Sommerfest

Jes. 62, 8-10 

Bratwurst, Bier und Blasmusik, als Zudröhnung des Alltagsfrust. Wein, Weib und Gesang tröstet für das, was einem das echte Leben raubt. Fest, weil das Leben Freitagabend ab 18 Uhr, besser zu ertragen ist, als die Woche davor. Da ist ständig etwas, was vom Eigentlichen abschneidet und aushungern lässt. Man schuftet wie ein Wilder und am Ende steht man mit leeren Händen da. Wie bitter ist das denn, wenn man sich unermüdlich in seiner Gemeinde und Bruderschaft einsetzt und es wird weniger statt mehr? Wenn sich bei einem selbst nicht viel bewegt, hilft vielleicht der straffe Zug einer Posaune, damit ein bisschen Leben in die Stube kommt.

Jesaja hat mit den Entzugserscheinungen des Gottesvolkes zu kämpfen.

1. Da haut einer auf die Pauke

Der HERR hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, mit dem du so viel Arbeit hattest, die Fremden trinken lassen, …

Gott stößt zum Gegenzug ins Horn. Seinen Berufenen zeigt er die Faust. Jedoch gilt die Drohung nicht ihnen selbst, sondern denen die die Grundwerte des Lebens bedrohen. Der starke Arm sagt nein zum Mundraub am Leben. Mit dem, mit dem Gott das Leben erhalten und bereichern will, mit der Frucht seines Segens, soll kein Raubbau am Leben mehr getrieben werden. Mit seiner Rechten verteidigt er die Fruchtbarkeit alles Geschaffenen. Nichts und niemand kann mehr Segen verhindern. Wer erwählt ist, kann sich dem Segen nicht entziehen. Gott verbürgt sich für die Existenz des Glaubenden. Er schwört sich, dass Brot und Wein alles Leben erhält. An diese Selbstverpflichtung knüpft er die Berufenen.

Dieses kleine Heiligtum einer Ähre und Traube, wird zum größten Vermächtnis. Die Seinen erben sattes Leben und sind völlig versorgt. Der starke Arm ist der Trommelwirbel gegen leeres Korn und vertrocknete Beeren. Aller Unfruchtbarkeit wird der Marsch geblasen. Aller Anfechtung wird der Taktstock gesetzt. Die beschworene Rechte, garantiert die Ernte, auch bei überschwemmtem Kornfeld, sie verspricht Wein, auch bei größten Erdrutsch. Mit seinem starken Arm zieht er einen dicken Strich, gegen alles, was dem Leben den Gar ausmachen will.

Wenn er auf die Pauke haut…

2. Da verschlägt es anderen die Sprache.

Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, die Fremden trinken lassen, 

Das Allerheiligste ist angefochten. Da löckt ständig einer gegen die Berufenen und will ihnen den letzten Nerv rauben. Nachfolge lohnt sich nicht, weil von der Ernte eh nichts übrig bleibt. Glaube ist am Boden der Realität angekommen, wo es doch nichts Großes zu erwarten gilt. Frommsein ist so schrecklich normal, so furchtbar ermüdend, dass man an die Grenzen kommt und glaubt: da draußen ist alles besser.

Wo die Wegfresser mit am Tisch sitzen, fängt die Not an zu vergleichen. Wo Menschen anfangen zu vergleichen, begeben sie sich auf Glatteis. Sie verlassen die eigene Grundlage und schielen auf das, was andere haben. Das Eigene erscheint zu wenig, das andere kommt einem mehr vor. Hier beginnt die Negativspirale des Glaubens. Man glaubt, das Brot und der Wein des anderen schmecken besser. Man steht auf dem eigenen Acker und denkt nur noch: „sollte Gott gesagt haben?“ Im Vergleichen, trennt man sich von dem Segen, der ihm eigentlich zugedacht ist. Man sieht nur noch Steine im Weg und verschlossene Türen. Glaube kann völlig an den Rand kommen, dass alles da ist und trotzdem keine Perspektive vor Augen steht. Da kann durch die Berufung ein großartiger Auftrag entstanden sein, mit Räumen und Einrichtungen vom Feinsten, da ist ein Feld vorbereitet für eine große Ernte und dennoch sind die Glaubenden darin ohne Hoffnung.

Genau darin steht Gottes ich will. Ich will unter der Frucht meines Ackers, allem Unmut, allem Unglauben, allem Vergleichen die Sprache verschlagen. Gerade dort, wo sich der Einsatz scheinbar nicht lohnt, die Ernte auf dem Spiel steht, wo es andere besser haben, will ich genau mit diesem Brot und diesem Wein das Leben durchsetzen.

Die Frucht der menschlichen Arbeit soll zur Eucharistie, zur Danksagung werden. Mit Christus will er allem Ungeist und Trostlosigkeit die Sprache verschlagen. Brot und Wein ist die die Trotz-Mahlzeit. Eucharistie ist der Widerspruch zum Frust.

Wo wir Brot und Wein, wo wir der Gabe Christi, eine zu geringe Bedeutung beimessen, haben wir nichts mehr in uns, was der Anfechtung die Sprache verschlagen kann.

3. Festzelt als Kathedrale

9 die es einsammeln, sollen’s auch essen und den HERRN rühmen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums. 10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker!

Essen, trinken und rühmen heißt das Motto zum Fest im Vorhof. Unser ganzes irdisches Dasein ist nicht nur ackern und rackern, sondern ein Durchbruch zum Essen, Trinken und Rühmen. Der Vorhof des Tempels ist nicht nur ein frommes Vorgärtchen, das etwas vom Allerheiligsten erahnen lässt, sondern hatte schon die Unmittelbarkeit der Realpräsenz Gottes. Der Ort, an dem ein Mensch lebendig wird. Der Vorhof ist Tuchfühlung mit Christus. Das Allerheiligste strahlt, verformt und verwandelt somit das irdische Leben. Das Essen von Leib und Blut Christi, heiligt die gefallene Schöpfung. In der Eucharistie ernährt Christus die wunde Welt. Brot und Wein lässt das schlafende und geschlagene Leben auferstehen. Eucharistie wandelt Frust zum Fest.

Damit sitzen wir mitten in aller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit am festlich gedeckten Tisch. Wer Brot und Wein zu essen bekommt, hat nichts mehr zu jammern. Mit Essen, Trinken und Rühmen beginnt ein Fest der Überwindung. Da lebt Glaube gegen allen Unglauben.

Diese Verwandlungskräfte haben eine gewaltige Wirkung. Im Vorhof liegt der Antrieb für alle Durststrecken. Da wird ein Frustgeprägter zum Segensträger. Die Art und Weise, wie wir mit Krisen und Schwierigkeiten umgehen, verrät, durch welche Türen wir gegangen sind. Unser alltägliches Leben ist die Visitenkarte darüber, ob wir im Vorhof des Heiligtums zuhause sind. Wo wir nur auf die Probleme sehen, haben wir nicht Brot und Wein auf dem Tisch. Da kann nichts lebendig werden, sondern nur beschwerlich, müde und hoffnungslos. Das was wir zu uns nehmen, zeigt wovon wir leben. Jemand, der nur die Last der vielen Arbeit vor Augen hat, verliert die Zukunftsperspektive. Wer durch die Türe des Vorhofs geht, hat Fest, hat Hoffnung und hat Perspektive. Er fängt an, das Leben in die Hand zu nehmen, macht Bahn und räumt Steine aus dem Weg.  Er beginnt, allem Widerstand zum Trotz, Lebens-Zeichen aufzurichten.

Das ist der heilige Auftrag der Glaubenden, dem Fest Bahn zu machen. Im Vorhof fallen alle Ausreden, dass das Leben so beschwerlich, die Umstände zu hart, die Widerstände zu groß, der Sommer zu heiß ist. Da kennen Menschen das Gegenrezept zu aller Ungerechtigkeit, zu aller Bitterkeit, zu allem Frust. Mit dieser Mahlzeit haben wir alles in der Hand, die größten Hindernisse und Anfechtungen zu überwinden. Niemand hat mehr einen Grund, irgendwelchen Mangel auf widrige Umstände zu schieben. Es liegt an uns, ob wir essen, trinken und rühmen. Wir haben alles, um mit Stress und Druck entspannt umzugehen. Im Vorhof wird das Festzelt zur Kathedrale.

Muss das nicht ein gewaltiges Sommerfest sein?

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Was zählt, steht unterm Strich

Phil 2, 1-4 (Luther 2017) 1 

Im unserem Blumenhaus machen wir normalerweise regelmäßige Mitarbeiterabende. Wir besprechen: Was läuft gut? Was läuft schlecht? Wo geht´s hin? Nach längerer, krisenbedingter Pause, hatten wir vor kurzem wieder einen solchen Abend – eine Standortbestimmung. Wenn man ständig vom Tagesgeschäft überrollt wird, ist die Wahrnehmung meist problemorientiert. Man sieht in erster Linie, das was nichts taugt, dass wir nur der Arbeit hinterherhinken und unter dem lästigen Anderen leiden. Dieser Abend war anders. Es sollten nicht die Probleme aufleuchten, sondern das, was sich in den letzten 10 Wochen zum Guten entwickelt hat. Alleine durch eine Mitarbeiterin, die sich zwei Ziele gesetzt hat, kamen für alle sichtbare Wellen entgegen.

Sie sagte sich: bis zum Jahresende

  • findet im Laden jeder das was er braucht
  • möchte ich Traumsträuße binden bis 50,- €

Das Ergebnis in solch kurzer Zeit war für manch einen unfassbar. Lächelnd motivierte sie ihre Kolleginnen: Nicht weinen, wir schaffen das! Die einzelnen Punkte auszuführen, wäre zwar spannend, jedoch heute nicht unser Thema.

Paulus zieht bei der Gemeinde in Philippi auch eine Bilanz, die die Gangart für ein weiteres Vorankommen bestimmt.

1. Was haben wir erreicht?

1  Bei euch ist nun Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit 

Wo etwas ist, liegen Ergebnisse auf dem Tisch. Da wird nicht mehr von wollen und soll sein spekuliert, sondern da gibt es effektive Fakten. Da stehen irgendwelchen Absichtserklärungen, handfeste Tatsachen gegenüber. In vier Aufzählungen, von dem was ist, zeigt sich, was durch Gottes Handeln, bei Menschen sichtbar geworden ist.

Gott hat Spuren hinterlassen, die sich auswirken. Da ist aus frommem Reden ein Trösten geworden. Da hat der Geist von Christus, Menschengeist beeinflusst. Da redet ein Mensch und Christus kommt. Es ist etwas wirklich geworden, was nicht im menschlich Machbaren liegt. Gott offenbart sich, und Menschen werden bewegt. Da entsteht Gemeinschaft, da entsteht Bruderschaft. Unter dem Wirken entsteht Koinonia.

Neuaufbrüche haben einen besonderen Esprit, weil Liebe und Hingabe noch völlig unverbraucht sind. Da ist vieles selbstverständlich, was im Laufe der Jahre unter den Lasten mürbe wird. Diese jungfräuliche Gemeinschaft ist eine Perle, in der diese ganze ursprüngliche Gottesliebe eine Eigendynamik entwickelt. In jungen Aufbrüchen spürt man noch das Feuer, das durch die Gottesbegegnung entzündet wird. Da sieht man wie unmittelbar die Reaktionen auf das Offenbaren Gottes sind. Diesen Begegnungen liegt ein Zauber inne, der brennt und kaum zu löschen ist.

Wo die Gnade auf ein Herz fällt, wird Christus im Menschen lebendig. Es ist ein Ereignis, das zur Tat wird. Christus-Begegnung ist immer die Konfrontation mit dem Wort, das ein schaffendes Wort ist. Es liegt in der Materie des Wortes, dass es immer Tat ist. Göttliches ist nie Theorie, ist nie ein Ideal, dem man nachstrebt, sondern ein Ereignis, bei dem Gott im Menschen Ergebnisse produziert. Dieses Ist, ist die Bilanz, von dem, ich bin Gott. Christliche Gemeinde ist die Wirkung von empfangener Gnade, ist Beschlagnahmung durch den Geist, ist fließender Segen. Was Gemeinschaft ist und ausmacht, ist das, was von Gott selbst kommt und Hände und Füße bewegt.

„Wer als Fordernder in eine Gemeinschaft tritt, zerstört sie“, heißt es in der Regel von Taize. Er fordert für sich und gibt nicht das, was der Geist gibt.

2. Wo sitzt der Butzen?

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, … und ein jeder sehe nicht auf das Seine,

Das von Gott gut gemachte und das was er tatsächlich erreicht hat, steht in ständiger Gefahr, ins Gegenteil gekehrt zu werden. Ganz nach den spöttischen Vorwürfen: Es menschelt halt überall. Die von Gott geschaffenen Tatsachen, sind angefochten. Im Miteinander von Menschen ist ruckzuck Sand im Getriebe. Der größte Feind der Gemeinde Jesu sind wir selbst. Wenn die Ergebnisse im gemeinschaftlichen Leben nicht mehr stimmen, liegt der Butzen nicht bei Gott. Wo die Einheit schwindet, sind die Ich´s größer geworden. Wo kein christusgemäßes Leben rauskommt, ist es auch nicht drin. Unsere Ergebnisse, das was wir sind, verraten unseren Standort. Wenn von dem geistgewirkten Miteinander nichts zu sehen ist, muss er ausgeflogen sein. Es kann nur das herauskommen, was drin ist. Die Krisen einer christlichen Gemeinschaft sind kein menschliches, sondern ein geistliches Problem. Wo die Gaben Gottes verblassen, wo sie nicht das Miteinander fördern, ist die Ursprungsmotivation verschwunden. Da stellt sich die Frage: treibt der Geist, oder das eigene? Wo sich diese Werte verschieben, fehlen die gottgewirkten Ergebnisse.

Die Kirche sucht immer wieder nach ihrem überzeugenden Profil für die Fragen der Gesellschaft. So lud die Synode ihre geistlichen Gemeinschaften zu einem Statement auf den Ulmer Münsterplatz ein. Von den Blumenmönchen kam die Anregung: Besinne dich auf die Kernkompetenz von Christus. Unverwechselbar und einzigartig zu allen anderen Religionen, ist im Christentum die Vergebung. Wo wir den ausgelaugten Menschen diese Botschaft in allen Verlautbarungen und Predigten weitergeben, geben wir ihnen das Wertvollste mit. „Du kannst in allen Katastrophen wieder frisch und unbelastet anfangen.“ Das sind handfeste Ergebnisse für alle Krisen.

Sobald wir etwas machen wollen, oder meinen Machen zu müssen, schrumpfen wir einzig auf unsere Möglichkeiten herunter. Christliche Gemeinde entsteht nicht durch Macher, sondern durch welche, die mit sich machen lassen. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, müssen wir uns fragen, ob wir nicht selbst dem Handeln Gottes im Wege stehen.

Ist dann unser Unglück, unser mangelndes Miteinander nicht das Ergebnis davon, dass wir unsere eigene Suppe kochen?

3. Was fördert das Vorankommen?

2 so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe auch auf das, was dem andern dient. 

In der Teambesprechung kommt nach der Analyse, was ist gut, was schlecht, die Handlungsvereinbarung. Es nützt nichts, die Missstände herauszuarbeiten, zu definieren und zu beklagen. Im Jammern liegt keine Zielstrebigkeit. Für fehlende Ergebnisse, müssen Ziele, muss ein konkret anderes Verhalten vereinbart werden.

Für uns im Blumenhaus heißt das, wenn so viel Veränderung, durch die veränderte Einstellungen eines einzigen Mitarbeiters möglich sind, was ist dann alles möglich, wenn zwölf weitere Mitarbeiter sich bis zum Jahresende zwei Ziele setzen. Das kann vielen Problemen das Fürchten lehren.

Paulus sagt: Damit unser Miteinander nicht auseinandertriftet, seid eines Sinnes. Das ist jedoch nicht das erörtern eines gemeinsamen Leitbildes. Eines Sinnes ist einzig, das wie Christus gesinnt sein. Ohne die Christus-Gesinnung kommen die einzelnen früher oder später hintereinander. Darin liegt der Schlüssel von lebendiger Gemeinschaft. Das ist die Lernaufgabe der Glaubenden, sich immer wieder neu der prägenden Kraft des Wortes auszusetzen. Wo es im Miteinander klirrt, zeigt das Barometer meinen Lernbedarf an. Die Spannungen im Miteinander verbinden wir nur in einer Christus-Gesinnung, die durch das Wort Macht über uns gewinnt. Diese Gesinnung, geht von mir aus und kann nicht vom andern gefordert werden.

Das geschieht in Hochachtung vor dem schuldig Gewordenen. In der Wertschätzung des anderen, mit seinen Macken, operiert die Vergebungsbereitschaft das angekratzte Miteinander. Ich warte nicht, bis der andere sich ändert, sondern in diene ihm, was eine Christus-Handlung an ihm vollzieht. Einträchtig ist nicht dort, wo der andere meine Gesinnung annimmt, und vor mir zu Kreuze kriecht. Einträchtig sieht die volle Verantwortung bei sich selbst. Sie dient zur Förderung des anderen, und damit zur Förderung der Einheit.

Wo diese Gesinnung uns prägt, suchen wir nicht mehr Schuldige, sondern versöhnen uns mit den Gefallenen. Unterm Strich zählt, was unter allem Zerbruch wieder eins wird und der Herrlichkeit dient. Es ist nicht das Ziel, dass wir genervt auseinander laufen, sondern und zu dem entwickeln, was sich Gott mit uns gedacht hat.

Damit baut Gott seine Kirche, seine Koinonia – ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

Die Blinde Kuh

24.06.18 – Petr. 1, 8-12 

Spielen wir doch mal die Blinde Kuh! Ein Suchspiel für Kinder, das bereits im Mittelalter ein Gesellschaftsspiel für Erwachsene war und einige Maler zu historischen Werken bewegte. Ein Spieler bekam die Augen verbunden und hatte sich durch den Raum hindurchzutasten, um Mitspieler zu erwischen. Wer von ihm berührt wurde, musste stehen bleiben. Durch das Erspüren des Gesichtes, musste der Mitspieler erkannt werden, um dann als Nächster die Blinde Kuh zu sein.

Nicht sehen und doch den anderen erkennen, ist nicht nur ein interessantes Spiel, sondern offenbart das Geheimnis des Glaubens.

  • Berührt werden

Gott ließ sie wissen, dass diese Offenbarungen nicht den Propheten galten, sondern euch selbst. Nun sind sie euch verkündet worden, und zwar von denen, die euch die rettende Botschaft gebracht haben. Gott hat sie dazu durch den Heiligen Geist bevollmächtigt, den er vom Himmel zu ihnen sandte. Diese Botschaft ist so einzigartig, dass selbst die Engel gern mehr davon erfahren würden.

Wo Gott offenbart, gibt es Geheimnisse, die kein Mensch kapiert. Für Gottes Sache ist die menschliche Intelligenz blind. Wo es um das Reiches Gottes geht, spielt der Mensch Blinde Kuh. Da sind die Augen verbunden; da gibt es nichts zu sehen, nichts zu verstehen und nichts zu begreifen. Mit allem Wissen, mit allen Wissenschaften kann man Gott nicht näherkommen.  Gott ist mit keinem Studiengang zu erforschen. Hinter das Geheimnis Gott kommt kein Mensch. Die Absicht Gottes lässt sich von keinem Computer entschlüsseln. Wer meint, Gott zu verstehen, hat von ihm noch nicht das Geringste verstanden.

Die erste Voraussetzung für eine Gottesbegegnung ist, sich selbst als blind und tastend zu erkennen. Da wo alle Meinungen über Gott wegfallen, geschieht Offenbarung. Wo der Mensch nichts weiß, lässt Gott wissen. Alles Weisheit von Gott ist nicht lernen, sondern Inspiration durch ihn selbst. Der Geist ist der Wächter über Gottes Geheimnisse. Da berührt nicht der Blinde den Schöpfer, sondern wird von ihm berührt.

Wo der Geist berührt, sehen Propheten Dinge, die die Sehenden nicht sehen können. Im Offenbaren geht Gottes Schatztruhe auf. Gott lässt sich ins Innerste seiner umfassenden Heilsgedanken blicken. Wo Gott offenbart, schauen wir in das Herz, das bis zur Selbstaufgabe liebt. Unter dieser Offenbarung redet ein Mensch, als würde er von einem anderen Stern kommen. Das ist so außergewöhnlich, so unfassbar, dass selbst die Engel danach Schlange stehen. Wo Gott sein Heiligstes offenbart, zittert die irdische und himmlische Welt. Da knistert Herrlichkeit auf verbrannter Erde. Da werden Netze prallvoll, und Tausende von ein paar Broten und Fischen satt. Da werden Tote lebendig. Im offenbar werden, platzt die Erde aus allen Nähten. Das Wissen um Gott ist immer das berührt werden durch den Geist. Vollmacht ist das berührt worden sein durch das Wort, das Menschen zum Überlaufen bringt.

Gott berührt die nicht Sehenden.

  • Tasten durch die Blindheit

In ihnen wirkte bereits der Geist von Christus. Er zeigte ihnen, dass Christus leiden müsste und danach Ruhm und Herrlichkeit empfangen würde.

Wo der Geist wirkt, kommt hilfloses Tasten, mit geführt sein zusammen. Da ist einer blind und sieht trotzdem. Er sieht Leiden mit Herrlichkeit zusammen. Es ist herrlich, sich in einem elenden Zustand zu befinden und doch geführt zu sein. Die Erfahrung von Schmerz, von Hilflosigkeit, von ausgeliefert sein, führt unmittelbar zu Gott. Das Tasten durch die Blindheit gehört wie Essen und Trinken zum Leben.

Christus musste sich durch die Dunkelheit der Welt leiden, um zum Licht der Welt zu werden. Ohne das Leiden Christi kann keinem Menschen Herrlichkeit offenbart werden. Nur unter dem Zerbruch dessen was uns vor Augen steht, können wir das sehen, was in Gott ist. Herrlichkeit ist so umfassend, so klar, so leuchtend und alles durchdringend, dass alles was nicht nach Herrlichkeit aussieht wegbrechen muss. Die Blinden, die sich durch diese Welt tasten, müssen auf den Kuhstall stoßen, wo Herrlichkeit das Licht der Welt erblickt. In der Krippe fallen zwei Welten aufeinander. Da beginnt der Leidensweg für die Herrlichkeit. Am Tag der Geburt Christi fängt bereits der Kreuzweg an. Das Licht der Welt musste seinen Weg über Golgatha gehen. Das Licht in sich, konfrontiert die Finsternis. In Christus selbst, liegt sein Kreuzweg begründet. Wer aus Herrlichkeit ist und auf Herrlichkeit zugeht, muss die Finsternis zerlegen. Das Kreuz ist für den Glauben unabwendbar.

Dort wo ein Mensch zur Gottesgegenwart in dieser Welt aufbricht, wird der Weg härter und schwerer. Alles in unserem Leben, ist ein umgestaltet werden auf die Herrlichkeit zu. Da reibt sich das Göttliche am Menschlichen. Das geht nicht mit erbaulichen Gesprächen bei festlichem Essen. Um den Leidensweg kommt der Nichtsehende nicht herum. Herrlichkeit will reifen. Herrlichkeit reift in den Konflikten unserer Tage. Sie wächst unter den Schmerzen unserer Krankheit. Sie offenbart sich im Untergang der Welt.

Daher brauchen die Tastenden …

  • Glauben im Wahnsinn

Ihr habt ihn nie gesehen und liebt ihn doch. Ihr glaubt an ihn, obwohl ihr ihn auch jetzt nicht sehen könnt, und eure Freude ist herrlich, ja, grenzenlos, denn ihr wisst, dass ihr das Ziel eures Glaubens erreichen werdet: die Rettung für alle Ewigkeit. 

Glaube ist paradox. Er ist ein Leben im Widerspruch zu sich selbst. Wir lieben Menschen, die wir sehen, wir glauben ihnen, weil wir sie kennen und gehen dabei trotzdem heillos baden. Das geschieht nicht unbedingt, weil wir zu blind oder blauäugig waren, sondern weil wir ihnen trauten. Wenn wir jedoch jemand lieben, den wir noch nie gesehen haben, und ihm glauben und vertrauen, obwohl wir ihn nicht sehen können, sind wir entweder Gaukler oder Selbstmörder. Keine Bank der Welt würde auf der Basis auch nur einen Cent herausrücken.

Glaube baut auf eine Sicherheit, die unsere Grundrechenarten völlig verlässt. In der Liebe zu Christus, kann ein Mensch etwas sehen, was nicht sichtbar ist. Da findet eine Einspeisung der Herrlichkeit statt. „eure Freude ist herrlich, ja grenzenlos“. Herrlich ist der Griff nach Herrlichkeit. Im Glauben an Christus findet der Übergriff in das darüber hinaus statt. Da sind Dinge real, die wir nirgends sehen können. Diese Liebe lebt in ihrer Enttäuschung, in einem enttäuschungssicheren Raum. Sie lebt im ständigen Gegensatz, zu dem was sie sieht. Da ist im Katastrophalen etwas herrlich.

Diese Liebe kann den Menschen mit den Augen betrachten, wie er sein könnte. Da zählt nicht das was jetzt ist und uns vielleicht schrecklich zu schaffen macht, sondern da ist der Umgang von dem geprägt, was Gott in mich und den andern hineingelegt hat, das noch werden soll. Das ist das wahnsinnige des Glaubens, dass er Dinge sieht, die es noch nicht gibt, die ihn jedoch bei allem Tun antreiben. Das ist eine Freude, die nicht das Übel ignoriert und schmerzliche Wege meidet, sondern im Kreuz den Zugang zur Herrlichkeit entdeckt. Ziel des Glaubens ist, dass das wird, was nicht ist.

Im Ja zum Leiden, liegt unsere größte Entwicklung auf Herrlichkeit zu. Es wäre Wahnsinn, Herrlichkeit mit Harmonie zu verwechseln. Wer die Krise meidet, ist nicht bereit, dass die Herrlichkeit an ihm offenbar werden soll. Wer das Leiden verdammt, trennt sich von seiner eigenen Entwicklung, zu dem, was er sein könnte. Deswegen sind wir Sehende auch dort wo wir tasten und leiden. Wir sind Liebende, weil wir in allem das sehen können, was das Leiden für ein großes Ziel hat. Wir glauben als die Wahnsinnigen, weil wir im Schmerz das Herrliche erkennen.

Daher ist die Blinde Kuh ein aufregendes Spiel.

Polterabend

Jer. 23, 25-29 (Luther 2017)

Scherben bringen Glück! Daher fliegt die Kloschüssel auf die Straße. Hauptsache es knallt ordentlich und es fliegen viele Fetzen. Ein Container voller Scherben aus Steingut und Porzellan ist die Mitgift zu einer guten Ehe. Je mehr Volumen an Schrott, umso glücklicher die bevorstehende Zweisamkeit. Ob bei so viel Bruch, die Liebe länger hält weiß der Wind. Auf jeden Fall freut sich Alba, der mit dem Schrott verdient.

Bei Jeremia fliegen heute auch die Fetzen und es wird kräftig entsorgt.

 

  1. Wenn es herrlich klirrt

Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? 

Wort Gottes ist darauf angelegt, dass es klirrt. Da schlägt ein Hammer auf Granit. Nur dass dabei nicht der Hammer in die Brüche geht, sondern Beton durchlässig wird. Wo Gott auf den Menschen trifft, trifft er auf Widerstand. Er hat es mit eigenständigen Persönlichkeiten zu tun, die alles andere wollen, als sich ihm willig hinzugeben. Der Mensch ist von Natur aus keineswegs so gottkonform, wie manch einer denkt. Von wegen, edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Da sitzt ein brutaler Wille, der sich gegen die Willen Gottes durchsetzen will. Von sich aus will der Mensch nichts von Gott wissen, sondern ist sich selbst der Nächste. Sein vorrangiges Bestreben ist sich selbst zu dienen. Wehe, da quatscht jemand in sein Denken, in seine Ideologie und seine Wahrheit dazwischen. Der Mensch gegenüber Gott ist beinhart. Gott stört ihn nur, in der Verwirklichung seiner Pläne. Er ist wie ein pubertierender Teenager, der den Eltern klar zu verstehen gibt, ihr habt hier nicht mehr zu melden.

Wo Gott mit solchen Menschen zu schaffen haben möchte, braucht er ein Presslufthammer-Unternehmen. Er braucht ein Werkzeug, dass sich durch Granit beißt. Er braucht ein Betonbohrgerät, das Eisen, Zement und Stein bezwingt. Es muss mit der härtesten Materie eines anders wollenden Menschen zurechtkommen.

Wenn das Wort nur ein Staubpinsel wäre, würde es nicht mal einen Menschen zum Schmunzeln bringen. Das Wort muss Feuer und Hammer sein, um an das Eingemachte des Menschen zu gelangen. Es muss heiß machen können, dass man sich die Finger dabei verbrennt. Es muss eine Schlagkraft entwickeln, das keinen Stein mehr auf dem andren lässt. Wenn Gott sein Erlösungswerk in dieser Welt aufrichten will, kann er nicht mit einem Heimwerkerkoffer antreten. Wo es um den Menschen geht, muss er mit Gerätschaften aufwarten, die alles zerlegen können, die vor keinem Widerstand kapitulieren müssen.

Gottes Wort ist dort Gottes Wort, wo es herrlich zum Klirren bringt.

  1.  Wenn scheppert, was weggehört

25 Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt. 26 Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen? 

Es gibt zu allen Zeiten Propheten, die einen feuchten, weichen Lappen auf den Hammer aufspannen, dass die Schläge nicht so schmerzen. Der heutige Konflikt, liegt nicht so sehr in einer fremden Lehre, dass sich Menschen mit anderen Göttern anfreunden, es geht um Propheten, die den Gott Israels für ihre Zwecke missbrauchen.

Im Namen Gottes, werden Menschen hofiert. Sie verkündigen Gott und meinen sich selbst. Da ist Gott nur Mittel zum Zweck, der meinen eigenen Interessen dient. Der Glaube an Gott ist dann nur dazu da, das zu untermauern, was ich mir ausgedacht habe. Dass Gott uns aus der Ruhe bringen und unser eigenes Gedankengebäude infrage stellen will, uns das Konzept verderben könnte, steht da nicht mehr auf dem Schirm. Was sie Gott nennen, ist ideologisch verunstaltet. Gott ist dann nicht mehr der Herr, sondern mein Knecht. Man kann Gott nicht mit dem eigenen Herz vermischen.

Es ist ein riesen Unterschied zwischen einem Traum, der in uns aufsteigt, der sich zum größten Teil mit uns beschäftigt und dem Wort. Der Traum kommt aus dem eigenen Herzen, das Wort kommt von Gott. „Das Wort ist das, was in keines Menschen Herz gekommen ist“, heißt es in Jes. 64,3.

Das Wort hat seinen Sitz nicht in uns, weder in unserem Herzen, noch in unserem Verstand, noch sonst irgendwo. Es ist ein gewaltiger Irrtum, dass das göttliche in uns wohnt. Die menschliche Natur ist von Haus aus nicht gottbegabt, sagt Gottfried Voigt (Homiletische Auslegung, Reihe IV, S.273)

Das Wort bricht immer von Gott her in den Menschen ein. Gott wird nicht im menschlichen Geist seiner selbst bewusst. Es ist menschlicher oder esoterischer Wahn, vom Gott in mir zu sprechen. Auch als Geschöpf Gottes bin ich immer ich selbst, und finde keinen Gott in mir und kann auch sein Wort nicht aus mir selbst generieren. Das göttliche in mir, verkauft die Leute für dumm. Es kann kein Heil bewirken, weil es den Menschen nicht mehr mit seiner Stellung gegen Gott konfrontiert, die Gott erneuern will. In mir ist die Ablehnung, die das Wort aufbrechen und für sich gewinnen will.

Gott bleibt ein sich selbst offenbarender Gott, der sich durch seine gnädige Zuwendung an den Menschen bindet. Er will sein Gott sein, in den Menschen einpflanzen und dafür alle Krusten und Mauern auf diesem Weg durchbrechen. Wo diese Wahrheit umgedeutet wird, Menschen sich auf Gott berufen und eigenmächtig ihre Interpretationen weitergeben, verkündigen sich nichts anderes als sich selbst. Sie beteuern: So spricht der Herr, und in Wirklichkeit bleiben sie in ihrem Horizont eingeschlossen, in ihren Vorstellungen, Überzeugungen, und Wünschen und führen letztlich Selbstgespräche. Wo Worte sagen: Du kannst bleiben, wie du bist, Gott ist dir gnädig und nimmt alles nicht so tragisch, verkündigen sie: Du kannst dein eigener Herr bleiben. Dein Selbst wird gotterfüllt sein und es muss sich überhaupt nichts ändern.

Bei solch einem dem Menschen zu Munde reden, das Ego aufpolieren und den Anspruch Gottes zu verwässern, muss das Wort scheppern, weil solche Träume auf den Müll gehören.

  1. Wenn Masken fallen

wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht.

Gottes Wort gibt Klarheit, falsche Prophetie vernebelt. Jede Verkündigung lässt sich daraufhin prüfen, ob sie Klarheit schafft und Illusionen verscheucht.

Wer an Gott glaubt, hört auf an sich selbst zu glauben. Selbst dort wo wir aktiv sind, bleiben wir Geschöpfe und sind nicht Schöpfer. Wer das Wort hat, sieht das Gott die Weltgeschichte schreibt. Das Wort hat die Macht Menschen zu bewegen. Egal was wir bewegen, es wurde nicht durch uns bewegt. Es bleibt ein Wunder des Heiligen Geistes, wenn sich unser Wollen konfliktlos, dem Wollen Gottes fügt. Wer das Wort hat, muss sich selbst in einem viel größeren Abstand betrachten. Das Wort stört alles, was wir auf uns selbst verbuchen. Es stellt uns auf die Nüchternheit des Handeln Gottes.

Der Gott, der uns weiterträumen lassen würde, wäre nicht der lebendige Gott. Wo wir leben, leben wir nur, weil Gott dem Widerspenstigen gnädig ist. Die echte Verkündigung reißt die Masken herunter, und meißelt den Weg zur Umkehr. Das Wort spürt den Menschen als Gegner auf. Es offenbart ihm seine Christus Bedürftigkeit. Wo das Wort die Buße predigt, will es ans Eingemachte, das soll sich etwas verändern, zu dem was jetzt ist. Das Wort lässt keinen was und wie er ist. Es benennt Fehleinstellungen und markiert Kreuzwege. Das Wort ist unterwegs, harte Arbeit an uns zu verrichten.

Wer mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Das ist kein billiger Trost, der die Menschen lässt wie sie sind. Das sind keine Streicheleinheiten, die dem andren nicht zu nahe treten, damit er ja nicht davonläuft. Mit dem Wort tritt Gott kräftig auf die Füße und fühlt sehr unangenehm auf den Zahn.

Wo es das Wort ist, müssen Masken fallen, da müssen Porzellan und Steingut klirren, dass Gott zum Glück der Menschen werden kann. Da wird das tägliche Leben zum Polterabend, vor dem großen Fest.

Bitterschokolade mit Chili

06.05.18 Kol. 4, 2-6 (Luther 2017)

 

Wie reden Menschen miteinander? – aneinander vorbei! sagt Kurt Tucholsky. Manche Beziehungen sind einzigartige Friedhöfe verunglückter Worte. Aus dem täglichen Miteinander wissen wir, wie schnell Türen zugehen und Worte nicht ankommen. Wo die Verständigung in der Partnerschaft nicht mehr funktioniert, müssen Berater und Therapeuten her. Kommunikationswissenschaftler sagen, wenn ein Wort von mir zum anderen kommen soll muss es mehrere Türen passieren. Wehe, wenn die Türe zur falschen Seite geöffnet wird, ist das Gespräch bereits beendet. Von der Botschaft, die ich vermitteln möchte kommt nichts an.

Wenn Gott mit Menschen spricht gibt es ebenfalls jede Menge verschlossene Türen, die aufgehen müssen. Paulus öffnet uns heute Türen für den Umgang mit dem Wort.

  1. Geniale Botschaft

…auf dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können,

Ziel aller christlichen Verkündigung ist, dass das Geheimnis Christi bei den Menschen ankommt. Darin liegen die besten Worte, die Menschen je gehört haben. Da sind Worte mit höchster Brisanz. Das Geheimnis Christi will Leben schaffen, mitten in allem, was Leben beschwert und belastet. Es ist das einzige Geheimnis, das sich nicht mit Sterben und Tod abfindet. Es öffnet Türen zur anderen Seite des Lebens. In dem Geheimnis Christi gehen Türen zu Gott und den Menschen untereinander auf. Im Geheimnis Christi, hat sich Gottes Wort durch die verunglückten Worte dieser Welt hindurch gelitten. Gott kämpft gegen verschlossene Türen, kämpft gegen die Sprachlosigkeit der Menschen, kämpft um den Durchbruch seines Wortes. In dem Geheimnis Christi, will der leidenschaftliche Gott, um alles in der Welt mit Menschen kommunizieren. Das Geheimnis Christi ist die Krippe, die Gott in das Chaos der unfriedlichen Worte stellt. Es ist das Geheimnis wie Passion zur Auferstehung wird. Im Geheimnis Christi, geschieht Glück im Unglück. Es sprengt die Gefängnismauen von Paulus und Silas, wie wir das schon vergangenen Sonntag hörten.

Für diese geniale Botschaft, ist jedoch die Welt mit Bretter vernagelt und mit Gittertüren verschlossen.

  1. Versperrte Türen

…dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin… 

Paulus erlebt am eigenen Leib, die Folgen von verunglückter Kommunikation. Bei seiner Verkündigung sind Worte nicht nur überhört worden, sondern Eisentüren zugegangen. Die Ablehnung hat sich in Fesseln manifestiert. Er wird zum erschreckenden Abbild, wenn die geniale Botschaft nicht ankommt. Wenn Gott will, jedoch der Mensch nicht, dann fallen Türen ins Schloss. Menschen tendieren dazu machen dicht, wenn Gott redet. Wo die verwandelnde Kraft des Wortes sich nicht auswirkt, nicht zu sehen und zu spüren ist, sind die Türen verrammelt. Das Unheil der Welt offenbart verschlossene Türen für das Heil. Unglückliches Leben steht in unmittelbarem Zusammenhang mit verunglückter Kommunikation.

Es sind nicht nur die Ungläubigen die das Wort fesseln und außer Kraft setzen wollen. Das fängt bei uns Glaubenden an. Adam, der Mensch an sich hat ein Problem auf Gott zu hören. Da wird diskutiert, da wird gefeilscht, überhört und ignoriert. Hunderttausend Ausreden werden aufgeführt, weshalb dieses Wort jetzt für mich nicht gilt. Das nicht auf Gott eingehen, fesselt das Wort und setzt seinen Anspruch außer Kraft. Wo Türen zuschlagen, fehlen die heilenden Worte und Unfrieden und Unkraut kommt in das Miteinander. Ohne das Wort ist das Leben gestört. Wo sich der Mensch dem Wort verschließt, macht er sich selbst zu einem Gefangenen.

Wer das Geheimnis Christi zu den Menschen bringen will, muss also lernen wie Türen aufgehen.

  1. Richtig geöffnet

Seid beharrlich im Gebet. Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

Paulus brennt für die Verkündigung. Selbst mitten in der Ablehnung macht er Kommunikationstraining für das Wort. Er macht einen Tür-Öffnen-Lehrgang für das Evangelium. Rechts oder links, drücken oder ziehen.

  • Die erste Türe, durch die das Wort durchmuss, ist das Gebet. Beten ist die Voraussetzung aller Verkündigung. Im Beten wird der Mensch mit Gott eins. Damit zeigt der Glaubende, dass das Wort bei ihm angekommen ist. Durch das Gebet werden Menschenworte zu Gottesworten. Hier redet nicht ein Mensch von oder über Gott, sondern Gott selbst zu den Menschen. Das Gebet macht dem Platz, der reden will. Ohne das Gebet kann sich das Geheimnis Christi nicht offenbaren, weil es ein sich selbst offenbarendes Geheimnis ist. Nicht kraft meiner Überzeugung geschieht Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis, sondern der Geist offenbart, dass wir Gottes Kinder sind. Die erste Türe zur Erkenntnis macht Gott selbst auf. Erkenntnis Gottes, ist keine Überzeugungsarbeit, sondern sie muss erbeten werden. Diese Ausschließlichkeit des Betens steht vor der ersten Türe.
  • Die nächste Türe heißt Weisheit. Sie ist eine Gabe des Geistes. Im Geiste Jesu gehen Türen auf. Worte von Gott sind konsequent christusgeprägt. Für das Geheimnis Christi sind keine menschlichen Weisheiten gefragt. Wo ich Gesetz und Moral verkündige, kann sich kein befreiender Geist ausbreiten. Wie viele Menschen werden vom Glauben abgeschreckt, wo die Frömmigkeit runterfrustet und nicht zu einem aufbauenden Dasein erhebt. Wie lange hat die Kirche Gericht und Hölle gepredigt und damit die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Das Geheimnis Christi verkündet: nicht Strafe muss sein, sondern Liebe muss sein. Mit der Weisheit des Geistes und der bedingungslosen Liebe zu Menschen gehen Türen auf.
  • Viele Türen bleiben zu, wenn man den Kairos verschläft. Es gibt ausgesprochene Gottesstunden, und heilige Momente, indem genau der richtige Augenblick, für das richtige Wort ist. Wer diesen Moment versäumt, verpasst eine vorbereitete Gelegenheit, die es so vielleicht nie mehr geben wird. Wer mit dem Wort unterwegs ist, muss hellwach sein und seine Augen und Ohren überall haben. Kauft die Zeit aus, ruft zur Verantwortung. Das ist eine Lauerstellung für das Wort. Welches Medium kann ich wie einsetzten, um offene Türen zu durchschreiten. Auskaufen, sind neue Wege suchen, den Menschen dort begegnen wo sie sind. Die Zeit auskaufen zeigt eine hohe innere Wendigkeit, sich auf den Kairos einzustellen, um offene Türen zu nutzen. Oft merken wir erst hinterher, hier wäre eine gute Gelegenheit gewesen für das richtige Wort.
  • Eine Türe für das Wort hat auch noch eine ganz menschliche Seite. Es erfordert Echtheit oder ein überzeugendes Leben. Dass Türen aufgehen braucht es zum Gebet, zur Weisheit des Geistes und zum Erkennen des richtigen Augenblicks, noch etwas Schmackhaftes. Gottes Wort soll Biss haben, in den Ohren klingen, auf der Zunge bitzeln und seine Andersartigkeit darstellen. Es soll wie Bitterschokolade mit Chili sein. Eine nicht zu unterschätzende Türe ist das nachspüren wie die Menschen ticken, wo sie stehen, und wie wir sie abholen können. Luthers Grundsatz war: Schau´ den Leuten auf´s Maul. Schau´ wie sie whatsappen. Spreche keine Fremdsprache, sondern so, wie es der einfache Mann auf der Straße versteht. Bleibe glaubwürdig und sei selbst das Feuer, das das Wort auslöst. Verschließe keine Türen, indem dein Mund anders predigt als dein Leben.

Wir haben alle bei Paulus jede Menge zu lernen. Wir sind für das größte Geheimnis unterwegs. Reißen wir mit Beten und einem wachen Geist Türen auf! Öffnen wir mit einem geheiligten Leben und mit feurigen Worten verschlossene Herzen.

Heilige Vorbilder

Petr. 5, 1-3 

Was gute Unternehmen auszeichnet, sind gute Führungskräfte. Die Wirtschaft sucht heute nicht nur gute Fachkräfte, sie sucht gute Chefs. Vorzeigeunternehmen entstehen nicht nur durch gute Mitarbeiter, sondern durch ausgezeichnete Führungskräfte, die ihre Rolle richtig verstehen. Der einstige Marktführer für Handys, Nokia, erlebte einen gewaltigen Absturz in seiner Firmengeschichte und ist inzwischen eine bedeutungslose Marke unter den Smartphones. Die große Frage, die im Raum stand war, sind die über 200.000 hochmotivierten Mitarbeiter schuld an diesem Niedergang, oder die elf Führungskräfte? Sehr schnell war klar, es war die Geschäftsleitung, die eine Entwicklung verschlafen hat. Es waren die Chefs, die das Unternehmen ruiniert haben.

Petrus nimmt sich die Gemeindeleiter hart zur Brust, und verdeutlicht ihre Rolle als Führungskräfte.

  1. Im Chefsessel

Versorgt die Gemeinde gut, die euch Gott anvertraut hat. Hütet die Herde Gottes als gute Hirten, und das nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus freien Stücken.

Wer im Reich Gottes Menschen anvertraut bekommt, muss als erstes lernen, das ist kein Privileg, sondern ein Dienst. Gott erteilt eine Verantwortung für andere. Es geht nicht um den Hirten, sondern um die Herde. Eine Herde muss satt im Futter stehen. Sie braucht beste Wiesen, maximalen Schutz, um Milch, Wolle, Nachwuchs und Fleisch zu produzieren. Die Mitarbeiter brauchen beste Voraussetzungen, um optimale Ergebnisse auf den Tisch zu bringen. Die Aufgabe des Hirten ist nicht mitzugrasen, sondern das Grasen zu ermöglichen. Für eine Führungsaufgabe muss ein ganz neues Rollenverständnis wachsen. Wo die Herde innerhalb des Zaunes ihre Arbeit macht, muss der Blick des Hirten weit über den Zaun hinausgehen. Er hält Ausschau nach neuem Weideland, er verhandelt Pachtverträge aus, die ihm für eine weitere Nutzung zur Verfügung stehen. Er wird sich um die Vermarktung von Wolle und Milch kümmern. Würde der Hirte nur mit auf der Wiese stehen und mit der Herde das Tagesgeschäft erledigen, wäre er in diesem Moment ein besseres Schaf, würde jedoch seine Führungsrolle vernachlässigen.

Ein Leiter trägt dafür die Verantwortung, dass die ihm Anvertrauten sich gut entwickeln. Er hat die Aufgabe Mitschöpfer Gottes zu sein. Gott mutet es ihm zu, die Veranlagungen, die er in seine Geschöpfe gelegt hat, freizulegen und zu fördern. Die Führungsrolle in einer Gemeinde ist eine Entwicklungsrolle. Jeder soll zu seinem Besten geführt werden. Gottes Potenziale sollen in jedem einzelnen zur vollen Entfaltung kommen. Für jeden aus seiner Herde muss er erkennen, was für ihn das Voranbringenste ist. Braucht er jetzt mehr Löwenzahn, oder einen kurzen Biss vom Schäferhund, damit er sich im Dickicht nicht verirrt? Der Hirte steht an Gottes Stelle. Er versteht sich selbst als ein beauftragter Führer, der darauf brennt, diese gute Führung weiterzugeben. Er hat den Weitblick dessen, der das große Ganze im Auge hat. Er lebt in dem Bewusstsein, von meinem Umgang, von meiner Führung lebt und fällt die Gemeinschaft. Auf dem Chefsessel der Gemeinden sitzen daher nicht die Macher, sondern die Diener.

  1. Leiter oder Mörder

Seid nicht darauf aus, euch zu bereichern, sondern arbeitet gern, auch ohne Gegenleistung. 3 Spielt euch nicht als die Herren der Gemeinde auf, sondern seid ihre Vorbilder.

Unternehmen gehen den Bach hinunter, wenn sich die Chefs die eigenen Taschen füllen, sich von Werten verabschieden und die andern die Rechnung zahlen lassen. Das gleiche gilt bei einem Amt in der Gemeinde. Führen Herren oder Vorbilder ist eine Existenzfrage. Wo Herren die Kirche regieren, bleibt der Herr der Kirche vor der Türe. Wer selber führt, wer mit Menschen zu tun hat, steht nicht über anderen, sondern unter Christus. Unter diesem Führungsverständnis werden wir selbst dem anderen zum Christus, der ihm die Füße wäscht. Wo diese Auffassung von Dienst verlassen wird, wird der Hirte zum Schlächter einer Gemeinschaft. Da stehen Besserwisser auf, die andere nicht fördern, sondern kurzhalten.

Da kann sich jeder, der mit anderen zu tun hat, selbst überprüfen.

  • Baue ich den andern auf durch meine Worte?
  • Locke ich ihn fordernd aus der Reserve?
  • Wird er durch meine Führung größer oder kleiner?
  • Will ich ihm nur klar machen, was für ein toller Hecht ich bin und welche Erkenntnisse ich ihm voraushabe?
  • Steht der andere im Fokus, oder ich selbst?
  • Diene ich, oder beanspruche ich?

Dort wo Christus mit Absolutheitsaussagen aufgetreten ist wie, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, hat er sich damit nicht von anderen abgehoben, sondern ihnen gedient. Er brachte die Gottesnähe näher zum Menschen. Er wollte dadurch den Menschen in seiner Einzigartigkeit in Gott entwickeln. Er hatte einzig Rettungsabsichten und führte von Magermatten zu saftigen Wiesen. Führungsverantwortung, die sich nicht ganz in den Dienst der anderen stellt und der großen gemeinsamen Sache, ruiniert eine Gemeinschaft. Die Regel von Taizé sagt: Wer fordernd vor oder in eine Gemeinschaft tritt, zerstört sie. Wer irgendwelche eigene Motive pflegt, wird vom Leiter zum Mörder. Wer nicht gerne hart und uneigennützig arbeitet, kann nicht zum Vorbild für andere werden. Gott braucht für seine Arbeit mit Menschen, nicht die Perfekten und Makellosen, jedoch die Willigsten, die sich entwickeln lassen, um andere zu führen.

  1. Agenda 100

Ich selbst habe die gleiche Aufgabe wie ihr, bin ein Zeuge der Leiden von Christus und werde auch an seiner Herrlichkeit Anteil haben, wenn er kommt.

Petrus setzt höchste Maßstäbe an Führungskräfte. 100% Christusgemäß. Nicht ein bisschen fromm, so gut es eben geht, sondern mit dem höchsten Ziel, das ein Mensch anstreben kann. Führung heißt, an der Herrlichkeit teilhaben. An der Herrlichkeit teilhaben, dahin führt der Stellvertreter Christus auf Erden, das ist das Petrusamt, von dem alle Führungsrollen abgeleitet sind. Um diesen hohen Anspruch geht es in der christlichen Menschenführung. Diesen Anspruch hat Christus an jeden, den er beauftragt. Er gibt sich nicht zufrieden mit 10, oder 50, oder 70%. Er schreibt auf seine Agenda 100%. Das ist die Zielvorgabe für Reich-Gottes-Arbeiter. Wo es um Herrlichkeit geht, geht es ums Ganze, es geht um Alles. Das muss Jüngern Jesu unter den Nägeln brennen. Wer weniger als 100% auf seine Agenda setzt, hat nicht Herrlichkeit vor Augen. Den kann Christus nicht gebrauchen, weil er der Gemeinde mehr schadet als nützt.

Am Herzen Gottes führen heißt, sich mit Christus zur Herrlichkeit durchleiden. Der Glaube hat den Mut, seine Mitmenschen in eine andere Welt zu versetzen. Mit ganzem Einsatz und voller Kraft, sind wir dafür verantwortlich, dass jeder aus der Herde dieses Ziel erreicht. Da geht es nicht um einen netten Spaziergang über eine Schlüsselblumenwiese, sondern um die persönliche Entwicklung, um die Tüchtigmachung eines jeden Einzelnen, der sich mit auf diesem Weg befindet. Einige lassen sich dabei mühelos und willig führen, andere sind dagegen widerspenstig. Da gilt es Liebe und Hartnäckigkeit zu paaren. Manche laufen mit einem kleinen Schupser in die richtige Richtung, bei andern sind es Kampf und Leidenswege, bis er das Ziel Herrlichkeit erkennt.

Gott selbst hatte damals bei der Befreiung Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft, erst Mose für diese Aufgabe überreden müssen, um Pharao die Stirn zu bieten. Mose sah sich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Pharao war derart stur, dass ihm Gott erstmal mit zehn schrecklichen Landplagen alles hat kurz und klein schlagen müssen, damit er das Volk ziehen ließ. Dann kam der Durchzug durch das Schilfmeer. Das erwählte Volk kam durch, die verfolgenden Ägypter kamen um. Zwei Wochen danach reichten, dass die frommen Israeliten der Führungskraft in der Wüste wieder zu schaffen machten. Wo bleibt Wasser, wo bleibt Manna?

Selbst für glaubende Menschen, die trotz erfahrener Wunder immer wieder neu zu zweifeln anfangen, braucht es handfeste Führungsgestalten, die in der Etappe immer neu, das gelobte Land aufzeigen. Gott braucht Führungskräfte, die ein starkes Gespür entwickeln, wo getröstet und wo motiviert werden muss. Daher sucht er Hirten mit der Agenda 100. Es sucht nach menschlichen und geistlichen Qualitäten. Er sucht die Geschmeidigen, die Willigen, die Veränderbaren, die Herrlichkeit vor Augen haben und dafür bereit sind alles zu leiden. Er sucht dich und mich. Er will durch Christus uns zu heiligen Vorbildern machen.

Liebe opfert sich

Hebr. 9, 15, 26b-28

Wenn die Blumenmönche dem Gourmet-Gastronomen in Stuttgart das Empfangsgesteck in der Eingangshalle gestalten, geben sie alles. Da opfert der Florist am Bindetisch sein Leben. Doch nicht dadurch, dass er sich umbringt, sondern indem er seine ganze Hingabe hineinlegt. Er gibt seine Arbeitszeit, seine Lebenskraft, sein ganzes Empfinden für Gestalten, Formen und Farben, letztlich seine ganze Leidenschaft in ein ausdrucksstarkes Kunstwerk. Er sieht die vielen feinen Herrschaften, die sich dadurch erfreut willkommen heißen lassen und sich  das Herz für einen unvergesslichen Abend öffnen. Er weiß, wofür er sich in diesem Moment opfert. Lebendig opfert er seine Liebe zu seinem Beruf und zu seiner Berufung. Genauso wie sich der Gastronom, an seine Gäste hingibt, um damit das Geld zu verdienen, mit dem er dieses Arrangement bezahlt. So dienen wir einander, mit dem, was wir sind und haben. Wir opfern dem anderen etwas von unserem Leben.

 

  • Hingabe, die uns meint

15 So hat Christus den neuen Bund zwischen Gott und uns Menschen vermittelt: Er starb, damit die Sünden aufgehoben werden, die unter dem alten Bund geschehen sind.

Karfreitag, ist schwarzer Freitag. Jesus leidet an der Selbsthingabe Gottes. Da ist Gott, der so sehr liebt, dass er um alles in der Welt nicht für sich sein kann. Er ist Gott, und bräuchte niemand für seine Vollkommenheit, weil er alles und in allem ist. Dennoch sucht er ein Du. Dabei leidet er genau an dem Du, das sich alles sein will, und zeigt, wie fähig es ist, ohne Gott zu sein. Das Kreuz zeigt, wie weit Gott aus sich herausgeht, und wie kaputt die Welt ist. Das Kreuz zeigt den Grund, dass es mich überhaupt gibt, dass er alles gegeben hat, mich ins Leben zu rufen, und es zeigt, wie ich mit dieser Leidenschaft umgehe. Das Kreuz ist Spiegelbild von Gottes und meines Handelns. Es ist der Grund und der Abgrund aller Existenz. Der sterbende Christus bringt zwei Extreme zusammen – den leidenschaftlichen Gott und den distanzierten Menschen.

Christus stirbt aus einer bitteren Notwendigkeit heraus. Gott leidet deshalb, dass der Mensch Mensch sein kann und nicht Gott sein muss. In der Begegnung mit dem Emausjüngern stellte Jesus diese Notwendigkeit mit einer Frage klar: Musste nicht Christus dies alles erleiden? Ja er musste! Es ist ein freiwilliges Leiden, für eine erneuerte Beziehung. Hier glüht Liebe, die alles geben will, um Unvollkommenes mit Vollkommenem zusammenzubringen. Es ist die totale Hingabe, die verlorenes Leben zurückgeben will.

  • Opfer, das lebendig ist

26  Aber er ist jetzt, am Ende der Zeit, erschienen, um ein für alle Mal durch seinen Opfertod die Sünden zu tilgen. 27 Jeder Mensch muss einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht.

Wo es um einen Opfertod geht, geht es gerade nicht um den Tod, sondern um das Leben. Es wäre abgründig, Jesu Leiden auf seinen Tod zu reduzieren. Nicht der Tod, sondern seine Hingabe ist die Botschaft des Kreuzes. Jesus ist nicht gekommen sein Leben zu opfern, sondern er für etwas einzusetzen. Sein Sterben ist sein Dienst an den Menschen. Er ist nicht gekommen um sich dienen zu lassen, sondern dass er diene und sich als Löseopfer gebe für viele. Diesen Dienst kann er nur mit seinem ganzen Leben erbringen, aber nicht mit dem Tod. Das zeigt die Qualität des Opfers. Er opfert das Allerletzte, um Sünden, die Gottestrennung zu tilgen. Am Kreuz heilt die gefallene Schöpfung. Da ist ein für alle Mal Schluss, dass ein Mensch opfern muss, um einen gnädigen Gott zu finden. Gott braucht kein Opfer mehr, um versöhnt zu sein. Christus beendet damit den religiösen Urreflex der menschlichen Seele, der in allen kultischen Opferhandlungen liegt. Keine Bauchaufschwünge mehr, keine Selbstkasteiungen, keinen Ablass, keine auferlegten Bußübungen oder sonstigen menschlich verkrampften Aktionen. Gott braucht kein Opfer mehr. Sein Opfer hat mit uns zu tun. Es ist das lebendige Opfer für unvergängliches Leben. Es nimmt aller Anklage das Gericht. Dieses lebendige beendet das Sterben nach dem Sündenfall.

Martin Schleske, der Geigenbauer sagt: „Es ist wichtig, die Leidensbereitschaft der Liebe nicht in die Erlösungskraft des Leidens zu verkehren! Es wäre ein fatales Missverständnis, den Tod Jesu zu verherrlichen – gerade so als habe Martyrium aus sich selbst heraus einen Wert, als sei Leiden eine Form des Gottesdienstes, als habe Jesus quasi darauf gewartet, endlich für uns zu sterben. Das wäre die religiös perverse Verherrlichung des Selbstmords.“ (Martin Schleske, Der Klang, Klangfarbe der Notwendigkeit, S. 165)

Im Opfertod geht es um Leben.

  • Liebe, die alles gibt

Nun können alle, die Gott berufen hat, das von Gott zugesagte unvergängliche Erbe empfangen, das ewige Leben bei Gott.

Das Kreuz verwandelt alles. Wir verherrlichen an Karfreitag nicht die Erlösungskraft des Leidens, sondern die Leidensbereitschaft der erlösenden Liebe. Wenn Christus für uns gelitten hat, ist nicht das Leiden das große Thema, sondern wie weit seine Liebe geht. Wir stehen erschüttert unter dem Kreuz, betroffen von dieser Notwendigkeit, blicken auf und sagen: Du hast mich in den Himmel geliebt. Das ist das unvergängliche Erbe, das wir am Karfreitag empfangen. Das Kreuz wird zur Kraft meines Lebens. Mit dem Kreuz spricht er über unserem Leben sein es werde und es ward. Da beginnt Neuschöpfung. Damit erschafft die Liebe das Leben zurück. Ich gebe mich ganz, damit es dich gibt. Die Selbsthingabe ist die Liebe, die sich nicht abschütteln lässt.

„Ein Mensch der Liebe sucht, aber nicht bereit ist, auch am Geliebten zu leiden, hat das Wesentliche der Liebe nicht begriffen. Es wäre der armselige Versuch, das eigene Dasein in schmerzfreier Belanglosigkeit zu ertragen. Es wäre ordinär.“ (Schleske)

Der Anfang des Glaubens beginnt am Kreuz. Somit ist Glaube, lebendiges Opfer aus Liebe. Das ist ein Glühen unter Schmerzen. Es ist die Leidenschaft eines Floristen, der einen traumhaften Rosenstrauß bindet, auch wenn ihm manchmal die Dornen die Finger zerstechen. Das ist unvergängliches Erbe, wenn aus dem Opfer am Kreuz, in uns ein lebendiges Opfer wird. Wer liebt, kann sich nur für Großes opfern. Da muss Glaube nicht nur warm und schön sein, da darf er auch schmutzig und hart sein.

Durch das Kreuz sind wir lebendig, weil Liebe sich opfert.

Wir sind Premium

Petr. 1, 18-21

Premium ist das Beste vom Besten. Wo uns etwas wichtig ist, ist der Preis zweitrangig. Wenn ich gute Bilder machen möchte und dazu eine entsprechende Kamera und Zubehör brauche, scheue ich kein Opfer, um mir diese als armer Mönch leisten zu können. Anderen geht es so mit einer Gitarre. Oder bei unserem Prior in der Ausbildung hieß es: Für die theologische Literatur, die wir verwenden,  ist uns das Beste gerade gut genug. Premium für Spitzenleistung.

So geht es Gott mit dem Menschen. Für ihn ist das Beste gerade gut genug. Er will mit ihm alles toppen und will ihn nicht in einem Billigsegment verkommen lassen. Wir sind als Premiummarke geschaffen. Wir tragen die höchste Auszeichnung, die je ein Mensch haben kann. Und alles war sehr gut! Und das lässt er sich eine ganze Menge kosten.

1. Edler als Gold

18 Denn ihr wisst ja, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der Sünde zu befreien, aus einem sinnlosen Leben, wie es schon eure Vorfahren geführt haben. Er hat euch losgekauft, aber nicht mit vergänglichem Silber oder Gold, 19 sondern mit dem kostbaren Blut eines unschuldigen und fehlerlosen Lammes, das für uns geopfert wurde – dem Blut von Christus.

Der Mensch gehört Gott. Bestes kommt vom Besten. Premium ist die Freiheit des Menschen, die Gott will, die Gott schafft, die aus der Abhängigkeit von Gott kommt.

Für die Meisten ist es schwer zu begreifen, dass Freiheit im Gott gehören liegt. Keiner hat sich weder gewollt, noch hat er sich erschaffen. Die Umstände unseres Lebens wir nicht festgelegt, noch können wir verhindern, dass unser Leben irgendwann wieder vorbei sein wird. Nein, wir haben kein eigenes Leben. Das Leben ist geliehen. Im Sterben geben wir zurück, was uns nie gehört hat. Leben gehört Gott. Uns wird es nur jeden Tag anvertraut und zugemutet. Wo der Mensch denkt, er wäre völlig frei, muss er immer bedenken, dass Freiheit innerhalb von Beziehungen existiert. Wir sind geschaffen, samt allen Kreaturen – wir können nicht ohne andere Kreaturen sein. Was wir sind, das sind wir „innerhalb“ von Natur, Naturgesetzen und Geschichte. Freiheit ist immer bezogen auf.

Wenn Gott das Leben gehört, bekommt Freiheit eine ganz neue Nuance. Dann liegt absolute Freiheit, in der radikalen Bindung an Gott. In dem Einssein mit dem, dem ich gehöre, liegt aller Sinn, alle Freiheit von Sklaverei. Wenn Gott loskauft, will er Premium, will er Menschsein in Vollendung, will er alles ausschöpfen, was er hineingelegt hat. An seine eigene Existenz bindet er die Freiheit und das Loslösen von Gebundenheiten. Ohne diesen Ganzeinsatz, ist der Mensch ohne Gott, also gottlos und unheilig, weil er sich selbst gehört. Sich gehören, ist die Gefangenschaft in sich selbst. Das ist dann gar kein Leben; es ist die Freiheit eines Kanarienvogels im Käfig. Eigenes kann nie freimachen.

Der Freikauf macht´s. Wir müssen unsere Existenz unter dieser, außerhalb von uns liegenden Gnade begreifen. Wo Gott loskauft, entscheidet sich der Mensch, bewusst gegen sich selbst. Im Loskaufen beginnt Glauben. Sowie jemand losgekauft ist, steht er in der Freiheit eines neuen Eigentümers. Von da ab, ändert sich das Leben radikal. Wo eine christliche Kirche nicht in diese Entscheidung führt, beruhigt sie, und erzeugt ein unentschlossenes Sowohl-als-auch. Eine fromme Tradition ist gut, eine christliche Erziehung legt wichtige Grundlagen, doch Glaube ist, das sich täglich bewusst machen, ich gehöre Gott.

Ich bin für diese Freiheit freigekauft. Wir sind von außen auf Gott bezogen, dadurch wendet sich das Innere. Losgekauft ist allerdings keine Frage der menschlichen Einsicht, sondern ein Christus-Ereignis. Durch Christus sind wir wertvoller als Gold.

2. Zum Spitzenpreis erstanden

20 Schon bevor Gott die Welt erschuf, hat er Christus zu diesem Opfer bestimmt. Aber erst jetzt, in dieser letzten Zeit, ist Christus euretwegen in die Welt gekommen. 

Diese Freiheit zu der wir bestimmt sind, gehört zur Grundarchitektur der Schöpfung. Bevor ein Mensch die Erde betreten hat, bestand bereits das Christus-Opfer, das Menschen zu Premium-Geschöpfen macht. Das Opfer war bereits vor dem Sündenfall, also bevor es überhaupt nötig gewesen wäre. Es ist weder ein menschliches Werk, noch eine Laune des Chefs, dem die Menschheit im Laufe der Jahre aus dem Ruder gelaufen wäre. Echte Freiheit ruht in dem Opfer Christi.

Wir befinden uns in der Passionszeit, bereiten uns 7 Wochen auf das Erlösungswerk Christi vor. Das Opfer am Kreuz, ist jedoch nicht auf die vorösterliche Zeit bestimmt, sondern ist Grund der ganzen Menschheitsgeschichte. Es ist ein von Ewigkeit her gefasster Plan, der die Voraussetzung allen christlichen Lebens ist. Premium-Leben, lebt jeden Tag und für alle Zeiten aus dem Opfer Christi.  „Der Glaube sieht den gekreuzigten Christus vor sich ganz real, in einer geradezu bedrückenden Weise wirklich; aber er weiß zugleich: was hier geschieht, ist nicht ein Unfall oder Missgeschick in der Geschichte zwischen Gott und Menschen, sondern ein längst Vorbedachtes, Geplantes, Gewolltes, sinnvoll im Ganzen des Heilswirken Gottes.“ Gottfried Voigt

Das Abgleiten in die Banalität, in Gefangenschaft und Versklavung ist so mächtig, dass Gott diese Christusopfer für nötig hält. Es geht um Rettung, es geht um das Beste im Leben. Wer diesen hohen Preis gering achtet, verharmlost die Sünde und Gefangenschaft im ich. Ein Auge zudrücken ist keine Bereinigung. Jede Lösung, die die Sünde und ihre Folgen gering schätzt, ist keine Lösung. Der Konflikt muss ausgetragen werden, Schuld muss ausgeräumt und Gefangenschaft losgekauft werden. Dafür hat Gott für uns den höchsten Preis bezahlt.

3. Für ein Leben in größter Freiheit

21 Durch ihn habt ihr zum Glauben an Gott gefunden. Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt und ihm seine göttliche Herrlichkeit gegeben. Deshalb setzt ihr jetzt euer Vertrauen und eure ganze Hoffnung auf Gott.

Wir sind heilig. Das ist Premium. Das ist kein überheblich frommer Status, sondern zeigt eine Beziehung, zeigt, wem wir gehören. Losgekaufte leben in allen Lebensbezügen ungebunden. Glaubt an eure Freiheit. Lebt als die Befreiten und bleibt nicht in der Vorläufigkeit eurer Fehler stecken. Lasst euch nicht dadurch einschüchtern, dass wir alle dem Tod entgegenleben, und durch das sterben müssen unter Lasten gehen. Wir leben in der Welt und sind ungebunden von ihren Sehnsüchten, Begierden, Bestrebungen, Tendenzen und Trends.

Christen unterscheiden sich.  Losgekauft sein liegt darin, dass Leben in dieser Welt, ein Aufenthalt in der Fremde ist. Alle unsere Aufgaben liegen in dieser Welt, von der wir uns dennoch nicht bestimmen lassen. Oft lassen wir uns von unserer Umgebung beeinflussen. Wenn uns jemand feindlich gesinnt ist, tun wir uns schwer, ihm unbefangen und wohlwollend zu begegnen. Lobt uns jemand, werden wir mutig. Verurteilt uns jemand, fangen wir an, uns zu verteidigen. Es fällt uns schwer fröhlich zu sein, wenn alles gegen uns steht. Doch genau hier beginnt die Freiheit. Aus dieser Freiheit übertragen wir das losgekauft sein in die Spannungen unserer Tage. „Wir haben dies auf unsere Existenz-vor-Gott zu übertragen. Wie es zwischen Gott und uns steht, wird für das, was wir sind und tun, von alles entscheidender Bedeutung sein.“ (Gottfried Voigt, homiletische Auslegung, Reihe IX – die himmlische Berufung S.162)

Wo wir unfrei sind, wo uns die Spannungen unseres Miteinanders gefangen nehmen, haben wir Gottes Spitzenpreis vergessen, den er bezahlt hat. Der Preis für ein Premium Leben ist bezahlt, die Freiheit ist da, das Opfer dafür, kann niemand mehr aus der Welt schaffen. Wir leben in größter Freiheit, nicht wegen uns, wegen des Spitzenpreises, der für uns bezahlt wurde. Wir leben frei, nicht von widrigen Umständen, sondern in widrigen Umständen. Wir sind Premium, das können wir glauben und damit können wir hoffen und befreit leben.

Stadt der Freude

11.02.18 – Amos 5, 21-24

Stadt der Freude

Der Romanautor Dominique Lapierre nennt Kalkutta „Stadt der Freude“ und beschreibt damit das positive Lebensgefühl der Menschen in dieser Stadt, das westlichen Beobachtern rätselhaft erscheint. Da gibt es das Phänomen Ganges. Außer Menschenleichen landen Tierkadaver, Kot, ungefilterte und giftige Abflüsse industrieller Betriebe im Fluss. Dementsprechend ist das Wasser an vielen Stellen des Ganges verseucht: Werte von 1,5 Millionen Kolibakterien pro Zentiliter sind keine Seltenheit – erlaubt sind in Indien 500. Trotzdem gehen Millionen Menschen in Kalkutta täglich in den Fluss um sich zu waschen, die Zähne zu putzen oder sogar um das Wasser zu trinken. Normalerweise müssten Seuchen und ein Massensterben die Folgen sein, was jedoch nicht der Fall ist.

Wissenschaftler untersuchten dieses Wasser und stellten fest, dass dieses Ganges-Wasser von Himalaya-Wasser angereichert ist. Wasser kann Informationen speichern. Informationen sind Schwingungen und Schwingungen können sich überlagern. Es gibt Töne, die andere Töne übertönen und überlagen und dadurch in den Vordergrund rücken. Somit überlagert das „gute Wasser“ das verunreinigte Wasser, und nimmt ihm die schädigende Wirkung.

Etwas Quantenphysik, das uns den heutigen Text näherbringen soll.

 

  1. Die Durchströmten

24b Das Recht soll das Land durchströmen wie ein nie versiegender Fluss. 

Wenn Gott das Land mit Recht durchströmt, geht es um eine hoch brisante Information. Recht und Gesetz, das beim Menschen eher Widerwillen auslöst, hat einen Gehalt, der allen menschlichen Unrat überlagert. Darin liegt eine Macht, die das Schädigende unschädlich macht. Wo das Recht strömt, will nicht das Gesetz gesetzlich machen, es will kein Zwang einem strengen Gott unterwerfen, es will genau das Gegenteil von dem auslösen, was wir befürchten. Im strömenden Recht, kommt Gott im Menschen zu seinem Recht. Da durchströmt die Gnade den Sünder. Das ist der Beginn des Christus im Menschen. Mit Christus wird die Selbstgerechtigkeit überlagert. Da hat die Selbstreinigung, die Selbstdarstellung ein Ende, weil die reinigende Kraft durch die Christusinformation wirkt. Da wird die Gnade zur bestimmenden Macht. Wo das Recht strömt, muss kein Mensch mehr um sein Recht kämpfen und kein Recht mehr schaffen. Ab diesem Moment ist nichts von menschlicher Leistung und Zustand abhängig. Da fließt auf den Menschen etwas zu, das ihn durchdringt. Da müssen keine Untaten verdeckt und kein Dreck versteckt werden. Da bleibt Jauche nach wie vor Jauche, hat aber die Information vom Quellwasser. Da löst sich aller fromme Krampf, etwas sein zu wollen, was wir gar nicht sind. Das Gesetz befreit von gesetzlicher Frömmigkeit. Das Recht Gottes fließt um dem Menschen zu dienen.

Der gesetzliche Mensch dreht genau das um. Martin Schleske, der Geigenbauer sagt: „Er versucht, seinem Leben Sinn zu geben, indem er das Gesetz hält, und glaubt so, sich bei Gott etwas zu verdienen.“ Der Glaubende lebt aus dem Recht, doch nicht aus dem, das es selber schafft, sondern aus dem, welches ihn durchdringt. Der Glaubende bleibt Sünder, er bleibt verseuchter Mensch, der jedoch durch den Durchströmenden unschädlich und gerecht gemacht wird. Durch die Quelle wird er selbst zum Trinkwasser. Christus steigert die Qualität des Menschen.

  1. Die Verseuchten

21 Gott sagt: »Ich hasse eure Feiern, geradezu widerwärtig sind sie mir, eure Opferfeste verabscheue ich. 22 Eure Brand- und Speiseopfer nehme ich nicht an, und wenn ihr Tiere mästet, um sie mir darzubringen, ist mir das völlig gleichgültig. 23 Eure lauten Lieder kann ich nicht mehr hören, verschont mich mit eurem Harfengeklimper.

Amos bringt hier gewaltige Misstöne zum Klingen. Gottesdienst als fromme Show. Perfekte Abläufe, die bist auf´s Letzte durchgedrillt sind, beeindruckende Opfer, gnadenlose Hingabe, Rituale wohldurchdacht und faszinierend – alles Bluff. Mit äußerlich funktionierenden Abläufen, wird ein stimmiges Inneres suggeriert – alles Beschiss. Starke Formen, ohne prägende Kraft. Wasser, es sieht nach Wasser aus, ist jedoch tot. Gottesdienst als Selbstzweck und Alibi.

Lieber Gott, wir machen dir mal etwas Ordentliches vor, an dem du deine helle Freude haben wirst. Perfektion ohne Herz. Feier um Gott, in der Gott keinen Platz hat. Die Quelle darf nicht strömen, weil sich das Land in sich selber suhlt. Ihr seid nach wie vor dieselbe Pampe, die für mich ein Brechmittel ist. Weil ihr euch alle wichtiger seid, habe ich nichts mehr zu melden. Gottesdienst ohne Gott. Die Gesetzlichkeit feiert ihre selbstgerechten Triumphe. Jeder lebt sich selbst, doch nicht mehr in der Realität Gottes. Bei dem was wir machen, sind wir mit den Gedanken wo ganz anders. Vor lauter Selbstbetrug, bleibt die durchdringende Liebe vor der Türe. Gott will zu seinem Recht verhelfen, will in seine Wahrheit stellen und wird von Lobgesängen der Selbstdarstellung übertönt.

Mein geliebter Geigenbauer sagt: „Das nicht liebende Herz aber stellt die Selbstgerechtigkeit über das Recht, die Selbstzufriedenheit über den Frieden, das eigene Recht über die Versöhnung, usw.“ Wo wir uns selbst im Gottesdienst suchen, unser Wohlbefinden, eine schöne fromme Atmosphäre, belügen wir Gott und uns selbst. Wo das Recht, wo Christus nicht zu einer inneren Ordnung wird, wird jede Suche zur Sucht. Menschen die sich nicht der Wahrheit und der Realität Gottes stellen, werden im Inneren von Selbstsucht zerstört; eine Gemeinschaft, die ihr Herz verliert, wird im Äußeren durch Ungerechtigkeit zerstört. Recht und Liebe sind die inneren Größen des Glaubens, es sind die harmonischen Gegensätze, die sich im Äußeren des gemeinsamen Lebens zeigen!

Wir machen uns zu frommen Narren, wenn wir die Einhaltung von Ritualen zum Gesetz erheben. Nicht wir sind die Macher unseres Lebens, nicht wir bestimmen wo´s lang geht. Nicht das fetteste Opfer, nicht das engagierteste Harfengeklimper macht uns gerecht, sondern Christus durchströmt die Verseuchten.

  1. Die Erneuerten

24 setzt euch lieber für die Gerechtigkeit ein!

Wenn Christus sein Recht am Glaubenden schafft, hat der Glaube nichts mehr mit Rechtschaffenheit zu tun.

Sich für die Gerechtigkeit einsetzen heißt:

die Gerechtigkeit ist bereits da

ich lasse die Gerechtigkeit an mir zu

ich brauche nicht etwas anderes schaffen wollen

weiter heißt es:

ich akzeptiere meinen Ist-Zustand

ich stelle mich zu der Wahrheit die ich bin

ich will weder etwas anderes sein, noch etwas anderes tun als ich bin.

Die Gerechtigkeit will in dem sein, was jetzt gerade in meinem Leben ist. Wir brauchen nicht mehr aus unserer Situation herauszuflüchten. Glaube lässt im Hier und Jetzt eine fremde Gerechtigkeit an sich zu. Es muss die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit, die Liebe fließen, damit unsere Harfe klingt. Die Gerechtigkeit ist Dreh- und Angelpunkt aller christlichen Existenz. In dieser Gerechtigkeit liegt Gottes ganzes Erbarmen mit den Verseuchten. Darin liegt die Wasserverwandlung durch Christus. Da werden die Grundvoraussetzungen umgekehrt. Nicht Opfer, weil ich muss und soll, sondern weil ich will und kann. Nicht Harfenklang weil ich klinge, sondern weil Christus zu klingen beginnt.

Wo die Gerechtigkeit berührt, bin ich bereit für das Heil, das in diesem Augenblick, an dieser Stelle, an mir geschieht. Die Gerechtigkeit macht uns authentisch. Da beginnt ehrlicher, lebendiger Glaube. Da fließen frische und erneuerte Kräfte, die keinen Leistungsdruck und Selbstdarstellung brauchen. Sich für die Gerechtigkeit einsetzen bedeutet, das Ja zu eigenen Schicksalshaftigkeit. Gerade dieser, mein elender Zustand jetzt, den ich gerne ganz anders hätte, ist der Ort größter Glückseligkeit. Die Liebe wird zu unserem inneren Recht, das das Land durchdringt.

Unser Lebensauftrag ist dadurch keine Pflichterfüllung und kein Weglaufen mehr, weil wir zum Teil des nie versiegenden Flusses geworden sind, der verseuchtes Wasser zum Trinkwasser macht. Dann wird in unserem Opfer das Bittere süß. Unser Gottesdienst und unser Leben wird zu einer Verwandlungsstation, in der Christus alles wandelt.

Wo die Liebe zu fließen beginnt, werden die Slums zur Stadt der Freude.

Überlegen durch Geist

1.Kor. 2, 1-10

Vorausdenker und Vorauslebende haben es schwer. Sie sind unentwegt mit denen konfrontiert die ihrem Wissens- und Erkenntnisstand hinterher sind. Die Erkenntnis Galileos: „Und sie dreht sich doch“, brachte beinahe sein Todesurteil. Mit einer Notlüge, schwor er vor der Inquisition von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen ab und überlebte. Die Behauptung Luthers: Vergebung geschieht nicht durch Ablass, sondern durch Glaube, führte ihn in den Bann und die Kirche in eine Spaltung. Paulus in Europa unterwegs, erntete in Athen für die Verkündigung des Evangeliums Spott und Antis. Aus dieser persönlich gedemütigten Situation heraus steht er vor die Gemeinde in Korinth. Er stellt Weisheit gegen Wissen.

1. Wir sind Geheimnisträger

Uns aber hat Gott durch den Heiligen Geist sein Geheimnis enthüllt. Denn der Geist Gottes weiß alles, er kennt auch Gottes tiefste Gedanken. Die Weisheit die wir verkündigen, ist Gottes Weisheit. Sie bleibt ein Geheimnis und vor der Welt verborgen.

Auch wenn der Mensch in der Genforschung den Zahlencode der Erbinformationen entschlüsseln kann, sind das lediglich die Grundrechenarten von Plus und Minus. An Gottes Denken kann sich keiner herandenken. Vor seiner Weisheit hängt ein Panzer-Schloss. Für Menschen nicht erforschbar. Mathematik und Logik passen nicht in dieses Schloss. Der Schlüssel für die Geheimnisse Gottes heißt Heiliger Geist. Wo dieser Geistesblitz den Menschengeist berührt, gibt es Erkenntnisse, außerhalb der menschlichen Wahrnehmung. In ihn dringt ein, was der natürliche Mensch nicht versteht. In den Menschen wird ein Geheimnis hineingelegt, das sich nirgends aneignen lässt. Gott hat sich beim Menschen einen persönlichen Zugang geschaffen. Damit entsteht eine Schnittstelle für einen ganz anderen Datenaustausch. Es ist ein Geistesblitz der den Menschen Gott erkennen lässt.

Der Mensch gewinnt dabei keine höhere Erkenntnisstufe um bei Gott zu sein, nein, Gott selbst kommt. Das Geheimnis ist, dass sich im Heiligen Geist, Christus zu uns auf den Weg macht. Der Geist ist die Frucht aus Kreuz, Tod und Auferstehung. Somit stellt der Geist, das natürliche Menschsein, in die umfassende Gotteswirklichkeit. Der Geist legt das Geheimnis von Erlösung und Neugeburt in den Menschen. In einem sterblich, leiblichen Gehäuse weht Auferstehungsluft. Das Geheimnis des Geistes durchbricht damit die Gesetzmäßigkeiten aller menschlichen Wissenschaften und Erfahrungen.

Zu solchen Geheimnisträgern macht Gott Menschen wie Paulus. Jede Verkündigung lüftet ein Geheimnis. Verkündigung sind keine Worte, die von einem Redenberater geschönt sind, in ihr handelt der Christus-Geist. Wo dieses Geheimnis verkündigt wird, wirkt nicht eine gute oder schlechte Rede, sondern eine eigene geheime Macht. Es gibt keine erlernbare Methode, in der der Geist zu Menschen spricht. Sein Geheimnis offenbart Gott immer selbst, weil es keine Worte, sondern Handlung ist. Der Verkündiger bringt eine unbegreifliche Botschaft, denjenigen, die als natürliche Menschen dafür keine Antenne haben. Der Heilige Geist macht Unfassbares menschenverdaulich.

Er entlockt mit ihm, das großes Geheimnis einer alten, verstaubten Geige aus dem Kasten. In einem Menschen kommt etwas zum Klingen, das niemand anders hätte anzupfen können. Dieses Geheimnis offenbart ein Geheimnis in uns. Es offenbart, wie Gott in uns Auferstehung feiert.

2. Gescheitheit rebelliert

…, auch wenn diese Welt und ihre Machthaber das nicht als Weisheit gelten lassen wollen. Aber die Welt mit aller ihrer Macht wird untergehen.  Von den Herrschern dieser Welt hat das keiner erkannt. Sonst hätten sie Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht ans Kreuz geschlagen.

Geheimnisträger leben gefährlich. Sowohl dem Verkündiger, als auch jedem der mit Gott lebt, wird man nicht glauben. Wer eine Geige sieht und sie noch nie hat spielen hören, kann nicht glauben, dass sie die ganze Welt betören kann. Geisterfahrung ist unnormal, daher ist Christsein ungemütlich. Es treffen hier zwei Welten aufeinander. Gottesweisheit und Menschenweisheit sind Gegensätze. Dabei ist offensichtlich, dass wo der Heilige Geist vom menschlichen Denken blockiert wird, die Menschen verarmen und die Geschichte blutet. Wo die göttliche Perspektive im Leben verschlossen bleibt, verliert das Menschsein seinen Wert. Da sind wir ganz schnell in Holland wo die Erben bestimmen, wie viel Tage dem Opa noch gegeben werden.

Glaubende müssen damit leben, von anderen nicht verstanden zu werden, weil sich Glauben nicht verstehen lässt. Wegen der Menschen, die dieses Gottesgeheimnis nicht kapierten hing Christus am Kreuz. Golgatha ist das Mahnmal für die Auflehnung gegen den Geist. Glaube ist Sprengstoff für eine reizüberflutete Informationsgesellschaft. Wachsender Glaube bedeutet wachsende Herausforderung. Als Geheimnisträger sind wir keine erhabenen Helden, sondern oft die Bekämpften und Belächelten. Erkenntniswege sind oft Kreuzwege. Wer etwas sieht, was andere nicht sehen, macht sich zum Buhmann. In der Gottesoffenbarung rebellieren die Gescheiten und liegt die Konfrontation mit der Vernunft. Da kann selbst die Kirche wie bei Luther und Galileo zum Gegner werden.

Da muss ein Glaube sattelfest sein und im Geist ruhen.

3. Kraftvolles Geheimnis

Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.

Glaube und Menschenwissen haben so viel gemeinsam, wie eine Kuh vom Geige spielen. Wenn eine Geige klingen soll, kann sie nicht von Hufen getreten werden, sondern muss von einem Meister gestrichen werden. Glaube wird vom Geist gestrichen und von der Menschenweisheit mit Füßen getreten. Der Glaube sucht den König in der Krippe und nicht im Palast. Der Glaube kann  sich nicht aus menschlichen Wissen ernähren, sondern hungert nach Geist. Wo der Mensch Wissen als Macht ansieht, sieht der Glaube im Geheimnis alle Macht.

Google kämpft um das Wissen der Welt, der Glaube um ein Lebensgeheimnis, das alles Wissen übersteigt. Die Suchmaschine findet keinen Gott und keinen Erlöser, aber der Geist erschließt Herrlichkeit. Google weiß alles über eine Geige, aber der Geist bringt sie zum Klingen. Der Klang echten Menschseins kommt aus dem Loslassen an den Meister. Der Glaube bringt die Geheimnisse des Lebens zum Klingen. Um das Leben mit all seinen offenen Fragen und unliebsamen Herausforderungen zu meistern, brauchen wir nicht das Wissen der ganzen Welt, sondern das Geheimnis des Geistes.

In der Kraft des Geistes, werden Schafhirten zu Volksführern. In der Kraft des Geistes, widersteht der Mönch aus Wittenberg einem Papst aus Rom. Da gehen schmerzgeplagte Krebspatienten, voll bewusst ihrem Ende entgegen. Der Geist ist die höchste Qualifikation, die einen Menschen auszeichnet. Mit dem Geist handelt der Allerhöchste im Niedrigsten. Darin findet das Unbedeutende seinen größten Wert, das Schwache seine stärkste Kraft.

Um Krisen zu meistern, hilft kein Wikipedia, da braucht es mehr Geheimnisträger. Was die Welt aufhorchen lässt und lebendig erhält, sind Menschen, die in einer höheren Weisheit stehen. Daraus kommt die Kraft, für die Schmerzbewältigung. Daraus fließt die Kraft, in einer scheinbar ausweglosen Zukunftsperspektive voller Hoffnung zu sein. Es ist die Kraft, die noch im Weltuntergang die Auferstehung erkennt.

Wir tragen dieses Geheimnis in uns, daher sind wir durch unseren Glauben zu viel mehr in der Lage, als wir selber denken können. Ich wünsche uns fröhliches Überwinden durch den Geist.