Das Übel verwandeln

Wir haben die große Freiheit NEIN zu sagen.

Auf dich, Herr, mein Gott traue ich! Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich.“
Ps. 7, 2

Wer Gott vertraut, wird nicht vor dem Übel verschont, jedoch erhebt er sich wie ein Adler über das Übel. Unser Leben ist voll von Ereignissen und Gedanken, die uns in Unruhe versetzen wollen, die uns nachschleichen und lähmen wollen. Das was uns Gott an Gutem anvertraut hat, steht ständig in der Gefahr, in der Auseinandersetzung des Lebens über Bord zu gehen. Wir sind zum Weg der Liebe aufgebrochen, wollen ein echt geheiligtes Leben führen und merken, wenn uns einer ein bisschen an unserer Ehre kratzt, wie schnell bei uns im Keller die Wölfe heulen. Schlagartig werden wir von bösen Gedanken aufgefressen. Die Anfechtung, die Verlockung, die Hassgefühle lauern an jeder Ecke. Das Böse verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Wir spüren, wie wir nicht aus unserer Haut können, und zum Spielball anderer Mächte werden. Wo wir solchen Gedanken den Freiraum lassen, mauern wir an unserem eigenen Kerker.

Jesus betet in solchen angefochtenen Situationen: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Das ist das entscheidende im Glauben, nicht dass wir das Böse wegbitten, sondern im Bösen standhaft bleiben. Die Anfechtung wird bleiben, jedoch der Glaube geht anders damit um. Jesus ging seinen bedrohten Heilsweg bis zu Ende, ohne einen inneren Hass gegen seine Verfolger zu entwickeln. Als er vom Bösen versucht wurde und äußerst verlockende Angebote erhielt, hat er einfach nein gesagt. Das Böse bleibt, jedoch das Vertrauen auf Gott schafft einen freiheitlichen Umgang mit dem Bösen. Wenn uns ein beleidigendes, böses Wort trifft, entscheidet das Gottvertrauen, ob mich diese Worte zu Tode verletzen, oder ich mich königlich darüber erhebe. Wo ich Gott vertraue, findet in mir eine Verwandlung des Bösen statt. Wir werden nicht vom Übel verschont, wir transformieren das Übel. Das ist die Freiheit eines Christenmenschen. Das ist die Kraft des Glaubens, der empfangenen Hass, nicht als Hass zurück gibt. Wo das Böse auf Gottvertrauen stößt, verliert es seine zerstörende Macht. Im Vertrauen auf Gott, übernehmen wir die Herrschaft und weisen das Böse in seine Schranken. Wir sind nicht die an das Böse hilflos Ausgelieferten. Wir haben die Freiheit nein zu sagen, gegen die sich in uns aufbäumenden Kräfte. Wir können damit keinem Übel in der Welt die Schuld geben, dass wir innerlich verletzt sind. Im Vertrauen auf Gott, ist der in uns mächtig, der Böses in Heil verwandelt. Daher nehmen wir dieses Gebet zu Herzen: Auf dich, Herr, traue ich!

Zeigen wir nicht unseren Mangel an Vertrauen, wenn wir dem Bösen einfach für alles die Schuld geben?

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Krisen offenbaren Glauben

Ein kleiner Glaube verliert den Boden, wenn die Wellen hochschlagen.

„Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!“
Ps. 116, 3-4

Hier hat ein Beter ein positives Krisenmanagement. Auch Glaubende kommen im Leben in Ausnahmezustände. Das erfuhren selbst die Jünger mit Jesus im Boot. Stürmisches Meer, das in Seenot geraten lässt. Das Leben steht auf dem Spiel und das Schiff droht unterzugehen. Ganz normaler Lebensalltag, dass man auch mit Jesus im Boot in Sturm kommen kann. Selbst der Glaube steht immer wieder vor allerletzten Herausforderungen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, wenn Christus im Boot sitzt, lassen die Stürme nach. Solange wir leben, müssen wir immer damit rechnen, dass das Leben unterzugehen droht. Stürme, Krisen, harte Lebensschläge sind nichts Außergewöhnliches. Die Situation des Untergangs fragt nach unserm Glauben. Der Bruch der Beziehung, die unheilbare Krankheit, der schreckliche Unfall, die Glaubenszweifel suchen nach dem Schrei: Ach, Herr, errette mich! Wo wir nicht mehr auf uns selbst vertrauen können, wartet Jesus auf den Ruf: Meister, wir kommen um! Unsere Ausnahmesituationen sind Gottesstunden. Wo alles wegbricht sucht Gott Vertrauen. Er sucht dieses Vertrauen von Jesus, der in schrecklicher Bedrohung noch ruhig schlafen kann. Zum Entsetzen der Jünger, bleibt ihr Meister von den Wellen unbeeindruckt. Wie kann da einer noch ruhig schlafen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. Glaube verschafft eine unverschämte Ruhe. Gottvertrauen schafft Gelassenheit, gerade wenn die Fetzen fliegen. Dieses Vertrauen gilt es immer neu sich zu vergegenwärtigen.

Glaube und Krise gehören zusammen. Unsere hilflose Situation, ist die Frage nach unserem Vertrauen. Sind wir in unseren Stürmen wellengesteuert, oder glauben wir dem, der den Wellen gebieten kann? Um diese innere Auseinandersetzung geht es in jedem Konflikt. Wo nicht das Vertrauen wächst, wird die Angst größer. In der Krise zeigt sich, wie mächtig Gott in uns sein darf. Es gibt das Wort, in der Krise zeigt sich der wahre Charakter des Menschen, das kann man hier übertragen und sagen: In der Krise zeigt sich, was ein Mensch glaubt. Gott sucht an unseren Grenzen unser Vertrauen. Er will ein Zweifaches. Ruhe schenken in den Stürmen, und Wind und Wellen gebieten. In unserer Seenot will sich seine ganze Macht entfalten. Er ist mitten unter uns, und wartet nur auf unser: Ach, Herr, errette mich!

Welche Schreie stoßen wir von uns, wenn das Wasser bis zum Hals steht?

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Liebe zulassen

Die Liebe ist der Tempel, in dem Gott wohnt.

„Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich dir gebaut habe?“
1. Kön. 8, 27

Diese Worte sprach der weise König Salomo bei der Einweihung des neuen Tempels. Vor der Unfassbarkeit Gottes, kapitulieren selbst die Kirchenbauer. Wenn man die Einzigartigkeit einer Sagrada Familia in Barcelona vor Augen hat und sich dabei vorstellt, dass ein Architekt dabei alles gegeben hat, um mit seinem Bauwerk Gott die Ehre zu geben, übersteigt solch eine Aussage alles, was wir uns von Gott vorstellen können. Selbst das großartigste Kunstwerk, ist ein schattenhaftes Erahnen von dem, was Gott ausmacht. Auch die Steigerung von Himmel, und alles, was unsere Gedanken nicht denken können, kommen nicht im Geringsten an die Größe Gottes. Gott lässt sich selbst auf Ewigkeit nicht festlegen. Für unser Denken bleibt Gott unfassbar. Gott ist alles und in allem. Er entäußert sich in allem. Durch den Drang sich mitzuteilen, sich hinzugeben, zu lieben, wohnt er in allem was lebt. Die Liebe ist die Wohnung, in der Gott gegenwärtig ist. In Christus sehen wir die starke Liebe, des für uns unfassbaren Gottes. Wo diese Liebe ankommt, wohnt Gott. Das ist der Raum, in dem der Mensch Gott als lebendig erlebt und darunter selbst lebendig wird.

Johannes schreibt: Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. Der unfassbare Gott, lebt in vollkommener Liebe in uns. Darin liegt die Sprache unseres Lebens. Unter dieser Liebe werden wir kommunikationsfähig mit ihm und untereinander. Wo diese Liebe wohnt, ist Gott nie weit weg. Wir brauchen Gott nicht suchen, sondern nur seine Liebe zulassen. Das ist das Geheimnis allen Lebens und Glaubens. Seine Liebe zulassen wird zum Gottesdienst. Darin wird der unfassbare Gott für alle sichtbar. Darin geschieht Heil, Erneuerung und Neuschöpfung. Diese vollkommene Liebe will in uns Raum schaffen, will sich vermehren, will sich ausbreiten und verschenken. So aktiv will der unfassbare Gott in uns rumoren.

Wenn wir Gott nicht sehen, nichts von seinen Wirkungen spüren und erkennen, müssen wir uns fragen, ob wir diese Liebe zulassen. Diese ewige Quelle hat nie aufgehört zu sprudeln. Wenn wir aushungern und verdursten, wo schöpfen wir dann? Wenn wir unsere Kälte und Härte spüren, unsere Zurückhaltung und Abweisung, erwürgen wir da nicht gerade diese vollkommene Liebe in uns? Warum tun wir uns oft so schwer, diese formende und umgestaltende Liebe zuzulassen? Gott ist nicht weit weg von uns, wir sind oft zu verschlossen, diese unfassbare Liebe ihre Arbeit machen zu lassen.

Was würde geschehen, wenn diese Liebe sich voll und ganz in uns entfalten könnte?

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Flügel haben Macht

Wer dem Höchsten am Herzen liegt hat nichts zu befürchten.

Der Herr Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie Vögel es tun mit ihren Flügeln, er wird beschirmen und erretten, schonen und befreien.“
Jes. 31, 5

Jerusalem hat einen besonderen Status. Ausgerechnet diese Multi-Kulti-Stadt, mit ihrer bewegten Geschichte, in der alle Weltreligionen zuhause sind, heißt übersetzt: Stadt des Friedens. Von Gott wird sie als seine Braut bezeichnet. Sie ist Bild für die Gemeinde Gottes, und wie Gott sich seine Zukunft mit ihr vorstellt. Jeder Glaubende gehört zu dieser Stadt des Friedens und ist Braut des Herrn. Über dieser spannungsgeladenen Stadt wird maximaler Schutz ausgesprochen. Wer geschützt und gerettet werden muss, dessen Leben steht ständig in Gefahr. Gott weiß genau, wie sehr das Leben seiner Braut angefochten ist, wie brüchig der innerer Friede ist. Seine Allerliebste liegt wie ein junger Vogel im Nest, der allen Gefahren der freien Wildbahn ausgesetzt ist. Da bedrohen Wind und Wetter das schutzlose junge Leben. Da sucht der Kater Michel einen Weg, wie er diese kleinen Delikatessen verschlingen kann. Glaubende stehen in Lebensgefahr. Dieses zarte Pflänzchen, der Liebe zu Gott, steht permanent in der Bedrohung über Bord zu gehen. Gott kennt haarscharf unser inneren Fragen, unsere Zweifel, unsere Unzufriedenheit mit uns selbst und den Widerwärtigkeiten, die über uns hereinbrechen. Er weiß, wie klein der Glaube wird, wenn die Probleme groß werden. Er ist ganz am Puls der Härten, die uns fix und fertig machen und uns am Leben zerbrechen lassen.

Mit keinem schöneren Bild könnte er die Liebe zu seiner Braut ausdrücken, als mit dem Vogel der seine Flügel ausbreitet. Darin liegt die totale Geborgenheit, mitten in der Angst. Diese Flügel sagen: Ich tue alles für dich. Ich lasse nichts und niemand an dich heran. Ich lasse nicht zu, dass dich jemand aus meinem Schutz reißt. Der Hagel, der dich treffen sollte, prasselt auf mich runter. Ich beschirme, errette, schone und befreie. Nicht du trägst deinen Glauben durch, ich mache das für dich. Darin liegt die Erlösung von Christus, die allen Widerwärtigkeiten trotzt. Gott weiß, wie dick es in unserem Leben kommen kann, daher hat er alles dafür gegeben, dass seine Braut nie aus seiner Liebe herausfallen kann.

Es ist eine Tatsache, dass das Leben hart zuschlagen kann, doch es ist eine viel größere Tatsache, wieviel Schutz uns dafür zur Verfügung steht. Wir sind nur dem Leben Ausgelieferte, wenn wir den Schutz nicht in Anspruch nehmen. Wo wir angstgesteuert leben, wo wir hoffnungslos in unsere Tage blicken, wo wir das Leben beklagen, wie ungerecht es mit uns umgeht, haben wir den Schutz der Flügel verlassen. Wer sich außerhalb davon bewegt, verzichtet auf Schonung und Rettung.

Glauben wir, wir könnten uns in allem selber schützen und brauchen keinen der uns schont und rettet?

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Kinder sind eine Gabe

Mit Kindern baut Gott sein Reich.

„Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn.“
Ps. 127, 3

Gaben sind Geschenke zum guten Gebrauch. Wo Kinder eine Gabe des Herrn sind, ist ihnen ihre Bestimmung in die Wiege gelegt. Gott gibt sie, er vertraut sie einem Elternpaar an. Eine Gabe hat einen Verwendungszweck, eine für sie gedachte Bestimmung. Kinder sind eine Gabe, damit Gott mit ihnen seine Ideen verwirklicht. Mit jedem Kind, das Gott schenk, hat er einmaliges vor. Mit jedem Kind baut Gott sein Reich. Mit den Gaben die er gibt, macht er klar, das ist mein Kind. Ich habe es für etwas Großartiges geschaffen. Jesus ließ die Kinder zu sich kommen und segnete sie. In ihm brannte, dass sich in ihnen das Geheimnis Gottes offenbart. Damit spannte er einen großen Bogen, dass wir alle die Kinder eines großen Vaters sind. Weltweit beten die Christen: Vater unser im Himmel. Das ist die Gabe die für alle gilt. An dem, wie Gott mit den Kindern umgeht, zeigt sich, wir gehören nicht uns selbst. Wir sind eine Gabe des Allerhöchsten.

Wenn da Eltern von unserem und meinem Kind sprechen, geschieht bereits ein Missbrauch. Wir wissen, dass Helicoptereltern ihren Kindern nicht ins Leben verhelfen, sondern sie untüchtig machen. Immer mehr Studien belegen, dass Depressionen bei Kindern von überfürsorglichen Eltern kommen. Wer seine Kinder als sein Eigentum betrachtet, verhindert das eigentliche Kindsein. Eltern, die ihre Kinder festhalten und nicht loslassen können, verhindern deren Entwicklung. Wie viele Eltern haben ihren Kindern den Ruf in die Nachfolge verbaut? Da hört man immer wieder Stimmen wie: „Ich hätte eigentlich einen Ruf in die äußere Mission gehabt, doch meine Eltern wollten, dass ich zuhause das Geschäft übernehme.“ Wo Kinder nicht als Gabe des Herrn verstanden werden, beginnen oft traurige und unglückliche Karrieren. In dem, wie wir mit dieser Gabe umgehen, entscheiden wir über Segen und Fluch über einem Leben. Als die Eltern von Nick Vujicic, ihren ohne Arme und Beine geborenen Sohn als Gabe Gottes annehmen konnten, haben sie ihm eine großartige Grundlage geschaffen, dass er sich selbst als ein Geschenk annehmen konnte. Inzwischen ist er ein glühendes Beispiel dafür, wie er weltweit Menschen motiviert, nicht auf die Umstände zu schauen, sondern sich selbst als Geschenk und Gabe Gottes zu betrachten. Für solch eine Sichtweise ist es gut, frühzeitig zu lernen, Kinder sind eine Gabe Gottes und wir selbst sind Kinder. Daraus entwickelt sich Großes.

Ist es nicht das allergrößte Geschenk, wenn sich Kinder unter dem Segen Gottes zu ihrer Einzigartigkeit entwickeln können?

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Liebe heilt

Liebende Menschen, sind Gottes Antwort auf das Elend der Welt.

„Die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!“
Jes. 58, 7

Wer liebt, dessen Herz wohnt im anderen. Wo Gott liebt, lebt sein Herz im Menschen. In aller erster Linie in den Schwachen, den Leeren und Bedürftigen, in denen, die ihm nichts zu bringen haben. Er geht auf die zu, die unter sich selbst und ihrem Leben zerbrechen. Das Defizit des Menschen zieht regelrecht sein Erbarmen an. Dem Elend der Welt stellt er eine Krippe in den Stall. Alles Sterben überwindet er durch das offene Grab. Weil Gott liebt, sind alle Katastrophen dazu angelegt zum Leben zu führen. Geliebt werden macht lebendig. Lieben heilt und baut auf. An was auch der Mensch zerbricht, da ist immer die gewaltige Gegenbewegung, des „gesund-liebens“. Das Elend und die Liebe sind ein Paar. Das ist die Botschaft allen christlichen Glaubens.

Die Liebe kann sich nicht vom Elend distanzieren. Darin ruht der Dienst der Mutter Theresa Schwestern. Sie leben jeden Morgen aus der Eucharistie, um danach, für die am Straßenrand Liegenden, zur Handreichung der Liebe Christi zu werden. Wer von der Liebe berührt wurde, muss selbst zur Liebe werden. Die Glaubenden werden dadurch in die Not der Welt hineingetrieben. Ihnen geht das Herz auf, wenn für einen anderen die Welt untergeht. Sie werden zu einem Teil der Not des anderen. Da rücken die Flüchtlinge, die Obdachlosen, die Vergessenen ganz dicht in unser Leben. Da werden mir die Menschen mit Schicksalsschlägen zur persönlichen Aufgabe. Da kann die Liebe nicht mehr schulterzuckend vorbeigehen und sagen, das geht mich nichts an. Wer liebt fühlt sich verantwortlich. Der denkt unentwegt für den anderen und überlegt sich, was braucht er jetzt, was kann ich ihm geben.

Wo die Liebe treibt, treibt sie nicht nur zu den Außenstehenden. Sie brennt auch für den Bruder und die Schwester neben mir, in einer Gemeinschaft und Gemeinde. Da kann das Elend, die für uns Schwierigen sein. Mitmenschliche Spannungen sind nichts anderes als in den Straßenrändern der Großstädte zu liegen. Da hat die Liebe die Aufgabe, eine Sprache zur Verständigung zu finden und zu lernen und nicht mit einer kalten Schulter und Ignoranz zu antworten. Wo Gott die Elenden in sein Haus führt, hat die Liebe eine spannende und herausfordernde Aufgabe.

Wir sind in das Leid der Welt gestellt, um mit Liebe zu erwärmen und zu heilen. Warum sollten wir irgendjemand diesen Dienst verwehren?

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Heilige Vorbilder

Petr. 5, 1-3 

Was gute Unternehmen auszeichnet, sind gute Führungskräfte. Die Wirtschaft sucht heute nicht nur gute Fachkräfte, sie sucht gute Chefs. Vorzeigeunternehmen entstehen nicht nur durch gute Mitarbeiter, sondern durch ausgezeichnete Führungskräfte, die ihre Rolle richtig verstehen. Der einstige Marktführer für Handys, Nokia, erlebte einen gewaltigen Absturz in seiner Firmengeschichte und ist inzwischen eine bedeutungslose Marke unter den Smartphones. Die große Frage, die im Raum stand war, sind die über 200.000 hochmotivierten Mitarbeiter schuld an diesem Niedergang, oder die elf Führungskräfte? Sehr schnell war klar, es war die Geschäftsleitung, die eine Entwicklung verschlafen hat. Es waren die Chefs, die das Unternehmen ruiniert haben.

Petrus nimmt sich die Gemeindeleiter hart zur Brust, und verdeutlicht ihre Rolle als Führungskräfte.

  1. Im Chefsessel

Versorgt die Gemeinde gut, die euch Gott anvertraut hat. Hütet die Herde Gottes als gute Hirten, und das nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus freien Stücken.

Wer im Reich Gottes Menschen anvertraut bekommt, muss als erstes lernen, das ist kein Privileg, sondern ein Dienst. Gott erteilt eine Verantwortung für andere. Es geht nicht um den Hirten, sondern um die Herde. Eine Herde muss satt im Futter stehen. Sie braucht beste Wiesen, maximalen Schutz, um Milch, Wolle, Nachwuchs und Fleisch zu produzieren. Die Mitarbeiter brauchen beste Voraussetzungen, um optimale Ergebnisse auf den Tisch zu bringen. Die Aufgabe des Hirten ist nicht mitzugrasen, sondern das Grasen zu ermöglichen. Für eine Führungsaufgabe muss ein ganz neues Rollenverständnis wachsen. Wo die Herde innerhalb des Zaunes ihre Arbeit macht, muss der Blick des Hirten weit über den Zaun hinausgehen. Er hält Ausschau nach neuem Weideland, er verhandelt Pachtverträge aus, die ihm für eine weitere Nutzung zur Verfügung stehen. Er wird sich um die Vermarktung von Wolle und Milch kümmern. Würde der Hirte nur mit auf der Wiese stehen und mit der Herde das Tagesgeschäft erledigen, wäre er in diesem Moment ein besseres Schaf, würde jedoch seine Führungsrolle vernachlässigen.

Ein Leiter trägt dafür die Verantwortung, dass die ihm Anvertrauten sich gut entwickeln. Er hat die Aufgabe Mitschöpfer Gottes zu sein. Gott mutet es ihm zu, die Veranlagungen, die er in seine Geschöpfe gelegt hat, freizulegen und zu fördern. Die Führungsrolle in einer Gemeinde ist eine Entwicklungsrolle. Jeder soll zu seinem Besten geführt werden. Gottes Potenziale sollen in jedem einzelnen zur vollen Entfaltung kommen. Für jeden aus seiner Herde muss er erkennen, was für ihn das Voranbringenste ist. Braucht er jetzt mehr Löwenzahn, oder einen kurzen Biss vom Schäferhund, damit er sich im Dickicht nicht verirrt? Der Hirte steht an Gottes Stelle. Er versteht sich selbst als ein beauftragter Führer, der darauf brennt, diese gute Führung weiterzugeben. Er hat den Weitblick dessen, der das große Ganze im Auge hat. Er lebt in dem Bewusstsein, von meinem Umgang, von meiner Führung lebt und fällt die Gemeinschaft. Auf dem Chefsessel der Gemeinden sitzen daher nicht die Macher, sondern die Diener.

  1. Leiter oder Mörder

Seid nicht darauf aus, euch zu bereichern, sondern arbeitet gern, auch ohne Gegenleistung. 3 Spielt euch nicht als die Herren der Gemeinde auf, sondern seid ihre Vorbilder.

Unternehmen gehen den Bach hinunter, wenn sich die Chefs die eigenen Taschen füllen, sich von Werten verabschieden und die andern die Rechnung zahlen lassen. Das gleiche gilt bei einem Amt in der Gemeinde. Führen Herren oder Vorbilder ist eine Existenzfrage. Wo Herren die Kirche regieren, bleibt der Herr der Kirche vor der Türe. Wer selber führt, wer mit Menschen zu tun hat, steht nicht über anderen, sondern unter Christus. Unter diesem Führungsverständnis werden wir selbst dem anderen zum Christus, der ihm die Füße wäscht. Wo diese Auffassung von Dienst verlassen wird, wird der Hirte zum Schlächter einer Gemeinschaft. Da stehen Besserwisser auf, die andere nicht fördern, sondern kurzhalten.

Da kann sich jeder, der mit anderen zu tun hat, selbst überprüfen.

  • Baue ich den andern auf durch meine Worte?
  • Locke ich ihn fordernd aus der Reserve?
  • Wird er durch meine Führung größer oder kleiner?
  • Will ich ihm nur klar machen, was für ein toller Hecht ich bin und welche Erkenntnisse ich ihm voraushabe?
  • Steht der andere im Fokus, oder ich selbst?
  • Diene ich, oder beanspruche ich?

Dort wo Christus mit Absolutheitsaussagen aufgetreten ist wie, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, hat er sich damit nicht von anderen abgehoben, sondern ihnen gedient. Er brachte die Gottesnähe näher zum Menschen. Er wollte dadurch den Menschen in seiner Einzigartigkeit in Gott entwickeln. Er hatte einzig Rettungsabsichten und führte von Magermatten zu saftigen Wiesen. Führungsverantwortung, die sich nicht ganz in den Dienst der anderen stellt und der großen gemeinsamen Sache, ruiniert eine Gemeinschaft. Die Regel von Taizé sagt: Wer fordernd vor oder in eine Gemeinschaft tritt, zerstört sie. Wer irgendwelche eigene Motive pflegt, wird vom Leiter zum Mörder. Wer nicht gerne hart und uneigennützig arbeitet, kann nicht zum Vorbild für andere werden. Gott braucht für seine Arbeit mit Menschen, nicht die Perfekten und Makellosen, jedoch die Willigsten, die sich entwickeln lassen, um andere zu führen.

  1. Agenda 100

Ich selbst habe die gleiche Aufgabe wie ihr, bin ein Zeuge der Leiden von Christus und werde auch an seiner Herrlichkeit Anteil haben, wenn er kommt.

Petrus setzt höchste Maßstäbe an Führungskräfte. 100% Christusgemäß. Nicht ein bisschen fromm, so gut es eben geht, sondern mit dem höchsten Ziel, das ein Mensch anstreben kann. Führung heißt, an der Herrlichkeit teilhaben. An der Herrlichkeit teilhaben, dahin führt der Stellvertreter Christus auf Erden, das ist das Petrusamt, von dem alle Führungsrollen abgeleitet sind. Um diesen hohen Anspruch geht es in der christlichen Menschenführung. Diesen Anspruch hat Christus an jeden, den er beauftragt. Er gibt sich nicht zufrieden mit 10, oder 50, oder 70%. Er schreibt auf seine Agenda 100%. Das ist die Zielvorgabe für Reich-Gottes-Arbeiter. Wo es um Herrlichkeit geht, geht es ums Ganze, es geht um Alles. Das muss Jüngern Jesu unter den Nägeln brennen. Wer weniger als 100% auf seine Agenda setzt, hat nicht Herrlichkeit vor Augen. Den kann Christus nicht gebrauchen, weil er der Gemeinde mehr schadet als nützt.

Am Herzen Gottes führen heißt, sich mit Christus zur Herrlichkeit durchleiden. Der Glaube hat den Mut, seine Mitmenschen in eine andere Welt zu versetzen. Mit ganzem Einsatz und voller Kraft, sind wir dafür verantwortlich, dass jeder aus der Herde dieses Ziel erreicht. Da geht es nicht um einen netten Spaziergang über eine Schlüsselblumenwiese, sondern um die persönliche Entwicklung, um die Tüchtigmachung eines jeden Einzelnen, der sich mit auf diesem Weg befindet. Einige lassen sich dabei mühelos und willig führen, andere sind dagegen widerspenstig. Da gilt es Liebe und Hartnäckigkeit zu paaren. Manche laufen mit einem kleinen Schupser in die richtige Richtung, bei andern sind es Kampf und Leidenswege, bis er das Ziel Herrlichkeit erkennt.

Gott selbst hatte damals bei der Befreiung Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft, erst Mose für diese Aufgabe überreden müssen, um Pharao die Stirn zu bieten. Mose sah sich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Pharao war derart stur, dass ihm Gott erstmal mit zehn schrecklichen Landplagen alles hat kurz und klein schlagen müssen, damit er das Volk ziehen ließ. Dann kam der Durchzug durch das Schilfmeer. Das erwählte Volk kam durch, die verfolgenden Ägypter kamen um. Zwei Wochen danach reichten, dass die frommen Israeliten der Führungskraft in der Wüste wieder zu schaffen machten. Wo bleibt Wasser, wo bleibt Manna?

Selbst für glaubende Menschen, die trotz erfahrener Wunder immer wieder neu zu zweifeln anfangen, braucht es handfeste Führungsgestalten, die in der Etappe immer neu, das gelobte Land aufzeigen. Gott braucht Führungskräfte, die ein starkes Gespür entwickeln, wo getröstet und wo motiviert werden muss. Daher sucht er Hirten mit der Agenda 100. Es sucht nach menschlichen und geistlichen Qualitäten. Er sucht die Geschmeidigen, die Willigen, die Veränderbaren, die Herrlichkeit vor Augen haben und dafür bereit sind alles zu leiden. Er sucht dich und mich. Er will durch Christus uns zu heiligen Vorbildern machen.

Wer Zukunft hat, hat Energie

Sobald Wege, die vor uns liegen klar sind, entwickelt das Leben eine Eigendynamik.

„Eines jeden Wege liegen offen vor dem Herrn.“
Spr. 5. 21

Wo Wege offen vor einem liegen, kommt das Leben in Fahrt. Wer die Zukunft klar vor Augen hat, kann zielstrebig darauf zugehen. Ein Tag nach unserem Brand als wir in den Trümmern unserer Kirche standen, sagte der Architekt: In einem Jahr werdet ihr wieder in das neue Haus einziehen! Das war ein magischer Satz. Keiner sah dies zu dem Zeitpunkt als realistisch an. Wir wussten, was bauen heißt. Wir sahen die Schuttberge, die entsorgt werden mussten und wir kannten die Verfahren für neue Planungen und Genehmigungen. Doch wir waren im Advent abgebrannt und wir sind ein Jahr später im Advent wieder eingezogen. Offene Wege motivieren und treiben an.

Der Konflikt dabei ist, dass die meisten unserer Wege verschlossen vor uns liegen. Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Unser Leben liegt vor uns, wie ein Buch mit sieben Siegeln. Doch lediglich für uns. Für Gott ist unser Verschlossenes völlig offen. Haarklein weiß er wo es lang geht und was auf uns zu kommt. Er ist mit unserer Zukunft verheiratet. Für ihn ist keine Frage offen. Ihm ist lichtklar was kommt und wo die Reise hingeht. In ihm steckt bereits die Dynamik auf das fertige Haus zuzugehen. Er sieht unser Leben vollendet vor seinen Augen. Er hat eine uneingeschränkte Vorstellung, von dem, was jetzt ist und dem abgeschlossenen Kunstwerk unserer Person. Er weiß, was er mit unserem ureigenen Leben, durch allen Zeiten hindurch erreichen will. So wie ein Unternehmer seine Vision entwickelt, wo er klar vor Augen hat, wie sein Unternehmen in zehn Jahren dastehen wird. So wie wir uns unser neues Auto vorstellen, das dann irgendwann in der Garage stehen wird. Diese Vorstellung hat Gott von unserem Leben.

Wenn das für ihn klar ist, können wir nur aus ihm diese Klarheit für uns selbst bekommen. Wo wir keinen Weg sehen, keinen Plan haben, alles nach vorne düster aussieht, bekommen wir den Durchblick bei dem, vor dem unser Weg offen liegt. Wo sich unser Blick für das Lebensbild Gottes, das er sich von uns gemacht hat öffnet, können wir völlig anders mit unseren Krisen umgehen. Mit dem Blick auf das, was wir einmal sein werden, werden die Schatten des Lebens zu Arbeitsschritten auf mein Ziel hin. Da dienen die brutalen Schläge der Reife einer Persönlichkeit. Wo meine Wege offen vor dem Herrn liegen, gibt es keine Situation, in der uns Gott verlassen hätte. Diese offenen Wege sind der größte Trost und zugleich der zielstrebe Antrieb.

Wollen wir unsere Lebenskraft vergeuden, und weiter planlos in die Zukunft tasten?

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Schwach sein ist Gnade

Bei allem Schrecklichen was passiert, können wir nie tiefer fallen als in Gottes Hand.

„Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Seele ist sehr erschrocken.“
Ps. 6, 3-4

Schwach sein und erschrecken, kann Menschen am Boden zerstören, oder zum Gebet werden. Wo Ohnmacht auf Gnade trifft, ist Hilfe in Sicht. Ich bin schwach, das ist eine Tatsache. Erschrockene Seelen sind unser tägliches Brot. Wir sind von Trümmerhaufen umgeben. Unser eigenes Leben liegt oft in Scherben am Boden. An Ostern ist ein Segelflieger bei uns abgestürzt, bei dem der Pilot ums Leben kam und sein junger Begleiter mit schweren Kopfverletzungen im Koma liegt. Für die Familien ist das ein totaler Ausnahmezustand. Wir kommen immer wieder an den Rand, bei dem der Schreck alle Lichter ausgehen lässt. Auch der Glaubende ist in solchen Situationen kein Held. Wir sind schwach und wir sind immer neu erschrocken, das ist Realität. Die andere Wahrheit für den Glaubenden ist: „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“. „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Es ist gerade die Schwachheit, in der Gott am stärksten sichtbar wird. Wo ein Mensch aus sich heraus nicht mehr kann, gibt Gott alles. Heil verwirklicht sich an den Zerbrochenen, an denen, die Gott nichts zu bringen haben. An denen, die sich selbst nicht mehr helfen können, verwirklicht sich der Auftrag Jesu. Er ist für die geknickten Rohre gekommen, damit sie nicht zerbrechen. Somit gehören schwach sein und erschrecken mit der Gnade zusammen. Der Geist der über die Schwachheit kommt, ist die Kraft der Auferstehung, die dem Sterben ein Ende gesetzt hat. Der tiefste Punkt unserer Erschütterung ist damit die fruchtbarste Stelle für unser Heil werden. Dort wo für uns die Leidensspirale steil nach unten geht, hebt sie der Geist wieder auf. Die Schwachheit ist damit ein Schöpfungsmorgen, an dem alles neu beginnen kann. An unserem Ende übernimmt der Geist die Führung.

Somit ist Schwachheit bereits Gnade. Da wechseln die Rollen. Wo ich kapituliere, übernimmt der Geist seine eigentliche Aufgabe. Daher ist an dem Punkt, an dem bei uns nichts mehr geht, Gott am nächsten. Der schwache Mensch ist die optimale Voraussetzung, damit sich der Geist nach allen Regeln der Kunst entfalten kann. Da ist Gott in seinem ganzen Element.

Um das zu erfahren, müssen wir uns unserer Realität stellen und der Gottes Realität. Wo wir unsere Schwachheit nicht zugeben, sie überspielen und uns selbst stark fühlen, werden wir die Kraft des Geistes nicht erleben. Wir schmoren im eigenen Saft und das Heil geht an uns vorbei. Nur die Schwachen fallen ganz in Gottes Hand.

Bejammern wir unsere Schwachheit, oder machen wir sie zum fruchtbaren Gebet?

Licht verscheucht Angst

Ohne Vertrauen, kann man in den Abgründen seines Leben nur verzweifeln.

„Wer in der Finsternis geht und wem kein Lichtstrahl scheint, der vertraue auf den Namen des Herrn.“
Jes. 50, 10

Dem Namen des Herrn vertrauen ist, an den neuen anbrechenden Morgen zu glauben. In jungen Jahren machte ich mit meinem Freund eine Wandertour durch den Schwarzwald. In einer Nacht übernachteten wir in einer offenen Holzblockhütte mitten im Wald. Mit unseren Schlafsäcken versuchten wir auf den Holzbänken zu schlafen. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Wir erlebten, wie nachtaktiv ein Wald sein kann. Es war stockdunkel, doch von überall waren Geräusche. Kein Licht, kein Feuer, wir hörten viel und sahen nichts. Krächzen, schluchzen, knacken, knistern, plötzlich war ein Mann in unserem „Schlafzimmer“, der auch noch eine Ruhestätte suchte, dann aber weiterzog. Vögel heulten, jeder Zweig der knackte, lies uns aufschrecken. Die Nacht war einfach nur unheimlich. Wir sehnten uns nicht mehr nach Schlaf, sondern nur noch nach dem Morgen. Das Befreiende war, als es zu tagen anfing. Die aufgehende Sonne hatte uns mit einer meiner schrecklichsten Nächte versöhnt. Erstaunlich schnell war die Unruhe und Schlaflosigkeit vergessen. Es war wieder hell.

Vertrauen schafft einen Umbruch in einer ausweglosen Lage. Es bricht ein neuer Morgen an, es wird hell mit dem Namen des Herrn. Das ist der Name, der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. Er stellt die Finsternis auf den Kopf. Die vielen Situationen, in denen uns die Lichter ausgehen, der Schreck uns auf kleiner Flamme köchelt, die Verzweiflung uns die allerdüsterste Seite des Lebens aufzeichnet, da geschieht eine Wende. Wir dürfen das Vertrauen auf den Namen nie unterschätzen. Wo das Licht kommt, hat der Schrecken der Nacht ausgegessen. Vertrauen heißt, ich glaube an das Licht, auch wenn die Nacht noch dunkel ist. Allein die Ahnung von Licht, entkrampft die Anspannung. Der Glaube durchbricht die Nacht, weil er sich mit dem Licht verbindet.

Vor einigen Jahren machte ich ein großes Herz mit roten Rosen als Sargschmuck für den Mann meiner Cousine. Er hatte sich mit Mitte vierzig das Leben genommen, weil er das Licht nicht mehr gesehen hat. Er war kerngesund, aber hatte keine Hoffnung mehr für sein Leben. Die Angst breitete eine solch große Sinnlosigkeit über ihn aus, das er keine Ahnung mehr von Licht hatte. Gerade in unseren dunkelsten Stunden ist es ein Frevel die Nacht zu schüren, anstatt dem Licht zu vertrauen. Wo unser Glaube an den Namen des Lichtes aussetzt, können wir nur verzweifeln. Da bleibt uns nur noch der Strick, um das Elend zu beenden. Das Vertrauen auf das Licht ist die entscheidende Wende. Da ist Jesus Christis mitten in der Finsternis. In der Nacht unserer Seele geht dann wieder die Sonne auf, das Leben erwacht und die Freude kehrt zurück.

Vertrauen wir schon, oder verzweifeln wir noch?