Vom Ernährungsberater empfohlen

Joh. 6, 30-35

30 »Wenn wir an dich glauben sollen«, wandten sie ein, »musst du uns schon beweisen, dass du im Auftrag Gottes handelst! Kannst du nicht ein Wunder tun? Vielleicht so eines wie damals, als unsere Vorfahren in der Wüste jeden Tag Manna aßen? ….
»Ich bin das Brot des Lebens«, sagte Jesus zu ihnen. »Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben. 

 

Wer gesund leben will, muss sich unter anderem mit seinem Essen auseinandersetzen. Manch einer sagt: Die Gesundheit liegt im Darm. Also dort, wo mein gutes Essen in Einzelteile zerlegt wird. Wir müssen einfach alles einmal vom Darm aus andenken.  „Darm mit Charme“, heißt es heutzutage. Das schwarze Schaf unter den Organen, das einem doch bisher eher unangenehm war. Übergewicht, Depressionen und Allergien hängen mit einem gestörten Gleichgewicht der Darmflora zusammen. Das heißt umgekehrt: Wenn wir uns in unserem Körper wohl fühlen und glücklicher werden wollen, müssen wir unseren Darm pflegen. Das legen die neusten Forschungen nahe.

Unser heutiger Text will sich mit den Essgewohnheiten der Glaubenden beschäftigen.

 

  • Weil´s besser schmeckt

 

Die Bibel spricht immer wieder lebensfroh von Essen und Trinken. Jesus wird im Gegensatz zu dem asketisch lebenden Täufer, sogar Fresser und Weinsäufer geschimpft (Matth. 11.19). Sicher nicht, weil er ein üppiges Leben führte, doch aber weil er die Gaben seines Vaters lebensfroh genossen hatte. Das alttestamentliche Gottesvolk freut sich über das „Fette Mahl“ und Jesus spricht im Gleichnis vom verlorenen Sohn, von einem großen Fest mit geschlachteten Ochsen und Mastvieh. Wir brauchen Brot. Paulus bekennt in großer Freiheit, ich kann beides, satt sein und hungern, weil mich nichts von der Liebe Gottes trennen kann. Er ist dennoch weit davon entfernt, die Fragen unserer leiblichen Existenz herunterzuspielen. Menschen auf dieser Welt verhungern lassen und sie auf den Himmel zu vertrösten, dafür kann man sich nicht auf Christus berufen.

Hunger ist, wenn es uns weh tut, wenn etwas mangelt und auf den Tod hinweist. Wir haben das Leben nicht in uns, so dass wir es selbst produzieren können. Wir brauchen Nachschub und den Darm, der diesen in Energie umsetzt. Wir leben aus fremdem Leben. Nicht nur wenn wir unser Schnitzel genießen, sondern auch bei den Früchten. Wir entziehen sie bei unserem Verzehr ihrer Bestimmung, zu reifen und sich zu vermehren. Damit wir leben können, muss anderes sterben. Wenn wir essen, ziehen wir etwas nicht Menschliches in unseren Stoffwechsel ein. Alles, was lebt, muss sterben, früher oder später. Wir brauchen das Brot, um nachfolgendes Leben fortzusetzen. Mit dem Brot des heutigen Tages, gibt der Schöpfer einen weiteren Tag unseres Lebens dazu.

Schmerz und Hunger sind alarmierende Signale, dass im Körper irgendetwas nicht richtig funktioniert. Sie erinnern uns daran, dass wir unsere Lebendigkeit nicht aus uns selbst haben und erst recht nicht produzieren können. Der Hunger demonstriert, dass wir von etwas abhängig sind, dass wir etwas anderes brauchen, dass wir immer auf Kosten von anderen leben. Gottes ja zum Leben zeigt sich daran, dass er durch Sterben, Leben erhält. Leben ist die feierliche Schwingung von Geben und Nehmen. Gottfried Voigt sagt in einer Ethikvorlesung: „Einem Christen schmeckt es besser als anderen Menschen.“ Er kann genießen, weil er diese Zusammenhänge versteht.

Wir brauchen das natürliche Brot.

 

  • Üppig vegetieren

 

Menschen richten ihr Leben „artgerecht“ ein. So wie zum Vogel der Nestbau gehört, gehört zum Menschen Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung. Viele leben nur für diese Brotfrage, zur Sicherung ihrer Existenz. Weil Jesus dem Volk in der Brotvermehrung Nahrung verschafft hat, wollten sie ihn zum König machen. Selbst für Glaubensmenschen ist es schwer zu begreifen, dass Jesus viel mehr will, als nur Wunder vollbringen und die Menschen mit dem alltäglichen zu versorgen. Es wird richtig zäh, als er klar machen will, dass nach diesem Brot wieder der Hunger einsetzt.

Ihm geht es um ein Essen das vorhält und den Hunger dauerhaft stillt. Er will nicht nur sattes organisches Leben, er will pralles nie endendes Leben. Wo die Menschen ihr gesichertes Einkommen haben, schickes Haus mit Garten, einen reichlich gedeckten Tisch, haben sie ausgesorgt. Wenn die Schulden weg sind und die Lager voll, können wir entspannt in die Zukunft gehen. Jesus sagt: auch wenn alles gut geregelt ist, die Dinge des täglichen Lebens unser Dasein erleichtern, verschönen, glücklich und reich machen, ist das nicht alles. Der wahre Wohlstand ist für Jesus, das Leben, das ewig ist. Dort wo Leben aus dem Tod überwunden ist, und die Gesetzmäßigkeit des Hungers aufgelöst ist. Auch wenn man alles erreicht, was erstrebenswert scheint, kann man das typisch Menschliche verfehlen. Man kann üppig vegetieren, ohne wirklich zu leben.

Richtig lebendig werden wir dort, wo wir zum Person sein erwachen. Dort wo wir zum verantwortlichen Ich gegenüber dem Du werden. Leben entfaltet sich, wo wir das Dasein in seinen Chancen und Aufgaben begreifen und ergreifen. Glaubende wirken die Werke Gottes. Das ist weit mehr als Selbsterhaltung und Daseinsbefriedigung. Leben ist die Antwort auf die Anrede Gottes. Gemeinschaft mit Gott, macht menschlich. Weil Gott uns gefunden hat, sind wir befreit von dem nur Natürlichen. (Leben, um zu essen, essen, um zu leben)

Etwas davon haben die Leute in Kapernaum begriffen. Leben kommt nicht aus der Welt, sondern aus dem Brot vom Himmel. Ihr Hunger verlangt mehr als das irdische Brot. Und trotzdem liegt ihnen am Brot. Sie suchen die besondere Gabe Gottes, die unablässig satt macht. Sie suchen das immerwährende Manna das vom Himmel fällt. Sie konzentrieren sich voll auf das „mehr als Brot“ und merken nicht, dass es um das Brot selbst geht.

Jesus selbst ist diese Gabe vom Himmel. Das Mannawunder, das sie von ihm erwarten, ereignet sich gerade in dem Christus, der vor ihnen steht.

 

  • Mehr als essen

 

35 »Ich bin das Brot des Lebens«, sagte Jesus zu ihnen. »Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben.  

Ihr wollt Brot, ihr wollt, dass ich euch etwas gebe, ihr wollt mich zum Wundertäter degradieren?  Ich bin das Brot. Ich gebe euch kein Brot, ich bin es, sagt Jesus.

Hier kommt ein gewaltiger Knick in das fromme Ernährungsverständnis. Das „mehr als Brot“, ist keine weitere Produktveredelung, keine Steigerung des bisher servierten, es ist eine Beziehung. Lebenshunger wird in einer lebendigen Begegnung mit Christus gestillt. Hier wird kein weiteres neues Lebensmittel auf den Markt geworfen, mit dem man an diesem anderen, christlichen Leben Anteil hat, sondern Christus selbst ist dieses Lebensmittel. Ich bin das Brot, ist gleichbedeutend mit, ich bin der Weg, ich bin die Auferstehung und das Leben. Christus bringt hier nichts, er ist es.

Wie das Brot unentbehrlich für den Leib ist, ist Christus unentbehrlich für das Leben im Glauben.  Jesus ist nicht nur eine große oder kleine Bereicherung für ein frommes Leben, das man sich dazu buchen kann, wenn man das will. Wenn er Brot ist, ist er das bedingungslos. Mein Auto fährt nur mit Super 98 und nicht mit Rapsöl oder Kuhmilch. Auch wenn alle Kreaturen auf dieser Erde dadurch bestehen, dass Gottes Schöpferwort über ihnen ausgesprochen ist, besteht der Mensch nicht nur aus dem Wort, das über ihn, sondern an ihn ergangen ist. Christus will in uns eingehen, dass wir die Gemeinschaft mit Gott nicht verfehlen.

Wir haben Leben nicht aus uns selbst, wir empfangen es. Leben als Eucharistie. Wo der gekreuzigte Christus in uns verstoffwechselt wird, feiert der Glaube seine Auferstehung. Wir leben aus fremdem Leben; wir leben aus diesem Tod, der uns lebendig macht.

Voigt: Gäbe der vom Himmel Gekommene sich nicht in unser gegen Gott verschlossenes Leben hinein, dann blieben wir in der Tat von der Quelle des Lebens abgeschnitten. Wenn alle unsere Wünsche in Erfüllung gingen, und Christus mit seinem Wort nicht in uns einginge, wäre der Hunger nach dem echten Leben unstillbar. Christus will auch nicht allein das Gespräch mit ihm, er will in uns ein- und in uns aufgehen. Wir verschlingen ihn, um dienen zu können. Wir werden selbst zur Gottes-Gabe für die Menschen.

Bei solch einer Ernährung beginnt das ewige Leben schon jetzt.

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Ruckzuck sauber

Ratz fatz ist die Platte geputzt.
„Ich will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag.“

Sach. 3, 9
Gott räumt den Dreck weg. Wo die Sünde weg ist, ist die Ungerechtigkeit aus der Welt. Da ist alles weg, was von Gott und dem Leben trennt. Da herrschen saubere Verhältnisse. Wir kennen die Aktion „saubere Stadt“, bei der oft Schüler einen Tag lang die Straßenränder säuberten.
Wenn Gott an einem einzigen Tag die Sünde aufräumt, dann ist das für Gottes Zeitrechnung ein Klacks. Wenn für ihn tausend Jahre wie der gestrige Tag sind, dann ist ein einziger Tag ein winziges Aufblitzen. Blitzartig ist das Unrecht fort und Leben da. Mit Christus ist eine schlagartige Änderung möglich. Von jetzt auf sofort sind wir vor Gott gerecht gemacht. Ratz fatz sind Altlasten weg. Diese Befreiung, dieses Aufatmen wirkt sofort. Mit Schuld fertig zu werden, ist für Christus kein lang dahin schleichender Prozess. Weg ist weg. Kein Nachtragen, kein langwieriges Ausheilen, kein mühsames Vertrauen, das wieder aufgebaut werden muss.
Der von Christus befreite Mensch, kann unbefangen in Grechtigkeit leben. Er lebt als der gerecht Gemachte in einer sündhaften Welt. Von ihm gehen die sauberen Verhältnisse aus, die er in die sterbende Menschheit hineinbringt. Damit wird die Verantwortung wahrgenommen, die wir in der Welt haben. Wir greifen wie Bonhoeffer dem Rad in die Speichen. Da kann man nicht mehr mit der Ungerechtigkeit der Menschen leben. Da geschieht Erneuerung in allem Alten. Das durchzieht unsere Familien und Gemeinschaften, das durchdringt Gesellschaft und Politik. Wem die Lasten abgenommen sind, der kann eine gebeutelte Menschheit aufrichten. Die gerecht Gemachten tragen das Recht, das Richtige und Gute in alles Unrecht.
Leben wir als die Befreiten in unserem Umfeld, oder tragen wir noch an den eigenen Lasten?

Das verwandelt werden macht’s

Reden ist blech, tun ist gold.
„Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel! Sondern bessert euer Leben und euer Tun.“

Jer. 7, 4-5
Gott will keine heiße Luft, Gott will Veränderung. Gott baut durch sein Wort mit Menschen sein Reich. Mit dem Wort wird gearbeitet. Das Wort setzt einen Trupp Arbeiter in Bewegung, die ein Stück Land umkrempeln und darauf ein gewaltiges Erlebniszentrum errichten. Wo Acker und Ödland war, verwirklicht sich ein gigantisches Bauwerk. Reich Gottes, nicht von Menschen geplant, sondern vom Schöpfer entworfen und ins Leben gerufen. Die Arbeiter sind die Mitmacher und MItgestalter dieses Planes. Sie sind die Umsetzer des genialen Willens, indem sie sich von diesem Plan bestimmen lassen. Der Baumeister baut mit Arbeitern, die nicht eigene Pläne in der Tasche haben, sondern sich unter sein hohes Ziel stellen lassen.
Wo Glaubensmenschen wie Unternehmensberater auftreten, die wissen wie Reich Gottes geht, ist Vorsicht geboten. Wer genau weiß, wie lebendige Gemeinde funktioniert, wie eine ansprechende Gottesdienstform auszusehen hat, stellt sich über den Plan des Baumeisters. Er steht nicht unter Gott, sondern darüber. Wer meint, die Strategien Gottes zu kennen, wird von Jeremia der Lügenworte bezichtigt. Wer Rezepte für die eine gottgewollte Kirche ausgibt, tritt als Besserwisser an die Stelle Gottes. Wie Gott handelt, wo er Menschen begegnet, liegt in keinem menschlichen Konzept, sondern allein in seiner schöpferischen Unendlichkeit. 
Menschen verfügen nicht über das Wort Gottes, sondern werden von ihm getroffen. Gott will nicht nur in den Verstand eingehen, sondern mitten ins Herz, in die Willenszentrale der Menschen. Nicht großartig von Gott reden, sondern sich von ihm umgestalten lassen. Reich Gottes sind nicht die erhebenden Worte, beeindruckender Menschen, sondern wo sein Wort in Hände und Füßen Formen annimmt. Wo viel fromm geredet wird, klemmt es oft am Tun. Reich Gottes erkennt man nicht an den Worten, sondern an Menschen, die sich unter dem Wort heiligen lassen.
Zeigt viel Reden nicht oft die Unbereitschaft, sein Leben und Tun verbessern zu lassen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.

Im Tod erkennt man Werte

Wenn das Leben durch die Finger zerrinnt, braucht es Fixpunkte.
„Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!

Ps. 39, 6
Drastische Gegensätze werden hier aufeinander bezogen. Sicher leben, und nichts vor dir. Die allgemeine Lebensgestaltung ist wie Luft. Vor Gott, ist das Menschengemachte kalter Kaffee, wertlos und flüchtig. Hier wird eine bittere Billanz gezogen; ohne Gott, kann man alles vergessen. Da ist nichts was hält, was trägt, oder überhaupt als lebenswert bezeichnet werden kann. Siebzig, achtzig Jahre, ein reiner Flop. Alles Mühen, aller Einsatz, alles was erreicht wurde, nur Schall und Rauch. 
Vor dir, ist der Blick vom Ende her. Was ist noch wichtig, von all dem, was uns umtreibt, wenn wir morgen sterben müssten? Im Angesicht des Todes, erkennen Menschen, was in ihrem Leben wertvoll ist. Sobald ich weiß, dass morgen mein letzter Tag wäre, würde mein Heute anders aussehen. Unser Ende stellt vor Gott. Vor ihm erkennen wir schlagartig alles Nichts. Vor ihm, scheidet sich die Spreu vom Weizen. Vor dem Ewigen, wird uns unsere Vergänglichkeit klar. Das stehen wir nach einem gelebten Leben, mit leeren Händen da.
Daher gehört der Bezugspunkt, des vor dir in unser Heute. Sicher, gehaltvoll, erfüllt kommt aus dem Schöpfer. Im Stehen vor Gott, lösen wir uns aus unserem Nichts. Lebesgestaltung, lebt aus der unmittelbaren Gottesbeziehung. Alles Denken und Tun steht in engem Austausch mit Gott. Da sind wir von Liebe geprägt, von Güte umschlossen und von Treue gefestigt. Da arbeiten wir nicht um zu überleben, da bekommt jeder Augenblick einen bleibenden Sinn. Da verkaufe ich keine Blumen mehr, sondern verteile AHA-Erlebnisse, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Da springt ein Funke Liebe über, der dem Anderen einen unvergesslichen Moment schafft und ihn über seine belasteten Tage trägt. Erst im Stehen vor Ihm, verliert unser Nichts. Da fallen ewige Samen in die vergängliche Erde. Da können wir im Rückblick erkennen, Gott hat seine Spuren in unserem Leben hinterlassen.
Wäre es nicht gut, gerade die Urlaubszeit dazu zu verwenden, unsere grundsätzliche Lebensausrichtung zu Überdenken?   

Schockierende Fragen helfen

Manchmal braucht es konfrontierende Fragen, damit wir wach werden.
„Wer bereitet den Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?“

Hiob 38, 41
Wenn Gott solche Fragen stellt, kratzt er an unseren Zweifeln. Solche Fragen sind bereits peinlich für die Glaubenden. Warum suchen selbst Menschen, die mit Gott leben, immer wieder einen Gottesbeweis? An einem unatraktiven schwarzen Vogel, verdeutlicht er sein grundsätzliches Versorgen. An etwas, was wir schon gar nicht mehr wahrnehmen, beweist er seine lebenserhaltenden Macht. Mit dieser unangenehmen Frage, entwaffnet er die, die ihn hinterfragen. Er sagt damit: warum wartet ihr darauf, dass Feuer vom Himmel fällt, dass eine Wolkensäule vor euch her geht, dass Wunder geschehen, wenn das Wunder meiner Gegenwart im Alltäglichen liegt. Ihr seid jeden Tag umzingelt von meiner Güte und Freundlichkeit. Selbst die Brut der Raben ist versorgt, über was macht ihr euch eigentlich Gedanken.
Gottes Nähe, muss man nicht herbeisehnen und darum bitten. Unsere ganze Existenz ist von den Wirkungen Gottes geschwängert. Jeder gedeckte Tisch, jedes lachende Gesicht, jede lächende Blume, alle blühenden Bäume, satte Gebirgsketten und die glühende Sonne, die im Meer versinkt, strotzen vor Güte. Wenn der Rabe zu essen hat, hat der Glaubende noch viel mehr. Gott ist kein Kostverächter, sondern macht pappsatt. Er deckt nicht nur den Tisch, er versorgt den ganzen Menschen. Er lässt es Leib und Geist schmecken. Wenn er Speise zubereitet sind wir für unser irdisches Leben reichlich versorgt und dann gibt er noch Brot und Wein dazu. Er bereitet uns das Brot des Lebens zu. Mit Christus wird nicht nur unser irdisches Leben ernährt, sondern wir erhalten ein Nahrungsmittel, das allen Hunger stillt. Wir werden für das Ewige gespeist. Wir bekommen noch viel mehr, als wir für unser irdisches Dasein brauchen. In Christus geht Gott bei uns durch und durch. 
Wenn die Raben satt werden und für die menschliche Existenz bis in alle Ewigkeit gesorgt ist, liegt die Not nicht an Gott. Wenn wir zweifeln, liegt es an unserer Kurzsichtigkeit. Wenn alles da ist und wir es nicht erkennen, können wir nicht Gott anfragen, sondern müssen uns hinterfragen. 
Wenn bei den Raben der Tisch gedeckt ist, wieso denken wir dann, dass Gott uns vergessen hat?

Mit sich im Reinen

Wer mit dem Wort in Einklang ist, wird sein eigener Freund.
„Gehorsam ist besser als Opfer.“

1. Sam. 15. 22
Mit „besser als“ wird eine Wertung und Gegenüberstellung gemacht. Etwas ist näher an dem Guten als das andere. Opfer ist schlechter als Gehorsam. Dem Hören auf das Wort, wird mehr Bedeutung zugemessen, als allem Einsatz und Hingabe im Reich Gottes. 
Wo das Wort in uns Raum gewinnt, bringt es uns mehr und mehr in Einklang mit Gott. Im Gehorchen liegt nicht nur das hören, sondern das Eingehen auf das Gehörte. Da wird das Innerste bewegt und geformt. Damit gibt sich der Glaubende, den gestaltenden Kräften seines Schöpfers hin. Gehorsam ist das stückchenweise Einswerden mit Christus. Das ist eine persönlichkeitsverändernde Maßnahme, zum Bau dieses neuen Reiches. Durch den Gehorsam wird der Nachfolger mit sich selber stimmig. Eim Einklang mit dem Wort zu sein, macht den Menschen zu seiner ursprünglichen Person. Er ist mit Gott und sich im Reinen. Die Hingabe an das Wort ist größer, ist tragfähiger als die Hingabe im Dienst.
In einer Bruderschaft kann man das im Alltag beobachten. Da gibt es Brüder und Schwestern, die bringen einen gnadenlosen Einsatz. Sie arbeiten bis zum Umfallen. Sie geben das Letzte, bist fast zum körperlichen Zusammenbruch. Man kann wirklich sagen, bei ihrer Hingabe zur Sache fehlt es an nichts. Doch ihr Opfer hat sie nicht durchgetragen. Einige davon sind nicht mehr in der Gemeinschaft. Manch einer hat sich über sein Opfer definiert. Mein Einsatz, mein Glaube, meine Hingabe. Dabei waren sie bei allem Opfer nicht mit sich und Gott im Einklang. 
Gott will nicht unsere Leistung, er will unser Herz. Er will, im Hören auf ihn verwandeln, was das weit größere Opfer ist. Wo wir uns nur hingeben ohne zu hören, verliert Gottes Gestaltungskraft in unserem Leben. 
Ist ist da nicht gut, wenn wir einen Vergleich anstellen, wie es mit unserem Gehorsam steht?

Lob verbindet Gegensätze

Es ist großartig, wenn die Verschiedenartigkeit der Menschen einen Nenner findet.
„Lobet Gott in den Versammlungen.“

Ps. 68, 27
Das Gotteslob vereint die Glaubenden. Die Christus-Gesinnten verschmelzen in der Anbetung. Unter einem Geist verbinden sich die extremen Unterschiede. 
Verschiedene Menschen unter einen Hut bringen, ist eine herausfordernde bis unmögliche Aufgabe. Die gottgeschaffene Individualität des Menschen birgt in sich das höchste Konfliktpotenzial. Unterschiedliche Meinungen, verschiedene Geschmacksrichtungen, konträre Auffassungen von Dingen und Menschen. Zunächst ein ganz allgemeiner Konfliktpunkt unter den Menschen. Auch in den kirchlichen Gemeinden und in den Gemeinschaften liegt darin Sprengstoff ohne Ende. Die Andersartigkeit des Anderen wird nicht grundsätzlich als Bereicherung gesehen. Somit wird Menschenführung selbst in frommen Kreisen zum Spießrutenlauf. 
Wenn hier vom gemeinsamen Gotteslob gesprochen wird, geschieht unter der Wirkung von Christus etwas ganz Entscheidendes. Glaubende, ďie vor Gott stehen, sind die gemeinsam von Christus Erlösten. Die Begnadigten haben einen gemeinsamen Nenner. Wo Christus das Miteinander zwischen Gott und Mensch in Ordnung bringt, verbindet er diese Menschen untereinander. Wo Menschen dieses Heil erfahren, kann sich die Verschiedenartigkeit wieder in den Armen liegen. Das erneuerte Verhältnis zu Gott, erneuert die Beziehung zum Bruder und zur Schwester. Daraus können wir gemeinsam anbeten. Da treten die mit Gott Versöhnten, durch die Christus-Gesinnung versöhnt an den Altar. Da ist dieser gemeinsame Nenner stärker als alle Gegensätzlichkeit. In diesem Lob treten die Diskussionen in den Hintergrund, ob es mit klassischer oder popularer Musik geschehen soll. Da verbindet sich etwas, trotz gegensätzlicher Auffassungen. 
Ein ehemaliger Dettinger Pfarrer sagte einmal: Um des höheren Zieles Willen können wir mit Verschiedenartigkeit leben. In der Christus-Gesinnung wächst die Geduld mit dem Anderen, und jeder kann sich dort zurücknehmen, wo die Verschiedenartigkeit, das Lob verstummen lassen würde.
Ist es nicht wertvoller und wichtiger uns im Lob zu verbinden, als uns in Sachfragen zu trennen?

Loslassen ist eine Geburt

An jedem Abend stirbt der vergangene Tag, damit am naächsten Morgen ein Neuer zum Leben erwacht.
„Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.“

PS. 116, 8
Sterben und wieder lebendig werden, ist das Thema unseres Lebens. Vom Tode erretten, ist Gottes großes Thema. Gott setzt zu allem Sterben ein Gegengewicht. In all unserem Abwärts liegt ein Aufwärts. Krankheit, Leiden und Schmerzen sind so normal wie sein Retten. Dass Augen weinen, Füße dahingleiten und keinen Halt mehr haben, gehört zum Leben. 
Schwachsein und Sterben gehören zu einem natürlichen Lebensprozess für etwas Neues. Bei der Geburt verlassen wir den Mutterschoß. Wir trennen uns von dem bestumschützten Raum, für ein aufregendes Dasein in Freiheit. Dazu werden wir gestillt und abgestillt. So ist das ganze Leben voller Prozesse des Loslassens, Absterbens, hinter sich Lassens und neu Werdens. Der heutige Tag ist abends vorbei. Er stirbt, wir trennen uns, er ist nur noch Erinnerung. Am nächsten Morgen beginnt etwas Neues. Zwar machen wir oft im alten Trott weiter, nehmen die Schmerzen von gestern ins Heute, doch der neue Morgen hat zunächst etwas total unverbrauchtes, in dem alles möglich ist. 
Wenn Gott vom Tode errettet, hat das mit einer tiefgreifenden Lebensgestaltung zu tun. Rettung ist immer ein Umbruch für das danach. Nichts bleibt im Tod, nichts bleibt im Aus. Gerade dort, wo wir uns als Schach matt sehen, hat Gott noch einen Zug und noch einen. In Retten liegt Gottes schöpferische, befreiende, erlösende und erneuernde Macht. Nach Tränen, nach dem Gleiten kommt noch was. Im Retten liegt aller Trost der Welt. Im Retten liegt die Geburt zum Leben in Freiheit. Vom Tode erretten, bringt das Unsterbliche ins Leben. Da sind die Krisen nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Morgens.
Ist es da nicht möglich, in allem Weinen und Gleiten, diesem Retten viel mehr Bedeutung zu schenken?

Einsicht kommt nicht aus uns

Dass wir in Ruhe und Frieden leben können, liegt nicht in unserer Macht.
„Ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen in Einsicht und Weisheit.“

Jer. 3, 15
Wo Gott Hirten gibt, ist er Herr der Gemeinde. Führung auf allen menschlichen Ebenen geht zuerst von Gott aus. Auch wenn Menschen in Kirche und Staat über uns zu bestimmen haben, laufen die Fäden auf höchster Ebene zusammen. Führung und Machtausübung steht unter göttlicher Hoheit. Wo Menschen herausgerufen sind, über andere zu bestimmen, haben sie ihre Autorität nicht aus sich. Sie sind nie die letzte Instanz, an der die Menschheit steht oder fällt. Über jedem Mächtigen steht ein noch Mächtigerer. 
Wo Gott Hirten nach seinem Herzen gibt, liegt es in der Sache, dass er auch Hirten gibt, die nicht in seinem Sinne regieren. Gott führt auch mit und trotz Despoten. In aller scheinbaren Willkür und des ausgeliefert sein an ungute Herrscher, setzt Gott die Grenzen. 
Doch wenn er Hirten nach seinem Sinn gibt, zeigt er seinen einzigartigen Führungsstil. Er gibt Christus, als ein außergewöhnliches Führungsinstrument in seinem Sinn. Unter dieser Herrschaft wächst Einsicht und Weisheit. Unter dieser Führung entsteht Ruhe und Frieden. Durch Christus können wir überhaupt die großen Linien der  hinter allem erkennen. Das ist entscheidend für den Umgang mit allen Menschen, die ein Hirtenamt oder Führungsrolle haben. Wir können sie nicht zu dieser Erkenntnis bewegen, das ist Gottes Sache. Ein Hirte der mit Einsicht und Weisheit zum Frieden führt, kann nur Gott geben. 
Das prägt unseren Umgang mit den Mächtigen, mit Vorstehern und Gemeindeleitern. Nicht unsere Diskussionen bringen zur rechten Einsicht von Führung, sondern Gott gibt und bewirkt es. Unser Einfluss ist  das Gebet. Paulus sagt: Betet für die Regierenden und für alle, die Gewalt haben. Die Fürbitte ist unser Machtinstrument für gute Hirten. Da geben wir dem die Macht, der alle Macht über die Mächtigen hat. Unsere Auseinandersetzung mit denen, die über uns Macht haben ist das Gebet, weil Gott die Einsicht bewirkt. Dann können wir in Ruhe und Frieden leben.
Müssen wir nicht viel mehr mit Gott reden, als mit unseren Hirten, an denen wir diese Einsicht nicht bewirken können?

Nur tun ist echt

Großschwätzer und Eingebildete sind bedeutungslose Gestalten.
„Lasst euere großes Rühmen und Trotzen; denn der Herr ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen.“

1. Sam. 2, 3
Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert, sagte Adalbert Stifter. Das was aus Gott kommt, ist für die Straße gedacht und nicht für Lippenbekenntnisse. Für Gott ist reden und tun eins. Gott ist immer Handlung. Bei Gott ereignet  und bewegt sich etwas. Gott ist die Welle, die den Surfer darauf tanzen lässt. Gott ist immer praktisch und nie theoretisch. Was er sagt, geschieht. Seine Worte verwandeln sich in tätige Energie. Gott ist ergebnisorientiert, wo am Ende etwas da steht. Seine Worte sind lebendig gewordene Liebe. Sie sind aktive Umarmung, sie sind lebensverändernde Begegnung. Seine Worte bewirken Heilung und richten geknickte  Menschen wieder auf. Bei Gott passiert etwas. Seine Dynamik ist der Pflug, der Scholle um Scholle umbricht, damit Neues werden kann.
Für Gott ist es undenkbar, dass am Ende nichts dasteht. Die Tat ist das Sigel der Echtheit. Wo nur heiße Luft gedroschen wird, ist kein Glaube. Große Lippenbekenntnisse, auf die nichts folgt, haben nichts mit Gott zu tun. Wo der Mensch nur mit eindruckvollen Worten brillieren will, entlarvt er sich als unglaubwürdig. Zu sagen, ich glaube an Gott, und man erkennt kein Brennen in Händen und Füßen, ist eine Montagsproduktion. Wieviel Frömmigkeit spielt sich in großartigen Erkenntnissen statt, die Bewunderung auslösen sollen, und letztlich nur Ausschuss produziert. Man sieht von diesen hohen Ergüssen so wenig. Wo Glaube sich nicht in liebenden Händen und Herzen äußert, offenbart er nur fromme Schwätzer. 
Im Glauben, will der handelnde Gott die Welt durchdringen. Das Erkennungszeichen der Christen sind nicht die eindruckvollen Worte, sondern das Verbinden der Wunden. Sie leben Versöhnung, mit denen, die keiner will und mag. Sie bringen Frieden in gespannte Verhältnisse. Durch sie wird eine tote Welt zum Leben erweckt. An unseren Taten wird man erkennen, dass wir durch Christus erneuerte Menschen sind. Wo man nichts sehen und spüren kann, da ist auch nichts.
Bringt unser Glaube das rechte Gewicht auf die Waage?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.