Schichtwechsel für den Geist

Seid ein lebendiger Ausdruck der Güte Gottes: Güte in eurem Gesicht, Güte in euren Augen, Güte in eurem Lächeln, Güte in eurem warmen Gruß. Mutter Teresa

„Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer.“
Spr. 14, 31

Pfingsten ist kein erhebendes Gefühl, in dem mein Geist in höheren Sphären schwebt, sondern es ist ein Geist der durch Mark und Bein geht und in Händen und Füßen ankommt. Pfingsten ist Christus bei den Menschen. Es ist Erbarmen für eine ungerechte und blutende Welt. Es ist die höchste Güte, die im Geringsten eine Wohnung findet. Es ist der nahe Gott für die Ausgestoßenen. Menschengeist wird mit Heiligem Geist beseelt. Unser Geist wird mit Jesus-Geist durchdrungen. Damit kommt Gott ganz in die Niedrigkeit der Welt. Flächendeckend geht damit Christus an die Hecken und Zäune, zu denen, die unter die Herrschaft der Gewaltigen gekommen sind. Er kommt zu denen, die unter dem Unrecht von Menschen und Systemen leiden. Durch den Geist sind die Glaubenden die Brückenköpfe für die Armen. Sie haben durch den Geist den Weitblick für die Brennpunkte dieser Welt. Sie machen sich durch den Geist die Hände schmutzig und zünden das Feuer des Lebens an. Der Geist formt sich Menschen, die zu Handlangern Gottes werden. Da tritt mein Geist, meine ganze Existenz zurück, um sich von diesem göttlichen Geist erfüllen und gebrauchen zu lassen. An Pfingsten ist Schichtwechsel zwischen meinem und Gottes Geist. Der Glaubende steht voll und ganz unter der Macht und dem Einfluss des Schöpfers, den es zu seinen Geschöpfen drängt. Wir werden mit Haut und Haaren zur Leidenschaft Gottes. Das Lächeln Gottes funkelt aus unseren Augen und gibt denen, die nichts zu lachen haben ihr Lächeln zurück.

Wo Pfingsten nur eine erhebendes Halleluja auslöst und bewegte Herzen in Ekstase versetzt, jedoch nicht zur Handreichung für die Armen wird, ist es fromme Gefühlsduselei, die Gott lästert. Lobpreisgesänge sind wunderbar erhebend, sie verzücken die Seele und schaffen eine fesselndes Gefühl von Einheit, doch wo sie nicht zum Unrecht der Menschen führen, die unter ihren Zwängen leiden, wirkt nicht der Heilige Geist. Das ist dann eher ein Geist für Selbstverbraucher und ein Geist des sich Wohlfühlen-Wollens. Der Heilige Geist zeigt sich daran, wie er durch verwandelte Menschen im Schmutz der Welt ankommt. Er redet nicht nur nette Worte, sondern löst die Ketten der Gefangenen. Pfingsten ist ganz praktisch und bodenständig. Da kann die Güte auch einmal dem Bösen die Stirn bieten. Güte steht auf gegen Gewalt und Unrecht. Der Geist entlarvt das Spiel der Stolzen und Überheblichen. Der Pfingstgeist wird für die Unaufrichtigen ungemütlich, da leuchtet das Licht in die Schatten der Nacht. Er wird zu einem Feuer, das die Geringen aus dem Staub erhebt und die scheinbar Großen in ihren Grundfesten erschüttert. In diesem Geist ist die Gerechtigkeit und Güte Gottes zur Welt gekommen. Diese Güte will in die allerletzte Beziehung hineindringen. Alles, was diesem Geist keinen Raum lässt, wird dem Schöpfer zur Last. Wer nur singt und nicht handelt, ist dem Geist lästig. Er lästert den Schöpfer, der alles mit Güte durchdringen will. In uns lebt ein Geist, der mit Güte die Herzen der Menschen erwärmen will.

Wo verbrauchen wir diesen Geist nur für unsere schönen Gefühle und lassen in nicht durch Hände und Füße in diese Welt fließen?

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Freier geht nicht

Der Mensch ist königlich frei, in dem, wie er auf äußere Reize und Ereignisse reagiert und antwortet.

„Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.“
Ps. 145, 9

Wo Gott gütig ist und sich erbarmt, ist Polen noch nicht verloren. Da kann es noch so katastrophal auf dieser Welt und zwischen den Menschen zugehen, da ist einer nie fertig mit dem, was seine Geschöpfe so ablassen. Gott lässt sich nicht von einem Sündenfall und einer Apfelgeschichte beeindrucken, auch nicht von den daraus resultierenden Folgen der Vergänglichkeit und der Unfreiheit. Wo die Güte sich erbarmt, antwortet sie nicht auf das Vergehen, sondern ringt um Leben und Freiheit. Dort wo der Mensch durch den Griff zum Apfel seine Freiheit aufgegeben hat, zum Bösen nein zu sagen, sagt das Erbarmen wieder ja. Das Erbarmen sagt: Mensch, ich habe dich zum gestaltenden Gegenüber der Schöpfung und meiner Werke geschaffen, da will ich dich zurückhaben. Das Erbarmen findet sich nicht mit der Vergänglichkeit ab, die der Adam in die Welt brachte. Was der erste Mensch an Zwängen und Gebundenheit in die Welt brachte, soll der zweite Mensch, Christus, wieder befreien. Der neue Adam bringt die Gegenbewegung in alle Schöpfung. Das Erbarmen lässt nicht locker, um dem Menschen seine ihm zugedachte Freiheit wieder zu geben. Dass Gott gütig ist und sich all seiner Werke erbarmt, führt Menschen über ihre Grenzen hinaus. In Christus hat der Mensch alle Freiheit zum Bösen nein zu sagen. Er stellt in eine Freiheit der Gegenwart Gottes. Da die Freiheit das größte Geschenk Gottes an den Menschen ist, steht sie immer in der Beziehung mit Gott. Alle Loslösung von ihm begrenzet diese Freiheit. Christus ist das Erbarmen Gottes, mit der er die ganze Schöpfung aus ihren Zwängen befreit. Güte und Erbarmen lässt uns wieder zu Menschen werden, wie sie von Gott gedacht sind.

Paulus schreibt: Auch die Schöpfung wird frei werden von der der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Hierin liegt das ganze Kapital des Glaubens. Leben ist dadurch nicht vergänglichkeitsgeprägt, sondern freiheitsgeprägt. Wir haben die Freiheit, uns nicht vom Übel dieser Welt bestimmen zu lassen. Wir sind nicht die Gefangenen, der Verletzungen anderer. Das Erbarmen macht zu einer Liebe fähig, gegenüber dem, der Böses will. Wir sind völlig frei zu entscheiden, wie wir mit Verletzungen und Beleidigungen umgehen. Wir sind nicht mehr das Opfer von Misshandlungen anderer, sondern können unter allen Widrigkeiten aufstehen und unser Leben in die Hand nehmen. Es ist ein Irrtum zu glauben, was einmal im Leben versaut wurde, daran hätten wir ein Leben lang zu tragen. Weil wir aus dem Erbarmen heraus leben, haben wir in jedem Augenblick die Freiheit, unserm Leben eine neue Richtung zu geben. Wo die Schöpfung frei geworden ist, braucht sich niemand mehr in einer Opferrolle verstecken. Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes braucht keine Schuldige mehr zu suchen. Sie kennt all die Spannungen des Lebens, sie kennt jedoch genauso die Macht, sich in allen Spannungen zu erheben. Durch das Erbarmen haben wir diese Freiheit.

Wir haben in jedem Augenblick die freie Wahl zu entscheiden. Macht uns das Erbarmen nicht kraftvoller?

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Barmherzig ist nicht dumm

Wer nicht auf sein Recht beharrt, dem sind alle Dinge möglich.

„Der Herr ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und es reut ihn bald die Strafe.“
Joel 2, 13

Was der Mensch auch tut, Gott findet immer einen Grund zur Barmherzigkeit. Die ganze Erde ist eingehüllt in den warmherzigen Mutterschoß Gottes. Das ist das starke Gegenstück zur eiskalten Unbarmherzigkeit des Menschen. Um dem Erbarmen auf den Grund zu kommen, ist es hilfreich, die Härte des Rechts aufzumalen. Gnadenloses Recht muss strafen. Dem Verstoß gegen geltendes Verkehrsrecht, folgt der Bußgeldkatalog. Bei dem Versuch zu diskutieren, bekommt man knallhart Gesetzte vorgebetet. Keine Toleranz, kein Erbarmen, es zählt allein das Recht. Der Beamte, der seinen Strafzettel einfordert, hat recht, ist im Recht und kann sich gnadenlos durchsetzen. Er braucht kein Herz, kein Verständnis, keine Liebe. Er kann sich gut fühlen, weil er dem Gesetz Genüge getan hat. Wo allein das Recht regiert, hat der Mensch verloren. Er kann sich dem Urteil nicht entziehen. Der Ordnungshüter degradiert sich zu einem nur reagierenden Wesen, das sich durch einen Verstoß in Bewegung bringen lässt und dabei seine eigene Freiheit aufgibt.

Wenn Gott Mensch wäre, hätte die Liebe keinen Platz in der Welt. Wo Gott gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte ist, pocht er nicht mehr auf das Recht. Er geht in der Verfehlung auf den anderen zu – und das kann nur der Liebende. Erbarmen ist der Anfang von Versöhnung mitten in der Schuld. Güte macht sich nicht abhängig vom Unguten. Darin zeigt sich Gottes freiheitliche Persönlichkeit, die sein Handeln nicht vom Unrecht bestimmen lässt. Aus Liebe zum Menschen steht Gott über dem Gesetz. Durch Christus stellt er das Miteinander zu seinen Geschöpfen nicht mehr infrage. Barmherzigkeit ist das bedingungslose ja zu DU. Es ist das Erbarmen im Vergehen. Die Güte spricht uns frei von geltendem Recht. Barmherzigkeit ist keine Dummheit, die Schuld einfach zudeckt, sondern die aktive Liebe, die Schuld in Freiheit verwandelt. Das ist ein aktiver, liebender Bezahlungsprozess. Das warme Herz verwandelt durch seine Zuwendung das kalte Herz. Erfahrene Barmherzigkeit ist weit mehr als befreiende Vergebung. Sie will in ihrer Wärme das Eis schmelzen lassen. Sie will Menschen zur Liebe befähigen. Sie will uns selbst zu Bastionen der Barmherzigkeit machen.

Wie schnell ziehen wir über unrechtem Verhalten anderer einen Strich. Da braucht es nicht viel, und es ist mit Recht das Tischtuch zerschnitten. Ohne Barmherzigkeit werden Menschen zu Tyrannen. Da demonstrieren wir bewusst Kälte, wenn der andere sich nicht nach unseren Vorstellungen verhält. Ohne Güte, fallen Türen ins Schoß. Auch wenn wir uns selbst gegenüber nicht barmherzig sein können, wird es auch andern gegenüber nicht gelingen. Barmherzigkeit ist das Getriebeöl für alles Miteinander.

Wenn wir selbst von Güte getragen sind, können wir da noch eiskalte Striche ziehen?

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Gott tickt anders

Wir werden nie verstehen, wie ein Verbrecher am Galgen, noch heute mit Christus im Paradies sein wird.

„Herr, deine Güte reicht soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Ps. 36. 6

Die Güte des Herrn ist für den Menschen so unfassbar, wie der ganze Kosmos, in dem die Entfernungen mit Lichtjahren gemessen wird. Die Güte zeigt sich am Stärksten, wie Gott mit denen umgeht, die nicht gut sind. Hier ist der gravierende Unterschied zu uns Menschen. Er liebt nicht nur die, die ihn lieben, er liebt auch die, die ihn hassen, die ihn verspotten, die ihm den Rücken kehren und ans Kreuz nageln. An der Feindesliebe zeigt sich die echte Liebe. An der Feindesliebe offenbart sich die Güte. Gott liebt die Widerspenstigen und Überzwerchen. Die Güte, ist die Liebe, die das Heil ihres Feindes will. Die Güte will nicht verdammen, sie will erlösen. Gott haut nicht in die Pfanne, sondern nimmt die Schuld der Welt auf seine Verantwortung. Dort wo wir sagen, selber schuld, der hats nicht anders verdient, der gehört weggesperrt, fängt Gott an zu leiden. Die Liebe findet sich nie mit der Entgleisung des Menschen ab, gerade auch dort, wo sie in Terror, Gewalt und Tod ausformt. Gott leidet unter jeder Form der Zerstörung. Er leidet unter der sündigen Menschheit. Er leidet unter meiner und deiner verunglückten Liebe. Diese unsagbaren Leiden sind die Quelle der Güte. Je abgrundtiefer der Mensch, umso unendlicher die Güte. Diese Güte hat seinen Gipfel, am dunkelsten Punkt der Menschheitsgeschichte, dem Kreuz Christi. Darin zeigt sich für alle Zeit was Güte ist. Von Kreuz zu Kreuz ruft Jesus dem Verbrecher zu: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Das sagt er zu dem, der es verdient hat zu sterben. Dieser Verbrecher hatte keine Zeit mehr, für ein einziges gutes Werk auf dieser Erde. Das Paradies öffnete ihm einzig Christus, keine menschliche Handlung.

An solch einer Güte, könnte man fast irre werden. Nicht Strafe muss sein, sondern Liebe muss sein. An dieser Güte werden wir uns die Zähne ausbeißen. Sie konzentriert sich nicht auf ein einziges gutes Werk des Menschen, sondern auf die Gnade Christi. Wo wir mit Paulus konsequent von Christus her denken, erkennen wir: Die Liebe, die Gott uns entgegenbrachte, hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht, obwohl wir tot waren in unseren Verfehlungen – durch die Gnade seid ihr gerettet. Die Güte kann nicht verdammen, die Güte errettet. Gott klagt nicht an, sondern hat sich durch Christus zu Güte durchgelitten.

Wer diese Güte und Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, kann weder sich selbst noch andere verdammen. Unter der Güte können wir uns über andere kein Urteil erlauben. Gott tickt anders. Bei ihm gilt eine andere Gerechtigkeit. Der Staat und die Gerichte dieser Welt haben ihren berechtigten göttlichen Auftrag, das Gute zu fördern und das Böse zu strafen, doch für Gottes Gericht gilt ein anderes Gesetz. In der Güte erbarmt sich Gott durch Christus.

Wo so viel Güte ist, können wir da unseren Nächsten in Ungnade stürzen?

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Fürsorge fliegt durch die Luft

In der Gärtnerei ist unser Kater Michel Herr im Haus und die Freude der ganzen Belegschaft.

„Herr, du hilfst Menschen und Tieren.“
Ps. 36, 7

In der ganzen Schöpfung spiegelt sich der Schöpfer. Mensch, Tier und Pflanzen sind solch ein fein durchdachtes System, das sich gegenseitig erhält und trägt. Ein organischer Kreislauf, und das bezogen sein auf die Natur, ist der Lebensraum, der uns geschenkt ist. Menschen und Tiere bedingen und ergänzen sich. Sie sind sich zum gegenseitigen Erhalt und Freude geschaffen. Der ganze Kosmos ruht in diesem Zusammenspiel. Wenn unser Michel uns mit durch die Gärtnerei begleitet, wenn er in seiner Mooskiste auf dem Arbeitsplatz liegt, sind das Glücksmomente für beiden Seiten. So ein paar Schmuseeinheiten neben der Arbeit, durchbrechen schnell mal das hastige Getriebe. Für viele sind Hund und Katze zum Familienmitglied geworden, die manche einsame Stunde überbrücken. Wo Gott den Tieren hilft, tut er dem Menschen etwas Gutes. Umfassend und feinfühlig ist er, in dem was er schafft. Wo er die Vögel ernährt, die nicht säen und ernten, fliegt seine ganze Fürsorge durch die Luft. Unser ganzer Lebensraum ist, wo wir gehen und stehen von Wohlwollen und Liebe durchströmt. Es trägt die Handschrift eines Versorgers, der allem Lebenden seine Hände auftut. Da findet die Biene ihr Blume, das Schaf sein Gras, der Fisch sein Plankton. Im Grundgedanken der Schöpfung ist an alles gedacht und keiner übersehen. Da tobt sich der Liebhaber des Lebens nach allen Regeln der Kunst aus. Somit steckt in jedem Augenblick, im kleinsten Winkel alles Geschaffenen, die ganze Gegenwart Gottes. Die Natur ist schwanger mit Gottes Güte. Fleisch, Milch und Honig auf unserem Tisch, sind die Liebesgaben dieser Fürsorge.

Wo Güte der Pulsschlag der Schöpfung ist, hat der Mensch einen Gott, der nichts übersieht. Wo Gott sieht, hilft er umfassend. Er hilft auch dann noch, wo der Mensch ihn verlässt. Seine Hilfe wird zur Passion. Das Kreuz ist das letzte Zeichen davon, wie tiefgreifend und umfassend Hilfe ist. Die dunkelste Stunde der Menschheitsgeschichte, ist der Gipfel der Güte. Selbst wo wir die bittersten Pillen des Lebens verdauen müssen, sind wir nie ohne die Schmuseeinheiten des Schöpfers. Aus seiner Fürsorge kann kein Mensch oder Tier herausfallen.

Sind nicht jeder Vogel, der über unseren Kopf fliegt, jedes Augenpaar, das uns treuherzig anschaut, Zeichen dafür, dass nichts und niemand vergessen ist?

Von Glückseligkeit verfolgt

Ewigkeit kommt zu jedem Zeitpunkt vor. Elazar Benyoetz

Aus einem der größten Trost-Psalmen kommt die volle Wucht der Gottes Güte. Wir sind die von Erbarmen Verfolgten. Der Reichtum von Gottes befreiender Kraft, wird uns überall hinterherschleichen. Wohin uns unsere Wege auch führen, quer durch die finstersten Täler, hängt uns die Erlösung an den Füßen. Wo Gutes und Barmherzigkeit allgegenwärtig sind, ist Christus mitten in der größten Hölle. Der menschliche Ausnahmezustand ist Gottes Präsenz. Mitten in der „Todes-Schatten-Schlucht“, wie Martin Buber diese Stelle übersetzt, bricht Herrlichkeit an. Ewigkeit ist der Schatten aller Nacht. Wer vom Guten verfolgt ist, dem klebt Glückseligkeit an den Fersen. Was auch kommt, es wird sich zum Guten wenden. Das ist die Gesamtaussage, die über unserem Leben steht. Wir können aus dem Hause Gottes nicht herausfallen. Wir werden für alle Zeiten in seiner Gegenwart bleiben. Im Leben und Sterben, sind wir des Herrn. Alle Ängste, Kämpfe und schrecklichen Ereignisse, die wir erleben, können uns nicht von dieser Tatsache wegreißen. Das heißt, es wird für allen Zeiten das Bittere nie isoliert im Raum stehen. Alles was geschieht, alles was wir durchmachen, geschieht innerhalb des Hauses des Herrn. Das Haus des Herrn umfasst das Elend der Welt. Egal was wir im Augenblick von dieser Herrlichkeit erkennen, sie umgibt uns wie die Luft die wir achtlos einatmen. Die Herrlichkeit, dieses Haus des Herrn erhält uns am Leben, gerade wenn wir sterben. Somit kann der Tod, keine Katastrophe mehr sein; kein Unglück, ein untröstlicher Schrecken. Jedes Schicksal geschieht in der absoluten Gottesgegenwart.

Wieviel Wärme kommt daraus in die Eiseskälte unserer Tage. Da ist alle Verzweiflung von Hoffnung verfolgt. Da kann ein Bonhoeffer aufrechten Hauptes seines Galgens entgegen gehen. Damit verlieren die schlimmsten Befürchtungen ihre Angst. Wer auf Schritt und Tritt vom Guten verfolgt ist, braucht kein Übel zu fürchten. Wer immerdar im Hause des Herrn bleibt, braucht in keinem Zerbruch mehr Angst haben. Dieser Trost entspannt all unseren Stress. Er gibt Gelassenheit in allen Turbulenzen. Da kann in aller Aufregung, der Herzrhythmus ruhig bleiben. Wir sind geborgen, auch wenn der Sturm, dem Haus, das Dach abdeckt.

Wenn wir in diesem Hause zuhause sind, wenn wir vom Guten verfolgt sind, welcher Schrecken will uns da noch nachschleichen?

Vor Güte explodieren

Es sind die vielen kleinen Freundlichkeiten, die die Menschen aufbauen und am Leben erhalten.

Herr, die Erde ist voll deiner Güte; lehre mich deine Gebote.“

Ps. 19, 64



In kleinen Freundlichkeiten liegt große Kraft. Die Güte des Herrn sind die unscheinbaren Liebesperlen, die tagtäglich auf unsere Teller fallen. Da bringt uns einer ganz unerwartet zum Schmunzeln. Gestern war Nikolaus. Der Gang in den morgendlichen Speisesaal war ein Überraschungseffekt. An jedem Platz stand ein Teller mit einem Schokonikolaus, der auf rotgoldenen eingewickelten Pralinen gebettet war. 20 mal ein unerwarteter Blickfang, der in müde Gesichter ein Strahlen brachte. Gottes Gebote sind Güte und Freundlichkeit, damit muntert er die Welt auf. Güte ist die unverhoffte Liebesgabe, die die Seele streichelt. Da ist eine ausgestreckte Hand, die mir Gutes tut. Eine Kleinigkeit, die Welten in Bewegung bringt. Für einem Moment entgleisen die starren Furchen im Gesicht und formen sich zu einem entspannten Lächeln. Güte erfüllt nicht nur ihre Pflicht, sondern ist das Quäntchen mehr, das Herzen elektrisiert. Da rührt sich das ganze Wohlwollen, die Hingabe zum Du, das den anderen aus der Reserve lockt. Gott ist Güte pur. Er will mit Gutem überraschen, er will mit winzigen Impulsen zum Leben wecken. Da ist ein ständiges Necken und Herausfordern. Gott hat Lust uns mit Gutem zu überschütten, um dadurch unseren Trott zu verwandeln. Da kommen laufend Hallo-Wach-Impulse. Die Krippe ist solch ein Liebes-Impuls, der in die Schockstarre der geängstigten Menschen fällt.
Wo wir seine Gebote lernen, hat das nichts mit Katechismus zu tun. Es ist das Lernen der Güte. Es ist das Tagesgeschehen zu durchbrechen, für einen Moment der Freundlichkeit. Der selbst Beschenkte muss zwangsläufig andere beschenken. Meine Gaben bauen den Nächsten auf. Nach der Nikolaus-Attacke am Morgen, habe ich mich zu einer Blumenüberraschung hinreißen lassen. Der Real-Markt hatte gestern einen Blumenstrauß bestellt, den ich zustellen durfte. Die Empfangsdame mit ihrer Kollegin bedauerten, dass sie nicht selbst die Adressaten für diese Blumen waren. Sie bemerkten beiläufig, dass sie sich auch einmal über eine weiße Rose freuen würden. Ich fuhr in den Laden zurück und nach einer Weile dachte ich: Warum nicht? Kurz darauf stand ich mit zwei weißen Rosen am Empfang und löste einen Freudenschrei aus. Die Kollegin wurde über Mikro herbeigerufen, und dann nur noch eine fassungslose Umarmung. 
Güte und Freundlichkeit sind herrliche Gebote voller Überraschungseffekte. 🙂
Was hindert uns, vor Güte zu explodieren?    

Begnadete gehen unfassbare Wege 

Die Zartheit Gottes, ist durch nichts zu überbieten.

“ Herr sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.“

2.Mose 33, 17




Mose stand in einem intensiven Dialog mit Gott, der ihm den Auftrag erteilte, sein Volk in das verheißene Land zu führen. Mose wollte von Gott klare Zeichen, die ihm den Weg zeigen. Da kam es zu der eindrücklichen Szene, in der Gott zu Mose sagte: Verstecke dich in dieser Felsspalte, dann will ich mit meiner ganzen Güte an dir vorüberziehen und dir vorausgehen. In diesem Zusammenhang steht auch die heutige Aussage: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden. Gott in seiner Größe geht total einfühlsam mit seinem Boten um. Er will die ganze Nähe zum Menschen, obwohl ein Mensch diese Nähe gar nicht erträgt. Gott offenbart Herrlichkeit in der Endlichkeit dieser Welt. Das sind Kontraste und Gegensätze, wie Feuer und Wasser. Wo Gott in seiner ganzen Güte vorüberzieht, fällt so viel Licht auf den irdischen Menschen, für die er nicht mehr geschaffen ist. Das wäre eine Sonnenbrandeffekt. Gott lässt sich auf die Verhandlung mit Mose ein und schützt ihn gleichzeitig vor einer Überdosis Herrlichkeit. Wo ein Mensch Gnade vor Gott gefunden hat, legt Gott ein Gespür an den Tag, dass er niemand mit seinem Anspruch überfordert. Wenn Gott im Schutz der Felsen vorübergeht, zeigt nur die Größe an Heiligkeit, die für Menschen unerträglich ist. Gnade finden, ist so viel Gott erfahren, wie in einen Menschen passt.
Maria war genauso eine Begnadete. Der Engel brachte ihr eine horizontsprengende Botschaft. In ihr soll der Erlöser wachsen. Doch wie einfühlsam diese Unvorstellbarkeit vermittelt wird ist umwerfend. Eine zuvorkommend, freundliche Begrüßung: Ave Maria, dann der Schutzmantel: fürchte dich nicht, du hast Gnade vor Gott gefunden. Auf diese Einstimmung folgt das unerwartet Göttliche: Du bekommst ein Kind. Die Gnade macht das unfassbare Große von Gott, menschenverträglich. Da zeigt sich Gott in seiner ganzen Freundlichkeit und Sensibilität. In Christus kommt die ganze Menschenfreundlichkeit Gottes zu uns. Da wird jeder einzelne von uns ein Begnadeter. Christus ist die wohldosierte Führung Gottes die vorangeht. Er ist das „fürchte dich nicht“, wenn unser Leben in neue Herausforderungen gestellt wird. Er ist der freundliche Gruß, wenn wir Wege gehen sollen, die über unser Fassungsvermögen hinausgehen. Mit Christus haben wir die Gnade, dass ein Leben über das Menschenmögliche hinauswachsen kann.
Wie offen sind wir für die Wege, die wir nicht kennen, weil wir Gnade gefunden haben?

Teufelskreise durchbrechen

Ein warmes Herz zu entwickeln, ist eine reife Haltung in einem unreifen Menschen.

Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!“

Ps. 112, 5



Ein Anflug von Seligpreisung kommt da auf einen zu. Gott legt einen Umgangsstil an den Tag, der völlig gegen menschliche Prinzipien geht. Für ihn gilt nicht gleiches Recht für alle, sondern Barmherzigkeit gegen Unrecht. Nicht mehr Auge um Auge, Zahn um Zahn bringt die Welt wieder ins Gleichgewicht, sondern Liebe entwaffnet das Unheil. Wo ihm Unrecht geschieht, macht er nicht den anderen fertig, sondern liebt sich selbst zu Tode. Verletzen beantwortet er nicht mit verletzen, sondern mit heilen. Er durchbricht mit seiner Barmherzigkeit den Teufelskreis. Dort wo ein Wort das andere ergibt, sich die Gemüter erhitzen und im Unfrieden auf einem Scherbenhaufen enden, praktiziert er die Größe des Guten. Frieden entsteht nicht, wenn der Gegner niedergestochen ist, sondern wenn Wunden geheilt werden. Mit Christus geht Gott auf den Menschen zu, der ihm ins Gesicht schlägt, beleidigt und entehrt. 
Menschen leben nach dem Jamaika-Prinzip; eigene Positionen durchsetzen wollen und Miteinander platzen lassen. Sie wollen durch Konfrontation entspannen. Jeder wundert sich, warum  man nicht auf einen Nenner kommt. Doch wo jeder nur das Seine will, und kein höheres Ziel einen antreibt, bewegt man sich auf Sandkastenniveau. Jeder ist sich selbst der Nächste und keiner startet zum Höhenflug durch, indem er das große Ganze vor Augen hat. Die vielen kleinlichen Streitereien und gegenseitigen Verletzungen lösen wir nicht auf Augenhöhe, sondern im über sich selbst hinausgehen, um des höheren Zieles willen. Teufelskreise durchbrechen, können nur die Herzen, die größer werden. Barmherzigkeit verlässt das menschliche Maß von Recht und Gerechtigkeit, und spielt in einer anderen Liga. Was mir zum Wohlergehen dient, tut auch dem anderen gut. Wo wir das Gute und Heil erfahren haben, können wir nur heilsstiftend unterwegs sein. Nicht mehr, wie kann ich den andern in seinem Unrecht in die Pfanne hauen, sondern was dient dem andern in seiner Entgleisung zum Guten. Die Barmherzigkeit nimmt uns in die Verantwortung, liebend zu heilen. 
Wäre es nicht unbarmherzig, die selbst erfahrene Barmherzigkeit, nicht dem anderen zukommen zu lassen?  

In uns frisst nichts mehr

Frisch verliebt, vergibt sich am besten.
„Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.“

Neh. 9, 17
Das ist wahre Größe. Gott ist grenzenlos unabhängig, von allem Unrecht, das ihm geschieht. Wer solche Eigenschaften besitzt, hat das Zeug, die ganze Welt zu erobern. Vergeben, gnädig und barmherzig zu sein, zeigt eine königliche Freiheit, die sich von keinem noch so großen Hass erschüttern lässt. Gott bewahrt sich dadurch seine Menschenfreundlichkeit. Selbst wenn er mit Füßen getreten wird, kann er offenherzig die Hände ausstrecken. Er belastet sich nicht mit Enttäuschung, Vorwürfen und pingeligen Auseinandersetzungen. Er hat sich komplett befreit, vom Kampf ums eigene Recht. Die Zusammenfassung von Vergebung, gnädig und barmherzig sein, von Langmut und reicher Güte heißt Jesus Christus. Mit dieser Begnadigung allen Unrechts, bewahrt sich Gott seine jungfräuliche Liebe zum Menschen. Durch dieses Vergeben, löst er sich aus aller Verkrampfung, die Schuld auslöst. Er kann offen und unbelastet auf jeden zugehen und mit dieser Barmherzigkeit die Welt zum Leben lieben. Da liegt nichts mehr in der Luft, was seinen Drang zum Nächsten zurückhalten könnte. Vergebung macht ihn handlungsfähig, damit seine Güte in voller Wucht auf die Erde fällt. Damit bleibt er uneingeschränkter Schöpfer und Liebhaber des Lebens. Nichts hindert ihn, segnend sein Wohlwollen reichlich zu verschwenden.
Frisch verliebt, liegt ein Anflug dieser Eigenschaften auf einer Beziehung. Wo die Liebe noch heiß und unverbraucht ist, verzeihen wir dem anderen fast jeden Blödsinn. Da kann man gönnerhaft über die kleinen menschlichen Schwächen hinweg gehen. Von anderen wird man bereits schief angeschaut, wenn man in den unterschwelligen Sticheleien, lächelnd darüber hinweg sieht. Wo die Liebe stark ist, ist die Vergebungsbereitschaft hoch. Doch wenn der Alltag nagt, Fehler sich wiederholen und die Länge die Last trägt, fällt das vergeben immer schwerer. Der Frust wird immer größer, die Belastung unerträglich. Da braucht es den Befreiungsschlag der ersten Liebe. 
Mit Christus stellen wir uns in die Selbstheilungskraft der Vergebung. Erfahrene Barmherzigkeit braucht nicht mehr anrechnen. Wer den gnädigen Gott erlebt, muss nicht mehr krampfhaft ums eigene Recht kämpfen. Er befreit sich selbst durch das Vergeben, von den Lasten die ihm zugefügt werden. Wo wir vergeben, können wir aufatmen, unabhängig vom Verhalten des anderen. Da nagt und frisst in uns keiner mehr. Durch das vergeben werden wir zu einem Menschen der frisch verliebt ist. Da ist nichts was uns aufhalten könnte, diesen neuen Tag als unbelastetes Geschenk zu gebrauchen.
Warum lernen wir nicht viel schneller zu vergeben, um frei zu werden für eine unverbrauchte Liebe? 

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.