Die Welt versüßen

In der Liebe Christi wachsen Eigenschaften in uns, die wir von Natur aus nicht haben.

„Der Herr spricht: Er liebt mich, darum will ich ihn erretten.“
Ps. 91, 14

Wer liebt, heilt. Zu lieben und Liebe zu erfahren, lässt Menschen über sich hinauswachsen. Liebe ist die höchste gestalterische Kraft, die Menschen über ihren Verstand hinaus, zu ganz Großem ausformen kann. Liebe macht den andern groß, während Ablehnung ihn klein macht. Wenn Gott sagt: Er liebt mich, dann liegt darin bereits die Verherrlichung Gottes. Da geht ein menschliches Herz ganz im Herzen Gottes auf. Wo ein Mensch Gott liebt, hat Gott zuvor sein Herz ausgeschüttet. Liebe zu Gott sind immer Echo auf die angekommene Liebe von ihm. Kein Mensch würde Gott lieben, wenn er nicht bereits von Güte überfallen worden wäre. Gott ist es gelungen, ein zuvor verstocktes Herz aufzubrechen. Wo überhaupt Liebe in einem Menschen gedeiht, ist von Gott ein Funke übergesprungen. Liebe ist Gott und damit das Wachstum der Schöpfung. Alles was wächst, blüht und gedeiht, ist hineininvestierte Liebe. Gott hat sich total verschwenderisch ins Leben geworfen. Dass sich Gott an das Leben verausgabt, gibt allem Dasein seinen eigentlichen Wert. Alles was geschaffen ist steckt voller Potenzial der Liebe Gottes. Wo ein Mensch Gott liebt, entdeckt er sein eigenes Lebensgeheimnis. Er entdeckt, dass im Verschenken, im sich selbst hingeben, die größte Fülle und Erfüllung liegt. Gott ist deshalb so reich und verschwenderisch, weil er sich hingibt. Wer fest hält verliert; wer hingibt empfängt. Wo die Liebe verlöscht, schwindet der Lebenswille. Nach einer zerbrochenen Liebe geht es nur bergab. Wo die Liebe bricht, brechen Menschen. Da kommen Kopfschmerzen und Magenkrämpfe.

Jesus sagt: bleibet in meiner Liebe! Das ist unsere Rettung. Wir alle wissen wie anfällig und brüchig die Liebe unter Menschen ist, daher baut Christus eine Brücke zu einer enttäuschungsresistenten Liebe. Da ist die größte Liebe, die nie wegbrechen kann. Da ist dauerhaft eine lebenserneuernde Kraft. In diesem an Christus bleiben, liegt die ganze Belastbarkeit eines Menschen. Da kann Ablehnung kommen, so viel sie auch sein mag, jedoch stürzen wir nicht mehr ins Bodenlose. Das nimmt den bitteren Geschmack aller gebrochenen Beziehungen. Das nimmt die Abwärtsspirale nach enttäuschtem Miteinander. Wo wir in der Liebe Christi bleiben, werden wir durch alle Lieblosigkeiten hindurchgerettet. Da setzten keine Entwicklungsstörungen ein, sondern wir bleiben in der Wachstumsphase, in der Liebe, Eifer, Demut, Hingabe und Reinheit zur neuen Blüte austreiben. Die Liebe zu Gott heilt und rettet.

Können wir nicht damit die ganze Welt versüßen, wenn die Liebe ihre Blüten treibt?

Auslegungen für jeden Tag
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Predigt: Polterabend

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Heilige Vorbilder

Petr. 5, 1-3 

Was gute Unternehmen auszeichnet, sind gute Führungskräfte. Die Wirtschaft sucht heute nicht nur gute Fachkräfte, sie sucht gute Chefs. Vorzeigeunternehmen entstehen nicht nur durch gute Mitarbeiter, sondern durch ausgezeichnete Führungskräfte, die ihre Rolle richtig verstehen. Der einstige Marktführer für Handys, Nokia, erlebte einen gewaltigen Absturz in seiner Firmengeschichte und ist inzwischen eine bedeutungslose Marke unter den Smartphones. Die große Frage, die im Raum stand war, sind die über 200.000 hochmotivierten Mitarbeiter schuld an diesem Niedergang, oder die elf Führungskräfte? Sehr schnell war klar, es war die Geschäftsleitung, die eine Entwicklung verschlafen hat. Es waren die Chefs, die das Unternehmen ruiniert haben.

Petrus nimmt sich die Gemeindeleiter hart zur Brust, und verdeutlicht ihre Rolle als Führungskräfte.

  1. Im Chefsessel

Versorgt die Gemeinde gut, die euch Gott anvertraut hat. Hütet die Herde Gottes als gute Hirten, und das nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus freien Stücken.

Wer im Reich Gottes Menschen anvertraut bekommt, muss als erstes lernen, das ist kein Privileg, sondern ein Dienst. Gott erteilt eine Verantwortung für andere. Es geht nicht um den Hirten, sondern um die Herde. Eine Herde muss satt im Futter stehen. Sie braucht beste Wiesen, maximalen Schutz, um Milch, Wolle, Nachwuchs und Fleisch zu produzieren. Die Mitarbeiter brauchen beste Voraussetzungen, um optimale Ergebnisse auf den Tisch zu bringen. Die Aufgabe des Hirten ist nicht mitzugrasen, sondern das Grasen zu ermöglichen. Für eine Führungsaufgabe muss ein ganz neues Rollenverständnis wachsen. Wo die Herde innerhalb des Zaunes ihre Arbeit macht, muss der Blick des Hirten weit über den Zaun hinausgehen. Er hält Ausschau nach neuem Weideland, er verhandelt Pachtverträge aus, die ihm für eine weitere Nutzung zur Verfügung stehen. Er wird sich um die Vermarktung von Wolle und Milch kümmern. Würde der Hirte nur mit auf der Wiese stehen und mit der Herde das Tagesgeschäft erledigen, wäre er in diesem Moment ein besseres Schaf, würde jedoch seine Führungsrolle vernachlässigen.

Ein Leiter trägt dafür die Verantwortung, dass die ihm Anvertrauten sich gut entwickeln. Er hat die Aufgabe Mitschöpfer Gottes zu sein. Gott mutet es ihm zu, die Veranlagungen, die er in seine Geschöpfe gelegt hat, freizulegen und zu fördern. Die Führungsrolle in einer Gemeinde ist eine Entwicklungsrolle. Jeder soll zu seinem Besten geführt werden. Gottes Potenziale sollen in jedem einzelnen zur vollen Entfaltung kommen. Für jeden aus seiner Herde muss er erkennen, was für ihn das Voranbringenste ist. Braucht er jetzt mehr Löwenzahn, oder einen kurzen Biss vom Schäferhund, damit er sich im Dickicht nicht verirrt? Der Hirte steht an Gottes Stelle. Er versteht sich selbst als ein beauftragter Führer, der darauf brennt, diese gute Führung weiterzugeben. Er hat den Weitblick dessen, der das große Ganze im Auge hat. Er lebt in dem Bewusstsein, von meinem Umgang, von meiner Führung lebt und fällt die Gemeinschaft. Auf dem Chefsessel der Gemeinden sitzen daher nicht die Macher, sondern die Diener.

  1. Leiter oder Mörder

Seid nicht darauf aus, euch zu bereichern, sondern arbeitet gern, auch ohne Gegenleistung. 3 Spielt euch nicht als die Herren der Gemeinde auf, sondern seid ihre Vorbilder.

Unternehmen gehen den Bach hinunter, wenn sich die Chefs die eigenen Taschen füllen, sich von Werten verabschieden und die andern die Rechnung zahlen lassen. Das gleiche gilt bei einem Amt in der Gemeinde. Führen Herren oder Vorbilder ist eine Existenzfrage. Wo Herren die Kirche regieren, bleibt der Herr der Kirche vor der Türe. Wer selber führt, wer mit Menschen zu tun hat, steht nicht über anderen, sondern unter Christus. Unter diesem Führungsverständnis werden wir selbst dem anderen zum Christus, der ihm die Füße wäscht. Wo diese Auffassung von Dienst verlassen wird, wird der Hirte zum Schlächter einer Gemeinschaft. Da stehen Besserwisser auf, die andere nicht fördern, sondern kurzhalten.

Da kann sich jeder, der mit anderen zu tun hat, selbst überprüfen.

  • Baue ich den andern auf durch meine Worte?
  • Locke ich ihn fordernd aus der Reserve?
  • Wird er durch meine Führung größer oder kleiner?
  • Will ich ihm nur klar machen, was für ein toller Hecht ich bin und welche Erkenntnisse ich ihm voraushabe?
  • Steht der andere im Fokus, oder ich selbst?
  • Diene ich, oder beanspruche ich?

Dort wo Christus mit Absolutheitsaussagen aufgetreten ist wie, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, hat er sich damit nicht von anderen abgehoben, sondern ihnen gedient. Er brachte die Gottesnähe näher zum Menschen. Er wollte dadurch den Menschen in seiner Einzigartigkeit in Gott entwickeln. Er hatte einzig Rettungsabsichten und führte von Magermatten zu saftigen Wiesen. Führungsverantwortung, die sich nicht ganz in den Dienst der anderen stellt und der großen gemeinsamen Sache, ruiniert eine Gemeinschaft. Die Regel von Taizé sagt: Wer fordernd vor oder in eine Gemeinschaft tritt, zerstört sie. Wer irgendwelche eigene Motive pflegt, wird vom Leiter zum Mörder. Wer nicht gerne hart und uneigennützig arbeitet, kann nicht zum Vorbild für andere werden. Gott braucht für seine Arbeit mit Menschen, nicht die Perfekten und Makellosen, jedoch die Willigsten, die sich entwickeln lassen, um andere zu führen.

  1. Agenda 100

Ich selbst habe die gleiche Aufgabe wie ihr, bin ein Zeuge der Leiden von Christus und werde auch an seiner Herrlichkeit Anteil haben, wenn er kommt.

Petrus setzt höchste Maßstäbe an Führungskräfte. 100% Christusgemäß. Nicht ein bisschen fromm, so gut es eben geht, sondern mit dem höchsten Ziel, das ein Mensch anstreben kann. Führung heißt, an der Herrlichkeit teilhaben. An der Herrlichkeit teilhaben, dahin führt der Stellvertreter Christus auf Erden, das ist das Petrusamt, von dem alle Führungsrollen abgeleitet sind. Um diesen hohen Anspruch geht es in der christlichen Menschenführung. Diesen Anspruch hat Christus an jeden, den er beauftragt. Er gibt sich nicht zufrieden mit 10, oder 50, oder 70%. Er schreibt auf seine Agenda 100%. Das ist die Zielvorgabe für Reich-Gottes-Arbeiter. Wo es um Herrlichkeit geht, geht es ums Ganze, es geht um Alles. Das muss Jüngern Jesu unter den Nägeln brennen. Wer weniger als 100% auf seine Agenda setzt, hat nicht Herrlichkeit vor Augen. Den kann Christus nicht gebrauchen, weil er der Gemeinde mehr schadet als nützt.

Am Herzen Gottes führen heißt, sich mit Christus zur Herrlichkeit durchleiden. Der Glaube hat den Mut, seine Mitmenschen in eine andere Welt zu versetzen. Mit ganzem Einsatz und voller Kraft, sind wir dafür verantwortlich, dass jeder aus der Herde dieses Ziel erreicht. Da geht es nicht um einen netten Spaziergang über eine Schlüsselblumenwiese, sondern um die persönliche Entwicklung, um die Tüchtigmachung eines jeden Einzelnen, der sich mit auf diesem Weg befindet. Einige lassen sich dabei mühelos und willig führen, andere sind dagegen widerspenstig. Da gilt es Liebe und Hartnäckigkeit zu paaren. Manche laufen mit einem kleinen Schupser in die richtige Richtung, bei andern sind es Kampf und Leidenswege, bis er das Ziel Herrlichkeit erkennt.

Gott selbst hatte damals bei der Befreiung Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft, erst Mose für diese Aufgabe überreden müssen, um Pharao die Stirn zu bieten. Mose sah sich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Pharao war derart stur, dass ihm Gott erstmal mit zehn schrecklichen Landplagen alles hat kurz und klein schlagen müssen, damit er das Volk ziehen ließ. Dann kam der Durchzug durch das Schilfmeer. Das erwählte Volk kam durch, die verfolgenden Ägypter kamen um. Zwei Wochen danach reichten, dass die frommen Israeliten der Führungskraft in der Wüste wieder zu schaffen machten. Wo bleibt Wasser, wo bleibt Manna?

Selbst für glaubende Menschen, die trotz erfahrener Wunder immer wieder neu zu zweifeln anfangen, braucht es handfeste Führungsgestalten, die in der Etappe immer neu, das gelobte Land aufzeigen. Gott braucht Führungskräfte, die ein starkes Gespür entwickeln, wo getröstet und wo motiviert werden muss. Daher sucht er Hirten mit der Agenda 100. Es sucht nach menschlichen und geistlichen Qualitäten. Er sucht die Geschmeidigen, die Willigen, die Veränderbaren, die Herrlichkeit vor Augen haben und dafür bereit sind alles zu leiden. Er sucht dich und mich. Er will durch Christus uns zu heiligen Vorbildern machen.

Willige werden geführt

Die Willigen und Bereiten, sind die Richtigen für Führungsaufgaben.

„Siehe, hier bin ich. Der Herr mach´s mit mir, wie es ihm wohlgefällt.“
2. Samuel 15, 26

Samuel ist gerade das Gegenteil von denen die sagen: Jetzt komme ich, ich weiß, wo es lang geht. Was ihn auszeichnet, ist eine schlichte Offenheit für Gott. Wo sind solche Menschen, die derart bereit dastehen und einfach sagen: mach mit mir, was du willst? Hemmungslos gibt er sich hin und lässt Gott machen. Das ist die totale Auslieferung seines Willens. Er ist von Gott so überzeugt, dass er darin das allerbeste für sich sieht. Keine Bedingung, kein persönlicher Anspruch, keine Verhandlungen, sondern die pure Hingabe. Sein Vertrauen in Gott ist größer als in sich selbst. Sein Glaube ist der Rücktritt von allen eigenen Vorstellungen. Hier erkennt sich ein Mensch als Werkzeug und Instrument in der Hand des Meisters. Herr, mach´s mit mir, ist die Voraussetzung für das Konzert seines Lebens. Darin liegt Gottes Wohlgefallen und das Beste für Menschen. Gott sucht nicht die perfekten Heiligen, sondern die Willigen.

Anders als so, gibt es kein Reich Gottes. Wo das mach´s mit mir, mit dem, ich mache für dich kollidiert, findet kein Glaube statt. Viele fragen sich, wo kann ich mich im Reich Gottes einbringen, was kann ich in meiner Gemeinde machen, doch das ist nicht das mach´s mit mir. Als für mich der Weg ins Kloster anstand, waren viele gläubige Ratgeber an meiner Seite, die mir sagten: Du wirst doch noch wo anders dringend gebraucht, oder ich selbst sagte mir, auch die äußere Mission braucht engagierte Leute, doch das wäre mein Wille gewesen. Bei mach´s mit mir, macht nur einer die Ansage, Gott selbst. Da spielen die Alternativen, die ich sonst im Reich Gottes hätte keine Rolle. Da geht es nicht mehr um das, was ich mir oder andere für mich alles vorstellen können. Das mach´s mit mir ist die Bereitschaft, dass es völlig anders kommt als ich mir denken kann. Da ist alles offen für Gott. Da kommen dann Dinge, die wir nicht auf dem eigenen Radar haben. Da stehen wir im Horizont des Allmächtigen. In der Willigkeit, kann Gott das entfalten, was er als Schöpfer in uns gelegt hat. Wo diese lückenlose Bereitschaft fehlt, beschränkt der Mensch sich selbst.

Mach´s mit mir, ist die Antwort des Petrus, wenn er Jesus gegenüber ausdrückt: Du weißt, dass ich dich lieb habe. Da kommt von Jesus: Weide meine Lämmer. Da erhält der wankelmütige Petrus seinen Lebensauftrag. Zuvor noch wegen Mangel im Glauben im Wasser ertrunken; als es für ihn eng wurde, noch seinen Meister verleugnet und dann diese Führungsaufgabe. Nicht die Starken, Großen und Guten erhalten große Aufträge, sondern die willigen Schwachen. Es sind die, die einfach sagen: hier bin ich.

Wo stehen wir uns noch im Weg, dass der Herr macht, wie es ihm wohlgefällt?

Liebe opfert sich

Hebr. 9, 15, 26b-28

Wenn die Blumenmönche dem Gourmet-Gastronomen in Stuttgart das Empfangsgesteck in der Eingangshalle gestalten, geben sie alles. Da opfert der Florist am Bindetisch sein Leben. Doch nicht dadurch, dass er sich umbringt, sondern indem er seine ganze Hingabe hineinlegt. Er gibt seine Arbeitszeit, seine Lebenskraft, sein ganzes Empfinden für Gestalten, Formen und Farben, letztlich seine ganze Leidenschaft in ein ausdrucksstarkes Kunstwerk. Er sieht die vielen feinen Herrschaften, die sich dadurch erfreut willkommen heißen lassen und sich  das Herz für einen unvergesslichen Abend öffnen. Er weiß, wofür er sich in diesem Moment opfert. Lebendig opfert er seine Liebe zu seinem Beruf und zu seiner Berufung. Genauso wie sich der Gastronom, an seine Gäste hingibt, um damit das Geld zu verdienen, mit dem er dieses Arrangement bezahlt. So dienen wir einander, mit dem, was wir sind und haben. Wir opfern dem anderen etwas von unserem Leben.

 

  • Hingabe, die uns meint

15 So hat Christus den neuen Bund zwischen Gott und uns Menschen vermittelt: Er starb, damit die Sünden aufgehoben werden, die unter dem alten Bund geschehen sind.

Karfreitag, ist schwarzer Freitag. Jesus leidet an der Selbsthingabe Gottes. Da ist Gott, der so sehr liebt, dass er um alles in der Welt nicht für sich sein kann. Er ist Gott, und bräuchte niemand für seine Vollkommenheit, weil er alles und in allem ist. Dennoch sucht er ein Du. Dabei leidet er genau an dem Du, das sich alles sein will, und zeigt, wie fähig es ist, ohne Gott zu sein. Das Kreuz zeigt, wie weit Gott aus sich herausgeht, und wie kaputt die Welt ist. Das Kreuz zeigt den Grund, dass es mich überhaupt gibt, dass er alles gegeben hat, mich ins Leben zu rufen, und es zeigt, wie ich mit dieser Leidenschaft umgehe. Das Kreuz ist Spiegelbild von Gottes und meines Handelns. Es ist der Grund und der Abgrund aller Existenz. Der sterbende Christus bringt zwei Extreme zusammen – den leidenschaftlichen Gott und den distanzierten Menschen.

Christus stirbt aus einer bitteren Notwendigkeit heraus. Gott leidet deshalb, dass der Mensch Mensch sein kann und nicht Gott sein muss. In der Begegnung mit dem Emausjüngern stellte Jesus diese Notwendigkeit mit einer Frage klar: Musste nicht Christus dies alles erleiden? Ja er musste! Es ist ein freiwilliges Leiden, für eine erneuerte Beziehung. Hier glüht Liebe, die alles geben will, um Unvollkommenes mit Vollkommenem zusammenzubringen. Es ist die totale Hingabe, die verlorenes Leben zurückgeben will.

  • Opfer, das lebendig ist

26  Aber er ist jetzt, am Ende der Zeit, erschienen, um ein für alle Mal durch seinen Opfertod die Sünden zu tilgen. 27 Jeder Mensch muss einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht.

Wo es um einen Opfertod geht, geht es gerade nicht um den Tod, sondern um das Leben. Es wäre abgründig, Jesu Leiden auf seinen Tod zu reduzieren. Nicht der Tod, sondern seine Hingabe ist die Botschaft des Kreuzes. Jesus ist nicht gekommen sein Leben zu opfern, sondern er für etwas einzusetzen. Sein Sterben ist sein Dienst an den Menschen. Er ist nicht gekommen um sich dienen zu lassen, sondern dass er diene und sich als Löseopfer gebe für viele. Diesen Dienst kann er nur mit seinem ganzen Leben erbringen, aber nicht mit dem Tod. Das zeigt die Qualität des Opfers. Er opfert das Allerletzte, um Sünden, die Gottestrennung zu tilgen. Am Kreuz heilt die gefallene Schöpfung. Da ist ein für alle Mal Schluss, dass ein Mensch opfern muss, um einen gnädigen Gott zu finden. Gott braucht kein Opfer mehr, um versöhnt zu sein. Christus beendet damit den religiösen Urreflex der menschlichen Seele, der in allen kultischen Opferhandlungen liegt. Keine Bauchaufschwünge mehr, keine Selbstkasteiungen, keinen Ablass, keine auferlegten Bußübungen oder sonstigen menschlich verkrampften Aktionen. Gott braucht kein Opfer mehr. Sein Opfer hat mit uns zu tun. Es ist das lebendige Opfer für unvergängliches Leben. Es nimmt aller Anklage das Gericht. Dieses lebendige beendet das Sterben nach dem Sündenfall.

Martin Schleske, der Geigenbauer sagt: „Es ist wichtig, die Leidensbereitschaft der Liebe nicht in die Erlösungskraft des Leidens zu verkehren! Es wäre ein fatales Missverständnis, den Tod Jesu zu verherrlichen – gerade so als habe Martyrium aus sich selbst heraus einen Wert, als sei Leiden eine Form des Gottesdienstes, als habe Jesus quasi darauf gewartet, endlich für uns zu sterben. Das wäre die religiös perverse Verherrlichung des Selbstmords.“ (Martin Schleske, Der Klang, Klangfarbe der Notwendigkeit, S. 165)

Im Opfertod geht es um Leben.

  • Liebe, die alles gibt

Nun können alle, die Gott berufen hat, das von Gott zugesagte unvergängliche Erbe empfangen, das ewige Leben bei Gott.

Das Kreuz verwandelt alles. Wir verherrlichen an Karfreitag nicht die Erlösungskraft des Leidens, sondern die Leidensbereitschaft der erlösenden Liebe. Wenn Christus für uns gelitten hat, ist nicht das Leiden das große Thema, sondern wie weit seine Liebe geht. Wir stehen erschüttert unter dem Kreuz, betroffen von dieser Notwendigkeit, blicken auf und sagen: Du hast mich in den Himmel geliebt. Das ist das unvergängliche Erbe, das wir am Karfreitag empfangen. Das Kreuz wird zur Kraft meines Lebens. Mit dem Kreuz spricht er über unserem Leben sein es werde und es ward. Da beginnt Neuschöpfung. Damit erschafft die Liebe das Leben zurück. Ich gebe mich ganz, damit es dich gibt. Die Selbsthingabe ist die Liebe, die sich nicht abschütteln lässt.

„Ein Mensch der Liebe sucht, aber nicht bereit ist, auch am Geliebten zu leiden, hat das Wesentliche der Liebe nicht begriffen. Es wäre der armselige Versuch, das eigene Dasein in schmerzfreier Belanglosigkeit zu ertragen. Es wäre ordinär.“ (Schleske)

Der Anfang des Glaubens beginnt am Kreuz. Somit ist Glaube, lebendiges Opfer aus Liebe. Das ist ein Glühen unter Schmerzen. Es ist die Leidenschaft eines Floristen, der einen traumhaften Rosenstrauß bindet, auch wenn ihm manchmal die Dornen die Finger zerstechen. Das ist unvergängliches Erbe, wenn aus dem Opfer am Kreuz, in uns ein lebendiges Opfer wird. Wer liebt, kann sich nur für Großes opfern. Da muss Glaube nicht nur warm und schön sein, da darf er auch schmutzig und hart sein.

Durch das Kreuz sind wir lebendig, weil Liebe sich opfert.

Total verrückt nach mir

Gott ist total verrückt nach uns.

„Mächtig waltet über uns seine Güte, und die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. Halleluja.“
Ps. 117, 2

Ein Lobgesang, bei dem einem Beter die Knie weich werden. Mächtig waltet Güte – da ist einer von der Liebe Gottes erschlagen. Fassungslos steht er vor so viel Gutem. Da glüht sich einer förmlich zu mir durch. Gott hat an mir einen Narren gefressen. Er schäumt über vor Hingabe zu mit. Wo Güte waltet, kennt Gott niemand anders als mich. Es ist das frisch verliebt sein, in dem der eine für den anderen alles gibt. Das ist schon ein Stück unreale Wirklichkeit, in dem man den Partner besser darstellt als er tatsächlich ist. Du bist das Allerbeste für mich, für dich gebe ich alles. Ich löse mich auf für dich, ich halte mich in nichts zurück. Ich gehe in dir auf, du bist mein ein und alles. Kein Preis ist mir zu hoch, um dich nicht mehr zu verlieren. Auch wenn du mich ins Gesicht schlägst, bebt meine Liebe zu dir. Auch wenn du mich verlassen willst, ich verlasse dich nie. Ich hänge an dir mit Leib und Leben. Ich definiere mich über dich. Ich gebe alles, dass du zum Klingen kommst. Ich erleide alle Schmerzen, um dir Freudentöne zu entlocken. Ich binde dir den schönsten Rosenstrauß, auch wenn mir die Dornen die Finger zerstechen. Mächtige Güte ist ein unvergleichliches Glühen. Da sieht man am Kreuz die Liebe leuchten. Um mich zu bekommen, kann Gott gar nicht anders als sein ganzen Lebensopfer zu bringen. In der Passion schreit die Gottesliebe: Ich liebe dich. Ich will dich auf ewig. Mächtig waltet über uns seine Güte, ist die größte Mitgift in dieser Welt. Für dieses Geschenk gibt er nicht nur alles, sondern sich selbst. Mächtige Güte.

Diese Güte will unser Herz weich machen. Wer so geliebt wird, kann nicht kalt bleiben. Da brechen alle Dämme. Da wird unsere Leidenschaft zum Kochen gebracht. Paulus beschreibt diese Konsequenz im Römerbrief: Wo Gott seinen Sohn nicht verschont und ihn für uns dahingibt – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? In dieses Lebensgeschenk sind wir hineingeliebt. Und wenn das Leben eiskalt wird, wenn uns das Herz in Stücke zerbricht, bleibt dieses Herzens Licht. Weil Gott total verrückt nach uns ist, brauchen wir in der Untreue unserer Tage nicht verrückt werden. Die Güte über uns, trägt die Lasten in uns. Wer so beschenkt und geliebt ist, braucht keinen Mangel zu fürchten. Wer geliebt ist und lieben kann, kann mit Schmerzen umgehen. Er weiß, dass zur ganzen Liebe, das ganze Opfer gehört. Diese Güte ist mächtiger als der Tod. Halleluja.

Warum sollten wir daran zweifeln, dass wir so geliebt sind?

Verschwendung baut auf

Verschwendete Herzen werden stark.

Des Herrn Augen schauen alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.“
2.Chr. 16, 9

Gott hält nach dem Echo Ausschau. Er hat hochbegabte Menschen auf die Erde geworfen und wartet auf den Aufschlag. Die Leidenschaft seiner Liebe hat die Erde entzündet und er sucht nach dem Feuer, das sich ausbreitet. Gott schaut und fiebert, was aus seiner Sache geworden ist. Er sucht nach Menschen die brennen. Er sucht die Heißen, die Feurigen, die Treuen, diejenigen, die ihre erhaltenen Gaben verschwenden. Er hält Ausschau nach der Frau, die Jesus zu Füßen liegt, seine Füße beweint, sie mit ihren Haaren trocknet und dem teuersten Salböl salbt. Geballte Emotionen, in denen sich Gottes Liebe wie ein rollendes Erdbeben über die Erde ausbreitet. Gott sucht nach der Leidenschaft, die er ausgelöst hat. Er durchsucht alles nach Liebe. Er will wissen, wie die Herzen schlagen, wonach sie sich sehnen.

Wo er das Echo seiner Liebe entdeckt, legt er noch einen drauf. Er macht die stark, die sich total für ihn verausgaben. Denen die alles geben, gibt er noch mehr. Er überschüttet die, die sich verschwenden, die mit seinen Gaben wuchern. Das ist das Gesetz der Liebe, die immer reicher wird, je mehr sie verschwendet wird. Am Herzen Gottes verarmt niemand. Da braucht sich niemand zurückhalten und schonen, dass die Kräfte reichen. Wo die Liebe brennt, wird ein Feuer unauslöschbar. Es geht um das ganze Herz, um den ganzen Eifer, um die totale Leidenschaft, die stark machen. Halbherzig bleibt schwach. Wo sich Herzen von Gott zurückziehen, gehen die Lichter aus und kühlt die Erde ab. Die starke Hilfe in aller Schwachheit, ist das ganze Herz bei Gott. Zwischen ganz und halb entscheidet sich Stärke und Schwäche. Halbherzige Liebe kann kein Feuer entfachen. Wo unsere Herzen nur bei uns sind, wo sie mit sich selbst beschäftigt sind, können keine neuen Kräfte fließen.

Wo Gott Ausschau hält, an welche Herzen er sich verschenken kann, wo er noch mehr dazu geben kann, ist wichtig, dass wir unser Herz untersuchen. Für was schlägt unser Herz? Ist es unter den Lasten schwach und müde geworden? Brennt das Feuer noch, das Gott einmal angezündet hat? Gott wartet mit ganzer Leidenschaft auf ganze Herzen. Er will dazugeben was fehlt.

Ist uns dort wo das Feuer ausgegangen ist, nicht angeraten, unser Herz untersuchen zu lassen?

Wenn der Verstand rebelliert

So sehr geht Gott seinen eigenen Weg, dass menschliche Vernunft ihn nur so verstehen kann, dass sie an ihm zunichte wird. Helmut Gollwitzer

„Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!Ps. 139, 17

Die Größe Gottes raubt den Menschen den Verstand. Alles, was über Länge, Breite und Höhe, also über den sichtbaren und wahrnehmbaren Bereich des Lebens hinausgeht, ist etwas, womit sich der Mensch schwer tut. Da ist etwas weit größeres als ich, das ich nicht fassen und einordnen kann. Wie sollte ein Mensch mit Anfang und Ende unendlich denken können? Bei allen Gedankenspiele um Gott, müssen wir immer wieder erkennen, Gott passt nicht in unseren Verstand. Die Brüder in der Ausbildungsstätte unseres Priors in Unterweisach, wurden zu Beginn ihres Studiums mit dem Satz konfrontiert: „Liebe Brüder, das erste Verständnis, das wir von Gott haben, ist ein Missverständnis.“ Soll heißen, wir begegnen Gott immer mit falschen Vorstellungen. Gott handelt und denkt anders als wir denken. Wenn er ruft, kommt er uns immer unpassend. Er unterbricht und durchbricht unsere Lebenskonzepte. Seine Gerechtigkeit werden wir nie verstehen, einmal ist er uns zu heilig, ein andermal zu gnädig. Gott ist derart souverän, dass sich dem alles unterordnet. Er ist der, dem Himmel und Erde folgen, dem Wind und Wellen gehorchen, der zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt spazieren geht. Unser Leben ist vor ihm, wie der Tropfen am Eimer, wie das Sandkorn in der Wüste. Wenn er nur ein Wort spricht, teilt sich das Meer und rauchen die Berge. All unseren Grenzen, begegnet in ihm einer totalen Grenzenlosigkeit. Wo es um Gott geht, braucht und kann der Verstand nicht mehr begreifen. Für ihn sind alle Aufregungen in unserem Dasein ein Windhauch. Wo Gott sich Menschen herauswählt, um etwas Neues entstehen zu lassen, müssen wir das nicht verstehen, wir sollen glauben. Unser Verstand ist in Glaubensdingen ein schlechter Ratgeber. Gott will nicht verstanden werden, er will geglaubt und geliebt werden. Wo der Mensch sich im Glauben hingibt, wächst er über sein Verstehen hinaus. Wer Vertrauen wagt, wächst in die Grenzenlosigkeit Gottes hinein.

Wenn Lebensereignisse die Luft rauben, wenn die Wellen hochschlagen und Krankheiten uns auffressen wollen, wenn unser Verstand nur noch seine eigene Sinnlosigkeit begreift, dann schlägt die Stunde Gottes. Hinter all dem, was wir nicht erkennen und verstehen, steht der, der alles weiß. Wo uns unser Herz verdammt, brauchen wir den, der aus dem Staub erhebt. Gerade in der Unfassbarkeit Gottes, liegt das umfassende Erbarmen, das das Brüchige und Begrenzte in seine Weite führt. Die größte Depression, die darauf angelegt ist, seinem Leben ein Ende zu setzen, braucht vor solch einem großen Gott nicht abzustürzen. In dieser Unbegreiflichkeit, liegt das heil werden der ganzen Schöpfung.

Sind nicht unsere Grenzen der Anfang für den der keine Grenzen kennt?

Zum Verschwenden geschaffen

Nichts ist widersprüchlicher, als ein Christ, der für sich selber lebt.

„Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.“
Spr. 3, 27

Dem Bedürftigen Gutes zu tun, ist zutiefst Gottes Wesensart. Haben um zu geben, ist Leben in sich. Verschenken, hingeben, sich entäußern, ist die Wolle, aus der Menschen gestrickt sind. Gott hat das Leben mit Gutem vollgetankt, damit das Dasein eine Weltreise unternimmt. Alle Existenz lebt davon, dass Gott sich darin hineininvestiert hat. Wir sind die mit Güte, mit Gaben, mit Wohlwollen, mit Erbarmen Angefüllten. In jeder unserer Bewegung steckt Gottes ganze Zuwendung. Gott macht es Spaß, uns lebendig zu halten. Das ist seine ganze Liebe und Selbstbestimmung. Das was er ist und hat sprudelt auf uns zu. Er kann sich in keiner Faser seines Wesens zurückhalten und auf sich beziehen. Das Gute hat den Drang zum Du, sonst würde es vereinsamen. Diese Grundbestimmung ist uns seit dem ersten Atemzug in die Wiege gelegt. Es ist das Lebensgeheimnis, das der Glaubende an Gottes Seite entdeckt und ausschöpft.

Wo Gaben und Gutes nicht fließen, ist der Glaubende ein See ohne Zufluss und Abfluss. Da beginnt früher oder später das große Fischsterben. Das was wir empfangen haben, ist uns zum Geben gegeben. Aufleben hat mit hingeben zu tun. Das ist ein Lebensgesetz, das vielen modernen Lebensentwürfen entgegensteht. „Gönne dir Gutes“, „nimm dir Zeit für dich selbst“, hat bestimmt einen richtigen Ansatz, doch darin liegt nicht die eigentliche Erfüllung. Wer das Leben in seinem ganzen Reichtum ausschöpfen will, kann nicht das was er hat verbrauchen, sondern muss sich selbst verschwenden. Das steht gegen alle Angst zu kurz zu kommen. Das kenne ich aus meiner eigenen Berufung. In meinen jungen Jahren hatte ich partout ganz andere Pläne, als ins Kloster zu gehen. Da war ein riesen Drang in die äußere Mission, in die große weite Welt. Da war der Gedanke an ein festgefügtes Leben in Gemeinschaft eine Beklemmung. Doch als über Umwegen klar war, Blumenmönch ist dein Weg, hat mich Gott eines Besseren belehrt. Ich konnte diese Geheimnis erleben, dass im sich selber aufgeben, mit allen Gedanken und Lebensplänen, eine größere Lebenserfüllung liegt, als in allem, was ich mir selbst an Land gezogen hätte.

Unsere Gaben haben wir nicht für uns, sie sind für andere. Unsere Zeit, unser Geld, unsere Kinder, unser eigenes Leben, sind Gabe zur Hingabe. Dort wo Gott uns hineinfließen lassen will, mit dem, womit er uns überschüttet hat, dort ist unsere Aufgabe. Wo wir zuhalten und uns weigern, verarmen wir und die Bedürftigen.

Was haben wir und was sind wir, das dort wo es gebraucht wird, zum Guten wird?

Selber groß, geht in die Hos‘

Der Ganzguss des Menschen liegt in der Ehrfurcht gegenüber seinem Schöpfer.

„Fürchtet den Herrn und dient ihm treu von ganzem Herzen; denn seht doch, wie große Dinge er an euch getan hat.“

1. Sam. 12, 24
Der altgewordene Samuel gibt die Essenz seines langen Lebens, als Abschiedsrede an die Israeliten weiter. Im Rückblick auf die Kapriolen eines Volkes, das von Gott erwählt ist und ständig aus seiner Führung ausgebrochen ist, stellt er klar, die Zukunft liegt in der Ehrfurcht vor dem Herrn. In der Ehrfurcht vor Gott entscheidet sich Wohl und Wehe eines ganzen Volkes uns jedes einzelnen Menschen. Wo die Ehrfurcht schwindet, verlässt der Mensch die Bindung an seinen Schöpfer. Er steigt aus dem wichtigsten Lebensgebot aus, auf das alles aufgebaut ist. „Du sollst den Herrn deinen Gott fürchten, lieben und ihm vertrauen.“ Das ist die Grundlage allen Lebens. Darüber kann der Mensch nicht befinden oder entscheiden, ob er das will, sondern es ist die Tatsache, dass wir der Ton in der Hand des Meisters sind. Ehrfurcht ist die Anerkennung, dass Gott etwas mit dem Leben plant, das er mit anvertraut hat. In dieser Ehrerbietung erkenne ich an, dass Gott mein Leben gehört. Ich kämpfe nicht in eigener Mission, sondern ich bin ein wertvolles Teil einer großartigen Geschichte. In der Ehrfurcht stellen wir die Weichen, wer in unserem Leben das Sagen hat. Samuel sagt: Eurer Ungehorsam, eurer Mangel an Ehrfurcht hat damals das Volk in die Wüste geführt. Der ehrfürchtige Mose und Aron brachten die Gerufenen von Ägypten nach Kanaan zurück. In der Ehrfurcht liegt die willige Hingabe, liegt das ganze Vertrauen, dass da einer mit mir große Dinge schafft. Die Ehrfurcht macht zu treuen Dienern des Höchsten. Da verschaffen wir uns nicht eigene Größe, wollen etwas sein, was wir gar nicht sein sollen, sondern da ist es das Größte, das zu sein, zu was Gott uns dachte. Im Dienen von ganzem Herzen, liegt der Lebensauftrag der Gerufenen. Damit arbeitet Gott an einem Werkstück, das seinen höchsten Zweck erfüllt. Damit wird das Holz zur Geige und der Same zur Blume. In der Ehrfurcht hat das Holzbrett aufgehört sich gegen seine Bearbeitung zu wehren, um zu etwas anderem zu werden als es gedacht war.  Die Ehrfurcht macht den Menschen vor Gott geschmeidig.
Zukunftsträchtig ist das, was Gott in die Hand nehmen kann. Das bewahrt uns vor dem Dahinwursteln in unserem eigenen Leben. Wo die Ehrfurcht vor Gott schwindet, können wir uns nur noch verrennen. Tragfähig ist das, wo wir uns willig für große Dinge bearbeiten lassen.
Wo fürchten wir noch, wir könnten verlieren, wenn wir „unsere Sache“ nicht selbst in die Hand nehmen? 

Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft

Wenn die Liebe in Leidenschaft brennt ist Weihnachten.
„Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.“

5.Mose 4, 24
Bei einer Vorstellung von Gott, können wir nur an ein leidenschaftliches Energiebündel denken. Da sprüht und funkt die Liebe an allen Ecken und Enden. Der Eifer um sein Haus hat ihn gefressen. Der Mensch, der immer wieder von ihm abweicht, holt ihn aus der letzten Reserve. Leidenschaft ist ein innerer Brand, der nicht zu löschen ist. Gott ist total verliebt in das Leben und die Menschen. Er will in allem das Beste vom Besten. Er ist angetrieben von Fülle und dass alle mehr als genug haben. Er brennt für den höchsten Standard des Daseins. Er glüht gegen Halbheit und Mittelmaß. Ein für das Gute Eifernder, wird sich nicht mit Ausschuss abfinden. Gott kann es nicht mit ansehen, wo der Mensch an seiner eigentlichen Bestimmung vorbei geht. In ihm bäumt sich alles auf, wo eine Blume die zum Blühen gedacht ist dahinwelkt.  
Lange Zeit hat man aus dem verzehrenden Feuer und eifernden Gott ein Angstgebäude zusammen gezimmert. Da wurde den „Abweichlern“ gedroht und den Hintern heiß gemacht. Gott als einer, der alles kurz und klein schlägt, wenn einer ihm nicht willens ist. Doch Gott droht nicht mit Feuer, sondern brennt für Rettung. Wer Angst verbreitet, kommt nicht aus der Leidenschaft Gottes. Das verzehrende Feuer liebt sich durch die Nacht der Welt, in den Stall von Bethlehem. Die Krippe ist ein Flügel von Gottes Phantasie, wie er wieder unter die Menschen kommt. Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft. Da hat die Liebe eine angstfreie Zone geschaffen. Stark und zart eifert Gott. Jesus ist das verzehrende Feuer, das sich in Herzen brennt. An der Krippe werden kernige Hirten weich. An der Krippe wird klar, wie Gott mit Unvollkommenheit umgeht. Die Liebe kommt nicht mit dem Holzhammer, sondern holt die Menschen an ihrer schwächsten Stelle ab. Dem Sünder wird nicht mit Strafe gedroht, sondern das Heil in den Dreck gestellt. Mit Christus eifert sich Gott in Herzen. 
Weihnachten will unser Gottesbild begradigen. Die Leidenschaft will uns heiß machen. Das Stehen an der Krippe, will zur Liebe befähigen. Weil wir abgrundtief geliebt sind, haben wir das, was das Leben braucht – den Mutterschoß. Wer geliebt ist, ist lebensfähig. An der Krippe gibt Gott dem Menschen zurück, was sein ganzes Leben ausmacht. Leidenschaftlich Geliebte können leben und lieben.
Wenn die Krippe das Feuer aller Leidenschaft ist, müssen wir da nicht feiern ohne Ende?

Gesegnete, frohe und leidenschaftliche Weihnachten