So herrlich aufgerichtet

Mitten in der Ungerechtigkeit ist Gott am größten.

_“Der Herr hat das Recht lieb.“_
Ps. 37, 28

Wo Gott das Recht liebt, hasst er das Unrecht. Er stellt sich mit ganzer Macht gegen alles, was das Leben beugt. Er stellt sich zu den Benachteiligten, den Ausgebeuteten, Armen und Ausgeschlossenen. Sein Herz schlägt für diejenigen, die auf Kosten anderer erniedrigt wurden. Wo Gott das Recht liebt, kommt seine ganze Menschenfreundlichkeit zum Ausdruck. Mit seinen kostbaren Werten, von Gerechtigkeit, Liebe, Hingabe, Gnade und Barmherzigkeit, will er seine Geschöpfe überschütten. Wo Gott das Recht liebt, liebt er genau das, was den Menschen schwer fällt und andauernd das Miteinander belastet. Er setzt dem Menschenwerkt sein Gotteswerk gegenüber. Er liebt sich in das Unrecht hinein, in all das, was den Menschen aus den Händen gleitet. Er erbarmt sich über dem Tohuwabohu, dem Durcheinander der Welt. Er liebt das Recht so sehr, dass er das Recht schafft, in einem unrechten Menschen. Damit sein Recht sich in einer ungerechten Welt durchsetzen kann, schafft er den höchsten Wert der Gerechtigkeit – Jesus Christus. Das Recht, das Gott so sehr liebt, erwartet er nicht von einem ungerechten Menschen, sondern legt es in ihn hinein. Sein Recht kann sich niemand erarbeiten, sondern nur geschenkt bekommen. Sein Recht ist unsere Gnade. In Christus ist alles Unrecht der Welt rehabilitiert. Darin liegt alle Wiedergutmachung und Neuschöpfung in erfahrener Erniedrigung. Auch wenn die Rechtsprechung dieser Welt, den tiefen Schaden einer erfahrenen Vergewaltigung nicht ausgleichen kann, liegt diese Macht in erfahrbarer Gnade. Weil Gott das Recht liebt, baut er jeden in seiner schlimmsten Demütigung wieder auf. Das ist Balsam für die verwundeten Seelen. Das ist das starke lebensschaffende Gottesgeheimnis.

Wir brauchen nicht mehr auf das Recht warten, bis wir Recht bekommen. Wir brauchen nicht um unser Recht kämpfen und ihm nachjagen. Wir leben als Glaubende als die gerecht Gemachten. Wir brauchen uns nicht von irgendwelchem Unrecht einschüchtern oder schockieren lassen. Durch Christus leben wir als die Unrecht-Überwundenen. Der quälende Schmerz kann ausheilen. Die Beleidigungen können uns nicht mehr stechen und aus der Bahn werfen. Dieses Recht, das Gott für uns in Händen hält, ist solch ein gewaltiger Schatz, der den Lebensfrust und die hoffnungslosen Depressionen heilen kann. Wer aus dieser Gnade heraus lebt, wird für die Attacken des Lebens immer unantastbarer. Da ist ein köstlicher Lernprozess, den auch Paulus aufgreift: So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder. Das ist keine krampfhafte moralische Verpflichtung, sondern die große Freiheit, mit Christus alles zu erleidende Unrecht zu überwinden. Wir werden zwar gebeugt, aber durch diese Gnade umgehend wieder aufgerichtet. Die Zeiten des gefrustet sein verkürzen sich. Welch ein Wert ist solch ein Geschenk.

Wenn wir solch eine Gnade haben, weshalb kann uns das Unrecht noch so lange unten halten?

Gott segne dich.
Liebe Grüße Theophilos 💐😊

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Eine Glocke will wieder Danke sagen
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Die Haut auf unserem Körper

An Himmelfahrt geht Jesus fort, um noch viel näher zu sein.

„Der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre.“
Jes. 58 11

Führen ist immer eine tolle Sache, wenn der der führt weiß wo´s lang geht. Führen hat mit umfassender Weitsicht zu tun. Führungskräfte sind starke Persönlichkeiten, ganz dicht an unserer Seite, die das Beste aus uns herausentwickeln. Gute Führung schafft Persönlichkeiten, fördert Gaben und setzt Potenziale frei. Unter guter Führung ist gut leben. Da ist an alles gedacht. Das stärkt in allem Krisenmanagement und baut auf in Dürrezeiten. Das erlebten auch die Jünger, die von Jesus geführt wurden. Für sie war Himmelfahrt ein Drama. Der Meister unter ihnen, von dem sie so viel von der Lebensgestaltung einer anderen Weltanschauung lernen konnten, ist weg. Der, der ihnen zum Lebensinhalt geworden ist, bei dem sie erlebten, wie Menschen von Grund auf gesund wurden, fehlt. Himmelfahrt, aus der Traum von guter Führung. Doch Christus sagt: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Indem er in den Himmel zurückkehrt, wird seine Macht größer und sein Einfluss stärker. Es ist eine Beförderung an den Regierungssitz des Allmächtigen. Seine Führungsrolle ist nicht mehr auf das auserwählte Volk begrenzt, sondern er steht nun über all den Mächtigen auf der Erde. Alle Staatsmänner und Führer dieser Welt, sind ihm unterstellt. Er hat die Seinen nicht zurückgelassen, sondern in einen viel größeren Hoheitsbereich hineingestellt. An Himmelfahrt übernimmt Christus die Weltherrschaft. Da spielt sich nichts mehr ab, was nicht über seinen Schreibtisch läuft. Sein Führen ist dadurch viel weitreichender und umfassender. In ihm liegt die Macht auf alles Einfluss zu nehmen. Seine Hilfe für jeden persönlich ist noch viel wirkungsvoller. Durststrecken im Leben verlieren das Bedrohliche. Auf Wüstenwegen ist immer genug da um satt zu werden. An Himmelfahrt wird Christus zur Haut auf unserem Körper. Er wird zu einem lebenswichtigen Teil von uns. Seine Nähe ist noch viel unmittelbarer geworden.

Die Dürre verliert damit ihren Verwelkungscharakter. Die Trockenheit ist nicht mehr das Sterben der Blumen. Da bleiben die Giftgas werfenden Despoten, da geschieht Unrecht und Unglück, doch unter dieser Führung, ist Leben nicht auszulöschen. Führen und sättigen geschieht gerade am Rande des Wahnsinns und unter ausgetrockneten Kehlen. Dort wo das Leben in Einzelteile zerlegt ist, ist Himmelfahrt die Antwort. Da wird das Erniedrigte in den Himmel gezogen. Da wirken ungeahnte Auftriebskräfte. Unter dieser Führung ist weit mehr möglich, als das, was wir vor Augen haben.

Wenn uns solch eine Nähe garantiert ist, welche Ausweglosigkeiten sollen uns da noch an den Rand bringen?

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Hallo-Wach-Worte

Leitworte sind wie Magneten, die zum Ziel ziehen.

„Sobald der Herr zu mir sprach, kam Geist in mich und stellte mich auf meine Füße, und ich hörte den. Der zu mir sprach.“
Hes. 2, 2

Es gibt Worte, die wie ein Umschalter wirken. Bei uns in der Bruderschaft stehen auf dem Geburtstagstisch nicht nur Blumen und Süßigkeiten, sondern ein Bibelwort. Dieses Wort wird zum Leitwort für ein ganzes Jahr. Dasselbe geschieht an Neujahr, wo sich jeder in der Eucharistie sein Jahreswort zieht. Eine durchaus spannende Geschichte, auf die wir mit großer Erwartung zuleben. Oft sind das lebenswichtige Hau-Ruck-Worte, die wieder auf die Füße stellen. Mein letztes Geburtstagswort heißt: „Sei getrost und arbeite, denn der Herr ist mit dir,“ aus Haggai 2. Das tröstet und macht Mut. Das zuckt hoch, wenn das menschliche Miteinander wieder einmal zum Davonlaufen ist. Das entspannt, wenn ich sehe, wie viel Arbeit liegenbleibt, die dringend erledigt werden sollte. Wo Gott dabei ist, hängt Gelingen weder von meiner Verfassung, noch von irgendwelchen Umständen ab. Wenn der Herr spricht, kommt ein Energiestoß. Da bläst ein belebender Geist, in einen schwachen Geist. Gerade wenn wir am Boden liegen, die ganze Welt über uns hereinbricht, brauchen wir diese sprechenden Worte. Sobald der Herr spricht, richtet er unseren Kopf zurecht. Da kommt es zu einer Kräfteverschiebung. Das ist noch stärker, als wenn wir einen Mitarbeiter loben, der dann schlagartig freudig und hochmotiviert weitermacht. Wenn der Herr spricht, ist das wie ein Hallo-Wach. Was einen Gebrochenen und Verzweifelten wieder auf die Füße stellt, sind keine netten Worte, sondern geballte Kraft. Darin liegt Hoffen, das allen Nebel durchbricht. Da kommt Mut, die Angst überwindet. Da werden die untröstlich an den Gräbern Stehenden, wieder ins Leben gerufen. Um immer wieder auf die Füße zu kommen, brauchen wir das sprechende Wort.

Wir müssen uns eine Kultur der Leitworte aufbauen. Zu den verschiedensten Anlässen erhalten wir ein Wort. Bei der Konfirmation, bei der Trauung, gibt es Worte, die ein Leben begleiten. Oder wenn uns in Krankheit ein Wort zugesprochen wird, dann sind das unsere Kraftquellen. Diese Worte müssen wir uns heilig halten und in Krisenzeiten aufleuchten lassen. Wir müssen sie greifbar haben. Wir leben davon, dass unsere Blicke sie immer wieder vor Augen haben. Sie müssen uns ständig begegnen, wenn sie uns wieder auf die Füße stellen sollen. Diese sprechenden Worte sind die Magneten, die uns zum Ziel ziehen.

Was will uns sonst auf die Füße stellen, wenn wir am Ende sind?

Für alle Fälle festlich angezogen

Die Gnadensonne überkleidet mit Festtagsgewändern.

„Der Herr hat mich gesandt, zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden.“

Jes. 61, 1.3
Sonntagmorgen in der Sakristei der Blumenmönche geschieht ein Überkleidungsritual. Da werden die diensttuenden Brüder für den Gottesdienst mit Albe, Kasel und Stola eingekleidet. Sie werden von dem Allerhöchsten in seinen Dienst genommen. Damit ist einem jeden klar, er betritt die Kirche nicht in eigener Sache, sondern in der Beauftragung des Allmächtigen. Es ist das starke Symbol dafür, dass ein Sünder von Christus überkleidet, oder zugedeckt wird und von ihm in Dienst genommen. Christus macht schick. Er legt den Armseligen Schmuck, Freudenöl und schöne Kleider an. Christus vollzieht einen Kleiderwechsel, der dem unwerten Menschen einen neuen Stand gibt. Die äußere Verwandlung vollzieht eine innere Verwandlung. Innen und außen bedingen sich gegenseitig. Gott hat immer den ganzen Menschen im Blick. Nicht umsonst haben wir an den vergangenen Festtagen auch festlicher angezogen. Die Äußerlichkeiten sind nicht egal. So wie eine innere Einstellung sich in leuchtenden Augen, in lebendigen Gesten nach außen äußert, geschieht das auch umgekehrt. Eine entsprechende Kleidung, eine bewusst gewählte aufrechte Körperhaltung wirkt auch nach innen. 
Beispielsweise, können wir wenn wir, wenn wir schlecht drauf sind oder uns geärgert haben, was ja einen inneren Zustand aufzeigt, ihn von außen nach innen beeinflussen. Auch wenn wir uns gerade überhaupt nicht danach fühlen, einfach vor einen Spiegel stellen und sich selber angrinsen. Man kommt sich dabei völlig blöd vor, weil einem nicht nach Lachen zumute ist, und das Grinsen ist auch eher eine Grimasse als ein Lachen, doch dabei drücken die angespannten Backenknochen auf die Zirbeldrüse und lösen Freudenhormone aus. Die Anspannung lässt nach einer Weile und wir werden wieder gesellschaftsfähig. 🙂
Wenn Christus uns überkleidet, betrifft das den ganzen Menschen. Da verwandeln sich Asche, Trauer und trübe Geister. Bei Christus werden die Beladenen erfrischt. Der von außen einwirkende Christus steht für einen inneren Umbruch. Mit ihm, mit seinem Wort, werden unsere schweren Tage therapiert. Wenn er uns anzieht, haben wir auch in diesem Jahr viel Freude.
Wenn solch ein Festgewand im Schrank hängt, haben wir dann wirklich nichts mehr anzuziehen?   

Alles frisch 

Wo Gott wohnt ist Herrlichkeit.

„Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“Jes. 57, 15

In einem Atemzug wird Gottes Wohnort oben und unten, oder hüben und drüben beschrieben. Das „Ehre sei Gott in der Höhe“, haben wir in den vergangenen Tagen besungen. Da haben die Herzen himmelwärts geschlagen, doch in der Fortsetzung kommt das „und Frieden auf Erden…“ Gott lebt zum einen in seiner ganzen erhabenen Schöpfermacht und gleichzeitig auf Augenhöhe mit den Zerschlagenen. Auch hier stehen wir mitten im Weihnachtsgeschehen. Die Unfassbarkeit Gottes hat ein menschliches Gesicht. An der Krippe sehen wir, wie nah sein Heiligtum den Armen ist. Die Herrlichkeit und Größe Gottes steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem gedemütigten Menschen. In die Herrlichkeit Gottes ist der gebeutelte Mensch mit einbezogen. Hieran erkennen wir stark Gott mit dem Menschen eins ist. Heiligkeit und zerschlagen sein gehören zusammen. An der Krippe will Gott den sich von ihm entfremdeten Menschen wieder an sich ziehen. In der Heiligen Nacht soll die Ohnmacht der Herrlichkeit begegnen. Durch die Menschwerdung Gottes, hat er sich der letzten Verlassenheit des Menschen angenommen. Der Herrlichkeit ist kein gedemütigter Geist mehr fremd. Die gewaltige Höhe kommt mitten in das verängstigte und eingeschüchterte Herz.
Die Krippe erquickt. Gott auf Augenhöhe ist die erfrischende Dusche nach einem ermüdenden Arbeitstag. Erquickung ist der Sinn von Weihnachten. Es ist wie die Rekreation in den alten Klöstern. Die Wiederherstellung eines guten Zustandes, der in den Lebensauseinandersetzungen verwirtschaftet wurde. In der Christus-Begegnung wird der geschlagene Mensch regeneriert. Dort wo das Leben uns zusetzt, stellt er die Krippe daneben. Näher kann Erquickung nicht mehr sein. Auf den Belasteten wartet die frische Dusche. Da ist vor uns der Tisch mit Brot und Wein gedeckt. Eucharistie erquickt. Überall wo uns Christus begegnet ist Erquickung angesagt.
Ist nach Weihnachten bei uns wirklich alles frisch geworden?   

Frust wird zum Turbolader 

Wer Weihnachten erlebt hat, kann an eine Veränderung glauben.

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“Jes. 42, 3

Dieses Wort ist wie Dünger auf die belastete Seele. Damit trifft Gott genau den Nerv und die Nahtstellen des grauen Alltags, der heute wieder beginnt. Da kommen die Lothar-Stürme am 2. Feiertag, wie vor einigen Jahren, die ganze Wälder im Schwarzwald kahl rasierten. Da werden Leben geknickt und Lichter gehen aus. Gerade in diesen Schwachstellen ist es Weihnachten geworden. Gott setzt ein ganz menschliches Zeichen, wo alle guten Vorsätze zu zerbrechen drohen. Dort wo der Mensch nichts mehr in der Tasche hat, mit Selbstmotivation nichts mehr erreicht, kommt er in der Gebrechlichkeit eines hilflosen Kindes in die Schwachheit hinein. In dem Kleinen, Unscheinbaren, will den Hilflosen groß werden. Das in Windeln gewickelte Kind, ist Gottes Zeichen, wie er mit Schwachheit umgeht. Die Ohnmacht wird durch ihn mächtig. Dem Machtlosen fließt Stärke zu. Das Geringe erfährt Hochachtung. Was an der Krippe geschieht, ist der gewaltigste Umbruch für geknickte Rohre und glimmende Dochte. Das Zeichen liegt auf dem unscheinbaren Christus. Hier endet Niedergeschlagenheit nicht in der Sackgasse. An der Krippe geht das Licht nicht mehr aus. Da ist der Knick nicht mehr der Anfang vom Ende. Da ist in der hoffnungslosesten Situation alles möglich. Wir dürfen und müssen sogar an der Krippe ins Schwärmen geraten. An der Krippe ändert sich alles. Da entfalten sich Gottes Möglichkeiten in menschlichen Grenzen. Gott selbst zündet das Licht wieder an.   
Das hilflose Kind ist das stärkste Symbol das Gott den Glaubenden geschenkt hat. Damit ist aller Hilflosigkeit die Verzweiflung genommen. Dort wo nichts mehr geht, beginnt Gott. Der Glaubende bekommt dadurch eine Perspektive, dass selbst der größte Sturm es nicht schafft, das letzte Licht auszupusten. Gott bringt auch bei größtem Gegenwind seine Schiffe in den Hafen. Wer das Christkind erlebt hat, kann aus dieser verändernden Kraft leben.
Ist da nicht gerade das geknickte Rohr und der glimmende Docht, die Chance unseres Lebens? 

Souveränität durch Krippenstehen

Wenn Gott richtet, kommen danach keine Gitterstäbe.

„Er ist der Herr, unser Gott; er richtet in aller Welt.“

Ps. 105, 7
Wo Gott richtet, bringt er die aus den Fugen geratene Welt zurecht. Wo Gott die Ordnungen wieder herstellt, fliegen nicht die Fetzen, da wird die Erde erneuert. Gott macht aus dem Unrecht kein Kleinholz, sondern zimmert aus menschlichem Kleinholz eine Krippe. Wenn er Recht schafft, gibt er den am Boden Liegenden ihre Würde zurück. Er überreicht den Zerbrochenen das Recht auf Leben. Er bringt die auf der Schattenseite des Lebens Gelandeten zu Ehre. Wo Gott die Welt richtet, geht die Sonne auf. Das bringt der Evangelist Johannes treffend zum Ausdruck: „Das aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist.“ Mit Weihnachten bekommt das Unwerte die Chance seines Lebens. Wo dieser Richter unterwegs ist, heißt es: „Fürchte dich nicht, euch ist heute der Heiland geboren.“ Da wird nicht weggesperrt, da wird aufgerichtet. Da kommt kein Angstmacher, sondern ein Erbarmer. Aus dem Säbelrassler wird ein Liebhaber. Gott, der die Sünde verdammt, richtet sie mit Christus. Gottes Lebensgesetz, das kein Mensch erfüllen kann, erfüllt die Gnade. Damit wir Frieden bekommen, verbüßt die Liebe die Schuld. Der Richter selbst steht für die Wiedergutmachung. Daher kann der belastete Mensch an der Krippe gesund werden. An Weihnachten wird es in aller Verworrenheit wieder hell. Da verschafft Liebhaber des Lebens, den unter dem Unrecht Gebeugten wieder Recht.
Somit war Niedergeschlagen vor Weihnachten. Nach dem Stehen an der Krippe, kann der Mensch wieder stehen. Er ist aufgerichtet worden. Wer den Stern gesehen hat, muss in keiner Situation mehr verzweifeln. Für unsere Zukunft hat der Richter ganze Arbeit geleistet. Auch wenn wir im neuen Jahr weiter im Unrecht dieser Welt leben, haben wir an der Krippe die Angst verloren. Wir stehen gerecht gemacht in den Widrigkeiten unserer Tage. Wir brauchen nicht krampfhaft um unser Recht kämpfen, weil wir bereits tiefen inneren Frieden haben. Dieser Richter verschafft uns Souveränität. in einer gefallenen Schöpfung.
Wie wird die Begegnung mit diesem Licht, in unserer Zukunft Spuren hinterlassen?

Herausfallen geht nicht

Nichts von dem was existiert, ist außerhalb der Güte Gottes.
„So spricht der Herr, dein Erlöser, der dich vom Mutterleibe bereitet hat: Ich bin der Herr, der alles schafft, der den Himmel ausbreitet allein und die Erde festmacht ohne Gehilfen.“

Jes. 44, 24
Dichter und kompakter kann man es kaum ausdrücken, wie nah Gott ist, wie alles auf Gott bezogen ist. Bei einem Gott, der alles schafft, gibt es keinen Platz für Diskussionen über vielleicht andere Eventualitäten. Alles ruht in seiner Hand, alles was ist, ist Chefsache. Von unserer Zeugung, bis zur Gestaltung des Kosmos, liegt alles in seiner Hand. Nichts ist Zufall, nichts ist ungewollt, alles trägt die göttliche Erbmasse. Es ist das größte Ja, das über allem Leben steht.
Dieses Ja regiert die Welt, bei allen was sich der Mensch als hoch, heilig und wichtig erschaffen hat. Darin ruhen alle Sicherheiten, die das Leben braucht. Alles Bestreben, unserem Leben Stabilität zu geben, liegen in dem, der den Himmel ausbreitet und die Erde festmacht. Die Statik, die wir unserem Leben geben können, ruht in dieser schöpferischen Macht. Darin liegt unsere Lebensversicherung. 
Wie sehr sind die Menschen mit der Sicherung ihres Lebens beschäftigt. Wert hat nur der, der etwas leistet. Wer nicht in dieses System passt wird ausgemustert. Der alleinige Kampf ums Dasein, der dadurch die Menschen nach wertvoll und weniger wertvoll klassifiziert, hat sich weit vom schöpferischen Menschenbild entfernt.
Wenn Gott alles schafft, wenn er festmacht, ist sein Ja die Versorgung des Lebens. Da liegt der Wert nicht in angestrebtem Reichtum und Gesundheit, sondern da ist ein Ja zum Armen und Kranken. Gerade in unserem Mangel bleibt Gott der Schaffende. In unserem Versagen, begegnet er uns als Erlöser. Genau dort, wo wir nicht stark sind und in der Welt an Bedeutung verlieren, sind wir für Gott das wichtigste Gegenüber. Wenn er festmacht, dann geschieht das gerade dort wo wir wanken, wo alles in sich zusammenfallen will. Nichts und niemand kann uns aus dieser Verankerung ziehen, wenn das Leben durch Krankheit und Schmerzen seinen Glanz verliert. Unser Glanz ist es, dass wir in jedem Augenblick von Gott Bereitete und Gewollte sind. Kein stärkeres Ja, kann uns am Leben erhalten.
Wenn alles Leben von Gott bereitet ist, wo fallen wir hin, wenn wir Angst haben herauszufallen?

Ein anderer macht’s 

Wer im Schlamm festsitzt, kann sich nicht selbst herausziehen.
„Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre.“

Ps. 62, 8
Dies ist eine Stadortbestimmung des Glaubens. Glaube schafft Gott in mir. Wenn wir glauben liegt das nicht an uns, sondern wirkt Gott in uns. Wo der Mensch erkennt: Gott ist mein Heil, da erkennt er sich in seiner Petrus-Gesinnung. Zum Fels der Kirche bestimmt, weckt ihn der Hahnenschrei aus seinem Verleugner-Sein. Das Große, das Gott mit den Seinen vor hat, entsteht nicht aus der Größe des Menschen, dafür steht Gott selbst. Paulus kennt genauso diesen Kontrast: Das Gute, das ich tun will, tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht will. Wenn Reich Gottes entsteht, wenn Glaube wächst, ist das immer Gnade. Nicht der ehrgeizige, willensstarke Mensch generiert Glauben, sondern er entsteht durch die Christus-Berührung. Wo Christus und der nicht zum Glauben fähige Mensch wie zwei Zellen verschmelzen, wird Glauben geboren. 
Starker oder schwacher Glaube entscheidet sich nicht in unserer Persönlichkeit, sondern wie persönlich uns Christus wird. Daher kann Jesus zu Petrus sagen: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Mein Heil liegt darin, dass ein Verleugner von Christus aufgefangen wird. Im Glauben wirkt der Heilige im Unheiligen. Reich Gottes steht und fällt nicht an unserem Stehen und Fallen. Es hat seinen Grund in dem Heil, das Gott für die Menschen geschaffen hat. 
Das ist Anspruch und Zuspruch zugleich. Wir brauchen nicht stark sein, um glauben zu können, weil die Stärke von wo ganz anders her kommt. Dafür haben Zweifel und Unglaube eine ganz klare Adresse: mein Heil. Wo Gott ist mein Heil ist, erkenne ich mich in meinem Unglauben und öffne mich seinem Wirken. Das gibt Verleugnern Trost. Das baut die an ihrer eigenen Schwachheit Verzweifelten auf. Da wird unser Schlamm, unser Unvermögen, in dem wir stecken, nicht unser Verhängnis sein, sondern zu der Erfahrung werden; das Heil gibt festen Boden unter die Füße.
Wenn Jesus für uns betet, warum sollte dann unser Glaube aufhören?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Kehtwende zum Guten 

Wer getröstet ist, kann nicht irre werden.
„Ich bin euer Tröster! Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen fürchtest, die doch sterben?“

Jes. 51, 12
Trost reißt Menschen aus der Verzweiflung. Getröstete werden aus der Bodenlosigkeit herausgezogen. Getröstet sein, entscheidet über fallen oder stehen. Gott tröstet. Christus ist der Tröster in Person. Das ist der Hammerschlag in alle Trostlosigkeit. Da richtet einer auf, wenn einem alle Felle davonschwimmen. Der Tröster ist die Vollmacht in und gegen alles Sterben. Mit dem Tröster, hat nicht mehr das Unheil das Sagen. Durch den Tröster lernt das Leid Erneuerung kennen. Jedes Schicksal muss vor dem Tröster erschrecken. In allem, wo das Leben einem zusetzt, wo Menschen einem zu schaffen machen, steht nicht mehr die Hoffnungslosigkeit, sondern der Tröster trennt von der Abwärtsbewegung. Trost steht für lebendig werden im Sterben, steht für heil werden im verletzt sein. Trost nimmt der gefallenen Schöpfung die Entgültigkeit.
Wo Christus töstet, führt das Urteil eines Pilatus zum Heil. Da führt der größte Schreck, der uns widerfahren kann nicht zum Untergang, sondern wird unter dem Tröster zur Ausreifung für etwas Gutes verwandelt. Durch Christus können wir uns mit Leid anfreunden, weil darin Perlen ihren Glanz erhalten. Mit Christus schwindet die Angst vor allen Übermächten. Da ist die größte Rückendeckung in alller Erniedrigung. Wir können stehen, aufatmen und unverzagt unseren Weg gehen, wo wir derart getröstet sind. Es können uns kein Mensch, keine Krankheit und keine Lebensschläge mehr in den Wahnsinn treiben, wenn darin eine Kehrtwende zum Guten liegt. 
Warum sollen wir uns vor irgendwelchen Widrichkeiten fürchten, wenn sie durch den Tröster zum Guten führen?