Begnadete gehen unfassbare Wege 

Die Zartheit Gottes, ist durch nichts zu überbieten.

“ Herr sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.“

2.Mose 33, 17




Mose stand in einem intensiven Dialog mit Gott, der ihm den Auftrag erteilte, sein Volk in das verheißene Land zu führen. Mose wollte von Gott klare Zeichen, die ihm den Weg zeigen. Da kam es zu der eindrücklichen Szene, in der Gott zu Mose sagte: Verstecke dich in dieser Felsspalte, dann will ich mit meiner ganzen Güte an dir vorüberziehen und dir vorausgehen. In diesem Zusammenhang steht auch die heutige Aussage: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden. Gott in seiner Größe geht total einfühlsam mit seinem Boten um. Er will die ganze Nähe zum Menschen, obwohl ein Mensch diese Nähe gar nicht erträgt. Gott offenbart Herrlichkeit in der Endlichkeit dieser Welt. Das sind Kontraste und Gegensätze, wie Feuer und Wasser. Wo Gott in seiner ganzen Güte vorüberzieht, fällt so viel Licht auf den irdischen Menschen, für die er nicht mehr geschaffen ist. Das wäre eine Sonnenbrandeffekt. Gott lässt sich auf die Verhandlung mit Mose ein und schützt ihn gleichzeitig vor einer Überdosis Herrlichkeit. Wo ein Mensch Gnade vor Gott gefunden hat, legt Gott ein Gespür an den Tag, dass er niemand mit seinem Anspruch überfordert. Wenn Gott im Schutz der Felsen vorübergeht, zeigt nur die Größe an Heiligkeit, die für Menschen unerträglich ist. Gnade finden, ist so viel Gott erfahren, wie in einen Menschen passt.
Maria war genauso eine Begnadete. Der Engel brachte ihr eine horizontsprengende Botschaft. In ihr soll der Erlöser wachsen. Doch wie einfühlsam diese Unvorstellbarkeit vermittelt wird ist umwerfend. Eine zuvorkommend, freundliche Begrüßung: Ave Maria, dann der Schutzmantel: fürchte dich nicht, du hast Gnade vor Gott gefunden. Auf diese Einstimmung folgt das unerwartet Göttliche: Du bekommst ein Kind. Die Gnade macht das unfassbare Große von Gott, menschenverträglich. Da zeigt sich Gott in seiner ganzen Freundlichkeit und Sensibilität. In Christus kommt die ganze Menschenfreundlichkeit Gottes zu uns. Da wird jeder einzelne von uns ein Begnadeter. Christus ist die wohldosierte Führung Gottes die vorangeht. Er ist das „fürchte dich nicht“, wenn unser Leben in neue Herausforderungen gestellt wird. Er ist der freundliche Gruß, wenn wir Wege gehen sollen, die über unser Fassungsvermögen hinausgehen. Mit Christus haben wir die Gnade, dass ein Leben über das Menschenmögliche hinauswachsen kann.
Wie offen sind wir für die Wege, die wir nicht kennen, weil wir Gnade gefunden haben?

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Eucharistie-Geprägte

Am Umgang mit dem Nächsten, lässt sich erkennen, wo einer Zuhause ist.

„Bessert eurer Leben und Tun, so will ich euch wohnen lassen an diesem Ort.“

Jer. 7, 3



Bei Gott wohnen, prägt einen Lebensstil. Die ersten Christen trafen sich täglich in ihren Häusern und feierten das Abendmahl. Gemeinschaft mit Gott, fördert die Gemeinschaft zwischen den Menschen. Gottesdienst hat soziale Auswirkungen. Wo Gott nahe ist, wird einem der andere näher. Wer Gemeinschaft mit Gott pflegt fällt durchaus angenehm unter den Menschen auf. Da wirkt sich etwas Gutes und Wohlwollendes auf den Nächsten aus, vor allem auf die Bedürftigen und Ausgegrenzten. 
Zu Jeremias Zeiten, war der Wurm in der Entwicklung des Volkes drin. Er mahnte an, dass sie fremden Göttern nachlaufen und die Witwen und Waisen vergessen haben. Ihr Gottverlassen hatte katastrophale Auswirkungen. Wo die Gemeinschaft mit Gott nicht mehr den grundlegenden Platz hat, wackelt das Sozialgefüge. Wo andere Themen wichtig werden, schwächelt die Liebe. Man erkennt darin den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Gottesbeziehung und dem Elend, das sich in der Welt ausbreitet. Wo der Prophet zur Besserung des Lebens und Tuns aufruft, ruft er in die umgehende Gottesgegenwart zurück. Glaubende stehen immer in der Gefahr, von den Grundlagen abzurücken und sich vom Alltäglichen oder anderen Schwerpunkten bestimmen zu lassen. Da kann die Sorge um die Zukunft, das Mühen um das tägliche Auskommen, oder gar die eigene Fitness zum Gott werden. Bessert euch heißt, sich selbst zu hinterfragen, was beschäftigt mich gerade und was treibt mich an, was füllt mich aus. Bessert euch heißt auch zu erkennen, wirkt mein Glaube noch in die Bedürftigen hinein. Es ist die Selbstprüfung meiner Gottesbeziehung. Es ist die Frage an sich selbst: Bin ich ein Eucharistie-Geprägter? 
Bei vielen Missständen in Gemeinden und Gemeinschaften lässt sich ganz schnell erkennen, dass viele Not aus Gottesentzug entsteht. Nicht mehr bei Gott wohnen macht krank. Da schneidet sich der Mensch vom Heil ab. Besserung tritt dort ein, wo Gott wieder reichlich wohnen kann. Daher können wir nur Platz schaffen, und gegen alles angehen, was  uns sonst beherrschen will.
Ist das nicht für alle eine Bereicherung, wenn wir wieder zuhause sind?

Vom Opfer zum Herrscher

Wenn uns Zorn und Rachegedanken verfolgen, brauchen wir nicht denken, der Friede kommt von selber wieder.

Ist´s nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.“

1.Mose 4, 7



Gott macht den Menschen zum Herrscher über die Sünde. Ein starkes Wort an Kain, der danach seinen Bruder Abel erschlagen hat. In väterlicher Liebe, macht ihm Gott klar, welche Vollmacht gegen die Anfechtung in ihm liegt. Im Glauben lässt sich entspannter mit erfahrenem Unrecht umgehen. Kain kam sich von Gott benachteiligt vor, weil Gott sein Opfer nicht angenommen hatte. Er sah sich als weniger wertgeschätzt und zurückgestellt an. Es kratzte ihn an seiner Ehre. Eine angekratzte Ehre kann aus Schafen Löwen machen. Das ist die wunde Stelle der Anfechtung, in der der Mensch zu allem in der Lage ist. Da geht der Blick nicht mehr nach oben, sondern nur noch der Knüppel nach unten. Gott will den Kain noch davor bewahren und verdeutlicht die Tricks der Sünde. Er sagt: Die Sünde liegt nicht in dir, sondern lauert vor der Tür. Sie kommt von außen auf dich zu und du hast die Macht sie zu beherrschen. Sünde ist nichts zwanghaftes im Menschen, sondern ein Reiz, der auf ihn einwirkt, über den jeder frei entscheiden kann, wie er mit ihm umgeht. Auch wenn alles in uns kocht, haben wir die Macht Nein zu sagen zum Zuschlagen. Der Mensch ist ein freier Mensch. Er ist nicht Opfer der Umstände, sondern Herrscher über die Gewalten. Das ist die Würde und Vollmacht die im Aufblick zu Gott liegt. Der vor Gott Stehende ist kein Ausgelieferter an das Schicksal, sondern besitzt die Freiheit seine Reaktion auf das Schicksal selbst zu bestimmen. Keine Situation zwingt ihn zu einer notgedrungenen Handlung; er entscheidet frei, wie er mit der Anfechtung oder Ehrabschneidung umgeht.
Wir sind tagtäglich von Reizen umgeben, die uns herausfordern, und genau da beginnt unsere Verantwortung. Wo die Rechtsprechung und die moderne Psychologie hier verirrte Wege geht, indem sie die schlechte Kindheit für eine ungute Entwicklung verantwortlich macht; wo der Florist dafür haftet, wenn beim Kunden das Haus abbrennt, weil er unaufmerksam die Kerze am Adventskranz anzündet, sagt Gott nein. Herrsche über die schlechte Kindheit, über die brennende Kerze. Herrsche über das, wo du dem andern die Schuld in die Schuhe schieben willst. Sei ein eigenständiger, freier und verantwortlicher Mensch, der sein Leben vor Gott selbst in die Hand nimmt. Du bist nicht dazu geschaffen, dich zum Spielball irgendwelcher Umstände machen zu lassen.
Ist es nicht genial, wenn wir im Glauben frei den Blick erheben und zur Sünde Nein sagen können?

Das Wort ist sicher

Das Wort ist die alles bestimmende Macht.

Der Welt Grundfesten sind des Herrn, und er hat die Erde daraufgesetzt.“

1.Sam. 2,8



Welch starkes Bild; egal, was alles auf dieser Welt wichtig erscheint, wie sich die Menschheit auf dieser Erde entwickelt oder sich selbst zugrunde richtet, alles ruht in dem Wort. Das lebendige Wort, der Christus, sind die beiden Hände, die die Erde wie einen Spielball tragen. Umschlossen, fest im Griff des Wortes: „Ja ich will“, steht das Weltgeschehen. Die Erde ist kein Selbstläufer, sondern vom Wort getragen und durch das Wort funktionsfähig. Das Wort ist das Betriebssystem des Universums. Auch wenn der Erde die Luft ausgeht, ruht ihre Vergänglichkeit in etwas Bleibenden. Auch wenn die ganze Welt zerfällt, geschieht das innerhalb des lebendigen Wortes. Das ist die Spannung zwischen Tod und Leben, zwischen Sterbendem und Ewigen. Die Tragfähigkeit des Wortes garantiert das Überdauern in allem Zerfall. Nichts und niemand kann aus dem, „es werde und es ward“ herausfallen. Die Schaffenskraft des Wortes ist unauslöschbar. Die Macht des Wortes, überragt alle Sicherheitssysteme, die sich die Menschen auf dieser Erde einrichten. Das Wort ist das bedeutendste Wertpapier, die garantierte Lebensversicherung, das, was alle Börsencrashs überdauert. 
Jeder weiß, wie flüchtig die Sicherheiten sind, auf die sich die Menschen verlassen. Eine Währungsreform, und das ganze Kapital ist nur noch die Hälfte wert. Menschen können sich gegenseitig keine Sicherheiten geben, weil es auf der Erde keinen beständigen Halt gibt. Alles Streben nach Existenzsicherung und finanzieller Freiheit, was die meisten in ihrem täglichen Tun antreibt, ist so brüchig, dass es noch etwas Sicheres darüber hinaus braucht. Lebenssicherheit liegt in beidem, dem Mühen um das tägliche Brot und dem Festmachen in dem Wort. Wo der Halt in dem Gehaltenen wegbricht, verstärkt sich die Sorge um das Alltägliche. Wo der Mensch in der Macht des Wortes ruht, und von der Kraft des Christus getragen ist, steht er, auch wenn in ihm und um ihn alles zerfällt. Wo sich das Leben durch Höhen und Tiefen bewegt, ist das Wort der Stabilitätspakt, der Vergängliches überdauern lässt. Das Wort ist sicher.
Wenn wir auf diesen Grundfesten stehen, was sollte uns da aus diesen tragenden Händen werfen?

Augen auf

Die Wege, die wir gehen, sind davon bestimmt, worauf sich die Augen konzentrieren.

Wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern unsere Augen sehen nach dir.“

2.Chr. 20, 12



Wenn du in die Sonne schaust, fallen die Schatten hinter dich, eine altbekannte Weisheit. Wo wir auf Christus schauen, bekommt die Nacht der Welt ein anderes Gesicht. Das was wir anschauen bestimmt uns. Unsere Augen bahnen den Weg zum Licht oder in den Untergang. Der Blick auf Christus, ist die Wende aus dem Chaos. Es ist der Blick, auf Weg, Wahrheit und Leben. Damit steht der Todüberwinder vor Augen. Aus dem Totensonntag wird der Ewigkeitssonntag, bei uns das Christ-König-Fest. Christus im Visier, nimmt dem Elend den Schreck. Es nimmt der Ohnmacht ihre Übermacht. Wo die Augen Christus sehen, bekommt der Glaube einen Wachstumsschub. Es ist wie ein Baum im Frühjahr, der all seine Zweige der Sonne entgegenstreckt und dann anfängt Blätter zu treiben, die unter dem Licht grün und saftig werden. Glaube wächst unter diesem Blick der Augen. Was die Augen fokussieren, entscheidet über stehen und fallen. Glaube ist die Interaktion der Augen mit Christus. 
Wo die Augen nur das eigene Elend, Nöte und Schwierigkeiten im Blick haben, kann kein Glaube gedeihen. Da bleibt das irren und das „nicht wissen, was wir tun sollen“.  Unglaube, Glaubensschwäche, liegt an dem, was die Augen sehen. Was wir anschauen, bekommt Macht über uns, heißt es. Wo wir uns mit Weltuntergangsszenarien beschäftigen, brauchen wir uns nicht wundern, warum wir keine Hoffnung mehr haben. Wo wir nur auf die Schreckensmeldungen der Medien blicken, kann kein Glaube gedeihen. Wo wir in unseren mitmenschlichen Spannungen, die Blick auf Christus verlieren, kann keine Liebe mehr wachsen. 
Wo Glauben wachsen soll, wo wir in den Fragen des Lebens Antworten suchen, geht es um das, was wir anschauen. Die Blickrichtung entscheidet über Hoffnung oder Verzweiflung. Wenn Glaube wachsen soll, braucht man einen Christus vor Augen und entzieht sich somit anderen Blickrichtungen. Darin liegt auch ein bewusstes Abwenden, von dem, was Glaube ruiniert. Der Glaube braucht die Konzentration auf den Ewigkeitssonntag, um den Totensonntag zu überwinden.
Was geben wir heute unseren Augen zu sehen?

Packungsbeilage zum Glück

Frömmigkeit ist der Entschluss, die Abhängigkeit von Gott als Glück zu bezeichnen. Hermann Bezzel
Achtet ernstlich darauf um eures Lebens willen, dass ihr den Herrn, euren Gott lieb habt.“

Jos. 23. 11



Wo der Mensch den Gott der Liebe liebt, entsteht eine win win Situation. Da entfaltet sich die stärkste Macht des Lebens in einem Geschöpf. Wo die Gottesliebe auf die Liebe des Menschen stößt, entsteht Gottesdienst. Da wird Alltag zum Fest. Dass Gott Liebe ist, ist die größte Aussage, die über dieser Erde steht. Über allem was lebt, hat Gott sein „Ja ich will“ gesprochen. Damit hat er alles Leben vollgetankt und in Bewegung gesetzt. Diese Liebe hält die Welt in Atem. Sie vernetzt die Menschheit mit Zuneigung. Darin liegt alle Genesung und Heilung. Wo sich der Mensch dieser Liebe entzieht, beginnt das Elend. Es ist der Ausstieg aus seinem eigenen Lebensraum. Leben ohne Liebe macht krank. 
Wo die Liebe zweier Menschen zerbricht, sind das körperliche Schmerzen. Da brechen oft Existenzen zusammen. Viel mehr noch, wenn die Liebe zu Gott verlöscht; da graben wir uns selbst das Wasser ab. Da fehlt dem Leben das aufbauende Ja. Es fehlt die Zuneigung, die antreibt und in Bewegung setzt. Ohne diese Liebe wird alles Dasein kraft- und saftlos. Da fehlt die Energie zum Leiden und Kämpfen. Ohne die Liebe verliert das Leben seinen Sinn.
Daher heute der Warnhinweis, wie auf einer Zigarettenschachtel: Achtet ernstlich darauf, ohne Liebe ist alles tödlich. Gott zu lieben ist die Fortsetzung der Liebe, die uns getroffen hat. Es ist der Hinweis, sich selbst etwas Gutes zu tun. Es ist eine Empfehlung für unsere seelisch, geistliche Gesundheit. Diese Packungsbeilage ist ein Betrag zu unserem Glück. Gott zu lieben ist das Fitnesskonzept Nr. 1. In der Liebe zu Christus, tut der Gute uns das Beste. In dieser innigen Liebe, reift der Glaubende in das göttliche Lebensprinzip, das anfängt Berge zu versetzen. 
Wo erkennen wir die Stoppschilder in unseren Tagen, die uns neu für diese Liebe heiß machen wollen? 

Unvergessen für immer

Wenn der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut. Claus-Peter März
Der Herr wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.“Ps. 9, 19
Gott übersieht und vergisst niemand. Das ist eine starke Aussage in alle Verlassenheitsängste hinein. Gerade wenn das Leben hart zuschlägt, die Hoffnung auf einen guten Ausgang schwindet und Gott ewig weit weg scheint, manifestiert Gott seine Gegenwart umso stärker. Nicht vergessen und nicht verloren sein ist Gottes Trotzreaktion. Was über Menschen auch hereinbricht, was sie aus der Bahn wirft, hier ist ein Anker, der allem Elend Grenzen setzt. Gott bestimmt das Maß der Unerträglichkeit. Selbst die totale Finsternis, ist bei Gott nicht finster. Jesu Aufschrei am Kreuz: Mein Gott, warum hast du mich verlassen, war der Übergang in die Herrlichkeit. Am allertiefsten Punkt der Not, erwartet Gott den Geschlagenen mit offenen Armen. Der freie Fall des Verlassen- und Verloren Seins, endet gerade nicht in der befürchteten Nacht, sondern im Aufgefangen werden des Heil. Der unangenehmste Schmerzpunkt ist die Verwandlung zur Hoffnung. Wo es völlig dunkel ist, kann das Licht seine ganze Kraft und Schönheit entfalten. Der Nacht der Welt ist der Stern von Bethlehem gesetzt. Gottes Krippenspiel ist die Antwort, dass er nicht vergisst und keine Hoffnung verloren ist.
Wie solch eine Hoffnung aussehen kann, durften wir z.B. beim Benefizkonzert am vergangenen Sonntag erleben. In ihrem Rolli, stellte sich Natalie vor die überwältigende Besuchermenge und bedankte sich für den Mut, den ihr jeder einzelne durch seine Anwesenheit macht. Sie hätte nach jahrelangem Kampf, wieder Hoffnung und Energie zum Weitermachen, das sei ein Wert, der mit allem Geld der Welt nicht zu bezahlen ist. Gott hat eine breite Palette, in der er zeigt, dass er keinen vergisst. Wo der geteilte Schmerz zur Hoffnung wird, hat Gott schon sein Haus gebaut. Die schwersten Zeiten erfahren eine Verwandlung, wo die Krippe aufgebaut wird. So haben die Armen und Elenden die größte Verheißung in der Tasche. Wo Gott keinen vergisst, kann das Bittere süß werden. Da ist am dunkelsten Punkt der Nacht, bereits der Umbruch zu einem neuen Tag.
Wenn Gott jetzt schon mitten in dieser Welt wohnt, wie soll da die finsterste Nacht ohne Hoffnung sein?

Kunst des Augenblicks

Es ist die hohe Schule der Weisheit, im täglichen Getriebe die Kunst des Augenblicks zu entdecken.
Herr, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getröstet.“

Ps. 119, 52



In diesem Gebet aus dem längsten Psalm, kommt eine tiefe Ruhe über den Menschen. Gottes ewige Ordnungen, machen etwas mit dem Läufer im Hamsterrad. Damit werden Schwerpunkte gesetzt und Spannungen entzerrt. Was aus dem Wort kommt, beruhigt mehr, als aller Umtrieb um die tägliche Existenz. Das kommt eindrücklich bei Martha und Maria zum Ausdruck, als sie Jesus zu Gast hatten. Martha reißt sich alle Beine heraus, um ihren Gast fürstlich zu bewirten; Maria dagegen, setzt sich ihm zu Füßen und hört seiner Rede zu. Es entsteht Zickenzoff im Gotteshaus. Die eine bezeichnet die andere als faul und bekommt von Jesus zu Antwort: Sie hat das bessere Teil erwählt. Da verstehe einer die Welt noch. Doch in der Christus-Gegenwart, bekommen selbstverständliche Abläufe eine andere Struktur. Wo das Wort auf den Menschen zukommt, tritt der Dienst am Nächsten zurück. Christus stellt das Wort, die ewigen Ordnungen an die erste Stelle. Nichts hat eine solche Tragkraft für den Menschen, kann so viel Ruhe und Trost entwickeln, wie das Aufmerken, auf das was von Gott kommt. Der ganze Einsatz für Gott und die Menschen, kann das nicht ersetzten, was an Kraft aus diesem Hören kommt. Hier werden eindeutige Schwerpunkte für einen getriebenen Tagesrhythmus gesetzt. Es sind die ewigen Ordnungen die uns tragen und nicht unser Einsatz.
Es ist die Frage, was uns in unserem oft hektischen Mühen wirklich durchträgt. Setzen wir uns „nur“ gnadenlos ein, oder leben wir in allem Getriebe, aus der Kunst des Augenblicks, die aus den ewigen Ordnungen kommt? In der Ausrichtung auf das Wort, können hastige Schritte stetiger, und eilig schlagende Herzen still werden. In allem Einsatz, brauchen die Ruhelosen Gedankenpausen. Nicht unser Umtrieb verschafft uns die Ruhe nach der wir uns sehnen, sondern das Unterbrechen und Hören. Hier reguliert sich unser Zeitplan. Nicht wir haben keine Zeit für das Wort, sondern ich brauche gerade diesen Raum des Hörens, damit die Richtung meines Handelns stimmig wird. In der klaren Ausrichtung auf die ewigen Ordnungen, irren wir nicht mehr durch unsere Tage, sondern erhalten eine klare Richtung für unser Leben. 
Wieviel Zeit nehmen wir uns, immer wieder über die grundsätzlichen Fragen des Lebens nachzudenken? 

Erben macht ökumenisch

Es ist das größte Zeichen, das die katholische und evangelische Kirche in Deutschland, im Sommer in München gemeinsam in die Welt senden konnte. Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strom, verkündeten Jesus Christus als das eine Fundament, das die christlichen Kirchen verbindet.
Hilf deinem Volk und segne dein Erbe und weide und trage sie ewiglich!“

Ps. 28. 9



Wo die Kirche ihr Erbe erkennt, kann keiner mehr seine eigene Suppe kochen. Gottes Erbe ist das größte Vermächtnis an sein Volk. Das alte Israel hat das noch sehr elitär und auf sich bezogen verstanden, doch mit Christus ist dieser lokale Horizont aufgebrochen. Da ging es plötzlich nicht mehr nur um die Schafe im eigenen Stall, sondern auch um die anderen „draußen“. Mit Christus wurde das Erbe Gottes global. Er durchbrach die Mauer zu den anders Denkenden und anders Glaubenden. Für die damalig Auserwählten ein Affront, dass sich Gott damit den „Reingeschmeckten“ zuwendet. Gott denkt mit seinem Erbe umfassend und weltweit. Mit Christus wurde Gott ökumenisch. Wo Christus ist, ist selektives Denken und Glauben nicht mehr möglich. Da ist dieses Erbe der große Schatz aller christlichen Kirchen. Dieses Erbe verbindet weltweite Unterschiede. Dieses Erbe setzt den anderen mit an unseren Tisch. Dieses Erbe ist Mahlgemeinschaft, weil nicht die Kirche zu Tisch bittet, sondern Christus selbst einlädt. Dieses Erbe ist das, was die verschiedenen Konfessionen in diesem Jahr des Reformationsjubiläum, hat wieder näher zusammenrücken lassen. Christus als das Erbe Gottes ist die Basis, den unterschiedlichen Glauben, verschiedenste Traditionen und spirituelle Vielfalt zusammenbringt.
Das Erbe ist Geschenk und Auftrag. Wo Menschen gerne abgrenzen und ausgrenzen, ist das Erbe verbindend. Da wohnt Christus plötzlich in einem Menschen, dessen Glaubensauffassung ich nicht teile, dessen religiöse Praxis ich nicht verstehe. Da kommt einem der andere näher, weil wir in dem Fremden den Bruder erkennen, der mitgeerbt hat. Da weitet sich in uns die Spielwiese Gottes. Da können wir nicht mehr auf unserem Dogma beharren. Da kann es keine engstirnige Frömmigkeit mehr geben. Die Erben Gottes sind unter allen Umständen ökumenisch und multikulturell, weil Christus gegenwärtig ist.
Muss nicht dort, wo dieses Erbe ist, eine Verständigung und Annäherung, auch in den größten Unterschieden möglich sein?

Teufelskreise durchbrechen

Ein warmes Herz zu entwickeln, ist eine reife Haltung in einem unreifen Menschen.

Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!“

Ps. 112, 5



Ein Anflug von Seligpreisung kommt da auf einen zu. Gott legt einen Umgangsstil an den Tag, der völlig gegen menschliche Prinzipien geht. Für ihn gilt nicht gleiches Recht für alle, sondern Barmherzigkeit gegen Unrecht. Nicht mehr Auge um Auge, Zahn um Zahn bringt die Welt wieder ins Gleichgewicht, sondern Liebe entwaffnet das Unheil. Wo ihm Unrecht geschieht, macht er nicht den anderen fertig, sondern liebt sich selbst zu Tode. Verletzen beantwortet er nicht mit verletzen, sondern mit heilen. Er durchbricht mit seiner Barmherzigkeit den Teufelskreis. Dort wo ein Wort das andere ergibt, sich die Gemüter erhitzen und im Unfrieden auf einem Scherbenhaufen enden, praktiziert er die Größe des Guten. Frieden entsteht nicht, wenn der Gegner niedergestochen ist, sondern wenn Wunden geheilt werden. Mit Christus geht Gott auf den Menschen zu, der ihm ins Gesicht schlägt, beleidigt und entehrt. 
Menschen leben nach dem Jamaika-Prinzip; eigene Positionen durchsetzen wollen und Miteinander platzen lassen. Sie wollen durch Konfrontation entspannen. Jeder wundert sich, warum  man nicht auf einen Nenner kommt. Doch wo jeder nur das Seine will, und kein höheres Ziel einen antreibt, bewegt man sich auf Sandkastenniveau. Jeder ist sich selbst der Nächste und keiner startet zum Höhenflug durch, indem er das große Ganze vor Augen hat. Die vielen kleinlichen Streitereien und gegenseitigen Verletzungen lösen wir nicht auf Augenhöhe, sondern im über sich selbst hinausgehen, um des höheren Zieles willen. Teufelskreise durchbrechen, können nur die Herzen, die größer werden. Barmherzigkeit verlässt das menschliche Maß von Recht und Gerechtigkeit, und spielt in einer anderen Liga. Was mir zum Wohlergehen dient, tut auch dem anderen gut. Wo wir das Gute und Heil erfahren haben, können wir nur heilsstiftend unterwegs sein. Nicht mehr, wie kann ich den andern in seinem Unrecht in die Pfanne hauen, sondern was dient dem andern in seiner Entgleisung zum Guten. Die Barmherzigkeit nimmt uns in die Verantwortung, liebend zu heilen. 
Wäre es nicht unbarmherzig, die selbst erfahrene Barmherzigkeit, nicht dem anderen zukommen zu lassen?