Schreien macht gesund

Christus steht nicht hinter uns als unsere Vergangenheit, sondern vor uns als unsere Hoffnung. Fr. v. Bodelschwingh

„Herr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund.“
Ps. 30, 3

Wo ein Mensch zu Gott schreit, trägt er seine ganze Verzweiflung an die höchste Stelle. Der Schreiende ist nicht fertig, sondern erwartet noch etwas. Darin liegt das ganze innere Aufbegehren, sich nicht mit der augenblicklichen Situation abzufinden. Da kocht die Not auf Gott zu. In dem Moment gibt es nichts zu danken und zu loben, sondern nur noch zu weinen und zu klagen. Wir können auch als Glaubende nicht immer nur gut drauf sein. Als Erdenbürger ist es völlig normal, an Gott und den Menschen irre zu werden. Es braucht sich keiner schämen, der zu Gott schreit. Wer im Elend schreit, hat Gott noch nicht aufgegeben. Manchmal ist der Schrei das einzige Gebet, das von Menschen zu Gott dringt. Schreien klammert sich an Hilfe. Aus wieviel Schützengräben, aus wieviel Kliniken sind die Schreie in den Himmel aufgestiegen. Wer seinen Jammer herausbrüllt, bleibt nicht unerhört. Wo das Schreien auf Gott trifft, ist die Hilfe sicher. Die Schreie, die zu Gott aufsteigen, werden bereits zum Lob. Das klagende Herz ehrt damit den, in dessen Hand alles Leben liegt. Der Schrei ist wie ein offenes Gefäß, das bereit ist sich füllen zu lassen. Dieses hilflose, verzweifelte sich öffnen, macht Platz, dass Heilung geschehen kann. Da beginnt die verwandelnde Kraft, die Passionswege mit Osterwegen verbindet. Da werden Schreie in die Auferstehungskraft verwandelt. In dem Schreien zu Gott, wird die Christusgegenwart an uns lebendig.

Damit entsteht eine viel größere Gesundheit, als dass Blinde wieder sehen und Lahme wieder gehen können. Da erkennt der Blinde das Heil in Christus, egal ob er die Schönheit der Berge, Blumen und Pflanzen wahrnehmen kann, oder ihm das natürliche Augenlicht verschlossen bleibt. Gesund geworden sind nicht die, die den Kugelhagel in den Schützengräben „nur“ überlebt haben, sondern die, deren Leben sich total geändert hat, nachdem sie die Uniform ausgezogen hatten. Das ist gesund, unter Lasten zu leben, seine Not zu Gott zu schreien, darin Hoffnung zu entwickeln und Gott die Ehre zu geben. Das Lob kommt nicht nur von den Starken, sondern gerade von den Ohnmächtigen, die ihre Not vor Gott schreien. Das ist die größte Gesundheit, durch Christus in der verzweifelten Lage, neu hoffen zu können. Gesund ist, mit Krankem und Belastendem gesund umgehen zu können. Dafür können wir zu Gott schreien.

Woher wollen wir noch mehr Hilfe bekommen, wenn wir uns ausweinen?

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Fürsorge fliegt durch die Luft

In der Gärtnerei ist unser Kater Michel Herr im Haus und die Freude der ganzen Belegschaft.

„Herr, du hilfst Menschen und Tieren.“
Ps. 36, 7

In der ganzen Schöpfung spiegelt sich der Schöpfer. Mensch, Tier und Pflanzen sind solch ein fein durchdachtes System, das sich gegenseitig erhält und trägt. Ein organischer Kreislauf, und das bezogen sein auf die Natur, ist der Lebensraum, der uns geschenkt ist. Menschen und Tiere bedingen und ergänzen sich. Sie sind sich zum gegenseitigen Erhalt und Freude geschaffen. Der ganze Kosmos ruht in diesem Zusammenspiel. Wenn unser Michel uns mit durch die Gärtnerei begleitet, wenn er in seiner Mooskiste auf dem Arbeitsplatz liegt, sind das Glücksmomente für beiden Seiten. So ein paar Schmuseeinheiten neben der Arbeit, durchbrechen schnell mal das hastige Getriebe. Für viele sind Hund und Katze zum Familienmitglied geworden, die manche einsame Stunde überbrücken. Wo Gott den Tieren hilft, tut er dem Menschen etwas Gutes. Umfassend und feinfühlig ist er, in dem was er schafft. Wo er die Vögel ernährt, die nicht säen und ernten, fliegt seine ganze Fürsorge durch die Luft. Unser ganzer Lebensraum ist, wo wir gehen und stehen von Wohlwollen und Liebe durchströmt. Es trägt die Handschrift eines Versorgers, der allem Lebenden seine Hände auftut. Da findet die Biene ihr Blume, das Schaf sein Gras, der Fisch sein Plankton. Im Grundgedanken der Schöpfung ist an alles gedacht und keiner übersehen. Da tobt sich der Liebhaber des Lebens nach allen Regeln der Kunst aus. Somit steckt in jedem Augenblick, im kleinsten Winkel alles Geschaffenen, die ganze Gegenwart Gottes. Die Natur ist schwanger mit Gottes Güte. Fleisch, Milch und Honig auf unserem Tisch, sind die Liebesgaben dieser Fürsorge.

Wo Güte der Pulsschlag der Schöpfung ist, hat der Mensch einen Gott, der nichts übersieht. Wo Gott sieht, hilft er umfassend. Er hilft auch dann noch, wo der Mensch ihn verlässt. Seine Hilfe wird zur Passion. Das Kreuz ist das letzte Zeichen davon, wie tiefgreifend und umfassend Hilfe ist. Die dunkelste Stunde der Menschheitsgeschichte, ist der Gipfel der Güte. Selbst wo wir die bittersten Pillen des Lebens verdauen müssen, sind wir nie ohne die Schmuseeinheiten des Schöpfers. Aus seiner Fürsorge kann kein Mensch oder Tier herausfallen.

Sind nicht jeder Vogel, der über unseren Kopf fliegt, jedes Augenpaar, das uns treuherzig anschaut, Zeichen dafür, dass nichts und niemand vergessen ist?

Schmerzen sind gut

Getröstete, sehen Sterben als Gewinn.

„Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus all seinen Nöten.“
Ps. 34, 7

Das größte Unglück des Menschen ist, sich nur nach Glück und sonnigen Tagen zu sehnen. Wir sind inzwischen darauf geeicht, wenn die Sonne scheint, dies als schönen Tag zu bezeichnen. Sonne gleich gut und Regen gleich schlecht. Die Moderatoren beim Wetterbericht suggerieren uns das vor. Spätestens wenn im Sommer einige Wochen das Wasser fehlt, die Blumen ihre Köpfe hängen und die Bäume im Wald sterben, müssen wir erkennen, wir gut Regen ist. Gewitter ist nicht nur schädigende Bedrohung, es ist Befreiung, Reinigung, Entladung und Erneuerung. Die Stimmung nach einem Nachtgewitter ist wie eine Neuschöpfung. Wo in einem Leben die Fetzen fliegen, Dasein jämmerliche Formen annimmt, das Elend zum Himmel schreit, hat eine Schöpfungsstunde begonnen. Der Schöpfer arbeitet an seinem Werk. Wo die Blume in ihrer Schönheit abgeschnitten wird, in ein kunstvolles Altargesteck verarbeitet wird, wird sie zu einem Loblied. Ihre Existenz verehrt den Meister. Das Holzbrett wird unter dem zersägen, hobeln und schleifen zur Wohnzimmervitrine.
Jesus sagt: Wo das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es viel Frucht. Die Bearbeitungsschritte des Lebens, die uns zersägen, abschneiden und zum Sterben bringen, das, was wir als Elend empfinden, sind die Wege zur Fruchtbarkeit.
Gerade im Leid liegen die Wege zur Vollkommenheit. Das Ungemütliche, die Kreuzwege, sind nötig für die Herrlichkeit. Die Seligpreisungen sprechen die, die Leid tragen glückselig. Sie trösten die Untröstlichen. Gerade die, die unter den Lasten stöhnen sind die Glücklichen. Nicht diejenigen, die von Lasten befreit sind. Jesus nimmt nicht den Schmerz, sondern er verwandelt ihn. In der Verwandlung, in der Umgestaltung meiner Person, im unverständlichen Leiden, entsteht die Glückseligkeit. Im Elend verwirklicht sich die ganze Nähe Gottes. Im tiefsten Leid formt Christus sein Heil. Darin wird das Leid zutiefst sinnvoll, weil es uns zu dem macht, was wir sind – Spiegelbild Gottes.

Wo wir uns gegen das Leid wehren, wehren wir uns gegen unsere Heiligung und Glückseligkeit. Wir stellen uns gegen das Sterben, das zum Leben führt. Im Elend begegnen wir Christus. Im Elend fangen wir an zu rufen. Im Elend wird Gott groß, weil unsere Größe klein wird. Der scheinbar unangenehme Regen begießt seine Schöpfung und bringt neues Blühen hervor. Das Unangenehme ist unsere Rettung. Wo wir im Elend rufen, haben wir Gott auf unserer Seite und die Hilfe ist sicher.

Wollen wir uns den Schmerz nicht zum Freund machen, weil wir darin unsere größte Hilfe erfahren?

Unglaube verhindert Segen

Leben ist loben, weil es aus dem Himmel mit Strömen der Liebe regnet.

„Bei dem Herrn findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk!
Ps. 3, 9

Berufene sind Gesegnete. Sein Volk, sind die aus allen anderen Völkern herausgewählten. Gott pickt sich Menschen heraus, denen er Gutes tun will. Gott hat den Drang und das Bedürfnis sich mit dem was er hat und ist mitzuteilen. Er sagt: Mensch ich gebe dir etwas, was dir kein Mensch geben kann. Mit mir kannst du was erleben. Von Gott erwählt zu werden ist ein Privileg, es ist eine besondere Gnade. Da sind Menschen, die er zu etwas macht, was die natürliche Laufbahn durchbricht. Gott am Menschen und Gott im Menschen, da fließt der Segen. Mit Christus hat der Mensch eine Goldader entdeckt. Ab diesem Moment ist die Versorgung gesichert. Berufen zu sein heißt, Gott übernimmt alle Sorge. Wo Gott sein Volk segnet, können zwei Hände voll junge Leute, mit Anfang zwanzig, ein Millionenprojekt starten. Das Kapital einer beginnenden Bruderschaft waren einige Spaten, zwei Schubkarren und eine Berufung. Damit hat Gott das Land umgegraben und uns das Staunen gelehrt. Was jetzt nach Jahrzehnten entstanden ist, lässt nichts mehr von den bescheidenen Anfängen erahnen. Gott hat sich in unserem Fall keine Geschäftsleute, Wirtschaftsunternehmer oder Architekten berufen, sondern Schüler, Lehrlinge und frischgebackene Gesellen. Segen und Hilfe sind die Begleiterscheinungen der Berufenen. Das ist der Inhalt des Glaubens. Gott ruft die Nichts-Habenden, dass daraus Großes entsteht. Dass darin offensichtlich wird, Glauben hat nichts mit menschlichem Können und Vermögen zu tun, sondern mit berufen und für den Segen offen sein. Gott will menschliches Denken und menschliche Maßstäbe durchbrechen, er will dem Glaubenden zeigen, was er drauf hat. Segen offenbart, dass Gott souverän über alle Umstände hinweg handelt. Da ist immer mehr da, als unser Denken zulässt. Segen ist Liebe, die wie ein Wasserfall, nicht zu stoppen ist.

Um im Segen zu leben, diese Glückseligkeit auszuschöpfen, braucht es einfach Menschen die nichts haben, jedoch alles glauben. Glaubende folgen dem Ruf, und nicht dem, was sie für möglich halten. Berufene brauchen nichts mitbringen, weil Gott alles beisteuert. Somit ist wirklich alles möglich, für den der glaubt. Der Glaubende ist der Gesegnete, da fließt immer mehr zu, als das was da ist. Ein Leben mit Gott fängt erst da richtig an, wo wir nichts vorzuweisen haben, wo wir armselig und hilflos vor ihm stehen, und ihm Platz machen für seinen Segen. Da kommt immer mehr als wir je glauben können.

Bremsen wir nicht oft mit unserem Unglauben den Segen aus?

Auf und ab findet eine Konstante

O Gott, gib uns immer neu erfrischende Herzlichkeit und schenke uns die Heiterkeit im Glauben.

„Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“

Ps. 51, 14
Wer so betet, kennt die Stunden des Absackens im Glauben. Er kämpft mit Trauer und eigener Unwilligkeit. Wie schnell verlieren wir den Glaubensmut, wenn es im Leben dick kommt. Wie schnell geben wir auf und verzagen wir, wenn Unerwartetes über uns hereinbricht. Glaube bewegt sich zwischen Macht und Ohnmacht. Er lebt in der Spannung zwischen Tag und Nacht. Glaube durchlebt die ganze Hinfälligkeit unserer Menschlichkeit. Daher kann sich der Glaube nicht an der menschlichen Gebrechlichkeit entzünden. Glaube kann nicht aus dem Menschen kommen, er entzündet sich an der Gottesgegenwart. Glaube ist Gabe, ist Geschenk, ist das Vertrauen, das Gott weckt. Der Glaube ist das Echo auf den handelnden Gott. Wo der Glaube schwach wird, wo die Zweifel nagen, muss nicht der Mensch seine Anstrengungen verdoppeln, sondern seine Schwachheit zum Gebet werden lassen. Das „erfreue mich wieder“, ist kein Selbstmotivationsprogramm, sondern genau die richtige Adresse für Absacker. Gott baut auf. Das Gebet wird zur Hilfe. Gott selbst ist die Anlaufstelle, wenn wir erkennen, wir hängen ab. Krisen sind normal, dunkle Stunden gehören zum Dasein, doch sie sind der Anfang eines Gebetes. Wo wir an uns selbst verzweifeln wollen, wenn wir erkennen, wie wenig wir zur Liebe und Glauben fähig sind, ist das der Anfang, auf die Hilfe zuzugehen. Wir brauchen regelrecht die Spannungen im Glauben, um unsere Gottabhängigkeit zu entdecken. Erst wenn wir unsere Schwachheit erkennen, kann die Liebe zu Gott groß werden. Wo wir am Ende sind, fängt Gott erst richtig an.
Wo wir unsere Leere spüren ist der beste Augenblick, an dem Gott groß werden kann.  Es sind nicht unsere glaubensstarken Tage an denen uns die Hilfe groß wird, sondern gerade die Wegstrecken, an denen wir ausgelaugt und müde geworden sind. Wo wir mit unserem eigenen Versagen konfrontiert sind, wo wir an Gott und der Welt verzweifeln wollen, wo nichts mehr da ist, kann Gott zu allem werden. In der Dunkelheit entfaltet das Licht seine schönste Wirkung. Daher verkrampfen wir uns nicht, wenn es nicht rund läuft; bitten wir um neuen Glauben, um erfrischende Herzlichkeit, um Heiterkeit und all die Gaben, die nur von ihm kommen.
Ist die Durststrecke im Glauben, nicht der Weg zu viel mehr Hingabe?

Sich führen lassen ist Hilfe

Gott baut seine Kirche trotz der Menschen und wenn es sein muss, auch gegen sie.

Ich will meiner Herde helfen, dass sie nicht mehr zum Raub werden soll.“

Hes. 34, 22



Gott schützt das Seine. Seine Herde, seine Gemeinde steht in den Herausforderungen mit sich selbst, doch dagegen steht der Wille Gottes. Gegen den Status Quo Gottes, kommen die schlimmsten Machenschaften nicht an. Wo Gott Hilfe zusagt, ist Hilfe da. Da steht einer für die anderen. Da ist ein Hirte, eine Führungskraft, die nein sagt zum Bösen. Existenzsicherung liegt nicht in den Händen der Herde, es ist Hirtensache. Der Prophet Hesekiel hört seinen Gott von treulosen und unfähigen Hirten reden, die sich selbst weiden und sich mitnichten um ihre Herde kümmern. In solche Missstände hinein, will Gott sich selbst als Hirte zeigen. Die Ausbeutung soll ein Ende haben. Wo Gott sich als Hirte erweist, geht er mit Hirten, die sich selber weiden hart ins Gericht. Zu der Gemeinde zählen nicht die, die einfach dabei sein wollen und für sich das beste genießen. Zu seinem Volk gehören die, die sich von dem Hirten führen lassen, die ihn brauchen und nötig haben. Unter diesem geführt werden geschieht die Hilfe. Da ist bestes Weideland in Sicht. Hilfe erfahren die, die sich anvertrauen, die sich selbst loslassen. Die Führung der Glaubenden geschieht durch den guten Hirten, Jesus Christus. Er ist der Gipfel der Hilfe Gottes. Diese Hilfe ist ein Machtwechsel, bei dem unsere Führungsrolle an ihn übergeht. Unter dieser Führung funktioniert das christliche Miteinander, funktioniert Herde und Gemeinde. Da begegnet dem Selberwollen der Wille Gottes. Hilfe ist der Umschwung vom ich zum du. Das liegt in der Ganzhingabe des Christus.
Wir sind die Ausgesetzten und Ausgelieferten, wo wir uns auf uns selbst verlassen. Wo wir dem Hirten die Führung überlassen, ist uns geholfen. Da werden wir auf ein Weideland geführt, das wir uns nicht erträumen können. Da hat Kirche eine große Zukunft. Da wird Advent zum inneren Umbruch, weil der Hirte kommt und die Führung übernimmt.
Warum fällt es so schwer, diese Hilfe anzunehmen?

Erben macht ökumenisch

Es ist das größte Zeichen, das die katholische und evangelische Kirche in Deutschland, im Sommer in München gemeinsam in die Welt senden konnte. Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strom, verkündeten Jesus Christus als das eine Fundament, das die christlichen Kirchen verbindet.
Hilf deinem Volk und segne dein Erbe und weide und trage sie ewiglich!“

Ps. 28. 9



Wo die Kirche ihr Erbe erkennt, kann keiner mehr seine eigene Suppe kochen. Gottes Erbe ist das größte Vermächtnis an sein Volk. Das alte Israel hat das noch sehr elitär und auf sich bezogen verstanden, doch mit Christus ist dieser lokale Horizont aufgebrochen. Da ging es plötzlich nicht mehr nur um die Schafe im eigenen Stall, sondern auch um die anderen „draußen“. Mit Christus wurde das Erbe Gottes global. Er durchbrach die Mauer zu den anders Denkenden und anders Glaubenden. Für die damalig Auserwählten ein Affront, dass sich Gott damit den „Reingeschmeckten“ zuwendet. Gott denkt mit seinem Erbe umfassend und weltweit. Mit Christus wurde Gott ökumenisch. Wo Christus ist, ist selektives Denken und Glauben nicht mehr möglich. Da ist dieses Erbe der große Schatz aller christlichen Kirchen. Dieses Erbe verbindet weltweite Unterschiede. Dieses Erbe setzt den anderen mit an unseren Tisch. Dieses Erbe ist Mahlgemeinschaft, weil nicht die Kirche zu Tisch bittet, sondern Christus selbst einlädt. Dieses Erbe ist das, was die verschiedenen Konfessionen in diesem Jahr des Reformationsjubiläum, hat wieder näher zusammenrücken lassen. Christus als das Erbe Gottes ist die Basis, den unterschiedlichen Glauben, verschiedenste Traditionen und spirituelle Vielfalt zusammenbringt.
Das Erbe ist Geschenk und Auftrag. Wo Menschen gerne abgrenzen und ausgrenzen, ist das Erbe verbindend. Da wohnt Christus plötzlich in einem Menschen, dessen Glaubensauffassung ich nicht teile, dessen religiöse Praxis ich nicht verstehe. Da kommt einem der andere näher, weil wir in dem Fremden den Bruder erkennen, der mitgeerbt hat. Da weitet sich in uns die Spielwiese Gottes. Da können wir nicht mehr auf unserem Dogma beharren. Da kann es keine engstirnige Frömmigkeit mehr geben. Die Erben Gottes sind unter allen Umständen ökumenisch und multikulturell, weil Christus gegenwärtig ist.
Muss nicht dort, wo dieses Erbe ist, eine Verständigung und Annäherung, auch in den größten Unterschieden möglich sein?

Frag doch Google

Tragfähige Weisheiten können nicht aus Menschen kommen.
Es sollen hertreten und dir helfen die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt.“

Jes. 47, 13-14 



Welche Wissenschaften stellen die Menschen auf eine tragfähige Zukunft? Die Astrologen, Anthropologen oder Philosophen? Jeder beansprucht für sich die Wahrheit, doch was zählt, ist die Krisentauglichkeit. Was hilft in der wirklichen Krise? Bestimmt nicht die Antwort aus dem Horoskop, das bei uns zum Unterhaltungsmedium verkommen ist. Die Frage nach tragfähiger Hilfe, ist die Suche nach endgültiger Wahrheit. Damit entwaffnet der Prophet alle Konzepte, die den Menschen mit seiner Weisheit in den Mittelpunkt stellen. Die grundlegende Hilfe, die die Fragen des Menschsein beantwortet, kann nicht aus Menschen kommen. Sie kommt weder aus den Sternen, noch aus kosmischen Konstellationen. Wenn die Sterne den Weg zeigen, dann auf den Stall von Bethlehem. Darauf konzentriert sich alle Hilfe, die dem Menschen gegeben ist. Die Sterne verkünden Jesus, als die Wahrheit allen Lebens. Bei allem Können und bei allem Wissen, das Menschen erforschen, bei allen Theorien, die sie aufstellen, läuft alles auf diese unscheinbare Krippe zusammen. In dieser Wahrheit liegt alles Heil der Welt. Das ist die globalste Perspektive, die Gott den Menschen gegeben hat
 In unserem Wissenszeitalter, wo die Informationen der ganzen Welt zu jeder Zeit präsent sind, tut der Mensch gut daran, sich diese einfache Wahrheit zu vergegenwärtigen. Wo es um echte Hilfe geht, frag nicht Google, sondern frag Christus. Wo wir in den Krisen bestehen wollen, brauchen wir die Krippenorientierung. Wo wir durch die Nächte unseres Lebens wandern, brauchen wir den Morgenstern. An dieser Wahrheit müssen wir festhalten, wo die vielen Sterngucker heute uns alles Mögliche als Wahrheit servieren wollen. Mit Christus können wir die Tragfähigkeit der vielen auf uns eindringenden Botschaften erkennen. Er ist der Stern, der uns durch den Dschungel des Wissens unserer modernen Zeit bringt. 
Kann uns Google wirklich die richten Antworten auf die Herausforderungen unseres Lebens geben? 

Hilfe in Sichtweite

Der Glaube löst aus allen menschlichen Erniedrigungen heraus.
„Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen?“

Jes. 50, 9
Was ist das für eine starke Frage, was für eine Selbstreflektion. Der Prophet stellt zwei Extreme gegenüber. Die extreme Form aller menschlichen Ungerechtigkeiten, Demütigungen und Entartungen, und dagegen ein Gott, der sich nie damit abfindet. Der Herr hilft, ist der Schlachtruf im Kampf. Da sieht sich der gebeutelte Mensch mitten in allen Widrigkeiten, bereits auf dem Siegertreppchen. Wer Hilfe sieht, hat im Elend Rettung vor Augen. 
Auf Jesaja stürzten menschliche Beleidigungen, Vorwürfe, bis hin zu Misshandlungen. Er ist ein Mann in der Schussline von Unmut und Unglauben. Das Leben und die Menschen setzen ihm zu. Schnell kommen da die Vorwürfe, du bist doch an allem selber schuld. Menschen sind da oft nicht zimperlich, wenn es um die Erklärung und Deutung widriger Umstände geht. Da wissen selbsternannte Propheten schnell, dass ein Unglück eine Strafe Gottes sei. Wenn einer Ordensgemeinschaft das Haus abbrennt, ist das Gottes Antwort für menschliches Fehlverhalten. In den Spannungen des Lebens können sich die Menschen das Leben richtig schwer machen. Da werden noch Gerüchte gestreut und Misstrauen gesät, um jegliche Hoffnung zu zerstören.
Gerade dort, wo die Welt über uns zusammen zu brechen droht, wird das „siehe“ zum Durchbruch. Siehe wird zum Sichtwechsel auf Gott. Da wendet sich der Blick vom Elend auf das Heil. Da ist Hilfe, da ist der Ausweg, da ist Rettung in Sicht. Mag die ganze Welt sich gegen mich verschworen haben, im siehe sehen wir himmelwärts. Ob die augenblickliche Situation eigen- oder fremdverschuldet ist, spielt dann keine Rolle mehr. Wir bekommen in diesem Augenblick die Christus-Perspektive. Da wird aus Verdammen erlösen. Mit diesem Blick findet eine radikale Wende statt. Damit lösen wir uns aus aller menschlichen Anklage. Da erlangen wir Freiheit in aller Beklemmung. Wo Gott zur Hilfe wird, können wir den Widrigkeiten trotzen. Wir können in aller Erniedrigung standhaft bleiben. Wer diese Hilfe hat, den kann nichts und niemand verdammen.
Wo wir auf solch einem starken Fundament stehen, welches Extrem sollte uns da zu schaffen machen?

Dauerkontakt mit dem Ewigen

Alle Verbindungen entstehen und werden erhalten. indem wir kommunizieren.
„Ich bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade; Gott nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.“

Ps 69, 14
Beten ist der Austausch mit Gott. Dieser Austausch verbindet und lässt uns Gott erkennen. Beim Beten kommen sich Gott und Mensch näher. Wer betet, rechnet dass ein Höherer eingreift. Wenn wir beten, treten wir aus uns heraus und erwarten mehr, von etwas was größer ist als wir. Beim Beten soll Gott bei uns Raum gewinnen, auf unser Schicksal und Dasein Einfluss nehmen. Es ist das Ringen nach Hilfe, wo wir an Grenzen stoßen. Es ist der Dank und die Freude über Glücksmomente. Freud und Leid will sich mit Gott verbinden. Beim Beten wird unsere Biografie an Gott geknüpft. Es wird der handelnde Gott auf die Erde geholt. 
Wer betet, rechnet mit Gottes Erbarmen, dass sich der Mächtige zum Geringen beugt. Unsere Erdenzeit ist die Zeit der Gnade. Das ganze Leben dient dazu, uns nach diesem barmherzigen Gott auszustrecken. Von A bis Z ist alles in uns angelegt, nach diesem Erbarmen zu ringen. Jedes Gebet ist der Schrei nach dem Gott in mir. Es ist das Rufen nach Christus, der das was wir sind und was uns umtreibt, vor Gott stellt. Die Zeit der Gnade ist die riesige Chance auf Hilfe. Da wird Gott selbst ein Teil von uns. 
Aufbauende Lebensgestaltung kann daher nur Gebet sein. Leben steht dann in allen Phasen in Dauerkontakt mit dem Ewigen. Da bleibt nichts ungesehen und ungehört. Da lebt jede Not und jede Freude am Herzen Gottes. Da entkrampfen sich hilfose Verspannungen. Da ist die schrecklichste Situation nicht mehr trostlos. Beim Beten lassen wir unsere ganze Existenz von fürsorglichen Händen umfangen.
Wird nicht unser ganzes Kämpfen und Ringen armselig, wenn es nicht vom Beten getragen ist?