Das neue Jahr ist startklar

Weil Gott sieht und hört, steht uns ein gutes Jahr bevor.

„Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ihr Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört.“2.Mose 3, 7

Wenn Gott sieht und hört, liegt die höchste Aufmerksamkeit auf dem Menschen. Alles was in uns und um uns geschieht ist wahrgenommen. Das was den Menschen trifft, betrifft Gott in gleicher Weise. Elend und Geschrei ist angekommen. Da ist kein Ausnahmezustand, den Gott nicht kennt, kein Seufzer, der ihm nicht im Ohr liegt. Aller Jammer liegt ihm im Herzen. Was Gott sieht und hört, ist seine Sache. Es berührt ihn, wenn sein Volk in Not ist. Bei Gott ist Empathie in Reinkultur. Er leidet, wo wir leiden. Niemand ist dem Schmerz so nahe wie Gott selbst. Unsere Not kratzt an seiner Existenz. Abgründe rufen ihn auf den Plan. Sterben ist nicht das was er wollte. Wenn Gott Elend sieht und Geschrei hört, will er das Leben erneuern. Der Liebhaber des Lebens denkt an Heil. Schöpfung heißt: Totes zum Leben erwecken. Sehen und hören ist bei ihm der Anfang der Genesung. Doch die sieht bei ihm anders aus, als wir das oft von ihm denken. Wenn Gott heilt, heilt er nicht unbedingt das Elend oder nimmt die Bedränger, sondern er gibt Christus. Er setzt nicht außen an, sondern will Menschen durchdringen. Mit Christus heilt er das belastete Herz, das erneuert dem Elend entgegen tritt. Wo Gott hört und sieht, will er in uns durch und durch gehen. Seine Liebe will das Geschwächte stark machen. Wo Christus einzieht, verliert das Elend seine Macht. 
Somit kann das neue Jahr nur gut werden. Wir haben bereits im Voraus auf alles Elend und Geschrei eine Antwort. Weil Gott sieht und hört, brauchen wir vor nichts erschrecken. Dem Glaubenden sind die Hände prall gefüllt. Wer in der Tiefe geliebt ist, weil er gesehen und gehört ist, kann nach allen Schlägen getrost aufstehen. Elend und Bedrängnis haben ihre Übermacht verloren, wo in einem geheilten Herzen Lasten in Segen verwandelt werden. Von Gott her ist das neue Jahr startklar.
Wie kann uns dieses Heil im neuen Jahr immer neu beflügeln und aufrichten? 

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Begnadet ins neue Jahr

Selten wird uns unser Vergehen so bewusst, wie beim Jahreswechsel.

„Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, es blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da. Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

Ps. 103, 15-17
Blühen und Verwelken ist ein schmerzlicher Prozess. Kommen und Gehen offenbart die Endlichkeit. Morgen beißt das Jahr 2017 ins Gras. Es wird auf nimmer Wiedersehen weg sein. War das Jahr gefüllt mit Leben, war unser Leben lebenssatt? Was ist verwelkt? Was bleibt von dem, was wir erlebt und erschaffen haben? Oft bleibt über diesen Fragen ein flaues Gefühl im Magen. 
Über aller Flüchtigkeit steht heute ein großes ABER. Gnade gegen Verwelken. Ewigkeit gegen Endlichkeit. Gott legt eine Bodenständigkeit, die nicht in Schall und Rauch aufgeht. Von ihm kommt etwas, dem wir nicht auf dem Friedhof nachtrauern. Gott gewährt Gnade. Er begnadet zu einer unsterblichen Christusbeziehung. Er begnadet zu einer Liebe, die ewige Spuren hinterlässt. Das begnadet sein schafft etwas über das Sterben hinaus. In der Gnade liegt die Begegnung mit der Auferstehung. Die Gnade zeigt auf, dass Leben in einem viel größeren Gesamtzusammenhang steht. Eine Orchidee hat nicht nur jedes Jahr zu blühen und zu verwelken, sondern Gott hat sie mit seiner eigenen Geschichte verbunden. Gott will allen Blühen und Verwelken einen ewigen Sinn geben. In alles Kommen und Gehen gibt er das Eigentliche noch dazu. Mit sterblichen Menschen soll durch die Gnade Ewiges geschaffen werden. Wir sind Begnadet, um unsere Jahre mit Bleibendem zu füllen. 
Da entstehen nicht nur unvergessliche Geschichten, da erhält die gesamte Lebensgestaltung Heiterkeit und Tiefe, die mit Unvergänglichem angefüllt ist. Durch die Gnade wird die Bandbreite des Lebens größer und das Drama kleiner. Da ist die Planung für ein neues Jahr, von einer Liebe getrieben, die sich ausbreiten und verschenken will. Wer begnadet ist, kann nicht einfach in das neue Jahr stolpern und abwarten, was da so kommt, sondern sucht nach dem Gehalt, dem er dem Jahr geben kann. In der Gnade erkennt der Mensch seine eigentliche Bestimmung und damit die Aufgabe, die er in einer verwelkenden Welt hat. Somit steht am Jahresende nicht das Bedauern über verpasste Gelegenheiten, sondern dass wir randvoll begnadet sind, Bleibendes in Verwelkendes hineinzutragen.
Wissen wir für das neue Jahr, für welche Menschen und Aufgaben wir begnadet sind? 

Alles frisch 

Wo Gott wohnt ist Herrlichkeit.

„Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“Jes. 57, 15

In einem Atemzug wird Gottes Wohnort oben und unten, oder hüben und drüben beschrieben. Das „Ehre sei Gott in der Höhe“, haben wir in den vergangenen Tagen besungen. Da haben die Herzen himmelwärts geschlagen, doch in der Fortsetzung kommt das „und Frieden auf Erden…“ Gott lebt zum einen in seiner ganzen erhabenen Schöpfermacht und gleichzeitig auf Augenhöhe mit den Zerschlagenen. Auch hier stehen wir mitten im Weihnachtsgeschehen. Die Unfassbarkeit Gottes hat ein menschliches Gesicht. An der Krippe sehen wir, wie nah sein Heiligtum den Armen ist. Die Herrlichkeit und Größe Gottes steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem gedemütigten Menschen. In die Herrlichkeit Gottes ist der gebeutelte Mensch mit einbezogen. Hieran erkennen wir stark Gott mit dem Menschen eins ist. Heiligkeit und zerschlagen sein gehören zusammen. An der Krippe will Gott den sich von ihm entfremdeten Menschen wieder an sich ziehen. In der Heiligen Nacht soll die Ohnmacht der Herrlichkeit begegnen. Durch die Menschwerdung Gottes, hat er sich der letzten Verlassenheit des Menschen angenommen. Der Herrlichkeit ist kein gedemütigter Geist mehr fremd. Die gewaltige Höhe kommt mitten in das verängstigte und eingeschüchterte Herz.
Die Krippe erquickt. Gott auf Augenhöhe ist die erfrischende Dusche nach einem ermüdenden Arbeitstag. Erquickung ist der Sinn von Weihnachten. Es ist wie die Rekreation in den alten Klöstern. Die Wiederherstellung eines guten Zustandes, der in den Lebensauseinandersetzungen verwirtschaftet wurde. In der Christus-Begegnung wird der geschlagene Mensch regeneriert. Dort wo das Leben uns zusetzt, stellt er die Krippe daneben. Näher kann Erquickung nicht mehr sein. Auf den Belasteten wartet die frische Dusche. Da ist vor uns der Tisch mit Brot und Wein gedeckt. Eucharistie erquickt. Überall wo uns Christus begegnet ist Erquickung angesagt.
Ist nach Weihnachten bei uns wirklich alles frisch geworden?   

Fruchtige Leckerbissen

Durch die Krippe fängt unser Leben zu blühen an.

„Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“Jes. 11,1

Die Fruchtbarkeit allen Lebens liegt in der Krippe. Einem in sich toten Volk, wird das Leben verheißen. In einem einfachen botanischen Bild, wird die große Wende durch Christus beschrieben. Viele kennen aus der Schulzeit noch den Bohnenversuch. In einen Tontopf mit Erde wurde ein Bohnenkern gedrückt, auf die Fensterbank des Klassenzimmers gestellt und immer gleichmäßig gegossen. Es war ein unfassbarer Augenblick, als der Kern platzte und ein weiß-gelber Keimling, sich durch den, an sich toten Kern herausbohrte. Nach ein paar Tagen verfärbte sich dieser Spross in grün und bildete seine ersten Blätter und wurde immer größer. Welch ein Lebensgeheimnis konnten wir da als junge Schüler entdecken. Dieses Geheimnis hat Gott in Christus gelegt. Mit der Krippe in Bethlehem, wird die Erde fruchtbar. Damit pflanzt Gott einen Keimling seiner ewigen Welt, in das Zeitliche. Das Erdensein der Menschen bekommt einen neuen Sinn und Bedeutung. In einer vergänglichen Routine, soll etwas Unvergängliches aufwachsen. Da soll etwas entstehen, was der Mensch aus sich heraus nicht pflanzen und bebauen kann. Durch Christus entstehen Früchte, die einen Wertzuwachs des Lebens bedeuten. Da erkennt der Mensch die eigentliche Bestimmung für seine Existenz. In Weihnachten liegt zutiefst die Sinnfrage allen Lebens.
Wer diesen Keim in sich trägt, ist zum Frucht bringen gedacht. Da liegen irgendwann die prallen, saftigen, orangen Südfrüchte auf dem Teller. Krippenerfahrung ist Befruchtung, die Neues anbrechen lässt. Da fängt etwas an zu rumoren und zu treiben. Da verlässt der Austrieb den Topfrand und wächst darüber hinaus. Er streckt sich dem Licht entgegen, und treibt Wurzeln, die sich in der Erde verfestigen. Es ist ein doppelseitiges Wachstum, noch oben und unten. Der Glaubende lebt mit beiden Beinen mitten in der Welt und ist in seinem Wachstum von der anderen Welt befruchtet. Wer den Krippenkeimling in sich trägt übernimmt tragende Verantwortung für sich und die Welt. Durch unseren Einsatz wird die Welt, unsere Umgebung, unsere Arbeit fruchtbar. Wo es um Frucht bringen geht, können wir nicht mehr sagen: „Schau mer mal was kommt.“ Da treibt etwas zum Guten, zum Eigentlichen und setzt uns in Bewegung. Eine fruchtige Entwicklung kommt im neuen Jahr auf uns zu.
Welche Früchte sollen an uns wachsen und zu welchen Aufgaben sind wir bestimmt?    

Frust wird zum Turbolader 

Wer Weihnachten erlebt hat, kann an eine Veränderung glauben.

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“Jes. 42, 3

Dieses Wort ist wie Dünger auf die belastete Seele. Damit trifft Gott genau den Nerv und die Nahtstellen des grauen Alltags, der heute wieder beginnt. Da kommen die Lothar-Stürme am 2. Feiertag, wie vor einigen Jahren, die ganze Wälder im Schwarzwald kahl rasierten. Da werden Leben geknickt und Lichter gehen aus. Gerade in diesen Schwachstellen ist es Weihnachten geworden. Gott setzt ein ganz menschliches Zeichen, wo alle guten Vorsätze zu zerbrechen drohen. Dort wo der Mensch nichts mehr in der Tasche hat, mit Selbstmotivation nichts mehr erreicht, kommt er in der Gebrechlichkeit eines hilflosen Kindes in die Schwachheit hinein. In dem Kleinen, Unscheinbaren, will den Hilflosen groß werden. Das in Windeln gewickelte Kind, ist Gottes Zeichen, wie er mit Schwachheit umgeht. Die Ohnmacht wird durch ihn mächtig. Dem Machtlosen fließt Stärke zu. Das Geringe erfährt Hochachtung. Was an der Krippe geschieht, ist der gewaltigste Umbruch für geknickte Rohre und glimmende Dochte. Das Zeichen liegt auf dem unscheinbaren Christus. Hier endet Niedergeschlagenheit nicht in der Sackgasse. An der Krippe geht das Licht nicht mehr aus. Da ist der Knick nicht mehr der Anfang vom Ende. Da ist in der hoffnungslosesten Situation alles möglich. Wir dürfen und müssen sogar an der Krippe ins Schwärmen geraten. An der Krippe ändert sich alles. Da entfalten sich Gottes Möglichkeiten in menschlichen Grenzen. Gott selbst zündet das Licht wieder an.   
Das hilflose Kind ist das stärkste Symbol das Gott den Glaubenden geschenkt hat. Damit ist aller Hilflosigkeit die Verzweiflung genommen. Dort wo nichts mehr geht, beginnt Gott. Der Glaubende bekommt dadurch eine Perspektive, dass selbst der größte Sturm es nicht schafft, das letzte Licht auszupusten. Gott bringt auch bei größtem Gegenwind seine Schiffe in den Hafen. Wer das Christkind erlebt hat, kann aus dieser verändernden Kraft leben.
Ist da nicht gerade das geknickte Rohr und der glimmende Docht, die Chance unseres Lebens? 

Souveränität durch Krippenstehen

Wenn Gott richtet, kommen danach keine Gitterstäbe.

„Er ist der Herr, unser Gott; er richtet in aller Welt.“

Ps. 105, 7
Wo Gott richtet, bringt er die aus den Fugen geratene Welt zurecht. Wo Gott die Ordnungen wieder herstellt, fliegen nicht die Fetzen, da wird die Erde erneuert. Gott macht aus dem Unrecht kein Kleinholz, sondern zimmert aus menschlichem Kleinholz eine Krippe. Wenn er Recht schafft, gibt er den am Boden Liegenden ihre Würde zurück. Er überreicht den Zerbrochenen das Recht auf Leben. Er bringt die auf der Schattenseite des Lebens Gelandeten zu Ehre. Wo Gott die Welt richtet, geht die Sonne auf. Das bringt der Evangelist Johannes treffend zum Ausdruck: „Das aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist.“ Mit Weihnachten bekommt das Unwerte die Chance seines Lebens. Wo dieser Richter unterwegs ist, heißt es: „Fürchte dich nicht, euch ist heute der Heiland geboren.“ Da wird nicht weggesperrt, da wird aufgerichtet. Da kommt kein Angstmacher, sondern ein Erbarmer. Aus dem Säbelrassler wird ein Liebhaber. Gott, der die Sünde verdammt, richtet sie mit Christus. Gottes Lebensgesetz, das kein Mensch erfüllen kann, erfüllt die Gnade. Damit wir Frieden bekommen, verbüßt die Liebe die Schuld. Der Richter selbst steht für die Wiedergutmachung. Daher kann der belastete Mensch an der Krippe gesund werden. An Weihnachten wird es in aller Verworrenheit wieder hell. Da verschafft Liebhaber des Lebens, den unter dem Unrecht Gebeugten wieder Recht.
Somit war Niedergeschlagen vor Weihnachten. Nach dem Stehen an der Krippe, kann der Mensch wieder stehen. Er ist aufgerichtet worden. Wer den Stern gesehen hat, muss in keiner Situation mehr verzweifeln. Für unsere Zukunft hat der Richter ganze Arbeit geleistet. Auch wenn wir im neuen Jahr weiter im Unrecht dieser Welt leben, haben wir an der Krippe die Angst verloren. Wir stehen gerecht gemacht in den Widrigkeiten unserer Tage. Wir brauchen nicht krampfhaft um unser Recht kämpfen, weil wir bereits tiefen inneren Frieden haben. Dieser Richter verschafft uns Souveränität. in einer gefallenen Schöpfung.
Wie wird die Begegnung mit diesem Licht, in unserer Zukunft Spuren hinterlassen?

Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft

Wenn die Liebe in Leidenschaft brennt ist Weihnachten.
„Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.“

5.Mose 4, 24
Bei einer Vorstellung von Gott, können wir nur an ein leidenschaftliches Energiebündel denken. Da sprüht und funkt die Liebe an allen Ecken und Enden. Der Eifer um sein Haus hat ihn gefressen. Der Mensch, der immer wieder von ihm abweicht, holt ihn aus der letzten Reserve. Leidenschaft ist ein innerer Brand, der nicht zu löschen ist. Gott ist total verliebt in das Leben und die Menschen. Er will in allem das Beste vom Besten. Er ist angetrieben von Fülle und dass alle mehr als genug haben. Er brennt für den höchsten Standard des Daseins. Er glüht gegen Halbheit und Mittelmaß. Ein für das Gute Eifernder, wird sich nicht mit Ausschuss abfinden. Gott kann es nicht mit ansehen, wo der Mensch an seiner eigentlichen Bestimmung vorbei geht. In ihm bäumt sich alles auf, wo eine Blume die zum Blühen gedacht ist dahinwelkt.  
Lange Zeit hat man aus dem verzehrenden Feuer und eifernden Gott ein Angstgebäude zusammen gezimmert. Da wurde den „Abweichlern“ gedroht und den Hintern heiß gemacht. Gott als einer, der alles kurz und klein schlägt, wenn einer ihm nicht willens ist. Doch Gott droht nicht mit Feuer, sondern brennt für Rettung. Wer Angst verbreitet, kommt nicht aus der Leidenschaft Gottes. Das verzehrende Feuer liebt sich durch die Nacht der Welt, in den Stall von Bethlehem. Die Krippe ist ein Flügel von Gottes Phantasie, wie er wieder unter die Menschen kommt. Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft. Da hat die Liebe eine angstfreie Zone geschaffen. Stark und zart eifert Gott. Jesus ist das verzehrende Feuer, das sich in Herzen brennt. An der Krippe werden kernige Hirten weich. An der Krippe wird klar, wie Gott mit Unvollkommenheit umgeht. Die Liebe kommt nicht mit dem Holzhammer, sondern holt die Menschen an ihrer schwächsten Stelle ab. Dem Sünder wird nicht mit Strafe gedroht, sondern das Heil in den Dreck gestellt. Mit Christus eifert sich Gott in Herzen. 
Weihnachten will unser Gottesbild begradigen. Die Leidenschaft will uns heiß machen. Das Stehen an der Krippe, will zur Liebe befähigen. Weil wir abgrundtief geliebt sind, haben wir das, was das Leben braucht – den Mutterschoß. Wer geliebt ist, ist lebensfähig. An der Krippe gibt Gott dem Menschen zurück, was sein ganzes Leben ausmacht. Leidenschaftlich Geliebte können leben und lieben.
Wenn die Krippe das Feuer aller Leidenschaft ist, müssen wir da nicht feiern ohne Ende?

Gesegnete, frohe und leidenschaftliche Weihnachten 

Weihachten für taube Ohren 

Weihnachten ist die freundliche Geste von ihrem Hörakustiker.

„So spricht der Herr: Ich habe zu euch gesprochen, immer wieder mit Eifer gesprochen, ihr aber habt nicht auf mich gehört.“Jer. 35, 14

Die Menschen haben wo es um Gott geht einen Gehörschaden. Taube Ohren sind die Nacht der Welt. Nicht wenn der Mensch nicht mehr sieht wird es finster, sondern wenn die Gottestöne leiser werden. Der Hörverlust bringt den Stress auf die Erde. Seit Adam und Eva haben es die Menschen an den Ohren. Wo das Gehör versagt, zerbricht Gemeinschaft. Jeder Schwerhörige, der nichts gegen seinen Hörverlust unternimmt vereinsamt, wird misstrauisch, weil er sich selbst von der Gesellschaft und dem Leben ausgrenzt. Er bekommt nur noch einen Bruchteil von dem mit, was um ihn herum abgeht. Gott nicht mehr hören, ist der Anfang vom Ende. Wo die Worte von Gott ihre Bedeutung verlieren, wird das Leben dumpfer. Da fehlen die kompletten Obertöne. Das, was einmal hätte nach Musik klingen sollen, wird ein seelenloses, unberührendes, weit entferntes  Danhinbrummen. Wer schlecht hört, verliert Lebensqualität. Wer Gott nicht hört, verliert den Guten und alles, was er in das Leben hineininvestiert. Das nicht hören, führte das Volk Israel in die Wüste. Mit dem Hören auf Gott, steht und fällt der Mensch. 
Wo der Mensch das hören verlernt hat, weiß z.B. die dreizehnjährige Leonie, die nächstes Jahr konfirmiert wird, nicht mehr, warum wir Weihnachten feiern. Das nicht in einer Großstadt oder in einer fremden Kultur, sondern mitten in der schwäbischen Provinz. „Man bekommt zwar Geschenke, doch woher soll ich wissen wann Jesus Geburtstag hat.“ Nichts hören macht arm. 
Da Gott in seinem Eifer ungebrochen ist, gibt es Weihnachten etwas auf die Ohren: „Ich verkündige euch große Freude, euch ist heute der Heiland geboren.“ Mit Christus verschafft sich Gott wieder Gehör. Den Schwerhörigen ist das Wort geboren. Christus ist der Hörverstärker, der Gottes Wort durch und durch dringen lässt. Dadurch kommt der ganze Mensch in Schwingung. Dieses lebendige Wort, wird zum Hörgerät des Schwerhörigen. Damit wird es Weihnachten in tauben Ohren.
Ist das nicht ein Fest, wenn wir bei Hörverlust wieder glasklare Töne hören?

Weihnachten ist kein Irrtum

Gott irrt sich nicht, wenn er Erbschleichern begegnet.

„Der Herr sprach zu Jakob: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten , wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.“

1.Mose 28, 15
Welch eine Zusage für einen listigen Betrüger. Gott steht zu einem Mann auf der Flucht. Jakob, der seinen Bruder Esau um den Segen des alten Vaters Isaak beschlichen hatte, musste außer Landes fliehen. In dieser Fremde kommt ihm Gott ganz nahe. Aus einem Gauner wird eine Gottesgeschichte. Jakob träumte von der Himmelsleiter auf der Engel auf und ab stiegen. Er errichtete an diesem heiligen Ort den Bethel-Altar, aus dem Stein, auf dem er geschlafen hatte. Und er gab Gott das Versprechen, wenn sich diese Verheißung erfüllt, dass er wieder zu seiner Familie zurückkommt, will er alles für Gott tun und ihm dem Zehnten seiner Erträge geben. Gott irrt sich nicht, wenn er den Lumpen nach geht. Genau dort wo Menschen sich Rache schwören oder einen radikalen Schnitt machen, lässt sich Gott in seinem Vorhaben nicht beirren. Das ist eine Freundschaftsanfrage an einen Gegner. Ich bin mit dir, ist das radikale Ja zum Sünder. Es ist ein Ja für eine Welt, die sich selbst zugrunde richtet. Es ist der Stern über Bethlehem. Gott stellt sich bedingungslos auf die Seite der Schwachen, der Kleinen, der Unfähigen und der Schuldigen. Alle Unmöglichkeiten des menschlichen Daseins, sind in das „ich bin mit dir“ eingehüllt. Die Existenz des Allmächtigen steht dem Ohnmächtigen gegenüber. Ich bin, ist das Vollkommene, das sich zu dem unvollkommenen Du stellt. Ich bin, ist der Morgenstern, der in die Nacht der Menschen fällt. Ich bin mit dir und will dich behüten, ist die Botschaft von Weihnachten.
Diese Zusage entkräftet jeden Zweifel. Davon ist nichts und niemand ausgegrenzt. Da ist keine Situation so verratzt, dass Gott außerhalb stehen würde. Da ist selbst im größten Chaos noch Hoffnung. Diese Zusage ist wie ein Generalschlüssel durch alle Krisen. Da sind auch die nicht verlassen, die sich ausgesetzt und isoliert vorkommen. Es ist ein Mut machen für alle, die mit einem schlechten Gewissen herumlaufen. Wo Gott mit uns ist, kann uns keiner mehr anklagen. So schuldhaft und verworren die Zustände auch sein mögen, Weihnachten kommt. Das ist kein Irrtum.
Wenn Gott mit uns ist, in welchem Bereich unseres Lebens können wir dadurch Erleichterung erfahren?  

Überraschend anders

Gott kommt zu denen, die ihn missverstehen.

„Das sei ferne von uns, dass wir uns auflehnen gegen den Herrn und uns von ihm abwenden.“

Jos. 22, 29
Glaubenskriege, es gab sie im alten Judentum bis heute. Dabei geht es nicht einmal fromm gegen nicht fromm, sondern Glaubende gegen Glaubende. Bis heute sprechen die einen, den anderen den Glauben ab. Die eine Rechtgläubigkeit, bricht über die andere das Schwert. Auffassungen wie bei Josua. Die einen grenzten die anderen aus. Ihr vom Stamm Ruben, da hinter dem Jordan gehört nicht zu unserem Volk. Da gibt es Glaubende, die haben Gott für sich gepachtet. Wer nicht so glaubt wie wir, ist ein Abweichler oder meint es nicht so ernst. Da betet oder singt einer etwas anders, dann wird er mit Verachtung gestraft. Da müssen Glaubende ihre Gottesbeziehung bezeugen: Das sei ferne von uns… Willkommen im richtigen Leben. 
In der Ausbildungsstätte unseres Prios in Unterweissach wurde den jungen, angehenden Predigern vermittelt: Das erste Verständnis, das wir von Gott haben ist ein Missverständnis. Soll heißen, mit all seinen Vorstellungen von Gott, liegt der Mensch daneben. Gott ist für den Menschen nicht fassbar, erklärbar oder in eine Schublade einzuordnen. Gott ist so souverän, dass sich der Mensch immer infrage stellen muss. Er begegnet dem einen so, dem anderen anders. Christus kommt zu uns in der Eucharistie und in dem syrischen Flüchtling, der Bett und Schrank sucht, für eine Wohnung, die er bekommen hat. Gott lässt sich nicht in eine Schablone pressen, die Menschen aus einer persönlichen Begegnung mit ihm gemacht haben. Da braucht der Ordensmensch nicht gegen den Charismatiker antreten. Auch die Emmaus Jünger verstanden die Welt Gottes nicht mehr. Sie erlebten Jesus, der ihnen das Wort auslegte und große Hoffnungen für die neue Gottesherrschaft machte, und waren fassungslos, als für sie am Kreuz alle Lichter ausgingen. In ihrem enttäuschten Rückzug, dann die Nachricht, der Auferstandene befindet sich in Jerusalem. Angesichts dieser göttlichen Tatsachen kann sich der Glaubende immer nur infrage stellen, weil er die Geschichten um Gott nicht verstehen wird.
Gott kämpft nicht um die Rechtgläubigen, sondern kommt zu den Offenen, die sich immer neu, vielleicht durch eine Begegnung an der Krippe überraschen lassen. Er besucht nicht die Festgelegten, sondern die Bereiten, denen er immer wieder anders begegnen kann. 
Wo steht unser eigenes Verständnis von Gott, einer überraschend anderen Begegnung im Wege?