Verlässlichkeit schnappen

Wer von Treue umschlossen ist, den kann nichts umhauen.

„Auf dich hoffen, die deinen Namen kennen; denn du verlässest nicht, die dich Herr suchen.“
Ps. 9,11

Da ist jemand hocherfreut und überglücklich. Und das, weil er kein Verlassenheitsgefühl mehr kennt. Du verlässt nicht, ist eine der wertvollsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Jemand an der Seite zu haben, dem mit einem durch dick und dünn geht, ist mehr als beruhigend. Das ist das Große an Gott, dass er erst recht zu denen steht, die einen Bock geschossen haben, die ihm gegenüber mit Untreue glänzen. Dort wo wir uns vom anderen zurückziehen, wenn das Miteinander nicht mehr funktioniert, bleibt Gott unbeirrt. Wo wir meinen, das wird nichts mehr, das hat sowieso keinen Wert weiter zu hoffen und sich Mühe zu machen, da muss eine Trennung her, ist Gott nicht abzuschütteln. Du verlässt nicht, ist ein Ja-Wort in Stein gemeißelt. An ein Abrücken ist nicht zu denken. Gott ist mit einem Menschen verheiratet; und einmal verheiratet ist immer verheiratet. Wer nicht verlässt, auf den ist tausendprozentig Verlass. Gott hat sich zu diesem Ja verpflichtet und somit gilt es für alle Zeit. Die wahre Liebe kann nicht untreu sein. Ich bin dein, ist die Liebeserklärung, die über jedem Leben steht. Geliebte haben eine Rückendeckung vom Feinsten. Darin liegt alles, was das Leben aufbaut. Wer nirgends verlassen ist, hat nicht mehr zu befürchten. Wo zwei wie Pech und Schwefel zusammenhalten, hat die Angst keinen Platz mehr. Wo Gott nicht verlässt, gibt es keine Situation, der wir nicht gewachsen wären. Da steht keiner neben mir, der einem ständig das Gefühl gibt, du bist nicht gut genug, das muss man besser machen, wenn sich das nicht ändert, dann trenne ich mich von dir, sondern da liebt einer trotz Schuld. Wo Gott nicht verlässt, da verlässt uns gerade auch die Vergebung, die Erlösung und das heil machen nicht. Da ist konstant alles da, was ein Mensch in all seiner Schwachheit braucht.

Diese Verlässlichkeit gilt jedem Menschen, sie steht allen ohne Ausnahme allen zur Verfügung, jedoch erfährt sie der Suchende. Nicht verlassen ist derjenige, der sich auf den Namen verlässt. Dieser Name ist Christus. Christus verwandelt das Verlassenheitsgefühl, das jeden Menschen aushöhlt, der seine Ängste mit sich ausmacht. Der Treue müssen wir einfach trauen. Der Glaube beißt sich an dem „nicht verlassen“ Gottes fest. Wenn Gott derart treu und zuverlässig ist, liegt es einzig an uns, wenn wir uns verlassen vorkommen. Wo der Mensch seine Hilflosigkeit beklagt, beklagt er in der Tiefe seinen Unglauben. Wo er sich ausgeliefert vorkommt, hat er sich nicht an den Namen ausgeliefert. Wo alles hoffnungslos erscheint, hat nicht Gott uns verlassen, sondern eher umgekehrt. Was die Treue Gottes auslöst, wie fest sie macht, wie sie den Mut in den Krisen nicht sinken lässt, erfährt der, der sie ergreift. Es ist genügend Verlässlichkeit da, wir brauchen sie nur zu schnappen.

Warum suchen wir nicht gerade dort, wo es uns ans Eingemachte geht, diese Verlässlichkeit?

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Schämen ist heilsam

Wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über.

„Du wirst an deine Wege denken und dich schämen, wenn ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht Gott der Herr.“
Hes. 16, 61. 63

Haut uns das Erbarmen Gottes noch um? Wenn Gott alles vergibt herrscht Ausnahmezustand. Da ist die Front bereinigt, da herrschen klare Verhältnisse, da hat Gott den Menschen in seinen ursprünglichen Status zurückversetzt. Da ist der Mensch voll auf Schöpferkurs. Das Abartige, das aus dem nicht klar kommen mit Gott, das Leben heruntergewirtschaftet, gedämpft und eingeschränkt hat, ist weg. Im Vergeben gibt sich Gott ganz dem Menschen zurück. Es ist die höchste Form des Gebens, die alles gibt, was sie hat. Im Vergeben hält Gott nichts mehr zurück, was ihm von dem Menschen abschrecken könnte. Er gibt sein ganzes Ja in alles Nein. Vergeben überstülpt den andern mit grenzenloser Liebe. Vergeben hat aufgehört zu rechnen und anzuklagen. Sein Vergeben gibt sein Bestes – Christus. Christus ist die Liebe ohne Gegenleistung. Sie ist in sich die Leistung die Gott erbringt, um sich nicht mit verkrachten Tatsachen abzufinden. In der Vergebung liegt die völlige Unabhängigkeit von aller Schuld der Welt. Die Vergebung entmachtet das Böse. Allem Unguten wird damit die Luft abgelassen. Wo das weite Herz vergibt, schlagen Angriffe ins Leere. Vergebung entwaffnet alles Säbelrasseln. Sie ist die stärkste Macht, gegen allen Unfrieden in der Welt. Durch Vergeben stehen wir an dem Schöpfungsmorgen, bei dem alles sehr gut war. Sie schafft den Ursprung, mit dem Gott dort beginnt, als wäre nie etwas gewesen. Gott bewahrt sich dadurch sein kindliches, unbefangenes, offenes Herz. Wer vergeben kann, ist das freieste Geschöpf der Welt.

Es muss uns heiß und kalt werden, wenn solch ein Erbarmen aufleuchtet, angesichts unseres Festhaltens an alten Zöpfen. Wie verkrampft ist oft unser Denken, wie belastet unser Miteinander. Wenn wir sehen, wie die Probleme unserer Tage uns gefangen nehmen, fragt man sich, wo bleibt diese königliche Freiheit eines Herzens, dem die Lasten abgenommen wurden. Wo lebt denn die Vergebung, wenn jeder Fehltritt aufgestapelt wird, damit dicke Mauern wachsen? Wo uns dieses Wunderwerk der Vergebung aufgeht, werden wir an die vielen Wege denken, die wir verbaut haben und uns schämen, wie uns unsere Hartherzigkeit klein gehalten und gefangen genommen hat. Wir müssen in der Tiefe unseres Lebens erschrecken, wie viel wir von unserm kostbaren Dasein verschleudern, wenn wir nicht aus der Vergebung leben. Wir betrügen uns um unsere Unbefangenheit, und dass wir jeden Morgen, ungeachtet was gestern war, frisch beginnen können. Wir müssen uns schämen, welchen Ballast wir unnötigerweise mit uns herumschleppen. Wo Gott vergibt, liegt die Seligkeit auf unserem Tag. Da ist das Miteinander von Barmherzigkeit schwanger. Wer die Vergebung in den Händen hält, spielt mit einem Instrument, das zu einem unbestechlichen Jubel ansteckt. Wessen Herz mit Barmherzigkeit überfüllt ist, dessen Mund kann nur überlaufen.

Dürfen wir uns angesichts solchen Erbarmens, nicht immer wieder schämen, was wir für ein erbärmliches Dasein führen?

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Kehrtwende der Gedanken

Das sind Umbrüche, wenn die Kleingläubigen wie Zachäus auf die Bäume steigen, um ihren Horizont aufzubrechen zu lassen und den Meister ihres Lebens sehen.

„Der Übeltäter lasse von seinen Gedanken und bekehre sich zum Herrn, denn bei ihm ist viel Vergebung.“
Jes. 55, 7

Der Mensch hat etwas in sich, von dem die Wenigsten Gebrauch machen; Umdenken und Umkehr. Es ist etwas möglich, was kaum einer glauben kann, dass von heute auf morgen, sich etwas radikal verändern kann. Ein Mensch kann schlagartig seine Richtung ändern. Ein Halsabschneider wie der Zöllner Zachäus, der heimlich auf einen Baum steigt um Jesus zu erleben, erlebt einen völligen Umbruch seiner Persönlichkeit. Dort wo wir oft meinen, manche Menschen ändern sich nie, oder es ist ein langer Prozess für eine Entwicklung zum Besseren nötig, werden wir hier eines besseren belehrt. In einer Gottesbegegnung ist ein Umbruch von jetzt auf sofort möglich. Alles beginnt im Kopf. Dort wo ein Mensch, seine bisherigen Gedanken lässt und neue Gedanken zulässt, kommt es zu völlig neuen Handlungen. In der Gotteserkenntnis wird der Mensch anders gestrickt. Wo ein Mensch sich selbst und Gott erkennt, geschieht die größte Veränderung. Der Abzocker Zachäus erkennt, wie tief er den Leuten in die Tasche gegriffen hat, wie schamlos er seine Position ausgenützt hat und auf welch wackeligen Füßen sein Ergaunertes steht. Diese Erkenntnis schafft den Durchbruch, die Hälfte seines Vermögens, den wirklich Bedürftigen zu geben, und den bewusst Betrogenen ihr Geld zu 400% zurückzuzahlen. Tiefgreifender und radikaler kann ein Umbruch kaum mehr sein. Da ist die bisherige Persönlichkeitsstruktur nicht wieder zu erkennen. Und das lediglich dadurch, dass er von seinen Gedanken lässt und sie anders ausrichtet. In den Gedanken sitzt der Butzen für Veränderung. Was in unserer Grundeinstellung ab geht, prägt das Ergebnis, das hinten herauskommt. Wo Übel herauskommt, sitzt das Problem in den Gedanken. Missstände sind nicht das Problem der Umstände, sondern des Knoten im Kopf. Wo sich Gedanken verändern, verändert sich die Welt. Daher legt die Bibel so massiv den Finger auf Umkehr. Wo die innere Ausrichtung, die im Kern unsere Person liegt, einen Umbruch erfährt, werden schlagartig die Ergebnisse allen Tun anders. Mit umgebrochenen Menschen entsteht Reich Gottes, entstehen die genialen Gedanken die Gott mit den Menschen hat. Da kann Jesus nur noch zu Zachäus sagen: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren.

Wer nicht von seinen Gedanken lässt, braucht auch nicht auf irgendwelche Veränderungen hoffen. Verändere deine Gedanken und du wirst sehen, dass sich das Miteinander verändert. Die Kehrtwende der Gedanken, setzt das Potenzial frei, das Gott für alle Erneuerung in den Menschen gelegt hat. Die Christusbegegnung kann nichts lassen wie es ist.

Warum tun wir uns oft so schwer, in unseren Gedanken umzukehren?

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Worte, die Licht anmachen

Für Gott ist es völlig normal, den Schuldigen zurechtzulieben.

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“
2.Mose 20, 16

Gott arbeitet tagtäglich mit Abweichlern. Gott kennt keine anderen Menschen als solche, die nach dem Apfel greifen. Er arbeitet an denen, die ihren Bruder erschlagen, mit anderen, die ihn verschachern und zum Sklaven machen, oder solchen, die den Vater ums Erbe betrügen. Er macht Geschichte mit denen die ihn verspotten und verlachen und mit denen, die ihn ans Kreuz nageln. Er pflegt einen völlig anderen Umgang mit den Widerspenstigen, mit den Trixern und Mördern. Er bleibt sich selbst treu und lässt sich nicht von Schuld prägen, lässt sich nicht vom Spott zum Spötter machen. Liebe lässt sich nicht abschrecken und bleibt dem Sünder zugewandt. Die umwerfende Art der Liebe ist aufzurichten statt zu verdammen. Jede Verfehlung zeigt ihm nur noch mehr wieviel Hilfe nötig ist. Schuldig werden heißt für ihn nicht, die Liebe zu entziehen. Im Gegenteil, das sieht er sich richtig gefordert. Versagen braucht die Handreichung nicht die Verurteilung. Gott will das geknickte Rohr nicht zerbrechen. Er hat in der Tiefe des Abgrundes noch immer Versöhnung vor Augen. Er will im Unfrieden Frieden schaffen, im Irrtum die Wahrheit aufleuchten lassen, im Hass die Liebe verschwenden.

Das ist der Auftrag der Glaubenden, Werkzeuge des Friedens zu sein. Somit ist der Umgang mit den Verfehlungen des Nächsten sogar in den zehn Geboten geregelt. Wo Menschen leben gibt es genügend Zündstoff, bei dem man sich ständig in die Haare kriegen kann. Es funkt und scheppert, es wird beleidigt und missachtet, man selbst ist verletzt und gekränkt und schon ist das schönste Feuer unter dem Dach. Dieses persönliche beleidigt sein, treibt dann herrliche Blüten. Die Zunge weiß dann sehr schnell, wie unerträglich und ungemütlich der andere ist. Paulus dreht hier den Spieß um: Wenn ein Mensch von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist. Nicht zuschlagen, sondern zurechthelfen. Das falsche Zeugnis macht den andern kleiner, die Liebe macht ihn größer. Die Liebe entwickelt Phantasie und Gespür, was in einer verfahrenen Situation die Hilfe sein kann. Manchmal schweigt die Liebe einfach und erträgt geduldig die Schläge, wie ein Amboss viele Hämmer zerbricht, weil er willig ihre Schläge erträgt. Wenn wir über andere reden, ist es hilfreicher nur das Gute weiterzugeben und wenn wir im Augenblick nichts Gutes sehen, einfach zu schweigen. Andere verbal in die Pfanne hauen, kann niemals Hilfe sein. In allen mitmenschlichen Spannungen kann das Franziskus-Gebet Hilfe sein. Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man sich hasst, dass ich Licht anzünde, wo die Finsternis regiert. Dann haben wir das richtige Zeugnis auf unseren Lippen.

Wo sind unsere subtilen, oft fein versteckten Worte, die Lichter ausgehen lassen, statt anzünden?

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Soli deo gloria

Gott allein die Ehre zu geben, klingt seit Jahrhunderten durch die genialste Musik aller Zeiten.

Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deiner Gnade und Treue willen!“
Ps. 115, 1

Schon die Beatles ließen sich seinerzeit durch einen der größten Komponisten inspirieren, Johann Sebastian Bach. Sein Markenzeichen war das „soli deo gloria“, das er unter jedes seiner Werke setzte. Sein begnadetes Schaffen sollte in allem das Sigel tragen: Gott allein die Ehre. Jede Note, jeder Akkord diente den Menschen zur Freunde und war die höchste Verneigung vor seinem Schöpfer. Seine ganze Existenz war Klang und Ehre. Bach lebte als Begnadeter, der nichts machen, sondern Durchfluss eines Höheren sein wollte. Seine Genialität war nicht hausgemacht, sondern aus dem Himmel geschenkt. Er war ein Bereiter, ein Offener, der lediglich das, was in der ganzen Bandbreite auf ihn zugeflossen ist, hat weiterfließen lassen. Seine Größe ist der Fingerzeig auf den Großen, bis heute. Wo Gott durch sein Tun und Lassen die Ehre wird, ist der Mensch im Zentrum seiner Erfüllung. Da ist der Glaubende im ersten Gebot Zuhause. Da ist Gott der alles Prägende und Gestaltende. Er wird zum Pulsschlag seines Schöpfers. Wo der Mensch sich zurücknimmt, haben die Gaben von Gott immer mehr Platz. Wo die Gnade Raum findet, wird das was Gott im Menschen schafft vervielfacht. Da explodieren die Gaben, weil der Meister selbst sich ans Werk macht. Im Zurücknehmen der eigenen Ehre, wird ein Mensch größer. Das größte Werk geschieht in Jesus, der sein Leben in dem Gebet zusammenfasst: Dein Name werde geheiligt. Wir sind zur Ehre Gottes geschaffen. An uns soll Gott sich verherrlichen. Wir leben um Gott, um Christus, um die Gnade und Treue aufleuchten zu lassen. Um etwas ewig bleibendes in dieser vergänglichen Welt zurückzulassen.

Wo wir unsere Ehre suchen, darauf achten, gut da zu stehen, versperren wir diesen Gaben den Zugang. Menschen, die sich selbst nur wichtig sind, die sich herausstellen müssen, zeigen dadurch nur, wie wenig ihnen aus der Gnade zufließt. Sie machen sich zu Schaustellern ihrer eigenen Werke. Sie kämpfen krampfhaft um Ansehen und Beachtung, weil sie mehr nicht zu bieten haben. Wer um seine eigene Ehre und Macht kämpft, zeigt seine Unbereitschaft sich füllen zu lassen. Wer die eigene Ehre sucht muss andere klein halten, um Größe zu zeigen. Die eigene Ehre macht Menschen kleiner als sie sind. Wo wir Gottes Ehre suchen, braucht sich keiner verteidigen, wenn seine Ehre angekratzt wird. Wieviel ehrenkäsigen Krampf gibt es auch in den frommen Gemeinschaften. Wieviel beleidigt sein, wenn man nicht genügend Beachtung findet. Es ist eine Frage der Ehre wie das Leben verläuft. Wo Gott die Ehre wird, erklingt aus einem Leben ein befreiendes: Jauchzet, frohlocket!

Wenn so viel Gaben bereit stehen, die sich in uns entfalten wollen, können wir da noch zuhalten?

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Die Blinde Kuh

24.06.18 – Petr. 1, 8-12 

Spielen wir doch mal die Blinde Kuh! Ein Suchspiel für Kinder, das bereits im Mittelalter ein Gesellschaftsspiel für Erwachsene war und einige Maler zu historischen Werken bewegte. Ein Spieler bekam die Augen verbunden und hatte sich durch den Raum hindurchzutasten, um Mitspieler zu erwischen. Wer von ihm berührt wurde, musste stehen bleiben. Durch das Erspüren des Gesichtes, musste der Mitspieler erkannt werden, um dann als Nächster die Blinde Kuh zu sein.

Nicht sehen und doch den anderen erkennen, ist nicht nur ein interessantes Spiel, sondern offenbart das Geheimnis des Glaubens.

  • Berührt werden

Gott ließ sie wissen, dass diese Offenbarungen nicht den Propheten galten, sondern euch selbst. Nun sind sie euch verkündet worden, und zwar von denen, die euch die rettende Botschaft gebracht haben. Gott hat sie dazu durch den Heiligen Geist bevollmächtigt, den er vom Himmel zu ihnen sandte. Diese Botschaft ist so einzigartig, dass selbst die Engel gern mehr davon erfahren würden.

Wo Gott offenbart, gibt es Geheimnisse, die kein Mensch kapiert. Für Gottes Sache ist die menschliche Intelligenz blind. Wo es um das Reiches Gottes geht, spielt der Mensch Blinde Kuh. Da sind die Augen verbunden; da gibt es nichts zu sehen, nichts zu verstehen und nichts zu begreifen. Mit allem Wissen, mit allen Wissenschaften kann man Gott nicht näherkommen.  Gott ist mit keinem Studiengang zu erforschen. Hinter das Geheimnis Gott kommt kein Mensch. Die Absicht Gottes lässt sich von keinem Computer entschlüsseln. Wer meint, Gott zu verstehen, hat von ihm noch nicht das Geringste verstanden.

Die erste Voraussetzung für eine Gottesbegegnung ist, sich selbst als blind und tastend zu erkennen. Da wo alle Meinungen über Gott wegfallen, geschieht Offenbarung. Wo der Mensch nichts weiß, lässt Gott wissen. Alles Weisheit von Gott ist nicht lernen, sondern Inspiration durch ihn selbst. Der Geist ist der Wächter über Gottes Geheimnisse. Da berührt nicht der Blinde den Schöpfer, sondern wird von ihm berührt.

Wo der Geist berührt, sehen Propheten Dinge, die die Sehenden nicht sehen können. Im Offenbaren geht Gottes Schatztruhe auf. Gott lässt sich ins Innerste seiner umfassenden Heilsgedanken blicken. Wo Gott offenbart, schauen wir in das Herz, das bis zur Selbstaufgabe liebt. Unter dieser Offenbarung redet ein Mensch, als würde er von einem anderen Stern kommen. Das ist so außergewöhnlich, so unfassbar, dass selbst die Engel danach Schlange stehen. Wo Gott sein Heiligstes offenbart, zittert die irdische und himmlische Welt. Da knistert Herrlichkeit auf verbrannter Erde. Da werden Netze prallvoll, und Tausende von ein paar Broten und Fischen satt. Da werden Tote lebendig. Im offenbar werden, platzt die Erde aus allen Nähten. Das Wissen um Gott ist immer das berührt werden durch den Geist. Vollmacht ist das berührt worden sein durch das Wort, das Menschen zum Überlaufen bringt.

Gott berührt die nicht Sehenden.

  • Tasten durch die Blindheit

In ihnen wirkte bereits der Geist von Christus. Er zeigte ihnen, dass Christus leiden müsste und danach Ruhm und Herrlichkeit empfangen würde.

Wo der Geist wirkt, kommt hilfloses Tasten, mit geführt sein zusammen. Da ist einer blind und sieht trotzdem. Er sieht Leiden mit Herrlichkeit zusammen. Es ist herrlich, sich in einem elenden Zustand zu befinden und doch geführt zu sein. Die Erfahrung von Schmerz, von Hilflosigkeit, von ausgeliefert sein, führt unmittelbar zu Gott. Das Tasten durch die Blindheit gehört wie Essen und Trinken zum Leben.

Christus musste sich durch die Dunkelheit der Welt leiden, um zum Licht der Welt zu werden. Ohne das Leiden Christi kann keinem Menschen Herrlichkeit offenbart werden. Nur unter dem Zerbruch dessen was uns vor Augen steht, können wir das sehen, was in Gott ist. Herrlichkeit ist so umfassend, so klar, so leuchtend und alles durchdringend, dass alles was nicht nach Herrlichkeit aussieht wegbrechen muss. Die Blinden, die sich durch diese Welt tasten, müssen auf den Kuhstall stoßen, wo Herrlichkeit das Licht der Welt erblickt. In der Krippe fallen zwei Welten aufeinander. Da beginnt der Leidensweg für die Herrlichkeit. Am Tag der Geburt Christi fängt bereits der Kreuzweg an. Das Licht der Welt musste seinen Weg über Golgatha gehen. Das Licht in sich, konfrontiert die Finsternis. In Christus selbst, liegt sein Kreuzweg begründet. Wer aus Herrlichkeit ist und auf Herrlichkeit zugeht, muss die Finsternis zerlegen. Das Kreuz ist für den Glauben unabwendbar.

Dort wo ein Mensch zur Gottesgegenwart in dieser Welt aufbricht, wird der Weg härter und schwerer. Alles in unserem Leben, ist ein umgestaltet werden auf die Herrlichkeit zu. Da reibt sich das Göttliche am Menschlichen. Das geht nicht mit erbaulichen Gesprächen bei festlichem Essen. Um den Leidensweg kommt der Nichtsehende nicht herum. Herrlichkeit will reifen. Herrlichkeit reift in den Konflikten unserer Tage. Sie wächst unter den Schmerzen unserer Krankheit. Sie offenbart sich im Untergang der Welt.

Daher brauchen die Tastenden …

  • Glauben im Wahnsinn

Ihr habt ihn nie gesehen und liebt ihn doch. Ihr glaubt an ihn, obwohl ihr ihn auch jetzt nicht sehen könnt, und eure Freude ist herrlich, ja, grenzenlos, denn ihr wisst, dass ihr das Ziel eures Glaubens erreichen werdet: die Rettung für alle Ewigkeit. 

Glaube ist paradox. Er ist ein Leben im Widerspruch zu sich selbst. Wir lieben Menschen, die wir sehen, wir glauben ihnen, weil wir sie kennen und gehen dabei trotzdem heillos baden. Das geschieht nicht unbedingt, weil wir zu blind oder blauäugig waren, sondern weil wir ihnen trauten. Wenn wir jedoch jemand lieben, den wir noch nie gesehen haben, und ihm glauben und vertrauen, obwohl wir ihn nicht sehen können, sind wir entweder Gaukler oder Selbstmörder. Keine Bank der Welt würde auf der Basis auch nur einen Cent herausrücken.

Glaube baut auf eine Sicherheit, die unsere Grundrechenarten völlig verlässt. In der Liebe zu Christus, kann ein Mensch etwas sehen, was nicht sichtbar ist. Da findet eine Einspeisung der Herrlichkeit statt. „eure Freude ist herrlich, ja grenzenlos“. Herrlich ist der Griff nach Herrlichkeit. Im Glauben an Christus findet der Übergriff in das darüber hinaus statt. Da sind Dinge real, die wir nirgends sehen können. Diese Liebe lebt in ihrer Enttäuschung, in einem enttäuschungssicheren Raum. Sie lebt im ständigen Gegensatz, zu dem was sie sieht. Da ist im Katastrophalen etwas herrlich.

Diese Liebe kann den Menschen mit den Augen betrachten, wie er sein könnte. Da zählt nicht das was jetzt ist und uns vielleicht schrecklich zu schaffen macht, sondern da ist der Umgang von dem geprägt, was Gott in mich und den andern hineingelegt hat, das noch werden soll. Das ist das wahnsinnige des Glaubens, dass er Dinge sieht, die es noch nicht gibt, die ihn jedoch bei allem Tun antreiben. Das ist eine Freude, die nicht das Übel ignoriert und schmerzliche Wege meidet, sondern im Kreuz den Zugang zur Herrlichkeit entdeckt. Ziel des Glaubens ist, dass das wird, was nicht ist.

Im Ja zum Leiden, liegt unsere größte Entwicklung auf Herrlichkeit zu. Es wäre Wahnsinn, Herrlichkeit mit Harmonie zu verwechseln. Wer die Krise meidet, ist nicht bereit, dass die Herrlichkeit an ihm offenbar werden soll. Wer das Leiden verdammt, trennt sich von seiner eigenen Entwicklung, zu dem, was er sein könnte. Deswegen sind wir Sehende auch dort wo wir tasten und leiden. Wir sind Liebende, weil wir in allem das sehen können, was das Leiden für ein großes Ziel hat. Wir glauben als die Wahnsinnigen, weil wir im Schmerz das Herrliche erkennen.

Daher ist die Blinde Kuh ein aufregendes Spiel.

Wie ein Meisterwerk entsteht

Wir sind dazu geschaffen, herrliche Spuren in dieser Welt zu hinterlassen.

„Um deines Namens willen verwirf uns nicht! Lass den Thron deiner Herrlichkeit nicht verspottet werden!“
Jer. 14, 21

Jeremia formuliert aus der Widersprüchlichkeit des Menschen ein Gebet. Er ringt bei Gott um Gnade, weil sein Volk so anders will als er will. Er drängt Gott zum Aushalten an seinen Erwählten, gerade dort, wo sie aus ihrer Bestimmung ausbrechen und ihn dadurch zum Gespött machen. Der Prophet trauert vor und mit Gott, dass oft so wenig von dem Meisterwerk, das Gott mit jedem Menschen vor hat, sichtbar wird. Der Mensch ist für die Herrlichkeit geschaffen und soll durch das Leben, das ihn bearbeitet zu einem genialen Kunstwerk vor Gott werden. Wenn wir das Ergebnis davon betrachten, bleiben die meisten Menschen weit unter dem Niveau, das sie eigentlich sein könnten und das Gott mit ihnen gedacht hat. Sie verspielen das Profil, ein Mensch der Herrlichkeit Gottes zu werden. In ihnen stecken Potenziale der ganzen Fülle Gottes, die brach liegen und nicht ausgeschöpft werden. Als Michelangelo vor über 500 Jahre seinen David erschaffen hat, der als einer der schönsten Figuren in der Kunstgeschichte eingegangen ist, sind vor ihm schon die namhaftesten Bildhauer seiner Zeit an diesem circa 10 hohen Marmorblock gescheitert. Große Meister standen vor dem Felsen und sagten: es ist unmöglich daraus ein Kunstwerk zu schaffen. Der Stein habe solch einen Faserverlauf, dass er bei der Bearbeitung auseinanderklaffen würde. Michelangelo betrachtete in aller Ruhe diesen Stein und sagte seinen berühmten Satz: „Ich sehe den David, jetzt muss ich nur noch das wegschlagen, was nicht nach David aussieht!“ Dann entstand ein Meisterwerk. Dieses Meisterwerk hat Gott mit uns vor Augen. Er will nur noch das wegschlagen, was nicht nach Herrlichkeit aussieht. Die Schule des Lebens, sind die schmerzhaften Bearbeitungsschritte auf Herrlichkeit zu. Sich zur Ehre, hat Gott ein grandioses Bild von uns, vor seinem inneren Auge. Das Problem jedoch ist, der Mensch schreit unter den Schlägen. Er klagt den Bildhauer an, der sein großes Werk schaffen will. Er sperrt sich gegen das, was für die Vollendung weg muss. Er wehrt sich gegen das Formen und Gestalten. Er will der sperrige, unschöne, grobe Felsen bleiben, der er ist.

Wir sollten uns dieser Tragik bewusst sein, dass wir zu Glanzlichtern in dieser Welt geschaffen sind und oft nur die Rußspuren einer schummrig brennenden Fackel hinterlassen. Wir drücken uns oft um die eigentliche Wahrheit unseres Lebens. Wir stöhnen unter Lasten und meinen, das Leben setzt uns übel zu. Wir kommen nicht auf den Gedanken, dass ausgerechnet die Spannungen in unserem Miteinander, uns ausreifen lassen wollen. Der Schmerz ist ein heiliger Engel, unter dem Menschen ungleich größer geworden sind, als durch alle Freuden dieser Welt, heißt ein altes Wort. Das Kleingedruckte, das Ungemütliche in unserem Leben dient zur Herrlichkeit. Wenn das Beste aus uns werden soll, müssen zuerst die fetten Brocken weg, bis dann am Ende die Feinarbeit beginnt. Paulus weiß um diese Spannung: Wir beten allezeit für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache.

Sind wir bereit für das Meisterwerk unseres Lebens, oder entziehen wir uns den Schlägen, die das Kunstwerk erschaffen wollen?

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Mit einem Geheimnis schwanger

Wo es einem heißhungrigen Löwen den Appetit verschlägt, sind andere Kräfte am Werk.

„Gelobt sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke!“
Dan. 2, 20

Dieses Lob posaunt ein Prophet an den Himmel, der nicht nur einmal eine Löwengrube erlebt hat. Daniel überlebte den Groll des Königs, der alle Traumdeuter, Weisen und Wahrsager vernichten lies, die seinen Traum nicht auslegen konnten. Er deutet den Traum des Königs Nebukadnezars, in dem über Generationen hinweg ein Königreich nach dem andern zermalmt wird und ein ewiges Königreich kommt. Hier offenbarte sich der ewige Herrscher einem menschlichen Herrscher. Daniel konnte dieses Bild entschlüsseln. Er hatte die Weisheit, Gottes Spuren zu lesen. Es konnte etwas sehen, wozu der Mensch aus sich heraus blind ist. Es ist die Sicht des Glaubens, etwas zu erkennen, was die Augen nicht sehen können. Von Gott kommt etwas, wofür der Mensch keine Antenne hat. Wer Weisheit hat, hat sie nicht aus seinem Verstand, sondern weil ihm das Wort ins Herz gelegt wurde. Weisheit ist kein Kapital des Menschen, das er sich aneignet und darüber verfügt; Weisheit ist Geschenk. Weisheit ist eine Information die nicht erlernbar ist, sondern die in einem bereiten Herzen Gestalt gewinnt. Weisheit setzt Menschen voraus, die sich durch das Wort inspirieren lassen. Da kommen Kräfte auf uns zu, die nicht aus uns aufsteigen. Wo die Weisheit einzieht, konnte etwas von dem ewigen Reich in uns Fuß fassen. Da durchdringt Heiliger Geist den menschlichen Geist. In der Weisheit gewährt Gott einen Schritt über das natürliche Dasein hinaus. Weisheit ist das: ich sehe was, was du nicht siehst. Weisheit ist mit den Geheimnissen Gottes schwanger. Sie ist dem rationalen Denken meilenweit voraus. Sie treibt den natürlichen Menschen in den Wahnsinn, wenn es einem knurrenden Löwen seinen Heißhunger verschlägt. Weisheit und Stärke gehören Gott. Für Menschen sind sie Anleihen. Sie gehören dem, der nicht an unsere Regeln gebunden ist. In Weisheit uns Stärke liegen die Souveränität der ewigen Welt.

Johannes der Täufer bringt es auf den Punkt: Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. Weisheit uns Stärke ist nicht ein haben, sondern ein bekommen. Es steht in dem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Geber. Je mehr Raum für diese Zugabe in uns ist, umso mehr sind wir mit diesem Gottesgeheimnis schwanger. Da können wir Zusammenhänge überblicken, die wir keinem Studium erreichen können. Die Nähe zu diesem Geist schenkt eine Weisheit, die wir bei vielen gebildeten Menschen in Politik und Gesellschaft vermissen. Da werden mit kurzfristigem Denken, langfristige Programme entwickelt, die u.a. mit einem Gender-Wahn junge Generationen entwurzeln. Wo die Weisheit fehlt, sind Menschen dazu verdammt Chaos zu produzieren. Wir leben aus den Geheimnissen, die uns aus dem Himmel gegeben werden. Wir überwinden die brüllenden Löwen nur in einer Stärke, die nicht in uns liegt.

Wo lobt unser Leben diesen Gott, indem es dieser Weisheit und Stärke viel Platz lässt?

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Die Türe bleibt offen

Eine große Persönlichkeit lässt sich durch nichts beirren.

„Der Herr verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen.“
1.Sam. 12, 22

Wo das Tischtuch zerschnitten ist, hat die Schwachheit gesiegt. Menschen haben die Eigenschaft, wenn´s dick kommt das Trennende hervorzuheben. Da gibt es tausend Gründe, weshalb harte Schnitte gezogen werden. Der Herr verstößt nicht. Gott kennt keinen Schlussstrich. Bei ihm ist eine Verbindlichkeit, die alles menschenmögliche in den Schatten stellt. Ohne Wenn und Aber steht er selbst zu dem, der ihm ins Gesicht schlägt. Auch die größte Enttäuschung kann ihn nicht abschütteln. Sein Volk kann halsstarrig und dickköpfig sein wie es will, Gott lässt sich davon nicht erschüttern. Was zu ihm gehört, für das steht er gerade, auch unter widrigsten Bedingungen. Was sein ist, bleibt sein. Wer so steht, hat Format. Das hat nichts mehr mit menschlicher Größe zu tun. Dahinter steht ein Name, der über alle Namen ist. Wunderbar Rat, Kraft Held, ewig Vater Friedefürst. Ein Name, so hart wie Granit und so butterzart wie die Liebe einer Mutter. Was Gott liebt, kann er nicht loslassen. Was er liebt, kann kein Hass aus seinen Armen reißen. Sein Ja-Wort ist so endgültig, dass es für alle Zeiten gilt. Dieses Ja kann durch nichts umgestoßen werden. Einmal Ja, immer Ja. Dieses Ja bohrt sich durch alle Erniedrigung, durch alle Demütigung, durch alles Nein der Welt. Es ist ein königliches Ja in alle Armseligkeit hinein. Nach der Sintflut hat sich Gott geschworen: Nie wieder werde ich alles Leben auslöschen, wie ich es getan habe! Genau dort wo er mit Dreschflegel in die Welt ziehen müsste, kommt er als Kind. Er geht in allem Trennenden den Weg des Verbindenden. Er kann es nicht lassen gnädig zu sein. Er knüpft an den Bruchstellen an. Komme was da wolle, selbst unser größter Blödsinn, kann uns nicht aus seiner Hand reißen. Sein Erbarmen ist größer als sein Richten. Die zu seinem Volk gehören, die den Christus im Namen tragen, kann kein Verdammen mehr schrecken. Wo der Herr nicht verstößt, klagt er nicht mehr an. Dieser Glaube befreit von aller Selbstanklage. Wo Gott nicht mehr anklagt, brauchen wir uns schon lange nicht mehr anklagen. Dass er nicht verstößt, nimmt alle schweren Steine vom Gewissen.

Damit sind wir frei von jeglichem Duckmäusertum. Nicht verstoßen sein lässt aufatmen. Da steht einer hinter uns, gerade dort wo wir schwach sind, wo wir Schuld auf uns laden, wo wir anderes verdient hätten. Das lässt uns als aufrechte und befreite Sünder leben. Da haben die nagenden Vorwürfe in uns keine Stimme mehr. Jede Art von Schuld und Lieblosigkeit bindet uns in diesem Moment noch viel enger an die Gnade. Schuldig werden trennt nicht mehr die Gottesbeziehung, sondern belebt sie. Durch das nicht verstoßen sein ist ständig die Türe offen. Je mehr wir schuldig werden, umso größer wird uns Christus. Das macht uns natürlich und entspannt.

Was sollte unser Leben noch bedrohen können, wenn wir unser eigenes Versagen nicht mehr zu fürchten brauchen?

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Freude kommen lassen

Liebenswerter Besuch verwandelt unsere Welt und lässt schlagartig Sorgen verblassen.

„Freue dich und sein fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.“
Sach. 2, 14

Tochter Zion, freue dich – weihnachtliche Klänge im heißen Sommer. Gott kommt zu Besuch. Will nicht nur mal vorbeischauen, sondern da bleiben. Sein ganzes Interesse gilt nicht nur seiner Schöpfung, sondern viel stärker noch uns selbst. Er kommt damit wir etwas zum Freuen haben. Manch ein Besuch ist lästig oder Formsache, da freuen wir uns, wenn er wieder geht. Doch liebenswerter Besuch verzaubert unsere Welt. Wo wir uns durch einen Besuch geehrt fühlen, macht das etwas mit uns. Diese Liebe und Wertschätzung zupfen unweigerlich verstummte Saiten in uns an. Da geht etwas in uns auf, da wird Abgestumpftes wieder lebendig, da zieht die Freude verstaubte Register. Wo wir von unsagbarer Liebe besucht werden, wird unser Herz wachsweich. Bei Frischverliebten hängt der Himmel voller Geigen. Sie leben in einer anderen Welt. Das Leben wird zu einem einzigartigen Gesang, die ganze Luft ist mit Melodien schwanger. All das Schwere, das das Leben erdrückt, verliert seine Last. Liebe ist die beste Medizin, sie beflügelt das Müde und Kranke. Die Liebe führt geradezu in eine heile Welt. Dass der Geliebte hier ist, verwandelt alle meine Sinne. Nur bedauerlich, dass unter uns Menschen so schnell aus den Geigen harte Holzklötzer werden, die wir uns nachwerfen. Dass dort wo die Liebe kalt wird, jeder danach krank wird und sich mit Medikamenten vollstopfen muss. Auch wenn die Liebe unter uns immer wieder in die Brüche geht, ist sie so hartnäckig, dass sie ständig vor unserer Türe steht. Gott kommt und will bei mir wohnen. Er will den Durchbruch schaffen, zu dem, wo wir nicht in der Lage sind. Das freue dich ist zutiefst an die Krippenerfahrung gebunden. Das was wir kennen, wonach wir uns sehnen, was uns ständig zwischen den Fingern zerrinnt, will zu uns kommen. Der Traum von der wahren Liebe ist keine Utopie. Er geschieht nur nicht aus uns, sondern aus Christus heraus.

Wo Christus wohnt, hat die Liebe ihre verwandelnde Kraft. Da dringen wir in das Geheimnis ein, dass Schmerzen nicht mehr lähmen, sondern zum Guten mitwirken. Da ist die Erfrischung, die Geist und Seele jeden Morgen neu lebendig werden lassen. Die Liebe schafft eine permanente Gegenbewegung zu aller Erniedrigung. Diese Liebe macht uns handlungs- und leidensfähig. In dieser Liebe dient alles was wir erleben zu unserm Besten. Darunter werden belastende Herzen wieder froh. Diese Liebe stellt uns unter einen weiten Horizont, das Herzen für die Versöhnung groß macht. Sie will das letzte aus uns herauskitzeln, um all die Gaben, die in uns stecken zu entfalten. Sie kann es nicht mit ansehen, wenn so vieles davon in den Spannungen unserer Tage brach liegt. Gott kribbelt es regelrecht, uns diese Freude zu schenken. Er kommt, um all das Verborgene in uns herauszulocken. Er will kein Leben auf Sparflamme. Er kommt dass wir die Freude in Fülle und Leben in ganzem Genüge haben. In diesem Kommen liegt das ganze Potenzial eines Lebens.

Ist es nicht eine Freude, von dieser Liebe so viel wie möglich kommen zu lassen?

Auslegungen für jeden Tag
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