Segen fortpflanzen

Fruchtbar kann nur ein gesegnetes Leben sein.
„Gott schuf sie als Mann und Frau und segnete sie und gab ihnen den Namen >Mensch<.“

1. Mose 5, 2
Der Mensch ist ein Energiebündel Gottes. Er ist eine Beziehungstat des Schöpfers. Gott definiert Menschsein, als sein Wunderwerk, in dem seine Gene fließen. Der Mensch, ein Gottgeschaffener. Ein Ebenbild des Ewigen. Er steht unter dem höchsten und besten Einfluss dessen, der pralles Leben zum Überlaufen bringt. Mensch, ein von Gott Modellierter. Das Produkt eines genial Kreativen. Im Menschen pulsiert Gottes Herzblut. Wir sind der Gipfel von Erschaffen und Segen, die Krone der Schöpfung. In Mann und Frau gelegt, dass sich dieses schöpferische Potential in Fruchtbarkeit über die ganze Erde fortpflanzt. 
Unmenschen, sind vom diesem Segen Abgerissene. Auf der Suche, was ist der Mensch, finden wir in diesem Wort die Antwort. Spiegelbild Gottes oder Mattscheibe? Wo sich der Mensch nicht mehr als Höhepunkt der Schöpfung betrachtet, entmenschlicht er sich. Sich zum Mittelpunkt des Lebens zu machen bedeutet, beim Losfahren, den Motor im Auto abklemmen. Ohne Gott trennt sich der Mensch von seinem Lebensnerv und raub sich den Segen. Den „Mensch“ erkennt man an der Beziehung zu seinem Schöpfer. Mutter Theresa oder Adolf Hitler, Luther oder Tetzel, Nelson Mandela oder Kim Jong-un. Mensch oder Unmensch entscheidet sich am Gegenüber Gottes.
Wo wir Mensch sind, pflanzen wir den Segen fort. In Gott sind wir in unserem Element. Aus dieser Fruchtbarkeit leben wir und beleben alle Unfruchtbarkeit. Wir sind zum höchsten Auftrag in der Welt bestimmt. Die Energie Gottes zu verbreiten, Dürres zu bewässern und zum Blühen bringen. Der Mensch tritt gegen die Entmenschlichung an. Das ist der Segensdienst an der Welt. Das sind die Handreichungen des erbarmenden Christus, an der zerbrochenen Schöpfung. Gesegnete sind der Segen, die Gottes Herzblut im Unmenschlichen zu pulsieren bringen.
Wo sind heute die Gelegenheiten, diese Fruchtbarkeit fortzupflanzen? 

Advertisements

Die Jungfräulichkeit bewahren

Wer dankt und staunt, wähnt sich in besten Händen.
Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.“

Ps. 92, 6
Große Werke bestaunen, gehört eigentlich zu jeder Urlaubsreise. Am letzten Sonntag arbeitete ich an meinen Bildern der Gaudikirche  Sagrada Familia. Es ist erhebend, sich solch einer Schaffenskraft hinzugeben. Wo wir staunend von den Klängen einer Bach-Toccata umspielt werden, passiert etwas in uns. Sich für Großes öffnen und sich voll und ganz davon in Bann ziehen lassen, übt formende und gestaltende Kraft auf uns aus. Gott zu bestaunen, seinem Schaffen nachzuspüren, seine Gedanken zu erforschen, sich seiner Genialität hinzugeben, damit verändert sich die Wahrnehmung der Schöpfung. Offen, dankbar und staunend sich vom Grundton der Schöpfung anzupfen zu lassen, stellt uns neben Adam, der nur noch von dem „Alles war sehr gut“ fasziniert war. Wer seinen Blick konzentriert auf die großen Werke Gottes wirft, lässt sich nicht von der gefallenen Welt ablenken. Er fixiert sich auf den Guten, er verliert sich in dem Erhabenen.
Die Armseligkeit des Lebens beginnt, wo wir nicht mehr staunen und danken. Wer nur das Unglück verschlingt, sich in den Turbulenzen hässlicher Tage badet, dem vergeht das Danken. Die Geschwüre in unseren Beziehungen haben keine erhebende Kraft. Sich im Kleinen, in oberflächlichen Gedanken und Geschwätzen aufzuhalten, generiert mit Sicherheit kein Staunen. Wo wir nur im Bombenhagel einer sich selbst zerfleischenden Schöpfung Spazierengehen, brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir keine Wunder mehr sehen.
Gerade das bewusste Bestaunen des Großen, zeigt uns die Wirklichkeit Gottes, die die Wirklichkeit des Menschen durchdringt. Ein dankbares Herz schult seinen Blick auf die großen Werke. Die Dankbarkeit sieht das Große hinter dem Kleinen. Im Staunen vor dem erhabenen Gott, sprießt Glaube aus der vertrockneten Erde. Wer auf das Große schaut, entdeckt den Christus, der aus dem Staub aufhebt. Im Staunen vor Gott, ist jeder neue Tag eine Entdeckungsreise. Wir stoßen auf erwärmende Freundlichkeiten, mitten in eisiger Kälte. Wo wir dankbar und staunend vor Gott stehen, verwurzeln wir uns in seiner Größe.
Können wir dem neuen Morgen noch jungfräulich begegnen, als sähen wir die Welt zum ersten Mal?

Wachrütteln 

Um Tricksereien aufzudecken muss das Wort auch knallhart sein.
Warum hast du denn das Wort des Herrn verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel?

2. Sam.12,9
Eine hochpeinliche und unangenehme Frage von Natan an den edlen frommen König David. Mit dem Verachten des Wortes kommt das Elend in die Welt. Verachten bedeutet, einen der besten Feldherren wie Uria, bewusst an die vorderste Front zu stellen, dass er im Kampf gegen die Ammoniter umkommt. Ohne Wort kommt Mord. Wenn das Wort sein gestaltendes Bestimmungsrecht verliert, fangen die Augen an nach Batseba zu schielen und schaffen mit Winkelzügen ihren Mann beiseite. Gottes Wort hat es auf die Bestie im Menschen angelegt. Wo die Achtung vor dem Wort schwindet, läuft der Mensch aus dem Ruder. Im Wort liegt Wohl und Wehe des Daseins. Wo David mit diesem Wort konfrontiert wird, erlebt er es als ein Hammer der Felsen zerschlägt. Wachsweich sinkt er in die Knie und erschrickt über seine Untat. Das Wort deckt ihn auf und fördert sein schuldig sein vor Gott an den Tag.
Das Wort ist schonungslos im Aufdecken und Nachspüren, von dem, was vor Gott nicht bestehen kann. Es tröstet nicht nur, sondern bringt den Menschen auch zur Bauchlandung. Es will ihn aufhalten, wenn er in selbstmörderischer Absicht unterwegs ist. Das heilende, lebensschaffende Wort konfrontiert den tiefen menschlichen Schaden in uns. Es will im Verachten neue Beachtung schaffen. Es will zur Grundlage werden, die der Mensch verlassen hat. Im Angesicht des Wortes wird Ungerechtigkeit geheilt und Schuld vergeben. Wo wir das Wort verachten, stellen wir uns außerhalb von diesem Reinigungsprozess.
Für das Gute, was das Wort schaffen will, muss es uns auch einmal hart konfrontieren, muss es sich wieder die nötige Achtung verschaffen. Es ist unveräußerliche Existenzgrundlage, deren Missachtung katastrophale Folgen hat. Das Wort will das Heil in unheiligen Menschen schaffen. 
Wenn das Wort das Beste mit uns im Sinn hat, warum schenken wir ihm nicht mehr Bedeutung?

Niederlagen halbieren

Wer betet, steht schneller wieder auf.
„Wer des Herrn Namen anrufen wird, der soll errettet werden.“Joel 3, 5
Es gibt gewaltige Unterschiede, ob ein Mensch nach Lebensbrüchen liegen bleibt oder wieder zum Stehen kommt. Beten entscheidet über erschlagen sein und Aufstehen. Wer Herrn anruft, bleibt nicht mehr bei sich. Er bleibt nicht bei der Tatsache stehen, dass er in Einzelteilen auf der Straße liegt. Beten ist das sich einem anderen anvertrauen. Wer betet traut Gott mehr zu als sich selbst. Da fängt der Glaube an aufzuleben. Wo ein Mensch zu Gott ruft, holt er sich die höchste Hilfe ins Boot. Im Rufen zeigt er, dass er bereits ein von Gott Angerührter ist. Gott ging ihm mit vertrauensbildenden Maßnahmen voraus. Wenn sich Gott nicht immer wieder als der Helfende und Heilende offenbaren würde, würde kein Mensch den Glauben wagen. Wo wir rufen, hat Gott schon etwas in uns hineingelegt. Im Beten antworten wir Gott mit unserem Vertrauen.
Wie kann es hell werden, wenn unser Beten verstummt? Alles Leben ist mit dem Sterben durchdrungen. Jedes Miteinander wird von Frust belastet. Es ist normal, dass ein verunglückter Motorradfahrer, der unter der Leitplanke durch auf die Gegenfahrbahn geschleudert wird und dabei nicht überlebt, uns die Sprache verschlägt. Überall ist Niederdrückendes und Erschlagendes. Trauer tut weh. Nicht verstanden werden schmerzt. Aggressionen des anderen ertragen zu müssen, bringt auf die Palme. Doch genau hier können wir doch nicht die Segel streichen. Wo wir in unserer Hilflosigkeit an Grenzen stoßen, ist doch die Welt nicht zu Ende. Wer hier nicht beten kann bleibt liegen. Wir selbst entscheiden, ob wir im Jammern über unsere Hilflosigkeit versauern, oder im Glauben Hilfe erfahren. Wer im Unheil der Welt stecken bleibt, dreht sich um sich selbst. Wer sich auf sich selbst verlässt, bleibt verlassen, wer anfängt zum Herrn zu rufen, lässt den Frust hinter sich. Nicht, hilf dir selbst, dann hilft dir Gott, sondern lass Gott ran, dann ist dir geholfen. 
Anrufen ist Frustabbau. Beten bringt den Lebensschaffenden ins Sterben. Beten setzt unsere innere Unruhe mit dem Heil in Beziehung. Im Beten beginnt die aufgescheuchte Seele zu genesen. Wo uns das tägliche Miteinander zu schaffen macht und wir Tage und Wochen brauchten um damit fertig zu werden, hilft unser Anrufen, diese Zeit auf Stunden oder Minuten zu verkürzen. Beten ist die Hilfe, die uns in harten Schlägen wieder schnell ins Leben zurückholt. Beten rettet uns aus den ständigen Absackern, weil es sich der Güte anvertraut.
Wie schnell stehen wir in den Krisen unserer Tage wieder auf?  

Früchte reifen im Elend

Was sich jetzt leuchtend bunt sich zum Sterben bereitet, wird im Frühling zu neuem  Leben erwachen.
„Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie die Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich.

Jes. 51, 6
Eine biblische Wahrheit, deren beiden Extreme nicht krasser ausformuliert werden können. Vergehen, zerfallen, dahinsterben, stehen im Gegensatz zu bleiben. All das was Menschen umgibt, der Mensch an sich ist Schall und Rauch, ist da und verpufft, doch Gottes Ja zum Leben, ist unauslöschlich. Das eine stirbt, das andere bleibt. Wenn das Heil wie ein Regenbogen über allem Weltuntergang steht, verliert Sterben seine Macht. Das zerfallende Kleid, die dahinsterbende Mücke ist nicht das Letzte. Das Allerletzte ist das Einssein mit dem Ewigen. Alles Sterben läuft auf das Leben in Vollkommenheit zu. Was zerfällt ist für die Herrlichkeit geschaffen.
Genau das, was als die Tragik des Lebens erscheint, hat einen tiefen Sinn. Wir zucken zusammen, wenn die Erde zerfällt und die Menschen wie die Fliegen sterben. Wir erstarren vor Schreck, wenn wieder eine Welt zusammenbricht. Gestern feierte die Kirchengemeinde hier in unserer Buchhaldesiedlung ihr 50 jähriges Bestehen. Am Anfang dieser Geschichte stand ein unschöner Konflikt zwischen Kirche und unserer neu entstandenen Ordensgemeinschaft. Helles Entsetzen prägte die Gemüter. Doch jetzt im Rückblick kann man nur sagen, aus dem schmerzhaften Sterbensprozess ist die Ordensgemeinschaft der Blumenmönche gewachsen. Das Zerfallen war die Voraussetzung für Neues. Die täglichen Auslegungen hier, sind nicht aus einer genialen, spirituellen Idee entstanden, sondern aus einem Unglück, wo ein junges Leben auf dem Scherbenhaufen landete.
Wo Gott Bleibendes schaffen will, fliegen oft die Fetzen. Für das Heil gehen die Wege über Golgatha und das Kreuz. Die Passion ist die Bedingung für Ostern. Auferstehen kann nur das Gestorbene. Daher bekommt alles Sterben den Herbstcharakter. Nur wenn die Blätter fallen und der Baum wie tot in der Landschaft steht, kann der Frühling zu neuem Leben ansetzen. Der Baum setzt eine neue Wachstumsschicht an und bereitet sich auf seine nächsten Früchte vor. Gott baut sein Reich, mit dem Dahinsterben dieser Welt. Damit geht die Hoffnung nie aus.
Haben wir Angst, wenn unser Kleider zerfallen, oder können wir dahinter schon den ewigen Schaffensprozess erkennen?  

Wenn´s die Sprache verschlägt

Gedenken und beten ist die Medizin gegen die Elefantenkrankheit.
Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den Herrn, und mein Gebet kam zu dir.“

Jona 2, 8
Verzagen und den Rüssel hängen lassen ist eine Volkskrankheit. Da kreisen die Gedanken und beißen sich am Elend fest. Sie bohren sich in die Nacht hinein, dass sie nur noch Verzweiflung atmen. Eine verzagte Seele kommt vom Kopfkino. Verzagen und schwarz sehen hängt mit dem Gedenken zusammen. In dieser Kreislaufschwäche hilft nur das an den Herrn gedenken. Sobald das Verzagen zu beten beginnt, atmet die Seele Frische. Beten und Gedenken kehrt die Gedankenspirale vom Menschen zu Gott. Im Gebet wird Gott aktiv. Die verzweifelte Situation wird zur Chefsache. Beten durchbricht die menschliche Hilflosigkeit. Das Gedenken nimmt der Katastrophe ihre Macht. 
Verzagen kennen wir zu Genüge. Da verunglückt dein Familienvater tödlich mit dem Motorrad. Für Frau und Kinder brechen Welten zusammen. Es ist nicht nur der Verlust des Mannes und Vaters, sondern die unmittelbar damit verbundenen existenziellen Zukunftsängste. Diese bittere Lage birgt in sich keinen Funken Hoffnung. Hier regiert nur noch das nackte Grausen. Da kann man niemand verübeln, wenn man hier an den Rand des Wahnsinns kommt. Menschlich gesehen, ein Fall für den Psychotherapeuten. Das Denken stößt nach allen Seiten nur noch auf dunkelste Nacht. Schicksalsschläge kommen und verzagen schnürt den Atem ab.
Gerade da, wo wir dem wahren Leben nicht entrinnen können und uns mit Situationen auseinandersetzen müssen, die eigentlich menschlich nicht zu bewältigen sind, ist es gut, wenn die verzagte Seele beten lernt. Hoffnung kommt nicht aus dem Schicksal, sondern aus dem Gedenken. Wenn es uns alles abschnürt, fängt das verzagte Herz im Beten wieder an zu atmen. In dem Hinwenden an den, der größer ist als meine Not, wird das Verzagen kleiner. Was für die Israeliten damals noch viel selbstverständlicher war, mit Gott alle Höhen und Tiefen zu durchschreiten, müssen wir erst neu lernen. Vor Gott gehört alles, was das Leben ausmacht, somit erst recht das Verzagen. In dem wir ihm in unserem Gedenken Raum verschaffen, ruht unsere Existenz in Erbarmen. 
Woran denken wir, wenn das Leben uns die Sprache verschlägt?

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Das Schwache herzen

Was nicht in Hände und Füße übergeht, hat keinen Wert.
„Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es tust.“

5. Mose 30, 14
Gott ist keine Idee, Gott ist Ereignis. Seine Worte sind nicht nur großartige, bewundernswerte Gedanken, sie sind Leidenschaft und Kraft. Ein Wort von ihm, und die faszinierendsten Gebirgsketten entstehen. Auf sein Wort wurden Himmel und Erde. Wenn Gott spricht, bewegen sich Welten. Oder die Anfrage bei Jesus, sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund. Seine Worte sind keine Rede, sie sind tätige Liebe. Sie füllen nicht nur den Mund, sondern sind die ganze Lebendigkeit seiner Existenz. Das Wort kommt nicht von Gott, Gott ist das Wort. Sein Wort ist Fleisch und Blut geworden. Wo das Wort ist, ist der erlösende Christus. Im Wort fällt Gottes ganzes Erbarmen auf den Menschen. Das Wort hebt aus dem Staub, aus der Erniedrigung der unerlösten Menschheit.
Menschenworte dagegen bleiben oft im Munde stecken. Wieviel großartige Versprechen, wieviel großartige Absichtserklärungen, wieviel ernstgemeinte Vorsätze, die im Konflikt der Pflichten auflaufen. Von unseren großen Worten kommt so wenig an der Basis an. Irgendwo kommt da immer das richtige Leben dazwischen. Plötzlich ist ein lieber Mensch nicht mehr da, den wir immer noch mal besuchen wollten. Wir wissen um die Not, die nach uns ruft, doch das Getriebe in dem wir stehen, hält uns wie einen Gefangenen. 
Allesentscheidend ist der kleine Unterschied. Ist das Wort im Mund oder auch im Herz. Wo das Wort das Herz, das Zentrum allen Wollen und Fühlen erfasst, wird es zur Tat. Fromm reden ist ekelhaft, wenn es nicht gelingt über seinen Schatten zu springen, um den Menschen, der uns verletzt hat zu umarmen. Das Wort im Herzen schafft Persönlichkeiten, die von Versöhnung getrieben sind. Sie reden nicht von Liebe und hochgeistlichen Erkenntnissen, sondern sind diejenigen, die einen wunderlichen, belastenden, altgewordenen Vater nicht nur ertragen, sondern offenherzig und liebevoll auffangen. Das Wort redet nicht, es herzt die Schwachen.
Wo lässt sich erkennen, dass das Wort unser Herz getroffen hat?

Mehr als Nadelstreifen

Der Volksmund sagt: es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
„Meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.

Jes. 61, 10
Kleider machen Leute. Wir leben neben der Schnäppchenstadt Metzingen, wo sich fast alles um Kleider dreht. Da sieht man viele neue Kleider und alte Gesichter. Heute erleben wir Gott als Kleiderfabrikant. Menschen werden von ihm neu eingekleidet. Die Wirkung ist frappierend. Es entsteht dadurch nicht unbedingt ein neues Outfit, nicht das schicke Dressing, nach dem sich die Leute umdrehen, es entsteht eine Gemütsverwandlung. Nicht die Schale wird aufpoliert, sondern der Kern veredelt. Gott ist kein Verpackungsdesigner, sondern Persönlichkeitsentwickler. Wo Gott anzieht, geht er ans Eingemachte. Da erscheint die Person nicht anders, da ist sie anders. Mit seinen Kleidern wechselt er vom Schein zum Sein.
Gottes Kleider sind das reine Evangelium. Wo er in Heil und Gerechtigkeit kleidet, stülpt er nicht eine Hülle über, sondern da zieht Christus ein. Er bleibt nicht an der Oberfläche, sondern erfüllt und durchdringt. Da wird kein edler Anzug über einen fauligen Inhalt gezogen, da werden die fauligen Stellen erneuert. Wer das Heil anzieht, überdeckt nicht das Unheil, sondern begegnet dem Unheil als Geheilter. Wer in Gerechtigkeit gekleidet wird, erfährt als Sünder ein Resett. Da wird die quälende Anklage in uns auf null gestellt. Da fällt Druck ab, weil uns Vergeben umarmt. Mit dieser Einkleidung leben erneuerte Menschen im alten Umfeld. Nicht die Rahmenbedingungen des Lebens ändern sich, sondern, wie sich der neu Eingekleidete in diesen alten Umständen bewegt. 
Nicht weil jetzt die schwere Krankheit oder die stressende Beziehung abfällt verändert sich etwas, sondern dadurch, dass ein neu eingekleideter Mensch anders mit diesen widrigen Situationen umgeht. Wer von innen heraus entlastet ist, kann in Lasten fröhlich sein. Ihm verschlägt es nicht den Atem, wenn es ihm den Hals abschnürt. Fröhlich kommt nicht von Nadelstreifen, fröhlich kommt aus der geheilten Seele. Die richtige Kleidung macht´s, dass wir jedem Wetter trotzen können.
Was ziehen wir heute an?

Frieden denken, kreist Unruhe ein

Wenn Gott denkt, weicht bei Menschen die Unruhe.
„Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“

Jer. 29,11 
Wie Gott über Menschen denkt, so verhält er sich auch ihnen gegenüber. Die Gegenüberstellung zwischen Frieden und Leid lässt tief blicken. Gott denkt Frieden. Er denk Versöhnen und Vergeben. Er denkt an Christus in uns, der uns alles erschließt was Gott ausmacht. Er denkt an das in Ordnung kommen, allen Leides. Er hat nur den einen Gedanken: Herrlichkeit. Wo Gott an Frieden denkt, will er Menschen in sein Geheimnis einweihen. Da sollen Welten aufgehen und unendliche Ruhe einkehren. Frieden ist nicht Waffenruhe, sondern Heimat finden. Der Mensch ist bei Gott zuhause. In dieser Heimat wird der Mensch stimmig.
Gedanken des Leides hegt der Mensch. Obwohl er für den Unfrieden in der Welt verantwortlich ist, schiebt er ihn immer wieder Gott in die Schuhe: Warum lässt Gott das zu! Doch Leid war nie im Schöpfungsplan, denn alles war sehr gut. Gedanken des Leides interpretiert der Mensch in Gott hinein. Gottes Umgang mit dem Leid ist Erbarmen. Auch dem Leid begegnet Gott mit Gedanken des Friedens. Er geht schöpferisch mit Unheil um. Leid ist somit keine isolierte Größe mehr. Wo Friedensgedanken auf das Leid treffen, fällt Regen in der Wüste. Gedanken des Friedens lassen die vertrocknete Rose von Jericho ihre eingerollten Blätter ausrollen und aus braun grün werden. 
Weil Gott die Gedanken des Friedens hegt, können unruhig, gestresste Seelen aufblühen. Es sind die Gedanken, die in wilden Zeiten Heimat geben. Sie legen die Hoffnung der Herrlichkeit in aufgescheuchte Gemüter. Somit keimt in schwerstem Leid Hoffnung auf. Es wird grün, wo die Menschen rot sehen. Wo Gott Frieden denkt, liegen in den Fragmenten unseres Lebens, Meilensteine für die Zukunft. 
Wenn Gott Frieden denkt, warum sollten wir uns da von unserer Unruhe einkreisen lassen?  

Meer-Nähe

Wir sind von unfassbarer Nähe eingehüllt.
„Die mit Schiffen auf dem Meere fuhren und des Herrn Werke erfahren haben und seine Wunder auf dem Meer: Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.“

Ps. 107, 23-24, 31
Um die Nähe Gottes aufzumalen gibt es kaum ein besseres Bild als das Meer. Wenn Gott das Meer ist, dann ist jedes Schiff von nichts anderem als von Gott getragen. Wer sich auf das Meer begibt, schwimmt auf Nähe. Jeder Augenblick wird zum Wunder, weil die scheinbare Gefahr, von Gottesgegenwart erfüllt ist. Es besteht nur das eine Risiko, dass wir in Gott fallen. Das Hinausfahren zu unbekannten Ufern wird nicht zur Lebensbedrohung, sondern zu einem Hineinfahren in den sichersten Halt. Je mehr wir die Stürme zu fürchten haben, umso mehr hüllen uns die Wellen in die Nähe Gottes. In den Gefahren des Alltags ist mehr Gott drin, als wir je vermuten. Das Unberechenbare wird zum Gottesereignis. Die Herausforderungen unserer Tage zum Wunder.
Nähe Gottes ist absolut. Im Lehrtext heißt es: Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Woher kommt es dann, dass uns Gott manchmal so weit weg erscheint? Wenn Gott da ist, der Christus in Brot und Wein in uns eingeht, dann ist er sogar mitten in uns. Er ist uns näher als wir uns selbst sind. Nähe Gottes ist so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Wenn Gott da ist, können wir uns nur fragen, wo sind wir dann? Wo Gott uns weit weg vorkommt, können wir den Spieß nur umdrehen und die Frage an uns richten. Nähe Gottes ist nicht die Frage an Gott, sondern an den Menschen. 
Wir sollen die Wunder unserer Tage entdecken. Es geht um ein Hineinspüren in die Güte, die uns umgibt. Wir werden zu Wunder-Suchern in unseren Stürmen. Die Dankbarkeit wird zum Klangkörper in den Wellen, die über uns zusammenschlagen. Die scheinbare Gottesferne wir zur Erfahrung von Nähe, weil das Unheil von dem Heil aufgefangen wird. So gilt es dankbar zu werden, weil wir wissen und erfahren, dass Gott seine Schiffe auch bei Gegenwind in den Hafen bringt.
Wenn so viel Nähe in uns ist, wo sollten wir da über Verlassenheit klagen?