Wir kommen nicht zu kurz

Wir brauchen uns nirgends von irgendwelchen Ängsten beherrschen lassen.
„Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der Herr hat es nicht getan?“

Amos 3, 6
Bei Gott gibt es keine Angst vor dem Tod. Da gibt es keine Angst, zu kurz zu kommen. Nirgends ist das Leben so sicher, als in dem, der es erschaffen hat. Einmal geschaffenes Leben, ist in Gott garantiert. Da gibt es nichts, was diesen Lebenswillen auslöschen kann. Menschsein bedeutet Dasein in Gott. Es ist in eine Urgeborgenheit eingehüllt. Zwischen Mensch und Leben gibt es etwas Unzertrennliches. Gott ist Leben im Vollsinn. Da ist Überfluss, der ewig überläuft. 
Menschen haben Angst vor dem Unglück. Dahinter steckt die Angst vor dem „nicht überleben“; die Angst vor dem Tod. So ganz frisch nach einem Attentat nach Barcelona zu fahren, brachten mir auch Stimmen ein: Hast du keine Angst? Es ist alles so unsicher. Und in der Tat, am Tag meiner Ankunft, gab es eine aktuelle Terrorwarnung, die dann am nächsten Tag wieder zurückgezogen wurde. Vieles im Leben wird auf Sparflamme gekocht, aus Angst, es könnte etwas passieren. Wir schöpfen das Leben nicht aus dem Vollen, weil irgendwo eine Gefahr lauern könnte. Da ist ständig ein schleichender Begleiter der uns abhält. Wir meinen, wir wären leichtsinnig, wenn wir uns nicht vor dem Unglück schützen, wenn wir das überhaupt können. Dieses ständig ängstlich sein, setzt das Leben auf Reserve. Wir sind hoch begabt und reich beschenkt und haben Angst es anzufassen.
Wenn das Leben in Gott ist, kann das Unglück dieses Leben nicht nehmen. Paulus sagt das treffend: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Für den Glaubenden ist der Tod kein Schrecken mehr. Egal was passiert, aus Gott können wir nicht herausfallen. Christus besiegelt die Überwindung des Todes mit dem Ostermorgen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein, formuliert Bonhoeffer. Wir können alles mit dem Auferstehungsglauben angehen. Da fangen wir an alle Register zu ziehen. Wir können das was uns gegeben ist, angstfrei und freudig genießen. In großer Freiheit können allem Bösen widerstehen. In diesem Glauben können wir die vom Unglück Gebeutelten kraftvoll trösten.
Warum wollen wir Gott für einen Schiffbruch anklagen, wenn er der Ozean ist, in den wir fallen?

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Der Blick über die Wüste

Allesentscheidend ist das, wie sich unsere Persönlichkeit entwickelt.
„Gedenke des ganzen Weges, den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütige und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre.“

5.Mose 8, 2
Gott will ganze Menschen aus uns machen. Er will Persönlichkeiten. Dafür sind unsere Lebensjahre gesetzt. Die Wüstenjahre und die Gipfelereignisse. Das unten durch und das oben drüber. Gott verfolgt mit Führung ein Ziel. Er will Menschen nach seinem Bild formen. Er will sich an seinen Geschöpfen verherrlichen. Mit allen Aktionen, will er bei uns ins Schwarze treffen. Der Mensch ist seine Herzenssache. Er will unser Herzblatt sein. Unsere Willenszentrale soll ganz von seinen Werten bestimmt sein. Alles was uns antreibt, soll durch ihn angetrieben sein. Unsere Motivation soll nicht aus uns kommen, sondern aus einem gereiften Stehen in Gott.
Eine gewaltige Veränderung, die sich Gott da bei seinen Geschöpfen vorgenommen hat. Da soll in Vergänglichem, Unheiligem, etwas Heiliges entstehen. Dieses Programm stellt das ganze Menschsein auf den Kopf. Veränderungen zu bewirken, geschieht dort, wo der Mensch im Kern seiner Existenz neuen Überzeugungen folgt. Ein Herz lässt sich nicht von außen verändern. Es braucht im Menschen selbst eine neue Gesinnung, die den Taktschlag der Herzfrequenz verändert. Damit Gott beim Menschen Mark und Bein trifft, bedarf es mancher Wüstenwege. Manche Führung muss ans Eingemachte gehen. 40 Jahre Wüste für das auserwählte Volk sind schon starker Tobak. Das ist wahrlich demütigend und herausfordernd. Das sieht mehr nach Erniedrigung, als nach Erbauung aus. Doch wenn Gott leitet hat das nicht mit einem Kuschelprogramm zu tun. Er sieht bei aller Führung den Werde Prozess, den der Mensch braucht, um zu dem zu werden, was er sein soll. Führen kann man nie aus der Etappe heraus bewerten, Führen braucht den Blick für´s Ganze.
Daher „gedenke des ganzen Weges.“ Gott richtet unseren Blick viel weiter, als nur auf die augenblicklich bittere Pille. Im Gedenken wird uns Gottes Motivation klar. Darin erkennen wir den Zweck der Wüste. Wer an das Ganze denkt, hat das Heil vor Augen. Da tut im Augenblick die Wüste zwar weh, weil die Kehle trocken ist, doch wir wissen um die nächste Quelle und werden zu ihr hingezogen. So entscheidet im Gedenken, ob wir verdursten oder Angetriebene sind. Gott will in der Krise starke Persönlichkeiten reifen lassen.
Sind unsere Klagen nicht oft ein Mangel an Gedenken?

Liebe erzieht

Gute Erziehung hat mit Liebe zu tun.
„Wen der Herr liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.“

Spr. 3,12
Erziehung ist keine Stilfrage, sie hat ein Ziel. Erziehung will weder einschränken, noch die Freiheit berauben, sondern aufbauen und stark machen. Sie ist ein Instrument, das Leben fördert und tüchtig macht. Weil Gott liebt, erzieht er. Dabei hat ein Liebender einen weit vorausschauenden Blick, der immer das Ganze im Auge hat.
Wenn wir an unsere Kindererziehung zurückdenken, war das Zurechtweisen meistens unangenehm. Als kleiner Wildfang kenne ich noch abgebrochene Kochlöffel und den Haselnussstecken auf dem Absatz zur Kellertreppe. Da gab es noch das eherne Gesetz, abends um 10 Uhr zuhause zu sein, wo Freunde noch länger bleiben durften. Damals kochte bei manchen Maßnahmen das Gemüt, heute muss ich sagen, meine Erziehung war das Beste, was mir passieren konnte. 
Zurechtweisen ist in der Situation meist eine bittere Pille. Nicht umsonst gibt es unzählige Bücher für Führungskräfte, wie man konstruktiv kritisiert ohne zu verletzen. Auch wenn Gott führt, kann das ungemütlich werden. Härte und Strafe kommen hier nicht aus einer unkontrollierten Persönlichkeit. Wo Gott liebt, will er vor dem Bösen bewahren. Er liebt zum Guten. Er sieht in uns, den heilsträchtigen Menschen. Wo er Hand an uns legt, hat er in uns sein Ebenbild vor Augen. Er liebt das Potential, das er in uns gelegt hat und zur Entfaltung bringen will. Da brennt der Schöpferwille, der uns nicht unter unseren Verhältnissen leben lassen will. 
Erzieherische Eingriffe sind dann hart, wenn das Vertrauen fehlt, dass Gott alles herrlich hinausführen wird. Erziehung fordert Glauben, dass Gott im Augenblick mehr sieht, als ich erkennen kann. Erziehen will für Führung geschmeidig machen. Gott erzieht durch sein Wort, durch seinen Ruf, durch harte Lebensschläge. Alles dient zur Reife, um in seinen weiten Horizont hineinzuwachsen. Die Gangart der Erziehung und der Ertüchtigung, hängt von der Hartnäckigkeit des Menschen ab. Jemand, der sich willig führen lässt, braucht nur geringe Korrekturen. Bei einer harten Schale, muss schon mal ein Nussknacker her. Wer gute Erziehung genießt, erfährt die größte Liebe.
Tritt da mancher innerer Groll, nicht in ein ganz anderes Licht? 

Ewig ist jetzt

Jeder Augenblick birgt einen Funken von Ewigkeit.
„Alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun.“

Pred. 3, 14
Wann beginnt die Ewigkeit? Eine Frage, die viele ins Jenseits datieren. Dabei ist ewig jetzt. Dort wo sich Zeit und Ewigkeit kreuzen ist in diesem Augenblick. Die Erfahrungen des Ewigen, dessen wo Gott Anfang und Ende ist, machen wir nicht gestern und nicht morgen, sondern in diesem augenblicklichen Moment. Das allumfassende, unvergängliche Reich Gottes begegnet uns nicht in der Vergangenheit, noch in der Zukunft, sondern in der Gegenwart. Die Gottesoffenbarung ist in diese Sekunde und Minute gelegt. Ewigkeit ist eine absolute Live-Erfahrung. „Alles, was Gott tut“ ist in der Sache, die Begegnung mit dem aktiven Ewigen. Auch wenn Gott in der Vergangenheit gehandelt hat und in der Zukunft handeln wird. Doch Gestern war und ist vorbei, da kann nachträglich keine Handlung mehr stattfinden. Morgen ist noch nicht, auch da finden jetzt noch keine Handlungen statt, das ist Zukunftsmusik. Die Aktivität des ewig handelnden Gottes ist jetzt. Der jetzige Augenblick ist die goldene Stunde, in der Gott mit uns und an uns etwas für die Ewigkeit schafft.
Was auf ewig besteht, ist unvergänglich. Viktor Frankl sagt: Was wir einmal gezeitigt haben, ist für immer verewigt. Das, was in diesem Augenblick geschieht, geht für alle Zeiten in die Geschichte ein. Wir kennen das von unvergesslichen Momenten, die wir voll ausgeschöpft haben und in ganzer Intensität in uns aufnahmen. Da sind Augenblicke zu einem unvergesslichen Wert geworden. Da haben wir intensiv gelebt und hatten erfüllende Erlebnisse mit lieben Menschen. Da begleiten uns Lebenserfahrungen im Guten wie im Schweren ein Leben lang. Es waren alles Jetzt-Erfahrungen. 
Gott will das Leben ewigkeitsträchtig machen. Er will mit seinem Tun unsere Tage satt machen. Er will sich in uns verewigen. Das geschieht einzig, wenn wir voll und ganz im Jetzt leben. Da dürfen wir nicht in den Geschichten unserer Vergangenheit leben, wie bei vielen alten Menschen, in denen immer noch die Erinnerung des letzten Krieges hochkommen. Genauso wenig ereignet sich das eigentliche Leben, wenn wir nur von den Planungen auf das Morgen getrieben sind. Wo die Tage nur mit der Sorge um die Zukunft angefüllt sind, kann sich im jetzigen Augenblick keine Ewigkeit ereignen. Wir betrügen uns um die wertvollste Gotteserfahrung und um das eigentliche Leben wo wir in unserer Zeit, dem Jetzt und Ewigen keinen Raum geben.
Wie wollen wir Gott erfahren, mit all dem, was er in uns verewigen will, wenn wir gar nicht in diesem Augenblick anwesend sind?

Treue ist stärker

Wer vom Elend getroffen ist, hat nicht ausgegessen.
„Du unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du Bund und Treue hältst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat.“

Neh. 9, 32 
Das ist das Große bei Gott, dem Schrecklichen steht ein großer Bund gegenüber. Zwei übermächtige Extreme begegnen sich. Das Furchtbare steht nie isoliert im Raum. Zum größten Elend gibt es ein Gegengewicht. 
Das Leben ist ein Kontrastprogramm mit allen Schattierungen. Da verstehen wir oft nicht, wie Gott die Lasten verteilt. Oder wie Bernhard Meuser es ausdrückt: Ich weiß nicht, warum Gott es zulässt, dass den Kindern die Mütter und den Müttern die Kinder genommen werden. Manche Härten können auch die Glaubenden nicht einfach mit links wegstecken. Über manchem Schicksal rotiert Herz und Verstand. Manche Wegführungen tun nur weh. Der Prophet Nehemia kennt solche Situationen und geht nicht in die Opposition. Dort, wo er nichts mehr versteht, bezieht er sich auf den Treue Bund. Dem Glaubenden wird die Treue zum Maßstab, mitten in allem Unverstehen. Er nagelt Gott an seinem eigenen Versprechen fest. Er achtet Gott höher, als sein Elend. Dort wo er an seiner eigenen Machtlosigkeit scheitert, bezieht er sich auf den Mächtigen. Damit kann sich der Bund, das Ja zu Leben an ihm offenbaren.
Die Antwort auf Leid, kann daher nie Anklage sein. Jede Form von Vorwürfen zieht den Bund in Zweifel. Leid findet sein Heil, indem wir an dem Treuebündnis aushalten. Der Glaube reift, wo großes Elend mit dem großen Gott in Beziehung gebracht wird. Wo Bartimäus schrie: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner, blieb Jesus stehen und sprach: Ruft ihn her!

Unser Schrei geht nicht ins Leere. Der Treue hat mit den Elenden einen Bund geschlossen. Christus bleibt stehen, wenn wir rufen. Daher ist eine Aus-Situation nie das Aus.
Binden wir Gott an sein Versprechen, wenn uns das Elend getroffen hat?

Lebenslänglich umgeschwenkt

Wir sind eingehüllt in leidenschaftliche Empathie.
„Sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber den Morgen ist Freude.“

Ps. 30, 6
Gott zeigt menschliche Gefühle. Zorn und Gnade, Weinen und Freude umfasst das ganze Menschsein. Gott durchschreitet die Tiefen und Höhen des menschlichen Daseins. Unverkennbar ist dabei seine Leidenschaft zum Guten. Er bleibt nie im Chaos des Menschen stehen. Er ist die totale Gegenbewegung, zu allem was Menschen niederreißen, zu allem was aus dem Ruder läuft. Die Ignoranz Gott gegenüber, die zum Zorn Anlass gibt, verwandelt Vergeltung in Gnade.
Das ist jeden Tag neu, das Größte der christlichen Botschaft. Evangelium voller Leidenschaft und Empathie für das, was sich gegen Gott aufbäumt. Wenn wir dem Begriff Zorn nachgehen, ist das die geballte Energie gegen das Böse. Zorn ist nicht böse, sondern der Aufstand gegen das Böse. Da kocht die Liebe, die sich nicht mit schuldig werden abfindet. Da glüht der Schmerz, einer enttäuschten Seele. Zorn ist das Gegenteil von Belanglosigkeit, der alles egal ist, wie es läuft. Es ist großartig, wie Gott mit Entgleisung umgeht. Seine Wiedergutmachung, sein in Ordnung bringen von verkrachten Lebensumständen, geschieht nicht im Niederschmettern, sondern im Erbarmen. Der Mensch bekommt schon lebenslänglich, doch nicht Strafe, sondern Gnade.  Auf die menschliche Zielverfehlung folgt nicht verdammen, sondern erlösen. Diese geballte Leidenschaft gibt dem Menschen das Leben zurück.  Gottes Leidenschaft bedeutet, den Christus zuwerfen. 
Darin liegt der Umbruch vom Weinen zur Freude. Gott rechnet nicht an, er vergibt. Das entlastet jeden neuen Morgen. Da wird diese Gottes-Emotion zu unserem Tagesbeginn. Diese Leidenschaft der Liebe verändert alles Dasein. Da können wir anders mit eigener Schuld und der des anderen umgehen. Weinen ist in den gestrigen Abend gelegt. Da bekommt der Schmerz eine Antwort. Wer solch einen Morgen erfährt, dessen Tag kann nur gut werden.
Warum wollen wir festhalten, wo Gott schon lange für lebenslänglich umgeschwenkt hat?

Das Leben wählen

Die Glaubenden sind keine Kostverächter.
„Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst.

5.Mose 30, 19
Damit haut Gott auf die Pauke, „dass du das Leben erwählst.“ Da sprüht die Lebendigkeit. Das klingt wie Musik, wie ein Tanz der Farben, wie die Fülle bei Tag und bei Nacht. Da feiert die Überwindung ein Fest über Negation und Depression. Da sind gerade die Glaubenden die Vorreiter, wenn es ums dankbare Genießen und ums Ausschöpfen von Lebensqualität geht. Gott will den Durchbruch schaffen, gegen alles, was das Leben nach unten zieht. Er schenkt das Leben gegen allen Sterbensprozess, er feiert die Auferstehung über dem Fluch, der auf der Schöpfung liegt. Gott hat sich nie damit abgefunden, dass die Menschen, die Welt herunterwirtschaften.
Da fragt man sich, warum gerade bei den Glaubenden an dieser Stelle so viel Verklemmung sitzt. Aus Angst, über die Stränge zu schlagen, wird ein Leben auf Sparflamme geführt. Da zeichnet sich die Christenheit oft damit aus, dass sie moralische Barrikaden aufgebaut hat. Da ist ein frommer Weg mit unliebsamen Verbotsschilder gepflastert. „Das macht man als Christ nicht.“ 
Es war für mich am vergangen Sonntag ein faszinierend, eindrucksvolles Schauspiel, Barcelona bei Nacht zu erleben. Als es dunkel wurde, kamen von allen Seiten die Menschen geströmt, um sich dann an einer Wassermusik zu erfreuen. Da steht auf dem Schlossplatz ein Brunnen, bei dem die Fontänen eindrucksvoll in farbigem Licht zur Musik zu tanzen begannen. Über eine Stunde lang haben Licht, Tanz und meist klassische Klänge die gebannten Betrachter in Atem gehalten.
Das Leben wählen ist noch viel mehr, als sich so ein paar Glanzlichter zu gönnen. Darin liegt die ganze Überwindungskraft der Erlösung. Da ist die ganze Lebenseinstellung von unbändiger Hoffnung getragen. Da wird der Geist der Schwere und des nicht mehr Wollens umgebrochen, zu einem Geist des Ja, ich will. Wo wir das Leben wählen, sagen wir allem Sterben den Kampf an.
Glauben wir nicht, dass wir alle Macht haben, gegen Tod und Fluch anzutreten?

Gedenken macht einzigartig

In der großen Gottesgeschichte bleibt jeder Mensch einzigartig.
„Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Ps. 8, 5
Dass Gott unser gedenkt, ist das Wunder des Lebens. Dieses Gedenken des Ewigen, macht uns unsterblich. Es gibt dem Leben eine Bedeutung, über alle Erdentage hinaus. Da geht es nicht nur um unsere 70, 80 Jahre, oder manchmal viel weniger, sondern das macht uns zu einem Meilenstein in der Geschichte. Da ist es nicht egal, ob wir gelebt haben. Dieses Gottes-Gedenken hebt den Menschen in den allerhöchsten Stand.
Bei uns im Blumenhaus werden immer wieder Kränze und Herzen bestellt mit einem Schleifentext, der Angehörigen. „Unvergesslich bleibst Du uns,“ „Wir werden ewig an Dich denken“, „in ehrendem Gedenken“ usw. Soll ausdrücken, wie wertvoll der Verstobene im Kreise von Familie und Freunden war. Doch bei allen großartigen Formulierungen, bei aller Ehrbezeugung, verblassen nach mehr oder weniger langer Zeit, die großen Erinnerungen. „Es muss ja weitergehen.“ Somit ist Menschengedenken so flüchtig, wie der Mensch selbst, auch wenn jeder gerne große Lebensspuren in dieser Welt hinterlassen möchte.
Doch wenn Gott gedenkt hat das ein ganz anderes Format. Darin steckt unsere Einzigartigkeit. Damit sind wir unverwechselbar einmalig. Hier wird der Mensch zur Krönung der Schöpfung erhoben. Er erhält einen bleibenden Wert. Da ist es nicht egal was wir machen, wie wir unsere paar Tage auf dieser Erde fristen. Da sind wir ein Gedanke Gottes, eine Ausprägung dessen, was Gott will. Da hat jeder Augenblick eine unwiederbringliche Bedeutung. Das erhebt uns aus allem Schattendasein. Das gibt uns Glanz und unsere Würde. Da sind wir die Samen, mit denen Gott diese Welt zum Blühen bringt. Als Gedanke Gottes will er, dass wir nicht unser unseren Möglichkeiten bleiben. Hier sind wir mit unserem  Lebenswerk, mit unserer Lebensbestimmung konfrontiert. Da hört das Leben auf so dahinzuplätschern. 
Wenn wir die Frage zulassen, was ist der Mensch, oder was bin ich; ist es da nicht an der Zeit, sich viel mehr damit zu beschäftigen: Was hat sich Gott mit meinem Leben gedacht? 

Sehendes Herz

Der Mensch sieht nur mit dem Herzen gut.
„Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beides der Herr.“

Spr. 20, 12
Sehen und hören ist nicht in erster Linie eine Frage der Sinnesorgane. Es geht um die Wahrnehmung meiner Innen- und Außenwelt. Da erkenne ich beim Sitzen in einem spanischen Straßencafé den feuerrot blühenden Hibiskusstrauch in der Morgensonne. Ganz spontan entsteht zwischen ihm und mir ein Gespräch. Er hat mich einfach angesprochen mit seinem langen, bizarren rotgelben Blütenstempel, der am Ende fünf samtige Pfötchen in die Sonne reckte. Bei einer Tasse Kaffee bin ich von einer ganz anderen Welt berührt worden. Ich sah die Lichtspiele, das Schöpfungswunder, die Freude dieser feurigen Blüte, die mich einfach anlachte. Ich musste meine Tasse abstellen und die Kamera aus dem Auto holen.

Wer anfängt zu sehen, fängt an die Augenblick zu feiern. Da sind die Sinne offen für Unterbrechungen. Da nehmen wir Dinge wahr, die zwar da sind, doch außerhalb unseres Horizontes liegen. Da sehen wir Kleinigkeiten mit einem weiten Herzen. Gott will uns in das aufmerksame Wahrnehmen des Herzens führen. Er will den Blick hinter die Kulissen schärfen. Wo Herzen zu sehen und hören beginnen, sind wir bei Gott. Da will uns die Liebe geschmeidig machen für das Schöne der Schöpfung und die Not der Welt. Am Herzen Gottes sieht der Mensch Dinge, die ihn in Bewegung setzen. Im Hören auf das Wort, sieht der Mensch die Welt mit anderen Augen. Gutes sehen und hören liegt in der Beziehung mit Gott. Im Einklang mit Gott, gehen dem Menschen Augen und Ohren auf.
Da empfinden wir Glück bei einem braunen Grasknäuel, das vom Meer an den Strand gespült wurde. Da entstehen unvergessliche Begegnungen mit Menschen, mit denen wir nie zu tun hatten. Wo das Herz zu sehen beginnt, werden die Not der Menschen zu Aufgaben. Da kann ein beiläufig erwähnter Satz über irgendeine Schwierigkeit, zu unserer Herausforderung werden. Da können wir manches Unrecht nicht mehr übersehen, oder Klagen überhören. Wo der Herr ein sehendes und hörendes Herz schenkt, werden wir sensibel für das, was in diesem Augenblick dran ist. Dabei spüren wir aller Freude und allem Leid nach. Dafür bekommen wir Augen und Ohren.
Wie offen ist unsere Wahrnehmung, für das, was uns vor die Füße gelegt ist?

Wir haben ausgesorgt

Es ist ein riesiger Unterschied, von dem, wer die Sorge über unser Leben übernimmt.
„Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.“

Ps. 127, 2
Ganz selbstverständlich geht heute Morgen die Sonne über der endlosen Orangenküste Spaniens auf. Ich habe keine andere Aufgabe, als durch den Sand ans Meer zu laufen und das glühende Schauspiel zu bewundern. Ich kann nichts dazu beitragen; das großartigste Ereignis eines Sonnenaufgangs, spielt sich einfach vor meinen Augen ab. Die Schöpfung erwacht und holt sich Atem für einen langen, heißen Tag. Wohltuende Ruhe breitet sich aus, die vom Rhythmus des Wellenschlages gestreichelt wird. Das Leben feiert seine Auferstehung, als wäre es nie anders gewesen.
In größter Selbstverständlichkeit zelebriert Gott seine Freude am Dasein und der Mensch sitzt mit Sorge am Frühstück. Gleich nach dem Aufstehen dreht sich das Riesenrad mit der Melodie, wie werden wir das heute bloß wieder schaffen. Die Sorgenmühle ist derart lähmend, dass wir manchmal unter dem Eindruck stehen, dass wenn wir es nicht schaffen, dreht sich die Erde nicht mehr. Mit allzu großer Sorge pfuschen wir Gott ins Handwerk.
Das Wort heute will uns an die Hand nehmen und den eigentlich für-uns-Sorgenden vor Augen malen. Fürsorge ist Gottes tägliches Brot. Das was er anpackt ist versorgt. Mit Links greift er in die Schwere unserer Tage. Von ihm aus ist an alles gedacht. Der Gott des Heils übersieht nichts. Wo er sorgt, kann unsere Soge schwinden. Da läuft das, was wir nicht zum Laufen bringen. Glaube schafft die Gelassenheit, das Gott sein Reich baut, dass er die Erde erneuert, und auch mit den Menschen zurechtkommt, an denen wir uns die Füße wundgelaufen haben. Was Gott im Schlaf gibt, braucht uns nicht zu sorgen.
Ist nicht jeder Sonnenaufgang ein Gemälde davon, dass Gott nicht schläft?