Zickenzoff im Gotteshaus

Luk. 10, 38-42

Zickenzoff unter Geschwistern ist nichts Außergewöhnliches. Wer ist der Bessere? Der den Hamsterkäfig ausmistet, oder im Garten das Unkraut jätet? Der für Gäste den Kuchen backt, oder der den Tisch deckt? das Richtig und Wichtig kann da schnell mal die Gemüter erhitzen. Über dem Be-werten wird ein Ab-werten, und dadurch knallt es. Aus Erheben wird Überheben und die Vorwürfe fallen knietief. Es wird gefeuert und abgeschossen und um das eigene Recht gekämpft. Zoff, Meinungsverschiedenheiten und Ansichtssachen brauchen Klarstellung.

Maria bringt Marta auf die Palme und Jesus soll es richten.

  • So ganz orientalisch

38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!  41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.“

Martha, eine großherzige, engagierte Frau, die vieles im Reich Gottes begriffen hat. Ganz nach orientalischer Sitte, reißt sie sich alle Beine heraus, ihren Gast auf das fürsorglichste und nobelste zu bewirten. Erst recht, weil sie Jesus ins Haus aufgenommen hat. Ihre ganze Leidenschaft legt sie dahinein, ihrem Gast auf das Vornehmste zu dienen und für sein leibliches Wohl zu sorgen. Wenn Jesus da ist, kann sie an nichts Anderes mehr denken, als an seine vortreffliche Versorgung. Sie lebt aus tiefstem Herzen Diakonie und Hingabe. Sie steht im Gesetz von Saat und Ernte, und weiß im Unterschied zu Tieren und Pflanzen, dass der Mensch arbeitet und sich sein Brot verdient. In ihren hauswirtschaftlichen Verpflichtungen sieht sie die einzige Möglichkeit, Jesus ihre Verehrung und Liebe zu beweisen. Sie hat etwas ganz Wichtiges vom Evangelium begriffen, das so oft von praktischer und tätiger Liebe spricht: „Gehe hin und tue desgleichen.“ Sie ist ganz nahe am Sendungsauftrag und dem Liebesgebot Jesu. Ich diene, das ist meine Legitimation!?

Es ist nur zu logisch, dass ihr die orientalische Galle überläuft, wenn sie neben ihrem gnadenlosen Einsatz ihre untätige Schwester sieht? Sie kocht Jesus zwei Suppen!  Die eine, die sie ihm auf den Tisch stellt und mit der anderen serviert sie ihm ein Topf voller Vorwürfe. Ein heißes Tischgebet, das sie da spricht. „Herr, du fragst nicht danach, dass mich meine Schwester alleine dienen lässt? Klopfe ihr doch auf die Finger, dass sie endlich etwas tut!“ Bei solchen Gebeten geht der Schuss oft nach hinten los. Jesus erhört das Gebet und dreht den Spieß um. „Marta, deine Sorgen drehen sich um deinen Kochtopf!“ „Du hantierst hier rum und bist völlig der Erhaltung des leiblichen Lebens verfallen.“ „Ist das Leben nicht viel mehr als Essen und Trinken?“ „Du machst hier viel Lärm um Nichts.“

Gottfried Voigt: „Jesus kann ihr nichts zuliebe tun, weil sie in ihrer `diakonischen´ Aktivität ihm dazu gar keine Gelegenheit gibt.“

Wir lassen uns leicht von unseren frommen Dingen und Aufgaben gefangen nehmen, dass wir ihnen selbst nur noch dienen müssen. Der heißeste Einsatz für Christus, ist noch lange nicht die Garantie, dass wir ihm begegnen. Christus macht mit allem Zoff, was sich in seinem Namen letztlich doch gegen ihn stellt.

  • So ganz einfach

„Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.“

Wo Christus einkehrt, drehen sich die Gesetzmäßigkeiten um. Da ist immer noch Arbeit da, da ist immer noch der Nächste da, der versorgt werden muss, da ist jedoch zuerst Jesus da. Wenn Jesus da ist, gibt es keine andere Priorität. Selbst seine Gebote treten an die zweite Stelle. Wo Jesus kommt, betritt der größte Diener das Haus. Da gibt es nur noch eines: Setzen und Hören. Da ist alle Aktivität von Übel. Setzen und Hören ist die einzige Aktivität um Christus zu empfangen. Es ist die Bereitschaft, Heil zuzulassen. In diesem Moment übernimmt er die Sorge für unser Wohlergehen. Der dienende Christus trennt uns von allem Leistungsdenken. Hier unterscheidet sich das Christentum von allen anderen Religionen. Im Evangelium dient Gott den Menschen. Im Gottesdienst dient zuerst Gott. Wo Christus einkehrt hat der Mensch ausgedient. Wenn Christus kommt, steht der dienende Mensch seinem eigenen Heil im Weg. Wo Christus an der Tür steht, muss sich das dienen in empfangen verwandeln.

Der Gott-Mensch-Konflikt kann erst dort aufhören, wo wir nicht mehr meinen, wir müssten Gott immer noch etwas servieren. In der Christus-Begegnung wird Gott der Handelnde.  Da sind wir nicht mehr die Gebenden, sondern die Beschenkten. Beschenkt werden, setzt das setzen und hören voraus. Im Hören geht das Wort, geht der Christus in uns ein. Wo das Wort eingeht, legt sich der Zoff gegen Gott.

Es wäre ein gewaltiger Irrtum, wenn man meint, hier würde die Kontemplation gegen die Aktion ausgespielt. Hier geht es nicht um eine Flucht vor dem harten, wirklichen Leben, das Gottesbegegnung in irgendeine Askese verbannt. Es geht auch nicht darum, die Aktivitäten um das tägliche Brot und die Hingabe in Kirche und Gemeinde zu verunglimpfen, sondern es geht um eine hochbrisante innere Bereitschaft. Hörende sind keine Flüchter. Christus zu Füßen sitzen ist kein Selbstzweck und keine Seelen-Massage. Wer sich von Christus nur bedienen lässt und darin bessere Zeiten erhofft, handelt aus Eigennutz.

Maria wurde nicht in bessere Welten entrückt. Sie hat einzig in ihrem täglichen Trubel Christus die Türe aufgemacht. Auf Christus zu hören heißt: Gott Gott sein lassen. Zu hören hat immer einen Sinn und Zweck, da passiert etwas. Unter dem dienenden Christus verwandelt sich der Mensch zum Heil für die Welt. Maria hat es ganz einfach verstanden; Verwandlung geschieht nur im vor die Füße setzen, zuhören und sich von Jesus beschenken lassen.

  • So ganz offen

 „42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“

In Jesu Antwort an Marta, durchbricht er gezielt deren Geschäftigkeit und konfrontiert sie mit ihrem Mangel und Umtrieb. Auf ihren Vorwurf „sage Maria doch …“ spricht Jesus nicht Maria, sondern sie selbst an. „Eins aber ist not.“ „Das Problem sitzt nicht bei deiner Schwester, sondern bei dir.“ Ihre Not ist nicht das engagierte Dienen, sondern das nicht offen sein. Das nicht hören ist die Not der Gemeinde, die zum Himmel schreit. Wo Christus unterbrechen will, ist jeder mit einer anderen wichtigen Aufgabe beschäftigt, die partout nicht liegen bleiben kann.

Reich-Gottes-Arbeiter im Konflikt der Pflichten. In uns und um uns klappern die Töpfe so laut, dass wir nicht mehr hören können. Da ist so viel Lärm, den wir zum größten Teil selbst produzieren. Da kommt Christus zu Besuch und der Terminkalender ist leider so voll, dass wir nur von ihm erwarten, dass er uns bewundernd zuschaut. „Bitteschön Herr, alles Einsatz für deine gute Sache!“ Wir arbeiten und singen, wir pflegen und dienen, aber wir haben verlernt zu hören.

In den Kirchen und Gemeinden gibt es viele Burnout-Patienten; ausgefallen wegen Überengagement. Im Reich Gottes liegt das Problem nicht in erster Linie am nötigen Einsatz, es liegt am offen sein, für das was dran ist. Lieber Gott, es tut mir leid, ich habe keine Zeit.

Maria hat das gute Teil erwählt. Sie hat die beste Portion abgeschnitten. Sie hat die Wahl für den Guten getroffen. Wer wählt trifft eine Entscheidung. In dem Wort Entscheidung liegt eine Trennung. Wo ich mich für das eine entscheide, wähle ich eine andere Möglichkeit ab. Ich kann im Urlaub nicht gleichzeitig ans Meer und in die Berge fahren. Ich entscheide mich für das eine oder das andere. Maria wählt das Gute. Das ist eine klare Entscheidung für Christus. Sie wählt das Hören auf sein Wort. Sie zieht das Wort allem anderen vor. Wir haben jeden Tag die Wahl, welchen Raum wir dem Wort geben. Wir haben die Wahl den Gottesdienst zu besuchen, oder etwas Anderes als wichtiger zu betrachten.  Selbst die alten Orden haben das in ihrer Regel festgeschrieben: „Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen.“ Wer diese Wahl hat, muss gezielt das was dem Wort entgegensteht abwählen. Er muss sich gegen alle Ausreden auflehnen. Unser offen sein müssen wir uns tagtäglich neu gegen das Allzuviele erkämpfen. Viel Zoff entsteht dadurch, dass wir nicht mehr offen sind und mit Christus und den Geschwistern das diskutieren und rechtfertigen anfangen.

Es liegt allein an unser Wahl.

Was ist das gute Teil, das wir heute zu wählen haben?

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Wir sind wertvoll 

bei Gott stehen wir ganz hoch im Kurs.
„Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.“

Ps. 33, 22
Zum dem Schrecklichen gehört, was wir als Blumenhaus neben dem Friedhof erleben, die sogenannte „anonyme Bestattung“. Da wird ein wertvoller, hochbegabter und einzigartiger Mensch, wie ein verendetes Tier verscharrt. Verbrannt, in die Dose verbannt und im Erdloch versenkt. Alles ohne Namen, ohne einen Stein oder Kreuz. Kein einziger Hinweis, dass dieses Wunderwerk der Schöpfung einmal war. Im Nirwana verschwunden. Aus einer Bestattungskultur wird eine Entsorgungskultur. Oder wie es im dritten Reich hieß: Der Einzelne ist nichts, das Volk ist alles. Solch eine Bedeutungslosigkeit schreit zum Himmel.
Diesem Verachtungsdenken, setzt Gott gewaltig etwas dagegen. Über uns steht seine Güte. Der Gute hat ein Auge auf uns geworfen. Er hat ein persönliches Interesse an dir und mir. Güte ist kein Tortenfguss des Wohlwolles, den Gott über die Erde gießt, sondern Güte meint mich. Da legt einer ganz großen Wert auf uns. Wir sind keine Noname. Jesus sagt: freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Wir haben für Gott eine große Bedeutung. Bei ihm sind wir kein Massenprodukt; einer von vielen. Wir sind bei ihm namentlich bekannt. 
Wo wir Kunden mit dem Namen begrüßen geschieht oft ein verwundertes Aufhorchen. „Was sie kennen meinen Namen, das freut mich aber.“ Jemand der nicht damit rechnet, ist angenehm überrascht und wächst spontan um zehn Zentimeter. Jemand mit Namen kennen baut auf.

Das ist Güte, dass Gott ausgerechnet uns kennt. Ihm kommt es auf uns an. Unsere Person hat für alle Zeiten eine Bedeutung. Gott legt Wert darauf, dass es uns gibt. Für ihn wäre es schrecklich, wenn wir in der Bedeutunglosigkeit verschwinden. Es ist wichtig, dass wir da sind. Genau in uns will er alles Gute, all das, was ihn ausmacht hineininvestieren. Güte holt uns aus der Grauzone des Niemandlandes. 
Wir können hoffen, wir können strahlen, wir können aus aller Belanglosigkeit aufstehen. Wir wachsen und werden aufgerichtet, durch eine Güte, die uns bedeutend macht.
Wie stellt diese Güte, uns und unseren Nächsten in solch einen hohen Kurs?

Eine Treue, die in Atem hält

es ist ein Fest, wenn auf Worte Verlass ist.
„Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss..“

Ps. 33, 4
Es geht um eine ganz besondere Qualität von Worten. Gottes Wort ragt aus allen Worten heraus. Es hat ein Alleinstellungsmerkmal. Wo Menschenworte oft flüchtig daherkommen und Ausdruck von unsteten Gestalten sind, ist Gottes Wort eine Institution. Worte veraten einen Menschen. Sie zeigen die Person hintern den Worten. Sie offenbaren eine ganze Welt; eine sehr zerbrechliche Welt.
Wort Gottes offenbart eine ganz andere Welt. Den Status quo des Lebens. Wahrhaftig ist eine reale Wirklichkeit, die zu allen Zeiten steht und gilt. In diesem Wort kommt eine verbindliche Festigkeit auf uns zu; eine Treue, die wie gemeißelt da steht. In diesem Wort manifestiert sich der Schöpfer in seiner Schöpfung. Seine Ordnungen, sein Recht und Gesetz, sind das Lebenselixier der Menschen. Im Wort verpflichtet sich Gott auf alles was lebt. Er verschweißt seine Lebenskraft mit einer vergänglichen Welt. Seine Treue hält die Welt in Atem. Wo Gott sein Wort abziehen würde, würde die Menschheit wie ein Kartenhaus zusammenfallen. 
Dieses Wort ist der Lebensnerv allen Geschaffenen. Jesus Christus ist das lebendig gewordene Wort, das Siegel der Treue Gottes zu den Menschen. In Christus trifft der Lebensnerv die Kreatur. Durch Christus kommen in unsere vergänglichen Worte, Gottes Verbindlichkeit. Da kommt Festigkeit in alles jämmerliche Dasein. Christus ist der ständige Gegenpol zu allen Worten, die sich in Schall und Rauch auflösen. 
Wie stark sind unsere Tage von diesem unverrückbaren Wort gefestigt?

Da ist Leben in der Stube 

echte Lebendigkeit ist eine Leihgabe.
„Herr, du machst alles lebendig und das himmlische Heer betet dich an.“

Neh. 9, 6
Hinter diesem Gebet spürt man den Stolz Nehemias durch. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft baut er das zerrüttete Israel wieder auf. Er war ein ehrgeiziger Mann, der vieles bewegte und engagierte Leute hinter sich brachte. Er stellt jedoch seine Schaffenskraft unmittelbar in den Zusammenhang mit seiner Berufung. Das was ihn da antreibt, alles wieder aufzubauen, kommt aus dem Willen des Herrn. Dieser Neuanfang ist eine Kombination zwischen Gott der antreibt und Menschen in Bewegung bringt und der Bereitschaft von Menschen, sich darauf einzulassen. 
Wir als Blumenmönche kennen das aus unserer Geschichte. Da steht am Anfang die Vision, Gott will hier auf dem Berg ein Zentrum für junge und alte Menschen schaffen. Da hatte Gott eine Idee und wir sind mit aufgesprungen. Wir haben uns eingesetzt bis auf die Knochen und es ist ein faszinierendes Werk entstanden. Doch das geschah nicht in erster Linie durch unseren Einsatz, sondern weil Gott uns heiß gemacht hat. Unsere Lebendigkeit lag nicht in uns, sondern es war sein Feuer das in uns brannte. Wenn wir heute durch unsere Räume gehen, klopfen wir nicht auf unsere Schultern und sind stolz auf das was wir geleistet haben, sondern es durchzieht uns ein tiefes Staunen, zu was Gott mit uns in der Lage war. Er hat das Feuer gelegt, er hat lebendig gemacht. 
Wo das himmlische Heer den Herrn anbetet, sieht sie alles Leben als Leihgabe. Der Mensch ist zu Großartigem in der Lage, doch dadurch, weil sich Gott in ihm verwirklicht. Unsere Lebendigkeit ist sein Anzündwunder. Lebendig sind wir dadurch, dass wir durch den Lebendigen Feuer gefangen haben. Diese Lebendigkeit ist widerstandsfähig in allen Querschlägen und Rückschlägen. Dort wo uns in der Regel die Puste ausgeht, ist diese Leihgabe lebenswichtig. Um lebendig zu sein, brauchen wir keine Motivationstrainer, die uns aufkochen und den inneren Schweinehund besiegen, wir brauchen nur die Leihgabe des Lebendigen. Wo Gott heiß macht, geschehen die atemberaubenden Dinge.
Geben wir dem Wort, das uns heute erreichen will, so viel Freiheit, dass es uns lebendig macht?
Einen gesegneten und lebendigen Sonntag wünsche ich euch.

Das „nur“ liebt unendlich 

Ein Liebeslied trägt über die schwersten Stunden.
„Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde.“

Ps. 73, 25
Verliebt sein ist oft das größte Glück zwischen Himmel und Erde. Da sind die Herzen im Ausnahmezustand und schweben im 7. Himmel. Du bist mein ein und alles. Mit dir geht meine Sonne auf. Hinter dir verblasst alles andere. Dein ist mein ganzes Herz. Mit dir blüht mein ganzes Leben. Wie oft wird dieser Zustand besungen, geträumt und ersehnt. Wie viel kommt von diesem Glück im wahren Leben an? Was passiert, wenn ausgerechnet das angebetete Herzblatt enttäuscht, verletzt und seinen Charme verliert?
„Nur Du“ hat Kraft, wenn es steht. Wo Gott zum Du wird, erfährt die Liebe eine neue Dimension. Da fällt die Liebe nicht mitten ins Herz, sondern auf die Liebe in Person. Da potenziert sich die Liebe in ihrer Grenzenlosigkeit. Nur diese Liebe haben, ist das Größte, was je ein Mensch haben kann. Wenn wir alles in dieser Welt hätten, all die Schönheiten der Schöpfung bereisen könnten, den liebsten Menschen an unserer Seite haben, wäre das alles noch weniger als dieses glühende Feuer. 
Dort wo wir alles Glück dieser Welt anstreben, wo wir uns aufbauen an dem Geschaffenen und dem, was wir selbst zu schaffen in der Lage sind; was trägt dann noch, wenn der liebste Mensch von uns geht? Wird da nicht schlagartig alles haben wollen sinnlos? Versenkt das Großartige, das uns erfüllt hat, dann in der Bedeutungslosigkeit? An den Grenzen der Existenz trägt nur noch eine Liebe, die unauslöschbar ist. Wo all das Große und Schöne verblasst, braucht es eine enttäuschungsresistente Liebe. Nur diesen Gott haben, ist größer als Himmel und Erde. Nur Du, ist alles was wir brauchen. Wo wir uns auf dieses kleine „nur“ beschränken, stehen wir in der unendlichen Liebe.
Wir haben täglich die Wahl, ob wir „alles“ oder das „nur‘ wollen. Was wollen wir davon lieben?

Warmer Herzschlag in der Eiszeit 

was ist das für eine Lebensgefühl, wenn ein Kind in den Armen seiner Mutter liegt.
„Der Herr erlöste sie, weil er sie liebte und Erbarmen mit ihnen hatte. Er nahm sie auf und trug sie allezeit von alters her.“

Jes . 63, 9
Aufnehmen und Tragen ist Gottes Eigenart. Wo ein kleines Kind sich selbst überlassen ist, verwahrlost es. Kinder ohne Familie und Heimat sind die ärmsten Geschöpfe der Welt. In einem Sozialstaat wie dem unseren, ein Fall für´s Jugendamt und Internat. In Brasilien werden sie zu Straßenkindern. Wo Gott im Leben der Menschen keine Bedeutung mehr hat, fehlt das Zuhause. Sie werden haltlos und orientierungslos wie Straßenkinder. 
Gott konnte dieser Trostlosigkeit noch nie zusehen. Ihm reißt es das Herz heraus, wenn Menschen planlos und ziellos durch die Weltgeschichte irren. Ihm geht es an die Nieren, wo die Lasten des Lebens zermürben. Er kann nicht mit ansehen, wo Menschen in ihrer Haltlosigkeit, sich gegenseitig das Leben schwer machen. Dem zum Irren verdammten Dasein streckt er seine Arme entgegen. Erbarmen hebt das Verirrte aus dem Staub. Erbarmen ist der warme Herzschlag in die Eiszeit der Welt. Erbarmen verbindet das auf die Nase gefallene Kind. Es ist die Hand, die im Elend heimatliche Nähe schenkt. Wo diese Hände umschließen, verliert der Jammer seine Macht. Dem hilflosen Umherirren wird ein feierlicher Tisch gedeckt. Erbarmen heißt Jesus Christus. In Christus hat Gott wieder Freude am Menschen, sagte Johannes Paul II. Erbarmen entmachtet alles Orientierungslose unserer Tage.
Wenn wir von so viel Erbarmen umgeben sind, warum geben diesen Armen oft so wenig Chancen, uns zu tragen?

In die Sonne springen 

erst wo wir zutiefst über uns erschrecken, wächst die Sehnsucht nach Umkehr.
„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“

Ps. 51, 12
David, der fromme König, bereut in Sack und Asche. In der Konfrontation mit dem Propheten Natan, muss er seine kriminelle Energie erkennen. Vorsätzlicher Mord, nur um eine Frau heranzukommen. Er ist schockiert, von seinen eigenen Abgründen. Im Angesicht Gottes erkennt er einen tiefen Schaden. Vor Gott erkennt er sich selbst.
Wer Gott erkennt, entdeckt sich in seinem abgründigen Potenzial zum Bösen. Auch der fromme Mensch kann da nicht großzügig darüber hinwegsehen, dass hier gewaltige Portionen Hass und Eigensinnigkeiten in einem liegen. Wie schnell sind wir bereit, andere zu verletzen, zu demütigen oder uns zu übervorteilen. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, hier sind nur kleine Fehler in unserer Entwicklungsstufe, die ich Stück um Stück verbessern und ausmerzen muss. Unser christliches Menschenbild zeigt die Gefahr von Mord und Todschlag, wo der Mensch nicht im Einklang mit Gott steht. Menschseiin in sich ist unrein. Da sind die Herzen und Gedanken zu allem fähig. Diese Erkenntnis erhalten wir am Herzen Gottes. Hier fängt ein Mensch an, unter seinem Hang zur Gottlosigkeit zu leiden. Vor ihm erkennen wir, wie abhängig wir von dem Reinen sind. Reinheit aus uns heraus geht nicht, es braucht den ständig Reinigenden und Erneuernden. 
David ringt um diese Erneuerung, er ringt um das beständige Stehen in Gott. Erneuerung ist keine Fehlerkorrektur, sondern die Rückkehr ins Vaterhaus. Es ist die tiefe Einsicht, ohne den Vater lande ich am Schweinetrog. Oder positiv ausgedrückt wie es Luther sagt: Wer Buße tut ist wie einer, der aus einem finsteren Loch in die Sonne springt.
Erschrecken wir noch über unsere kriminelle Energie, die uns Gott ganz an den Hals werfen will?

Glaube ist wie Sterntaler 

dass ein Leben zum Wunder wird, liegt nicht in unserer Hand.
„Ich will auch fernerhin mit diesem Volke wunderbar verfahren, wunderbar und wundersam, und die Weisheit seiner Weisen wird zunichte werden.“

Jes. 29, 14
Wunder geschehen dort, wo es nach unserem Verstehen nicht mit rechten Dingen zugeht. Wie kann ein Volk, wie Israel, nach so viel Krieg, Zerstörung, Vertreibung und Auseinandersetzung immer wieder auf die Beine kommen? Wo Menschen so viel Leid erfahren, sind sie in der Regel so draumatisiert, dass ihnen das ein Leben lang nachschleicht und sie psychische Schäden davontragen. Wie können Menschen nach den Bombennächten von Dresden im zweiten Weltkrieg, wieder eine solch kulturträchtige Stadt aufbauen? 
Wenn Gott will, bleibt kein Mensch in der Asche liegen. Gott will zukünftig wunderbar verfahren, das ist eine Hammer-Aussage. Über dem Scherbenhaufen von Menschen sollen sich Wunder ereignen. Das was eigentlich gewaltsam zu Tode gebracht wurde, soll zu blühen beginnen. Über allem Chaos steht ein „dennoch“. Wo die Lebensweisheit und die Lebensgeister am Ende sind und keine Chance mehr sehen, lacht sich Gott ins Fäustchen und sagt: „jetzt erst recht!“  
Der Glaube fasst dieses Wunder. Das ist weit mehr als eine psychologische Hoffnungsspritze. Das Wunder ist Gottes Lebensart. Im Leben liegt ein stilles Geheimnis, das der Glaube zum Blühen bringt. Der Glaube erkennt das Wunder des neuen Morgens, mitten in der dunkelsten Nacht. Wo Gott wunderbar in die Geschicke eingreift, wird die Schutthalde zum nährstoffreichen Humus. Da sind gerade die widrigen Umstände, der Dünger für Gottes extravagante Kapriolen. Gegen das Wunder ist kein Kraut gewachsen. Das Wunder hat die Durchsetzungskraft eines Sonnenblumenkernes, der die Asphaltdecke sprengt. Der Glaube ist wie Sterntaler, die ihren Schurz aufhält und damit die wundersamen Sterne einfängt.
Sind unsere beschwerlichen Tage Krisen oder Wunder geprägt? 

Der Umbruch im Kopf

Glaube ist weit mehr, als ein billiges „Kopf hoch!“
„Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen.“

Jes. 40, 26
Aus einer Augentherapie wird eine Glaubenstherapie. Manch einer kennt noch das Kinderspiel; ich sehe was, was du nicht siehst. Da steht einem etwas vor Augen, was die anderen erraten müssen. Der Prophet macht ein ähnliches Spiel, doch mit viel größerer Wirkung. Er löst im Denken des Gottesvolkes einen Dammbruch aus. In der Verbannung, in der der Blick nur auf Verfolgung, Ausbeutung und Erniedrigung liegt, reißt er die Köpfe herum. Seht nicht auf das, was euch vor Augen steht und das Leben schwer macht, sondern hebt den Blick. Seht nicht auf das Handeln von Menschen, seht auf das Handeln Gottes. Die Änderung der Blickrichtung ist der Weg des Glaubens. Der Glaube verdreht den Kopf. Er sieht Dinge, die in Gottes Macht stehen. Er sieht Wege, die es noch garnicht gibt. Er sieht das ganze Volk, befreit im verheißenen Land. Der Glaube lebt mit dieser Blickrichtung bereits in einer erfüllten Sehnsucht. Da ist etwas Realität, was noch garnicht da ist.
Wenn ein schwer Kranker, der all die leidvollen Behandlungen einer Chemotherapie durchlebt hat, die Nachricht bekommt: wir haben es geschafft, geschieht etwas Gewaltiges. Er bekommt schlagartig in all seiner Schwachheit und seinem Elend einen unvorstellbaren Energieschub. Der Ausblick auf Rettung, der Blick auf Heilung, multipliziert die Genesung. Der Blick auf das was Gott tut und tun wird, setzt eine Revolution in Gang. Der Glaube ist ein Umbruch im Kopf. Da lebt bereits die Zukunft in der Gegenwart. Da ist der jetzige Augenblick immer größer und weiter, als alle Kurzsichtigkeit. Wer die Augen aufhebt, hat die Hoffnung mit im Boot. Im Aufblicken stellt sich schöpferische Macht gegen menschliche Ohnmacht.
Unsere Blickrichtung entscheidet über Kraft oder Schwäche, über Glaube oder Verzweiflung. Worauf schauen wir?

Regenbogen als Gedächtnisstütze

zum Glück malt Gott bunte Streifen an den Horizont.
„Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“

1.Mose 9,13
Der Regenbogen fasziniert Kinder und Erwachsene. Er weckt die Leidenschaft der Fotografen. Schillernd bunte Streifen sind ein Naturschauspiel, das die ganze Aufmerksamkeit anzieht. Auf dem Weg vom Blumenhaus nach Hause hat er mich regelrecht zur Umleitung gezwungen. Da war schlagartig das Abendbrot und jedes klösterliche Ritual, von diesem Augenblick überrannt worden für ein schönes Bild.
Der Regenbogen verbindet die grassesten Gegensätze. Da ist Regen und Sonne gleichzeitig, da verbindet sich Himmel und Erde, da steht ein Farbspiel direkt vor einer schwarzen Wolkenwand. Es ist der Hoffnungsbogen nach der Sintflut. Gerade dort, wo die Welt kurz vor dem untergehen war, wo alles schwarz in schwarz war, leuchten diese bunten Streifen über dem Leben. Wie phantasievoll malt Gott seinen Bund mit den Menschen an den Himmel. Wir können mitten im Untergang stehen, da fängt Gott an mit Farben zu malen. Je schwärzer die Nacht, umso leuchtender der Regenbogen. Je mehr das Wasser bis zum Hals steht, um so stärker malt Gott mit Farbe. Dieses farbige Wunderwerk ist Gottes Trotz-Bogen. Trotz schlimmster Umstände, trotz Verluste geliebter Menschen, trotz aller Widrigkeiten, die sich gegen uns richten, malt Gott seine Treue an den Horizont. Dieser Bogen steht für einen Bund gegen allen Tod. Der Regenbogen ist das verrückteste Lebenszeichen. Er ist die kraftvolle Hand des Schöpfers, die in schwarzen Wolken gegenwärtig ist. Er nimmt die Angst vor dem Aus. Unter solch einen Bogen atmet die Hoffnung. 
Mit welchen Farben könnte Treue noch stärker in unser Dasein eingebrannt werden? Welches Bild könnte besser gegen allen Zweifel und Unglauben angehen?