Unser Ende beginnt heute

Gott braucht keine goldenen Kelche, sondern goldene Menschen. (Johannes Crysostomus)

„Silber und Gold kann nicht erretten am Tage des Zorns des Herrn.“
Hes. 7, 19

Glaubende leiden oft an geistlicher Schizophrenie. Sonntags die feinen, treuen Kirchgänger und montags verreißen sie sich den Mund über ihren Arbeitskollegen. Da wird einerseits eine fromme Schau abgezogen, um überall einen sauberen Eindruck zu hinterlassen und im Keller heulen die Wölfe. Glaube ist nicht Leben, sondern nur eine Hülle, wie bei nicht durchgefärbten Kerzen. Da ist innen etwas anderes drin als der Anschein, den sie von außen macht. Gott will echte, will durchgefärbte Menschen. Hesekiel macht dafür eine heilsame Übung. Betrachte dein Leben von deinem Ende her und du wirst sehen was trägt und fällt. Das Ende verschafft Klarheit über das Heute. Der Glaube denkt immer vom Ende her und erhält darin seine Tiefe. Wenn man, wie wir in dieser Woche, sieben Trauerfeiern oder Beerdigungen zu dekorieren hat und dann entsprechend vor Särgen und Urnen steht, bewegen einen viele Gedanken. Hat dieser Verstorbene, der hier vor einem liegt, seinen Lebensauftrag entdeckt und erfüllt? Hat er auf Werte gesetzt, die ihn jetzt weitertragen? Hat er viel gearbeitet, um seinen Erben ein ordentliches Kapital zu hinterlassen? Was ist aus den Gaben geworden, die er für sein Leben mitbekommen hatte? Wurde er zur Melodie, für die er gedacht war? Wer am Ende steht, steht unmittelbar vor seinem Schöpfer. Da entscheidet sich die Qualität des Lebens. Da wird die Bilanz gezogen. Bleiben nur Gold und Silber übrig, oder sind in diesem Leben goldene Menschen entstanden. Haben die Werte des Glaubens formende Kraft erhalten? Ist die befreiende Kraft von Christus in die Welt geflossen?

Je früher wir die Übung vom Ende machen, umso klarer werden unsere Weg von heute. Diese Übung löst eine allesentscheidende Werteverschiebung aus. Wir stehen damit bereits vor unserem Gott. In seiner Gegenwart ordnen sich alle unsere Entscheidungen und Handlungen. Wir erkennen unsere Gaben, die zu nichts anderem da sind als Gott und den Menschen zu dienen. Da können wir weder die Gaben für uns selbst verbrauchen, noch große Lobpreisabende feiern und Christus ehren, wenn wir uns nicht draußen auf der Straße um ihn kümmern, wo er in Schutzlosigkeit und Unrecht zugrunde geht. Unser Ende beginnt heute. Wo wir das erkennen, kann Christus uns zu goldenen Menschen verwandeln, die zum Segen für die Welt werden.

Wo sind die Geringsten in unserem Umfeld, denen wir zum Christus werden?

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Staub soll blühen

Wo wir uns auf Grundlagen besinnen und der Realität stellen, bekommt Flüchtiges etwas Festes.

„Gott spricht: Im Schweiß deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“
1.Mose 3, 19

Dieses Wort aus der Sündenfallsgeschichte stellt auf den Boden der Tatsachen. Wir leben, ob wir glauben oder nicht in einer gefallenen Schöpfung. Irdisches Leben ist erdbezogen. Was aus Erde gemacht ist, wird dahin zurückkehren. Darauf liegt ein Hauch von Mühe und Flüchtigkeit. Alles unterliegt dem Kommen und Gehen, mit allen Lasten der Arbeit. Wo sich der Mensch von Gott gelöst hat, tritt er in ein Leben der Banalität und Vergänglichkeit ein. Im Staub ist nichts mehr von der Ebenbildlichkeit Gottes, zu der er eigentlich geschaffen war. Hier spielt sich die ganze Tragik des Sünderseins ab. Diese Gottlosigkeit in der wir in dieser Welt leben, hat sich der Mensch selbst geschaffen. Manch einer wird unter dem Staub sein verrückt. Auf- und Ableben ist die Ausgeburt von Sinnlosigkeit. Erdendasein mit Verfallsdatum hat keine Perspektive. Der Verfall der Gottesbeziehung, ist der Verfall des Lebens. Wo dem Leben Gott genommen ist, wird es um das Ewige beraubt. Das ist das Gesetz der Erde, unter dem jedes Leben steht. Es wird Mühe machen unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir werden um die Ernte kämpfen müssen, es fällt uns nichts in den Schoß. Alle Härten, alles Beschwerliche hat darin seinen Sitz. Auch der Glaubende braucht ein Ja zu dieser Tatsache. Wir schweben nicht darüber, oder sind von dieser Gesetzmäßigkeit entrückt. Gerade als Glaubende finden wir ein Ja zu harter Arbeit. Wir stellen uns bewusst dem Gesetz der Erde und akzeptieren damit Gottes Realität.

Doch der Glaubende lebt in einer zweiten Realität, wie sie Paulus ausdrückt: Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Mit Christus kommt der Unvergängliche in die Vergänglichkeit. Damit knüpft Gott wieder an den Anfang der Schöpfung an. Der gefallene Mensch bekommt in Christus seine Gottesebenbildlichkeit zurück. Da kommt zusammen, was zusammen gehört. Mit Christus wird der Zerfall zurück in die Erde durchbrochen. Damit bekommt das Staub sein etwas ewiges. Somit ist unserer irdisches Dasein ein Doppelleben. Wir leben in der gefallenen Schöpfung, mit all ihren Mühen und Plagen, und gleichzeitig kommt unsere Hoffnung nicht aus dieser gefallenen Welt, sondern aus Christus. In allem Sterbensprozess findet dann einen ständige Gegenbewegung des Lebens statt. Wir sind nicht mehr die an die Welt Ausgelieferten, sondern durch Christus die Lebendigen, die kein Ende kennen.

Geben wir da einer vergänglichen Welt, nicht einen ganz neuen Glanz?

Harmoniesucher wollen keine Veränderung

Alle wollen eine Welt ohne Leiden, ohne Tod, ohne Krieg, ohne Grausamkeit, ohne Übel. Unter der Bedingung wollen sie alle an Gott glauben. (Ehrenberg)

„Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.“Jes. 53, 7

Das Bild vom leidenden Gottesknecht, ist ein Herzstück, in der Geschichte zwischen Gott und Menschen. Darin erhält das Leiden seinen höchsten Sinn. Willig leiden ist die unvorstellbare Dimension des Glaubens. An der Stelle, an der für den Menschen das Übel beginnt, an der er Gott und die Welt nicht mehr versteht, beginnt etwas ganz Neues. Um das zu verinnerlichen, hilft das Bild des Weizenkorns. Es muss in die unschöne Erde, in der es feucht, dunkel und ungemütlich ist. Es löst sich komplett in seiner Ursprungsform auf. Außer dem Sprössling und ein paar Wurzeln bleibt nichts mehr übrig. Nach ein paar Monaten steht eine satte Ähre auf dem Feld, die das zigfache des einstigen Korns enthält. Diese Frucht wird zerrieben, um dann zum Brot zu werden. Das ständige Leiden und Sterben erhält das Leben. Christus wird zum Brot des Lebens. Das ist die Passion für das Leben. Die Welt denkt, wenn das Übel weggenommen wird, fängt das Gute an und entsteht das Heil. Doch der Glaubende erfährt in Christus das Geheimnis der Verwandlung. Er macht Menschen anders. Er nimmt nicht das Übel aus unserem Leben weg, sondern führt das Herz vom Übel weg. Also ist mitten im Sterben das Leben und mitten im Unfrieden Friede und Freude, sagt Werner Jetter. Glauben heißt, dass wir aufhören Gott Bedingungen zu stellen. Wir haben uns unter das zu beugen, was Gott auferlegt. Wo das Leiden beginnt, will etwas Neues entstehen. Im Leiden sucht Gott unser Ohr. Wo einfältige Gemüter meinen, Gott könnte uns dabei unsere Sünden heimzahlen, müssen wir erkennen, dass er unser Gehör heilsam verfeinern will. Wo unser schönes Lebensgefühl zerstört wird, wo unser Glaube unsicher wird, fängt nicht gerade da unser Glaube das Tasten nach Gott an? Fängt da nicht eine Bewegung an, die nach Gott sucht?

Das Kreuz ist für den Glauben immer das Lebenszeichen. Das Heilswerk Gottes liegt in den durchbohrten Händen. In der Brutalität des Sterbens, liegt Auferstehung und die Verwandlung zur Herrlichkeit. In dem willig leiden, liegen Gottes Segensspuren. Da bearbeitet der Meister sein Werk und will es zur Vollendung führen.

Wollen wir diese Bearbeitung verhindern und bleiben was wir sind?

Von Glückseligkeit verfolgt

Ewigkeit kommt zu jedem Zeitpunkt vor. Elazar Benyoetz

Aus einem der größten Trost-Psalmen kommt die volle Wucht der Gottes Güte. Wir sind die von Erbarmen Verfolgten. Der Reichtum von Gottes befreiender Kraft, wird uns überall hinterherschleichen. Wohin uns unsere Wege auch führen, quer durch die finstersten Täler, hängt uns die Erlösung an den Füßen. Wo Gutes und Barmherzigkeit allgegenwärtig sind, ist Christus mitten in der größten Hölle. Der menschliche Ausnahmezustand ist Gottes Präsenz. Mitten in der „Todes-Schatten-Schlucht“, wie Martin Buber diese Stelle übersetzt, bricht Herrlichkeit an. Ewigkeit ist der Schatten aller Nacht. Wer vom Guten verfolgt ist, dem klebt Glückseligkeit an den Fersen. Was auch kommt, es wird sich zum Guten wenden. Das ist die Gesamtaussage, die über unserem Leben steht. Wir können aus dem Hause Gottes nicht herausfallen. Wir werden für alle Zeiten in seiner Gegenwart bleiben. Im Leben und Sterben, sind wir des Herrn. Alle Ängste, Kämpfe und schrecklichen Ereignisse, die wir erleben, können uns nicht von dieser Tatsache wegreißen. Das heißt, es wird für allen Zeiten das Bittere nie isoliert im Raum stehen. Alles was geschieht, alles was wir durchmachen, geschieht innerhalb des Hauses des Herrn. Das Haus des Herrn umfasst das Elend der Welt. Egal was wir im Augenblick von dieser Herrlichkeit erkennen, sie umgibt uns wie die Luft die wir achtlos einatmen. Die Herrlichkeit, dieses Haus des Herrn erhält uns am Leben, gerade wenn wir sterben. Somit kann der Tod, keine Katastrophe mehr sein; kein Unglück, ein untröstlicher Schrecken. Jedes Schicksal geschieht in der absoluten Gottesgegenwart.

Wieviel Wärme kommt daraus in die Eiseskälte unserer Tage. Da ist alle Verzweiflung von Hoffnung verfolgt. Da kann ein Bonhoeffer aufrechten Hauptes seines Galgens entgegen gehen. Damit verlieren die schlimmsten Befürchtungen ihre Angst. Wer auf Schritt und Tritt vom Guten verfolgt ist, braucht kein Übel zu fürchten. Wer immerdar im Hause des Herrn bleibt, braucht in keinem Zerbruch mehr Angst haben. Dieser Trost entspannt all unseren Stress. Er gibt Gelassenheit in allen Turbulenzen. Da kann in aller Aufregung, der Herzrhythmus ruhig bleiben. Wir sind geborgen, auch wenn der Sturm, dem Haus, das Dach abdeckt.

Wenn wir in diesem Hause zuhause sind, wenn wir vom Guten verfolgt sind, welcher Schrecken will uns da noch nachschleichen?

Heute ist der wichtigste Tag

Einen Tag vor deinem Tode kehre um. (Talmud)

„Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.“

Ps. 146, 4
Davon müssen, steht über jedem Tag unseres Lebens. Der Mensch lebt im Angesicht des Todes. Und das sieben Tage nach Beginn des neuen Jahres, das mit vielen Plänen und Vorsätzen gestartet ist. Zeit und Tod sind Geschwister. Wer Zeit hat, hat gleichzeitig ihr Ende im Blick. Zeit ist somit ein Geschenk, die nicht in unserer Verfügbarkeit steht. Wo wir Zeit haben, halten wir die wichtigste Gottesgabe in den Händen. Im Tod stehen wir unmittelbar vor dem Zeitgeber. Somit ruht das Leben und Sterben in Gott. So wie wir heute aufstehen und atmen sind wir Beschenkte. In dem jetzigen Augenblick liegt das ganze Glück unseres Lebens, denn keiner weiß, ob er morgen wieder aufstehen wird. Angesichts des davon Müssens, kommt die höchste Brisanz in unsere Heute. Nicht umsonst heißt es: Der Tod ist der allerbeste Lebensratgeber. Und der Talmud schreibt: Einen Tag vor deinem Tode kehre um. Auch darin steckt das tiefe Geheimnis, da keiner weiß, wann sein letzter Tag ist, kehre vorsichtshalber heute um. Komme heute zur Besinnung und stelle das Leben in das was es ist, – Gottesgabe. In dem Augenblick, indem ich das erkenne, werden viele Sorgen, die ich mir um das Morgen mache lächerlich. Wo meine Pläne dahinfliegen, muss ich mich heute fragen, zu was bin ich heute von Gott beschenkt worden. Damit verdichtet sich das Leben. Es konzentriert sich auf das Wesentliche und trennt sich vom Flüchtigen. Angesichts des Todes steigt die Qualität des Lebens. Jeder Augenblick bekommt ein Christus-Gepräge. Da geht es in erster Linie um die Frage, wie entfalten sich das Geschenk und die Gaben Gottes in meinem Leben. Da verwandeln sich meine Pläne in Gottes Ziele. Wo wir uns unserer Endlichkeit bewusst sind, wird die Gegenwart Gottes präsenter.
Bei dieser Verdichtung des Heute, wo der jetzige Moment, der wichtigste im meinem Leben wird, beginnt eine große Abspeckungskur. Da können wir gelassen Ballast ablassen. Da wird plötzlich bisher Wichtiges, völlig belanglos. Da wird meine Zeit zum kostbarsten auf der Welt, die ich nicht mehr mit Sinnlosem verschwenden will. Da fangen wir an, wertwolle Beziehungen zu bauen und belastende zu trennen. Wo wir die Beschenkten und Begnadeten sind, ist heute der wichtigste Tag in unserem Leben.
Was müssen wir über Bord werfen, um den heutigen Tag großartig und gehaltvoll zu gestalten?

Pipeline zum Ewigen

wer in der Nacht Lobgesänge anstimmt, lebt aus einer anderen Macht.
„Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“

Ps. 118, 17
Was für den normalen Menschen einen Widerspruch bedeutet, ist für den Glaubenden die Lebensgrundlage. Sterben kann nicht diskutiert werden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer durch ein Pflegeheim geht, wird damit konfrontiert, wie der Mensch Stück um Stück abbaut. Jeder Tag ist ein kleines Sterben, bei dem wir uns von etwas trennen und verabschieden müssen.
Wenn jemand solch ein Loblied anstimmt und sein nicht Sterben müssen proklamiert, gehört er entweder in die Klapsmühle oder lebt er in anderen Zusammenhängen. In Gott sein, setzt zum Sterben ein Gegengewicht. Da schafft eine Kraft allem Verfall entgegen. Das Leben, das aus Gott kommt, ist ein Leben ohne Verfallsdatum. Christus bringt in die irdische Begrenzung himmlische Erneuerung. Er setzt aus der unvergänglichen Welt Lebensimpulse in der vergänglichen Welt. Er ist die Pipeline in die ewige Welt. Dadurch fließt permanent Leben in alles Sterben. Gerade dort wo das Gericht über die Welt geht, wo alles unter den Lasten des Lebens zebricht, wird Heil realisiert. Da geschieht im Sterben Auferweckung zum ewigen Leben. In Christus wirkt Zukünftiges in die Gegenwart.
Das haben Paulus und Silas in der Nacht im Gefängnis erfahren. Deshalb konnten sie zur Verwunderung aller, um Mitternacht Gott loben. Da haben die Schläge und die Folter des Lebens ihre Macht verloren, weil Gott in das Schicksal Lebensimpulse gesetzt hat. Unter den Lebensschlägen wird das Sterbende zum Leben verwandelt. Mit Christus brauchen wir keine Vergänglichkeit zu fürchten,, weil sich immer sein Leben durchsetzt.
Welche Lieder klingen in unseren Nächten?

Leben hört nicht auf

wo es den Tod nicht mehr gibt, verschwindet der Stachel aus dem Leben.
„Er wird den Tod verschlingen auf ewig.“

Jes. 25, 8
Welche Macht der Tod hat, erfährt gerade eine Mitarbeiterin von uns, die innerhalb von 10 Wochen, bei 5 Beerdigungen war. Dabei waren einige Todesfälle 50+. Hier verstummt die Seele in der Sprachlosigkeit. Da geht unter den Füßen der Boden auf. Wir alle kennen das Gefühl von Entsetzen, wenn der Tod seine Opfer verschlingt.
Jetzt spricht Jesaja von einem Rollentausch. Nicht mehr der Tod verschlingt uns, sondern er wird verschlungen. Hier beginnt das Ostergeheimnis zu leuchten. Da ist Christus, der mit dem Tod abrechnet. Der Tod, der vom Leben trennt verliert seine Macht. Mit Christus beginnt ein Leben ohne Tod. Da ist der Abbruch von Gott, der der Tod ist ausgeschaltet. Tod ist nur die Folge, des von Gott getrennt seins. Wenn Christus diese Trennung aufhebt, ist auch der Tod verschwunden. Da ist das Sterben nur ein Seitenwechsel, vom einen Leben zum anderen Leben. Da fällt der Schrecken und das Entsetzliche, weil wir nicht mehr aus dem Leben herausfallen können. Mit Chrsitus entspannt sich die Todesnot.
Da kann ein Paul Schneider aus seiner Todeszelle auf den Apellplatz hinausrufen: Und er ist wahrhaftig auferstanden. Oder Hans Scholl ruft vor seiner Enthauptung: Es lebe die Freiheit. Wir denken an die vielen Märtyrer unserer Zeit, die mit dieser Wahrheit vor Augen, sich durch keine Erniedrigung mehr einschüchtern lassen. Wer mit Christus im Leben steht, für den ist der Tod gestorben. Wir gehen die Leidenswege mit innerer Standfestigkeit und unerschütterlicher Lebendigkeit. 
Christus hat den Tod verschlungen. Welches Sterben sollte uns da noch einen Schrecken einjagen können?

Schöner Wohnen

Offb. 21, 3-5
Ab dem Zeitpunkt, wo die Bagger anrollen, verlässt ein Neubau die Planungsphase. Da geht es nicht mehr um einen Traum, der auf Papier gebannt wurde, da werden Träume wahr. Eine Vorstellung nimmt Formen an. Ein Gedanke wird zu Materie. Eine unsichtbare Idee, entwickelt sich zu einem sichtbaren Ereignis. Der Architekt wird zu einem Verwandlungskünstler. Jeder von uns hat die Fähigkeiten dazu. Da ist der Traum vom neuen Haus, vom neuen Auto, von einem tollen Gericht das wir einmal ausprobieren wollen und plötzlich ist es da.
Gott hat einen Plan von einer neuen Erde und einem neuen Himmel.
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1. Ein bahnbrechendes Konzept

„Der auf dem Thron saß, sprach: „Siehe, ich mache alles neu.“
Gott träumt einen spektakulären Traum. Was Gott träumt kommt. Unsere Zukunft ist keine geträumte Zukunft. Unser Lebensziel ist keine fixe fromme Idee. Unsere Hoffnung kein Wunschtraum. „Gott macht neu“, – eine diskussionsfreie Tatsache. Mit Johannes blicken wir in eine Wirklichkeit, hinter unserer Wirklichkeit, jenseits von dem Alten, in dem wir leben. Die bange Frage, wohin die Reise geht, findet in der Offenbarung eine Antwort. Unsere jetzige Wirklichkeit ist zwiespältig. Diese Wirklichkeit ist auf der einen Seite sehr gut, auf der anderen sehr schlecht. Wirklich ist die Spannung in der wir leben. Immer mit der Sehnsucht nach Entspannung.  Seit damals im Garten, gibt es Leben und Sterben, Lachen und Weinen, Trost und Trostlosigkeit zugleich. Das ist die Wirklichkeit im Jetzt. Christen sind deshalb auch keine Wirklichkeitsverneiner oder Weltflüchter. Wir alle genießen die Strahlen der Sonne und frieren zugleich in der Kälte der Nacht. Hier und jetzt gibt es Arme, aber auch Reiche. Hier und jetzt wird geschenkt und gestohlen. Alles war sehr gut – aber alles ist auch entgleist. Unsere Welt, die uns umgibt, ist weder nur gut noch nur böse. Beides zusammen ist Wirklichkeit. Auseinandersetzung mit Beidem ist Realität.
Gerade dieser Streit der Kräfte will Gott neu machen. Die Vollendung, das volle, ganze, erfüllende Ende ist der Untergang dieser Spannung. Die neue Zeit, ist die Zeit ohne Widerspruch. Es ist die Zeit ohne zweite Meinung. Die gestörte Gottesbeziehung fällt weg. Gott wird ein und alles sein. An Gottes Einzigartigkeit bleibt kein Zweifel mehr. Neu wird, dass Gott allein genügt. Neu wird, dass der Tod stirbt. Mit dem Tod stirbt die zweite Möglichkeit, die Möglichkeit zur Sünde. Mit dem Tod ist der Zweifel an Gottes Wort gestorben. Es gibt keinen Flüsterer mehr, der einem irgendeinen Mist ins Ohr bläst. Im Neuen kriegt das Vertrauen keine Risse mehr, weil das Misstrauen schon auf dem Friedhof liegt und christlich bestattet wurde. In der neuen Welt gibt es nur die einzige Wirklichkeit: Gott! Es gibt keine Enttäuschungen mehr, weil die Dinge anders sind, als wir denken. Die neue Zeit, besticht durch die Eindeutigkeit, dass nur sein Wille geschieht. Unser Wollen ist mit seinem eins geworden. Ein Ja – gesprochen wie zwischen Bräutigam und Braut. Der Tod ist die völlige Befreiung in diese neue Welt. Die Todesstunde verwandelt sich in Ewigkeitssekunden. Dieses bahnbrechende Konzept liegt auf jedem Leben und beginnt mit dem Tod. Da beginnt völlige Erlösung.
Dieses Neue…
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2. Durchbricht bisherige Standards

 „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ 

Es gibt keinen evangeliumsträchtigeren Satz, als eben diesen. Was einmal war, gibt’s nicht mehr.“ Gottes Welt ist ohne Altlasten. Für manche Menschen unvorstellbar, dass es eine Welt ohne Probleme gibt.  „Was war, ist vorbei“ Wenn der Tod weg ist, verschwinden die grauen, dunklen Schatten an den Novembertagen. Was war, steht mit Christus im Licht. Jeder von uns kennt die Schlagschatten der Vergangenheit: Sie sind weg! Schatten der Augenblicke, die man lieber nicht gelebt hätte, Schatten der Momente, in denen man falsch entschieden hat, Schatten, die immer dann aufsteigen, wenn keiner nach ihnen fragt. Alles weg, aus, vorbei! Was einmal war, das war. Vergangenheit, auf nimmer wiedersehen. Alle Narben, die ich mir selbst verschwieg, sind heil! Vergebung hat alles ausradiert. Die Festplatte ist gelöscht. Da gibt es nichts mehr Bisheriges, auf das man zurückgreifen könnte. Aufrechnen ist sinnlos, bzw. unmöglich geworden. Über dem was war, kommt große innere Ruhe, weil Vergangenes nicht mehr quält. Gottes Gegenwart kennt keine Vergangenheit und Zukunft, nur das ewige Jetzt. Das ist Neuschöpfung und keine Aufbesserung des Alten. Das ist noch mehr als die Kehrtwende eines Saulus zum Paulus. Vom Alten ist nichts mehr übrig. Wo alles andere weg ist, ist Gott alles in allem.
Dieser neue Standard…
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3. Schafft gesteigerte Wohnqualität

„Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;“ 

Es geht um eine neue Stadt, um völlig neue Möglichkeit des Lebens und des Seins. Gott baut das neue Jerusalem in eine voll Misstrauen zerstörte Welt. Er baut wider besseres Wissen eine unvorstellbare Welt: die Welt des Überdauerns. Wir überdauern in ihm. Er überdauert mitten unter uns. Er schafft sich jetzt schon diesen Wohnraum unter uns. Er schlägt das Zelt der unvergänglichen Welt in unserer jetzigen Wirklichkeit auf. Dass Gott unter Menschen wohnen will, war schon immer sein Gedanke. Das bahnbrechende Konzept ist schon Wirklichkeit. All die neuen Standards leben schon. Für uns ist nur der Tod noch nicht aus der Welt, doch die Hoffnung, lebt bereits diese neue Wirklichkeit.
 „Leider gibt es keine beweiskräftigen Argumente für das Abenteuer einer solch vermessenen Hoffnung“ sagt der Theologe Jetter.
Die Hoffnung lebt bereits aus der Sicht über den Tod hinaus. Im Glauben wohnt diese neue Wirklichkeit unter uns. Weil Gott sein Zelt mitten in einer korrupten Welt aufgeschlagen hat, erfährt schon jetzt der Schmerz das Heil. Der Glaube transportiert den neuen Standard in alte Verhältnisse. Gott richtet jetzt schon seine Wohnung ein und fängt an, die Möbel aufzustellen. Die neue Welt ist nicht etwas für morgen; schon heute steht der Möbelwagen vor der Tür. Morgen beginnt die Befreiung der Welt, die heute schon frei ist, in einen eucharistischen Augenblick. In der Eucharistie zieht Ewigkeit in unsere Wohnung ein.
Die Offenbarung der Bibel tröstet nicht billig, sondern stärkt unsere Hoffnung auf das Vollkommene, das schon angefangen hat. Es stärkt die Hoffnung, dass das Unvollkommene todsicher zu Ende geht. Jesus Christus ist auferstanden, und zeltet unter uns. Somit können wir am Christ-König-Sonntag in allen Spannungen schöner wohnen.