Fröhliche Sünder wagen Vertrauen

Wo der Mensch Gott erkennt, erkennt er sich selbst.
Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt.“

1.Mose 3, 9-10



Das ist der Stoff aus dem ein Krimi gestrickt ist; Schuld und Sühne, Vergehen und wieder gut machen. Vor Gott erkennt der Mensch, wer er in Wahrheit ist. Vor Gott fängt das Versteckspiel an, oder der Aufbau neuen Vertrauens. Der Mensch bewegt sich zwischen schuldig werden und Schuld wieder los werden. In dieser Spannung lebt die ganze Menschheit. Adam, wo bist du, ist die Kernfrage des Lebens. Darin erlebt er einen Gott der Furcht und der Gnade. In der Erkenntnis des Nacktseins, des bedingungslosen ausgeliefert Seins an Gott, dem vor Gott nie gerecht sein Könnens, begegnet dem Mensch, ein sich nahender Gott. Gegen die Blöße, stellt Gott seine ganze Gegenwart. Der Unvollkommenheit begegnet ein barmherziger Gott. Gott will Nacktheit bedecken. Er will Schuld aus der Welt schaffen. Er geht bei allem sich selbst erkennen und erschrecken auf neues Vertrauen zu. Die spannungsgeladene Auseinandersetzung zwischen, wo bist du, und ich bin nackt, nimmt Gott selbst in die Hand. Durch den Heiligen Geist erkennt der Mensch nicht nur den erschreckenden Gott, sondern den Barmherzigen. Wo wir die Nacktheit erkennen, erfahren wir im gleichen Moment den Christus, der sie bedeckt. Da wird das Sündersein nicht zum Problem, sondern zu Befreiung. Die eigene Ohnmacht wird nicht mehr zum Schock, sondern zu der Erfahrung, die Liebe ist stärker als die Gerechtigkeit. Weil wir in Christus Kinder Gottes sind, können wir rufen: Abba, lieber Vater. 
Das führt alle Schulderkenntnis aus der Verzweiflung heraus. Da gibt es nichts Unverzeihliches mehr. Gott kommt mit jedem Mist klar. Das kann vieles spannungsgeladene Miteinander entspannen. Da brauchen wir nicht Schuldige suchen, oder uns selbst verstecken. Da können wir offen mit unserem Versagen kommunizieren. Das Stehen vor Gott, kann ungeschminkt mit eigener und anderer Schuld umgehen. Da können wir zu einem fröhlichen Sünder werden, der immer neues Vertrauen zu Gott wagt.
Ist das sich selbst erkennen nicht der Anfang, dass einem Gott größer wird?

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Feierliche Abwechslung

Ein Leben ohne Sonntag ohne ein Fest, ist wie ein langer Weg ohne Einkehr.

„Ich gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen.“

Hes. 20, 12
„So nehmen wir Licht von diesem Licht, und tragen es zum Zeichen für dich Christus in die Dunkelheit dieser Welt und zu unseren Brüdern und Schwestern.“ Dieses Wort sprechen die Liturgen Brüder der Bruderschaft beim Entzünden des Lichtes, mit dem in den Gottesdienst eingezogen wird. Der jüdische Sabbat und der christliche Sonntag ist mehr als eine Ruhepause und Unterbrechung der Arbeitswoche. Am Sabbat geschieht etwas zwischen Gott und den Menschen. 7 ist eine heilige Zahl in der Bibel. Mit 6 + 1 wird etwas vollkommen. Da wird nicht nur der Tagesrhythmus auf angenehme Weise durchbrochen, sondern mit dem 7. Tag kommt die Schöpfung zur Vollendung. Arbeit und Gottesbegegnung ist eine schöpferische Einheit. Am 7. Tag ruht Gott selbst in sich. „Und Gott sah, dass es so gut war.“ Darin ruht der Auftrag von Sammlung und Sendung. Ohne den Ruhetag, den Begegnungstag für das Innehalten vor dem Heiligen ist die Woche nur halbfertig. Der Sonntag hat eine zentrale Bedeutung für die Arbeitstage. Nicht umsonst hat die Feiertagsheiligung einen Platz in den Geboten gefunden. Das ist keine Empfehlung oder guter Rat, sondern das hat elementar mit dem Menschsein zu tun. Da feiert die christliche Kirche das Licht, das in die Welt kommt. An diesem herausgenommenen Tag will Gott dem Menschen Gutes tun. Wort und Sakrament haben an keinem anderen Tag der Woche solch einen Stellenwert wie am Sonntag. Der Arbeit ist ein Festtag dazu geschenkt. Es ist ein besonderer Gott-Offenbarungstag. Ein Leben wird arm, wo dieses anvertraute Gut keinen Platz mehr findet. Daher ist es äußerst bedenklich, den Sonntag einem Arbeitstag gleichzuschalten. Der Mensch beraubt sich seiner Höhen und Tiefen und begnügt sich mit der Mittelmäßigkeit. 
Den Sonntag als weiteren Geschäftstag zu nutzen ist langfristig weder für die Wirtschaft noch für die Menschen ein Gewinn. An der Bedeutung, die dem Sonntag gegeben wird, lässt sich Lebensqualität ablesen. Der Atem kennt eine Ruhephase, der Puls hat seinen Rhythmus, nur der Mensch versucht immer wieder einem gesunden Rhythmus entgegenzuwirken. Wo wir uns der Sonntage berauben, hört irgendwann das Herz auf zu schlagen.
Ist das nicht gerade auch eine Anfrage an unser Service-Denken, das das 24/7 Prinzip zum Standard erklärt?

Von Gesang getragen

Auch wenn der Mut klein ist, gibt das Singen der zaghaften Hoffnung neuen Atem.

„Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht.“

Ps. 119, 172
Wo keine Lieder mehr erklingen, ist die Hoffnung ausgegangen. Der Advent ist eine Klangreiche Zeit, in dem das Wort nicht nur gesprochen wird, sondern durch Straßen und Gassen klingt. Wo es um diese Freudenbotschaft geht, kann es nicht mehr nüchtern, stupide und kalt zugehen. Wo das Wort besungen wird, klingt nicht nur Kopf, Verstand und Geist, da schwingt der ganze Körper. Singen ist eine Herzenssache. Wo die Zunge vom Wort singt, ist Christus beim Menschen auf den Grund gefallen. Da ist ein Mensch von der Wahrheit erfasst, von dem, was ihn in der Tiefe hält und trägt. Da äußert sich nicht mehr die Logik und das was der Geist rational versteht, da verbindet sich die irdische und himmlische Welt. Das Weihnachtsoratorium oder der Messias sind so erhebend, dass sie einen weit über das gewöhnliche Dasein hinaustragen. Mit dem Singen, macht der Glaubende seine Türen hoch und weit. Mit Singen hat sich Luther gegen seine Anfechtungen durchgekämpft, oder Paul Gerhard sich über harte Lebensschicksale tragen lassen. Wo die Zunge den Christus besingt, überwindet der Geschlagene seine Ohnmacht. Da klammert sich das Herz an die Macht der Erlösung. Wo das Wort besungen wird, übertönt es die Schmerzen der eigenen Endlichkeit. 
In einem Altenheim, kann man feststellen, wie die alten Kirchenlieder, selbst in einer Demenz noch tragende Kraft besitzen. Da sind Schätze, die Menschen ein Leben lang getragen haben. Wo das Wort gesungen wird, verleiht es dem Leben Flügel. Mit unserem Gesang haben wir ein Instrument in der Hand, das uns in aller Trostlosigkeit zur Hoffnung hinüberträgt. Es stärkt den Mut, es lässt uns in aller Kälte Liebe wagen. Es bringt das Geheimnis des Christus in uns zum Klingen.
Wo kann uns das „großer Herr und starker König“, noch viel stärker durch unsere schweren Stunden tragen? 

Ein Leben voller Überraschungen 

Die Energieentladungen Gottes bereichern das Leben.

„Der Herr segne dich und behüte dich.“

4.Mose 6, 24
Gesegnete erhalten einen Wertzuwachs des Allerhöchsten. Wo Segen fließt, gibt Gott zu dem was da ist, noch jede Menge dazu. Beim Erntesegen, sind Früchte gewachsen, die alle Erwartungen übertroffen haben. Wo uns der Segen im Gottesdienst zugesprochen wird, soll unser Tun und Sein, durch eine unsichtbare Macht vervielfältigt werden. Da soll viel mehr daraus werden, als durch den normalen Einsatz üblich ist. Segen ist eine Energie aus der anderen Welt. Segen ist ein schöpferischer Wachstumsbeschleuniger, der dem menschlichen Maß noch ein göttliches Maß dazugibt. Da bringen Menschen ihren Einsatz und auf unbeschreibliche Art findet eine Vermehrung statt. Unter dem Segen multipliziert sich die menschliche Arbeit. Dabei ist der Segen nicht der Zuckerguss für das Nichtstun. Segen entfaltet sich im Wagnis des Glaubens. Dort wo der Mensch im Vertrauen auf Gott Wege geht und sich an die Arbeit macht, da gibt er ein Vielfaches dazu. 
Segen ist, wenn eine im Advent abgebrannte Klosteranlage, im nächsten Advent wieder aufgebaut ist. Segen ist, wenn aus einem hilflosen Ringen um Unterstützung für die Gang-Therapie von Natalie, sich an allen Ecken und Enden Menschen angesprochen fühlen, etwas zu machen. Segen ist, wenn Gott in einem Stall eine Krippe aufbaut, um die Nacht der Menschen aus der Welt zu schaffen. Beim Segen hört unsere mathematische Kalkulation auf. Da wird das Rechenkonzept des Verstandes mit Lügen gestraft.  
Wo wir uns den Segen zusprechen, wünschen wir dem Anderen, dass zu all seinem Mühen, Gott seinen Reichtum dazutut und die Fässer überlaufen lässt. Wir sind zum Segnen berufen. Wir haben den Auftrag, die Handlungen Gottes auf das Leben des Nächsten zu legen. Am Anderen soll ein unfassbarer Zuwachs geschehen. Wir rufen die Macht und die Herrschaft Gottes über dem Leben der Menschen aus. Wo wir die Gesegneten sind, muss dieser Segen weiterfließen. 
Wieviel Überraschungen kommen da in unser Leben und das der anderen?  

Der Glaube kennt größere Zusammenhänge

Die gegenseitigen Extreme, machen den Wert einer Gemeinschaft aus.

Abram sprach zu Lot: Lass doch nicht Zank zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder.“

1.Mose 13, 8
Die Familie, die Gemeinde, eine Gemeinschaft, ein Staatenbund ist von Grund auf als funktionierender Organismus gedacht. Da gibt es die unterschiedlichsten Rollen und Begabungen, die das eine Ganze ausmachen. Das ist Gottes Schöpfungsprinzip, dass das eine Hochbegabte durch das andere Wertvolle ergänzt wird. Da sind extreme Gegensätzlichkeiten, die jedoch nur im Zusammenspiel den gegenseitigen Lebenserhalt sichern. Das eine ohne das andere wäre eine Verarmung. Die eine Existenz, wird durch die ganz andere bedingt. Ein Baum streckt seine Zweige in den Himmel, an denen Blätter sich nach dem Licht ausstrecken. Der gleiche Baum hat Wurzeln, die sich in die Erde bohren, um nach Wasser und Nährstoffen zu suchen. Die Blätter und Wurzeln sehen sich in der Regel gar nicht, gehören jedoch zusammen. Die Wurzeln müssen weder die Blätter verstehen, noch können umgekehrt die Blätter sich als besser oder wichtiger erachten als die Wurzeln. Jeder hat seinen Platz und seine ureigenste Rolle. Auch wenn das Blatt vom Licht lebt und dies in der Photosynthese in Energie umwandelt, kann es nicht behaupten: Leben ist nur Licht, und ich erledige hier den wichtigsten Dienst. Genauso könnten die Wurzel sagen, Leben spielt sich im Boden ab, denn da ist Wasser, das alles versorgt. Zank, wie irrsinnig! Der Baum wächst durch die Extreme. Er erhält von beiden Seiten seine Stabilität. Gegensätze ergänzen sich. Licht und Wasser machen den Baum zum Baum. 
Nur die Menschen trennen immer wieder. Sie reißen auseinander, was zusammen gehört. Abraham und Lot zankten sich ums Wasser für ihre Herden; ein Streit, der bis heute andauert. In den Gemeinden entstehen oft Spannungen zwischen Pfarrer, Mesner und Kantor, wer wohl die tragende Rolle spielt. In den Firmen degradiert der erste Verkäufer die Reinigungskraft, obwohl beide um das Ansehen und die Existenz eines guten Unternehmens kämpfen. Wir müssen nicht einmal die Aufgaben des Anderen verstehen und gut heißen, sondern nur erkennen, dass wir selbst davon leben. Wir brauchen selbst Gott nicht verstehen, sondern nur wissen; ich lebe aus ihm. Der Leib lebt von der Verschiedenartigkeit der Glieder, vom Mund bis zum Po. Versöhnung ist ein Lebenstil, der aus dem Glauben kommt und um viel größere Zusammenhänge weiß.
Ist viel Zanken nicht reine Zeitverschwendung? Wie können wir über den Gegensätzlichkeiten, nicht viel mehr das gemeinsam Verbindende suchen?  

Demut gibt göttlichen Charme

Wahre Größe, steht unter dem Höchsten.

Den Demütigen wird der Herr Gnade geben.“

Spr. 3, 34
Demütig drückt die ureigenste Beziehung zu Gott aus. In der demütigen Gesinnung erkennt der Mensch seine eigentlichen Größe in Gott. Die Demut steht an der höchsten Stelle des Lebens, – direkt unter Gott. Sie hat ihre eigentliche Größe nicht im Menschsein an sich, sondern in der unmittelbaren Bindung an den Schöpfer. Der Mensch erkennt sich in seinem gefallenen Wesen, in seinem Sündersein und dadurch in seiner Gnadenbedürftigkeit. Dem Demütigen ist der hohe Mut, die Überheblichkeit gebrochen. Im Demütigen findet ein Gesinnungswechsel von Einbildung zur Gotteshingabe statt. In der Demut ist der Mensch nicht groß aus sich selbst, sondern groß in seinem Stehen in Gott. Demut regelt in erster Linie die Beziehung mit Gott und hat nichts mit einem Duckmäusertum vor den Menschen zu tun. Demütig sein heißt nicht, der Fußabtreter der Nation zu sein und alle Schandtaten der Menschen willig zu ertragen. Demut erkennt zuerst seinen Wert in Gott. Sie erkennt, dass sie aus dem Erbarmen Gottes lebt. Demut heißt, die Herrschaft Gottes über sich stehen lassen und somit das erste Gebot zu erfüllen. Darauf liegt die größte Verheißung eines Lebens. Gnade findet der, der Christus bedarf. Ein Demütiger lebt in der Christusgesinnung.
Menschliche Größe steht unter Gott. Daraus gestaltet sich alles menschliche Miteinander. Die Demut vor Gott, formt die Sanftmut vor den Menschen. Sanftmut ist wie Christus gesinnt sein. Darin liegt der aufrechte Gang der Christen. Hier liegen bei Glaubenden einige Missverständnisse vor. Demütig ist nicht der, der sich von Menschen demütigen lässt. Eine falsch verstandene Demut kommt oft bescheiden, zurückhaltend und leicht gebeugt daher. Doch Demut ist ein kraftvolles, standhaftes Stehen vor Gott und den Menschen. Demütige sind keine Leisetreter, die keinem zu nahe treten wollen, sondern sind Begnadete, die Gnade erweisen. Demütige sind groß in ihrer Vergebungsbereitschaft. Dahinter steht ein hohe Entschlossenheit und aktive, aufbauende Auseinandersetzung mit den Schwachheiten des Nächsten. Demütige sind Kämpfer der Liebe, die sich nicht von Hass beeindrucken lassen. Unsere heutige Gesellschaft braucht viel mehr demütige Menschen, als solche, die ihren Wert und Anerkennung aus sich selbst heraus suchen.
Stehen wir in der Demut nicht mit übervollen Händen im Leben?

Auf und ab findet eine Konstante

O Gott, gib uns immer neu erfrischende Herzlichkeit und schenke uns die Heiterkeit im Glauben.

„Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“

Ps. 51, 14
Wer so betet, kennt die Stunden des Absackens im Glauben. Er kämpft mit Trauer und eigener Unwilligkeit. Wie schnell verlieren wir den Glaubensmut, wenn es im Leben dick kommt. Wie schnell geben wir auf und verzagen wir, wenn Unerwartetes über uns hereinbricht. Glaube bewegt sich zwischen Macht und Ohnmacht. Er lebt in der Spannung zwischen Tag und Nacht. Glaube durchlebt die ganze Hinfälligkeit unserer Menschlichkeit. Daher kann sich der Glaube nicht an der menschlichen Gebrechlichkeit entzünden. Glaube kann nicht aus dem Menschen kommen, er entzündet sich an der Gottesgegenwart. Glaube ist Gabe, ist Geschenk, ist das Vertrauen, das Gott weckt. Der Glaube ist das Echo auf den handelnden Gott. Wo der Glaube schwach wird, wo die Zweifel nagen, muss nicht der Mensch seine Anstrengungen verdoppeln, sondern seine Schwachheit zum Gebet werden lassen. Das „erfreue mich wieder“, ist kein Selbstmotivationsprogramm, sondern genau die richtige Adresse für Absacker. Gott baut auf. Das Gebet wird zur Hilfe. Gott selbst ist die Anlaufstelle, wenn wir erkennen, wir hängen ab. Krisen sind normal, dunkle Stunden gehören zum Dasein, doch sie sind der Anfang eines Gebetes. Wo wir an uns selbst verzweifeln wollen, wenn wir erkennen, wie wenig wir zur Liebe und Glauben fähig sind, ist das der Anfang, auf die Hilfe zuzugehen. Wir brauchen regelrecht die Spannungen im Glauben, um unsere Gottabhängigkeit zu entdecken. Erst wenn wir unsere Schwachheit erkennen, kann die Liebe zu Gott groß werden. Wo wir am Ende sind, fängt Gott erst richtig an.
Wo wir unsere Leere spüren ist der beste Augenblick, an dem Gott groß werden kann.  Es sind nicht unsere glaubensstarken Tage an denen uns die Hilfe groß wird, sondern gerade die Wegstrecken, an denen wir ausgelaugt und müde geworden sind. Wo wir mit unserem eigenen Versagen konfrontiert sind, wo wir an Gott und der Welt verzweifeln wollen, wo nichts mehr da ist, kann Gott zu allem werden. In der Dunkelheit entfaltet das Licht seine schönste Wirkung. Daher verkrampfen wir uns nicht, wenn es nicht rund läuft; bitten wir um neuen Glauben, um erfrischende Herzlichkeit, um Heiterkeit und all die Gaben, die nur von ihm kommen.
Ist die Durststrecke im Glauben, nicht der Weg zu viel mehr Hingabe?

Vor Güte explodieren

Es sind die vielen kleinen Freundlichkeiten, die die Menschen aufbauen und am Leben erhalten.

Herr, die Erde ist voll deiner Güte; lehre mich deine Gebote.“

Ps. 19, 64



In kleinen Freundlichkeiten liegt große Kraft. Die Güte des Herrn sind die unscheinbaren Liebesperlen, die tagtäglich auf unsere Teller fallen. Da bringt uns einer ganz unerwartet zum Schmunzeln. Gestern war Nikolaus. Der Gang in den morgendlichen Speisesaal war ein Überraschungseffekt. An jedem Platz stand ein Teller mit einem Schokonikolaus, der auf rotgoldenen eingewickelten Pralinen gebettet war. 20 mal ein unerwarteter Blickfang, der in müde Gesichter ein Strahlen brachte. Gottes Gebote sind Güte und Freundlichkeit, damit muntert er die Welt auf. Güte ist die unverhoffte Liebesgabe, die die Seele streichelt. Da ist eine ausgestreckte Hand, die mir Gutes tut. Eine Kleinigkeit, die Welten in Bewegung bringt. Für einem Moment entgleisen die starren Furchen im Gesicht und formen sich zu einem entspannten Lächeln. Güte erfüllt nicht nur ihre Pflicht, sondern ist das Quäntchen mehr, das Herzen elektrisiert. Da rührt sich das ganze Wohlwollen, die Hingabe zum Du, das den anderen aus der Reserve lockt. Gott ist Güte pur. Er will mit Gutem überraschen, er will mit winzigen Impulsen zum Leben wecken. Da ist ein ständiges Necken und Herausfordern. Gott hat Lust uns mit Gutem zu überschütten, um dadurch unseren Trott zu verwandeln. Da kommen laufend Hallo-Wach-Impulse. Die Krippe ist solch ein Liebes-Impuls, der in die Schockstarre der geängstigten Menschen fällt.
Wo wir seine Gebote lernen, hat das nichts mit Katechismus zu tun. Es ist das Lernen der Güte. Es ist das Tagesgeschehen zu durchbrechen, für einen Moment der Freundlichkeit. Der selbst Beschenkte muss zwangsläufig andere beschenken. Meine Gaben bauen den Nächsten auf. Nach der Nikolaus-Attacke am Morgen, habe ich mich zu einer Blumenüberraschung hinreißen lassen. Der Real-Markt hatte gestern einen Blumenstrauß bestellt, den ich zustellen durfte. Die Empfangsdame mit ihrer Kollegin bedauerten, dass sie nicht selbst die Adressaten für diese Blumen waren. Sie bemerkten beiläufig, dass sie sich auch einmal über eine weiße Rose freuen würden. Ich fuhr in den Laden zurück und nach einer Weile dachte ich: Warum nicht? Kurz darauf stand ich mit zwei weißen Rosen am Empfang und löste einen Freudenschrei aus. Die Kollegin wurde über Mikro herbeigerufen, und dann nur noch eine fassungslose Umarmung. 
Güte und Freundlichkeit sind herrliche Gebote voller Überraschungseffekte. 🙂
Was hindert uns, vor Güte zu explodieren?    

Sich führen lassen ist Hilfe

Gott baut seine Kirche trotz der Menschen und wenn es sein muss, auch gegen sie.

Ich will meiner Herde helfen, dass sie nicht mehr zum Raub werden soll.“

Hes. 34, 22



Gott schützt das Seine. Seine Herde, seine Gemeinde steht in den Herausforderungen mit sich selbst, doch dagegen steht der Wille Gottes. Gegen den Status Quo Gottes, kommen die schlimmsten Machenschaften nicht an. Wo Gott Hilfe zusagt, ist Hilfe da. Da steht einer für die anderen. Da ist ein Hirte, eine Führungskraft, die nein sagt zum Bösen. Existenzsicherung liegt nicht in den Händen der Herde, es ist Hirtensache. Der Prophet Hesekiel hört seinen Gott von treulosen und unfähigen Hirten reden, die sich selbst weiden und sich mitnichten um ihre Herde kümmern. In solche Missstände hinein, will Gott sich selbst als Hirte zeigen. Die Ausbeutung soll ein Ende haben. Wo Gott sich als Hirte erweist, geht er mit Hirten, die sich selber weiden hart ins Gericht. Zu der Gemeinde zählen nicht die, die einfach dabei sein wollen und für sich das beste genießen. Zu seinem Volk gehören die, die sich von dem Hirten führen lassen, die ihn brauchen und nötig haben. Unter diesem geführt werden geschieht die Hilfe. Da ist bestes Weideland in Sicht. Hilfe erfahren die, die sich anvertrauen, die sich selbst loslassen. Die Führung der Glaubenden geschieht durch den guten Hirten, Jesus Christus. Er ist der Gipfel der Hilfe Gottes. Diese Hilfe ist ein Machtwechsel, bei dem unsere Führungsrolle an ihn übergeht. Unter dieser Führung funktioniert das christliche Miteinander, funktioniert Herde und Gemeinde. Da begegnet dem Selberwollen der Wille Gottes. Hilfe ist der Umschwung vom ich zum du. Das liegt in der Ganzhingabe des Christus.
Wir sind die Ausgesetzten und Ausgelieferten, wo wir uns auf uns selbst verlassen. Wo wir dem Hirten die Führung überlassen, ist uns geholfen. Da werden wir auf ein Weideland geführt, das wir uns nicht erträumen können. Da hat Kirche eine große Zukunft. Da wird Advent zum inneren Umbruch, weil der Hirte kommt und die Führung übernimmt.
Warum fällt es so schwer, diese Hilfe anzunehmen?

Das Wort bahnt Wüstenwege

Die letzten Worte großer Menschen haben in der Geschichte ein besonderes Gewicht.

„Mose sprach: Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge. Denn es ist nicht eine Leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben.“

5.Mose 32, 46.47
Was Mose hochbetagt bezeugt, ist sein Vermächtnis an das Gottesvolk. Sein Lebenswerk war, dem Wort den Weg zu bereiten. Er hat bereits in seiner vierzigjährigen Führungsrolle durch die Wüste, Christuswege gebahnt. Wege des Lebens, waren Vertrauenswege an den lebendigen Gott. Wer dem Wort nicht glaubte, hatte existenzielle Probleme alleine in der Wüste durchzukommen. Es war ein vierzigjähriges Drama zwischen Höhen und Tiefen, Hunger und Durst, Gehorsam und Ungehorsam, bei dem das Wort nicht nur einen von vielen Wegen durch die Wüste aufzeigte, sondern den Einzigen. Als Mose die Gebote empfing, wurde das Wort in Stein gemeißelt. Das Wort erhielt unter Mose eine lebensbestimmende Macht. Daran war das Durchkommen in Extrem-Situationen geknüpft. Das Wort bahnte in Wüstenwege geschichtsträchtige Heilswege. Ohne das Wort wäre die Geschichte des Gottesvolkes in der Wüste versandet. Daher legt Mose am Ende seines Lebens, dieses Vermächtnis jedem ans Herz. „Das einzige, was euch überdauern lässt, ist Christus den Weg zu bereiten. Das Wort ist euer Leben.“
Das ist bis heute so geblieben. Auch wenn wir modernen Menschen von Wissen und Worten überhäuft werden, und viele für sich den Anspruch erheben Lebensworte zu vermitteln, kommt in den existenziellen Krisen, der eigentliche Lebensimpuls nicht aus Menschenworten. Selbst in einer Bruderschaft, in der man eng mit Gleichgesinnten lebt und anscheinend von einer Gemeinschaft getragen ist, kommt die einzige Perspektive aus dem Wort. Wo das Wort an Bedeutung verliert, schwindet die Hoffnung und steigern sich die Sorgen. Wo Menschen ihre Berufung verlassen, hat das Wort seine prägende Kraft verloren. Im Umgang mit dem Wort, steht und fällt eine Gemeinschaft und die Kirche. Ich kann für mich nur bezeugen; durch das intensive Beschäftigen mit dem Wort, ist in mit etwas lebendig geworden, mitten in allen Spannungen eine unverschämte Hoffnung zu haben. Das Wort stärkt die Kraft, gegen alle widrigen Umstände anzuglauben. 
Was würde uns sonst den Mut geben, auf Wüstenwegen Hoffnung zu entwickeln?