Trete mir ans Schienbein

Kurskorrekturen sind hart aber zielstrebig.

„Weise mich zurecht, Herr, aber im Gerichtsverfahren, nicht in deinem Zorn, damit du mich nicht auslöscht.“
Jer. 10, 24

Gott brennt leidenschaftlich für Recht und Gerechtigkeit. Gott liebt das Gute und hasst das Unrecht. Er hasst alles, was aus dem Ruder läuft und sich von ihm, dem Lebenschaffenden abwendet. Er glüht vor Leidenschaft gegen alles, was dem Untergang ausgeliefert ist. Sein Zorn ist seine geballte Emotion gegen Zerstörung und Tod. Sein Zorn ist keine willkürliche Entgleisung, sondern das Wissen, ohne ihn ist das Leben ausgelöscht. Gottes Zorn ist der Rettungsanker, der Schrei gegen das Verderben. Gott kann es nicht ertragen, wenn Leben zu Grunde geht.

Wenn der Mensch das erkennt, wenn er sich erkennt, kann er nur zu solch einem sonderbaren Gebet finden, wie in diesem Wort. „Weise mich zurecht“. Wer bittet schon gerne um Prügel? Wer so betet hat begriffen, wer er selbst ist; ein Mensch voller Abgründe und zu allem Unrecht in der Lage. Ihm ist bewusst, wenn Gott nicht seine Hand nach mir ausstreckt, habe ich keine Chance. Ich brauche Korrektur. Ich brauche ständig eine Kurserneuerung. Ich bin radikal abhängig von seiner Gerechtigkeit und seinem Heil.
„Deshalb Gott, fasse mich hart an, trete mich ans Schienbein, stoße mich vor den Kopf, damit ich kapiere, welch ein hoffnungsloser Fall ich ohne dich bin.“

Harte Wege sind jetzt schmerzhaft, doch meistens sind sie die heilsamen Kurskorrekturen, an denen wir wachsen. Züchtigung hat das Ziel, nicht an Gottes Gerechtigkeit vorbeizuschießen. Deshalb sehen wir Zurechtweisung nicht als persönliche Abwertung, sondern als die Zuwendung, an dem im Unheil etwas von Gottes Gerechtigkeit entsteht.

Warum sollten wir das Schwere, unter dem wir stöhnen nur kurzfristig betrachten, wenn langfristig unsere eigentliche Rettung darin liegt?

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Ein herzhaftes Zupacken

zum Glück gibt´s starke Arme.

„Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!“
Jes. 41, 13

„Ich bin“ ist die absolute Maxime, die über dieser Welt ausgesprochen werden kann. Der Allherrscher persönlich. Höchste Instanz allen Lebens. Es gibt nichts universaleres, als wenn Gott seine Existenz manifestiert. Da steht etwas entgültiges im Raum. Eine Persönlichkeit, die alles ausfüllt. Wo ich bin ist alles da. Ich bin haut einen fixen Anker in die Welt.

Dieses Sein steht dem Menschsein gegenüber. Dem Menschen, der in den Bedrohungen Angst hat, der sich manchen Situationen nicht gewachsen fühlt. Menschen, die unter der Erfahrung stehen: Meine Hände haben nicht alles im Griff. Es gibt da Kräfte und Ereignisse, die stärker sind als ich, die mich in die Knie zwingen.

Gott fasst zu! Er fasst unsere rechte Hand. Das ist genau unsere agierende Hand, unsere schaffende Hand, die Hand, mit der wir unser Leben gestalten wollen und doch an Grenzen stoßen. Gott wird im Zugreifen, im fassen zum Agierenden. Diese universale Macht wird zur Aktivität unseres Armes. Jesus Christus ist dieses Zupacken. Damit richtet Gott in Angst auf, gibt den Mut, wenn unser Mut uns verlassen hat.

Gott hämmert uns regelrecht seine Erlösung ein: Fürchte dich nicht, ich helfe dir! Wir müssen kapieren, unser Durchkommen liegt nicht an uns. Gott will uns von unserem krampfhaften, „sich selber helfen wollen“ abbringen und seine Kräfte zuschießen.

Wollen wir uns weiterhin in den Krisen selber durchwursteln und uns von diesem kraftvollen Zuspruch nicht einfach fassen lassen?

Von Segen verstrahlt

Gottes Energien haben keine Halbwertszeit.

„Was du Herr segnest, das ist gesegnet ewiglich.“
1. Chr. 17. 27

Segen ist der größte Energiefluß, den man sich denken kann. Segen ist hochkonzentrierte Schöpfermacht Gottes. Er beinhaltet Gottes unbändigen Drang für das Leben. Er ist der ungebrochene Wille zum Heil. Segen ist das unaufhaltbare Ja, vom Vater zu seinen Kindern. Er ist das „Ich bin“ Gottes, das zu uns kommen soll. Das was Gott ist und ausmacht, soll in Bewegung bleiben und sich in Menschen beheimaten. Es ist eine Kraftquelle, die sich dort entlädt, wo sie auftrifft. Eine Energie, die sich nicht stoppen lässt, die sich nicht verbraucht. Wir werden von Segen „verstrahlt“, der sich nie mehr verdünnt oder verflüchtigt. Diese Gottesaktivität wird nicht weniger. Einmal gesegnet, immer gesegnet.

Unter diesem Bann stehen wir. Von dieser Zuwendung sind wir umgeben und durchdrungen. Wir können uns gar nicht mehr diesem geballten Heilswillen entziehen. Er ist allgegenwärtig. Er wirkt und will nicht nur als gute Kraft in uns ankommen, sondern in sein Wirken hineinnehemen. Wir werden zum Teil dieses Wirkens. Segen lässt sich nicht aufhalten, er hat den Drang weiterzufließen. Wir selber werden aus Gesegneten, zu Segnenden. Aus uns fließen Handlungen Gottes zu den Menschen, in das Unheil der Welt. Wir sind geballte Ladung Gottesenergie, die andere mit einer ewigen Keimzelle berühren.

Ist unser Rohr verstopft, wenn dieser Segen nicht oder nur wenig durch uns hindurchfließt? Sind unsere Hände unter den Lasten verkrampft, dass sie sich nicht mehr auf Kopf unseres Nächsten legen?

Gott segne euch!

Klug ist Gottdurchlässig

was ist menschliche Größe?

„Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!“
Jes. 5, 21

Menschen streben nach Weisheit und Klugheit. Das Wort setzt eindeutige Maßstäbe, woran diese Werte gemessen werden. Was auf menschliche Weisheit setzt ist dem Untergang geweiht. „In ihren eigenen Augen“ ist ein brüchiges Bauwerk. Alles was Menschen aus sich heraus generieren, besitzt nie tragfähige Kraft. Dort wo der Mensch sich auf sein Wissen, seine Erkenntnis und sogar seinen Glauben verlässt, wird er nichts stabiles aufbauen können. Aus sich heraus kann kein Mensch ewige Weisheit entwickeln. Keiner kann hinstehen und sagen; ich bins, ich habs, ich stehe.

Es geht um die Sicht aus Gottes Augen. Wenn etwas tragen soll, kommt das nie aus uns. Das ist klug, wo der Mensch seine Gottesbedürftigkeit erkennt. Weise ist der Mensch, wenn er gottdurchlässig wird. Echte Größe entsteht im Stehen unter Gott. Da wird nicht das unvollkommene Menschsein zur Maxime gemacht, sondern der ewig gültige Gott. Klug ist, wenn Gottes Spielraum in uns größer wird. Weisheit ist die Umpolung von einem Stehen im Menschen, zu einem Stehen in Gott.

Da entsteht Größe, wo sich der Mensch nicht mehr auf sich bezieht, sich nicht als das wahre Selbst betrachtet, sondern wo er zur Spielwiese Gottes wird. Gott in seiner Weisheit wird in uns zur prägenden Kraft. Das was uns ausmacht, ist der handelnde Gott in uns. Dadurch werden wir zur Liebe fähig. Nur dadurch erfährt die Welt Geduld, sind wir in der Lage alles zu ertragen, können wir eine unmenschliche Hoffnung entwickeln.

Eigentliche Größe kommt nicht aus uns.
Wollen wir nicht darin klug sein, diesem tragfähigen Geist der Liebe viel mehr Platz zu schaffen?

Heil ist näher als Not

es git ein Wissen, das tiefer als unsere Gedanken ist.

„Siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest.“
Ps. 139, 4

Manch einer kennt Torsten Havener, den Gedankenleser. Für seine Gesprächspartner ist es immer wieder frappierend, wie er Menschen erfasst, wo kein Wort gesprochen wird. Große Verwunderung, wenn er erkennt, was in den Gedanken des anderen abgeht.

Gott weiß von uns Dinge, von denen wir uns selber nicht bewusst sind. Er kennt unsere Gedanken, bevor sie unseren Mund verlassen. Er ist uns noch viel näher, als wir uns selber sind. Unser Innerstes liegt vor ihm offen auf dem Tisch. Da ist keine Regung, die er nicht kennt, kein geheimer Ort, zu dem er keinen Zugang hätte. Wir sind durch und durch von Gottesgegenwart erfasst. Unsere Sorgen, Verzweiflung, alle Angst vor der Zukunft, aber auch alles Glück und alle Freude, sind wie Murmeln mit denen Gott spielt. Das was uns drückt und niederhält, ist schon bevor wir darunter leiden, als Priorität A auf seinem Schreibttisch. Es ist uns näher, als wir uns selbst nahe sein können. Das Heil ist uns näher als die Not. Was ist das für ein unfassbarer Zuspruch. Alle Not steht bevor sie überhaupt bei uns ankommt, schon lange vor Gott.

Deshalb brauchen wir nicht viele Worte, wir brauchen ihm nichts erkären, er weiß es. Wir könnten stehen uns getrost sein. Wir können aufrecht gehen und brauchen nicht einknicken, Belastung ist bereits abgefangen, bevor sie uns niederstreckt. Das auf uns Lastende müssen wir nicht selber tragen; der Tragende steht bereits daneben. Diese Nähe verändert unser Beten. Wir brauchen niemand heibeibitteln, sondern im Beten nur die ausgestreckten Hände fassen. Beten ist nicht der Ruf nach einem der kommen soll, sondern die Hingabe und das Vertrauen auf den der da ist.

Wenn Gott alles um uns weiß, warum sollten wir ihm noch Nachhilfeuntericht geben?

Sich Gott an den Hals schmeißen

ein Wort gegen unser absacken.

„Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.“
Ps. 51,13

Ein durchgeschüttelter Mensch steht vor Gott. Ein Glaubender, in der spannungsgeladenen Auseinadersetzung zwischen dem, „ich will und ich kann nicht.“ Hier ist ein Mensch in die Konfrontation gestellt, zwischen der alten und der neuen Welt. Es ist der Punkt, an dem der Mensch erkennt, ich bin selbst zum größten Blödsinn in der Lage. Ich flippe aus, über dem Chaos der Menschen, und der Hinfälligkeit dieser Welt. Ich stoße mich an den kleinen Fehlern der andern und an den großen Entgleisungen der Mächtigen. Ich stehen ganz schnell an dem Punkt, an dem ich unter den Lasten der Tage, mein Leben wegwerfen würde.

Der Psalmbeter ringt mit sich selbst vor Gott. Das ist die größte Gottesstunde, wo der Mensch seine eigene Zerbrechlichkeit erkennt. Wo er sieht, ich lebe nur von dem, dass Gott auf mich schaut. Mich erhält und trägt allein das Angesicht Gottes, das sich mir zuwendet. In seinem Augenmerk auf mich, sind wir nicht mehr die Ausgelieferten.

Der Glaubende ringt um den Gott an seiner Seite, wo er seine Brüchigkeit erkennt. Da ist klar, wenn ich überdauern will, lebe ich allein dadurch, dass etwas Neues in das Alte kommt. Es geht nur mit dem heiligen Geist, es geht nur mit dem Heil von Jesus Christus. Genau dort überschreiten wir die Grenze, die im Schreck über uns selber in uns aufsteht.

So sind wir niemals die Ausgelieferten an unsere Schwachheit, wir sind nicht die Verzeifelten über der Unvollkommenheit der Menschen, sondern immer die, die sich Gott an den Hals schmeißen und um sein Heil ringen. Er verwirft uns nicht, wenn wir kommen, sondern wird zur Kraft unserer Tage.

Was kann uns hindern, gerade wenn es uns durchschüttelt, alles von ihm zu erwarten?

Eine Materie voller Dynamik

wie viel Dynamik liegt in einer Hand voll Erde.

„Wie die Erde hervorbringt, was sprießt, so wird Gott der Herr Gerechtigkeit sprießen lassen und Ruhm vor allen Nationen.“
Jes. 61, 11

Erde ist nicht nur ein Haufen Dreck, sie führt ein wundersames Eigenleben. Wer mit Erde zu tun hat, kennt dieses verrückte Phänomen. Scheinbar tote schwarze Erde, irgendwo hingeworfen, fängt irgendwann an zu treiben. Erde kann man nicht ausbringen, ohne das nach kurzer Zeit Leben entsteht. Es wird auf kurz oder lang grün. Das liegt zwanghaft in der Erde drinn, dass irgenein so vertrockneter Samen explodiert und lebendig wird.

So wird die Gerechtigkeit Gottes beschrieben. Es liegt einfach in der Struktur Gottes gerecht zu sein und Recht zu schaffen. Er kann gar nicht anders. Wo Gott mit Menschen zu tun hat, wo Menschen auf Gott treffen, beginnt eine Interaktion. Gott ist es in die Wiege gelegt, Richtiges hervorzubringen und abgestorbenes neu zu beleben. Gott ist in ständiger Dynamik für das Gute. Er generiert Heil ohne Ende. Er durchdringt die Welt mit seinem Christus. Das ist ein permanenter, unaufhörlicher Prozess, der sich nicht abstellen lässt. Wir können uns dieser „Gutmachungsdynamik“ überhaupt nicht entziehen. Sie schafft und schafft und schafft.

Diese Gerechtigkeit wirkt und wird ausgestreut wird wie Samen. So wie Gott ein guter Boden ist, sind auch wir reagierende Masse. Wo dieser Samen trifft, generiert er Lob. Von der Gerechtigkeit erfasste werden zu Anbetern. Das Gotteslob ist genauso zwanghaft uns selbstverständlich, das aus erfahrerner Gerechtigkeit entsteht, wie das Gras aus der Erde. Die Anbetung ist Gottes Ernte auf seine ausgestreuten Samen.

Wo die Gerechtigkeit kein Lob sprießen lässt, muss der Boden verseucht oder ausgetrocknet sein. Dieser Gottessamen kann nicht bleiben was er ist, er will sich in uns vervielfältigen. Er will uns zum grünen und blühen bringen.

Wollen wir nicht das sein, was wir in Wirklichkeit sind; ein dynamischer Lebensklumpen, in dem Gottes Gerechtigkeit die tollsten Blüten treibt?

Heiliger Schmerz

Röm. 5, 1-5

Heiliger Schmerz

Schmerzen können die Hölle sein. Schmerzen treiben Menschen in den Wahnsinn. Manche Schmerzen wecken eine Todessehnsucht. Wann ist endlich Schluss, mit dieser betäubenden Macht? Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr! Mir raubt das alles den Verstand. Wie viele endlosen Diskussionen gibt es, ab wann Leben nicht mehr lebenswert ist, und ab wann man es legal beenden kann. Zum Glück passiert in der medizinischen Forschung sehr vieles, für eine wirkungsvolle Schmerztherapie.
Doch Schmerz bleibt ein Problem, auch Fromme haben ein Problem mit dem Leid. Leid ist ein Makel, das es zu bekämpfen gilt. Leiden ist schlecht und muss schnellstens aus einem Leben verbannt werden.
Paulus sieht das anders.

1. Gut ist schon klasse

„Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Wir können ihm vertrauen, er hat uns die Tür zu diesem neuen Leben geöffnet. Im Vertrauen haben wir dieses Geschenk angenommen. Und mehr noch: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Diese Hoffnung erfüllt uns mit Freude und Stolz.“
Solche Worte hören wir gerne – so völlig schmerzfrei. Sie sind das Hosianna des Christentums. Auf dieser Fülle der Gottesoffenbarung steht unser Glaube. Hier stehen wir mitten in der von Christus überwundenen Welt, am Anfang eines neuen Daseins. Gott wohnt in einem heiligen Raum. Erschreckend schön, erschreckend erhaben, erschreckend perfekt. Gott verwirklicht sich in der Fülle von Heil. Gott ist die Fülle von Heil. Christus nimmt uns mit hinein, in einen Raum voller Glanz. Wir dürfen da rein, wir sind privilegierte Dauerkartenbesitzer für Gottes heilige Welt. Sie ist kein Wunschtraum, sondern viel wahrhaftiger, als der Mensch sich träumen kann. Da gibt es einen Frieden, der sich jetzt bereits verwirklicht. Da gibt es das heilige Geheimnis, von etwas Ewigem, das schon unter Menschen aufkeimt. Da ist ein unfassbares Licht, das jetzt schon unter Menschen aufblitzt. Das ist Gottes Realität für geschüttelte Menschen.
Damit sich das alles verwirklicht, ist das mühsame Arbeit für beide Seiten. Das geht nur mit einem tiefgreifenden Umbau. Für das Heilige, muss Gott das Unvollkommene auf den Kopf stellen. Das Unheilige des Menschen, verträgt sich nicht mit seiner Herrlichkeit. Er braucht dazu den Schreck, dass der Mensch oft ein Geisterfahrer auf der Straße des Lebens ist. Gotteserkenntnis und das umgeformt werden in diese neue Welt, wird unter Schmerzen geboren.
Gut ist schon klasse, doch

2. Schlimmer ist besser

Wir danken Gott auch für die Leiden, die wir wegen unseres Glaubens auf uns nehmen müssen. Denn Leid macht geduldig,  Geduld aber vertieft und festigt unseren Glauben, und das wiederum gibt uns Hoffnung. 
Danken für Leiden? Welch ein Irrsinn. Wir danken für das Gute, für Geschenke, für das was uns aufbaut und voranbringt. Wir danken Gott für sein Heil und sein Erlösungswerk, für das, dass er uns für seine heiligen Räume vorgesehen hat. Und jetzt danken für das Schlechte, für das was kaputt  macht, für die Ausgeburt des Bösen, die sich an uns austobt? Danken für das Elend, für das Missverstehen, für unerträgliche Schmerzen, die unseren Glauben durchschütteln, und unser Gebet verstocken lassen?
Glauben muss leiden, sagt Paulus. Nicht, das kann unter Umständen auch einmal vorkommen, nein, Glauben und Leiden gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Wer glaubt, kommt nicht um Leiden herum. Leid ist die Trauer einer von Gott abgefallenen Schöpfung. Es ist das ausgeliefert sein an das sündige Menschsein. Es ist das Aufleiden, wie Rilke es ausdrückt, des Unfalls im Garten Eden. Leiden ist das große Los des Unvollkommenen. Leiden isoliert betrachtet, wäre der Untergang des Guten. Leiden im Angesicht Gottes betrachtet, nährt die Hoffnung und baut das Gute. Leiden stellt zuerst unter Gott. Es führt den Menschen an seine Grenze und verschafft Gott einen größeren Handlungsspielraum. Leiden führt direkt zum 1. Gebot.
Das Leiden ist eine Leistung, eine Aufgabe, die es zu bearbeiten gilt. Im Leiden lernen wir, dem Leben keine Fragen zu stellen, sondern mit unserem Leben zu antworten. Gott will unsere Antwort, und ringt im Ausnahmezustand unseres Lebens um unser ja.
Viktor Frankl schreibt aus seinem KZ-Erleben: „Wir lehnten es ab, das Leid zu verharmlosen oder zu verniedlichen und uns darüber hinwegzutäuschen etwa durch billigen verkrampften Optimismus. Für uns war das Leiden zu einer Aufgabe geworden, die wir nicht mehr als sinnlos betrachten wollten. Tränen bürgten dafür, dass einer den größten Mut hatte: den Mut zum Leiden.“
Diesen Mut hatte Christus. Sein Leiden hatte den Sinn, eine ganze Welt von Schuld zu befreien. Reich Gottes wird in die gottlose Welt hineingelitten. Leiden ist nicht nur menschlich, sondern christlich, sogar göttlich. Leiden ist die Fruchtblase aus der neues Leben geboren wird. Wer Leiden als Leistung, als Aufgabe erkennt, wird darin nicht zerstört, sondern darunter ausreifen und in ein verändertes Dasein hineinwachsen. Wo sich Menschen dem Leiden stellen, gedeihen die Geistesgaben, von denen Paulus an anderer Stelle spricht. Leid macht geduldig, vertieft und festigt den Glauben und gibt Hoffnung. Die eigentliche Tragfähigkeit im Leben geschieht nicht durch die Geschenke, die wie Öl an uns herunterlaufen, sondern durch Lasten, die unsere Stabilität erhöhen.
Wer sich gegen Leiden wehrt, verabscheut das Kreuz Christi. Wer nur einen Halleluja Christus will, ist ein Flachwurzler, den es bei jedem Windhauch umhaut, der nicht für die Ewigkeit geschaffen ist. Er untergräbt seinen eigenen Tiefgang und die Ausreifung zur Herrlichkeit. Leid ist eine Wunderwaffe im Reich Gottes, die die eigentlichen Voraussetzungen für einen gefestigten Glauben und eine atemberaubende Hoffnung legt.
Darum ist Schlimmes so gut, weil es das Beste für uns vorhat.

3. Unmenschliche Reife

Und diese Hoffnung geht nicht ins Leere. Denn uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.“
Ohne Leiden wäre der Mensch hoffnungslos. Vieles ist dadurch sinnlos und leer, weil wir voll sind. Es findet keine Verformung zu einem Gefäß statt, das er mit Liebe füllen kann. Wo diese Lebensprozesse ausfallen, oder Menschen unter dem Leid eine Opferrolle einnehmen, ist der Zerbruch vorprogrammiert. Das Leid schickt den Menschen nicht in die Wüste, sondern in das Heilige Land. Der Luftleere Raum, die Perspektivlosigkeit, das mürbe und ausgelaugte, will er ausfüllen mit seinem Geist. Durch den Kreuzweg will er seine Christus-Stationen in uns aufbauen. Es reicht nicht, alles über die Erlösung von Christus zu wissen, und Gott dankbar zu sein, für all das großartige, das er schafft uns mit uns vorhat, er will Reich Gottes in mir. Gott ist kein Unterhalter, dem alle zuschauen, was er für tolle Sachen macht, und darüber in Verzückung geraten, das ist nicht Kirche und Gemeinde, sondern dort wo Gott im Schmerz sich im Einzelnen vergegenwärtigt. Leiden ist die Platzreservierung des Heiligen Geistes in mir. Unter den Lasten buchstabiert sich der Christus in die Nacht unserer Tage.
Genau durch diese scheinbar kontraproduktive Praxis breitet sich in uns ein Kraftfeld aus, das wir aus uns nicht generieren können. Es erschließt sich ein heiliges Reservoir, für den, der Gott nichts mehr zu bringen hat. In uns reifen Gaben heran, die wir uns niemals antrainieren können. Unser Leben gewinnt eine Qualität, an der sichtbar wird, dass hier eine andere Welt wirkt. Diese hoffnungsvolle Ausstrahlung kann nur ein Leben zum Ausdruck bringen, das ein Ja zu einem heiligen Schmerz findet. Leid ist nicht schlecht, sondern die wichtigste Nahrung, dass Gottes Geheimnis in uns reift. Schmerzen müssen sein, damit ein Raum entsteht, den Gott mit Liebe füllen kann.
Kann man sich da noch ein nur gesundes, harmonisches Leben wünschen, wenn wir gerade unter Lasten hoffen und glauben lernen? 

Eintagsfliege mit Biss

ich bin dann mal kurz auf der Erde in Ferien.

„Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht.“
1. Chron. 29, 15

Daheim ist daheim. Auf der Erde haben wir nur Flüchtlingsstatus. Wir sind gerade mal flüchtig hier, so quasi im Vorbeigehen auf dieser Welt. Kommen,  gehen und wieder weg. Ein schattenhaftes Vorbeihuschen. Heute da, morgen fort. Nichts bleibt, nichts ist für die Ewigkeit bestimmt. Eintagsfliegen, alles brüchig. Wir sind rechtlos, schutzlos, unbeständig.

Welchen Wert geben wir diesem Schatten, diesem Gasthaus wo wir grad eben mal sind?

Unser Leben spielt sich wo ganz anders ab. Heimatgefühle haben wir nicht in der Fremde, sondern in unserem Zuhause bei Gott. Wir kommen aus der bleibenden Stadt. Da spielt unsere Musik. Unsere Heimat heißt Herrlichkeit. Wir kommen aus der Welt der unendlichen Liebe, des Friedens und des unauslöschlich Guten. Wir kommen aus dem, was einzig beständig ist. Wir müssen uns das immer wieder vor Augen malen, dass nicht das Zuhause aus dem wir kommen die unglaubliche Scheinwelt ist, sondern dieser Übergangsweg, auf dem wir jetzt sind. Wir sind Kinder des Lichtes, das steht in unserem Diplomatenpass.

Dieser Status prägt die Einstellung und unser Umgang mit dieser schattenhaften Welt. Wer ein Zuhause hat, braucht hier nur ein Gästehaus oder Übergangswohnheim. Wir leben hier, wir bringen uns leidenschaftlich ein, als die Gäste mit einer anderen Währung. Wir sind hier, sind jedoch Vertreter eines anderen Staates. Was wir tun, trägt die Handschrift unseres Heimatlandes. Das was uns hier umgibt, hat für uns den Wert einer Urlaubswohnung. Wir richten sie uns schön ein, wissen jedoch, dass wir bald wieder abreisen.

Die Qualität unseres Lebens bestimmt die Welt Gottes, zu der wir gehören. Das gibt dem Hiersein die Farbe und den Glanz und das betrachtet den Unfrieden dieser Welt genauso als schattenhaft und übergänglich. Wir leben als die Flüchtigen fest, aus dem Stand in einer anderen Welt.

Wenn wir von solch einem Zuhause kommen, gibt das nicht unserem Leben noch viel mehr Biss und Bodenständigkeit?

Charme eines englischen Gartens

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Losung

es gibt Sicherheit und Unbeschwertheit, wenn ein Haus richtig bewohnt ist.

„Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben.“
Ps. 46, 5-6

Wenn wir nach Syrien schauen sind Städte und Wohnungen nur noch Trümmerfelder. Gott plant einen Immobilienmarkt, der sich nicht so einfach zuschütten lässt. Stadt Gottes ist die Gemeinschaft der Glaubenden. Kirche und Gemeinde sind ein Verbund, die unter einem besonderen Stern stehen. Bei den Wohnungen, die da errichtet werden, gilt ein völlig anderes Statikkonzept. Da wird ein unverwüstliches Material verbaut. Menschen, die sich zu einer heiligen Wohnung ausbauen lassen, beheimaten den Statiker selbst. Gott wird der Eigentümer und gibt brüchigen Baustoffen die Festigkeit. Menschen sind baufällige Wohnungen, die durch den Einzug des Christus, etwas Heiliges bekommen. Die bröselige Bimsstruktur erhält durch den Hausherren Granitfestigkeit.

Mit dieser Statik baut Gott Städte, die dem Bombenhagel des Lebens trotzen. Mitten in allen Stürmen bleibt die Unbeschwertheit. Da entwickelt sich in aller Bedrohung der Charme eines romantischen, englischen Gartens. Es lässt sich in Existenzängsten die unbekümmert, poetische Schönheit des Daseins erleben.

Fein lustig können die bleiben, bei denen der Höchste drin ist. Dieses dennoch, ist die Statik unserer Kirchen und unseres Lebens.

Warum sollten wir uns da nach einer anderen Immobilie umschauen?