Sich beherrschen ist stark

Die Wege der Friedensstifter durchschreiten in Liebe den Lärm der Starken.

„Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte einnimmt.“
Spr. 16, 32

Heldentum hat in der Bibel ein ganz anderes Gesicht als uns in Filmen und im wahren Leben aufgezeigt wird. Da wird keine Macht über andere ausgeübt, sondern erstmal über sich selbst. Wahre Größe liegt darin, wenn ein Mensch wie David die Hand auf seine Brust schlägt und sagt: Ich bin der Mann. Wer Frieden in die Welt bringen will, muss sich als Adam erkennen, von dem alles Übel ausgeht. Zuerst muss in mir Frieden werden, bevor ich ihn zu anderen tragen kann. Frieden lässt sich nicht von außen über andere drüberstülpen. Frieden ist ein Lebensgeheimnis, das aus einer tiefen Ruhe in Gott kommt. Solange in mir Stolz und das rechthaben wollen vor anderen wohnt, kann kein entspanntes Miteinander entstehen. Daher führt der erste Weg der die Welt verändern will über mich. Menschliche Größe wächst, wo Gott in einem Leben wächst. Aus Angst unser Gesicht zu verlieren, sind wir auf Krawall gebürstet. Wo uns Unrecht geschieht, spüren wir, wie in uns die Galle kocht und die Haare zu Berge stehen. Wir haben ein starkes Selbstverteidigungs-Gen, das sich aufbäumt, wenn uns jemand zu nahe kommt oder einschränken will. Hier entstehen Konflikte, weil ein Ich das andere Ich aushebelt. Unfrieden entsteht, wo das Urmenschliche in uns stark ist. Daher setzten die Sprüche genau an diesem Punkt an.

Wer sich selbst beherrscht ist einer, der sein Aufbäumen in sich erkannt hat und sich dadurch von Gott beherrschen lässt. Augustinus sagte: Des Menschen Herz ist so lange unruhig, bis es seine Ruhe in Gott findet. Der Anfang der Selbstbeherrschung liegt in dem zur Ruhe kommen in Gott. Da streitet ein anderer für mein Recht. Da bin ich befreit worden, um mein Recht kämpfen zu müssen. Da bin ich durch Christus gerechtfertigt. Da wächst ein Gottvertrauen gegen den Tiger in mir. Das ist der Kern aller Welterneuerung. Wo sich in einem Miteinander etwas befrieden soll, richtet sich der Finger immer erst auf mich. Über sich herrschen lernen, über sein aufbäumendes Wesen die Macht haben, kann nur der in Gott befriedete Mensch. Mit solchen Menschen baut Gott seine neue Welt. Da werden die Grenzen, die die Angst errichtet hat, waffenlos überwunden. Da geschehen heilende Worte im Vorbeigehen. Da wir Zerbrochenes leise angerührt und zurechtgerückt, wie es Christamaria Schröter ausdrückt.

Geduldig sein kann der Glaubende, der im Getöse der Ichhaftigkeit seinen Weg geht. Wer zur Ruhe gekommen ist, braucht sich nicht mehr von Unruhe aufscheuchen lassen. In seinem geduldigen Ausharren, entwaffnet er die verletzenden Worte, die dann keine Kraft mehr haben Wunden zu schlagen. In seinem geduldig sein verunsichert er den Starken, der auf Widerstand hofft. Durch den Geduldigen und den, der sich selbst beherrscht kommt Frieden in die Welt.

Warum soll sich zuerst der andere ändern, wenn in unserer Beherrschung solch eine Stärke liegt?

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Göttliche Größe im Menschen

Das Gute kann das Böse nicht links liegen lassen.

„Die Erde ist voll der Güte des Herrn.“
Ps. 33, 5

Wo die Erde voll Güte ist, sind wir viel mehr als von der malerischer Schönheit faszinierender Sonnenaufgänge umgeben. Da ist noch viel mehr als verschneite Gebirgsketten und blühende Almwiesen. All die Landschaften, Lichtstimmungen, das Vogelgezwitscher am Morgen, der langersehnte Regen in der Nacht, sind nur ein Funke der Güte des Herrn. Wenn die Erde voll ist, dann ist sie völlig ausgefüllt mit Güte. Sie ist ganz und gar durchdrungen von dem Guten, auch dort wo sie schlecht ist. Da ist wo wir gehen und stehen Güte. Nicht nur an den Glanzlichtern der Erde, sondern auch im totalen Chaos. Der Gute ist vom dreckigsten Ort der Welt nicht wegzudenken. Güte ist nicht nur auf den guten Seiten des Lebens, sondern mitten im größten Übel. Das ist der eigentliche Knackpunkt der Güte. Das ist das immer wieder neu unfassbare, dass Gott die Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse, dass er regnen lässt, über Gerechte und Ungerechte. Die Güte unterscheidet nicht. Sie begegnet dem Wohlwollenden und dem Ablehnenden. Der Weizen auf dem Acker gedeiht bei dem Halsabschneider, wie bei dem Kirchgänger. Die Güte des Herrn setzt total andere Maßstäbe, als wir sie setzen würden. Wir empfinden es als ungerecht, wenn der Quertreiber nicht sofort eine Bauchlandung macht; wenn der, der uns zu schaffen macht, unter dem wir leiden, nicht auf die Finger geklopft bekommt. Güte hat mit der Eigenschaft Gottes zu tun. Sie ruht in dem langfristigen Heilsgedanken, die immer das Beste im Auge hat. Die Güte hat immer die Absicht zum Guten zu führen. Sie ist von der Verwandlung des Bösen getrieben. Sie gibt in keiner Situation die Hoffnung auf. Sie lebt dafür, dass auch alles Ungute durch die Güte erfüllt wird. Die Güte liebt ihre Feinde und segnet die, die sie verfolgen.

Wo die Erde voll der Güte des Herrn ist, sind die Glaubenden Handlanger der Güte. Das prägt den Umgang mit den Ungerechten. Sie bringen dem Hass den Friedensgruß und sprechen Segensworte über den Zerstrittenen. Genau in dieser Spannung erkennen wir, wie Güte an die Nieren geht. Die Güte ist eine Revolution gegen das Böse in der Welt. Da wird nicht mehr abgeurteilt und verdammt, sondern aufgerichtet und versöhnt. Die Güte überwindet sich selbst und allen Groll gegen das Böse, der sich eher vorwurfsvoll zurückziehen will. Wer von Güte erfasst ist, kann sich nicht von den Schandtaten anderer außer Gefecht setzen lassen. Wo wir nur die lieben, von denen wir geliebt werden, tun wir nichts Besonderes, das machen auch die Ungerechten, heißt es im Evangelium. Die Güte geht einen Schritt weiter. Sie wird dort aktiv, wo sie eine Abfuhr erhält. Sie liebt auch dann noch, wenn sie gehasst wird. Wo die Erde voll der Güte des Herrn ist, lässt sich der Glaubende nicht mehr vom Bösen beeindrucken. Er hat der Unverschämtheit eine viel stärkere Macht entgegenzusetzen. Güte ist göttliche Größe im Menschen.

Fängt nicht gerade dort, wo die Erde voll Güte ist, ein liebendes Überwinder-Dasein an?

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Gerecht Gemachte verbreiten Lebensmut

Wem Lasten abgenommen wurden, der kann mit anderen gönnerhaft und großzügig umgehen.
„Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbar werde.“

Jes. 56, 1
Was der Prophet hier ankündigt, ist der größte Befreiungsschlag für die Menschen. Da ist schlagartig ein Berg von Schulden weg. Gott entsorgt Unrecht und Unheil. Gott tritt mit ganzer Macht, der Misswirtschaft der Menschen entgegen. Wo seine Gerechtigkeit offenbar wird, schafft er mit Christus eine Neuschöpfung im Chaos. Er ordnet das aus dem Ruder gelaufene, in „das Richtige“. Wo Heil kommt, verbindet die Liebe die Wunden, die der Eigensinn geschlagen hat. Offenbarende Gerechtigkeit, lässt schäumende Gemüter zur Ruhe kommen. In allem Aufbäumen, in allem innerlichen Kochen über erfahrender Ungerechtigkeit, kommt die Gewissheit, dass Gott Recht schafft und Unrecht zur Verantwortung zieht. Gott lässt keinen Zweifel daran, dass er die höchste und letzte Instanz über allem ist. 
An allen Ecken und Enden schreit das Unrecht zum Himmel. Wir stöhnen, wie selbst staatliche und politische Systeme, die für Recht und Ordnung verantwortlich sind, nur aus Macht- und Eigeninteresse handeln. Es ist unfassbar, wie unser Gesundheitssystem krank macht, weil es die Hilfe verwehrt, die Menschen wieder auf die Beine bringen würde. Doch allem Anschein zum Trotz, haben die Machenschaften der Menschen nicht das letzte Wort. Gerechtigkeit Gottes beginnt nicht in ferner Zukunft. Dieses Wort vertröstet nicht auf bessere Zeiten, die irgendwann mal kommen werden. Wo Christus ist, werden Menschen gerecht gemacht. Wer dieses Zurechtbringen erfährt, tritt dem Unrecht entgegen. Die Glaubenden sind gerecht Gemachte, die zu Brückenköpfen von Gottes Gerechtigkeit in dieser Welt werden. Wir sind Boten und Diener von Recht und Gerechtigkeit. Wie das praktisch aussieht sehen wir bei Paulus: „Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was dem andern dient.“ Im Liebesdienst am Nächsten, erfährt dieser das Heil im Unrecht. Wer den Christus bringt und für andere zum Christus wird, übt Gottes Gerechtigkeit an den Menschen aus, und befreit sie aus dem quälenden Druck des Unrechts. Das ist der Dienst des Aufatmens.
Schaffen wir mit solch einem gönnerhaften Dienst nicht Hoffnung und Lebensmut?  

Es wird heller,  wenn ich rede

Kommen aus uns geerdete Worte?
„Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit.“

Ps. 119, 43
Ein starkes Image; das Wort der Wahrheit. Mit diesem Wort ist Dreh- und Angelpunkt der Existenz definiert. Hier wird Christus ins Zentrum dieser Welt gerückt. Wahrheit ist die letztgültige Maxime, von der alles ausgeht, in der alles ruht. Wahrheit offenbart die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Wahrheit ist die Grundrechenart, auf die alle Berechnungen des Lebens aufgebaut sind. Wenn man alle Fäden der Wahrheit zurückverfolgt, landet man am Herzen Gottes. Von ihm geht aus was wahr, gerecht und richtig ist. Die Wahrheit ist an der Liebe Gottes geeicht. 
Die Worte der Wahrheit, sind die vertonte Gerechtigkeit. Daraus erklingen die Werte, die Gott für das Leben festgelegt hat. Sie sprudeln als lebendige Quelle, die dürres Land wiederbelebt. Diese Worte sind der Regen in einem heißen Sommer. Diese Worte sind das Navi für die Wegsucher. Diese Worte kommen aus dem Herz des Guten, um damit alles Chaos zu ordnen.
Diese Worte sind mit Sorge an meinen Mund geknüpft. Unser Mund steht dafür wie unser Herz tickt. Wenn jemand den Mund öffnet, erkennen wir, welch Geistes Kind er ist. Der Mund, das was wir von uns geben, offenbart was wir lieben, was uns treibt, was wir verachten, wo wir falsche Einsichten verfolgen. Daher die Sorge mit der Bitte, dass das Wort der Wahrheit, immer in mir wohne. Es soll das Zentrum meiner Persönlichkeit sein. Ich wäre schief gewickelt, wenn aus meinem Mund etwas anderes käme. 
Wenn in diese Welt, in unsere Beziehungen und Handlungen die Wahrheit einziehen soll, geschieht das durch einen geheiligten Mund. Wir müssen uns ertappen, wo wir Wahrheiten verbiegen, um selbst zu unserem Recht zu kommen. Als Glaubende sind wir Haushalter über Gottes Geheimnisse. Unsere ganze Person steht für die Worte der Wahrheit.
Lässt sich an unseren Mund erkennen, dass wir am Herzen Gottes zuhause sind?

Gnade macht enttäuschungsresistent

wer Barmherzigkeit erfahren hat, kann selbst barmherzig sein.
„Ruben sprach zu seinen Brüdern: Vergießt nicht Blut!“

1. Mose 37, 22
Blut vergießen ist nicht nur eine Frage von Krieg und Terror, sie beginnt ganz im Kleinen bei uns. Wir kennen die alltäglichen Situationen, der offenen und versteckten Beleidigungen und Vorwürfen. Wenn manche Leute schon den Mund aufmachen, fängt in uns etwas zu Kochen an. Da schaffen es ein paar Worte, unsere fromme Seele in Wallungen zu bringen. Eine Stichelei, und schon braut sich in uns ein Gewitter zusammen. Da kennen wir uns plötzlich selber nicht mehr und erschrecken, welche Hassgefühle in uns aufkommen können. Eigentlich dachten wir, wir hätten uns fest im Griff und stehen darüber. Hier erleben wir den Selbstverteidigungswahn des Menschen. Die Theologie spricht von der Rechtfertigung. Wir stehen ständig unter dem Eindruck, wir müssten uns vor Gott und aller Welt rechtfertigen. Wir müssten uns selbst zum Recht verhelfen. Quasi, wenn wir das jetzt richtig stellen, ist die Welt wieder in Ordnung.
Rechtfertigung war Luthers großes Thema. Nicht der Mensch schafft Recht, sondern Gott schafft Recht. Wir sind nicht für die Reaktionen und Handlungen des anderen verantwortlich, wir sind für uns selbst verantwortlich. Der Umgang Gottes mit unserem inneren Aufbäumen, mit all den Abgründen die sich auftun, ist Barmherzigkeit. Gott schafft Recht durch Christus. Die Gnade ist das Auffangbecken für unser Hasspotenzial. Weil Gott liebt, sind wir gerecht gemacht, stehen wir im Richtigen.
Hier beginnt Heiligung. Hier wächst der unvergorene Mensch in die Gnade. In der Heiligung endet die Selbstrechtfertigung, weil wir bereits gerecht gemacht sind. Die erfahrene Barmherzigkeit macht an den Abgründen zur Liebe fähig. Auf dem Weg der Heiligung werden wir mehr und mehr enttäuschungsresistent, weil wir geliebt sind und nichts zu verlieren haben.
Ist die Barmherzigkeit nicht entwaffnend in allem Hass?

Gerecht Gemachte leuchten 

Was ist Wahrheit?
„Der Herr ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb.“

PS. 11, 7
Jeder Staat hat seine Gesetze. Jeder hat festgelegt, was richtig und falsch ist. Ob diese Ordnungen funktionieren, sehen wir, wenn sich zwei Völker gegenüberstehen, die ein unterschiedliches Rechtsverständnis haben. Jeder hat andere Maxime für Gut und Böse. Im Extrem fliegen dann Kranaten. Krieg und Unrecht entsteht, wo es nicht mit „rechten“ Dingen zugeht. Das heißt doch, dass Menschen aus sich heraus keinen Maßstab ausgeben können, für das was richtig ist.
Der Herr ist gerecht. Wie eingemeiselt wird hier ein allgemein gültiger Maßstab in die Erde gepflockt. Wo es um Recht und Unrecht geht brauchen wir keinen James Bond oder einen von allen akzeptierten Weltpräsidenten, sondern einen, in dem Recht und Ordung ruht. Unser Rechtsstaat beruft bisher sich noch auf diese Ordnung, so wahr mir Gott helfe. Da liegt noch etwas von dem Verständnis, das das eigentliche Recht von dem Gerechten ausgeht.
Der Mensch steht im Unrecht, wo er nicht an der Seite Gottes steht. Diese Gespür hatte Pilatus, als er fragte: Was ist Wahrheit? Seine Macht war zuende und er wusste, er kann nicht gerecht handeln. Gerecht werden wir nur, wo wir im Richten stehen. In Christus wird der ungerechte Mensch gerecht. Da gehen in der Welt wieder Lichter an, die durch Unrecht ausgegen sind. Der von Gott gerecht Gemachte, kann Menschen die Wahrheit bringen. Weil der Herr Gerechtigkeit liebt, bleibt unser Dasein nicht im Unrecht stehen. Dort wo die Menschen unter dem Unrecht dieser Welt leiden, hilftt der Glaubende zu neuer Hoffnung.
Wollen wir unter allen Unrecht stöhnen, oder lieber zu einem Licht werden?

Die Zunge macht hell

wenn wir einmal beobachten was unser Mund den ganzen Tag so ablässt, kann einem schwindelig werden.
„Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.“

Ps. 35, 28
Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Was die Zunge von sich gibt, sind die Dinge die im inneren bewegen. Wenn jemand von Gerechtigkeit redet, muss Gott zuvor gewaltiges ins rechte Licht gesetzt haben. Gerecht ist der Ausgleich eines Missverhältnisses. Da wurde etwas, was entgleist war, wieder auf Kurs gebracht. Unrecht wurde aus der Welt geschafft. Da wurden wieder geordnete Verhältnisse geschaffen. Gerecht ist der Neuanfang nach dem Unglück. Hier hat ein Mensch die Christus Gegenwart erlebt. Hier blieb jemand nicht im Unheil stecken. Da hat Gott das tägliche Drama umgewandelt. Gerechtigkeit ist der Sonnenaufgang über einem Nacht gewordenen Leben.
Diese Strahlen leuchten aus dem Mund. Da hat die Zunge keinen Grund mehr, den ganzen Tag von Dramen und Katastrophen zu erzählen. Da hat das beschwerte Herz eine neue Schwingung bekommen, da verwandelt sich der Schmerzkörper. Die Zunge findet neue Töne und Worte. Da atmet der Mund eine neue Frische. Da verschwindet der übel riechende Sound, der sonst die Lippen verlies. Es wird heller Tag, wenn diese Zunge redet. Da entsteht Gesang und Lob. Wenn dieser Mund sich öffnet, geht gleichzeitig der Himmel auf. Was die Zunge redet zeigt immer, in wie weit die Sonne der Gerechtigkeit innen drin aufgegangen ist.
Was soll unsere Zunge heute von sich geben?

Tausend zu eins

wer besitzt die Kühnheit, sich gegen Gott einen Anwalt zu nehmen?
„Ich weiß sehr gut, dass ein Mensch nicht recht behalten kann gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er Ihm auf tausend nicht eins antworten.“

Hiob 9, 2-3
Wir kennen die Lust mit Gott zu streiten. Er muss für alles herhalten, was nicht so läuft, wir wir uns das denken. Gott ist am Elend der Welt und meines Lebens Schuld. Es hätte doch schon lange das arme Kind wieder gesund machen können, den Krieg in Syrien beenden und die sich unter Schmerzen quälende alte Frau sterben lassen. Wir wissen oft zu genau, was Gott hätte tun sollen. Wir zeigen mit Finger auf ihn und machen ihn für alles verantwortlich. Mit welchem Recht stellen wir ihn an den Pranger? Wer gibt uns die Autorität über Gott das Urteil zu sprechen? Woher nehmen wir die Vermessenheit, Gott für sein Handeln oder Nichthandeln zur Rechenschaft zu ziehen? Der Unglaube klagt an.
Der glaubende Hiob sagt: Ich kann nicht recht behalten gegen Gott. Ausgerechnet Hiob, der allen Grund hätte Gott Vorwürfe zu machen, weil er wie ein geprügelter Hund dasteht. Er sagt, die Sache zwischen Gott und mir steht tausend zu eins. In einem Rechtsstreit hätte ich keine Chance. Auf tausend Fragen könnte ich nicht eine beantworten. Er steht am gedemütigsten Punkt seines Lebens vor einer Größe, die für ihn unantastbar bleibt. Wie sollte ich ermessen können, was da bei Gott hinter den Kulissen alles abläuft? Wenn ich schon meine Zusammenhänge nicht verstehe, wie sollte ich dann schöpferische Dimensionen begreifen. Für ihn wächst die Erkenntnis, dass die Wahrheit nicht in dem liegt, was ich verstehe oder nicht verstehe, sondern meine Wahrnehmung übersteigt. In der schrecklichsten Verfassung seines Lebens verwandelt sich unter diesem Erkennen alle Anklage in Vertrauen. In seiner Kleinheit wird ihm Gott größer. Er lässt sich im Schicksal nicht zu Buhmann machen, der einen Schuldigen sucht, sondern fängt an, in seiner Ohnmacht an Gott zu reifen. Er klagt nicht an, sondern stellt sich dieser Größe. Er verlässt seine jammernde Opferrolle und wagt im Glauben das über sich und die augenblickliche Situation hinausdenken. Im Glauben und Vertrauen bringen wir unser anklagendes Herz zum Schweigen.
Wir haben die Wahl, entweder in unserer Auflehnung zu verzweifeln, oder im Glauben zu einer neuen Größe heranzuwachsen.  
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Wo der Mensch seine Ohnmacht erkennt

können wir solch einer Gegenüberstellung standhalten?

„Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen.“
Dan. 9, 7

Da wird ein mächtiger Pfoten in die Erde gerammt. Der Herr, ist gerecht! Da wird nicht einfach gesagt, Gott ist gerecht, sondern der Herr. Das umfasst Gott in seiner ganzen Macht, das beinhaltet seine Vaterschaft, die er Jesus Christus gegenüber hat und wenn jemand „du Herr“ spricht, ist somit auch das Wirken den Heiligen Geistes mit inbegriffen, der uns diesen Gott erschließt. Von diesem dreieinigen Gott entsteht die Erkenntnis: Du bist gerecht. Das ist die Maxime, dessen, was auf der Erde und im Himmel geschieht. Das ist der Maßstab zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis. Das ist die Gegenüberstellung von sichtbarer und unsichtbarer Welt, zwischen Mensch und Gott.

Diese Erkenntnis schließt unser Menschsein auf. Wenn der Herr gerecht ist, ist außerhalb von ihm Unrecht, Finsternis und alles, was in die falsche Richtung führt. Wenn der Herr gerecht ist, ist das für uns die ethische Grundlage, an der wir alle Stöhmungen und Entwicklungen einmessen können. Unter diesem Erkennen, endecken wir uns selbst und wie wir zu Gott stehen. Wir endecken, wie unwillig wir ihm gegenüber sind. Wir müssen uns schämen, wieviel von Gottes Werten bei uns übrig bleibt. Wo der Herr gerecht ist, erkennt der Mensch seine Ohnmacht. Er erkennt, dass er nie diesem Recht und diesem Richtigen entsprechen kann. Wir sind immer auf sein „gerecht sein“ und dadurch sein gerecht machen angewiesen. Dazu brauchen wir ihn als den Herrn, der sich in Christus uns gezeigt hat.

Wir selber leben aus dieser Erkenntnis, die ein täglicher Erneuerungsprozess bedeutet. Um gerecht zu werden, sei unser Leben, wie Luther es ausdrückt, eine tägliche Rückkehr, eine tägliche Buße.

„Du, Herr, bist gerecht“, ist unser größter Durchbruch zu einem erneuerten Leben. Wollen wir dieses Erkennen unserer Unwilligkeit, nicht jeden Tag neu, von diesem Herrn durchbrechen lassen?

Barmherzigkeit ist kein Justizirrtum

was ist das für eine Instanz, die all unseren Schlamassel ausbügelt?

„Der Herr ist gerecht in all seinen Wegen und gnädig in all seinen Werken.“
Ps. 145, 17

Juristen haben einen heißen Job. Sie entscheiden über Wohl und Wehe. Sie haben Unrecht zu strafen und Richtiges herauszuhauen. Gott toleriert genauso wenig Vergehen. Er hat das Allerbeste im Sinn und muss srändig erleben wie die,  die zu ihm gehören nicht in der Lage sind, das Gute durchzutragen. Täglich erfährt er einen Petrus, der ihn verleugnet und einen Judas, der ihn verrät. Auch die Frommen sind abgrundtief verdorben und hängen immer hinter dem her, was sie sein sollen.

Der Herr ist gerecht.  Er muss Unrecht verdammen und kann es nicht gut heißen. Gott ist kein liebevoller Papa, der durch alle 5 Finger schaut und sagt, ist doch nicht so schlimm. Böses ist Zerstörung und muss aus der Welt geschafft werden. Schuld ist kein Kavaliersdelikt.

Entgegen aller menschlichen Rechtsprechung geht Gott einen unglaublichen Weg. Um das Recht wieder herzustellen, Ungutes wieder in Ordnung zu bringen, büßt nicht der Schuldige, sondern er selbst. So wichtig ist ihm das Recht, das Richtige, dass er sich alles zumutet, um Schuld auszuräumen. Jesus Christus wird zum Schuldigen, der uns gerecht macht. Ein Gerechtigkeitsprinzip, das alle Rechtsprechung aus den Angeln hebt. Barmherzigkeit ist kein Justizirrtum, sondern das Heiligste, was einem Menschen passieren kann.

Kann jemand, der so gerecht geworden ist, nicht nur noch vor Ehrfurcht auf die Knie sinken?