Die starke Marke

Menschen sind immer auf der Suche nach Sicherheit und Verlässlichkeit, nach Orten, die dem eigenen Leben Halt und Hilfe versprechen.

„Sie haben sich Götter von Gold gemacht. Vergib ihnen doch ihre Sünde!“
2.Mose 32, 31. 32

Man könnte meinen, Menschen sind mit Elstern verwandt. Sie lieben und sammeln was glitzert und funkelt. Wir lieben starke Bilder und Symbole, die Stärke vermitteln. Wir sind umgeben von Adlern und Löwen auf den Staatswappen, von silbernen Sternen und Jaguaren auf Motorhauben, von aufsteigenden Linien auf Bankenlogos. Starke Marken prägen unsere Tage. Kaum eine Firma oder eine Organisation, die nicht durch ein eindrückliches Symbol, Ihre Leitgedanken und Kompetenzen herausstellt. Das rote und das blaue Kreuz symbolisieren schnelle Hilfe. Bilder und Symbole prägen und nehmen Einfluss auf den Menschen. Es ist gut, wenn damit Vertrauen aufgebaut wird, jedoch problematisch, wenn sie zur allein seligmachenden Größe mutieren. Wenn die Naturkräfte und die Kraft einer Gesellschaft sich wie im alten Israel zum goldenen Kalb entwickeln und zur eigentlichen Größe und Sicherheit der Menschen werden, geht der Schuss gewaltig nach hinten los. Das Bedürfnis nach Sicherheit, versucht der Mensch gerne aus eigener Kraft zu stillen und schafft damit eine eigene Religion. In uns liegt eine starke Tendenz, der von Gott geschaffenen Lebensgarantie, aus der Schule zu laufen und etwas Menschengemachtes entgegenzusetzen. Wo das Vertrauen in Gott schwindet, werden die menschlichen Machtsymbole stärker. Da müssen Zeichen herhalten, die heute glänzen und morgen verrosten. Mose setzt sich hier mit einem riesigen Drama der Menschen auseinander. Sie haben sich Götter gemacht… Der Mensch macht etwas und setzt es gegen Gott ein. Ein vergängliches Wesen schafft etwas, was er dem Ewigen entgegensetzen will. Damit kommt die ganze Brüchigkeit eines Sicherheitskonzeptes zum Ausdruck. Menschen stehen dadurch immer in der Gefahr heute ihren Untergang von morgen zu bejubeln.

Gott setzt dem goldenen Kalb sein ewig gültiges Symbol entgegen. Das Kreuz Christi ist das Markenzeichen des Glaubens. Die Sehnsucht nach Erlösung, nach Freiheit, nach Sicherheit liegt im Kreuz. Dieses Zeichen trägt über alle Vergänglichkeit hinaus. Da braucht der Mensch nichts mehr dazutun, da hat Gott alles getan. Wo die Sterne dieser Welt verblassen und ihre Tragfähigkeit verlieren, ist hier ein Fundament, das nicht aus Erde geschaffen ist. Im Wettstreit der Symbole und Marken, ist das Kreuz das einzig Unvergängliche. Diese Sicherheit trägt auch dann noch, wenn die Welt in Scherben liegt. Für die Stabilität unserer Existenz brauchen wir mehr Kreuz als Silbersterne.

Es ist hilfreich, uns immer wieder zu hinterfragen, welchen Bildern und Symbolen wir folgen und Glauben schenken. Selbst unsere Ernährung können wir vergöttern. Auch die eigenen Kinder können zur Ersatzreligion werden, in denen wir unsere Zukunft sehen. Das Geldverdienen kann Kultstatus erhalten. Es gibt ständig Ansatzpunkte, die uns reizen, andere Bilder auf unsere Fahnen zu malen. Verlieren wir nie das Kreuz aus den Augen.

Wo vertrauen wir dem, was unsere Hände gemacht haben?

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Sorgen werfen

Wo ein Stern aufgeht, können wir den Kummer der Nacht hinwerfen.

Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen.“
4.Mose 24, 17

Wenn Sterne aufgehen und Zepter aufkommen, geschieht ein Umbruch in Nacht und Ohnmacht. Damit kommt Licht in Machtlosigkeit und Orientierungslosigkeit. Das ist die starke Nachricht für die Glaubenden. Den ganzen Auseinandersetzungen des Lebens ist ein Kontrapunkt gesetzt. Über der Zerrissenheit des eigenen Lebens, über dem Durcheinander einer ganzen Welt, geht ein Licht auf. Aller Angst dieser Welt, ist der Christus-Stern gesetzt. Das ist ein Faustschlag gegen die Hoffnungslosigkeit. Das ist ein Hammer gegen alle Sorgen.

Wie sehr sind unsere Tage von Horrorszenarien bestimmt? Die Angst vor dem nächsten kalten Krieg. Die Mächtigen, die Konfliktlösungen mit militärischen Mitteln durchsetzen wollen. Menschen werden zugedröhnt und mit Schreckensmeldungen in Schach gehalten. Im Großen, wie im Kleinen stehen wir ständig unter Strom. Die eigenen Konflikte und Sorgen tun ihr Übriges.

Das Rezept des Glaubens heißt, Sorgen werfen. Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Wo wir werfen, sind die Sorgen weg. Wo ein Stern aufgeht, können wir uns aus unserer Sprachlosigkeit befreien. Das ist die Antwort der Glaubenden für angstgeprägte Menschen. Wir leben in belastenden Situationen und können den Druck loswerden. Sorgen werfen, heißt glauben. Wir vertrauen dem, der die Herrschaft über die Ohnmacht hat. Wir lassen in den Sorgen Gott Gott sein. Wir geben ab und meinen nicht mehr, wir müssten die Welt selbst erlösen. Sorgen werfen macht Mut. Es nimmt zentnerschwere Lasten ab. Er befreit sich von dem lähmenden Gift, das ein Leben auf Sparflamme hält.

Auch bei unsportlichen Menschen ist es hilfreich, das Sorgen werfen zu einem Morgen- und Abendritual werden zu lassen. Es trägt zur geistlichen und leiblichen Fitness bei. Wo wir diesen Frühsport nicht betreiben, werden wir lebensmüde. Belastete, schwermütige Menschen, deren Augen nicht mehr leuchten, haben Schwierigkeiten mit dem Sorgen werfen. Wer diese Disziplin einübt, den erkennt man am Gang seiner Schritte, am Leuchten seiner Augen, an dem Mut und der Hoffnung seines Atems.

Wie erleichtert wären wir selbst, wieviel Sterne würden den Menschen um uns herum aufgehen, wenn wir unserem Ballast abgeben?

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Das Übel verwandeln

Wir haben die große Freiheit NEIN zu sagen.

Auf dich, Herr, mein Gott traue ich! Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich.“
Ps. 7, 2

Wer Gott vertraut, wird nicht vor dem Übel verschont, jedoch erhebt er sich wie ein Adler über das Übel. Unser Leben ist voll von Ereignissen und Gedanken, die uns in Unruhe versetzen wollen, die uns nachschleichen und lähmen wollen. Das was uns Gott an Gutem anvertraut hat, steht ständig in der Gefahr, in der Auseinandersetzung des Lebens über Bord zu gehen. Wir sind zum Weg der Liebe aufgebrochen, wollen ein echt geheiligtes Leben führen und merken, wenn uns einer ein bisschen an unserer Ehre kratzt, wie schnell bei uns im Keller die Wölfe heulen. Schlagartig werden wir von bösen Gedanken aufgefressen. Die Anfechtung, die Verlockung, die Hassgefühle lauern an jeder Ecke. Das Böse verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Wir spüren, wie wir nicht aus unserer Haut können, und zum Spielball anderer Mächte werden. Wo wir solchen Gedanken den Freiraum lassen, mauern wir an unserem eigenen Kerker.

Jesus betet in solchen angefochtenen Situationen: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Das ist das entscheidende im Glauben, nicht dass wir das Böse wegbitten, sondern im Bösen standhaft bleiben. Die Anfechtung wird bleiben, jedoch der Glaube geht anders damit um. Jesus ging seinen bedrohten Heilsweg bis zu Ende, ohne einen inneren Hass gegen seine Verfolger zu entwickeln. Als er vom Bösen versucht wurde und äußerst verlockende Angebote erhielt, hat er einfach nein gesagt. Das Böse bleibt, jedoch das Vertrauen auf Gott schafft einen freiheitlichen Umgang mit dem Bösen. Wenn uns ein beleidigendes, böses Wort trifft, entscheidet das Gottvertrauen, ob mich diese Worte zu Tode verletzen, oder ich mich königlich darüber erhebe. Wo ich Gott vertraue, findet in mir eine Verwandlung des Bösen statt. Wir werden nicht vom Übel verschont, wir transformieren das Übel. Das ist die Freiheit eines Christenmenschen. Das ist die Kraft des Glaubens, der empfangenen Hass, nicht als Hass zurück gibt. Wo das Böse auf Gottvertrauen stößt, verliert es seine zerstörende Macht. Im Vertrauen auf Gott, übernehmen wir die Herrschaft und weisen das Böse in seine Schranken. Wir sind nicht die an das Böse hilflos Ausgelieferten. Wir haben die Freiheit nein zu sagen, gegen die sich in uns aufbäumenden Kräfte. Wir können damit keinem Übel in der Welt die Schuld geben, dass wir innerlich verletzt sind. Im Vertrauen auf Gott, ist der in uns mächtig, der Böses in Heil verwandelt. Daher nehmen wir dieses Gebet zu Herzen: Auf dich, Herr, traue ich!

Zeigen wir nicht unseren Mangel an Vertrauen, wenn wir dem Bösen einfach für alles die Schuld geben?

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Krisen offenbaren Glauben

Ein kleiner Glaube verliert den Boden, wenn die Wellen hochschlagen.

„Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!“
Ps. 116, 3-4

Hier hat ein Beter ein positives Krisenmanagement. Auch Glaubende kommen im Leben in Ausnahmezustände. Das erfuhren selbst die Jünger mit Jesus im Boot. Stürmisches Meer, das in Seenot geraten lässt. Das Leben steht auf dem Spiel und das Schiff droht unterzugehen. Ganz normaler Lebensalltag, dass man auch mit Jesus im Boot in Sturm kommen kann. Selbst der Glaube steht immer wieder vor allerletzten Herausforderungen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, wenn Christus im Boot sitzt, lassen die Stürme nach. Solange wir leben, müssen wir immer damit rechnen, dass das Leben unterzugehen droht. Stürme, Krisen, harte Lebensschläge sind nichts Außergewöhnliches. Die Situation des Untergangs fragt nach unserm Glauben. Der Bruch der Beziehung, die unheilbare Krankheit, der schreckliche Unfall, die Glaubenszweifel suchen nach dem Schrei: Ach, Herr, errette mich! Wo wir nicht mehr auf uns selbst vertrauen können, wartet Jesus auf den Ruf: Meister, wir kommen um! Unsere Ausnahmesituationen sind Gottesstunden. Wo alles wegbricht sucht Gott Vertrauen. Er sucht dieses Vertrauen von Jesus, der in schrecklicher Bedrohung noch ruhig schlafen kann. Zum Entsetzen der Jünger, bleibt ihr Meister von den Wellen unbeeindruckt. Wie kann da einer noch ruhig schlafen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. Glaube verschafft eine unverschämte Ruhe. Gottvertrauen schafft Gelassenheit, gerade wenn die Fetzen fliegen. Dieses Vertrauen gilt es immer neu sich zu vergegenwärtigen.

Glaube und Krise gehören zusammen. Unsere hilflose Situation, ist die Frage nach unserem Vertrauen. Sind wir in unseren Stürmen wellengesteuert, oder glauben wir dem, der den Wellen gebieten kann? Um diese innere Auseinandersetzung geht es in jedem Konflikt. Wo nicht das Vertrauen wächst, wird die Angst größer. In der Krise zeigt sich, wie mächtig Gott in uns sein darf. Es gibt das Wort, in der Krise zeigt sich der wahre Charakter des Menschen, das kann man hier übertragen und sagen: In der Krise zeigt sich, was ein Mensch glaubt. Gott sucht an unseren Grenzen unser Vertrauen. Er will ein Zweifaches. Ruhe schenken in den Stürmen, und Wind und Wellen gebieten. In unserer Seenot will sich seine ganze Macht entfalten. Er ist mitten unter uns, und wartet nur auf unser: Ach, Herr, errette mich!

Welche Schreie stoßen wir von uns, wenn das Wasser bis zum Hals steht?

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Keine Angst vor Krisen

Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.

„Mein Gott, des Tages rufe ich, doch du antwortest nicht, und des Nachts, doch ich finde keine Ruhe.“
Ps. 22, 3

Da war gestern Ostern mit erhebenden Gesängen, mit viel Kerzen, die sich an der Osterkerze entzündet haben und das Osterfeuer, das hell lodernd in den Himmel ragte und sich aufmachte in die Welt hineinzuleuchten, und schon ziehen wieder schwarze Wolken auf. Am Nachmittag zog eisiger Regen auf und verbreitete Novemberstimmung, die keinen Hund hinter dem Ofen vorlockte. Gipfelerlebnisse haben es an sich, dass es danach wieder bergab ins Tal geht. Das ist auch im Glauben nicht anders. Da meinen wir, nach einem erhebenden Gottesdienst, nach einer eindrucksvollen Predigt, nach einem unvergesslichen Erlebnis, jetzt geht es nur noch bergauf, jetzt haben wir etwas kapiert, das wir unser ganzen Leben nicht mehr vergessen, und dann kommt immer wieder dieses große schwarz Loch. Da rufen wir zu Gott und es bleibt still. Alles Großartige, wie weggeblasen. Tage, an denen wir uns fragen: wo ist meine Lebensfreude von gestern geblieben? Da spüren wir eine Glaubensleere und verstehen das alles nicht mehr. Da ist so wenig, was diese Momente wieder aufbauen kann. Ja, es gibt die Tage, an denen wir rufen und nichts hören. Hochfeste gibt es nur wenige Tage im Kirchenjahr, das andere sind Bußzeiten und festlose Zeiten. Gerade diese überwiegende Zeit, gilt es im Glauben zu gestalten.

Der Psalmbeter ruft, auch ohne Antwort. Er bleibt ausdauernd am Gebet, gerade da, wo ihm nicht dazu zumute ist. Er lässt das Gespräch nicht abreisen, wenn er in die Krise kommt. Der Glaube betet und glaubt, auch wenn er nichts sieht und hört. Die aufgewühlten und hilflosen Emmausjünger nehmen den Fremden auf. Sie sind völlig durch den Wind, dass ihr Herr und Meister weg ist und sie einfach so zurückgelassen hat. Ihr Glaube liegt erschüttert am Boden. Obwohl sie lieber ihre Ruhe haben wollen, bitten sie den Fremden zu bleiben. Vielleicht bringt und das Gespräch mit ihm Ablenkung. Wer redet und ruft, hat plötzlich Christus in der Stube. Christus offenbart sich in unserer Zerrissenheit. Dafür ist er auferstanden, damit er die Trostlosigkeiten durchbrechen kann.

Wo unser Rufen nicht aufhört, hört auch Gottes Hören nicht auf. Unser Glaube und unser Gebet braucht Nacht-Rituale. Wo unsere Worte verstummen wollen, helfen Psalmen uns wieder eine Sprache zu geben. In einem Kloster gibt es die Stundengebete, in denen Psalmen und liturgische Gebete gebetet werden. Gerade die Treue zu diesen Gebeten können uns durch Krisen tragen.

Welche Formen haben wir, dass unser Beten nicht abreißt, auch dort wo wir nichts hören?

Wenn der Verstand rebelliert

So sehr geht Gott seinen eigenen Weg, dass menschliche Vernunft ihn nur so verstehen kann, dass sie an ihm zunichte wird. Helmut Gollwitzer

„Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!Ps. 139, 17

Die Größe Gottes raubt den Menschen den Verstand. Alles, was über Länge, Breite und Höhe, also über den sichtbaren und wahrnehmbaren Bereich des Lebens hinausgeht, ist etwas, womit sich der Mensch schwer tut. Da ist etwas weit größeres als ich, das ich nicht fassen und einordnen kann. Wie sollte ein Mensch mit Anfang und Ende unendlich denken können? Bei allen Gedankenspiele um Gott, müssen wir immer wieder erkennen, Gott passt nicht in unseren Verstand. Die Brüder in der Ausbildungsstätte unseres Priors in Unterweisach, wurden zu Beginn ihres Studiums mit dem Satz konfrontiert: „Liebe Brüder, das erste Verständnis, das wir von Gott haben, ist ein Missverständnis.“ Soll heißen, wir begegnen Gott immer mit falschen Vorstellungen. Gott handelt und denkt anders als wir denken. Wenn er ruft, kommt er uns immer unpassend. Er unterbricht und durchbricht unsere Lebenskonzepte. Seine Gerechtigkeit werden wir nie verstehen, einmal ist er uns zu heilig, ein andermal zu gnädig. Gott ist derart souverän, dass sich dem alles unterordnet. Er ist der, dem Himmel und Erde folgen, dem Wind und Wellen gehorchen, der zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt spazieren geht. Unser Leben ist vor ihm, wie der Tropfen am Eimer, wie das Sandkorn in der Wüste. Wenn er nur ein Wort spricht, teilt sich das Meer und rauchen die Berge. All unseren Grenzen, begegnet in ihm einer totalen Grenzenlosigkeit. Wo es um Gott geht, braucht und kann der Verstand nicht mehr begreifen. Für ihn sind alle Aufregungen in unserem Dasein ein Windhauch. Wo Gott sich Menschen herauswählt, um etwas Neues entstehen zu lassen, müssen wir das nicht verstehen, wir sollen glauben. Unser Verstand ist in Glaubensdingen ein schlechter Ratgeber. Gott will nicht verstanden werden, er will geglaubt und geliebt werden. Wo der Mensch sich im Glauben hingibt, wächst er über sein Verstehen hinaus. Wer Vertrauen wagt, wächst in die Grenzenlosigkeit Gottes hinein.

Wenn Lebensereignisse die Luft rauben, wenn die Wellen hochschlagen und Krankheiten uns auffressen wollen, wenn unser Verstand nur noch seine eigene Sinnlosigkeit begreift, dann schlägt die Stunde Gottes. Hinter all dem, was wir nicht erkennen und verstehen, steht der, der alles weiß. Wo uns unser Herz verdammt, brauchen wir den, der aus dem Staub erhebt. Gerade in der Unfassbarkeit Gottes, liegt das umfassende Erbarmen, das das Brüchige und Begrenzte in seine Weite führt. Die größte Depression, die darauf angelegt ist, seinem Leben ein Ende zu setzen, braucht vor solch einem großen Gott nicht abzustürzen. In dieser Unbegreiflichkeit, liegt das heil werden der ganzen Schöpfung.

Sind nicht unsere Grenzen der Anfang für den der keine Grenzen kennt?

Worte die nicht wahr werden, lügen

Wer zur Geschäftseröffnung eine pompöse Tischdekoration bestellt und danach die Rechnung nicht bezahlt, bekommt ein unerfreuliches Date mit dem Rechtanwalt.

Sollte Gott etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?“
4.Mose 23, 19

Wo im September für einen Rollifahrer auf März ein Aufzug versprochen wird, und Ende Februar weder Pläne noch eine Finanzierung steht, sind wir nicht nur im deutschen Beamtenstaat, sondern in einer Lügenrepublik. Wo Wort und Tat auseinanderklaffen beginnt die Hölle auf Erden. Wortbruch zeigt, ich will nicht, oder ich kann nicht. Gebrochene Versprechen nehmen der Welt den Frieden. Wenn Gott sagt: Es werde, so ist die Welt erschaffen, so entsteht der Mensch und es geht nach der Nacht die Sonne auf. Wort und Tat sind eins. Gesprochenes ist Handeln. Ein Ja ist eine Bewegung. Seine Worte sind quicklebendig. Sein Versprechen ist Ereignis. Für ein Wort steht der Schöpfer in seinem ganzen Tatendrang. Ein erklärte Absicht, ist bereits das vollendete Werk. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Sprechen und Tun. Da sind die Worte glasklar und funkeln wie geschliffene Edelsteine. Ein gesprochenes Wort heilt die Wunden der ganzen Schöpfung. Ein Wort, weckt den verstorbenen Lazarus aus seinem Grab auf. Solch eine Macht haben gehaltene Worte. Sie versöhnen die Menschen und schaffen der Welt Frieden. Solche Worte sind Felsen, auf die man Schlösser baut. Verlässliche Worte tragen die Not der ganzen Welt. Sie schaffen Glauben, denen kann man vertrauen, die werden zur Hilfe.

Nicht gehaltene Worte belasten das Miteinander bis zur Unerträglichkeit. Unzuverlässigkeit ist der Anfang vom Ende. Wo Worte lügen, beginnt der Krieg. Menschenworte sind derart brüchig und stehen auf wackeligen Beinen, weil sie viel versprechen und wenig halten. Gesprochenes, das nicht zur Tat wird, wird automatisch zum Brechmittel. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Wer sich nur auf die Zusagen vom Menschen verlässt, muss die Enttäuschung einkalkulieren. Was nicht zur Tat wird, ist wertlos. Wer Blumen bestellt und nicht bezahlt, betrügt sich und andere. Gebrochene Worte offenbaren gebrochene Menschen.

Daher liegt in Gott 100%tige Glaubwürdigkeit. Was er zusagt, hält er für alle Zeit. Da ist jedes Wort ein Meilenstein, jeder Anflug eines Gespräches ein Wunder. Diese Worte brauchen wir nicht hinterfragen; sie haben sich selbst bezeugt. Nichts ist verlässlicher, als diese Verheiratung von Reden und Tun. Darauf können wir bauen. Damit können wir alles wagen.

Woran wollen wir zweifeln, wenn sich Worte bedingungslos erfüllen?

Unglaube verhindert Segen

Leben ist loben, weil es aus dem Himmel mit Strömen der Liebe regnet.

„Bei dem Herrn findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk!
Ps. 3, 9

Berufene sind Gesegnete. Sein Volk, sind die aus allen anderen Völkern herausgewählten. Gott pickt sich Menschen heraus, denen er Gutes tun will. Gott hat den Drang und das Bedürfnis sich mit dem was er hat und ist mitzuteilen. Er sagt: Mensch ich gebe dir etwas, was dir kein Mensch geben kann. Mit mir kannst du was erleben. Von Gott erwählt zu werden ist ein Privileg, es ist eine besondere Gnade. Da sind Menschen, die er zu etwas macht, was die natürliche Laufbahn durchbricht. Gott am Menschen und Gott im Menschen, da fließt der Segen. Mit Christus hat der Mensch eine Goldader entdeckt. Ab diesem Moment ist die Versorgung gesichert. Berufen zu sein heißt, Gott übernimmt alle Sorge. Wo Gott sein Volk segnet, können zwei Hände voll junge Leute, mit Anfang zwanzig, ein Millionenprojekt starten. Das Kapital einer beginnenden Bruderschaft waren einige Spaten, zwei Schubkarren und eine Berufung. Damit hat Gott das Land umgegraben und uns das Staunen gelehrt. Was jetzt nach Jahrzehnten entstanden ist, lässt nichts mehr von den bescheidenen Anfängen erahnen. Gott hat sich in unserem Fall keine Geschäftsleute, Wirtschaftsunternehmer oder Architekten berufen, sondern Schüler, Lehrlinge und frischgebackene Gesellen. Segen und Hilfe sind die Begleiterscheinungen der Berufenen. Das ist der Inhalt des Glaubens. Gott ruft die Nichts-Habenden, dass daraus Großes entsteht. Dass darin offensichtlich wird, Glauben hat nichts mit menschlichem Können und Vermögen zu tun, sondern mit berufen und für den Segen offen sein. Gott will menschliches Denken und menschliche Maßstäbe durchbrechen, er will dem Glaubenden zeigen, was er drauf hat. Segen offenbart, dass Gott souverän über alle Umstände hinweg handelt. Da ist immer mehr da, als unser Denken zulässt. Segen ist Liebe, die wie ein Wasserfall, nicht zu stoppen ist.

Um im Segen zu leben, diese Glückseligkeit auszuschöpfen, braucht es einfach Menschen die nichts haben, jedoch alles glauben. Glaubende folgen dem Ruf, und nicht dem, was sie für möglich halten. Berufene brauchen nichts mitbringen, weil Gott alles beisteuert. Somit ist wirklich alles möglich, für den der glaubt. Der Glaubende ist der Gesegnete, da fließt immer mehr zu, als das was da ist. Ein Leben mit Gott fängt erst da richtig an, wo wir nichts vorzuweisen haben, wo wir armselig und hilflos vor ihm stehen, und ihm Platz machen für seinen Segen. Da kommt immer mehr als wir je glauben können.

Bremsen wir nicht oft mit unserem Unglauben den Segen aus?

Der Flügel ist sicher

Was ein Adler unter seinen Flügeln hält ist ihm heilig.

„Wie köstlich ist dein Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“
Ps. 36, 8

Adlerjungen sind Glückspilze. Sie brauchen sich um nichts zu sorgen. Was der Adler schützt, ist geschützt. Da werden Flügel zu unüberwindbaren Mauern. Für die Jungen eine sichere Zuflucht, in der sie die Gefahren der freien Wildbahn überleben. Wird der Adler ausgeschaltet, wird seine Brut angreifbar. Dieses Bild steht für einen Menschen in Gott. Gott steht und garantiert unser Dasein. Wir sind die heilige Brut, auf die er sein Auge wirft. Zu diesen Flügeln kann der Mensch sich flüchten. Jeder kleine Vogel weiß um diesen Ort, wenn´s brenzlich wird. Da ist ein größeres Vertrauen in den Zufluchtsort, als in den eigenen Kampfgeist. Jede Jungbrut weiß um den sichersten Ort unter dem Flügel. Das ist Güte, in dessen Schutz das Leben liegt.

Wenn wir allein unseren Körper, den ganzen Organismus betrachten, was sich dahinter für ein Gesundheitssystem verbirgt, sehen wir an der Macht der Regenerierungskräfte, die wie Flügel über unserem Leben sind. Jede Verletzung, jede Krankheit ist eine Störung des Gleichgewichtes im Körper, wo sofort die Gesundheitspolizei mobilisiert wird, die für Ausgleich und Heilung sorgt. In uns laufen so viele Schutzfunktionen ab, dass wir eine Rettungsstation in uns selbst haben. Wir sind von Güte berührt und durchdrungen. Gottes Schutz ist hautnah. Dem können wir bedingungslos vertrauen.

Paulus bringt das auf den Punkt: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Er kämpft gegen das Wegwerfen. Denn wenn das Vertrauen weg ist, ist der Schutz weg. Ohne Vertrauen keine Zuflucht. Wer Gott nicht mehr vertrauen kann, schadet seinem Leben. Vertrauen ist Leben, Misstrauen nimmt Leben. Da dreht uns eine Hassspirale in den Untergang. Mit Misstrauen, werden wir innerlich und äußerlich aufgefressen. Da versauert die ganze Existenz. Das Vertrauen ist der Glaube an die Güte. Wo wir in den Widerwärtigkeiten der freien Wildbahn Vertrauen wagen, haben wir Zuflucht. Im Gottvertrauen ist der Schutz größer als die Gefahr. Vertrauen ist das Ja zu dem, dass der, der die Flügel über uns ausbreitet, es gut macht. Vertrauen ist köstlich.

Warum kann das Misstrauen so viel Schaden anrichten, wo doch ein Flügel über uns schwebt?

Größe liegt im Darunter

Wenn für den Menschen nichts höher ist als er selbst, woher sollte er dann seinen Trost erhalten?

„Wer will Gott Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet?“
Hiob 21, 22

Weisheit und Einsicht ist auf dem Gipfel eines Berges. An höchster Stelle erkennt der Wanderer die Zusammenhänge des Tales. Bergsteiger lieben diese Augenblicke am Gipfelkreuz, wo ihnen alles zu Füßen liegt und sie das faszinierende Panorama erfassen, das ihnen im Tal verschlossen war. Weisheit des Lebens erschließt sich an der höchsten Stelle des Lebens, bei Gott. Das höchste Maß an Erkenntnis und Durchblick liegt bei dem Höchsten. Genau an der Stelle, die den Menschen überragt. Direkt unter Gott, ist der Mensch am Gipfel der Gefühle angekommen. Unter Gott ist der Platz, an dem sich das Leben entschlüsselt und die Zusammenhänge klar werden. Wo Gott der Höchste ist, ist alles andere darunter. Nichts überragt diese Größe. Er ist der Allumfassende, unter dem sich alles Sein abspielt. Menschliche Weisheit und Größe ist darin verankert. Wo dem Menschen nichts mehr heilig ist, wo ihn nichts mehr überragt, ist er allein seinem Können und Vermögen überlassen. Er hat sich selbst zur Größe definiert und stürzt ab, wo diese Größe angekratzt wird. Hochmut kommt vor dem Fall. Im Leben dreht sich alles darum, dass ein Mensch den Mut gewinnt, sich auf den Höchsten zu verlassen. In diesem Mut liegt die wahre Größe des Menschen. Es ist der Mut Gott über sich Gott sein zu lassen. Es ist der Mut sich loszulassen und Vertrauen in den Höheren zu wagen. Das ist die Demut gegen das selbst groß sein wollen.

Wir kämpfen und rackern um unsere Größe. Von überall wird uns zugerufen, du brauchst mehr Selbstvertrauen. Von klein auf wird uns beigebracht uns zu behaupten. In der Wirtschaft musst du der Platzhirsch sein, sonst gehst du unter. Jeder will der Größte und Beste sein, um die höchsten Marktanteile zu haben. Alles Ringen um Größe steht auf wackeligen Füßen. In diesem Selbstbehauptungskampf liegt ganz viel Angst, klein, verlassen und unbedeutend zu sein. In diesem Kampf um die eigene Größe um das eigene ich, liegt ganz viel Schwachheit, weil das Vertrauen in den Größen verloren gegangen ist. Wo wir das Vertrauen und die Demut verlieren, sind wir dazu verdammt, für uns selbst zu streiten. Diese Urteil steht über dem Leben der Gehetzten und Getriebenen. Weisheit ist sich in Demut unter Gott zu stellen. Wer in dem Höchsten ruht, braucht keine Angst für sich selbst haben.

Wie wollen wir von uns selbst Trost und Hoffnung erwarten, wenn wir keinen Höheren über uns haben?