Befreites Aufatmen

Was wir tun, hat Folgen.

Herr, geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.“
Ps. 143, 2

Der König David erkennt sich als Gottesknecht in seinem Unrecht. Er sieht, wie seine Ideale, wie sein Glaube, mit dem wirklichen Leben auseinanderklaffen. Ihm geht erschreckend auf, wie unstimmig sein Leben ist. Ich will das Gute und tue Böses. Ich will ein frommer und gerechter Herrscher sein, und lasse aus Lust und Eigennutz, einen meiner besten Feldherren über die Klinge springen. Meine Taten schreien zum Himmel. Meine Taten klagen mich an. Das Ergebnis meines Lebens, kann ich vor Gott und der Welt nicht verantworten. Mein Tun spricht eine andere Sprache als mein Wollen. In mir ist etwas nicht richtig, nicht so, wie es dem Leben, wie es Gott entsprechen soll. David erkennt sich in seiner Adams-Natur. Er muss an sich selber feststellen, das Großartige, das Gott will und in mein Leben gelegt hat, dem kann ich nie entsprechen. Aus mir heraus kann ich nicht der Gottesknecht sein, der ich eigentlich sein will. Da ist ständig ein Defizit, da ist ständig ein Mangel, da ist immer eine offene Rechnung, da klagt mich immer eine Schuld an. In diesem Bußgebet, steht er an dem wichtigsten Punkt, an dem ein Mensch stehen kann: Kein Lebendiger ist gerecht vor dir. Es ist die bedingungslose Kapitulation vor Gott. Kein Wenn und Aber, keine Ausreden. Ich bin der Mann. Wer das erkennt, steht unter dem Kreuz. Wer sein eigenes Unrecht erkennt, erkennt seine Erlösungsbedürftigkeit. Er steht damit unmittelbar vor Christus. Aus Gericht wird Gnade. Geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht, ist die tiefe Verwandlung, dass auf unser Tun, Gottes Tun folgt. In Christus ist das Gericht weg. Es ist keine menschliche Leistung, keine noch so intensive Bußübung, keine noch so große Selbstanklage die uns gerecht macht, es ist einzig Christus. Johannes sagt: Wer an Christus glaubt, kommt nicht ins Gericht.

Die Praxis des König David ist die einzige Gangart im Umgang mit dem eigenen Versagen. Hierin liegt der Sitz der königlichen Freiheit eines Christen. Da löst sich aller frommer Krampf, dass wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. An dem Punkt des Erschreckens vor sich selbst steht, braucht sich keiner mehr in irgendwelche Aufgaben hineinopfern, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Manche bringen einen gnadenlosen Einsatz in der Kirche und Gesellschaft, nur deshalb, um Gott gnädig zu stimmen. Oft meinen wir, dass wir durch unsere Hingabe, noch mit zu unserer Erlösung beitragen können. Wir wollen unsere Schlagseiten mit Gutem zudecken. Wir geben unser Opfer, damit Gott ein Auge zudrückt. Doch mit all unserm noch „Dazugeben“ wollen zeigen wir nur, dass wir noch nicht zu unserer eigenen Tragik stehen. Wir wollen unsere Gerechtigkeit selber machen und sind nicht bereit für das Christi. Der Schreck der Selbsterkenntnis kann nur zu Christus führen, damit das Gericht zur Gnade wird. Wo das geschieht, findet ein befreites Aufatmen statt, auch mitten in aller Ungerechtigkeit.

Wo steht unser Leistungsdenken, einem solch befreiten Leben im Wege?

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Eine Glocke will wieder Danke sagen
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Schiffbrüchige fallen ins Erbarmen

Gerade die vom Leben Gezeichneten, sind von Gott gezeichnet worden.

_“Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?
Ps. 94, 9

Wer solch eine Frage an das Leben stellt, stellt sie mit großer Weisheit. Er entlarvt damit die menschliche Kurzsichtigkeit und Schwerhörigkeit. Wo der Mensch glaubt, Gott sieht und hört nichts, angesichts der Lasten die auf seinem Leben liegen, dreht der Psalmbeter der Spieß um. Wie sollte einer, der die Sinnesorgane für die Kommunikation geschaffen hat, genau diese ignorieren? Wo Gott äußersten Wert auf die Gemeinschaft mit Menschen legt, wo er alles dazugegeben hat, ihn wahrzunehmen, wo wir ihn schmecken und sehen sollen, wie freundlich er ist, da soll er einen Rückzieher machen? O Mensch, du hast doch etwas an den Augen und Ohren. Hier wird eine tiefe Tragik des Menschen angesprochen. Bei allem was geschieht wird zuerst Gott hinterfragt, bevor man sich selbst hinterfragt. Für die Krankheit, für das Unglück wird ein Schuldiger gesucht, ohne dabei zu sehen, dass eine starke Hand alles zum Besten führen will. Wenn wir Fallen, meinen wir schnell, wir wären aus dieser starken Hand gefallen. Der Mensch hat ein Sehproblem, mit allen dem Schweren, das sich in einem Leben ereignet. Da legt einer seine Hand an uns, um sein Meisterwerk zu gestalten, ein echtes Kunstwerk aus uns zu schaffen, mit einer großen Vision unser Leben in die Zukunft zu entwickeln, und wir klagen den Handwerker an, der mit Hammer und Meißel eine großartige Arbeit macht. Wir hören Gehämmer und meinen, Gott will Krieg mit uns. Wir sehen nur die Brocken wegfliegen und glauben an Zerstörung. Wir sind diejenigen, die ständig in der Gefahr stehen, Gottes Handeln an uns fehl zu interpretieren. Wir klagen den an, der das Heil für uns im Auge hat. Mit unserer Sichtweise wollen wir Gott vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat. Warum lässt Gott es zu, dass Jan Hus als leidenschaftlicher Verkündiger und einer, der die Kirche erneuern wollte, heute vor 603 Jahren auf dem Konzil in Konstanz als Märtyrer stirbt? Nur weil wir nicht hinter Gottes Geheimnisse blicken können, schreiben wir ihm vor, was er hätte anders machen sollen. Unsere Zweifel an ihm sind unser Problem. Die Spannung, zu glauben, auch wenn wir nicht sehen.

Vor was sollte der Glaubende erschrecken, wenn die ganze Lebensgeschichte in Gottes Händen ruht? Wie sollten wir je unter den Eindruck kommen, Gott sieht und hört nicht, wo er selbst der Raum zum Atmen ist? Wie sollte uns einer verlassen, der uns Kinder nennt? Hören und sehen sind die Organe, aus denen Gott gemacht ist. Ihm entgeht nichts. Da gibt es keine Partitionen auf der Festplatte, die irgendwelche Lücken haben. Gott ist uns näher als jeder Herzschlag. Er leidet mit uns jeden Schlag durch, der zur Vollendung unseres Lebens dient. Wenn Gott das Meer ist, braucht kein Seemann einen Schiffbruch zu fürchten.

Warum sollten wir mit Gott hadern, wenn ihm nicht das Geringste aus dem Ruder läuft?

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Die Welt versüßen

In der Liebe Christi wachsen Eigenschaften in uns, die wir von Natur aus nicht haben.

„Der Herr spricht: Er liebt mich, darum will ich ihn erretten.“
Ps. 91, 14

Wer liebt, heilt. Zu lieben und Liebe zu erfahren, lässt Menschen über sich hinauswachsen. Liebe ist die höchste gestalterische Kraft, die Menschen über ihren Verstand hinaus, zu ganz Großem ausformen kann. Liebe macht den andern groß, während Ablehnung ihn klein macht. Wenn Gott sagt: Er liebt mich, dann liegt darin bereits die Verherrlichung Gottes. Da geht ein menschliches Herz ganz im Herzen Gottes auf. Wo ein Mensch Gott liebt, hat Gott zuvor sein Herz ausgeschüttet. Liebe zu Gott sind immer Echo auf die angekommene Liebe von ihm. Kein Mensch würde Gott lieben, wenn er nicht bereits von Güte überfallen worden wäre. Gott ist es gelungen, ein zuvor verstocktes Herz aufzubrechen. Wo überhaupt Liebe in einem Menschen gedeiht, ist von Gott ein Funke übergesprungen. Liebe ist Gott und damit das Wachstum der Schöpfung. Alles was wächst, blüht und gedeiht, ist hineininvestierte Liebe. Gott hat sich total verschwenderisch ins Leben geworfen. Dass sich Gott an das Leben verausgabt, gibt allem Dasein seinen eigentlichen Wert. Alles was geschaffen ist steckt voller Potenzial der Liebe Gottes. Wo ein Mensch Gott liebt, entdeckt er sein eigenes Lebensgeheimnis. Er entdeckt, dass im Verschenken, im sich selbst hingeben, die größte Fülle und Erfüllung liegt. Gott ist deshalb so reich und verschwenderisch, weil er sich hingibt. Wer fest hält verliert; wer hingibt empfängt. Wo die Liebe verlöscht, schwindet der Lebenswille. Nach einer zerbrochenen Liebe geht es nur bergab. Wo die Liebe bricht, brechen Menschen. Da kommen Kopfschmerzen und Magenkrämpfe.

Jesus sagt: bleibet in meiner Liebe! Das ist unsere Rettung. Wir alle wissen wie anfällig und brüchig die Liebe unter Menschen ist, daher baut Christus eine Brücke zu einer enttäuschungsresistenten Liebe. Da ist die größte Liebe, die nie wegbrechen kann. Da ist dauerhaft eine lebenserneuernde Kraft. In diesem an Christus bleiben, liegt die ganze Belastbarkeit eines Menschen. Da kann Ablehnung kommen, so viel sie auch sein mag, jedoch stürzen wir nicht mehr ins Bodenlose. Das nimmt den bitteren Geschmack aller gebrochenen Beziehungen. Das nimmt die Abwärtsspirale nach enttäuschtem Miteinander. Wo wir in der Liebe Christi bleiben, werden wir durch alle Lieblosigkeiten hindurchgerettet. Da setzten keine Entwicklungsstörungen ein, sondern wir bleiben in der Wachstumsphase, in der Liebe, Eifer, Demut, Hingabe und Reinheit zur neuen Blüte austreiben. Die Liebe zu Gott heilt und rettet.

Können wir nicht damit die ganze Welt versüßen, wenn die Liebe ihre Blüten treibt?

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Predigt: Polterabend

Dickkopf hilft

Gottvertrauen ist enttäuschungssicher.

„Du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.“
Ps. 25, 5

Ohne Wenn und Aber bekennt ein Beter Gottes Hilfe. Dass Gott hilft, ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Es gibt keinen Funken von Zweifel, dass diese Hilfe ausbleibt. Hilfe ist einfach da und umgibt uns, wie die Luft zum Atmen. Hilfe ist allgegenwärtig und ständig verfügbar. Wir sind von Wohlwollen umringt, mit allem was aufbaut und was den Verunglückten und Beschwerten versorgt. Keine Einschränkung, keine Ausnahme, keine Bedenken. Wie kann ein Mensch so etwas behaupten, angesichts der vielen Hilflosen, die eine ganz andere Erfahrung machen? Wo ist die Hilfe für die, die sich von Gott vergessen sehen?

Hilfe hängt mit Harren zusammen. Harren ist das verbissene Festhalten, das Aushalten gegen allen Anschein. Harren ist das Hoffen, auf etwas, was man nicht sieht. Harren ist der unbeirrbare Glaube, der im Gottvertrauen geschenkt wird. Harren ist der Dickkopf des Glaubens, der sich nicht abschütteln lässt. „Ich lasse dich nicht, weil du mich segnest.“ Harren, ist das in allen Anfechtungen gegen Gott, zu Gott hinglauben. Harren ist das auf der Straße liegen und Aushalten bis der barmherzige Samariter kommt. Harren ist, in der ungemütlichen Zwischenphase standzuhalten, Schmerzen zu verspüren und dabei immer noch die Hoffnung auf Hilfe haben. Der Glaube zieht die Hilfe ins Unerträgliche. Glaube klammert sich an die Hilfe, die bereits dann da ist, wo noch nichts von ihr zu sehen ist. Das ist wie mit unseren Wünschen. Zuerst träumen wir von einem neuen Eigenheim. Irgendwann fangen wir an in unserem Geist das Haus zu bauen. Bis zu dem Zeitpunkt ist noch nichts von diesem Haus zu sehen. Doch irgendwann kommt der erste Spatenstich, die Fundamente, die Mauern und das Dach. Stück um Stück entsteht das, an das wir geglaubt haben, wovon wir uns haben nicht abbringen lassen. Eines Tages ziehen wir in das Haus ein, das am Anfang nur ein flüchtiger Gedanke war. Da war nichts zu sehen und nichts zu greifen, als eine Idee, die sich materialisiert hat. Etwas Unsichtbares ist durch den Glauben Wirklichkeit geworden. Hilfe erfährt der, der pittbullmäßig an ihr festhält. Den Gott, der mir hilft zu erfahren, kann der, der sich von seinem Glauben an die Hilfe nicht abschütteln lässt.

Was wäre das für eine Hilfe, die auf Knopfdruck funktionieren würde? Sie würde nichts am Menschen verändern. Wo die Hilfe nicht an Glaube und Vertrauen gebunden ist, würde sich der Mensch wie ein Pascha bedienen lassen. Gott, du hast dafür zu sorgen, dass es mir gut geht. Gott hilf mir mal, dass ich weitermachen kann wie bisher. Deine Hilfe will ich schon, doch von dir selbst will ich nichts wissen. Was wäre das für ein eigennütziges Gebet. Die Hilfe von Gott, will Hilfe zum Glauben und Vertrauen sein. Daher erfahren wir den Gott der hilft, wenn wir täglich auf ihn harren.

Wie soll in Not und Traurigkeit Hilfe hineinfallen, wenn wir nicht allezeit auf den hoffen, der uns hilft?

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Schreien macht gesund

Christus steht nicht hinter uns als unsere Vergangenheit, sondern vor uns als unsere Hoffnung. Fr. v. Bodelschwingh

„Herr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund.“
Ps. 30, 3

Wo ein Mensch zu Gott schreit, trägt er seine ganze Verzweiflung an die höchste Stelle. Der Schreiende ist nicht fertig, sondern erwartet noch etwas. Darin liegt das ganze innere Aufbegehren, sich nicht mit der augenblicklichen Situation abzufinden. Da kocht die Not auf Gott zu. In dem Moment gibt es nichts zu danken und zu loben, sondern nur noch zu weinen und zu klagen. Wir können auch als Glaubende nicht immer nur gut drauf sein. Als Erdenbürger ist es völlig normal, an Gott und den Menschen irre zu werden. Es braucht sich keiner schämen, der zu Gott schreit. Wer im Elend schreit, hat Gott noch nicht aufgegeben. Manchmal ist der Schrei das einzige Gebet, das von Menschen zu Gott dringt. Schreien klammert sich an Hilfe. Aus wieviel Schützengräben, aus wieviel Kliniken sind die Schreie in den Himmel aufgestiegen. Wer seinen Jammer herausbrüllt, bleibt nicht unerhört. Wo das Schreien auf Gott trifft, ist die Hilfe sicher. Die Schreie, die zu Gott aufsteigen, werden bereits zum Lob. Das klagende Herz ehrt damit den, in dessen Hand alles Leben liegt. Der Schrei ist wie ein offenes Gefäß, das bereit ist sich füllen zu lassen. Dieses hilflose, verzweifelte sich öffnen, macht Platz, dass Heilung geschehen kann. Da beginnt die verwandelnde Kraft, die Passionswege mit Osterwegen verbindet. Da werden Schreie in die Auferstehungskraft verwandelt. In dem Schreien zu Gott, wird die Christusgegenwart an uns lebendig.

Damit entsteht eine viel größere Gesundheit, als dass Blinde wieder sehen und Lahme wieder gehen können. Da erkennt der Blinde das Heil in Christus, egal ob er die Schönheit der Berge, Blumen und Pflanzen wahrnehmen kann, oder ihm das natürliche Augenlicht verschlossen bleibt. Gesund geworden sind nicht die, die den Kugelhagel in den Schützengräben „nur“ überlebt haben, sondern die, deren Leben sich total geändert hat, nachdem sie die Uniform ausgezogen hatten. Das ist gesund, unter Lasten zu leben, seine Not zu Gott zu schreien, darin Hoffnung zu entwickeln und Gott die Ehre zu geben. Das Lob kommt nicht nur von den Starken, sondern gerade von den Ohnmächtigen, die ihre Not vor Gott schreien. Das ist die größte Gesundheit, durch Christus in der verzweifelten Lage, neu hoffen zu können. Gesund ist, mit Krankem und Belastendem gesund umgehen zu können. Dafür können wir zu Gott schreien.

Woher wollen wir noch mehr Hilfe bekommen, wenn wir uns ausweinen?

Fürsorge fliegt durch die Luft

In der Gärtnerei ist unser Kater Michel Herr im Haus und die Freude der ganzen Belegschaft.

„Herr, du hilfst Menschen und Tieren.“
Ps. 36, 7

In der ganzen Schöpfung spiegelt sich der Schöpfer. Mensch, Tier und Pflanzen sind solch ein fein durchdachtes System, das sich gegenseitig erhält und trägt. Ein organischer Kreislauf, und das bezogen sein auf die Natur, ist der Lebensraum, der uns geschenkt ist. Menschen und Tiere bedingen und ergänzen sich. Sie sind sich zum gegenseitigen Erhalt und Freude geschaffen. Der ganze Kosmos ruht in diesem Zusammenspiel. Wenn unser Michel uns mit durch die Gärtnerei begleitet, wenn er in seiner Mooskiste auf dem Arbeitsplatz liegt, sind das Glücksmomente für beiden Seiten. So ein paar Schmuseeinheiten neben der Arbeit, durchbrechen schnell mal das hastige Getriebe. Für viele sind Hund und Katze zum Familienmitglied geworden, die manche einsame Stunde überbrücken. Wo Gott den Tieren hilft, tut er dem Menschen etwas Gutes. Umfassend und feinfühlig ist er, in dem was er schafft. Wo er die Vögel ernährt, die nicht säen und ernten, fliegt seine ganze Fürsorge durch die Luft. Unser ganzer Lebensraum ist, wo wir gehen und stehen von Wohlwollen und Liebe durchströmt. Es trägt die Handschrift eines Versorgers, der allem Lebenden seine Hände auftut. Da findet die Biene ihr Blume, das Schaf sein Gras, der Fisch sein Plankton. Im Grundgedanken der Schöpfung ist an alles gedacht und keiner übersehen. Da tobt sich der Liebhaber des Lebens nach allen Regeln der Kunst aus. Somit steckt in jedem Augenblick, im kleinsten Winkel alles Geschaffenen, die ganze Gegenwart Gottes. Die Natur ist schwanger mit Gottes Güte. Fleisch, Milch und Honig auf unserem Tisch, sind die Liebesgaben dieser Fürsorge.

Wo Güte der Pulsschlag der Schöpfung ist, hat der Mensch einen Gott, der nichts übersieht. Wo Gott sieht, hilft er umfassend. Er hilft auch dann noch, wo der Mensch ihn verlässt. Seine Hilfe wird zur Passion. Das Kreuz ist das letzte Zeichen davon, wie tiefgreifend und umfassend Hilfe ist. Die dunkelste Stunde der Menschheitsgeschichte, ist der Gipfel der Güte. Selbst wo wir die bittersten Pillen des Lebens verdauen müssen, sind wir nie ohne die Schmuseeinheiten des Schöpfers. Aus seiner Fürsorge kann kein Mensch oder Tier herausfallen.

Sind nicht jeder Vogel, der über unseren Kopf fliegt, jedes Augenpaar, das uns treuherzig anschaut, Zeichen dafür, dass nichts und niemand vergessen ist?

Schmerzen sind gut

Getröstete, sehen Sterben als Gewinn.

„Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus all seinen Nöten.“
Ps. 34, 7

Das größte Unglück des Menschen ist, sich nur nach Glück und sonnigen Tagen zu sehnen. Wir sind inzwischen darauf geeicht, wenn die Sonne scheint, dies als schönen Tag zu bezeichnen. Sonne gleich gut und Regen gleich schlecht. Die Moderatoren beim Wetterbericht suggerieren uns das vor. Spätestens wenn im Sommer einige Wochen das Wasser fehlt, die Blumen ihre Köpfe hängen und die Bäume im Wald sterben, müssen wir erkennen, wir gut Regen ist. Gewitter ist nicht nur schädigende Bedrohung, es ist Befreiung, Reinigung, Entladung und Erneuerung. Die Stimmung nach einem Nachtgewitter ist wie eine Neuschöpfung. Wo in einem Leben die Fetzen fliegen, Dasein jämmerliche Formen annimmt, das Elend zum Himmel schreit, hat eine Schöpfungsstunde begonnen. Der Schöpfer arbeitet an seinem Werk. Wo die Blume in ihrer Schönheit abgeschnitten wird, in ein kunstvolles Altargesteck verarbeitet wird, wird sie zu einem Loblied. Ihre Existenz verehrt den Meister. Das Holzbrett wird unter dem zersägen, hobeln und schleifen zur Wohnzimmervitrine.
Jesus sagt: Wo das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es viel Frucht. Die Bearbeitungsschritte des Lebens, die uns zersägen, abschneiden und zum Sterben bringen, das, was wir als Elend empfinden, sind die Wege zur Fruchtbarkeit.
Gerade im Leid liegen die Wege zur Vollkommenheit. Das Ungemütliche, die Kreuzwege, sind nötig für die Herrlichkeit. Die Seligpreisungen sprechen die, die Leid tragen glückselig. Sie trösten die Untröstlichen. Gerade die, die unter den Lasten stöhnen sind die Glücklichen. Nicht diejenigen, die von Lasten befreit sind. Jesus nimmt nicht den Schmerz, sondern er verwandelt ihn. In der Verwandlung, in der Umgestaltung meiner Person, im unverständlichen Leiden, entsteht die Glückseligkeit. Im Elend verwirklicht sich die ganze Nähe Gottes. Im tiefsten Leid formt Christus sein Heil. Darin wird das Leid zutiefst sinnvoll, weil es uns zu dem macht, was wir sind – Spiegelbild Gottes.

Wo wir uns gegen das Leid wehren, wehren wir uns gegen unsere Heiligung und Glückseligkeit. Wir stellen uns gegen das Sterben, das zum Leben führt. Im Elend begegnen wir Christus. Im Elend fangen wir an zu rufen. Im Elend wird Gott groß, weil unsere Größe klein wird. Der scheinbar unangenehme Regen begießt seine Schöpfung und bringt neues Blühen hervor. Das Unangenehme ist unsere Rettung. Wo wir im Elend rufen, haben wir Gott auf unserer Seite und die Hilfe ist sicher.

Wollen wir uns den Schmerz nicht zum Freund machen, weil wir darin unsere größte Hilfe erfahren?

Unglaube verhindert Segen

Leben ist loben, weil es aus dem Himmel mit Strömen der Liebe regnet.

„Bei dem Herrn findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk!
Ps. 3, 9

Berufene sind Gesegnete. Sein Volk, sind die aus allen anderen Völkern herausgewählten. Gott pickt sich Menschen heraus, denen er Gutes tun will. Gott hat den Drang und das Bedürfnis sich mit dem was er hat und ist mitzuteilen. Er sagt: Mensch ich gebe dir etwas, was dir kein Mensch geben kann. Mit mir kannst du was erleben. Von Gott erwählt zu werden ist ein Privileg, es ist eine besondere Gnade. Da sind Menschen, die er zu etwas macht, was die natürliche Laufbahn durchbricht. Gott am Menschen und Gott im Menschen, da fließt der Segen. Mit Christus hat der Mensch eine Goldader entdeckt. Ab diesem Moment ist die Versorgung gesichert. Berufen zu sein heißt, Gott übernimmt alle Sorge. Wo Gott sein Volk segnet, können zwei Hände voll junge Leute, mit Anfang zwanzig, ein Millionenprojekt starten. Das Kapital einer beginnenden Bruderschaft waren einige Spaten, zwei Schubkarren und eine Berufung. Damit hat Gott das Land umgegraben und uns das Staunen gelehrt. Was jetzt nach Jahrzehnten entstanden ist, lässt nichts mehr von den bescheidenen Anfängen erahnen. Gott hat sich in unserem Fall keine Geschäftsleute, Wirtschaftsunternehmer oder Architekten berufen, sondern Schüler, Lehrlinge und frischgebackene Gesellen. Segen und Hilfe sind die Begleiterscheinungen der Berufenen. Das ist der Inhalt des Glaubens. Gott ruft die Nichts-Habenden, dass daraus Großes entsteht. Dass darin offensichtlich wird, Glauben hat nichts mit menschlichem Können und Vermögen zu tun, sondern mit berufen und für den Segen offen sein. Gott will menschliches Denken und menschliche Maßstäbe durchbrechen, er will dem Glaubenden zeigen, was er drauf hat. Segen offenbart, dass Gott souverän über alle Umstände hinweg handelt. Da ist immer mehr da, als unser Denken zulässt. Segen ist Liebe, die wie ein Wasserfall, nicht zu stoppen ist.

Um im Segen zu leben, diese Glückseligkeit auszuschöpfen, braucht es einfach Menschen die nichts haben, jedoch alles glauben. Glaubende folgen dem Ruf, und nicht dem, was sie für möglich halten. Berufene brauchen nichts mitbringen, weil Gott alles beisteuert. Somit ist wirklich alles möglich, für den der glaubt. Der Glaubende ist der Gesegnete, da fließt immer mehr zu, als das was da ist. Ein Leben mit Gott fängt erst da richtig an, wo wir nichts vorzuweisen haben, wo wir armselig und hilflos vor ihm stehen, und ihm Platz machen für seinen Segen. Da kommt immer mehr als wir je glauben können.

Bremsen wir nicht oft mit unserem Unglauben den Segen aus?

Auf und ab findet eine Konstante

O Gott, gib uns immer neu erfrischende Herzlichkeit und schenke uns die Heiterkeit im Glauben.

„Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“

Ps. 51, 14
Wer so betet, kennt die Stunden des Absackens im Glauben. Er kämpft mit Trauer und eigener Unwilligkeit. Wie schnell verlieren wir den Glaubensmut, wenn es im Leben dick kommt. Wie schnell geben wir auf und verzagen wir, wenn Unerwartetes über uns hereinbricht. Glaube bewegt sich zwischen Macht und Ohnmacht. Er lebt in der Spannung zwischen Tag und Nacht. Glaube durchlebt die ganze Hinfälligkeit unserer Menschlichkeit. Daher kann sich der Glaube nicht an der menschlichen Gebrechlichkeit entzünden. Glaube kann nicht aus dem Menschen kommen, er entzündet sich an der Gottesgegenwart. Glaube ist Gabe, ist Geschenk, ist das Vertrauen, das Gott weckt. Der Glaube ist das Echo auf den handelnden Gott. Wo der Glaube schwach wird, wo die Zweifel nagen, muss nicht der Mensch seine Anstrengungen verdoppeln, sondern seine Schwachheit zum Gebet werden lassen. Das „erfreue mich wieder“, ist kein Selbstmotivationsprogramm, sondern genau die richtige Adresse für Absacker. Gott baut auf. Das Gebet wird zur Hilfe. Gott selbst ist die Anlaufstelle, wenn wir erkennen, wir hängen ab. Krisen sind normal, dunkle Stunden gehören zum Dasein, doch sie sind der Anfang eines Gebetes. Wo wir an uns selbst verzweifeln wollen, wenn wir erkennen, wie wenig wir zur Liebe und Glauben fähig sind, ist das der Anfang, auf die Hilfe zuzugehen. Wir brauchen regelrecht die Spannungen im Glauben, um unsere Gottabhängigkeit zu entdecken. Erst wenn wir unsere Schwachheit erkennen, kann die Liebe zu Gott groß werden. Wo wir am Ende sind, fängt Gott erst richtig an.
Wo wir unsere Leere spüren ist der beste Augenblick, an dem Gott groß werden kann.  Es sind nicht unsere glaubensstarken Tage an denen uns die Hilfe groß wird, sondern gerade die Wegstrecken, an denen wir ausgelaugt und müde geworden sind. Wo wir mit unserem eigenen Versagen konfrontiert sind, wo wir an Gott und der Welt verzweifeln wollen, wo nichts mehr da ist, kann Gott zu allem werden. In der Dunkelheit entfaltet das Licht seine schönste Wirkung. Daher verkrampfen wir uns nicht, wenn es nicht rund läuft; bitten wir um neuen Glauben, um erfrischende Herzlichkeit, um Heiterkeit und all die Gaben, die nur von ihm kommen.
Ist die Durststrecke im Glauben, nicht der Weg zu viel mehr Hingabe?

Sich führen lassen ist Hilfe

Gott baut seine Kirche trotz der Menschen und wenn es sein muss, auch gegen sie.

Ich will meiner Herde helfen, dass sie nicht mehr zum Raub werden soll.“

Hes. 34, 22



Gott schützt das Seine. Seine Herde, seine Gemeinde steht in den Herausforderungen mit sich selbst, doch dagegen steht der Wille Gottes. Gegen den Status Quo Gottes, kommen die schlimmsten Machenschaften nicht an. Wo Gott Hilfe zusagt, ist Hilfe da. Da steht einer für die anderen. Da ist ein Hirte, eine Führungskraft, die nein sagt zum Bösen. Existenzsicherung liegt nicht in den Händen der Herde, es ist Hirtensache. Der Prophet Hesekiel hört seinen Gott von treulosen und unfähigen Hirten reden, die sich selbst weiden und sich mitnichten um ihre Herde kümmern. In solche Missstände hinein, will Gott sich selbst als Hirte zeigen. Die Ausbeutung soll ein Ende haben. Wo Gott sich als Hirte erweist, geht er mit Hirten, die sich selber weiden hart ins Gericht. Zu der Gemeinde zählen nicht die, die einfach dabei sein wollen und für sich das beste genießen. Zu seinem Volk gehören die, die sich von dem Hirten führen lassen, die ihn brauchen und nötig haben. Unter diesem geführt werden geschieht die Hilfe. Da ist bestes Weideland in Sicht. Hilfe erfahren die, die sich anvertrauen, die sich selbst loslassen. Die Führung der Glaubenden geschieht durch den guten Hirten, Jesus Christus. Er ist der Gipfel der Hilfe Gottes. Diese Hilfe ist ein Machtwechsel, bei dem unsere Führungsrolle an ihn übergeht. Unter dieser Führung funktioniert das christliche Miteinander, funktioniert Herde und Gemeinde. Da begegnet dem Selberwollen der Wille Gottes. Hilfe ist der Umschwung vom ich zum du. Das liegt in der Ganzhingabe des Christus.
Wir sind die Ausgesetzten und Ausgelieferten, wo wir uns auf uns selbst verlassen. Wo wir dem Hirten die Führung überlassen, ist uns geholfen. Da werden wir auf ein Weideland geführt, das wir uns nicht erträumen können. Da hat Kirche eine große Zukunft. Da wird Advent zum inneren Umbruch, weil der Hirte kommt und die Führung übernimmt.
Warum fällt es so schwer, diese Hilfe anzunehmen?