Zum eigentlichen Klang durchbrechen

Ausgestreckte Hände zeigen ein liebendes Herz, das zur Versöhnung bereit ist.

Ich streckte mein Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist.“
Jes. 65, 2

Gott versöhnt sich mit dem Chaos. Er steckt die Hände nach denen aus, die tagtäglich die Erde in das Irrsal und Wirrsal zurückverwandeln, wie Martin Buber den Ursprung der Welt beschreibt. Alles Ungute, das entsteht, liegt in dem Abrücken von Gott. Ungehorsam ist der Anfang der Sinnlosigkeit. Das Elend beginnt, wo der Mensch die Maßstäbe in sich selbst sucht. Wo ein Mensch aufsteht und sagt: Ich weiß selbst was ich zu tun habe und lasse mir von niemand in meine Lebensgestaltung hineinreden. Das sind Wege, die am Ziel vorbeigehen und ins Unglück stürzen. Nicht auf das hören, was von Gott kommt, ist der Ursprung von Chaos. Mit den eigenen Gedanken, mit dem, was er aus sich selbst ausbrütet, verlässt der Mensch das Gute. Er entzieht sich seiner Bestimmung, ein genialer Klangkörper zu sein. Da bleibt er eine tonlose Geige im Kasten.

Doch Gott streckt seine Hände aus, jedoch nicht um dieses Instrument zusammenzuschlagen, sondern es zu bespielen. Er zeigt sich als Vater, der selbst dem ungehorsamen Kind ein Vater bleibt. Er streckt seine Hände aus, nicht um zu strafen, sondern um sich zu erbarmen. Den ganzen Tag ringt Gott um Versöhnung. Seine Zuwendung lässt sich von keiner Widerspenstigkeit abschrecken. Er lässt nicht locker, dem Kranken heilende Hände entgegenzustrecken. Paulus sagt: Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Christus ist die ausgestreckte Hand, die wir nicht mehr abschütteln können. Damit lässt sich das Heil nicht mehr aus der Welt schaffen. Diese ausgestreckten Hände sind etwas allzeit gegenwärtiges. Niemand muss sich auf irgendeine Weise das Gute verdienen oder erarbeiten. Das entkrampft allen frommen Stress vom gut-sein-müssen. Der gute Weg liegt in Christus. Er ist der Gegenpol zu unserem Ungehorsam.

Wo sich diese ausgestreckten Hände mit unserem Chaos versöhnen, ist in jedem Augenblick der Umbruch möglich. Da entstehen im größten Durcheinander gute Wege. Da können Paulus und Silas um Mitternacht im Kerker, unter Schmerzen Loblieder singen, dass die Erde bebt. Die ausgestreckten Hände entmachten unsere eigene Schuld und die Schuld unter der wir leiden. Ausgesteckte Hände erheben aus dem Staub und führen zu einem befreiten und unbelasteten Dasein. Es ist Gottes Verdienst, dass wir in jedem Moment zu unserem eigentlichen Klang durchbrechen.

Warum ergreifen wir so wenig diese ausgestreckten Hände und verkümmern auf unguten Wegen?

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Ich bin dein

Menschsein heißt, mutig aufstehen und entschlossen handeln.

„Ich bin dein, hilf mir!“
Ps. 119, 94

Ich bin dein, ist die Liebeserklärung an seinen Schöpfer. Da hat ein Mensch seinen Platz und seine Bestimmung gefunden. Er ist im Herzen Gottes zuhause. Enger, fester und klarer, kann man eine Beziehung nicht ausdrücken. Ein Mensch erkennt sich selbst und sein in-Gott-sein. Er tritt von sich selbst zurück und stellt fest, ich gehöre nicht mir. Ich bin ein Teil des großen Liebenden. Dies ist die wichtigste Erkenntnis im Leben. Mein ich bin, hat immer ein stärkeres du bist mein. Das ist das Entscheidende in meinen schwachen Tagen. Wo meine Seele wie dürrer Sand dahinfliegt, ist in diesem Gegenüber guter fester Boden. Wo die Knie zittern, die Angst mich in Schach hält, bin ich an einer kräftigen Hand, die zu mutigen Schritten führt. Mit dem „ich bin dein“ beginnt ein Überwinder-Glaube. Da verliert meine ängstliche Schwachheit ihr falsche Zurückhaltung. Hier beginnt der Durchbruch zu einem befreiten Dasein, das nicht an den Engpässen des Lebens Halt macht. Das gab Hans und Sophie Scholl als junge Menschen den Ansporn, sich nicht von einem Nazi-Regime einschüchtern zu lassen. Wo Menschen in Gott sind, werden gewaltige Widerstandskräfte freigesetzt. Da ist nicht die Bedrohung des Bösen der Auslöser zum Rückzug, da kann kein Tod mehr schrecken, da bestimmt der, der den Tod überwunden hat. Ich bin dein heißt, der Christus, der die Welt überwunden hat, ist in mir. Er verwandelt selbst die Angst vor der eigenen Schuld. Im Glauben an Christus haben wir nichts mehr zu fürchten, weder eigenes Versagen noch irgendwelche Androhungen und Befürchtungen von außen. Darin liegt Stehvermögen, wenn der Boden wegbricht. Darin liegt alle Hilfe, die je einem Menschen zur Verfügung steht. Wer dieses hilf mir schreit, hat bereits seine eigene Ängstlichkeit überwunden.

Angesichts dieses Wortes können wir feststellen, welch ein eingeschüchtertes und ausgebremstes Dasein wir führen. Da ist oft so wenig von dem mutigen Voranschreiten und so viel von dem ängstlichen Abwarten. Wir ziehen uns zurück und beklagen die schlimmen Situationen, die uns das Leben schwer machen. Wir bejammern unsere Opferrolle, wo die Tragödien wieder mal so hart zugeschlagen haben. Wir stöhnen unter unserer Hilflosigkeit, dass uns die Hände gebunden sind, und wir nicht die Kraft haben, hier etwas zu ändern. Da singen wir am heutigen Sonntag Kantate eine Jammerarie des Unglaubens.

Das neue Lied heißt: Ich bin dein! Im Glauben erhält jeder schreckliche Verlauf der Geschichte eine Wende. Da können Menschen in der Kraft des Überwinders ihr Leben in die Hand nehmen und kühne Schritte wagen. Da hat das Bedrohliche seine bestimmende Macht verloren und das Auferstehungsleben gesiegt. Für den, der in Gott ist, ist mehr Hilfe da als alle Angst der Welt kaputt machen kann. Ergreifen wir diesen Mut und handeln wir entschlossen. Wir haben allen Grund dazu.

Was ist das für ein Glaube, der in der Todesgefahr das Leben aufgibt?

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Unter allen Umständen sinnvoll

Der Mensch ist weit mehr als nur das Ausleben seiner inneren Triebe und Spannungen, oder das Opfer sein, aus den Verkettungen von Ereignissen, die auf ihn einströmen.

Das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“
Jer. 31, 33

Wo Gott einen Bund schließt, unterscheidet sich der Mensch von allen anderen Lebewesen und der ganzen Schöpfung. In diesem Bund verheiratet sich Gott mit seinen Geschöpfen. Er wird ein Teil von ihnen und definiert sich über diese Beziehung. Seinen ganzen Lebenswillen investiert er in diese Beziehung. Sein freiheitliches Denken legt er in den Lebenswillen des Menschen. Wo er sein Gesetz in Herzen schreibt, ist der Mensch neu konfiguriert. Da wird göttliche Software zum Betriebssystem. Da gilt das Gesetz der Liebe, der Barmherzigkeit und die Kraft der Auferstehung. Wo er dieses Gesetz in unseren Sinn schreibt, ist kein Mensch mehr ein Gefangener seiner selbst. Da kommt zum Ausdruck, welch eine starke Macht in uns lebt. Da wird das Leben von Grund auf durch diesen Bund sinnvoll. Gott schreibt den Sinn in die Existenz des Menschen. Damit wird er liebes- und hingabefähig. Der Mensch geht darin auf, sich an eine Sache hinzugeben, oder an einen Menschen zu verschwenden. Er wird dadurch selbst zum Schöpfer und Liebhaber des Lebens. Er erfährt seinen Sinn, indem er von sich selbst wegsieht und auf etwas anderes zugeht. In dieser schöpferischen Selbstverschwendung liegt die größte Sinnhaftigkeit. Wo dieses Gesetz in den Menschen gelegt wird, ist der Mensch unabhängig von allen äußeren Umständen. Da ist das Leben auch in tiefstem Leid noch sinnvoll.

Da hat ein junger Mann, bei einem Starkstromunfall solche Verbrennungen erlitten, dass ihm die Ärzte im OP mit Tränen in den Augen, beide Arme und beide Beine abnehmen mussten. Unter psychotherapeutischer Begleitung entdeckte er danach den Sinn seines Lebens. Mit einem Holzstäbchen im Mund konnte er auf einer Tastatur schreiben und damit Querschnittspatienten trösten und vom Selbstmord abhalten. Der Sinn fängt dort an wo Arme und Beine aufhören. Der Mensch ist niemals das Opfer seines Schicksals, seiner schlechten Erziehung, einer unharmonischen, spannungsgeladenen Gemeinschaft. Wer irgendwelchen widrigen Umständen, die Schuld gibt, dass sein Leben sinnlos ist, hat noch nicht erkannt, dass ihm der Sinn ins Herz geschrieben ist. Es ist eine gewaltige Irrlehre der Psychologie, dass der Mensch das Opfer seiner schwierigen Kindheit ist, oder unter einem unversöhnten Vater-Sohn-Komplex leidet, oder irgendwelche schicksalshaften Umstände für eine unglückliche Entwicklung verantwortlich sind. Es ist uns ein Sinn ins Herz geschrieben, das ist dieser starke Bund, der keine Ausreden zulässt, in der größten Krise seine Verantwortung wahrnimmt und zur Liebe fähig wird.

Wenn solch ein unverbrüchliches Lebensgesetz in uns lebt, weshalb schreiten wir nicht unter allen widrigen Umständen zu einem sinnvollen Leben durch?

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Am Guten festbeißen

Manche Beziehungen zerbrechen daran, dass man in schweren Zeiten, das Gute nicht mehr sieht.

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Ps. 103, 2

Die Demenz macht vieles in unserem Miteinander kaputt. Wo im Alter das Vergessen einsetzt, fängt der Wahnsinn an. Vergessen löst Stress aus. Wo der Glaubende anfängt das Gute von Gott zu vergessen, wird das Lob zum Jammer. Mit dem Vergessen fängt alles Elend an. Da schrumpft das Schöpferhandeln Gottes auf mein Problem herunter. Seine umfassenden Heilsgedanken, werden von Klageliedern aufgefressen. Wer vergisst, verlernt das Loben. Da verstummt die Melodie auf den Lippen und die Farben der Blumen verblassen. Wo ein Mensch vergisst, wo er sich nicht mehr an das viele Schöne erinnern kann, wird er selbst zu einem Häufchen Elend. Sein ganzes Dasein wird auf Angst, Zweifel und Misstrauen reduziert. Der Blickwinkel ist so klein, dass die Sicht für das große Ganze verloren geht.

Der Psalmbeter ringt gegen das Vergessen und kämpft um das Behalten. Am Guten festhalten, macht Leben zum Lobgesang. Die Qualität unseres Glaubens liegt im Besinnen. Die Krisen des Lebens können wir nur meistern, wo wir die Beziehung zum Guten aufrecht erhalten. Wir beißen uns am Guten fest. Das Gute ist das Heilswerk in Christus. Davon abrücken entscheidet über Sein oder Nicht-Sein. Der Glaube baut konstant an dieser Beziehung. Am Guten festhalten zieht den Blick aus der Problemzone in den umfassenden Schöpfer-Horizont. Das Wort braucht dafür einen festen Platz in unserem Tagesablauf. Wo der Raum des Wortes in unserem Leben schwächer wird, beginnt die Demenz. Es ist von existenzieller Bedeutung, wie wir mit dem Wort umgehen. Wo der Jubel verstummt, für das Wort ein Schattendasein. Es fehlt damit der Durchbruch in eine andere Welt.

Damit unsere Seele loben kann, wir in einer gesunden Beziehung mit Gott stehen und unser Leben meistern, brauchen wir Mittel gegen die Demenz. Vergessen trennt uns von dem Segen der in unserem Leben fließen kann. Vergessen oder behalten entscheiden darüber, ob wir in unseren Schwierigkeiten versauern, oder zu einem beflügelnden Lob aufbrechen. Der Blick in den Spiegel verrät ober wir behalten oder vergessen. Wo wir in den Spannungen unseres Lebens nicht mehr loben können, haben wir das Gute vergessen.

Was können wir heute gegen unser Vergessen tun?

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Quittiere mit Gänseblümchen

Weshalb sollten wir Unrecht fürchten, wenn Gott zu den Seinen steht?

Josef blieb im Gefängnis, aber der Herr war mit ihm.“
1.Mose 39, 20, 21

Selbst die Intrige von Potifars Frau, konnte den angesehenen Josef nicht ins Unglück stürzen. Zu Unrecht saß er im dunklen Verlies, aber der Herr war mit ihm. Welch herrliche Kontraste. Stockfinster und doch strahlte ein Licht. Eigentlich war Josef als ehrwürdiger, glaubender Mensch ein Pechvogel. Seine eifersüchtigen Brüder verkauften ihn als Sklave nach Ägypten. Dort machte er sich durch sein vorbildliches Verhalten bei einem hohen Beamten einen Namen, bis er wegen seiner Standhaftigkeit, bei dessen Frau in Ungnade gefallen ist. Hochbegabt landete er unschuldig im Kerker. Menschlich eine Tragödie, wenn das ABER Gottes nicht wäre. Das Unrecht hat seine Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wo Gott mit Josef war, konnte kommen was wollte. Am Aber Gottes zerschellt die Finsternis. Für einen glaubenden Menschen gehen in der verkommensten Situation nicht mehr die Lichter aus. Die Gottesgegenwart lässt sich nicht wegsperren, in den Brunnen werfen oder mit der Falschheit der Menschen entkräften. Die Gottesgegenwart ist ein Bollwerk gegen alles Unrecht der Welt. Josef blieb im Gefängnis und konnte dabei gelassen bleiben. Die erfahrene Ungerechtigkeit auf verschiedenen Ebenen konnte ihn nicht in Verzweiflung stürzen. Er hatte kein Problem mit der Zeit, die ungenutzt verstrichen ist. Der Glaube weiß: Gottes Stunde kommt. Für ihn war in der größten Verlassenheit Gott ganz nah. Wo alle Menschen sich zurückzogen, war er von der Gegenwart Gottes erfüllt. Er brauchte nicht um sein Recht zu kämpfen, weil Gott den Weg frei macht. Wir kennen den Verlauf der Geschichte, die ihn dann in einer völkischen Hungersnot zum zweitmächtigsten Mann Ägyptens machte.

Für den Glaubenden scheint immer in der größten Finsternis ein Licht. Wir haben kein Übel zu beklagen, in dem Gott nicht gegenwärtig wäre. Warum sollte der Unfrieden, der über uns hereinbricht, uns in Unruhe versetzen? Gottvertrauen bringt die stürmischen Wellen der erfahrenen Ungerechtigkeit zur Ruhe. Der Glaube verwandelt die inneren Stürme, die um das eigene Recht kämpfen wollen. Das ganze Brodeln und innere Aufbäumen, das sich gegen die Peiniger richtet, quittiert der Glaube mit einem Gänseblümchen. Wo der Herr mit uns ist, ist das Recht und der Friede auf unserer Seite. In der größten Finsternis geht dem Glaubenden der Morgenstern auf. So sind wir im Unrecht mitten im Recht. Dann ist die Ungerechtigkeit auf dem Weg in den Kerker.

Um was wollen wir kämpfen, wenn der Herr mit uns ist?

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Weniger ist mehr

Im JA zum Willen Gottes, verliert das Leiden seine Macht.

„Der Herr hat´s gegeben, der Herr hats genommen; der Name des Herrn sei gelobt!
Hiob 1, 21

Schon als Kind hat man uns beigebracht: Sag´ Danke, wenn du etwas bekommst. Doch Danken, wenn man uns etwas nimmt? Was ist das für ein Gottesglaube, der lobt, wenn die eigene Welt zusammenfällt und alles Hab und Gut verloren geht? Bei Hiob kam es ganz dick. Hiobsbotschaften sind gefürchtet. Hier lernen wir eine Seite des Glaubens kennen, die uns nicht so sehr schmeckt. Der Herr nimmt, und das zu seiner Ehre. Er speckt ab zum Gewinn. Er lässt das Lebenswerk einer Bruderschaft abbrennen, und gönnt sich einen Wiederaufbau. Darin liegt Gutes, sagt Paulus. „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Somit ist nicht viel oder wenig die Melodie unseres Lebens, sondern die Liebe zu Gott. Das in Gott sein ist der Inhalt des Lebens. Er will unser ein und alles sein, er will sich an uns verwirklichen. Wir sind zu seiner Ehre gemacht. Das war das befreiendste Gefühl nach unserem Brand, von all den persönlichen Dingen nichts mehr zu haben, als die Kleider, die wir auf dem Leib hatten und darin zu erkennen, wir haben mit unserem unversehrten Leben alles, was uns Gott gegeben hat. Ich selbst empfand es als großes Glück und unvorstellbare Freiheit, nichts mehr zu haben und doch alles zu haben. Die sind viele liebgewordene Dinge für immer verloren gewesen, wertvolle Erinnerungen haben sich in Rauch aufgelöst, doch diese Werte waren im Vergleich gering, zu der Erfahrung, dass wir jetzt mit Gott neu beginnen können. Diese wichtige Erfahrung zeigte uns, wir sind nicht mit unserem eigenen Leben und seinen Umständen verheiratet sondern mit Gott. Letztendlich ist alles auf die alleinige Gottesbeziehung heruntergeschrumpft. Somit war alles verlieren gut. Schmerz, Leid und Trauer war gut. Gott wurde zum eigentlichen Gestalter des Lebens.

Im Glauben werden wir immer wieder gefragt, woran hängt unser Herz. Wo wir unser Leben als Gottesgabe begreifen, mit dem er sein Werk baut und seine Größe offenbart, werden Kreuzwege zu Segenswegen. Gerade im Untendurch schafft Gott sein Heil. Unsere Tiefenwege dienen nicht unserem Zerbruch, sondern führen zum Eigentlichen. Das was uns genommen wird, dient dem Besten. Wo wir kleiner werden, wird Gott größer. Damit kann sich Leid in Lob verwandeln. Wenn wir klagen, klagen wir uns an das Herz Gottes. Wir rücken im Schmerz näher an Gottes Liebe.

Warum sollten wir Gott verdammen, wenn er uns etwas nimmt, um uns viel Größeres zu schenken?

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Gott tickt anders

Wir werden nie verstehen, wie ein Verbrecher am Galgen, noch heute mit Christus im Paradies sein wird.

„Herr, deine Güte reicht soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Ps. 36. 6

Die Güte des Herrn ist für den Menschen so unfassbar, wie der ganze Kosmos, in dem die Entfernungen mit Lichtjahren gemessen wird. Die Güte zeigt sich am Stärksten, wie Gott mit denen umgeht, die nicht gut sind. Hier ist der gravierende Unterschied zu uns Menschen. Er liebt nicht nur die, die ihn lieben, er liebt auch die, die ihn hassen, die ihn verspotten, die ihm den Rücken kehren und ans Kreuz nageln. An der Feindesliebe zeigt sich die echte Liebe. An der Feindesliebe offenbart sich die Güte. Gott liebt die Widerspenstigen und Überzwerchen. Die Güte, ist die Liebe, die das Heil ihres Feindes will. Die Güte will nicht verdammen, sie will erlösen. Gott haut nicht in die Pfanne, sondern nimmt die Schuld der Welt auf seine Verantwortung. Dort wo wir sagen, selber schuld, der hats nicht anders verdient, der gehört weggesperrt, fängt Gott an zu leiden. Die Liebe findet sich nie mit der Entgleisung des Menschen ab, gerade auch dort, wo sie in Terror, Gewalt und Tod ausformt. Gott leidet unter jeder Form der Zerstörung. Er leidet unter der sündigen Menschheit. Er leidet unter meiner und deiner verunglückten Liebe. Diese unsagbaren Leiden sind die Quelle der Güte. Je abgrundtiefer der Mensch, umso unendlicher die Güte. Diese Güte hat seinen Gipfel, am dunkelsten Punkt der Menschheitsgeschichte, dem Kreuz Christi. Darin zeigt sich für alle Zeit was Güte ist. Von Kreuz zu Kreuz ruft Jesus dem Verbrecher zu: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Das sagt er zu dem, der es verdient hat zu sterben. Dieser Verbrecher hatte keine Zeit mehr, für ein einziges gutes Werk auf dieser Erde. Das Paradies öffnete ihm einzig Christus, keine menschliche Handlung.

An solch einer Güte, könnte man fast irre werden. Nicht Strafe muss sein, sondern Liebe muss sein. An dieser Güte werden wir uns die Zähne ausbeißen. Sie konzentriert sich nicht auf ein einziges gutes Werk des Menschen, sondern auf die Gnade Christi. Wo wir mit Paulus konsequent von Christus her denken, erkennen wir: Die Liebe, die Gott uns entgegenbrachte, hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht, obwohl wir tot waren in unseren Verfehlungen – durch die Gnade seid ihr gerettet. Die Güte kann nicht verdammen, die Güte errettet. Gott klagt nicht an, sondern hat sich durch Christus zu Güte durchgelitten.

Wer diese Güte und Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, kann weder sich selbst noch andere verdammen. Unter der Güte können wir uns über andere kein Urteil erlauben. Gott tickt anders. Bei ihm gilt eine andere Gerechtigkeit. Der Staat und die Gerichte dieser Welt haben ihren berechtigten göttlichen Auftrag, das Gute zu fördern und das Böse zu strafen, doch für Gottes Gericht gilt ein anderes Gesetz. In der Güte erbarmt sich Gott durch Christus.

Wo so viel Güte ist, können wir da unseren Nächsten in Ungnade stürzen?

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Sorgen werfen

Wo ein Stern aufgeht, können wir den Kummer der Nacht hinwerfen.

Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen.“
4.Mose 24, 17

Wenn Sterne aufgehen und Zepter aufkommen, geschieht ein Umbruch in Nacht und Ohnmacht. Damit kommt Licht in Machtlosigkeit und Orientierungslosigkeit. Das ist die starke Nachricht für die Glaubenden. Den ganzen Auseinandersetzungen des Lebens ist ein Kontrapunkt gesetzt. Über der Zerrissenheit des eigenen Lebens, über dem Durcheinander einer ganzen Welt, geht ein Licht auf. Aller Angst dieser Welt, ist der Christus-Stern gesetzt. Das ist ein Faustschlag gegen die Hoffnungslosigkeit. Das ist ein Hammer gegen alle Sorgen.

Wie sehr sind unsere Tage von Horrorszenarien bestimmt? Die Angst vor dem nächsten kalten Krieg. Die Mächtigen, die Konfliktlösungen mit militärischen Mitteln durchsetzen wollen. Menschen werden zugedröhnt und mit Schreckensmeldungen in Schach gehalten. Im Großen, wie im Kleinen stehen wir ständig unter Strom. Die eigenen Konflikte und Sorgen tun ihr Übriges.

Das Rezept des Glaubens heißt, Sorgen werfen. Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Wo wir werfen, sind die Sorgen weg. Wo ein Stern aufgeht, können wir uns aus unserer Sprachlosigkeit befreien. Das ist die Antwort der Glaubenden für angstgeprägte Menschen. Wir leben in belastenden Situationen und können den Druck loswerden. Sorgen werfen, heißt glauben. Wir vertrauen dem, der die Herrschaft über die Ohnmacht hat. Wir lassen in den Sorgen Gott Gott sein. Wir geben ab und meinen nicht mehr, wir müssten die Welt selbst erlösen. Sorgen werfen macht Mut. Es nimmt zentnerschwere Lasten ab. Er befreit sich von dem lähmenden Gift, das ein Leben auf Sparflamme hält.

Auch bei unsportlichen Menschen ist es hilfreich, das Sorgen werfen zu einem Morgen- und Abendritual werden zu lassen. Es trägt zur geistlichen und leiblichen Fitness bei. Wo wir diesen Frühsport nicht betreiben, werden wir lebensmüde. Belastete, schwermütige Menschen, deren Augen nicht mehr leuchten, haben Schwierigkeiten mit dem Sorgen werfen. Wer diese Disziplin einübt, den erkennt man am Gang seiner Schritte, am Leuchten seiner Augen, an dem Mut und der Hoffnung seines Atems.

Wie erleichtert wären wir selbst, wieviel Sterne würden den Menschen um uns herum aufgehen, wenn wir unserem Ballast abgeben?

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Das Übel verwandeln

Wir haben die große Freiheit NEIN zu sagen.

Auf dich, Herr, mein Gott traue ich! Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich.“
Ps. 7, 2

Wer Gott vertraut, wird nicht vor dem Übel verschont, jedoch erhebt er sich wie ein Adler über das Übel. Unser Leben ist voll von Ereignissen und Gedanken, die uns in Unruhe versetzen wollen, die uns nachschleichen und lähmen wollen. Das was uns Gott an Gutem anvertraut hat, steht ständig in der Gefahr, in der Auseinandersetzung des Lebens über Bord zu gehen. Wir sind zum Weg der Liebe aufgebrochen, wollen ein echt geheiligtes Leben führen und merken, wenn uns einer ein bisschen an unserer Ehre kratzt, wie schnell bei uns im Keller die Wölfe heulen. Schlagartig werden wir von bösen Gedanken aufgefressen. Die Anfechtung, die Verlockung, die Hassgefühle lauern an jeder Ecke. Das Böse verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Wir spüren, wie wir nicht aus unserer Haut können, und zum Spielball anderer Mächte werden. Wo wir solchen Gedanken den Freiraum lassen, mauern wir an unserem eigenen Kerker.

Jesus betet in solchen angefochtenen Situationen: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Das ist das entscheidende im Glauben, nicht dass wir das Böse wegbitten, sondern im Bösen standhaft bleiben. Die Anfechtung wird bleiben, jedoch der Glaube geht anders damit um. Jesus ging seinen bedrohten Heilsweg bis zu Ende, ohne einen inneren Hass gegen seine Verfolger zu entwickeln. Als er vom Bösen versucht wurde und äußerst verlockende Angebote erhielt, hat er einfach nein gesagt. Das Böse bleibt, jedoch das Vertrauen auf Gott schafft einen freiheitlichen Umgang mit dem Bösen. Wenn uns ein beleidigendes, böses Wort trifft, entscheidet das Gottvertrauen, ob mich diese Worte zu Tode verletzen, oder ich mich königlich darüber erhebe. Wo ich Gott vertraue, findet in mir eine Verwandlung des Bösen statt. Wir werden nicht vom Übel verschont, wir transformieren das Übel. Das ist die Freiheit eines Christenmenschen. Das ist die Kraft des Glaubens, der empfangenen Hass, nicht als Hass zurück gibt. Wo das Böse auf Gottvertrauen stößt, verliert es seine zerstörende Macht. Im Vertrauen auf Gott, übernehmen wir die Herrschaft und weisen das Böse in seine Schranken. Wir sind nicht die an das Böse hilflos Ausgelieferten. Wir haben die Freiheit nein zu sagen, gegen die sich in uns aufbäumenden Kräfte. Wir können damit keinem Übel in der Welt die Schuld geben, dass wir innerlich verletzt sind. Im Vertrauen auf Gott, ist der in uns mächtig, der Böses in Heil verwandelt. Daher nehmen wir dieses Gebet zu Herzen: Auf dich, Herr, traue ich!

Zeigen wir nicht unseren Mangel an Vertrauen, wenn wir dem Bösen einfach für alles die Schuld geben?

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Krisen offenbaren Glauben

Ein kleiner Glaube verliert den Boden, wenn die Wellen hochschlagen.

„Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!“
Ps. 116, 3-4

Hier hat ein Beter ein positives Krisenmanagement. Auch Glaubende kommen im Leben in Ausnahmezustände. Das erfuhren selbst die Jünger mit Jesus im Boot. Stürmisches Meer, das in Seenot geraten lässt. Das Leben steht auf dem Spiel und das Schiff droht unterzugehen. Ganz normaler Lebensalltag, dass man auch mit Jesus im Boot in Sturm kommen kann. Selbst der Glaube steht immer wieder vor allerletzten Herausforderungen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, wenn Christus im Boot sitzt, lassen die Stürme nach. Solange wir leben, müssen wir immer damit rechnen, dass das Leben unterzugehen droht. Stürme, Krisen, harte Lebensschläge sind nichts Außergewöhnliches. Die Situation des Untergangs fragt nach unserm Glauben. Der Bruch der Beziehung, die unheilbare Krankheit, der schreckliche Unfall, die Glaubenszweifel suchen nach dem Schrei: Ach, Herr, errette mich! Wo wir nicht mehr auf uns selbst vertrauen können, wartet Jesus auf den Ruf: Meister, wir kommen um! Unsere Ausnahmesituationen sind Gottesstunden. Wo alles wegbricht sucht Gott Vertrauen. Er sucht dieses Vertrauen von Jesus, der in schrecklicher Bedrohung noch ruhig schlafen kann. Zum Entsetzen der Jünger, bleibt ihr Meister von den Wellen unbeeindruckt. Wie kann da einer noch ruhig schlafen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. Glaube verschafft eine unverschämte Ruhe. Gottvertrauen schafft Gelassenheit, gerade wenn die Fetzen fliegen. Dieses Vertrauen gilt es immer neu sich zu vergegenwärtigen.

Glaube und Krise gehören zusammen. Unsere hilflose Situation, ist die Frage nach unserem Vertrauen. Sind wir in unseren Stürmen wellengesteuert, oder glauben wir dem, der den Wellen gebieten kann? Um diese innere Auseinandersetzung geht es in jedem Konflikt. Wo nicht das Vertrauen wächst, wird die Angst größer. In der Krise zeigt sich, wie mächtig Gott in uns sein darf. Es gibt das Wort, in der Krise zeigt sich der wahre Charakter des Menschen, das kann man hier übertragen und sagen: In der Krise zeigt sich, was ein Mensch glaubt. Gott sucht an unseren Grenzen unser Vertrauen. Er will ein Zweifaches. Ruhe schenken in den Stürmen, und Wind und Wellen gebieten. In unserer Seenot will sich seine ganze Macht entfalten. Er ist mitten unter uns, und wartet nur auf unser: Ach, Herr, errette mich!

Welche Schreie stoßen wir von uns, wenn das Wasser bis zum Hals steht?

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