Überraschende Begegnung

Wir bringen Christus in das Elend der Welt und wir empfangen ihn daraus.

„Der Herr sprach zu Mose: Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben.“5.Mose 18,18

Heute feiert die orthodoxe Kirche Weihnachten. An der Krippe zeigt uns Gott wo wir Jesus finden. Nicht zuerst im Tempel, in irgendwelchen heiligen Hallen, in super aufregenden Events, sondern im Stall. In die Unwirklichkeit dieser Welt hat die Liebe eingeschlagen. Gott ist in der Pampa angekommen. Im letzten Dreckloch, wo ihn keiner vermutet. Oft meinen wir Glaubenden, wir müssen die Begegnung mit Christus schön verklären und auf ein nettes, freundliches Niveau heben. Doch wir begegnen Christus im Elend und der Armseligkeit dieser Welt. Vielleicht gerade unter den Menschen, mit denen wir am liebsten gar nichts zu tun hätten. Christus wird uns erweckt, an den dunkelsten Ecken der Menschheitsgeschichte. Wir begegnen Christus am Kreuz und am offenen Grab auf dem Friedhof. Genau an den unschönen Seiten des Lebens ist Gott angekommen. Die Christusbegegnung hat Gott in die Katastrophen des Lebens gelegt, um deutlich zu machen, die Elenden und Erschlagenen sind seine Zielgruppe. In der schlimmsten Situation unseres Lebens wird Christus geboren. Im dem Unfrieden der Welt, erweckt Gott Worte des Friedens. Dort wo niemand an ihn denk, keiner von ihm redet, die Welt sich von ihrer kältesten Seite zeigt, werden Worte Herzen erwärmen. 
Wenn die Christusgeburt in der dunkelsten Nacht geschieht, wird er uns immer dort begegnen, wo wir nie mit ihm rechnen. So wird die schlimmste Lebenskrise zum Geburtsort. Genau in den Spannungen in der Gemeinde, Familie, im Berufsleben, will es Weihnachten werden. Wir empfangen Christus nicht nur im Sonntagsgottesdienst, sondern erst recht an den Nahtstellen der ungemütlichen Tage. Somit bringen wir nicht nur den Christus in das Elend, wir empfangen ihn, im und aus dem Elend. Da kann an einer unverhofften Stelle Gott durch einen Menschen reden, der gar nicht weiß, dass er zur Gottesstimme geworden ist. Gott ist immer für Überraschungen gut. Da kann bei mir und bei anderen, gerade die Situation unter der wir leiden, Du zum Davonlaufen ist, zur Geburtsstunde Christi werden. 
Welche Worte erweckt Gott gerade aus meinem unangenehmen Stand?  

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Frust wird zum Turbolader 

Wer Weihnachten erlebt hat, kann an eine Veränderung glauben.

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“Jes. 42, 3

Dieses Wort ist wie Dünger auf die belastete Seele. Damit trifft Gott genau den Nerv und die Nahtstellen des grauen Alltags, der heute wieder beginnt. Da kommen die Lothar-Stürme am 2. Feiertag, wie vor einigen Jahren, die ganze Wälder im Schwarzwald kahl rasierten. Da werden Leben geknickt und Lichter gehen aus. Gerade in diesen Schwachstellen ist es Weihnachten geworden. Gott setzt ein ganz menschliches Zeichen, wo alle guten Vorsätze zu zerbrechen drohen. Dort wo der Mensch nichts mehr in der Tasche hat, mit Selbstmotivation nichts mehr erreicht, kommt er in der Gebrechlichkeit eines hilflosen Kindes in die Schwachheit hinein. In dem Kleinen, Unscheinbaren, will den Hilflosen groß werden. Das in Windeln gewickelte Kind, ist Gottes Zeichen, wie er mit Schwachheit umgeht. Die Ohnmacht wird durch ihn mächtig. Dem Machtlosen fließt Stärke zu. Das Geringe erfährt Hochachtung. Was an der Krippe geschieht, ist der gewaltigste Umbruch für geknickte Rohre und glimmende Dochte. Das Zeichen liegt auf dem unscheinbaren Christus. Hier endet Niedergeschlagenheit nicht in der Sackgasse. An der Krippe geht das Licht nicht mehr aus. Da ist der Knick nicht mehr der Anfang vom Ende. Da ist in der hoffnungslosesten Situation alles möglich. Wir dürfen und müssen sogar an der Krippe ins Schwärmen geraten. An der Krippe ändert sich alles. Da entfalten sich Gottes Möglichkeiten in menschlichen Grenzen. Gott selbst zündet das Licht wieder an.   
Das hilflose Kind ist das stärkste Symbol das Gott den Glaubenden geschenkt hat. Damit ist aller Hilflosigkeit die Verzweiflung genommen. Dort wo nichts mehr geht, beginnt Gott. Der Glaubende bekommt dadurch eine Perspektive, dass selbst der größte Sturm es nicht schafft, das letzte Licht auszupusten. Gott bringt auch bei größtem Gegenwind seine Schiffe in den Hafen. Wer das Christkind erlebt hat, kann aus dieser verändernden Kraft leben.
Ist da nicht gerade das geknickte Rohr und der glimmende Docht, die Chance unseres Lebens? 

Souveränität durch Krippenstehen

Wenn Gott richtet, kommen danach keine Gitterstäbe.

„Er ist der Herr, unser Gott; er richtet in aller Welt.“

Ps. 105, 7
Wo Gott richtet, bringt er die aus den Fugen geratene Welt zurecht. Wo Gott die Ordnungen wieder herstellt, fliegen nicht die Fetzen, da wird die Erde erneuert. Gott macht aus dem Unrecht kein Kleinholz, sondern zimmert aus menschlichem Kleinholz eine Krippe. Wenn er Recht schafft, gibt er den am Boden Liegenden ihre Würde zurück. Er überreicht den Zerbrochenen das Recht auf Leben. Er bringt die auf der Schattenseite des Lebens Gelandeten zu Ehre. Wo Gott die Welt richtet, geht die Sonne auf. Das bringt der Evangelist Johannes treffend zum Ausdruck: „Das aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist.“ Mit Weihnachten bekommt das Unwerte die Chance seines Lebens. Wo dieser Richter unterwegs ist, heißt es: „Fürchte dich nicht, euch ist heute der Heiland geboren.“ Da wird nicht weggesperrt, da wird aufgerichtet. Da kommt kein Angstmacher, sondern ein Erbarmer. Aus dem Säbelrassler wird ein Liebhaber. Gott, der die Sünde verdammt, richtet sie mit Christus. Gottes Lebensgesetz, das kein Mensch erfüllen kann, erfüllt die Gnade. Damit wir Frieden bekommen, verbüßt die Liebe die Schuld. Der Richter selbst steht für die Wiedergutmachung. Daher kann der belastete Mensch an der Krippe gesund werden. An Weihnachten wird es in aller Verworrenheit wieder hell. Da verschafft Liebhaber des Lebens, den unter dem Unrecht Gebeugten wieder Recht.
Somit war Niedergeschlagen vor Weihnachten. Nach dem Stehen an der Krippe, kann der Mensch wieder stehen. Er ist aufgerichtet worden. Wer den Stern gesehen hat, muss in keiner Situation mehr verzweifeln. Für unsere Zukunft hat der Richter ganze Arbeit geleistet. Auch wenn wir im neuen Jahr weiter im Unrecht dieser Welt leben, haben wir an der Krippe die Angst verloren. Wir stehen gerecht gemacht in den Widrigkeiten unserer Tage. Wir brauchen nicht krampfhaft um unser Recht kämpfen, weil wir bereits tiefen inneren Frieden haben. Dieser Richter verschafft uns Souveränität. in einer gefallenen Schöpfung.
Wie wird die Begegnung mit diesem Licht, in unserer Zukunft Spuren hinterlassen?

Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft

Wenn die Liebe in Leidenschaft brennt ist Weihnachten.
„Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.“

5.Mose 4, 24
Bei einer Vorstellung von Gott, können wir nur an ein leidenschaftliches Energiebündel denken. Da sprüht und funkt die Liebe an allen Ecken und Enden. Der Eifer um sein Haus hat ihn gefressen. Der Mensch, der immer wieder von ihm abweicht, holt ihn aus der letzten Reserve. Leidenschaft ist ein innerer Brand, der nicht zu löschen ist. Gott ist total verliebt in das Leben und die Menschen. Er will in allem das Beste vom Besten. Er ist angetrieben von Fülle und dass alle mehr als genug haben. Er brennt für den höchsten Standard des Daseins. Er glüht gegen Halbheit und Mittelmaß. Ein für das Gute Eifernder, wird sich nicht mit Ausschuss abfinden. Gott kann es nicht mit ansehen, wo der Mensch an seiner eigentlichen Bestimmung vorbei geht. In ihm bäumt sich alles auf, wo eine Blume die zum Blühen gedacht ist dahinwelkt.  
Lange Zeit hat man aus dem verzehrenden Feuer und eifernden Gott ein Angstgebäude zusammen gezimmert. Da wurde den „Abweichlern“ gedroht und den Hintern heiß gemacht. Gott als einer, der alles kurz und klein schlägt, wenn einer ihm nicht willens ist. Doch Gott droht nicht mit Feuer, sondern brennt für Rettung. Wer Angst verbreitet, kommt nicht aus der Leidenschaft Gottes. Das verzehrende Feuer liebt sich durch die Nacht der Welt, in den Stall von Bethlehem. Die Krippe ist ein Flügel von Gottes Phantasie, wie er wieder unter die Menschen kommt. Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft. Da hat die Liebe eine angstfreie Zone geschaffen. Stark und zart eifert Gott. Jesus ist das verzehrende Feuer, das sich in Herzen brennt. An der Krippe werden kernige Hirten weich. An der Krippe wird klar, wie Gott mit Unvollkommenheit umgeht. Die Liebe kommt nicht mit dem Holzhammer, sondern holt die Menschen an ihrer schwächsten Stelle ab. Dem Sünder wird nicht mit Strafe gedroht, sondern das Heil in den Dreck gestellt. Mit Christus eifert sich Gott in Herzen. 
Weihnachten will unser Gottesbild begradigen. Die Leidenschaft will uns heiß machen. Das Stehen an der Krippe, will zur Liebe befähigen. Weil wir abgrundtief geliebt sind, haben wir das, was das Leben braucht – den Mutterschoß. Wer geliebt ist, ist lebensfähig. An der Krippe gibt Gott dem Menschen zurück, was sein ganzes Leben ausmacht. Leidenschaftlich Geliebte können leben und lieben.
Wenn die Krippe das Feuer aller Leidenschaft ist, müssen wir da nicht feiern ohne Ende?

Gesegnete, frohe und leidenschaftliche Weihnachten 

Durch uns wird’s in eisiger Kälte warm

eine heile Welt entsteht nicht durch gute Politik und anständige Menschen.
„Man soll nicht mehr von Frevel hören in deinem Lande noch von Schaden oder Verderben in deinen Grenzen, sondern deine Mauern sollen Heil und deine Tore Lob heißen.“

Jes. 60, 18
Genau das ist es, wonach sich jeder seht. Eine heile Welt. Alle Bemühungen der Politik richten sich darauf aus, unser Bestreben in den Familien ist getragen von der Sehnsucht nach Harmonie. Selbst am Arbeitsplatz ist die Störung des Arbeitsfriedens vertraglich geregelt. Alle bemühen sich darum, diesen Zustand zu schaffen, der heute beschrieben ist. Trotz allen Bemühungen, trotz aller Verbesserungen und Maßnahmen, die für ein besseres Miteinander unternommen werden, stehen wir im Bobemhagel. Unsere Tage sind von Ach und Weh gezeichnet. Jeder stöhnt unter irgendwelchen Zerbrüchen und leidet unter dem Auseinaderbrechen von Beziehungen.
Menschen können keine heile Welt schaffen, sie können sie auch nicht abschaffen. Die heile Welt geht von Gott aus. Die Sehnsucht in uns nach geordneten Verhältnissen, kann nur aus der heilen Welt gestillt werden. Um Gott ist der Raum, den wir uns hier alle erträumen. Um diesen Raum zu erreichen, müssen wir nicht unsere Anstrengungen verstärken, sondern dafür hat Gott etwas von diesem „Heiligen“ in unsere Welt geworfen. Wir können nicht unsere schrecklichen Zustände verändern, sondern Gott verändert uns, durch das Kind in der Krippe. Durch Christus entsteht Wärme inmitten eisiger Kälte. Wir können nicht von irgendwelchen Menschen erwarten, dass sie uns ein angenehmes Leben schaffen, sondern durch Christus verändert sich unser Umgang mit dem Unangenehmen. Wir selber werden zu einem Funken heilige Welt, die in alle Unheiligkeit hineinfunkt. Wo Gott in einem Menschen wohnt, werden ständig Samen ausgestreut, die überhaupt eine unheile Welt am Leben erhalten. Wir überfordern die Menschen, wenn wir von ihren die heile Welt erwarten, die wir uns wünschen. Wir können sie nur selbst erfahren und dann hineintragen. 
Stöhnen wir unter dem Unheil, oder lassen wir etwas Heilendes in diese Welt fallen, unter dem die Menschen aufatmen?

Aha-Effekt an der Krippe 

wenn Schafhirten zu Engeln werden.
„Der Herr macht die Blinden sehend.

Ps. 146, 8
An Silvester ist bei uns in Dettingen Tag der offenen Tür im Ziegenstall. Dazu laden die Ziegenfreunde ein. Hier in der schwäbischen Alb Region ziehen auch immer wieder Schäfer mit ihren Herden durch. Diese Hirten sind in der Regel rauhe Naturburschen. Wind und Wetter machten sie widerstandfähig und kernig. Wenn jetzt zu solchen naturverwachsenen Jungs eine Engelserscheinung herantritt, stünde die Welt Kopf. Wenn die auch noch sagen würden, geht in den Ziegenstall, da passiert gerade etwas, das in die Weltgeschichte eingeht, dann ist die Psychiatrie nicht mehr weit.
Hirten haben eine Erleuchtung. Sie machen eine Krippenerfahrung, die sie total verändert. Sie sehen etwas, das ihr Dasein umkrempelt. Die Christusbegegnung gibt den Augen eine neue Blickrichtung. Von lobenden Engeln angetrieben, geschieht an der Krippe ein Aha-Effekt. Sie sehen etwas, was für sie bisher keinerlei Bedeutung hatte. Sie erkennen Gott. In diesem Augenblick werden die rustikalen Burschen butterzart. Gotteserkenntnis macht sie zu Lobsängern. Sie reihen sich lückenlos in die himmlischen Heerscharen mit ein. Diese Erfahrung macht Hirten zu Engeln. Nicht nur ihre Augen sondern auch ihr Herz haben in die Krippe geschaut
Weihnachten macht sehend. Wer wirklich dem Kind begegnet ist, bekommt eine neue Perspektive für 2017. Mir dieser Erfahrung, wird der Alltag vom Wesentlichen geprägt. Da kann man nicht einfach der Routine mehr folgen. Wer Christus gesehen hat, bekommt für sich eine neue Zielstrebigkeit. Da sehen wir neue Schwerpunkte. Alles bekommt eine neue Ausrichtung. Da ist ein Hirte kein gewöhnlicher Hirte mehr. Wer dem Licht begegnet ist, der strahlt etwas ab.
Welche Spuren hat unser Krippenbesuch hinterlassen?

Der rote Teppich für die Schwachen 

mit Weihnachten haben die Schwachen Kraft.
„Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.“

1. Sam. 2, 4
Oft werden die Schönen, die Reichen und die Starken beneidet und zum Vorbild erhoben. Manch einer kennt den Wunsch, lieber reich und gesund, als arm und krank. Dieser Aufblick zu den „Großen“ lässt uns klein erscheinen und minderwertig vorkommen. Wir definieren uns über unsere Defizite und Mängel, und meinen, die anderen haben es geschafft. Selbst die drei Weisen aus dem Morgenland suchten den neuen König bei den Großen. Sie steuerten zuerst die Machtzentrale des Landesfürsten an, und entdeckten, Weihnachten entmytologisiert.
Weihnachten stellt die Machtverhältnisse auf den Kopf. Wo Gott in die Geschichte kommt, werden menschliche Hierachieen umgedreht. Da zählen nicht mehr die, die sich nach „oben“ gekämpft oder gedient haben, da dient Gott den Menschen. Mit Christus kommt Gottes wahre Größe auf die Welt. Weltherrschaft beginnt im Stall. Das Geringe, das Niedrige kommt zum Glänzen, das Schwache jubiliert. David besiegt den Goliath. Gott hat sich klein gemacht, um das Kleine groß zu machen. Das, was in der Welt nichts zu melden hat, bringt die Erde zum Zittern. Die Ohnmacht erfährt einen neuen Siegeszug. Mit der Krippe wird dem Unbedeutenden, den roten Teppich ausgerollt.
Weihnachten erfüllt die, die nichts haben und geht an denen vorbei, die meinen, sie hätten alles. An Weihnachten feiert Gott den Mangel, den er mit seiner Gegenwart ausfüllt. Das Kind in der Krippe ist das Symbol, dass eigentliche Stärke in dem von Gott beschenkt werden liegt.
Weil wir Christus haben sind wir jemand. Wir haben eine Stimme. Wir haben Worte, die die Welt bewegen. Wir haben eine Kraft, die Menschen in Atem hält. Wir brauchen uns nicht verstecken, weil Licht aus uns herausstrahlt. Durch Weihnachten sind auch wir nicht mehr bedeutungslos, sondern können die Welt umkrempeln.Unsere Selbstzweifel haben ausgedient.
Wollen wir nicht von der Krippe aufstehen und mit ganzer Macht etwas Heiliges in die Ohnmacht der Welt hineintragen?
Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden für euch alle an diesem Weihachstfest.

Der Glaube macht die Nacht heilig 

die dunkelste Nacht, wird durch einen einzigen Stern zur Heiligen Nacht.
„Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“

Ps. 116, 10
Leben ist belastet. Da ist keiner, bei dem alles glatt läuft. Wir plagen uns durch die Tage. Da sind Dauerschmerzen, da sind Worte die verletzen und Menschen die enttäuschen. Da ist ständig etwas, was an uns nagt. Klage ist normal, Klage ist biblisch. Not darf nicht verschluckt werden, sonst frisst sie einen auf. Not braucht den Hilfeschrei. Mit dem was belastet, darf man sich nie abfinden. Wer zufrieden ist, mit dem wie es ist, stumpft ab.
Die Klage bahnt sich einen Weg. In die Nacht, die zum Himmel schreit fällt ein Licht. Das belastete Dasein ist nicht die Endstation, sondern der Anfang des Glaubens. Wo zum „ich klage“ das „ich glaube“ kommt, fängt Gott zu handeln an. Das Beschwerliche bleibt nicht allein, sondern öffnet sich dem Spielraum Gottes. Das Elend der Welt wird zum Stall und zur Krippe, die einem Erlöser Platz macht. Die Plage steht für alles was im Leben aus den Fugen geraten ist, es sind die widrigen Stallverhältnisse, und dahinein funkt Gott. Ich glaube, lässt den Christus kommen. Ich glaube, verbindet sich mit der schwärzesten Nacht. Da kann ein Kind die Zukunft auftun. Durch den Glauben macht Christus jede Nacht zur Heiligen Nacht. Da wird die Finsternis umgebrochen, da wird die belastete Seele frei. Die Nacht ist immer noch Nacht, aber eine verwandelte, eine helle Nacht. Der Glaube baut dem Christus die Krippe in seinem Elend auf.
Über welcher Plage sollte dieser Stern nicht aufgehen?
Eine gesegnete heilige Nacht wünsche ich euch. 

Der Schlüssel liegt in der Krippe 

im Leben zählt nur das Original.
„Es werden sich zum Herrn bekehren aller Welt Enden.“

Ps. 22, 28
Ein Tag bis Heilig Abend. Wem und was wenden sich die Menschen zu? Am Fest der heiligen Familie sind die Familientermine ausgebucht. Zwischen Glanz und Glimmer, einem schönen Essen soll für ein paar Stunden sich Harmonie und Frieden ausbreiten, wo das ganz Jahr über, das Miteinander ein Steckenritt war. Von einem äußeren Rahmen erwartet man, dass er etwas überdeckt, was im Untergrund brodelt. Jeder geht in Weihnachten mit irgendwelchen Verletzungen, mitmenschlichen Belastungen, Lebensumständen, die nicht zum Feiern anglegt sind und sehnt sich etwas Wohltuendem.
Bei allem, was wir in Weihnachen hineinlegen, kommt die eigentliche Menschlichkeit von Gott. Zum Herrn hinkehren, erschließt die Menschenfreundlichkeit Gottes. Weihnachten wird dort hell, wo Gott sein Menschliches Gesicht zeigt. Die aufgescheuchte Seele kommt an der Krippe zur Ruhe. Frieden auf Erden liegt nicht in menschlichen Bemühungen, sondern durch den Frieden, der in einem Menschen geboren wird. Ein Licht geht an, wo Gott einen Raum, einen Schoß, eine Krippe findet. Die Hinkehr zu diesem befruchtenden Ereignis lässt es Weihnachten in uns werden.
Auch wenn wir alles unternehmen um ein schönes Fest vorzubereiten, liegt der Schlüssel in der Krippe. In Christus erfahren wir Gott in seiner ganzen Menschlichkeit. Das ist der beste Besuch, den wir machen können.
Werden dabei unsere Augen nicht wie gespannte Kinderaugen zum Leuchten kommen, 

Jetzt erst recht muss Weihnachten werden

Weihnachten wird es gerade in Scherben und Nacht.
„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“

Sach. 4, 6
Von Babylon zurück, sieht das Volk Israel nur auf Trümmerberge und Ruinenreste. In diesem Bild des Jammers will Gott Neues entstehen lassen. Angsicht solchen Jammers vierliert manch einer den Mut und die Hoffnung. Wenn wir nach Berlin schauen, vergehen einem alle Weihnachtsgefühle. Ausgerechnet auf einem Weihnachtsmarkt, wo sich jeder nach etwas Heimelichkeit sehnt und in eine andere Welt eintauchen will, bricht die größte Nacht herein. Eine Kundin sagte gestern, da vergeht es einem Weihnachten zu feiern.
Weihnachten kommt nicht durch Heer oder Kraft. Das was Gott in dieser Welt aufrichten will, richtet er im Chaos, in Finsternis, in allen Unmöglichkeiten unserer Zeit auf. Nicht dort wo die Menschen stark sind und die Sicherheitsdienste alles im Griff haben, nein, genau dort geht ein Licht auf, wo Menschen in Trauer und Unfassbarkeit zerrüttet sind. Dort wo keine Macht der Welt etwas dagegen ausrichten kann, kommt eine Macht, die menschliches übersteigt. Gottes Geist ist die fürsorgliche Kraft, die verwundete Herzen verbindet, die in himmelschreiender Ungerechtigkeit und Brutalität haltlose Seelen auffängt. Dort wo nichts mehr zählt, wo kein gutes Wort mehr verbitterte Herzen erreicht, spricht Gott in seinem Wort. Das Christuskind wird nicht in die stimmungsvolle, gemütliche Feierlichkeit unserer Wohnungen geboren, sondern im Mist der Welt.
Deshalb ist gerade unsere Sprachlosigkeit unsere Ohnmacht der Ort für Weihnachten. Wo Menschen hilflos verstummen, ist Gottes Stunde gekommen. Wo wir nichts mehr im Griff haben, wird Neues durch seinen Geist geschehen. Im Glauben an dieses Wunder, wird die Krippe zur Kraft.
Wollen wir in aller Schockstarre, nicht viel mehr ausrufen:Jetzt erst recht, muss es Weihnachten werden?