Befreites Aufatmen

Was wir tun, hat Folgen.

Herr, geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.“
Ps. 143, 2

Der König David erkennt sich als Gottesknecht in seinem Unrecht. Er sieht, wie seine Ideale, wie sein Glaube, mit dem wirklichen Leben auseinanderklaffen. Ihm geht erschreckend auf, wie unstimmig sein Leben ist. Ich will das Gute und tue Böses. Ich will ein frommer und gerechter Herrscher sein, und lasse aus Lust und Eigennutz, einen meiner besten Feldherren über die Klinge springen. Meine Taten schreien zum Himmel. Meine Taten klagen mich an. Das Ergebnis meines Lebens, kann ich vor Gott und der Welt nicht verantworten. Mein Tun spricht eine andere Sprache als mein Wollen. In mir ist etwas nicht richtig, nicht so, wie es dem Leben, wie es Gott entsprechen soll. David erkennt sich in seiner Adams-Natur. Er muss an sich selber feststellen, das Großartige, das Gott will und in mein Leben gelegt hat, dem kann ich nie entsprechen. Aus mir heraus kann ich nicht der Gottesknecht sein, der ich eigentlich sein will. Da ist ständig ein Defizit, da ist ständig ein Mangel, da ist immer eine offene Rechnung, da klagt mich immer eine Schuld an. In diesem Bußgebet, steht er an dem wichtigsten Punkt, an dem ein Mensch stehen kann: Kein Lebendiger ist gerecht vor dir. Es ist die bedingungslose Kapitulation vor Gott. Kein Wenn und Aber, keine Ausreden. Ich bin der Mann. Wer das erkennt, steht unter dem Kreuz. Wer sein eigenes Unrecht erkennt, erkennt seine Erlösungsbedürftigkeit. Er steht damit unmittelbar vor Christus. Aus Gericht wird Gnade. Geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht, ist die tiefe Verwandlung, dass auf unser Tun, Gottes Tun folgt. In Christus ist das Gericht weg. Es ist keine menschliche Leistung, keine noch so intensive Bußübung, keine noch so große Selbstanklage die uns gerecht macht, es ist einzig Christus. Johannes sagt: Wer an Christus glaubt, kommt nicht ins Gericht.

Die Praxis des König David ist die einzige Gangart im Umgang mit dem eigenen Versagen. Hierin liegt der Sitz der königlichen Freiheit eines Christen. Da löst sich aller frommer Krampf, dass wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. An dem Punkt des Erschreckens vor sich selbst steht, braucht sich keiner mehr in irgendwelche Aufgaben hineinopfern, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Manche bringen einen gnadenlosen Einsatz in der Kirche und Gesellschaft, nur deshalb, um Gott gnädig zu stimmen. Oft meinen wir, dass wir durch unsere Hingabe, noch mit zu unserer Erlösung beitragen können. Wir wollen unsere Schlagseiten mit Gutem zudecken. Wir geben unser Opfer, damit Gott ein Auge zudrückt. Doch mit all unserm noch „Dazugeben“ wollen zeigen wir nur, dass wir noch nicht zu unserer eigenen Tragik stehen. Wir wollen unsere Gerechtigkeit selber machen und sind nicht bereit für das Christi. Der Schreck der Selbsterkenntnis kann nur zu Christus führen, damit das Gericht zur Gnade wird. Wo das geschieht, findet ein befreites Aufatmen statt, auch mitten in aller Ungerechtigkeit.

Wo steht unser Leistungsdenken, einem solch befreiten Leben im Wege?

Auslegungen für jeden Tag
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Eine Glocke will wieder Danke sagen
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Glanz in finsteren Herzen

Die Sonne geht über denen auf, die erkennen, wo ihre Grenzen und Schwachheiten liegen.

Der Herr wendet sich zum Gebet des Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.“
Ps. 102, 18

Heutzutage muss jeder stark sein, muss funktionieren und seinen Platz ausfüllen. Es geht uns grundsätzlich gut, weil wir ungerne unsere Schwächen nach außen tragen. Wer seine Schwächen vermarktet und ständig über seine Probleme jammert, geht anderen schnell auf den Geist. Schwache werden in der Gesellschaft gerne aussortiert. Solche Menschen fallen oft auf die Nerven, man distanziert sich, um nicht von ihrem Schwermut runtergezogen zu werden. Wir haben gelernt zu stehen, uns durchzuboxen und den dicken Max herauszuhängen. „The show must go on.“ Der Schein muss gewahrt bleiben, dass alles rund läuft. Oft ist dabei mehr Schein als Sein. Nach außen ja keine Blöße geben. Doch was geschieht in den Stunden, in denen wir nicht so stark sind wie wir scheinen? Was passiert in den Momenten, in denen wir fragen: Was mache ich mit meinem Leben? Für wen oder was funktioniere ich denn überhaupt? Was passiert wenn die äußere Routine auf die innere Hilflosigkeit trifft? An der Grenze, an der vieles im Leben sinnlos erscheint, wo wir die ganze Verlorenheit und Verlassenheit in uns erkennen, liegt der Ansatz, in dem Grundlegendes passiert. Die Hilflosigkeit des Verlassenen steht direkt vor Gott. Dieses Gebet der Ohnmacht trifft mitten in Gottes Herz. Es ist der Augenblick, in dem sich der Mensch vor Gott erkennt und wie der Zöllner in dem Gleichnis Jesu an seine Brust schlägt und sagt: Gott sei mit Sünder gnädig! Das ist ein heiliger Moment, wo der Mensch an sich und seiner eigenen Lebensgestaltung zerbricht und erkennt, ohne Gott ist alles haltloser Krampf. Es geht die Sonne auf, wenn ein Mensch erkennt, wo Gott nicht ist, bin ich von ihm und allen guten Geistern verlassen. Wenn wir an diesem dunkelsten Punkt stehen, an dem Jesus am Kreuz war und ausrief: Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen, beginnt der Auferstehungsmorgen. In der größten Verlassenheit, wird Gott ganz groß. Im menschlichen Nichts, wird Gott alles. In der Verlassenheit ist die vollkommene Gottesnähe.

Von dem Zöllner heißt es: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus. Diese Gottesbegegnung hat Grundlegendes verändert. Ihm wurde seine Verlassenheit abgenommen. Wo diese Gottverlassenheit weg ist, wird ein Geist fröhlich. Es ist eine gewaltige Befreiung, wenn ich nicht mehr auf meine eigene Rechtschaffenheit angewiesen bin. Da brauche ich nicht mehr krampfhaft um irgendwelche Anerkennungen kämpfen, da bin ich von Gott erkannt und anerkannt. Wo Gott dem Sünder gnädig ist, brauche ich nicht mehr nach gnädigen Menschen zu suchen. In dieser Anerkennung wird ein Leben stimmig und stark. Es wird unabhängig von meinen mehr oder weniger guten Werken, oder dem Wohlwollen der anderen. Wir sind gefestigt, weil wir nicht mehr verlassen sind. Wir sind gerechtfertigt, weil uns niemand mehr anklagen kann. Welch ein Glanz kommt da in finstere Herzen.

Wohin wenden wir uns, wenn wir uns verlassen fühlen?

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Ein heißer Hintern hilft

Es ist ein halb Himmelreich, wenn ein Mensch zur Einsicht kommt.

„Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not über sie kommt, sprechen sie: Auf und hilf uns!“
Jer. 2, 27

Auch fromme Menschen sind hartnäckig, stur und traditionsverhaftet. Gott hat es schwer, willige und geschmeidige Menschen zu finden, die sich schlicht auf sein Wort hin führen lassen. Er will Einsichten wecken, will Menschen großartige Wege aufzeigen, will ihnen das Geheimnis seiner Wahrheit näher bringen, will lebendig machen und der Mensch blockt. Da kann eine Bruderschaft Jahrzehnte im Segen stehen, umwerfende Wunder erleben, und dann tut sie sich schwer, wenn die Mitgliederzahlen schwinden, die Ursprungsgeneration älter wird, umzudenken und zu fragen: Herr, was willst du jetzt von uns? Durch unseren Prädikantendienst kommen wir in die kleinen Gemeinden auf der schwäbischen Alb. Auch da gehen die Kirchgänger zurück. Es müssen dann zwei benachbarte Gemeinden zusammengelegt werden, wo dann sonntags nur noch im Wechsel von der einen zur anderen Gemeinde Gottesdienst gefeiert wird. Da gibt es Gläubige, die sagen: Zu denen gehe ich nicht! Da haben Menschen Probleme, sich den Realitäten zu stellen. Sie machen da nicht mit, sie kehren mir den Rücken, sagt Gott. Gott will zur Erkenntnis der Wahrheit führen, das ist in der Menschenführung ein harter Brocken. Er will in der augenblicklichen Realität seine Wege aufzeigen. Das heißt zuerst, sich seiner eigenen Realität zu stellen. Einsicht braucht die Offenheit zu dem was ist. Doch aus der Menschenführung wissen wir, wie schwierig es ist Einsichten zu wecken. Warum soll das, was bisher gut und richtig war, plötzlich anders gemacht werden? Warum soll ich umdenken und neue Wege gehen?

Gott will, um des Guten willen, das er mit uns vor hat, Einsichten wecken. Wo es bei einem Menschen „Klick“ macht, und er erkennt, häng deinen Beruf an den Nagel und gehe ins Kloster, dann ist Führung gelungen. Doch er findet sich nicht damit ab, wenn sich andere schwer damit tun. Manche Menschen lernen durch Schmerzen. Sie kommen erst in Bewegung, wenn sie diese Schmerzen verhindern wollen, und das ist auch gut so. Manchmal hält Gott einen Bunsenbrenner unter den Hintern, damit Menschen lernen und den richtigen Weg einschlagen. Da kann man nicht die Methoden anprangern, sondern muss das Ziel dahinter erkennen. Es ist kein Sarkasmus, wenn Gott seine Kinder über einen Weg ins Krankenhaus rettet. Ihm geht es um die Erkenntnis der Wahrheit. Er will, dass sich ein Mensch seiner und der Gottesrealität stellt. Bis ein Mensch kapiert, muss manches Mal die Not so groß sein, dass fast die Lichter ausgehen. Erst wenn der Schmerz unerträglich wird, wächst dann die Erkenntnis: Auf und hilf uns!

Ist es nicht unwesentlich, wie wir zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, wenn wir uns dadurch auf Gott zubewegen?

Leuchtende Augen

Wenn man die Seminarangebote überall betrachtet, unternehmen viele z. B. ein Kommunikationstraining, um persönlich in der Verständigung mit anderen weiterzukommen und den Durchblick zu bekommen, wie Menschen miteinander tackten.

Die Gebote des Herr sind lauter und erleuchten die Augen.“
Ps. 19, 9

Die Gebote des Herrn stehen für Durchblick. Darin steckt die Erkenntnis der Wahrheit. Die Gebote, die Ordnungen, das Wort von Gott, sind für Menschen ein AHA-Effekt. Da macht es klick, und es stehen Welten auf. Was von Gott kommt ist bahnbrechend. Da kommen Informationen, die emotional treffen und persönlich verändern. Dahinter steht eine Macht, dass die Gesichtszüge entgleisen. Welche Worte schaffen erleuchtete Augen? Was wir tagtäglich sehen und hören verfinstert eher die Augen. Wie viele Worte verlieren wir über dem, was wir in dieser Welt nicht verstehen? Wo tappen wir um Dunkeln und sehen bei allem Können und Wissen keine Wege und kein Licht?

Erleuchtete Augen zu haben ist keine Frage der Bildung und Lebenserfahrung. Sie liegen in der Brillanz der Gottes Worte. Die haben eine eigene Qualität. In ihnen liegt eine Transparenz und Klarheit, die mit keinem Wissen angeeignet werden kann. Sie atmen den Geist, mit dem Jesus alles Wissen über das Leben provoziert hat. In diesen Worten liegt der Zugang zu Gott und sich selbst. Wo der Mensch Gott uns sich selbst erkennt, gehen ihm die Augen auf. In dieser Realität liegt alle Lebensperspektive. Erleuchtete Augen kommen davon, inwieweit ein Mensch die Wahrheit von Gott und über sich selbst in seinem Leben stehen lässt. Dort wo der Mensch erkennt, ich bin gottesbedürftig und daher erlösungsbedürftig, kommt der Durchblick in alle Lebenszusammenhänge. Das Wort aus dem Geist, wird zur einzigartigen Quelle, die Augen zum Leuchten bringt. Mit dem Durchblick des Geistes, werden Wege klar, in all den Verwirrungen unserer Tage. Wir können hoffen, wo es nichts zu hoffen gibt. Wer sich der Realität Gottes und seiner eigenen Realität stellt, dem gehen die Augen auf, für das was wahres Leben ist. Mit den Geboten des Herrn, stehen wir sattelfest in den Stürmen unserer Tage. Wir können leuchten, wo die Nacht noch dunkel ist.

Welche Worte können von sich behaupten, dass sie die Augen erleuchten und der Durchblick des Lebens sind?

Gnade knackt harte Nüsse

Das Leben der Glaubenden hat mitunter den höchsten Anspruch, zu dem jedoch kein Mensch in der Lage ist.

Herr, erweise uns deine Gnade und gib uns dein Heil!
Ps. 85, 8

Wenn einer um Gnade bittet, hat er irgendwo Dreck am Stecken. Der Beter erkennt, dem was Gott mit mir vor hat, hinke ich hinterher. Da ist selbst bei Gerufenen ein ständiges Fallen und wieder aufstehen. Das erwählte Volk Israel wurde von Mose und Aron aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeführt. Sie erlebten die zehn Schreckenswunder, die Gott dem Pharao schickte, damit er überhaupt bereit war, dieses Volk abzuschieben, damit er endlich Ruhe hat von diesen unerträglichen Plagen. Das Volk zog durch das Schilfmeer, wo Gott auf spektakuläre Weise das Wasser auseinandertrieb, damit sie trockenen Fußes hindurchgehen konnten. Pharaos Krieger, die sie dann doch wieder zurückholen wollten, kamen nicht mehr durch das Wasser und sind samt und sonders abgesoffen. Unvorstellbar zeigte Gott immer wieder, wie er mit seinem Volk ist und sie dankten und verherrlichten ihn. Doch vierzehn Tage später, beim Gang durch die Wüste, fing schon das Gejammer wieder an. Wasser und Brot werden knapp und sie klagten Mose an, weil er sie aus Ägypten herausgeführt hat, wo es doch in aller Knechtschaft immer genügend zu essen gab. Das ist der Mensch. So klein ist sein Glaube und sein Vertrauen zu Gott. Wenn´s ungemütlich wird, können zuvor Wunder noch und nöcher geschehen sein, da steigen sofort wieder Groll und Zweifel auf. Das Herz ist ein trotziges, verzagtes Ding. Da rumort ständig diese eine Frage: Sollte Gott gesagt haben? Dort wo der Mensch diesen seinen Zustand erkennt, kann er nur um Gnade ringen. Gottesbegegnung beginnt damit, dass wir vor uns selbst erschrecken und jeden Tag neu entdecken, wir können weder glauben, noch vor Gott gerecht sein. In uns liegt ein Gen, das immer dagegen löckt, egal was Gott auch tut. Unser Mangel an Vertrauen, unsere Glaubensnot, will uns im Angesicht Gottes unsere Heilsbedürftigkeit bewusst machen. Diese Undankbarkeit und dieses Dagegenlöcken braucht den Christus, der zur Gnade geworden ist.

Das ist die tägliche Buße, von der Martin Luther spricht. Wir leben täglich aus dem begnadet werden, damit Gottes Geschichte überhaupt weitergeht. Wir leben nicht aus den Wundern von gestern. Wir sehen an uns selbst, wie schnell die großen Ereignisse in uns verblassen, wir leben aus dem täglichen Umdenken und Zurückkehren zu Christus, der uns vor Gott begnadet. Da beginnt jeder Tag mit der Hinwendung zu Christus und der Abkehr von meinem eigenen Trotz. Damit Gottes Sache mit uns geschieht, können wir nur ständig um Gnade und Heil bitten, damit in unserem Aufbegehren Neues entsteht. Die Gnade schafft es, unsere harte Nuss zu knacken.

Wenn uns nicht die Gnade halten würde, wer würde uns dann trösten und unsere Wege hell machen?

Abgründe brauchen Barmherzigkeit 

Menschliches Verhalten ist eigentlich nur zum Weinen.
„Wir wurden alle wie die Unreinen, und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.“

Jes. 64, 5
Das biblische Menschenbild zeigt Realitäten auf, die wir modernen Menschen nicht mehr ohne weiteres stehen lassen. Unrein und ungerecht sind die Prädikate, die uns ausgestellt werden. Wenn es um Reinheit, das Gute und die Gerechtigkeit geht, geht es immer um Gott. Das Unreine kann kein reines Verhalten an den Tag legen. Damit das Gute in die Welt kommt, bedarf es eines Höheren.
Wenn die Gerechtigkeit des Menschen wie ein befecktes Kleid ist, dann steckt da keine negative Sicht auf die Dinge dahinter, sondern der reale Blick auf die menschlichen Abgründe. Befleckt sind unsere großen Bekenntnisse, die wie Petrus felsenfest zu ihrem Herrn stehen, und dann wenn es lebensbedrohlich wird, kläglich versagen. Befleckt ist unser Griff nach dem Apfel, wo unser Bewusstsein größer sein will als Gott.  Auch die Menschen, die den dicken Max heraushängen, sind schwach und unzuverlässig. Große Lippen und viel heiße Luft. Menschen wollen oft mehr scheinen, als sie wirklich sind. Befleckt und unrein ist die Bilanz. Ein  modernen Coach spricht dann schnell vom inneren Schweinehund der überwunden werden muss. Doch wie will ein in sich ungefestigter, ungerechter und befleckter Mensch, aus sich heraus von einem Saulus zum Paulus werden?
Wo unsere Gerechtigkeit befleckt ist, braucht es eine unbefleckte Gerechtigkeit. Da sind wir bei Jesus Christus. Wo der Mensch sich erkennt, und wie Petrus bitterlich über seine Unfähigkeit zum Guten weint, kommt Gottes Gerechtigkeit ins Spiel. Weil kein Mensch gerecht sein kann, braucht er Christus der gerecht macht. Die Menschen, die Kirchen und Gemeinden leben allein von Gottes Barmherzigkeit. Es menschelt in jeder Gemeinschaft, das können wir niemand abtrainieren, wir können jedoch lernen barmherzig zu sein. Wenn wir uns und den anderen an seinen Abgründen finden, wollen wir gerne aufgeben. Wo Christus an unsere Abgründe kommt, will er neu anfangen. 
Wollen wir nicht gerade in unserem Versagen, der Barmherzigkeit die Türe öffnen?

Heilsamer Schock 

Über sich erschrecken, ist die Voraussetzung, um Erbarmen zu erfahren.
„Die Israeliten sprachen zum Herrn: Wir haben gesündigt, mach du es mit uns, wie dir´s gefällt; nur errette uns heute!“

Richter 10, 15
Sündigen und erretten gehören zusammen. Wer nicht sündigt, braucht keinen barmherzigen Gott. Da keiner sich von Schuld freisprechen kann, braucht es ständig einen, der uns frei spricht. Sündigen und erretten ist ein täglicher Kampf. Es ist die lebenslange Auseinandersetzung mit unseren Abgründen und der Wiedergutmachung. 
Am Anfang steht dabei immer das Erkennen: Ich habe gesündigt. Das ist der Auftakt der Erlösung. Wo wir Gott begegnen, erschrecken wir über uns selbst. Sich in seinen Abgründen erkennen, ist ein heiliger Moment. Gestern hatte ich solch einen Augenblick. Ich hatte mein Handy verlegt und überall gesucht. Da nahm ich ein Telefon und rief es an. In diesem Moment klingelt ein Handy in der Tasche einer Kundin, die dann schlagartig unter meinem Verdacht stand, sich daran vergriffen zu haben. Ich folgte ihr zum Ausgang und stellte fest, dass sie dann ein vertrauliches Gespräch führte. Beim weiteren Suchen, klingelte dann mein Handy auf meinem Schreibtisch, von einem Dokument zugedeck. Ein bitterer Schock, über diese üble Verdächtigung. Wir müssen erschrecken. Wir brauchen den Schmerz, um zu erkennen, durch mich kommt das Böse in die Welt. Dieser Schock ist der Schrei nach Erlösung. Wir müssen vor uns selbst erschrecken, um unsere Gottesbedürftigkeit zu erkennen. Unsere üblen Gedanken treiben uns in die Christus-Arme.
Im täglichen Kampf, mit allem was in uns verdammenswert ist, wo wir Gottes Sache entehren, gibt es nur das eine Gebet: errette uns heute. Dieses Fallen und Aufstehen ist unser Lebensrythmus. Schuld ist kein Grund zu verzweifeln, sondern der Anstoß, uns unmittelbar Christus zuzuwenden. Somit ist sündigen nicht unser Untergang, sondern unser Glück. Wo wir uns selbst erkennen, kann dadurch etwas heil werden. 
Wenn Gott gerade mit Sündern sein Reich baut, wollen wir da an unseren Abgründen die Flinte ins Korn werfen?

Einsicht schafft Jubel

Dem, der an seine Brust schlägt geht der Himmel auf.
„David sprach zum Herrn: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Und nun, Herr, nimm weg die Schuld deines Knechtes.“

2. Sam. 24, 10
Ehebruch, mit der Frau eines obersten Soldaten, ist für einen König kein Kavaliersdelikt. David hat heftig über die Stränge geschlagen. Doch es kommt die Stunde der Wahrheit. Das Gewissen schlägt. Schuld macht unruhig. Da ist ein Mechanismus in uns, der quält wie ein kleines Kind, das am Rockzipfel seiner Mutter zieht. Schuld zerstört in uns und anderen etwas. Dieses Unheil klagt an. Da schreit etwas nach Versöhnung. Da jammert das Unglück. Da stechen die Selbstvorwürfe. Wo Schuld übergangen wird, totgeschwiegen,  und ignoriert, da werden Herzen wie Beton. Da werden Gewissen kaltgestellt. 
Doch David lässt die Anklage zu. Er lässt sich in Frage stellen. Er erschrickt vor sich selbst. Das ist die Stunde Gottes. Wo der Mensch sich erkennt, erkennt er Gott. Schuldeinsicht ist Gotteserkenntnis. Erkannte Schuld ruft nach Sühne. Schuld schreit nach einem Erlöser. Wo der Mensch sich in Frage stellt, kommt Gott zum Zuge. Einsicht ist der Anfang der Erneuerung. Wo Schuld aufgedeckt wird, hat Gott wieder das Sagen. Da kann sich Heil werden ausbreiten. Da kommt Christus ins Spiel. In der Einsicht über sich selbst, wird das Verdammenswerte, zu einem Neuanfang. Somit ist nicht die Schuld an sich das Übel. Die Uneinsichtigkeit, Verstockung und Sturheit verhindern das Wirken Gottes. Erkannte Schuld ist der Anfang des Reiches Gottes. 
Bei Gott gibt es keine unverzeihliche Schuld. Es gibt kein Vergehen, das einen Neuanfang verhindern könnte. Das, was den Umbruch zu Erneuerung blockiert, ist wenn der Mensch vertuscht und uneinsichtig bleibt. Wir müssen nicht vor der eigenen Schuld erschrecken, wir müssen nur davor erschrecken, wenn wir nicht zu Selbstanklage bereit sind. Wir sollten dort zusammenzucken, wo wir endecken, dass wir nicht mehr zum Umdenken und Umkehren bereit sind. Jesus sagt: Der Himmel jubelt über einen Sünder, der umkehrt.
Warum betrachten wir Schuld als furchtbar schlecht, wenn sie zur Umkehr treibt und Reich Gottes zur Blüte kommt?

Schockieren heilt 

Es braucht oft ein heiliges Erschrecken, um zu erkennen, wo wir uns verrannt haben.
„Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn er erscheint?“

Mal. 3, 2
Bestehen hängt mit prüfen zusammen. VW hat mächtige Probleme manche Abgasuntersuchungen zu bestehen. Rückruf zur Nachbesserung, um dem Standard wieder zu entsprechen. Auch unser Leben muss bestehen. Spätestens wenn wir kurz vor dem Abtreten aus dieser Welt sind, stellt sich die Frage: War´s das?
Leben hat einen gewaltigen Sinn. Es ist nicht nur ein Sack, der einfach mit Tagen und Jahren gefüllt wird. Jeder Tag hat seinen Auftrag. An jedem Tag soll das verwirklicht werden, was Gott in die Menschen hineingelegt hat. Da soll ein Beleben und Befruchten stattfinden. Die Liebe soll der Flügel der Phantasie sein, die Hoffnung der Wind in unseren Segeln. Der tiefe Sinn ist, dass sich Gott unter den Menschen verwirklicht. Dass sich seine Gaben in uns schöpferisch entfalten. Am Ende des Lebens spüren wir etwas von dem, was wir versäumt haben. Wir merken, wir sind weit dahinter zurückgebleiben, hinter dem, was wir eigentlich hätten sein können. Spätestens in der letzten Gottesbegegnung wird uns das klar.
Der kleine Prophet Maleachi, will mit seiner Frage, in die Verworrenheit seines Volkes einen heiligen Schreck auslösen. Wir brauchen die regelmäßige Bestandsaufnahme. Wir brauchen die Gottesbegegnung, Wir brauchen das immer neue Erschrecken, dass so vieles im Leben nicht dem entspricht, was Gott sich mit uns dachte. Wir brauchen den Christus und das Wort zur ständigen Nachrüstung. Wir brauchen die Gotteserkenntnis, um uns selbst zu erkennen. Wir müssen uns selbst erkennen, um nicht den Zweck unserer Existenz  zu verfehlen. Mit Christus kommen wir in unsere Bestimmung, in dem, was Gott sich immer mit uns dachte. Damit können wir jeder Prüfung standhalten.
Wo lassen wir uns noch von unserer eigenen Sinnlosigkeit und dem „Dahinterbleiben“ schockieren, die so nicht bestehen können?

Klug ist die Interaktion mit anderswo 

die wahren Lebenszusammenhänge lernt man nicht auf Schulen und Universitäten.
„Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.“

Ps 14, 2
Wissen ist Macht. Bildung ist alles. Wer nichts Richtiges lernt, bringt es zu nichts. Alles Thesen, die wir von klein auf eingetrichtert bekommen haben. Es ist ein Genuss, sich mit gebildeten Menschen zu unterhalten. Da erfährt man oft wertvolle Impulse für das eigene Leben. Doch wenn man alles Wissen dieser Welt besäße, wäre man da gleichzeitig der edelste Mensch? Wissen und Weisheit sind zwei paar Stiefel. Die Bibel zeichnet ein ganz anderes Bild von Klugheit.
Klug ist eine Befruchtung zwischen Gott und Mensch. Auf der einen Seite hält Gott mit all seiner Erwarung Ausschau nach seinen Geschöpfen und trifft auf der anderen Seite auf Menschen, die sich auf ihn zubewegen. Er ist wie die Eizelle, die auf die Samenzelle wartet. Wenn diese beiden Elemente zusammen treffen, das ist klug. Da wächst etwas heran, das alles in den Schatten stellt. Diese Kombination ist eine Weisheit, die nicht auf dem natürlichen Wege erlernbar ist. Das ist Lernen per Interaktion. Da wächst etwas göttliches im Menschen. Diese Klugheit ist kein normaler Prozess von lernen und wachsen, sondern ein Gottesereignis. Der Zuwachs, der hier stattfindet ist, dass der Christus in uns wächst und wir mehr und mehr in die Geheimnisse Gottes hineinwachsen. In dieser Klugheit, erkennt der Mensch Gott und sich selbst. Da dringen wir in Lebengeheimnisse ein, die nicht mit mathematischen Formeln zu entdecken sind.
Wo Menschen auf diese Weise klug werden, entwickeln sich Gaben und Qualitäten, die man sich auf keiner Uni aneignen kann. In der Erkenntnis Gottes zu wachsen, ist das größte Geschenk an Weisheit. Hier lernt der Mensch unter einem anderen Horizont zu leben.
Welches Wissen und welche Weisheiten streben wir an, die uns in dieser Art über uns hinauswachsen lassen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch allen.