Ruf: Meister, wir kommen um! Unsere Ausnahmesituationen sind Gottesstunden. Wo alles wegbricht sucht Gott Vertrauen. Er sucht dieses Vertrauen von Jesus, der in schrecklicher Bedrohung noch ruhig schlafen kann. Zum Entsetzen der Jünger, bleibt ihr Meister von den Wellen unbeeindruckt. Wie kann da einer noch ruhig schlafen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. Glaube verschafft eine unverschämte Ruhe. Gottvertrauen schafft Gelassenheit, gerade wenn die Fetzen fliegen. Dieses Vertrauen gilt es immer neu sich zu vergegenwärtigen.

Glaube und Krise gehören zusammen. Unsere hilflose Situation, ist die Frage nach unserem Vertrauen. Sind wir in unseren Stürmen wellengesteuert, oder glauben wir dem, der den Wellen gebieten kann? Um diese innere Auseinandersetzung geht es in jedem Konflikt. Wo nicht das Vertrauen wächst, wird die Angst größer. In der Krise zeigt sich, wie mächtig Gott in uns sein darf. Es gibt das Wort, in der Krise zeigt sich der wahre Charakter des Menschen, das kann man hier übertragen und sagen: In der Krise zeigt sich, was ein Mensch glaubt. Gott sucht an unseren Grenzen unser Vertrauen. Er will ein Zweifaches. Ruhe schenken in den Stürmen, und Wind und Wellen gebieten. In unserer Seenot will sich seine ganze Macht entfalten. Er ist mitten unter uns, und wartet nur auf unser: Ach, Herr, errette mich!

Welche Schreie stoßen wir von uns, wenn das Wasser bis zum Hals steht?

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Liebe zulassen

Die Liebe ist der Tempel, in dem Gott wohnt.

„Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich dir gebaut habe?“
1. Kön. 8, 27

Diese Worte sprach der weise König Salomo bei der Einweihung des neuen Tempels. Vor der Unfassbarkeit Gottes, kapitulieren selbst die Kirchenbauer. Wenn man die Einzigartigkeit einer Sagrada Familia in Barcelona vor Augen hat und sich dabei vorstellt, dass ein Architekt dabei alles gegeben hat, um mit seinem Bauwerk Gott die Ehre zu geben, übersteigt solch eine Aussage alles, was wir uns von Gott vorstellen können. Selbst das großartigste Kunstwerk, ist ein schattenhaftes Erahnen von dem, was Gott ausmacht. Auch die Steigerung von Himmel, und alles, was unsere Gedanken nicht denken können, kommen nicht im Geringsten an die Größe Gottes. Gott lässt sich selbst auf Ewigkeit nicht festlegen. Für unser Denken bleibt Gott unfassbar. Gott ist alles und in allem. Er entäußert sich in allem. Durch den Drang sich mitzuteilen, sich hinzugeben, zu lieben, wohnt er in allem was lebt. Die Liebe ist die Wohnung, in der Gott gegenwärtig ist. In Christus sehen wir die starke Liebe, des für uns unfassbaren Gottes. Wo diese Liebe ankommt, wohnt Gott. Das ist der Raum, in dem der Mensch Gott als lebendig erlebt und darunter selbst lebendig wird.

Johannes schreibt: Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. Der unfassbare Gott, lebt in vollkommener Liebe in uns. Darin liegt die Sprache unseres Lebens. Unter dieser Liebe werden wir kommunikationsfähig mit ihm und untereinander. Wo diese Liebe wohnt, ist Gott nie weit weg. Wir brauchen Gott nicht suchen, sondern nur seine Liebe zulassen. Das ist das Geheimnis allen Lebens und Glaubens. Seine Liebe zulassen wird zum Gottesdienst. Darin wird der unfassbare Gott für alle sichtbar. Darin geschieht Heil, Erneuerung und Neuschöpfung. Diese vollkommene Liebe will in uns Raum schaffen, will sich vermehren, will sich ausbreiten und verschenken. So aktiv will der unfassbare Gott in uns rumoren.

Wenn wir Gott nicht sehen, nichts von seinen Wirkungen spüren und erkennen, müssen wir uns fragen, ob wir diese Liebe zulassen. Diese ewige Quelle hat nie aufgehört zu sprudeln. Wenn wir aushungern und verdursten, wo schöpfen wir dann? Wenn wir unsere Kälte und Härte spüren, unsere Zurückhaltung und Abweisung, erwürgen wir da nicht gerade diese vollkommene Liebe in uns? Warum tun wir uns oft so schwer, diese formende und umgestaltende Liebe zuzulassen? Gott ist nicht weit weg von uns, wir sind oft zu verschlossen, diese unfassbare Liebe ihre Arbeit machen zu lassen.

Was würde geschehen, wenn diese Liebe sich voll und ganz in uns entfalten könnte?

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Flügel haben Macht

Wer dem Höchsten am Herzen liegt hat nichts zu befürchten.

Der Herr Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie Vögel es tun mit ihren Flügeln, er wird beschirmen und erretten, schonen und befreien.“
Jes. 31, 5

Jerusalem hat einen besonderen Status. Ausgerechnet diese Multi-Kulti-Stadt, mit ihrer bewegten Geschichte, in der alle Weltreligionen zuhause sind, heißt übersetzt: Stadt des Friedens. Von Gott wird sie als seine Braut bezeichnet. Sie ist Bild für die Gemeinde Gottes, und wie Gott sich seine Zukunft mit ihr vorstellt. Jeder Glaubende gehört zu dieser Stadt des Friedens und ist Braut des Herrn. Über dieser spannungsgeladenen Stadt wird maximaler Schutz ausgesprochen. Wer geschützt und gerettet werden muss, dessen Leben steht ständig in Gefahr. Gott weiß genau, wie sehr das Leben seiner Braut angefochten ist, wie brüchig der innerer Friede ist. Seine Allerliebste liegt wie ein junger Vogel im Nest, der allen Gefahren der freien Wildbahn ausgesetzt ist. Da bedrohen Wind und Wetter das schutzlose junge Leben. Da sucht der Kater Michel einen Weg, wie er diese kleinen Delikatessen verschlingen kann. Glaubende stehen in Lebensgefahr. Dieses zarte Pflänzchen, der Liebe zu Gott, steht permanent in der Bedrohung über Bord zu gehen. Gott kennt haarscharf unser inneren Fragen, unsere Zweifel, unsere Unzufriedenheit mit uns selbst und den Widerwärtigkeiten, die über uns hereinbrechen. Er weiß, wie klein der Glaube wird, wenn die Probleme groß werden. Er ist ganz am Puls der Härten, die uns fix und fertig machen und uns am Leben zerbrechen lassen.

Mit keinem schöneren Bild könnte er die Liebe zu seiner Braut ausdrücken, als mit dem Vogel der seine Flügel ausbreitet. Darin liegt die totale Geborgenheit, mitten in der Angst. Diese Flügel sagen: Ich tue alles für dich. Ich lasse nichts und niemand an dich heran. Ich lasse nicht zu, dass dich jemand aus meinem Schutz reißt. Der Hagel, der dich treffen sollte, prasselt auf mich runter. Ich beschirme, errette, schone und befreie. Nicht du trägst deinen Glauben durch, ich mache das für dich. Darin liegt die Erlösung von Christus, die allen Widerwärtigkeiten trotzt. Gott weiß, wie dick es in unserem Leben kommen kann, daher hat er alles dafür gegeben, dass seine Braut nie aus seiner Liebe herausfallen kann.

Es ist eine Tatsache, dass das Leben hart zuschlagen kann, doch es ist eine viel größere Tatsache, wieviel Schutz uns dafür zur Verfügung steht. Wir sind nur dem Leben Ausgelieferte, wenn wir den Schutz nicht in Anspruch nehmen. Wo wir angstgesteuert leben, wo wir hoffnungslos in unsere Tage blicken, wo wir das Leben beklagen, wie ungerecht es mit uns umgeht, haben wir den Schutz der Flügel verlassen. Wer sich außerhalb davon bewegt, verzichtet auf Schonung und Rettung.

Glauben wir, wir könnten uns in allem selber schützen und brauchen keinen der uns schont und rettet?

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Kinder sind eine Gabe

Mit Kindern baut Gott sein Reich.

„Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn.“
Ps. 127, 3

Gaben sind Geschenke zum guten Gebrauch. Wo Kinder eine Gabe des Herrn sind, ist ihnen ihre Bestimmung in die Wiege gelegt. Gott gibt sie, er vertraut sie einem Elternpaar an. Eine Gabe hat einen Verwendungszweck, eine für sie gedachte Bestimmung. Kinder sind eine Gabe, damit Gott mit ihnen seine Ideen verwirklicht. Mit jedem Kind, das Gott schenk, hat er einmaliges vor. Mit jedem Kind baut Gott sein Reich. Mit den Gaben die er gibt, macht er klar, das ist mein Kind. Ich habe es für etwas Großartiges geschaffen. Jesus ließ die Kinder zu sich kommen und segnete sie. In ihm brannte, dass sich in ihnen das Geheimnis Gottes offenbart. Damit spannte er einen großen Bogen, dass wir alle die Kinder eines großen Vaters sind. Weltweit beten die Christen: Vater unser im Himmel. Das ist die Gabe die für alle gilt. An dem, wie Gott mit den Kindern umgeht, zeigt sich, wir gehören nicht uns selbst. Wir sind eine Gabe des Allerhöchsten.

Wenn da Eltern von unserem und meinem Kind sprechen, geschieht bereits ein Missbrauch. Wir wissen, dass Helicoptereltern ihren Kindern nicht ins Leben verhelfen, sondern sie untüchtig machen. Immer mehr Studien belegen, dass Depressionen bei Kindern von überfürsorglichen Eltern kommen. Wer seine Kinder als sein Eigentum betrachtet, verhindert das eigentliche Kindsein. Eltern, die ihre Kinder festhalten und nicht loslassen können, verhindern deren Entwicklung. Wie viele Eltern haben ihren Kindern den Ruf in die Nachfolge verbaut? Da hört man immer wieder Stimmen wie: „Ich hätte eigentlich einen Ruf in die äußere Mission gehabt, doch meine Eltern wollten, dass ich zuhause das Geschäft übernehme.“ Wo Kinder nicht als Gabe des Herrn verstanden werden, beginnen oft traurige und unglückliche Karrieren. In dem, wie wir mit dieser Gabe umgehen, entscheiden wir über Segen und Fluch über einem Leben. Als die Eltern von Nick Vujicic, ihren ohne Arme und Beine geborenen Sohn als Gabe Gottes annehmen konnten, haben sie ihm eine großartige Grundlage geschaffen, dass er sich selbst als ein Geschenk annehmen konnte. Inzwischen ist er ein glühendes Beispiel dafür, wie er weltweit Menschen motiviert, nicht auf die Umstände zu schauen, sondern sich selbst als Geschenk und Gabe Gottes zu betrachten. Für solch eine Sichtweise ist es gut, frühzeitig zu lernen, Kinder sind eine Gabe Gottes und wir selbst sind Kinder. Daraus entwickelt sich Großes.

Ist es nicht das allergrößte Geschenk, wenn sich Kinder unter dem Segen Gottes zu ihrer Einzigartigkeit entwickeln können?

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Liebe heilt

Liebende Menschen, sind Gottes Antwort auf das Elend der Welt.

„Die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!“
Jes. 58, 7

Wer liebt, dessen Herz wohnt im anderen. Wo Gott liebt, lebt sein Herz im Menschen. In aller erster Linie in den Schwachen, den Leeren und Bedürftigen, in denen, die ihm nichts zu bringen haben. Er geht auf die zu, die unter sich selbst und ihrem Leben zerbrechen. Das Defizit des Menschen zieht regelrecht sein Erbarmen an. Dem Elend der Welt stellt er eine Krippe in den Stall. Alles Sterben überwindet er durch das offene Grab. Weil Gott liebt, sind alle Katastrophen dazu angelegt zum Leben zu führen. Geliebt werden macht lebendig. Lieben heilt und baut auf. An was auch der Mensch zerbricht, da ist immer die gewaltige Gegenbewegung, des „gesund-liebens“. Das Elend und die Liebe sind ein Paar. Das ist die Botschaft allen christlichen Glaubens.

Die Liebe kann sich nicht vom Elend distanzieren. Darin ruht der Dienst der Mutter Theresa Schwestern. Sie leben jeden Morgen aus der Eucharistie, um danach, für die am Straßenrand Liegenden, zur Handreichung der Liebe Christi zu werden. Wer von der Liebe berührt wurde, muss selbst zur Liebe werden. Die Glaubenden werden dadurch in die Not der Welt hineingetrieben. Ihnen geht das Herz auf, wenn für einen anderen die Welt untergeht. Sie werden zu einem Teil der Not des anderen. Da rücken die Flüchtlinge, die Obdachlosen, die Vergessenen ganz dicht in unser Leben. Da werden mir die Menschen mit Schicksalsschlägen zur persönlichen Aufgabe. Da kann die Liebe nicht mehr schulterzuckend vorbeigehen und sagen, das geht mich nichts an. Wer liebt fühlt sich verantwortlich. Der denkt unentwegt für den anderen und überlegt sich, was braucht er jetzt, was kann ich ihm geben.

Wo die Liebe treibt, treibt sie nicht nur zu den Außenstehenden. Sie brennt auch für den Bruder und die Schwester neben mir, in einer Gemeinschaft und Gemeinde. Da kann das Elend, die für uns Schwierigen sein. Mitmenschliche Spannungen sind nichts anderes als in den Straßenrändern der Großstädte zu liegen. Da hat die Liebe die Aufgabe, eine Sprache zur Verständigung zu finden und zu lernen und nicht mit einer kalten Schulter und Ignoranz zu antworten. Wo Gott die Elenden in sein Haus führt, hat die Liebe eine spannende und herausfordernde Aufgabe.

Wir sind in das Leid der Welt gestellt, um mit Liebe zu erwärmen und zu heilen. Warum sollten wir irgendjemand diesen Dienst verwehren?

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