Zu Erwachsen macht kraftlos

das Allergrößte entfaltet sich im Kleinen.
„Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet.“

Ps. 8, 3
Wie hieß es früher in der Erziehung: Wenn zwei Erwachsene sich unterhalten hast du mein Kind die Klappe zu halten. Die Unwissenheit der Kinder hat nichts zu melden. Kinder stellen große Fragen, können jedoch keine großen Gedanken entwickeln. Diese kleine Welt hat bei den Großen einfach nichts verloren. Man steht schnell in der Gefahr zu sagen, das verstehst du noch nicht.
Wo wir Menschen oft große Unterschiede sehen, sieht Gott die Grundlagen für seine Sache. Unvervögen und Macht ist genau sein Ding. Jesus preist die Einfältigen und geistlich Armen glücklich. Genau das ist es, aus dem Gott sein Großes entfaltet. Die, die nichts haben werden die Reichen. Die, die Gott füllen kann sind die Begabten. Die optimalen Voraussetzungen um Gott zu erfahren sind leer zu sein. Schwaches kann er stark machen. Er braucht nicht Bessserwisser, sondern Unbefangenheit.
Neulich hatten wir Ferienkinder zur Floristik im Blumenhaus. Die Kids waren wie ein Schwamm. Sie hatten keine Ahnung vom Blumen binden, haben jedoch das Vormachen wissbegierig aufgesaugt. Danach sind teilweise taumhafte Sommersträuße entstanden, bei einer bomben Stimmung. Herrlich wie sich Kinder mitnehmen lassen. Da sieht man keinen Widerstand für Neues, da ist Offenheit zu experimentieren.
So will Gott sein Reich zum Blühen bringen. Die offenen, unbeschriebenen Blätter sind für ihn die besten Voraussetzungen. Aus dem Kindermund entfaltet sich seine Macht, nicht aus denen, die immer schon wissen wie es geht und Gott vorschreiben, wie er es hätte können besser machen. Gott sucht keine Kritiker und Bedenkenträger, sondern kommt in Unbeleckten zum Zuge.
Wo haben wir das Kind sein verlassen und blockieren Gottes geniale Macht, weil wir viel zu erwachsen sind?

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Wir geben Würde

Schöpfung geht uns alle an.
„Gott der Herr machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen. Und der Mensch gab einem jeden seinen Namen.“

1. Mose 2, 19.20
Was für eine geniale Cooperation. Gott, Mensch und Schöpfung, als ein ineinandergreifender Organismus. Da gibt es keine für sich stehende Größe, sondern jedes ist durch jeden bedingt. Ein Gemeinschaftswerk für das jeder verantwortlich ist. Die Tiere und Pflanzen gehören zu unserem Wirkungsbereich. Wo Gott über seiner Schöpfung wacht, sie versorgt und erhält, sind wir diejenigen, die mit Hand anlegen, dass alles gehegt und gepflegt wird und nichts übersehen wird. Der Schöpfungsauftrag an den Menschen ist global. Wo der Mensch den Tieren und Pflanzen seinen Namen und seine Bestimmung gibt, zeigt sich wie detailliert Gott denkt und handelt. Selbst die Insekten und Unkräuter haben ihren Platz, damit ein umfassender Organismus funktioniert. Gott denkt an kleinste Kleinigkeiten und vertraut sie uns an, sie zu erforschen und zu erhalten.
Meeresbiologen haben festgestellt, dass in gewissen Wassertiefen, tausende von Tierarten noch nicht bestimmt oder teilweise entdeckt sind. Unsere Schöpfung ist so vielseitig uns so grenzenlos. Und diese Schöpfung bingt Gott den Menschen. Er legt sie in unsere Hände, sie zu hüten und zu bebauen.
Was machen die Menschen damit? Bei vielem was in der Industrie, Wirtschaft und Politik geschieht, kann einem nur schlecht werden, wie unverantwortlich und lieblos mit diesem anvertrauten Gut umgegangen wird. Doch Schöpfung geht uns alle an. Veränderung geschieht durch verändertes Denken, das bei dem Einzelnen beginnt. Es ist wohltuend, was für ein ökologisches Bewusstsein in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Es ist ein Zeichen dafür, dass wo wir als Einzelne Verantwortung übernehemen, große Fehlentwicklungen verändert werden können. Deshalb können wir das, was Gott uns in die Hand gelegt hat, nicht irgendwelchen großen Organisationen überlassen, die sich darum kümmern, sondern sind selbst gefordert. Ob Mensch, ob Tier, ob Blume, Gott hat keinen vergessen. Alles hat seinen großen Wert, den wir ihm geben. Somit haben wir an unserem Platz einen klaren schöpferischen Auftrag.
Wie können wir durch unser Dasein jedem Geschöpf seine Würde geben?

Standesdünkel – nein danke! 

Gott handelt nicht nach Sympathie oder Antipathie.
„Du sollst den Geringen nicht vorziehen, aber auch den Großen nicht begünstigen.“

3. Mose 19, 15
Menschen machen Unterschiede. Wir sind sehr schnell von einem Standesdünkel bestimmt. Da werden Menschen in Schubladen einsortiert nach groß/klein, arm/reich, gut und böse. Dementsprechend werden sie behandelt. Damit entsteht ein ungleiches Maß, das Unfrieden schafft. Bei der Fa. Google gibt es sogar einen Grundsatz, „pay unfairly“, bezahle ungerecht. Wer besseres leistet, bekommt um vielfaches mehr.
Gott kennt diese Sortiermanie nicht. Seine Zuwendung ist nicht vom Ansehen der Person abhängig. Gott ist ein Gott für alle, unabhängig davon wie leistungsstark und liebenswürdig der Einzelne ist. Für ihn ist der Wert des Menschen, Mensch zu sein, der Gott nötig hat. Gott macht nicht alle gleich, doch er liebt alle gleich. Wie er sich jedem zuwendet, liegt in seiner Souveränität, von keiner Gegenleistung abhängig zu sein. Man kann ihn dadurch nicht manipulieren. Bei Gott kann man sich nicht gut stellen und ihn genauso wenig durch irgendein Verhalten vergellen. Diese Freiheit macht die Größe seines Erbarmens und seiner Liebe aus. Mit dieser Gerechtigkeit will er die Glaubenden regieren. Diese grundlegende Wertschätzung soll zu unserem Umgangstil werden.
Wer Erbarmen erlebt hat, kann nicht unbarmherzig sein. Im Glauben an Jesus Christus sind wir Brüder und Schwestern und nicht Professor und Putzfrau. Da steigt die Achtung vor dem sonst Geringen, da ist der sonst Hochgeschätzte so wertvoll, wie der, auf den wir gerne herabschauen. Der von Gott gerecht Gemachte sucht das Verbindende in den Unterschieden. So kann Frieden auf Erden werden.
Wo sind wir Gefangene unseres Standesdünkels?

Außer Lebensgefahr 

wir sind bedrängt, aber nicht in die Enge getrieben.
„Du bist mein Schutz und meine Zuflucht, mein Heiland, der du mit hilfst vor Gewalt.“

2. Sam. 22, 3
Leben ist immer lebensgefährlich. Da stürzen Häuser ein, da fliegen die Raketen, da fallen Beleidigungen und Schuldzuweisungen und da kreisen Gedanken, die uns die Lichter ausgehen lassen. Bedrohungen von innen und außen. Volle Krankenhäuser zeigen, dass Leben krank macht. Ständig stehen wir unter Einflüssen, die unser Dasein beschädigen wollen. Ständig sind da Dinge, die an uns nagen und das Leben schwer machen. Wir stehen dauernd in der Gefahr, dass uns das Leben unter den Händen zerbricht. Leben braucht Schutz und braucht Heilung.
Den besten Schutz finden wir bei Gott. Da alle Bedrohung des Lebens aus dem „ohne Gott sein“ kommt, kann Zuflucht nur im „mit Gott sein“ liegen. Was Leben aus den Angeln hebt, findet seine Wiedergutmachung in Christus. Er nimmt dem Leben das Bedrohliche und macht es sicher. Er ist Gottes Faustschlag gegen das Böse. In Christus ist alles da, dass ein Gefallener aufstehen kann, ein Ratloser nicht verzweifelt und ein Verfolgter nicht verlassen ist. Durch Christus bestimmen uns nicht die äußeren Einflüsse und all die widrigen Umstände, sondern herrscht eine lebensschaffende Gegengewalt.
Das Leben kann unter allen Umständen gelingen, es ist genügend Schutz und Zuflucht da. Es reicht jedoch nicht, dass wir das wissen und zur Kenntnis nehmen, sondern wenn die Pfeile fliegen muss ich diesen Schutz aufsuchen. Wenn das Unheil zuschlägt, dann habe ich den Heiland. Es hilft überhaupt nichts, wenn wir dem Gewitter über unserem Leben die Schuld geben. Was uns alleine hilft ist, wenn wir uns dafür verantwortlich sehen, die Hilfe und den Schutz aufzusuchen. Wir werden zu Boden geworfen, aber wir werden nicht am Boden zerstört.
Haben wir da nicht Grund genug, unser Leben durchzugehen und zu sehen, wo wir diese starke Zuflucht noch viel stärker in Anspruch nehmen können?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Hellwach in die Zukunft 

sehnt sich nicht jeder gerne nach Durchblick?
„Viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande.“

Dan. 12, 2
Wer versucht ein Geschäft nach vorne zu bringen, hat irgendwann den Entschluss gefasst, so weitermachen wie bisher, führt nicht zum Ziel. Da setzt ein Fragen und Ringen nach dem Erfolg versprechenden Weg ein. So richtig gut zu werden, braucht den zündenden Funken für die Zukunft. Da ist es lange dunkel und man spürt seinen Mangel an Durchblick, einen zielstrebigen Weg zu gehen. Doch eines Tages werden wir hellwach und es kommt zum Durchbruch.
Vieles um Gott erkennen wir nur bruchstückhaft und manches Mal gar nicht. Auch da gibt es die „Hallo-Wach-Effekte“, die uns in die Geheimnisse hinter die Kulissen blicken lassen. Von Gottes Allmacht können wir vieles in unserer eingeschränkten Sicht nicht erkennen. Mit unserem Denken können wir diese Schwelle nicht übertreten. Das eigentliche „Aufwachen“ geschieht in Christus. Da zündet der Funke, da gehen uns Welten auf. Da kommen wir der Realität Gottes und unserer Eigenen am Nächsten. Wo sich die Zusammenhänge des Lebens oft schwierig erschließen, wo sich die Fragen des Leides der Welt auftürmen, erkennen wir in Christus was wahr und gerecht, was gut und böse ist. Dieser Maßstab, nach dem irgendwo jeder hungert, geht uns dort auf, wo wir Christus begegnen. Hier erkennen wir, was ewig trägfähig ist und was keine Zukunft hat. An Christus entschheidet sich, ob ein Dasein hellwach wird oder in Schmach und Schande endet. Mit ihm stellen wir die Weichen für das Heute und für die Ewigkeit.
Wir brauchen unser Geschäft nicht auf den Konkurs zusteuern lassen, weil wir einen genialen Zündfunken für die Zukunft haben. Wir brauchen nicht unter der Perspektivlosigkeit liegen bleiben, sondern wir sind wach geworden.
Ist das nicht eine Erkenntnis, die hellwach macht und uns lebendig werden lässt, jetzt schon diese Zukunft zu gestalten?

Vertauen entgiftet

der Löwe muss nicht der Stärkere sein.
„Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut.“

Dan. 6. 24
Leben ist oft ein Kampf zwischen Gladiatoren oder ein Steckenritt durch die Löwengrube. Großes, das seine Macht am Kleinen ausübt, verletzten und schwächen will. Auch wenn die Kämpfe nicht mehr in einer großen Stierkampfarena ausgetragen werden, sind die Auswirkungen nicht weniger gering. Denken wir an den alltäglichen Psycho-Krieg, der selbst in frommen Kreisen stattfindet. Schwache Persönlichkeiten verletzen andere um sich stark zu fühlen. Verletzungen geschehen auf allen Ebenen und wir kennen zu sehr die Gefahr in der Löwengrube, der wir anscheinend hilflos ausgeliefert sind.
Daniel übersteht diese Attake unverletzt. Vertrauen war seine Waffe. Gottvertrauen bändigt Löwen. Wir sind von Bedrohungen und Verletzungsgefahr umgeben, wir haben eigentlich keine Überlebenschance, und der Glaube gewinnt. Vertauen auf Gott bezieht sich nicht auf die eingene verlorene Situation, sondern auf eine Macht, die höher ist als der brüllende Löwe.
Wenn wir von einer Giftschlange gebissen werden, können wir ihr nachjagen und sie verfolgen, doch das einzige was passieren wird ist, dass das Gift noch schneller durch unseren Körper getrieben wird. Viel besser ist es, nach dem Angriff, gleich Maßnahmen zur Entgiftung zu ergreifen. Provokation mit Krieg zu beantworten ist ein schlechtes Konzept. Vertrauen entgiftet. Vertrauen gibt sofort Kraft zurück. Wo wir in unserer Gefahr, Anfechtung und Verletzung auf den Christus zugehen, beginnt Heilung, werden wir aufgerichtet. Somit erfahren wir gerade in der Löwengrube eine Auferbauung die uns stark macht. Wer im Angesicht des Löwen Glauben wagt, reift zu einer Stärke, die den Löwen schrecken lässt.
Wir sind nie die hoffnungslos Ausgelieferten. Wir haben die Macht gegen die Demütigungen und Verletzungen anzuglauben.

Wollen wir dieses Vertrauen nicht wagen?

Ein volles Konto lässt jubeln 

nur ein freier Klangraum kann gehaltvoll klingen.
„Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast, sollen fröhlich sein und dir lobsingen.“

Ps. 71, 23
Erlösung ist wie ein gefülltes Bankkonto. Wo kein Geld da ist, wo das Konto leer ist, lebt der Mensch in Zwängen und Ängsten.  Da drehen sich die Gedanken ständig um Defizite und Mangel. Da steht er ständig unter Strom, wie komme ich an Geld, wie schaffe ich meinen Verpflichtungen nachzukommen. Da ist das Leben mehr von Misstönen als von befreitem Gesang begleitet. Da ist das Dasein vom alltäglichen Frust und Verletzungen gekennzeichnet.
Erlösung befreit. Gott füllt auf, was tagtäglich vom Leben aufgefressen wird. Mit Christus haben wir immer ein prall gefülltes Konto. Da sind wir nicht mehr die Aufgescheuchten, von den Beleidigungen unseres Bruders. Da ist unser eigenes Versagen ausgeglichen. Wer erlöst ist, ist frei von dem Druck, der ihn ständig außer Kraft setzen will. Ein volles Konto, lässt aufatmen, befreit zum großzügigen Handeln. Da können wir gestalten, jubeln, uns grenzenlos freuen, denn da drück uns nichts mehr. Erlösung schafft uns einen großartigen Lebensraum, wo unsere zuvor eingeschüchterte Seele wieder strahlen kann, wo die Lippen vor Lob und Dankbarkeit sprudeln. Loslösung ist kein abstraktes, heiliges Gebilde, sondern das Aufheben aus dem täglichen Staub. Erlöste werden lebenstauglich. Befreite können fröhlich sein. Wo das Konto voll ist, lobsingen die Lippen.
Wo ist die nächste Bank, bei der wir unser Konto wieder füllen lassen können?

Alles für eine pralle Ernte 

wer Gutes ernten will, braucht ausgezeichnetes Saatgut.
„Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe!“

Hos.10, 12
Was wir täglich ernten ist meistens alles andere als Liebe. Da gleicht der Erntewagen eher einem Müllauto. Widerliches, untaugliches Zeug ist da aufgepackt. Die Saat die unter unseren Händen aufgeht ist oft wenig fruchtbar.
Wenn wir untersuchen, was für ein Saatgut nötig ist, um Liebe zu ernten, sieht es bei unseren Vorräten eher schlecht aus. Um Gutes in dieser Welt zu ernten, braucht es eine Saat, die nicht aus dieser Welt ist. Um Gerechtigkeit zu säen stehen wir direkt bei Gott. Nur der von Gott gerecht Gemachte, kann zu einer Frucht werden, die die Welt verändert. Ein in Christus eingebetteter Mensch ist die Grundlage, dass kein Hass und Unrecht geerntet werden muss. Nur ein so erneuerter Mensch, hat das Potential für gute Frucht. Alles andere bleibt verderbliche Ware. Wo die Menschheit prallgefüllte Körbe mit besten Früchten ernten will, müssen zuvor gerecht Gemachte gesät haben. Gute Früchte hängen mit einer Jagd auf Christus zusammen. Unser Mühen wird immer nur Fallobst generieren. Wir können uns menschlich für noch so gute Früchte anstrengen, wir müsssen jedoch immer wissen, dass Gutes immer nur von dem Guten kommt.
Bei allem, was wir gegen Ungerechtigkeit und all die Nöte der Welt unternehmen, liegt die tiefe Hilfe in den von Gott erneuerten Menschen. Da entstehen Früchte, die dem Heil und der Gesundheit dienen.
Was können wir säen, dass diese wertvollen Früchte reifen?

Unterbrechen ist Segen 

selbst Gott achtet auf die Work-Life-Balance.
„Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun.“

2. Mose 20, 9.10
Arbeit ist in der Bibel großgeschrieben. „Gehe hin zur Ameise du Fauler und lerne von ihr.“ „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Man könnte meinen, Gott sei ein Schwabe. Trotzdem setzt er einen klaren Punkt. Sechs zu eins für Arbeit zu Ausgleich. Arbeit ist gut, aber nicht alles. Der siebte Tag ist nicht für die Arbeit gedacht. Arbeit braucht auch Besinnung, braucht Einkehr. Auch wenn unsere Arbeit Gottesdienst sein soll, ist ein Tag arbeitslos. Gute Arbeit braucht Ruhe und neue Ausrichtung. Im Kloster gibt es den Begriff Rekreation, Erholung, Kraft schöpfen, Ausorientieren. Gott gönnt uns Verschnaufpausen. Wir sind keine Maschinen, die im Dreischichtbetrieb laufen. 
Auf der Pause liegt sein Segen. Da legt Gott seinen Anker an, um wieder neu die Richtung festzulegen. Da ist der Gottesdienst, für die intensive Gottesbegegnung. Da ist der Raum für menschliche Begegnung, für Familie und Freunde. Ohne diesen Ausgleich verarmt der Mensch. Ohne Pause fördert er das Ausgebrannt-Sein. Ohne Besinnung sind wir Getriebene, die schnell krank werden. Der siebte Tag dient unserem Heil unserer Ganzheit. Für uns ist es der Sonntag, der eine ganz besondere Weihe hat und den Arbeitsrythmus wohltuende Weise durchbricht.
Es gibt natürlich im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft und vielen anderen Berufen Arbeiten, die sonntags laufen müssen, doch es wir dem Menschen nicht dienen, wenn der das Sabbatgebot auflöst. Auch wenn immer mehr Geschäfte sonntags öffnen und großzügig über diesen Punkt des inneren Ausgleichs hinweg gehen, wird das mit Sicherheit kein Gewinn sein. Wir könnten sonntags auch Blumen verkaufen und sogar ein gutes Geschäft machen, doch im Verzicht erkennen wir, wie Gott das „Nichtstun“ segnet. Der eigentliche Gewinn liegt in der Einkehr, damit die Arbeit fruchtbar bleibt. Gottes Segen können wir mit eigenem Einsatz nie ausgleichen.
Gott will uns durch Ruhe wohltun. Wollen wir nicht dafür noch viel bewusster unser Getriebe unterbrechen?

Es irrt der Mensch solang er strebt

Phil. 3, 7-9
 
Erziehung ist der Versuch Werte zu vermitteln. Mehr oder weniger nett, bekamen wir beigebracht, was man tut und was man lässt. Sag Danke, wenn du etwas bekommst und steige bei fremden Männern nicht ins Auto. Ja, aus uns sollte ein vernünftiger Mensch werden. Ohne Fleiß, kein Preis. Wer was Ordentliches lernt, kann es im Leben zu etwas bringen. Handwerk hat goldenen Boden. Gute Leistung zahlt sich aus. Es wurde uns eingehämmert, wer etwas leistet, bringt es zu etwas; wer nichts leistet, taugt nichts. War die Wertevermittlung besonders fromm und gar pietistisch geprägt, kam noch der große Zeigefinger dazu. Pass auf, der liebe Gott mag keine bösen Buben. Der Himmel weint, wenn du deine kleine Schwester ärgerst. Du bist sowieso ein Sünder, deshalb halt dich zurück und reise nicht die Klappe auf. Wir haben gelernt: Gutes wird belohnt, Schlechtes bestraft.
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  • 1. Das ist irre

„Was Gott durch Christus für mich getan hat, das zählt. Jesus Christus ist mein unvergleichlicher Gewinn.“
Bei Paulus kommt ein Knick in seine verkappte jüdische Erziehung. Er hatte klare Werte, die für ihn zählten. Eine jüdische Frömmigkeit, die es zu verteidigen galt und einen Christusglauben, den es zu bekämpfen gab. Gut und gottesfürchtig war für ihn, den neuen Glauben auszulöschen. Das war seine innere Programmierung, die ihn steuerte. Eine spektakuläre Christusbegegnung stellt jedoch seine Erziehung als Irrtum dar. Das was sich dieser Chef-Theologe  über Jahrzehnte als seinen individuellen Verhaltenscodex antrainiert hat, ist durch den schmerzhaften Eingriff Gottes völlig haltlos. Gott begegnet diesem Leistungsdenken mit seiner Christus-Leistung. Gott knackt die tiefste Sinnfrage, die bisher  all seine Aktivitäten motivierte. Die radikale Überzeugung: Ich diene Gott, wenn ich diese abtrünnigen neuen Christen außer Kraft setze, setzt Christus außer Kraft. An Christus zerplatzt das Gedankengebäude, ich könnte für Gott etwas leisten. Da wird Irrtum zum pädagogischen Schockerlebnis. Nicht die beste menschliche oder christliche Erziehung machen Menschen zum Spiegelbild Gottes, sondern Christus, der uns von diesem Irrtum befreit. Menschliche Größe entsteht nicht durch Leistung, sondern dass Gott sich Christus leistet. Gott liebt uns nicht, weil wir uns anstrengen und bemühen, sondern weil er sich um uns bemüht hat. Das wir vor Gott gut dastehen ist nicht unser Verdienst, sondern dass sich Christus für uns verdient gemacht hat.
Das ist die große Rechtfertigungslehre, die Luther mit Paulus verbindet. Gnade ist das Irre des Christentums. Gnade nimmt den Leistungsdruck. Gnade nimmt den Makel, ungenügend zu sein. Christus versöhnt über dem irren Verfolgungswahn. Hier wird der Mensch zum Mensch. Wahre Persönlichkeiten entstehen nicht durch das was Menschen machen, sondern was Gott an ihnen macht. Christus steigert den Wert des Menschen. Er stellt ihn in ein neues Bewusstsein über sich selbst. Glaubende mit einem eingezogenen Genick, mit einer krankhaften Bescheidenheit, sind im Irrtum steckengeblieben. Christen ohne starkes Christusbewusstsein, müssen sich ernsthaft fragen, ob die Gnade an ihnen vorübergegangen ist.
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2. Irren ist menschlich

„Seit ich Christus kenne, ist für mich alles wertlos, was ich früher für so wichtig gehalten habe. Ja, alles andere ist für mich nur noch Dreck, wenn ich bloß Christus habe. Durch meine Leistung kann ich vor Gott nicht bestehen, selbst wenn ich das Gesetz genau befolge.“
Nicht selten war es ein katastrophaler Schicksalsschlag, der eine radikale Wende auslöste. Da wurde der Weg nach Damaskus oder in das Krankenhaus zur Geburtsstunde. Ein Ereignis, eine menschliche Begegnung, bekommt eine solche Wucht, dass sie alles bisher Dagewesene in Frage stellen. Unser Irren braucht manches Mal Presslufthammergewalt, damit Betondecken zertrümmert werden. Alte, nicht tragfähige Werte müssen zuerst in Schutt und Asche gelegt werden, damit Neue entstehen  können.
Ein Verfolger wird Nachfolger. Das ist mit Sicherheit kein Softprogramm. Die verirrte Lebensgestaltung muss dabei zum Scherbenhaufen werden. Christus erkennen heißt, unseren nichtsnutzigen Wahnsinn erkennen. Wo Christus größer wird, wird die eigene Lebensplanung zu Dreck. Worüber ich mich bisher definiert habe, was mir für meine Person wichtig war, wird Müll. Alles auf das was ich stolz war, ist Kompost. Meine ganzen Leistungen, das was mir lieb und teuer war, eine einzige Lachnummer. Selbst meine ganze fromme Erziehung, hat mit Gott kein Stück näher gebracht. Wer Christus kennt, differenziert schärfer, da werden die echten Werte klarer. Durch Christus erkennen wir, wo wir irren. In seiner Gegenwart merken wir, wieviel wir uns ständig vormachen, wieviel da ist, das sich selber rechtfertigen will. Da entdecken wir unseren Selbstbetrug, wie wir immer noch so ticken, dass wir uns auf unser Engagement etwas einbilden und Gott damit beeindrucken wollen. „Wir haben uns doch so eingesetzt und alles gegeben.“ Wo Christus handelt, verblasst das Selbstgemachte. Da ist die Zeit von „Do it yourself“ vorbei. Vor Christus kann sich der Mensch nur nach an den Kopf greifen und sagen: „errare humanum est“ – Irren ist menschlichlich, oder das Leben allein aus dem Menschsein, ist ein reiner Irrtum.
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3. Irren unmöglich

„Zu ihm will ich gehören. Christus zählt. Darauf will ich vertrauen.“ 
Ab dem Zeitpunkt, wo der Mensch auf Christus zählt, verlässt er den Irrtum. Die höchste Weisheit liegt in dem Bekenntnis: „Ihm will ich gehören.“ Da wo wir abgeben, beantworten sich die Fragen des Lebens. Ihm gehören, ist der Kontrast zum „ich mache“. Da ist Christus der Macher. Er allein formt die christlichen Werte, wie Erlösung, Freiheit, Unabhängigkeit, Glaube, Hoffnung und Liebe. Alles Dinge die wir anstreben, nach denen wir uns sehnen und doch nie aus uns erreichen. Die Qualität des Menschen liegt im Christus gehören. Ob wir Dreck sind oder wertvoll, entscheidet unsere Christus Zugehörigkeit. Was Christus gehört, ist nicht mehr meine Sache. Da bestimmt ein anderer über mich. Das ist wie eine Betreuungsvollmacht, die er über unser Leben hat. Hierin wird der Irrtum eines Lebens ausgeschlossen. Das was wir erreichen wollen, das was uns antreibt, das wofür wir kämpfen, geschieht nicht in Eigenregie, sondern im Auftrag dessen, zu dem wir gehören. Unser Wert ist es, dass wir in fremder Mission unterwegs sind. Das macht aus uns mehr, gibt uns einen höheren Stellenwert, als wenn wir in eigener Mission unterwegs wären.
Ihm Gehören steigert unseren Status. Durch Christus sind wir weit mehr, als nur wir selbst. Wir haben eine Position, die uns an viel größere Aufgaben stellt, die uns in ein universelles Denken führt. Wir verlassen dabei die Kinderstube und Pubertätsphase unseres Lebens und werden im Sinne Gottes richtig erwachsen. Wir treten aus uns selbst heraus durch ein neues Christusbewusstsein. Wir bewegen uns in den Größenordnungen, in denen Gott denkt. Für Paulus entstand Reich Gottes auf der halben Welt. Da haben die Schiffe den Heimathafen weit hinter sich gelassen. Wo wir Christus gehören, liegt unser Spielfeld zwischen Himmel und Erde, liegen unsere Aufgaben außerhalb unserer Reichweite. Alles andere wäre dagegen ein jämmerlicher Irrtum.
Wollen wir mit dieser Hingabe nicht alles menschliche Irren hinter uns lassen?
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