Vor Güte explodieren

Es sind die vielen kleinen Freundlichkeiten, die die Menschen aufbauen und am Leben erhalten.

Herr, die Erde ist voll deiner Güte; lehre mich deine Gebote.“

Ps. 19, 64



In kleinen Freundlichkeiten liegt große Kraft. Die Güte des Herrn sind die unscheinbaren Liebesperlen, die tagtäglich auf unsere Teller fallen. Da bringt uns einer ganz unerwartet zum Schmunzeln. Gestern war Nikolaus. Der Gang in den morgendlichen Speisesaal war ein Überraschungseffekt. An jedem Platz stand ein Teller mit einem Schokonikolaus, der auf rotgoldenen eingewickelten Pralinen gebettet war. 20 mal ein unerwarteter Blickfang, der in müde Gesichter ein Strahlen brachte. Gottes Gebote sind Güte und Freundlichkeit, damit muntert er die Welt auf. Güte ist die unverhoffte Liebesgabe, die die Seele streichelt. Da ist eine ausgestreckte Hand, die mir Gutes tut. Eine Kleinigkeit, die Welten in Bewegung bringt. Für einem Moment entgleisen die starren Furchen im Gesicht und formen sich zu einem entspannten Lächeln. Güte erfüllt nicht nur ihre Pflicht, sondern ist das Quäntchen mehr, das Herzen elektrisiert. Da rührt sich das ganze Wohlwollen, die Hingabe zum Du, das den anderen aus der Reserve lockt. Gott ist Güte pur. Er will mit Gutem überraschen, er will mit winzigen Impulsen zum Leben wecken. Da ist ein ständiges Necken und Herausfordern. Gott hat Lust uns mit Gutem zu überschütten, um dadurch unseren Trott zu verwandeln. Da kommen laufend Hallo-Wach-Impulse. Die Krippe ist solch ein Liebes-Impuls, der in die Schockstarre der geängstigten Menschen fällt.
Wo wir seine Gebote lernen, hat das nichts mit Katechismus zu tun. Es ist das Lernen der Güte. Es ist das Tagesgeschehen zu durchbrechen, für einen Moment der Freundlichkeit. Der selbst Beschenkte muss zwangsläufig andere beschenken. Meine Gaben bauen den Nächsten auf. Nach der Nikolaus-Attacke am Morgen, habe ich mich zu einer Blumenüberraschung hinreißen lassen. Der Real-Markt hatte gestern einen Blumenstrauß bestellt, den ich zustellen durfte. Die Empfangsdame mit ihrer Kollegin bedauerten, dass sie nicht selbst die Adressaten für diese Blumen waren. Sie bemerkten beiläufig, dass sie sich auch einmal über eine weiße Rose freuen würden. Ich fuhr in den Laden zurück und nach einer Weile dachte ich: Warum nicht? Kurz darauf stand ich mit zwei weißen Rosen am Empfang und löste einen Freudenschrei aus. Die Kollegin wurde über Mikro herbeigerufen, und dann nur noch eine fassungslose Umarmung. 
Güte und Freundlichkeit sind herrliche Gebote voller Überraschungseffekte. 🙂
Was hindert uns, vor Güte zu explodieren?    

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Begnadete gehen unfassbare Wege 

Die Zartheit Gottes, ist durch nichts zu überbieten.

“ Herr sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.“

2.Mose 33, 17




Mose stand in einem intensiven Dialog mit Gott, der ihm den Auftrag erteilte, sein Volk in das verheißene Land zu führen. Mose wollte von Gott klare Zeichen, die ihm den Weg zeigen. Da kam es zu der eindrücklichen Szene, in der Gott zu Mose sagte: Verstecke dich in dieser Felsspalte, dann will ich mit meiner ganzen Güte an dir vorüberziehen und dir vorausgehen. In diesem Zusammenhang steht auch die heutige Aussage: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden. Gott in seiner Größe geht total einfühlsam mit seinem Boten um. Er will die ganze Nähe zum Menschen, obwohl ein Mensch diese Nähe gar nicht erträgt. Gott offenbart Herrlichkeit in der Endlichkeit dieser Welt. Das sind Kontraste und Gegensätze, wie Feuer und Wasser. Wo Gott in seiner ganzen Güte vorüberzieht, fällt so viel Licht auf den irdischen Menschen, für die er nicht mehr geschaffen ist. Das wäre eine Sonnenbrandeffekt. Gott lässt sich auf die Verhandlung mit Mose ein und schützt ihn gleichzeitig vor einer Überdosis Herrlichkeit. Wo ein Mensch Gnade vor Gott gefunden hat, legt Gott ein Gespür an den Tag, dass er niemand mit seinem Anspruch überfordert. Wenn Gott im Schutz der Felsen vorübergeht, zeigt nur die Größe an Heiligkeit, die für Menschen unerträglich ist. Gnade finden, ist so viel Gott erfahren, wie in einen Menschen passt.
Maria war genauso eine Begnadete. Der Engel brachte ihr eine horizontsprengende Botschaft. In ihr soll der Erlöser wachsen. Doch wie einfühlsam diese Unvorstellbarkeit vermittelt wird ist umwerfend. Eine zuvorkommend, freundliche Begrüßung: Ave Maria, dann der Schutzmantel: fürchte dich nicht, du hast Gnade vor Gott gefunden. Auf diese Einstimmung folgt das unerwartet Göttliche: Du bekommst ein Kind. Die Gnade macht das unfassbare Große von Gott, menschenverträglich. Da zeigt sich Gott in seiner ganzen Freundlichkeit und Sensibilität. In Christus kommt die ganze Menschenfreundlichkeit Gottes zu uns. Da wird jeder einzelne von uns ein Begnadeter. Christus ist die wohldosierte Führung Gottes die vorangeht. Er ist das „fürchte dich nicht“, wenn unser Leben in neue Herausforderungen gestellt wird. Er ist der freundliche Gruß, wenn wir Wege gehen sollen, die über unser Fassungsvermögen hinausgehen. Mit Christus haben wir die Gnade, dass ein Leben über das Menschenmögliche hinauswachsen kann.
Wie offen sind wir für die Wege, die wir nicht kennen, weil wir Gnade gefunden haben?

Teufelskreise durchbrechen

Ein warmes Herz zu entwickeln, ist eine reife Haltung in einem unreifen Menschen.

Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!“

Ps. 112, 5



Ein Anflug von Seligpreisung kommt da auf einen zu. Gott legt einen Umgangsstil an den Tag, der völlig gegen menschliche Prinzipien geht. Für ihn gilt nicht gleiches Recht für alle, sondern Barmherzigkeit gegen Unrecht. Nicht mehr Auge um Auge, Zahn um Zahn bringt die Welt wieder ins Gleichgewicht, sondern Liebe entwaffnet das Unheil. Wo ihm Unrecht geschieht, macht er nicht den anderen fertig, sondern liebt sich selbst zu Tode. Verletzen beantwortet er nicht mit verletzen, sondern mit heilen. Er durchbricht mit seiner Barmherzigkeit den Teufelskreis. Dort wo ein Wort das andere ergibt, sich die Gemüter erhitzen und im Unfrieden auf einem Scherbenhaufen enden, praktiziert er die Größe des Guten. Frieden entsteht nicht, wenn der Gegner niedergestochen ist, sondern wenn Wunden geheilt werden. Mit Christus geht Gott auf den Menschen zu, der ihm ins Gesicht schlägt, beleidigt und entehrt. 
Menschen leben nach dem Jamaika-Prinzip; eigene Positionen durchsetzen wollen und Miteinander platzen lassen. Sie wollen durch Konfrontation entspannen. Jeder wundert sich, warum  man nicht auf einen Nenner kommt. Doch wo jeder nur das Seine will, und kein höheres Ziel einen antreibt, bewegt man sich auf Sandkastenniveau. Jeder ist sich selbst der Nächste und keiner startet zum Höhenflug durch, indem er das große Ganze vor Augen hat. Die vielen kleinlichen Streitereien und gegenseitigen Verletzungen lösen wir nicht auf Augenhöhe, sondern im über sich selbst hinausgehen, um des höheren Zieles willen. Teufelskreise durchbrechen, können nur die Herzen, die größer werden. Barmherzigkeit verlässt das menschliche Maß von Recht und Gerechtigkeit, und spielt in einer anderen Liga. Was mir zum Wohlergehen dient, tut auch dem anderen gut. Wo wir das Gute und Heil erfahren haben, können wir nur heilsstiftend unterwegs sein. Nicht mehr, wie kann ich den andern in seinem Unrecht in die Pfanne hauen, sondern was dient dem andern in seiner Entgleisung zum Guten. Die Barmherzigkeit nimmt uns in die Verantwortung, liebend zu heilen. 
Wäre es nicht unbarmherzig, die selbst erfahrene Barmherzigkeit, nicht dem anderen zukommen zu lassen?  

In uns frisst nichts mehr

Frisch verliebt, vergibt sich am besten.
„Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.“

Neh. 9, 17
Das ist wahre Größe. Gott ist grenzenlos unabhängig, von allem Unrecht, das ihm geschieht. Wer solche Eigenschaften besitzt, hat das Zeug, die ganze Welt zu erobern. Vergeben, gnädig und barmherzig zu sein, zeigt eine königliche Freiheit, die sich von keinem noch so großen Hass erschüttern lässt. Gott bewahrt sich dadurch seine Menschenfreundlichkeit. Selbst wenn er mit Füßen getreten wird, kann er offenherzig die Hände ausstrecken. Er belastet sich nicht mit Enttäuschung, Vorwürfen und pingeligen Auseinandersetzungen. Er hat sich komplett befreit, vom Kampf ums eigene Recht. Die Zusammenfassung von Vergebung, gnädig und barmherzig sein, von Langmut und reicher Güte heißt Jesus Christus. Mit dieser Begnadigung allen Unrechts, bewahrt sich Gott seine jungfräuliche Liebe zum Menschen. Durch dieses Vergeben, löst er sich aus aller Verkrampfung, die Schuld auslöst. Er kann offen und unbelastet auf jeden zugehen und mit dieser Barmherzigkeit die Welt zum Leben lieben. Da liegt nichts mehr in der Luft, was seinen Drang zum Nächsten zurückhalten könnte. Vergebung macht ihn handlungsfähig, damit seine Güte in voller Wucht auf die Erde fällt. Damit bleibt er uneingeschränkter Schöpfer und Liebhaber des Lebens. Nichts hindert ihn, segnend sein Wohlwollen reichlich zu verschwenden.
Frisch verliebt, liegt ein Anflug dieser Eigenschaften auf einer Beziehung. Wo die Liebe noch heiß und unverbraucht ist, verzeihen wir dem anderen fast jeden Blödsinn. Da kann man gönnerhaft über die kleinen menschlichen Schwächen hinweg gehen. Von anderen wird man bereits schief angeschaut, wenn man in den unterschwelligen Sticheleien, lächelnd darüber hinweg sieht. Wo die Liebe stark ist, ist die Vergebungsbereitschaft hoch. Doch wenn der Alltag nagt, Fehler sich wiederholen und die Länge die Last trägt, fällt das vergeben immer schwerer. Der Frust wird immer größer, die Belastung unerträglich. Da braucht es den Befreiungsschlag der ersten Liebe. 
Mit Christus stellen wir uns in die Selbstheilungskraft der Vergebung. Erfahrene Barmherzigkeit braucht nicht mehr anrechnen. Wer den gnädigen Gott erlebt, muss nicht mehr krampfhaft ums eigene Recht kämpfen. Er befreit sich selbst durch das Vergeben, von den Lasten die ihm zugefügt werden. Wo wir vergeben, können wir aufatmen, unabhängig vom Verhalten des anderen. Da nagt und frisst in uns keiner mehr. Durch das vergeben werden wir zu einem Menschen der frisch verliebt ist. Da ist nichts was uns aufhalten könnte, diesen neuen Tag als unbelastetes Geschenk zu gebrauchen.
Warum lernen wir nicht viel schneller zu vergeben, um frei zu werden für eine unverbrauchte Liebe? 

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Wir sind für Wunder geschaffen

Es sind die Gotteswunder, die die Menschen auf einen Punkt konzentrieren.
„Die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden: Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an Menschenkindern tut.“

Ps. 107, 3.8
Das Zentrum der Gottesoffenbarung liegt im Kreuz. Aus allen Himmelsrichtungen führt Gott die Menschen auf den Kernpunkt seiner Güte zusammen. Der Sitz der Fülle Gottes, von dem alles Heil und alle Wunder an den Menschen ausgeht, konzentriert sich auf Jesus Christus. Er ist der Mittelpunkt Gottes. Das ist der Kreuzungspunkt, all dessen was lebt.  Aus ihm entfaltet sich alles was Gott hat und ist. An dieser einen Schnittstelle versöhnt Gott die Menschen mit sich. Es ist das Zentrum des Friedens zwischen Himmel und Erde. Auf diesen Punkt führt Gott alles zusammen. Es ist der Mittelpunkt von Gottes Vollmacht. In Christus öffnet sich für die Menschen die ganze Fülle der Welt Gottes. 
An Christus offenbart sich für die Menschen das Außergewöhnliche Gottes. Da wird Leben zum Wunder, weil Gotteshandlungen im Menschlichen geschehen. In Christus steht dem Menschen die ganze Fülle Gottes zur Verfügung. Der Glaubende steht in dem Reichtum von Liebe und Kraft, von dem sich selbst und Gott erkennen. Er steht damit in dem Vermächtnis, das Tod und Nacht überwunden ist. Das Gute ist, dass in Christus der Mensch gottdurchlässig wird. Wo der Mensch auf Christus konzentriert wird, lebt in ihm diese Fülle und dieses Wunder. Dem Glaubenden ist viel mehr in die Hände gelegt, als er überhaupt wahrnimmt und ausschöpft. 
Warum sehen wir so sehr auf unsere Mängel, auf all das was das Leben schwer macht? Warum hört unser Glaube dort auf, wo unsere Möglichkeiten am Ende sind? Was Gott auf diesen Kreuzpunkt zusammengebracht hat, hat Kräfte, die nicht in uns liegen. Wir können aus der Fülle schöpfen und müssen das einfach nur tun. Diese Schnittstelle ist für belastete Menschen gemacht, dass sie nicht unter Lasten zerbrechen. 
Wo verwandelt sich unser Jammer in Dankbarkeit, über die Wunder die an uns und durch uns geschehen?

Blühen ist stärker

Das Aufrichten und Stärken ist immer größer, als alle Niedergeschlagenheit.
„Der Herr verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.“

Klagel. 3, 31-32
Erbarmen ist Gottes großes Thema. Das ist sein Manifest gegen alle Zerstörung. Gott findet sich nie mit Leid ab. Er ist der starke Gegenpol, zu allem, was über den Menschen hereinbricht. Güte schockiert den Terror.
Menschen neigen dazu, sich vom Übel bestimmen zu lassen. Wenn ein Unglück passiert, wenn Beziehungen zerbrechen, wenn Miteinander belastet oder angefeindet ist, dann kommt oft danach der Zweifel an Gott. „Gott hat mich wohl vergessen und verlassen!“ Wo´s dick kommt, wo wir unten durch müssen, wo Glaube kein Zuckerschlecken mehr ist, da gehen uns die Lichter aus. Da konzentriert sich der Blick nur noch auf das Elend. Ganz leicht lassen wir uns in die Ausweglosigkeit buchsieren. 
Neben allen Härten, die wir erleben, steht die Güte. Das Schwere, das Böse ist von dem Guten eingekreist. Leid steht immer im Erbarmen. Das Ungute ist zeitlich befristet, durch die ewige Güte. Da ist eine permanent lebensschaffende Kraft, die das Erdrückende erdrückt und überdauert. Da ist für den Gelähmten die Aussicht, wieder auf eigenen Beinen stehen zu können; da werden sich die Blinden an der Schönheit einer Blume erfreuen können. Der augenblicklich, unerträgliche Zustand, verliert angesichts der Güte seine bedrohende Macht. Wo Gott sich erbarmt, ist das Schicksal entmachtet. Da werden wir im Leid aufgerichtet und gestärkt. Da ist die schwierigste Situation  nie mehr ohne Hoffnung. Da wird durch Christus das Leid mit Herrlichkeit verbunden. Da ist der Schmerz nicht das Ende, sondern der Anfang des Erbarmens, das wieder aufrichtet
Wo die Güte bestimmt, flieht das betrübt sein. 

Beflügelt uns in der Blindheit bereits die Farbe der Blume? 

Vom Liebe verzaubert 

Gottesfurcht, inszeniert weltbewegendes Kino.
Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“

Ps. 85, 10,11
Ein Liebesfilm der besonderen Klasse läuft hier vor unseren Augen ab. Eine Beziehung, eine Leidenschaft, wie aus einer anderen Welt. Ein Küssen und Begegnen, das schon einen weltfremden Touch hat. Wenn Gerechtigkeit und Frieden sich küssen, sind wir doch im falschen Film? Güte und Treue turteln verliebt umher. Ein grasser Gegensatz, zu dem, was wir täglich erleben. 
Gott träumt als Regisseur diesen Traum. Er schafft diese Wirklichkeit. Diese hochedlen Werte, die die Mensch täglich verwirtschaften, die menschlich letztlich nie erreichbar sind, kommen aus ihm. Gott hat sich hier nichts vorgenommen, sondern er ist diese Wertskala in sich. Güte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden sind seine Persönlichkeitsmerkmale. Das Gute ist seine Existenz. Das Richtige, alle organisch funktionierenden Abläufe liegen in seiner Präsenz. Treu ist er in seinem endlosen Ja zu allem Geschaffenen. Im Frieden kommt in ihm alles zur inneren Genesung. Dieses leidenschaftliche Liebesspiel wirft Gott in das Chaos der Welt. Mit diesem unwirklichen Roman, setzt er eine neue Realität, in die ungerechte Wirklichkeit der Treulosen. Alle Härten, alles Ungute, alle Gereiztheit des Lebens, küsst er mit Güte. Sein Liebesspiel schafft das total Andere, von dem wir nur träumen können. Sein Küssen und Begegnen erhält die Welt am Leben. 
Die Ehrfurcht vor ihm ist das Gefäß, das diese Küsse auffängt. Wo das Leben aus allen Wunden blutet, erfährt derjenige die Hilfe, der diese Umarmungen an sich zulässt. Diese Liebkosungen muss man lieben lernen, damit aufgescheuchte Herzen Frieden finden. 
Wenn die Hilfe so nah ist, sind wir denn bereit, uns auf dieses Liebesspiel einzulassen?

Perlen für die Aufgescheuchten 

alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen.
„Du Herr, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; lass deine Güte und Treue allewege mich behüten.“

Ps. 40, 12
Glaubensleben kann man nie isoliert und auf sich bezogen betrachten. Leben ist nicht das was wir daraus machen, sondern was Gott daraus macht. Leben ist Erbarmen, ist Zuwendung Gottes. Leben ist Geschenk des Höchsten. Der Psalmbeter hat etwas Grundlegendens kapiert. Wenn Gott seine Gnade abzieht, lebt der Mensch in Unfrieden. Ohne Erbarmen bleibt der Mensch im Chaos. Das Leben fädelt sich an Gottes Güte und Treue auf. Wenn Gott nicht auf der Hut wäre, könnten wir uns alle Arme und Beine herausreißen und kämen nicht zur Ruhe. Güte und Treue sind Gottes Antwort auf die Unrast der Menschen. 
Wo der Mensch auf sich selbst gestellt ist, ist Unfrieden, Ruhelosigkeit der Normalzustand. Wo nicht Gottes Güte regiert, wird es ungemütlich. Nur weil Gott treu ist, kann der Mensch im Chaos atmen. Weil Gott sich zu den Seinen stellt, wird die unruhige Menschlichkeit überwunden. In der Treue Gottes liegt des Menschen Beständigkeit. An seiner Güte kann die kranke Seele genesen. Die Güte lässt ständig den Guten zu uns fließen. Die Güte bringt unablässig die heilmachenden Christus. Güte und Treue sind die Perlen aus Gottes Welt, die in unsere aufgescheuchte Welt fallen. 
Durch die Treue kommt in den Schrecken unserer Tage Festigkeit. Wer sich daruf verlässt, kann sicher durch alle finsteren Strecken des Lebens gehen. Da führen Wege durch, wo wir schon längst keine mehr sehen. Da verliert das Unglück seine Macht, weil in der Treue der Allmächtige handelt. Da können wir in allen Stürmen ruhig bleiben und ruhig werden. Gottes Treue tröstet alle Hilflosigkeit. Wir können stehen und entschlossen unsere Wege gehen, weil es nicht an unserem Vermögen, sondern an seiner Treue liegt.
Warum wollen wir oft so schnell aufgeben, wenn diese Treue hinter uns steht?

Da werden Mächtige machtlos 

Freiheit, liegt in einem Gedanken Gottes.

„Der Herr dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich. „

Ps. 136, 23

Gedanken schaffen Taten. Denken hat die Absicht, sich zu verwirklichen, sich zu materialisieren. Wenn Gott denkt, ist das die Krönung allen Schaffens. Da kommen Welten in Bewegung. Ein Gedanke Gottes ist Schöpfung. Da war ein neuer Tag, da waren Menschen und Tiere, da wurde aus Finsternis Licht und aus Chaos ein Paradies. „Und alles war sehr gut.“ Wenn Gott denkt, entfaltet sich das Leben. Da fällt Güte auf die Erde. Da wird die Welt von dem Guten geküsst.
Diese Erfahrung macht das Volk Israel in seiner ganzen Geschichte. Wo Gott an sie dachte, war die Gefangenschaft in Babylon, Ägypten und in den deutschen KZ´s nicht das Aus. Wo die Güte denkt, werden die Mächtigen machtlos. Wenn die Güte in die Unterdrückung fällt, durchbricht ein Sonnenblumenkern den Asphalt. Wenn Gott an uns denkt, will er die Bedrängten frei machen. Christus ist der Freiheitsgedanke Gottes. Mit Christus fällt die Güte auf vertrocknetes Land. Wo dieser Freiheistgedanke Menschen erfasst, kann nichts mehr auf der Welt gefangen nehmen. Da wirkt eine schöpferische Freiheit, mitten in dem täglichen Gefangensein. Noch in der tiefsten Krise entsteht eine Aufbruchstimmung. Wo Christus frei macht, kann kein Mensch in der Menschenverachtung zerbrechen. Da bekommen die Schmerzen des Lebens, die uns lähmen und gefangennehmen wollen, ewige Güte aufgetischt. Da muss zwangsweise jede Nacht hell werden. Wo Gott an uns denkt, können die Unterdrückten aufatmen.
Gott denkt an uns. Warum sollte soviel Güte nicht genügen?
Einem gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Wir sind wertvoll 

bei Gott stehen wir ganz hoch im Kurs.
„Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.“

Ps. 33, 22
Zum dem Schrecklichen gehört, was wir als Blumenhaus neben dem Friedhof erleben, die sogenannte „anonyme Bestattung“. Da wird ein wertvoller, hochbegabter und einzigartiger Mensch, wie ein verendetes Tier verscharrt. Verbrannt, in die Dose verbannt und im Erdloch versenkt. Alles ohne Namen, ohne einen Stein oder Kreuz. Kein einziger Hinweis, dass dieses Wunderwerk der Schöpfung einmal war. Im Nirwana verschwunden. Aus einer Bestattungskultur wird eine Entsorgungskultur. Oder wie es im dritten Reich hieß: Der Einzelne ist nichts, das Volk ist alles. Solch eine Bedeutungslosigkeit schreit zum Himmel.
Diesem Verachtungsdenken, setzt Gott gewaltig etwas dagegen. Über uns steht seine Güte. Der Gute hat ein Auge auf uns geworfen. Er hat ein persönliches Interesse an dir und mir. Güte ist kein Tortenfguss des Wohlwolles, den Gott über die Erde gießt, sondern Güte meint mich. Da legt einer ganz großen Wert auf uns. Wir sind keine Noname. Jesus sagt: freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Wir haben für Gott eine große Bedeutung. Bei ihm sind wir kein Massenprodukt; einer von vielen. Wir sind bei ihm namentlich bekannt. 
Wo wir Kunden mit dem Namen begrüßen geschieht oft ein verwundertes Aufhorchen. „Was sie kennen meinen Namen, das freut mich aber.“ Jemand der nicht damit rechnet, ist angenehm überrascht und wächst spontan um zehn Zentimeter. Jemand mit Namen kennen baut auf.

Das ist Güte, dass Gott ausgerechnet uns kennt. Ihm kommt es auf uns an. Unsere Person hat für alle Zeiten eine Bedeutung. Gott legt Wert darauf, dass es uns gibt. Für ihn wäre es schrecklich, wenn wir in der Bedeutunglosigkeit verschwinden. Es ist wichtig, dass wir da sind. Genau in uns will er alles Gute, all das, was ihn ausmacht hineininvestieren. Güte holt uns aus der Grauzone des Niemandlandes. 
Wir können hoffen, wir können strahlen, wir können aus aller Belanglosigkeit aufstehen. Wir wachsen und werden aufgerichtet, durch eine Güte, die uns bedeutend macht.
Wie stellt diese Güte, uns und unseren Nächsten in solch einen hohen Kurs?