Befreites Aufatmen

Was wir tun, hat Folgen.

Herr, geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.“
Ps. 143, 2

Der König David erkennt sich als Gottesknecht in seinem Unrecht. Er sieht, wie seine Ideale, wie sein Glaube, mit dem wirklichen Leben auseinanderklaffen. Ihm geht erschreckend auf, wie unstimmig sein Leben ist. Ich will das Gute und tue Böses. Ich will ein frommer und gerechter Herrscher sein, und lasse aus Lust und Eigennutz, einen meiner besten Feldherren über die Klinge springen. Meine Taten schreien zum Himmel. Meine Taten klagen mich an. Das Ergebnis meines Lebens, kann ich vor Gott und der Welt nicht verantworten. Mein Tun spricht eine andere Sprache als mein Wollen. In mir ist etwas nicht richtig, nicht so, wie es dem Leben, wie es Gott entsprechen soll. David erkennt sich in seiner Adams-Natur. Er muss an sich selber feststellen, das Großartige, das Gott will und in mein Leben gelegt hat, dem kann ich nie entsprechen. Aus mir heraus kann ich nicht der Gottesknecht sein, der ich eigentlich sein will. Da ist ständig ein Defizit, da ist ständig ein Mangel, da ist immer eine offene Rechnung, da klagt mich immer eine Schuld an. In diesem Bußgebet, steht er an dem wichtigsten Punkt, an dem ein Mensch stehen kann: Kein Lebendiger ist gerecht vor dir. Es ist die bedingungslose Kapitulation vor Gott. Kein Wenn und Aber, keine Ausreden. Ich bin der Mann. Wer das erkennt, steht unter dem Kreuz. Wer sein eigenes Unrecht erkennt, erkennt seine Erlösungsbedürftigkeit. Er steht damit unmittelbar vor Christus. Aus Gericht wird Gnade. Geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht, ist die tiefe Verwandlung, dass auf unser Tun, Gottes Tun folgt. In Christus ist das Gericht weg. Es ist keine menschliche Leistung, keine noch so intensive Bußübung, keine noch so große Selbstanklage die uns gerecht macht, es ist einzig Christus. Johannes sagt: Wer an Christus glaubt, kommt nicht ins Gericht.

Die Praxis des König David ist die einzige Gangart im Umgang mit dem eigenen Versagen. Hierin liegt der Sitz der königlichen Freiheit eines Christen. Da löst sich aller frommer Krampf, dass wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. An dem Punkt des Erschreckens vor sich selbst steht, braucht sich keiner mehr in irgendwelche Aufgaben hineinopfern, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Manche bringen einen gnadenlosen Einsatz in der Kirche und Gesellschaft, nur deshalb, um Gott gnädig zu stimmen. Oft meinen wir, dass wir durch unsere Hingabe, noch mit zu unserer Erlösung beitragen können. Wir wollen unsere Schlagseiten mit Gutem zudecken. Wir geben unser Opfer, damit Gott ein Auge zudrückt. Doch mit all unserm noch „Dazugeben“ wollen zeigen wir nur, dass wir noch nicht zu unserer eigenen Tragik stehen. Wir wollen unsere Gerechtigkeit selber machen und sind nicht bereit für das Christi. Der Schreck der Selbsterkenntnis kann nur zu Christus führen, damit das Gericht zur Gnade wird. Wo das geschieht, findet ein befreites Aufatmen statt, auch mitten in aller Ungerechtigkeit.

Wo steht unser Leistungsdenken, einem solch befreiten Leben im Wege?

Auslegungen für jeden Tag
https://brtheophilos.wordpress.com/category/predigt/tageslosungen/

Eine Glocke will wieder Danke sagen
www.ebk-blumenmönche.de/bruderschafts_seiten/blumenmoenche__glocke.aspx

Werbeanzeigen

Die Vorwürfe sind weg

Wo Gott richtet entsteht etwas ganz Neues.

„Der Herr wird richten die Völker.“
Ps. 7, 9

Wer richtet, schafft für das Unrecht einen Ausgleich. Wo Gott richtet, findet er sich nicht mit dem, was sich von seinem Guten entfremdet hat ab. Mit Leidenschaft steht er gegen alles was die Liebe zerstört auf. Er kann es nicht ertragen, wenn das Gute und Richtige, das er zum Wohl aller erschaffen hat, verwirtschaftet wird. Für jeden einzelnen seiner Geschöpfe hat er das Beste im Auge, auch dort wo das Leben und die Liebe verunglückt. Gott rückt nie von den genialen Ideen seines Reiches ab, egal wie der Mensch sich entwickelt. Für ihn ist Vollkommenheit die Maxime seines Handelns, und Leben für alle Ewigkeit der Antrieb seines Brennens. Dieses Reich will er über aller Schuld von Menschen aufrichten. Sein Zielfoto heißt Herrlichkeit, das will er gegen allen Widerstand schaffen. Damit steht hinter seinem Richten nicht das Verdammen, sondern das neu schaffen. Wenn er richtet, haut er seine Kinder nicht in die Pfanne, sondern erlöst sie. Hinter dem richten steht sein ganzer Rettungswille. Er will nicht Rache für den Sünder, er will sein Heil. Er braucht sich nicht von menschlichen Verfehlungen beeindrucken lassen. Er kennt keine persönlichen Empfindlichkeiten, die ihn in Rage bringen würden. Gott hat die Macht, sich der Schuld der Welt zu stellen. Er ist ungeheuer belastbar, wo er Übel und Unrecht zu tragen hat. Richten heißt für ihn zurechtbringen, ins rechte Licht rücken, der Sünde einen Christus zu geben. Mit Christus und dem Wort richtet er die Menschen neu aus. Er geht damit ans Eingemachte der Gedanken und des Herzens. Dadurch entsteht die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Richten heißt für ihn, das Wort einpflanzen.

Mit Gottes Richten entsteht im Menschen ein Richtungswechsel. Das führt in ein befreites, hoffnungsvolles Dasein. Weit ab von dem mittelalterlichen Gedanken, wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. Unter diesem Richten hat Frömmigkeit nichts mehr mit Drohgebärden zu tun. Evangelium heißt nicht, Ängste mit der Hölle zu schüren. Angst machen ist nicht die Botschaft von Christus. Er ist gekommen, uns von der Angst zu befreien. Hier hat die christliche Verkündigung viel Schuld auf sich geladen, wo sie mit dem Gericht droht. Mit Christus hat die Strafe eine Wende genommen, denn er hat die Strafe auf sich genommen, auf dass wir Frieden hätten.

Mit dem Wort richtet Gott unseren Blick auf Christus. Unter dem Wort kommen unsere Schuldgefühle zur Ruhe. Unter dem Wort werden wir zu der Liebe fähig, zu der uns Gott geschaffen hat. Glaubende können unter dieser Neuschöpfung befreit leben, und sich in allem durch das Wort ausrichten, verändern und korrigieren lassen.

Wer soll uns etwas vorwerfen, wenn Gott uns gerichtet hat?

Auslegungen für jeden Tag
http://www.ebk-blumenmönche.de
https://brtheophilos.wordpress.com/category/predigt/tageslosungen/

Souveränität durch Krippenstehen

Wenn Gott richtet, kommen danach keine Gitterstäbe.

„Er ist der Herr, unser Gott; er richtet in aller Welt.“

Ps. 105, 7
Wo Gott richtet, bringt er die aus den Fugen geratene Welt zurecht. Wo Gott die Ordnungen wieder herstellt, fliegen nicht die Fetzen, da wird die Erde erneuert. Gott macht aus dem Unrecht kein Kleinholz, sondern zimmert aus menschlichem Kleinholz eine Krippe. Wenn er Recht schafft, gibt er den am Boden Liegenden ihre Würde zurück. Er überreicht den Zerbrochenen das Recht auf Leben. Er bringt die auf der Schattenseite des Lebens Gelandeten zu Ehre. Wo Gott die Welt richtet, geht die Sonne auf. Das bringt der Evangelist Johannes treffend zum Ausdruck: „Das aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist.“ Mit Weihnachten bekommt das Unwerte die Chance seines Lebens. Wo dieser Richter unterwegs ist, heißt es: „Fürchte dich nicht, euch ist heute der Heiland geboren.“ Da wird nicht weggesperrt, da wird aufgerichtet. Da kommt kein Angstmacher, sondern ein Erbarmer. Aus dem Säbelrassler wird ein Liebhaber. Gott, der die Sünde verdammt, richtet sie mit Christus. Gottes Lebensgesetz, das kein Mensch erfüllen kann, erfüllt die Gnade. Damit wir Frieden bekommen, verbüßt die Liebe die Schuld. Der Richter selbst steht für die Wiedergutmachung. Daher kann der belastete Mensch an der Krippe gesund werden. An Weihnachten wird es in aller Verworrenheit wieder hell. Da verschafft Liebhaber des Lebens, den unter dem Unrecht Gebeugten wieder Recht.
Somit war Niedergeschlagen vor Weihnachten. Nach dem Stehen an der Krippe, kann der Mensch wieder stehen. Er ist aufgerichtet worden. Wer den Stern gesehen hat, muss in keiner Situation mehr verzweifeln. Für unsere Zukunft hat der Richter ganze Arbeit geleistet. Auch wenn wir im neuen Jahr weiter im Unrecht dieser Welt leben, haben wir an der Krippe die Angst verloren. Wir stehen gerecht gemacht in den Widrigkeiten unserer Tage. Wir brauchen nicht krampfhaft um unser Recht kämpfen, weil wir bereits tiefen inneren Frieden haben. Dieser Richter verschafft uns Souveränität. in einer gefallenen Schöpfung.
Wie wird die Begegnung mit diesem Licht, in unserer Zukunft Spuren hinterlassen?

Wasser bis zum Hals

Matth. 7, 24-27

Am 12. August 2002 verwüstete das Flüsschen Müglitz die Erzgebirgsorte Glashütte und Weesenstein. Oberhalb von Glashütte war der Damm des Rückhaltebeckens gebrochen. Eine Flutwelle mit 50 000 Kubikmeter Wasser ergoss sich in Kleinstadt. In Weesenstein riss die Müglitz zehn Häuser komplett mit sich und verwüstete Teile des Schlosses. Das Bild einer Familie, die 13 Stunden auf der letzten 36 Zentimeter breiten Mauer ihres Hauses ausharrte, von den Wassermassen umtost, ging um die Welt. Die Bilanz der Katastrophe in Deutschland: 370 000 Menschen waren unmittelbar vom Hochwasser betroffen. 21 Menschen starben. Die volkswirtschaftlichen Schäden, stiegen auf mehr als elf Milliarden Euro.

Wolkenbrüche, Hochwasser, weggeschwemmte Häuser, nichts Neues, das kennt die Geschichte, das kennt unser heutiges Gleichnis.

  • Ein Grund der hält

Wer auf das hört, was ich gesagt habe, baut sein Haus auf felsigen Grund.

Wo Jesus vom Häuser bauen spricht, hat er Ahnung. Sein Handwerk hat goldenen Boden. Als Zimmermann weiß er was hält und was fällt. Die Statik wird auf die Krise ausgelegt. Sein Hausbau hat das Unwetter im Blick. Wer plant, muss mit dem Ernstfall kalkulieren. Es geht ums Fundament, nicht ums Haus. Es geht um zwei Häuser, die vielleicht nach außen ziemlich gleich aussehen, das eine bleibt, das andere bricht.

Jesus stellt Lebensplanung auf das Wort. Das Wort ist Schöpfung, ist die Statik der ganzen Welt. Alles was auf der Erde und im Kosmos besteht, besteht aus dem Wort: Es werde! Die Naturgesetze haben ihren Ursprung im Wort. Es wird Morgen und Abend. Die Sonne scheint und es regnet, und wenn beides zusammenkommt entsteht ein Regenbogen. Wir erleben Sommer und Winter, Hitze und Kälte, Saat und Ernte. Das funktioniert alles wegen des Wortes. Der menschliche Tagesablauf ist wortabhängig. Wo Christus das Wort ist, ist dem Menschen die Christusbeziehung in die Wiege gelegt. Mit unserer Geburt feiert das Wort bereits Auferstehung. Wir haben das Wort mit der Muttermilch aufgesaugt und es pulsiert im Blut durch unsere Adern. Das Wort ist in der Tiefe unser Fleisch und Blut. Es ist nicht Audio, es ist Energie. Es ist der Christus in mir, die Realpräsenz Gottes im Menschen. Es ist mein Pulsschlag, es ist der Tritt meiner Schritte, es ist der Klang meiner Stimme, es ist die Liebe meines Herzens. In diesem Wort lebt das Unvergängliche, damit hat Gott sich für ewig an den Menschen gebunden

  • Wort-bruch bringt um

Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. 27 Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, wird kein Stein wird auf dem anderen bleiben.«

Loslegen und abwarten, kann tödlich sein. Das steht schon auf jeder Zigarettenschachtel. Jesus beschreibt wortlos leben als blauäugig. Seine Worte sind nicht zum Hören gedacht; sie wollen durchdringen, sie wollen in Bewegung setzen. Hören heißt gehen.

Dem Wort keinen Raum verschaffen, ist lebensgefährlich. Das Wort ist keine nette Verzierung von Lebensphilosophien, das Taufen, Trauungen und Beerdigungen einen feierlichen Rahmen verschafft. Wo das Wort seine gestaltgebende Kraft verliert, verarmt die Kirche, die Glaubenden gehen unter. Es sind nicht nur die, die bewusst von Gott nichts wissen wollen, und alles fromme aus ihrer Lebensgestaltung verbannen, sondern die hören und nicht tun. Jesus meint nicht die von „Draußen“, sondern das Volk, die Jünger, die die unter Gottes Wort sitzen. Er konfrontiert die laschen Glaubenden. Er geht an die, die Ja sagen und Nein leben. Ihm geht es um die Bewusstseinsspaltung, um fromme Schizophrenie.  Der Glaubende ist kein Mülleimer, der das Wort verschluckt, dass es für immer weg ist. In der Krise zeigt sich nicht nur der wahre Charakter des Menschen, sondern ob in ihm das Wort lebendig oder tot ist. Unter dem Wort sitzen und sich nicht bewegen zu lassen, ist ein Schiffbruchunternehmen. Fromme Thesen schwingen und nicht die Wunden der Kranken verbinden, ist der Untergang des Christentums.

Christus hat natürlich bei diesem Bild das ganze Reich Gottes im Blick. Seine Statik sieht die Gemeinde nicht nur in irdischer Hinsicht. Dahinter steht auch die Frage: Hält unser Lebensgebäude der ewigen Gottesgegenwart stand? Ist das Wort so mächtig in uns, dass uns der erlösende Christus, durch das Gericht der Werke bringt. Auch für die Ewigkeit ist die alles entscheidenden Frage, ob Christus in uns lebte, oder das Wort nichts an uns ausrichten konnte. Am Umgang mit dem Gehörten, entscheidet sich unser Hiersein und Dort sein. Wir sind durch und für das Wort geschaffen, es will uns formen und festmachen, wenn Stürme und Gerichte uns aus den Angeln heben wollen.

  • Wort-tat macht sicher

Wer danach handelt, was ich gesagt habe, der ist klug. Er baut auf felsigen Grund. Wenn das Hochwasser steigt und der Sturm rüttelt, wird das Haus trotzdem nicht einstürzen. 

Das Wort produziert keine Schwätzer, sondern Täter. Reich Gottes ist Handlung, da passiert etwas. Da ist Schöpfung, Aktion, Bewegung. Das Wort ist die Sichtbarmachung von Herrlichkeit durch Arbeit. Das Wort, das an uns ergangen ist, macht uns zu Bauarbeitern des Gottesreiches. Hören heißt bauen, heißt, dieser Welt Statik verleihen. Die durch das Wort Bewegten, trotzen dem Hochwasser. Das Handeln aus dem Wort, ist das Bollwerk gegen Wolkenbrüche. Das Wort ist gerade für die Stürme des Lebens gemacht. Dort wo Knochen brechen, Finger abgesägt werden, Rückenmarksnerven durchtrennt sind, Geschwüre und Tumore wachsen und Häuser abbrennen, helfen keine billigen Worte mehr. Da braucht es ein Wort das handelt. Eine blutende Welt braucht Erlösung, – das ist Tat. Kreuzwege müssen ausgelitten werden, und das ist richtig Arbeit.

Wo das Wort uns trifft, nimmt es uns in die Verantwortung. Es will uns zum Tun bringen. Es ist die Handlung gegen die Stürme und alle widrigen Umstände. Der Handelnde hört auf das Hochwasser zu beklagen, sondern er steht und übersteht. Durch das Wort sind wir nicht mehr in der Opferrolle des Schicksals, sondern in der Gestalterrolle des Schöpfers.  Wir ziehen uns nicht zurück, sondern treten den Wellen entgegen. Da kämpft die Hoffnung gegen alle Entmutigung.

Das eigentliche Problem der Glaubenden ist nicht der Wolkenbruch und die Naturkatastrophen, die über ihn hereinbrechen, sondern sein mangelnder Halt im Wort. Wer in den mitmenschlichen Krisen in die Knie geht, wer in Spannungen auf den andern zeigt und Schuldige sucht, hat noch nicht verstanden, dass nächste Woche, das nächste Hochwasser anrückt. Auch wenn man Bachläufe begradigt und die Überflutungsgefahr eindämmt, geht die grundsätzliche Frage an unser Fundament. Wo wir nicht aus dem Wort heraus zu eigenverantwortlichem Handeln aufstehen, wird uns auch die nächste Krise wegspülen.

Das Wasser bis zum Hals überdauern wir dort, wo wir in der Vollmacht des Wortes handeln.

Wir haben Gnade gefunden 

Ohne Erbarmen Gottes, kann kein Mensch überleben.
„Der Herr sprach zu Elia: Ich will übriglasssen siebentausend in Israel, alle Knie, die sich nicht gebeugt haben vor Baal.“

1. Kön. 19, 18
Übriglassen ist hier der Sitz des Evangeliums. Wenn wir nicht von dieser Sicht ausgehen, würden wir vor einem rachsüchtigen und eifersüchtigen Gott stehen. Doch Goitt handelt nicht nach solchen niederträchtigen Motiven. Der Mensch an sich lebt ohne Gott in Ungnade. Er ist ein Kind des Todes. Der Mensch Adam ist der aus dem Paradies herausgefallen. Er ist die Schöpfung die Gott verlassen hat. Somit ist der Mensch ohne Gott ein Todgeweihter. Wer aus Gott herausfällt, kann nicht überleben. Wer den sündigen Menschen erkennt und dadurch sein von Gott getrennt sein versteht, kann mit der Gnade leben. Wo Gott vor diesem natürlichen Todesprozess verschont, hat sein Erbarmen die Menschen erreicht. Die Übriggelassenen, sind die Herausgelösten, aus der Sterbensspirale, in der sich der Mensch grundsätzlich befindet.
Hier sind wir bei Christus: Ihr seid´s, die ihr bei mir ausgeharrt habt. Mit Christus haben wir Gnade bei Gott gefunden. Wir sind dadurch aus dem Gericht herausgenommen, das über der Menschheit liegt. Die Übriggebliebenen, sind die an Christus Ausharrenden. Christus verwandelt unsere hoffnungslose Adams-Natur. Die Welt hat keinen gnadenlosen Gott, sondern einen Erbarmer, der in Christus auf die Menschen zugeht. Christus lässt das Adams-Geschlecht wieder hoffen. 
Wie können Menschen von einem blutrünstigen Gott sprechen, wenn er mit Christus sein ganzes Herz auf die Erde geworfen hat?

Richten will Gutes

Frieden kann nur der schaffen, in dem Gerechtigkeit wohnt.
„Abner rief Joab zu: Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Weißt du nicht, dass daraus am Ende nur Jammer kommen wird?“

2. Sam. 2. 26
Jammer kommt durch das Schwert. Wenn wir die Aufgabe des Schwertes betrachten, stellen wir fest, es soll Gerechtigkeit und Frieden schaffen. Das Schwert wurde dem Staat anvertraut, um das Böse zu strafen und das Gute zu fördern. Den Verantwortlichen eines Volkes wurde von Gott eine richterliche Verantwortung gegeben. Sie sollen im Namen Gottes ein Urteil aussprechen und vollziehen. Mit dieser stellvertretenden richterlichen Aufgabe, soll Gerechtigkeit hergestellt werden. Deshalb ist für solch ein Amt der Amtseid: So wahr mir Gott helfe, so entscheidend.
Wo ein Staat oder ein Mensch sich dieses Richteramt anmaßt und missbraucht entsteht Elend. Keinem Menschen steht es von sich aus zu, das Urteil über Gut und Böse zu sprechen; das ist Gottes Amt. Wo ein Unrechtsstaat sich anmaßt, darüber die Maßstäbe festzusetzen, stehen wir bei den Nationalsozialisten. Da wurde heute vor 72 Jahren das KZ Ausschwitz befreit, in dem über 1 Million Menschen umgekommen sind.
Wer diese heilige Aufgabe des Schwertes missbraucht, schafft keinen Frieden, sondern verschärft die Ungerechtigkeit und macht sich schuldig. Frieden geht immer von dem Frieden mit Gott aus. Wir können kein Recht schaffen, wenn wir unrecht handeln. Oft sind unsere Schwerter nicht aus Metall, sondern der Wirbelwind in unserem Mund. Die Zunge wird als scharfes zweischneidiges Schwert bezeichnet, das viel Schaden anrichtet. Mit ihr werden Urteile gesprochen, verleumdet und gedemütigt. Daher haben wir eine hohe Verantwortung, wenn wir diese Waffe gebrauchen. Wer nicht am Herzen Gottes lebt, bringt damit Not und Elend über die Menschen. Es entsteht kein Frieden, sondern Schuld, so dass uns selbst das Urteil trifft. Wer es recht gebraucht, kann damit zu dem Guten führen.
Leben wir so am Herzen Gottes, dass von unserer Zunge Heil und Frieden ausgeht?

Unheil dient dem Wachsen

Gerichte haben einen Sinn.
„Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.“

Jes. 26, 9
Wenn es einer Bruderschaft die ganze Gärtnerei verhagelt oder die Kirche und Ordenshaus niederbrennt, ist das Zerstörung, die an den Lebensnerv geht. Der normale Mensch spricht von höherer Gewalt. Unsere Gegner sprachen von Strafe Gottes. Doch was wir auch in unserem Leben als Gericht erfahren, es steckt nicht die Vernichtung dahinter.
Gericht hat einen Zweck. Darin liegt eine Aufgabe. Nicht nur den Scherbenhaufen zusammenkratzen und neu aufzubauen; die Aufgabe heißt lernen. Wir sollen unter den Schlägen, die uns die Lichter ausgehen lassen, Gott kennen lernen. Gott will uns an den Grenzen unsere Daseins zu einer Entwicklung führen. In der Aus-Situation lernen wir Gotteserkenntnis. Wir lernen, wie er uns zum Guten führt. Wir lernen seine Gerechtigkeit. In unserer Ohmacht, will Gott in uns wachsen. Gericht ist ein Lernprogramm, das uns näher an Gott zieht. Dort wo allen menschlichen Mittel am Ende sind, lernen wir Gottvertrauen. Die Härte will weich und empfänglich machen. Gott arbeitet an unserem Wachstum. So erkennen wir, dass Gericht bereits wieder Gnade ist. Wir reifen auf ein Ziel hin, wir reifen in Gott.
So brauchen wir im oder unter dem Gericht nicht zu stöhnen und Gott und die Welt zu verdammen, sondern wir können uns fragen, was lerne ich daraus. Wo will Gott mit mir etwas ganz Neues beginnen? Wo setzt hier eine Entwicklung ein, die mich über meine Grenzen hinausführen will? Wo wir diesen Blick auf die Gerichte finden, bekommt alles Schwere einen wertvollen, tiefen Sinn.
Warum sollte uns da eine abgebrannte Kirche von Gott wegtreiben?

Tausend zu eins

wer besitzt die Kühnheit, sich gegen Gott einen Anwalt zu nehmen?
„Ich weiß sehr gut, dass ein Mensch nicht recht behalten kann gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er Ihm auf tausend nicht eins antworten.“

Hiob 9, 2-3
Wir kennen die Lust mit Gott zu streiten. Er muss für alles herhalten, was nicht so läuft, wir wir uns das denken. Gott ist am Elend der Welt und meines Lebens Schuld. Es hätte doch schon lange das arme Kind wieder gesund machen können, den Krieg in Syrien beenden und die sich unter Schmerzen quälende alte Frau sterben lassen. Wir wissen oft zu genau, was Gott hätte tun sollen. Wir zeigen mit Finger auf ihn und machen ihn für alles verantwortlich. Mit welchem Recht stellen wir ihn an den Pranger? Wer gibt uns die Autorität über Gott das Urteil zu sprechen? Woher nehmen wir die Vermessenheit, Gott für sein Handeln oder Nichthandeln zur Rechenschaft zu ziehen? Der Unglaube klagt an.
Der glaubende Hiob sagt: Ich kann nicht recht behalten gegen Gott. Ausgerechnet Hiob, der allen Grund hätte Gott Vorwürfe zu machen, weil er wie ein geprügelter Hund dasteht. Er sagt, die Sache zwischen Gott und mir steht tausend zu eins. In einem Rechtsstreit hätte ich keine Chance. Auf tausend Fragen könnte ich nicht eine beantworten. Er steht am gedemütigsten Punkt seines Lebens vor einer Größe, die für ihn unantastbar bleibt. Wie sollte ich ermessen können, was da bei Gott hinter den Kulissen alles abläuft? Wenn ich schon meine Zusammenhänge nicht verstehe, wie sollte ich dann schöpferische Dimensionen begreifen. Für ihn wächst die Erkenntnis, dass die Wahrheit nicht in dem liegt, was ich verstehe oder nicht verstehe, sondern meine Wahrnehmung übersteigt. In der schrecklichsten Verfassung seines Lebens verwandelt sich unter diesem Erkennen alle Anklage in Vertrauen. In seiner Kleinheit wird ihm Gott größer. Er lässt sich im Schicksal nicht zu Buhmann machen, der einen Schuldigen sucht, sondern fängt an, in seiner Ohnmacht an Gott zu reifen. Er klagt nicht an, sondern stellt sich dieser Größe. Er verlässt seine jammernde Opferrolle und wagt im Glauben das über sich und die augenblickliche Situation hinausdenken. Im Glauben und Vertrauen bringen wir unser anklagendes Herz zum Schweigen.
Wir haben die Wahl, entweder in unserer Auflehnung zu verzweifeln, oder im Glauben zu einer neuen Größe heranzuwachsen.  
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Warum über andere den Stab brechen?

image

Hoffnung ist in der Nacht am stärksten

Gott geht anders mit Versagen um.

„Gott will nicht das Leben wegnehmen, sondern er ist darauf bedacht, dass das Verstoßene nicht auch von ihm verstoßen werde.“
2. Sam. 14, 14

Menschen fordern Blutrache über dem Brudermord von Absalom. Menschen pochen auf Gerechtigkeit, bis das Blut spritzt. Der, der sich nicht ans Gesetz hält, soll vom Gesetz verurteilt werden. Völlig in Ordnung für das gesunde Rechtsempfinden. Wir neigen dazu, gerne das Urteil über andere zu sprechen, und jede Schwäche zu ahnden.

Gott tickt hier völlig anders. Nicht Tod dem Mörder, sondern Arzt dem Schwachen. Das von Menschen Verstoßene, das schief Angeschaute hat Gott im Auge. Gerade auf die, die nach unserem Geschmack daneben liegen, ist er bedacht. Schuld wird nicht verdammt, sondern erfährt Erbarmen. Gott setzt neue Maßstäbe. Er nimmt Christus das Leben, um es den Schuldigen wiederzugeben. Erbarmen übernimmt die Wiedergutmachung. Ein Akt, den wir wahrscheinlich in der Tiefe nie  begreifen werden. Dem Versagen gibt er nicht Strafe sondern Leben. Gott lebt mit dem Menschen immer auf Hoffnung. Bei ihm geht nicht irgendwann der Rolladen herunter und dann ist alles aus und vorbei, sondern mit Christus hat jeder Augenblick die Chance des Neuanfangs. Für Gott gibt es kein belastetes Gestern, sondern ein hoffnungsvolles, genesendes Morgen. Christus ist die Kraft der Verwandlung, somit steht jedem Menschen die Verwandlung offen. Es ist Änderung zum Guten möglich durch Erbarmen.

Wer gibt uns da das Recht, über andere den Stab zu brechen?