Gehorsam verleiht Flügel

Wer überhört, verschließt sich Türen und begrenzt sich selbst.

„Gehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.“
Jer. 7, 23

Ein Herz und eine Seele mit Gott sein ist eine Frage der Ohren. Die heiße Liebe zwischen Gott und Mensch beginnt, wenn er die Saiten unseres Herzens anzupft und seine Melodie im Menschen zu klingen beginnt. Sein Wort ist der Geigenbogen, der die Saiten zu streichen beginnt. Dieser kleine Berührungspunkt bewegt Welten und erfüllt Räume mit einzigartigem Klang. Der Saal bebt von Gesang. Die Liebe wird so heiß, dass sie den anderen durchdringt und ein Teil von ihm wird. In dem Spiel von Musik wird Gott mit seinem Volk ein Paar. Da bedingt einer den anderen. Einer macht den andern vollkommen. Wo sich diese beiden Pole miteinander verschmelzen, entsteht ein atemberaubendes Kunstwerk, das seine Umgebung in Bann zieht. Frischverliebte sind immer faszinierend und anziehend. Gott träumt von solch einer Beziehung. Sie macht ihn aus, sie macht sein Volk aus, sie macht die Glaubenden aus.

Heiße Liebe brennt durch Gehorchen. Gerade solch ein, für uns abstoßendes und altmodisches Wort, hat Feuer. Damit stimmen wir dem zu, was er sagt. Wir lassen es zu, dass der Geigenbogen uns bespielt. Was er sagt, macht uns zu einer klingenden Geige. Sein Wort formt mit virtuoser Kraft. Wir haben nicht nur gehört, sondern geben seiner Stimme einen Klangraum. Gehorsam lässt sich selbst los, entspannt total, dass das Konzert mit ihm beginnen kann. Gehorsam, ist der Sesam öffne dich, bei dem Gott alle Register zieht. Sich auf seine Stimme einlassen, macht uns zu Geliebten, die unter dem Liebhaber über sich hinauswachsen. Darin wird Menschsein zu einer unglaublichen Wahrheit befreit. Vielleicht löst Gehorsam deshalb solch ein Unbehagen aus, weil es solch eine verändernde Kraft besitzt, unter der wir uns selbst nicht mehr wieder erkennen. Wo das Wort klingt und wirkt, kann nichts bleiben wie es ist. Da fängt ein Instrument an, Töne von sich zu geben, die man noch nie von ihm gehört hat.

Der Stimme gehorchen, durchbricht allen Trott. Die Misstöne werden überstimmt. Ein tonloser Holzkasten, wird ein nicht wiederzuerkennender Klangkörper. Gehorsam verleiht Flügel.

Warum sollten wir Angst haben, uns auf dieses Wort einzulassen?

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Hörende haben kraftvolle Worte

Es gibt Worte, die die Kraft haben, die ganze Welt zu bewegen.

„Der Herr war mit Samuel und lies keines von allen seinen Worten zur Erde fallen.“1. Sam 3, 19

Samuel, ein junger Prophet, bewegte sehr viel in den damals politischen Spannungen des Volkes Israel. Was Samuels Worte so schlagkräftig machte, war, dass der Herr mit ihm war. Wo sich Gott hinter einen Menschen stellt, machen Worte Geschichte. Die Voraussetzung dazu war, dass Samuel schon in jungen Jahren auf die Worte Gottes hörte. Sehr feinfühlig reagierte er auf die Stimme, die zu ihm sprach. Dieses Hören und auf das Reden Gottes eingehen, machte ihn zum Sprachrohr. Im Hören auf das Wort, bekamen seine Worte Gewicht. Er wurde damit selbst zu O-Ton Gottes. Mit dem was er sagte, begann Gott zu handeln und Geschichte zu schreiben. Seine Worte wurden zu Gottes Worten. Darin äußert sich die Vollmacht eines Verkündigers, dass seine Worte von einem höheren Geist geprägt und durchdrungen sind. Wo sich der Mensch Gott hingibt, bekommen seine Worte eine durchschlagende Kraft, die nicht unter seiner Kontrolle liegen. Da können wir die Geschichte von Paulus durch Kleinasien und Europa verfolgen. Das wurde uns im vergangenen Jahr oft eindrücklich im Reformationsjubiläum vor Augen gestellt. Da hat ein kleiner Mönch eine Kirchenrevolution ausgelöst, was viel Erneuerung und auch Trennendes mit sich gebracht hat. Doch auch heute sind es Männer, die vom diesem Geist des handelnden Wortes durchdrungen sind, die gegen diese Trennung der beiden Großkirchen angehen. Bei dem ökumenischen Gedanken sprachen die Bischöfe Marx und Bedford-Strohm große Worte. Das verbindende Element in der Kirche, sind nicht all die Bemühungen gutmeinender Menschen, sondern Christus selbst. Wo Christus die Mitte ist, wird die Kirche eins. Karl Barth sagte: nur die Predigt des Wortes Gottes ist Gottes Wort. Überall wo Menschen sich auf das Wort einlassen, ist Gott mit ihnen, und werden ihre Worte zu einer Macht, die Welten bewegt.

Das sind dann Worte die aufrichten und trösten. Es sind Worte, die klare Wege in die Zukunft aufzeigen. Es sind Worte, die konfrontieren und vom Übel befreien. Die Zielrichtung dieser Worte ist immer, sich auf den handelnden Gott einzulassen. Große Worte führen in die Gottesgegenwart. Es sind immer die Worte eines Hörenden. Bei solch einer Haltung der Glaubenden, ist Gott mit uns und bekommen unsere Worte Gewicht.

Sind wir so offen für das Wort, dass dadurch unsere Worte Kraft haben, Glauben zu wecken?

Das neue Jahr ist startklar

Weil Gott sieht und hört, steht uns ein gutes Jahr bevor.

„Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ihr Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört.“2.Mose 3, 7

Wenn Gott sieht und hört, liegt die höchste Aufmerksamkeit auf dem Menschen. Alles was in uns und um uns geschieht ist wahrgenommen. Das was den Menschen trifft, betrifft Gott in gleicher Weise. Elend und Geschrei ist angekommen. Da ist kein Ausnahmezustand, den Gott nicht kennt, kein Seufzer, der ihm nicht im Ohr liegt. Aller Jammer liegt ihm im Herzen. Was Gott sieht und hört, ist seine Sache. Es berührt ihn, wenn sein Volk in Not ist. Bei Gott ist Empathie in Reinkultur. Er leidet, wo wir leiden. Niemand ist dem Schmerz so nahe wie Gott selbst. Unsere Not kratzt an seiner Existenz. Abgründe rufen ihn auf den Plan. Sterben ist nicht das was er wollte. Wenn Gott Elend sieht und Geschrei hört, will er das Leben erneuern. Der Liebhaber des Lebens denkt an Heil. Schöpfung heißt: Totes zum Leben erwecken. Sehen und hören ist bei ihm der Anfang der Genesung. Doch die sieht bei ihm anders aus, als wir das oft von ihm denken. Wenn Gott heilt, heilt er nicht unbedingt das Elend oder nimmt die Bedränger, sondern er gibt Christus. Er setzt nicht außen an, sondern will Menschen durchdringen. Mit Christus heilt er das belastete Herz, das erneuert dem Elend entgegen tritt. Wo Gott hört und sieht, will er in uns durch und durch gehen. Seine Liebe will das Geschwächte stark machen. Wo Christus einzieht, verliert das Elend seine Macht. 
Somit kann das neue Jahr nur gut werden. Wir haben bereits im Voraus auf alles Elend und Geschrei eine Antwort. Weil Gott sieht und hört, brauchen wir vor nichts erschrecken. Dem Glaubenden sind die Hände prall gefüllt. Wer in der Tiefe geliebt ist, weil er gesehen und gehört ist, kann nach allen Schlägen getrost aufstehen. Elend und Bedrängnis haben ihre Übermacht verloren, wo in einem geheilten Herzen Lasten in Segen verwandelt werden. Von Gott her ist das neue Jahr startklar.
Wie kann uns dieses Heil im neuen Jahr immer neu beflügeln und aufrichten? 

Weihachten für taube Ohren 

Weihnachten ist die freundliche Geste von ihrem Hörakustiker.

„So spricht der Herr: Ich habe zu euch gesprochen, immer wieder mit Eifer gesprochen, ihr aber habt nicht auf mich gehört.“Jer. 35, 14

Die Menschen haben wo es um Gott geht einen Gehörschaden. Taube Ohren sind die Nacht der Welt. Nicht wenn der Mensch nicht mehr sieht wird es finster, sondern wenn die Gottestöne leiser werden. Der Hörverlust bringt den Stress auf die Erde. Seit Adam und Eva haben es die Menschen an den Ohren. Wo das Gehör versagt, zerbricht Gemeinschaft. Jeder Schwerhörige, der nichts gegen seinen Hörverlust unternimmt vereinsamt, wird misstrauisch, weil er sich selbst von der Gesellschaft und dem Leben ausgrenzt. Er bekommt nur noch einen Bruchteil von dem mit, was um ihn herum abgeht. Gott nicht mehr hören, ist der Anfang vom Ende. Wo die Worte von Gott ihre Bedeutung verlieren, wird das Leben dumpfer. Da fehlen die kompletten Obertöne. Das, was einmal hätte nach Musik klingen sollen, wird ein seelenloses, unberührendes, weit entferntes  Danhinbrummen. Wer schlecht hört, verliert Lebensqualität. Wer Gott nicht hört, verliert den Guten und alles, was er in das Leben hineininvestiert. Das nicht hören, führte das Volk Israel in die Wüste. Mit dem Hören auf Gott, steht und fällt der Mensch. 
Wo der Mensch das hören verlernt hat, weiß z.B. die dreizehnjährige Leonie, die nächstes Jahr konfirmiert wird, nicht mehr, warum wir Weihnachten feiern. Das nicht in einer Großstadt oder in einer fremden Kultur, sondern mitten in der schwäbischen Provinz. „Man bekommt zwar Geschenke, doch woher soll ich wissen wann Jesus Geburtstag hat.“ Nichts hören macht arm. 
Da Gott in seinem Eifer ungebrochen ist, gibt es Weihnachten etwas auf die Ohren: „Ich verkündige euch große Freude, euch ist heute der Heiland geboren.“ Mit Christus verschafft sich Gott wieder Gehör. Den Schwerhörigen ist das Wort geboren. Christus ist der Hörverstärker, der Gottes Wort durch und durch dringen lässt. Dadurch kommt der ganze Mensch in Schwingung. Dieses lebendige Wort, wird zum Hörgerät des Schwerhörigen. Damit wird es Weihnachten in tauben Ohren.
Ist das nicht ein Fest, wenn wir bei Hörverlust wieder glasklare Töne hören?

Warten feiert den Augenblick

Wer innehalten kann, erfährt ein Führen, das keiner vorausplanen kann.

„Herr, ich warte auf dein Heil.“

Ps. 119,  166
Warten ist unbequem. Jedes Planungsinstrument ist darauf ausgelegt, so wenig wie möglich Leerzeiten zu haben. Jedes Zeitfenster ist ausgeplant, um Wartezeiten zu vermeiden. Warten, still sein, aushalten, scheint bei vielen auf der Beliebtheitsskala zwischen Zahnweh und Durchfall zu stehen. Der Psalmist sieht warten als Größe an. Auf das Heil warten ist ihm lebenswichtig. Dieses Warten ist ein Unterbrechen des täglichen Getriebes, um hineinzuhören auf das Wort, das Richtungen aufzeigt. Warten ist eine innere Nullstellung für eine Neuorientierung. Auf den Herrn warten, ist das offen werden für Christus. Da stellen sich die Parameter auf Empfang ein, um vom heiligen Geist Signale zu erhalten. Warten ist die Erwartung des Heiligen im Alltäglichen. Warten ist somit die Grundvoraussetzung des Glaubens, um überhaupt zielstrebige Wege gehen zu können. Warten und gehen bedingen sich. Es ist das Geschwisterpaar von Hören und Tun. Nur gehen, nur voranschreiten, nur Aktion nimmt dem Leben die Orientierung. Advent ist Einkehr, ist Innehalten, ist Warten auf die Ankunft Christi. 
Einige machen für ihre Jahres- und Lebensplanung, am Jahresende so genannte Dreamdays. Das ist ein bewusster Einschnitt, um sein Leben zu überdenken und sich einige Fragen zu stellen. Wer bin ich? Wo stehe ich? Wo will ich hin? Ganz bewusst soll dem neuen Jahr eine zielstrebige Richtung gegeben werden. Hektische Abläufe werden gezielt durchbrochen, das Gehen gestoppt, um zu warten und in sich hinein zu hören. Solch ein Warten ist heilsam und lebenswichtig.
Um im Glauben aktiv werden zu können, ist das Warten lernen nötig. Um im Getriebe und den täglichen Pflichten nicht unterzugehen, braucht der Heilige Geist Empfänger. Geführt werden, erfahren wir in der Unterbrechung. Um die Stimme des Geistes zu hören, müssen wir still sein. Da brauchen wir Räume, die nicht gleich nach dem Aufstehen von Fernsehen und Handy beschallt werden. Wo wir mit allem Möglichen zugedröhnt werden, ist es unmöglich die zarte Stimme der Führung aufzunehmen. Warten ist eine aufgeschlossene Lebenshaltung, für alles, was von dem Heil auf uns zukommt. Es feiert die Unterbrechung als Diamanten des Augenblicks.
Sind wir oft so orientierungslos und getrieben, weil wir das Innehalten verlernt haben?  

Kunst des Augenblicks

Es ist die hohe Schule der Weisheit, im täglichen Getriebe die Kunst des Augenblicks zu entdecken.
Herr, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getröstet.“

Ps. 119, 52



In diesem Gebet aus dem längsten Psalm, kommt eine tiefe Ruhe über den Menschen. Gottes ewige Ordnungen, machen etwas mit dem Läufer im Hamsterrad. Damit werden Schwerpunkte gesetzt und Spannungen entzerrt. Was aus dem Wort kommt, beruhigt mehr, als aller Umtrieb um die tägliche Existenz. Das kommt eindrücklich bei Martha und Maria zum Ausdruck, als sie Jesus zu Gast hatten. Martha reißt sich alle Beine heraus, um ihren Gast fürstlich zu bewirten; Maria dagegen, setzt sich ihm zu Füßen und hört seiner Rede zu. Es entsteht Zickenzoff im Gotteshaus. Die eine bezeichnet die andere als faul und bekommt von Jesus zu Antwort: Sie hat das bessere Teil erwählt. Da verstehe einer die Welt noch. Doch in der Christus-Gegenwart, bekommen selbstverständliche Abläufe eine andere Struktur. Wo das Wort auf den Menschen zukommt, tritt der Dienst am Nächsten zurück. Christus stellt das Wort, die ewigen Ordnungen an die erste Stelle. Nichts hat eine solche Tragkraft für den Menschen, kann so viel Ruhe und Trost entwickeln, wie das Aufmerken, auf das was von Gott kommt. Der ganze Einsatz für Gott und die Menschen, kann das nicht ersetzten, was an Kraft aus diesem Hören kommt. Hier werden eindeutige Schwerpunkte für einen getriebenen Tagesrhythmus gesetzt. Es sind die ewigen Ordnungen die uns tragen und nicht unser Einsatz.
Es ist die Frage, was uns in unserem oft hektischen Mühen wirklich durchträgt. Setzen wir uns „nur“ gnadenlos ein, oder leben wir in allem Getriebe, aus der Kunst des Augenblicks, die aus den ewigen Ordnungen kommt? In der Ausrichtung auf das Wort, können hastige Schritte stetiger, und eilig schlagende Herzen still werden. In allem Einsatz, brauchen die Ruhelosen Gedankenpausen. Nicht unser Umtrieb verschafft uns die Ruhe nach der wir uns sehnen, sondern das Unterbrechen und Hören. Hier reguliert sich unser Zeitplan. Nicht wir haben keine Zeit für das Wort, sondern ich brauche gerade diesen Raum des Hörens, damit die Richtung meines Handelns stimmig wird. In der klaren Ausrichtung auf die ewigen Ordnungen, irren wir nicht mehr durch unsere Tage, sondern erhalten eine klare Richtung für unser Leben. 
Wieviel Zeit nehmen wir uns, immer wieder über die grundsätzlichen Fragen des Lebens nachzudenken? 

Hoffen ist Gnade

Um morgens Hoffnung zu haben, müssen wir aufs richtige Pferd setzen.
„Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich.“

Ps. 143, 8
Wer auf die Gnade hört, hat Christus im Boot. Auf Gnade hören heißt, sich selbst loszulassen und Erbarmen zu erfahren. Die Jünger schufteten eine ganze Nacht vergeblich. Sie verließen sich auf ihre Erfahrung und ihr Können als Fischer. Sie waren fixiert auf die Nacht und ihren persönlichen Einsatz; alles vergeblich. Die Wende kam, als Jesus am Morgen am Ufer stand. Genau hier beginnt Hoffnung, wo die Gnade größer wird, als das Vertrauen auf sich selbst. 
Wir rackern oft bis zum Umfallen. Wir setzten uns mit ganzer Kraft für unser Leben, die Menschen, die Gemeinde ein und vieles scheint so vergeblich. Es ist der Kampf gegen Windmühlen, oder der Lauf im Hamsterrad. Viel Einsatz und wenig Erfolg. Eine Nacht in ihrem Spezialgebiet als Fachleute gearbeitet, ohne Ertrag. Das Vergeblich wird zum Frust. Das Vergeblich wird zur Hoffnungslosigkeit. Der Mensch neigt dazu, alles von sich zu erwarten und auf seine eigene Leistung zu vertrauen. Doch bei allem Einsatz müssen wir erkennen, dass unsere Hoffnung nicht in unserem Mühen liegt.
Da ist nicht der Faulheit das Wort geredet, sondern der Gnade. Nicht der gnadenlose Einsatz macht´s, sondern der Jesus am Ufer. Auf die Gnade hören, gibt der vergeblichen Nacht Hoffnung. Zu all unserem Einsatz kommt das Entscheidende dazu, dass wir auf sein Wort hören. Wo die Jünger auf das Wort Jesu noch einmal loszogen, hatten sie solch einen Fang, dass sie ihn kaum nach Hause brachten. Hier hat das Christus-Wort in die Erfahrung der Fachleute hineingeredet, und das brachte das hoffnungsvolle Ergebnis. Die Gnade, der Christus am Ufer entscheidet über Sein oder Nichtsein. Darin finden wir den Mut in aller Vergeblichkeit. Unsere Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit kann nur durch das Hineinhören in das Wort, das von Christus ausgeht, durchbrochen werden. Wir können hoffen, wir können glauben, weil Jesus am Ufer steht.
Warum wundern wir uns über unsere Verzweiflung , wenn wir meinen, wir müssten uns in allem auf uns selbst verlassen? 

Geschichten machen stark

Wer kraftvoll und hoffend in die Zukunft gehen will, braucht eine lebendige Geschichte.
Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört, unsere Väter haben´s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten vor alters.“

Ps. 44, 2
Der Blick in die Geschichte macht Gott groß. Der Mensch lebt aus der Vergangenheit. Stark werden wir da, wo wir uns auf unsere Wurzeln besinnen. Vergangenheit gehört nicht immer abgehakt, sondern ganz bewusst ausgegraben. „Wir müssen zu unserer Geschichte stehen und aus der Geschichte heraus leben, um die Herausforderungen unserer Zukunft zu meistern“, sagte gestern Bundespräsident Steinmeier zum Tag der deutschen Einheit. Die Geschichte, das was die Väter erzählen, hält uns am Leben. Wie Gott handelt, und wie er in Zukunft handeln wird, daran können wir nur glauben, wenn wir auf das schauen, wie er gehandelt hat. Aus den früheren, bereits gewesenen Handlungen, kommt die Kraft für das Heute und Morgen. Der Glaube steht nicht im Nichts, sondern in der Geschichte der Väter. Im Zurückhören und Rückbesinnen, entdecken wir den Gott, der mit Menschen seine Geschichte schreibt. Im Hören auf die Väter erkennen wir den Gott für Heute.
Wenn Paulus zurück schaut, sieht er auf die Propheten, die im Glauben Königreiche bezwungen haben, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt und Löwen den Rachen gestopft haben und noch vieles mehr. Die Väter sind Vorbilder die antreiben. Wir leben aus der Geschichte des Volkes Israel mit seinem Gott. Wir leben aus der Kirchengeschichte, von gestandenen Männern und Frauen des Reiches Gottes. Wir leben aus der Geschichte mit Jesus Christus. Das Hören ist immer das Hineinhören in die Geschichte. Das Neue lebt aus dem Alten. Wo wir uns von unseren Wurzeln trennen, fehlt die Kraft das Morgen. Entschlossen und kraftvoll im Glauben aktiv werden, können wir nur dort, wo wir auf einem klaren Fundament stehen. Wenn wir nur auf das jetzt schauen, weil wir im Jetzt leben, können wir keine Hoffnung für die Zukunft entwickeln. Wo wir ohne unsere Geschichte leben, können wir nur ein blasses Bild von Gott bekommen und einen farblosen Glauben leben. 
Um Sterbende zu trösten, um Hoffnungslose zu begleiten, um Fremden Heimat zu bieten, um tiefe Gräben zu versöhnen, braucht es Menschen, die eine starke Geschichte haben. Je stärker wir uns in die Geschichte Gottes mit den Menschen verwurzeln, umso kraftvoller wird unser Glaube, umso entschlossener der Gang in eine hoffnungsvolle Zukunft.
 Wo sind unsere starken Geschichten, die uns zu wagemutigen und standfesten Menschen machen?

Behalten hält frisch

Mit der Demenz fängt das Elend an.
„Versiegen die laufenden Wasser aus den sprudelnden Quellen? Mein Volk jedoch hat mich vergessen.“

Jer. 18, 14-15
Mit dem Vergessen fängt jede Beziehungskrise an. Wer vergisst, hat etwas aus dem Speicher verloren. Da fehlt etwas, was da sein müsste. Da ist ein Vakuum. Gott vergessen heißt, dass ein Leben aus dem Ruder läuft. Sein Wort nicht mehr präsent zu haben, heißt, Christus versiegt. Wer vergisst, trocknet aus. 
Es war ein Jammer, wenn wir in den heißen Sommertagen sehen mussten, wie manche unserer Pflanzen trotz gießen, schlapp machten. Manche waren nicht mehr zu retten, weil sie bei der Hitze kein Wasser mehr aufnehmen konnten. Diesen Zustand beschreibt Jesaja von denen die zu Gott gehören. Sie verdorren, weil sie hören und vergessen. Sie nehmen nichts mehr auf. Sie hören noch das Wort, doch sie speichern es nicht mehr. Die gestaltgebende und lebendig machende Kraft geht verloren. Vergessen und versiegen bedingen sich. 
Hören ist das offen sein für Christus. Es ist das an der Quelle bleiben. Es ist Mahlgemeinschaft. Hören und behalten, ist den Christus in mir abspeichern. Ich lasse gerade das nicht los, was mich am Leben erhält. Mit der Eucharistie wirke ich der Demenz entgegen. An Christus bleiben, ist das Gott nicht vergessen. Wo Christus an Bedeutung verliert, werden wir zur verwelkenden Blume. Christus können wir nicht locker nehmen, weil darin das Blühen unserer Existenz liegt. Hören und behalten machen uns zu Tätern. Damit begießt Gott die Menschen. Damit zieht das wieder Aufblühen seine Kreise. Als die von der Quelle Kommenden, werden wir zu Frischzellen für die Welt.
Sind wir noch an der Quelle, oder hat uns die Demenz schon ausgetrocknet?  

Himmlische Störmanöver 

Machmal können die Worte von Gott auch ungemütlich sein.
„Es sei Gutes oder Schlechtes – auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes, werden wir hören.“

Jer. 42, 6
Die Stimme des Herrn ist nicht nur eine nette Streicheleinheit. Gott kann in seinem Wort unseren Trott ganz schön durchschütteln. Gott will stören und wach machen. Das Wort trifft den Menschen zunächst als Gegner, weil Menschen anders wollen, als Gott will.
Israel hatte zur Zeit Jeremias ungemütliche Zeiten. Manche aus dem Volk wurden von Babyloniern verschleppt. Sie suchten über den Propheten Rat bei Gott. Die Frage war, ob in Jerusalem bleiben, oder nach Ägypten flüchten. Gott sagt bleiben, und nicht aus Angst flüchten. Eine Suppe, die nicht jeder gerne auslöffelt. D.h. in der Bedrohung bleiben und standhaft sein. Es heißt, Vertrauen wagen und nicht Schwierigkeiten davonlaufen. Das Wort zwingt uns oft zu schwereren Wegen. Es könnte vielleicht angenehmer und einfacher gehen, doch das Wort nötigt zum Aushalten.  
Wer die Stiimme des Herrn hören will, muss damit rechnen, dass es anders gehen kann, als ich mir das dachte. Daher ist gut, wenn wir rechtzeitig lernen, bei diesem Hören, gegen uns selbst zu stehen. Wir müssen gegen unsere eigene Auflehnung angehen, gegen das was zu dieser Stimme nein sagen will. Diese Stimme kann durch Menschen zu uns kommen, durch ein Bibelwort, durch Verkündigung und Ereignisse. Wo wir merken, dass in uns etwas rumort, dass sich in uns eine Gegenreaktion auf Gesagtes zusammenbraut, ist es immer gut, sich zu prüfen, dass wir nicht den Geist auslöschen, der uns vielleicht gerade ansprechen will. Was von dieser Stimme kommt muss nicht immer beruhigend sein, es kann unseren letzten Funken Glauben herausfordern. 
Wenn wir auf die Stimme hören wollen, müssen wir uns auf alles gefasst machen. Es gibt immer zig „vernünftige“ Gründe Gottes Worte nicht zu hören und prophetische Rede zu verachten, doch es bleiben die Worte, die zum Leben führen. Gerade wo wir diesem Wort, gegen uns selbst recht geben, fängt Reich Gottes an zu wachsen und zu blühen.
In wieweit sind wir bereit, unser Denken und unseren Trott durch diese Stimme stören zu lassen?