Trost braucht Leere

Wer getröstet ist, hat Mut für den nächsten Schritt.

„Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.“
Jes. 38, 17

Der König Hiskia erlebte todkrank, den gesund machenden Gott. Der Prophet sagte ihm: Bestelle dein Haus, du wirst nicht mehr lange am Leben bleiben. Sein Leben sollte abschnitten werden, wie ein fertig gewobenes Tuch. Eigentlich eine Hiobsbotschaft, die jeden normalen Menschen in die letzte Verzweiflung bringt. Doch Hiskia bestellte sein Haus, nicht indem er sich auf seinen Abschied vorbereitete, sondern indem er sein ganzes Herz vor seinem Gott ausschütte. Er hat regelrecht mit seinem Gott gerungen
und sprach: Ach, HERR, gedenke doch, wie ich vor dir in Treue und ungeteilten Herzens gewandelt bin und getan habe, was dir gefällt. Und Hiskia weinte sehr. Gott erhörte sein Flehen und ließ ihm ausrichten: ich will dir noch fünfzehn Jahre auf deine Tage zulegen und will dich samt dieser Stadt erretten aus der Hand des Königs von Assyrien und will diese Stadt beschirmen. Was für ein Umbruch, was für eine Erhörung? Nicht jeder erfährt einen derartigen Trost, doch es zeigt, welch eine Macht im Vertrauen liegt. An der Grenze seiner Existenz, vertraute sich dieser König nicht nur ein bisschen, sondern radikal Gott an. Nicht nur sein Leben, sondern sein Herz war gebrochen, das er voll und ganz Gott hinwarf. Sein letztes bisschen Dasein wurde zu einem Knäuel in Gottes Hand. In dieser allerletzten Hingabe, wo in ihm nichts mehr war als nur Leere, erfuhr er Trost, erfuhr er wie seine Seele angenommen wird. Es war die totale Veräußerung, die Gott aufgefangen hat. Getröstet werden und angenommen sein, hängt mit dem ganzen leer sein vor Gott zusammen. Trost fällt dort hinein, wo die Schalen leer und bereit sind sich füllen zu lassen. Wenn Gott tröstet, lässt er den Tröster in offene Gefäße fallen. Sie können dann wie ein Schwamm das Heil aufsaugen. Die ausweglose Situation ist dann die Geburtsstunde für das Genesen in Christus. Dieser Trost wendet das Verderben. Dieser Trost überwindet den Sterbensprozess allen vergänglichen Lebens.

Getröstet sein braucht die ganze Leere. Dort wo ein Flüchtling die ganzen Schandtaten der Menschheit über sich hat ergehen lassen, wo er Monate und Jahre auf Heimat verzichtet hat, wo seine Seele ausgebrannt ist bis auf die Knochen, wo er als Häufchen Elend vor unserer Türe steht, wird ihm Trost, wenn diese Türe aufgeht. Da beginnen Augen wieder zu lachen, die wochenlang geweint haben. Da entsteht Trost, wenn die heimatlichen Klänge der eritreischen orthodoxen Gesänge über ein Handyvideo erklingen. Dieses Trösten dringt dann tief in die verwundeten, kranken Seelen hinein.
Wir sind aufgefangen, wo wir diesen Trost zulassen. Wir sind beauftragt die Hoffnung, die in diesem Trösten liegt zu verschwenden. Gott hat genug davon.

Wenn es uns um Trost sehr bange ist, glauben wir, wir könnten uns selbst trösten und die Hoffnung aus uns schöpfen?

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Schwachheit ist eine Goldgrube

In einem stillen Geheimnis offenbaren sich ungeahnte Kräfte.

Der Herr ist meine Kraft.“
Hab. 3, 19

Meine Kraft kommt gar nicht aus mir. Das was mich stabilisiert und aufrichtet ist der Herr. Das ist die Kräfteverschiebung des Glaubens. Voraussetzungslos handelt da ein anderer. Die Kraftlosigkeit ist die Voraussetzung für das Wirken Gottes. Da wo nichts ist, wird Gott alles. Das Starkmachende liegt nicht in uns. Dieses feine Wechselspiel entsteht bei Menschen, die Gott vertrauen. Da ist eine versteckte Quelle, die sich allein dem Glauben erschließt. Dort wo das Leben in Einzelteile zerlegt wird, Belastungen unerträglich werden, der innere Mut zu einem Häufchen Elend geworden ist, da braucht es mehr, als dass nur das Selbstvertrauen wieder aufgebaut wird. Da braucht es Gottvertrauen. Wo aus den menschlichen Reserven nichts mehr zu schöpfen ist, braucht es die Kraft von anderswo. Wo der Herr meine Kraft ist, ist er das genau dort, wo meine Kraft verpufft ist. Wo ich aus mir heraus nichts erwarten kann. Diese Kraft braucht die Schwachheit, um seine ganze Schönheit zu entfalten. Wo Gott die Kraft ist, befruchtet der Schöpfer. Da fließt die Energie einer anderen Welt. Da werden wir von dem angerührt, der nur ein Wort spricht und es ward. Da wird nicht nur unser schwach gewordener Akku ausgetauscht, da kommt Starkstrom. Da wirkt das Wort, das wie Feuer ist und wie ein Hammer der Felsen zerschmeißt. Hinter dieser Kraft steht die ganze Wucht des Erlöserwillens Gottes. Das ist ein Kräftespiel, das nichts mit menschlicher Anstrengung und Disziplin zu tun hat. Hier will der lebensbejahende Gott dem Tod entreißen. Dieser Funke springt auf den Glaubenden über. Diese Allmacht ist für den, der sich in seiner Ohnmacht erkennt. Es ist die Kraft für die Mühseligen und Beladenen, die nicht das Tischtuch an fünf Zipfeln haben. Es ist die Kraft, die auf den bereiten Schoß der Maria fällt und in ihr den Erlöser zur Welt bringt.

Wo wir uns selbst und anderen etwas vormachen, den starken Max spielen und von niemand abhängig sein wollen, betrügen wir uns um diese Kraft. Wo wir meinen, wir dürften keine Schwäche zeigen, zeigen wir nur unseren Unglauben. Wir sind voll mit uns selbst und haben keinen Platz für das Wirken des Geistes und die Kraft des Wortes. Dort wo wir unsere Stärke demonstrieren, wo wir krampfhaft unsere Probleme selber lösen wollen, demonstrieren wir, wie schwach unser Glaube ist. Wo der Herr meine Kraft ist, verwandelt sich die Schauspielerei in Gelassenheit. Da müssen wir nicht krampfhaft funktionieren, sondern leben in einer getrösteten Verzweiflung. Wir brauchen nicht fehlerlos sein und geschehene Schuld zudecken, sondern können mit vollen Händen aus der Vergebung schöpfen. Wo der Herr meine Kraft ist, kann ich mit großer Gelassenheit mit allen Widrigkeiten umgehen. Dieses Geheimnis schenkt uns der Glaube.

Wollen wir uns nicht an dieser Gnade genügen lassen, dass sich in aller Schwachheit, diese Kraft vollendet?

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Licht verscheucht Angst

Ohne Vertrauen, kann man in den Abgründen seines Leben nur verzweifeln.

„Wer in der Finsternis geht und wem kein Lichtstrahl scheint, der vertraue auf den Namen des Herrn.“
Jes. 50, 10

Dem Namen des Herrn vertrauen ist, an den neuen anbrechenden Morgen zu glauben. In jungen Jahren machte ich mit meinem Freund eine Wandertour durch den Schwarzwald. In einer Nacht übernachteten wir in einer offenen Holzblockhütte mitten im Wald. Mit unseren Schlafsäcken versuchten wir auf den Holzbänken zu schlafen. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Wir erlebten, wie nachtaktiv ein Wald sein kann. Es war stockdunkel, doch von überall waren Geräusche. Kein Licht, kein Feuer, wir hörten viel und sahen nichts. Krächzen, schluchzen, knacken, knistern, plötzlich war ein Mann in unserem „Schlafzimmer“, der auch noch eine Ruhestätte suchte, dann aber weiterzog. Vögel heulten, jeder Zweig der knackte, lies uns aufschrecken. Die Nacht war einfach nur unheimlich. Wir sehnten uns nicht mehr nach Schlaf, sondern nur noch nach dem Morgen. Das Befreiende war, als es zu tagen anfing. Die aufgehende Sonne hatte uns mit einer meiner schrecklichsten Nächte versöhnt. Erstaunlich schnell war die Unruhe und Schlaflosigkeit vergessen. Es war wieder hell.

Vertrauen schafft einen Umbruch in einer ausweglosen Lage. Es bricht ein neuer Morgen an, es wird hell mit dem Namen des Herrn. Das ist der Name, der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. Er stellt die Finsternis auf den Kopf. Die vielen Situationen, in denen uns die Lichter ausgehen, der Schreck uns auf kleiner Flamme köchelt, die Verzweiflung uns die allerdüsterste Seite des Lebens aufzeichnet, da geschieht eine Wende. Wir dürfen das Vertrauen auf den Namen nie unterschätzen. Wo das Licht kommt, hat der Schrecken der Nacht ausgegessen. Vertrauen heißt, ich glaube an das Licht, auch wenn die Nacht noch dunkel ist. Allein die Ahnung von Licht, entkrampft die Anspannung. Der Glaube durchbricht die Nacht, weil er sich mit dem Licht verbindet.

Vor einigen Jahren machte ich ein großes Herz mit roten Rosen als Sargschmuck für den Mann meiner Cousine. Er hatte sich mit Mitte vierzig das Leben genommen, weil er das Licht nicht mehr gesehen hat. Er war kerngesund, aber hatte keine Hoffnung mehr für sein Leben. Die Angst breitete eine solch große Sinnlosigkeit über ihn aus, das er keine Ahnung mehr von Licht hatte. Gerade in unseren dunkelsten Stunden ist es ein Frevel die Nacht zu schüren, anstatt dem Licht zu vertrauen. Wo unser Glaube an den Namen des Lichtes aussetzt, können wir nur verzweifeln. Da bleibt uns nur noch der Strick, um das Elend zu beenden. Das Vertrauen auf das Licht ist die entscheidende Wende. Da ist Jesus Christis mitten in der Finsternis. In der Nacht unserer Seele geht dann wieder die Sonne auf, das Leben erwacht und die Freude kehrt zurück.

Vertrauen wir schon, oder verzweifeln wir noch?

Hab Mut, bau‘ die Kapelle

Weil Gott treu ist, können Menschen übermenschliche Dinge wagen.

„Herr, wer ist wie du? Mächtig bist du, Herr, und deine Treue ist um dich her.“
Ps.89, 9

Der Klang eines Liebesliedes ertönt aus einem erstaunten Herzen. Du bist so einzigartig, so unfassbar, so all das schwache Menschliche übersteigend. Du bist so unbeirrbar, bei allem, wie untreu dir wir dir gegenüber sind. Du hältst fest, wo wir schon lange losgelassen haben. Du hast immer noch Kraft, wenn wir schon lange am Boden liegen. Da erkennt die Ohnmacht eine gewaltige Macht. Da steht der Mensch vor einer Gotteserkenntnis, die gerade einen neuen Fixstern entdeckt. Da ist ein Sonnensystem, von dem alles ausgeht, von dem aller Kosmos durchdrungen und bestimmt ist. Da geht schlagartig die Grenze des eigenen Horizontes auf. Da werden plötzlich Dinge Realität, die sich vorher kein Mensch denken konnte. Wo der Mensch seinen Gott entdeckt, werden die eigenen Maßstäbe in den Schatten gestellt. Da können acht Christusträger-Schwestern, die uns vergangene Woche besucht haben, ein kühnes Projekt planen und eine Autobahnkirche an die Kochertalbrücke stellen. Da waren langwierige Verhandlungen mit Regierungspräsidium nötig und da gab es gewaltige bürokratische Hürden zu überwinden, doch die Kirche steht. Eine kleine Schar von Schwestern, vertrauten einem übermächtigen Gott. Da zählt nicht wer wir sind, was wir können und welche Stimme wir im Landtag haben, da reicht einzig das Vertrauen an den Treuen. Die Kirche auf dem Parkplatz der Kochertalbrücke ist ein Kleinod geworden, und wird für immer mehr Fernreisende zur Anlaufstelle. https://bit.ly/2IFMi03

Gottes Treue macht Mut, Dinge zu wagen, vor denen wir normal zurückschrecken. Dieser Treue können wir trauen. Damit können wir etwas wagen, was wir in uns selbst nicht finden. Gerade wenn uns der Mut verlässt, die Lasten unerträglich werden, wir mehr und mehr an unseren eigenen Grenzen zerschellen, leben wir aus dieser Treue. Damit bestimmt über uns nicht die eingeschränkte Gesundheit, das abgebrannte Haus, oder ein Dschungel von Behördenwegen, sondern die Kühnheit des Glaubens, die mächtiger ist als aller Widerstand. Mächtig und treu steht am Anfang dieses Tages. Damit sind alle Türen, offen heute an einem unvorstellbaren Ort unsere Kirche zu bauen. Damit ist weit mehr möglich als wir uns selbst zutrauen. Die Treue des Herrn ist ein Ansporn, über sich selbst hinauszuwachsen.

Herr, wer ist wie du? Können wir da noch in unserem Unvermögen stehen bleiben? Oder können wir in unserem Glauben noch viel mutiger uns hoffnungsvoller werden?

Der Schreck ist weg

Es ist möglich, dass sich Schrecken in Frieden verwandelt.

„Du brauchst keine Angst mehr zu haben, denn Kummer und Not dürfen dich nicht mehr bedrücken; nichts wird dich mehr in Schrecken versetzen.“
Jes. 54, 14 (Hoffnung für alle)

Kaum vorstellbar, dass wir einmal nicht von Angst und Schrecken bestimmt werden. Doch was Jesaja hier ausdrückt, ist ein nicht vorstellbarer Umbruch. Eine Welt ohne Angst und Schrecken wird es nie geben, doch Gott nimmt den Druck raus. Kummer und Not bleiben, doch sie dürfen nicht mehr bedrücken. Die Angst wird immer da sein, doch ihr wird der Schrecken genommen. Die Spannungen des Lebens werden entspannt. Hier wird die Vision eines neuen Jerusalems aufgezeichnet, in dem die Trümmer wieder aufgebaut werden, doch damit geht der Prophet auf die Passion Jesu zu. Mit einem schrecklichen Tod, wird dieser Welt der Schrecken genommen. Am Kreuz entsteht eine neue Lebensperspektive. Da wird das was uns Angst macht überwunden.

Angst entsteht, wenn wir uns der Situation nicht gewachsen sehen, wenn Bedrohliches auf uns zukommt, dem wir hilflos gegenüberstehen. Ältere Menschen sind oft von Verlustängsten getrieben, weil ihre Kräfte nachlassen, sie nicht mehr so aktiv sein können und dann meinen, andere würden sich dadurch von ihnen zurückziehen. Angst entsteht, wenn bei einem Selbstständigen der Rentenbescheid eingeht, auf dem eine Rente von 123,25 € in Aussicht gestellt wird. Angst kann für einen Glaubenden wie Martin Luther auch sein, wie bekomme ich einen gnädigen Gott. Er litt darunter, dass er mit seinen Werken nie vor Gott gerecht werden kann, auch bei noch so viel Ablässen und Bußübungen. Sein Durchbruch war Christus. Da wird die innerer und äußere Not umgebrochen. Dem Bedrückenden, wird ein starkes Gegenüber gesetzt. Dem Angst Machenden, das die menschliche Ohnmacht offenbart, offenbart sich der mächtige Christus. Luther erfuhr darin eine fremde Gerechtigkeit, die seiner aufgescheuchten Seele Frieden verschaffte. Somit ändert sich, wenn wir keine Angst mehr haben brauchen, nicht die bedrückenden Umstände, sondern die Beziehung zu Christus. In dieser Beziehung, weicht das Bedrückende des Schreckens. Da können die Schüler des Amoklaufs in Florida wieder Lebenshoffnung entwickeln. Da können wir in den schrecklichsten Lebensszenen Frieden finden. Wenn Christus uns seinen Frieden lässt, kann er sagen: Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Somit können wir in allem Unfrieden in dieser Welt, in den Stürmen unseres eigenen Lebens, erst recht Frieden finden.

Wo suchen wir unsern Frieden, wenn die uns die schrecklichen Ereignisse aufwühlen und durchschütteln?

Durchfallen unmöglich

„Ich stehe zu dir, egal was kommt!“ Das steht in Stein gemeißelt über unserem Leben.

„Israel, du sollst mein Knecht sein; ich erwähle dich und verwerfe dich nicht.“Jes. 41, 9

Wer solche Worte ausspricht, ist eine umwerfende Persönlichkeit. Gott macht eine Treue-Aussage ohne Wenn und Aber. Wer von ihm einmal erwählt ist, ist für immer erwählt. Erwählen und nicht verwerfen sind bei ihm eins. In seinem zu dem Menschen stehen, ist Gott so stark, dass das für alle Zeiten hält. Völlig unabhängig, wie der Mensch sich verhält. Bei aller Untreue des Menschen, kann Gott nur treu sein. Da ist eine gefestigte Macht, eine unerschütterliche Liebe, die sich durch nichts aus der Bahn werfen lässt. Egal welchen Mist die Menschen bauen, ob sie Gott aus der Schule laufen, oder ihm ins Gesicht schlagen, das irritiert ihn nicht. Sein Erwählen wird ihn nie reuen. Und das in einer Zeit, in der die Menschen quasi zum Loslassen und Aufgeben erzogen werden. Wenn es dick kommt, schmeißt man die einst gute Beziehung hin. Da zählt nichts mehr. Erwählt und doch verlassen. Doch bei Gott sieht die höchste Form der Erwählung so aus, dass Christus zu dem Verbrecher am Kreuz spricht: Heute noch, wirst du mit mir im Paradies sein. Was der Mensch auch verbockt hat, Gott steht zu ihm. Selbst die größte Schuld kann ihn nicht schockieren. Gott ist absolut enttäuschungsresistent. Wer solch eine Treue an den Tag legt, ist sich selbst treu. Er ist nicht von Stimmungen und Tageslaunen abhängig. Liebe ist eine Größe, die ja sagt und beim Ja bleibt, und wenn die Welt Kopf steht. Wo ein Vater in solch einer Beharrlichkeit hinter seinem Sohn steht, steht eine unzerbrechliche Hoffnung über seinem Leben. Egal, welchen Bock er schießt, welche Bauchlandung er macht, da steht ein Auffänger daneben. Wo die Treue regiert, kann kein Mensch ins Bodenlose fallen. Gott erwählt, das steht für alle Zeiten fest. Gottes Treue heißt, dass er auch am tiefsten Punkt unseres Daseins gegenwärtig ist.

Zu aller Zeit sind wir in diese Gegenwart gestellt und zum Knecht sein berufen. Wir stehen in einem höheren Dienst, trotz unserer Untreue. Seine Treue stellt uns nach jedem Versagen sofort wieder an die Arbeit. Wir können lückenlos weitermachen, auch nach jedem Scherbenhaufen, den wir produziert haben. Wir bekommen keinen Stempel wie bei der Musterung aufgedrückt, auf dem steht: Untauglich. Der Treue schafft mit den Untreuen sein Werk. Wer nicht verworfen ist, wer nicht weggeworfen wird, kann mit großem Mut weitermachen, egal was ist und was war.

Warum sollten wir über irgendetwas verzweifeln, wenn da einer fest zu uns steht und an uns glaubt?

Den Quälgeist überwinden 

Wer seine Angst überwindet, kann ein Volk, gegen den Zorn des Königs aus Ägypten führen.

„Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden.“

Jes. 54, 4
Was den Menschen zurückhält, mutig und kraftvoll Hindernisse zu überwinden, ist seine Angst. Genau hier setzt Gott an. Gott will mit Menschen Geschichte schreiben. Er hat einen außergewöhnlichen Plan. Er baut sein Reich in die irdische Welt. Dabei fordert er Menschen zu unmenschlichen Taten heraus. Der Mensch wird in Handlungen gestellt die er nicht sehen und verstehen kann. Er wird in das Wagnis des Glaubens und Vertrauens hineingenommen, das beim natürlichen Denken auf Widerstand stößt. Somit steht der Glaubende mit sich in einem inneren Kampf. Er muss ein Vertrauen wagen, gegen seinen eigenen Verstand und gegen jedes bessere Wissen. Der Glaubende betritt Wege gegen seine eigene Angst. Gerade dort, wird er von Gott an die Hand genommen. Wege, die Gott gehen heißt, stehen unter dem „fürchte dich nicht“. Bei seinem Plan mit uns, übernimmt er die Navigation. Wenn du Furcht, im Sinne von Ehrfurcht vor mir hast, brauchst du Menschen und Dinge nicht mehr zu fürchten. Da steht eine höhere Macht gegen alles Bedrohende. Wo Gott die Furcht nimmt, gibt er für seine Wege den Rückenwind. Die stärkste Überwindung die er geschaffen hat, ist in Christus. Er sagt: In der Welt habt ihr Angst, doch ich habe die Welt überwunden. In Christus, wird der Glaubende zum Angstüberwinder und damit zum sich selbst Überwinder. 
Damit kommt der Glaubende allen Widerständen zum Trotz in die Gänge. Darin liegt seine Antriebskraft gegen allen Schrecken. Da wird alle Vorsicht und Zurückhaltung aus der Reserve gelockt. Da führt Mose das Gottesvolk aus der Knechtschaft des ägyptischen Königs. Da läuft ein Bonhoeffer aufrecht seinem Galgen zu. Wo die Angst überwunden ist, können wir mutige Schritte des Glaubens wagen. Da hat der innere Quälgeist zu schweigen. Da können nicht mehr die eigenen Empfindlichkeiten bestimmen. Da habe ich keine Angst mehr um die eigene Ehre. Da brauchen wir nicht die Anerkennung der Massen. Wo uns die Angst genommen ist, haben wir eine königliche Narrenfreiheit, entschlossene Wege im Glauben zu  gehen. 
Warum sollten wir Angst vor ungewöhnlichen Wegen haben? Warum sollten uns neue Weg Angst machen?  Warum sollte nicht neuer Glaube, das alte Denken überwinden? 

Das Wort bahnt Wüstenwege

Die letzten Worte großer Menschen haben in der Geschichte ein besonderes Gewicht.

„Mose sprach: Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge. Denn es ist nicht eine Leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben.“

5.Mose 32, 46.47
Was Mose hochbetagt bezeugt, ist sein Vermächtnis an das Gottesvolk. Sein Lebenswerk war, dem Wort den Weg zu bereiten. Er hat bereits in seiner vierzigjährigen Führungsrolle durch die Wüste, Christuswege gebahnt. Wege des Lebens, waren Vertrauenswege an den lebendigen Gott. Wer dem Wort nicht glaubte, hatte existenzielle Probleme alleine in der Wüste durchzukommen. Es war ein vierzigjähriges Drama zwischen Höhen und Tiefen, Hunger und Durst, Gehorsam und Ungehorsam, bei dem das Wort nicht nur einen von vielen Wegen durch die Wüste aufzeigte, sondern den Einzigen. Als Mose die Gebote empfing, wurde das Wort in Stein gemeißelt. Das Wort erhielt unter Mose eine lebensbestimmende Macht. Daran war das Durchkommen in Extrem-Situationen geknüpft. Das Wort bahnte in Wüstenwege geschichtsträchtige Heilswege. Ohne das Wort wäre die Geschichte des Gottesvolkes in der Wüste versandet. Daher legt Mose am Ende seines Lebens, dieses Vermächtnis jedem ans Herz. „Das einzige, was euch überdauern lässt, ist Christus den Weg zu bereiten. Das Wort ist euer Leben.“
Das ist bis heute so geblieben. Auch wenn wir modernen Menschen von Wissen und Worten überhäuft werden, und viele für sich den Anspruch erheben Lebensworte zu vermitteln, kommt in den existenziellen Krisen, der eigentliche Lebensimpuls nicht aus Menschenworten. Selbst in einer Bruderschaft, in der man eng mit Gleichgesinnten lebt und anscheinend von einer Gemeinschaft getragen ist, kommt die einzige Perspektive aus dem Wort. Wo das Wort an Bedeutung verliert, schwindet die Hoffnung und steigern sich die Sorgen. Wo Menschen ihre Berufung verlassen, hat das Wort seine prägende Kraft verloren. Im Umgang mit dem Wort, steht und fällt eine Gemeinschaft und die Kirche. Ich kann für mich nur bezeugen; durch das intensive Beschäftigen mit dem Wort, ist in mit etwas lebendig geworden, mitten in allen Spannungen eine unverschämte Hoffnung zu haben. Das Wort stärkt die Kraft, gegen alle widrigen Umstände anzuglauben. 
Was würde uns sonst den Mut geben, auf Wüstenwegen Hoffnung zu entwickeln?  

Energiespritze für dürre Zweige

Denen die aufbrechen, gehört die Zukunft.

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell.“

Jes. 9,1



Weihnachtliche Klänge in grauen Novembernächten. Die Botschaft, die der Prophet hier verkündet, hört sich richtig unwirklich an. Gott durchbricht die Schatten der menschlichen Tage. In der Finsternis soll es taghell werden. Der Wahnsinn, der auf den Wegen der Menschen liegt, steht unter unglaublichem Leuchten. In spannungsgeladene, leidvolle Tage stellt Gott seine Krippe. Ein Kontrastprogramm, das für den normal Denkenden völlig realitätsfremd erscheint. Als ob Gott keine Ahnung hat, von dem was in dieser Welt abgeht. Doch genau dort, wo die Nächte am dunkelsten und die Schrecken am größten sind, setzt Gott an. Dort wo keiner mehr etwas zu lachen hat, dreht er den Spieß um. Weil er weiß, zu was menschliche Unvernunft und Hass in der Lage ist, weil er weiß, wie Menschen sich gegenseitig belasten können, legt er Lichtspuren. Mit Christus bricht Gott die Nacht um. Das finstere Land ist immer noch das gleiche, das Leid und Chaos ist noch immer gegenwärtig, doch in der Christusgegenwart verlieren sie ihre Übermacht.  Das Lähmende und Erschlagende wird durch dieses Licht erschlagen. Damit beginnt eine kosmische Verwandlung im gebeutelten Menschen. Da bäumt sich das Licht, das in uns eingeht, über die von außen erschlagenden Umstände auf. Dieses große Licht setzt ein Aufbrechen und eine Vorwärtsbewegung in Gang, mitten in allen Widerständen. Mit dem Licht, klaren finstere Wege auf. Das Licht weckt kahle Bäume zum Leben, der wieder frische grüne Blätter treibt. 
Auch wenn unsere Tage von reichlich Finsternis umgeben sind, die gerade in dieser tristen, grauen Jahreszeit noch stärker auf uns einwirken, liegt in diesem Wort ein starker Antrieb. Wer Licht sieht, kann glauben und hoffen. Er hat Mut für feste Schritte. Daraus wächst eine heitere Zielstrebigkeit, mitten durch Nebelschwaden. Mit solch einem Licht, können wir uns gelassen durch die Widerstände durchkämpfen. Mit diesem Licht steht hinter jedem Tod die Auferstehung. Ein Wort zum entschlossenen Weitergehen, weil ein großes, weites Land vor uns steht.
Wenn wir solch ein Licht sehen, wie können wir da über Nächte klagen? 

Getröstete haben Mut

Glaubende, sind die mutig und entschlossen Voranschreitenden.
„Sagt den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott.“

Jes. 35, 4
Trösten kann nur einer, der stark genug ist, die Last des anderen aufzuheben. Menschen können in schweren Zeiten mitleiden, mittragen, begleiten und aufhelfen, doch trösten ist mehr. „Seht, da ist euer Gott.“ Der Blick auf Gott, bringt Statik ins Brüchige. Das Gebrochene hat seinen Halt verloren, wurde mit dem Bruch einer gefallenen Welt konfrontiert. Da braucht es den starken Arm von anderswo. Verzagte Herzen kann nur der Tröster aufrichten. Trost geschieht dort, wo sich die Welt Gottes, sich mit der unseren überschneidet. Trost ist ein starker Impuls aus dem ewigen Reich. Dort wo Christus  diese Erde betritt. Wo das verzagte Herz an den Schmerzen dieses Lebens zerbricht, braucht es den, der Nacht und Tod überwunden hat. In diesem Trösten kämpft sich nicht mehr der Mensch durch seine Not, sondern wird vom Tröster auf Händen getragen. Das sind dann nicht nur ein paar Streicheleinheiten in schweren Tagen, nach dem Motto: das wird schon wieder; sondern da kommen heilende Mächte in die Ohnmacht. Da durchdringt die unsichtbare Welt, die Sichtbare. Wo Christus tröstet, durchdringt Licht die Schatten der Nacht.
Ein gewaltiger Zuspruch für Verzagte und Verzweifelte. Dem Zagen und Zögern, aller ängstlichen und falschen Zurückhaltung ist damit ein Ende gesetzt. Damit werden neue Maßstäbe gesetzt, im Umgang mit den Schwierigkeiten unseres Lebens. Wo das verzagte Herz schwarz sieht, von erdrückenden Umständen erschlagen wird, bringt die Rückbesinnung auf Gott den Tröster ins Spiel. Seht, da ist euer Gott, ist das Rezept gegen zögern und fürchten. Der Blick auf Christus wird zum Antidepressiva. In diesem Blick kommt in unser nicht mehr handeln können oder wollen, eine Handlung, die uns den Rücken stärkt. Da wird Verzagtheit aufgerichtet und erhält Mut. Seht auf Christus, verändert in uns die Kräfteverhältnisse. Das ist kein psychologischer Trick, sondern eine Sicht- und Sinneswandlung. 
Mit diesem Wort haben wir in allen Krisen einen weiten Vorausblick. Da haben schwere Augenblicke eine gewaltige Perspektive. Da brauchen wir nicht mehr in den allergrößten menschlichen Spannungen verzweifeln. Wir sind getröstet, wir sind hindurchgetragen, weil der Überwinder selbst Hand an uns gelegt hat.
Sollten da unsere Erschütterungen den Mut rauben?