So herrlich aufgerichtet

Mitten in der Ungerechtigkeit ist Gott am größten.

_“Der Herr hat das Recht lieb.“_
Ps. 37, 28

Wo Gott das Recht liebt, hasst er das Unrecht. Er stellt sich mit ganzer Macht gegen alles, was das Leben beugt. Er stellt sich zu den Benachteiligten, den Ausgebeuteten, Armen und Ausgeschlossenen. Sein Herz schlägt für diejenigen, die auf Kosten anderer erniedrigt wurden. Wo Gott das Recht liebt, kommt seine ganze Menschenfreundlichkeit zum Ausdruck. Mit seinen kostbaren Werten, von Gerechtigkeit, Liebe, Hingabe, Gnade und Barmherzigkeit, will er seine Geschöpfe überschütten. Wo Gott das Recht liebt, liebt er genau das, was den Menschen schwer fällt und andauernd das Miteinander belastet. Er setzt dem Menschenwerkt sein Gotteswerk gegenüber. Er liebt sich in das Unrecht hinein, in all das, was den Menschen aus den Händen gleitet. Er erbarmt sich über dem Tohuwabohu, dem Durcheinander der Welt. Er liebt das Recht so sehr, dass er das Recht schafft, in einem unrechten Menschen. Damit sein Recht sich in einer ungerechten Welt durchsetzen kann, schafft er den höchsten Wert der Gerechtigkeit – Jesus Christus. Das Recht, das Gott so sehr liebt, erwartet er nicht von einem ungerechten Menschen, sondern legt es in ihn hinein. Sein Recht kann sich niemand erarbeiten, sondern nur geschenkt bekommen. Sein Recht ist unsere Gnade. In Christus ist alles Unrecht der Welt rehabilitiert. Darin liegt alle Wiedergutmachung und Neuschöpfung in erfahrener Erniedrigung. Auch wenn die Rechtsprechung dieser Welt, den tiefen Schaden einer erfahrenen Vergewaltigung nicht ausgleichen kann, liegt diese Macht in erfahrbarer Gnade. Weil Gott das Recht liebt, baut er jeden in seiner schlimmsten Demütigung wieder auf. Das ist Balsam für die verwundeten Seelen. Das ist das starke lebensschaffende Gottesgeheimnis.

Wir brauchen nicht mehr auf das Recht warten, bis wir Recht bekommen. Wir brauchen nicht um unser Recht kämpfen und ihm nachjagen. Wir leben als Glaubende als die gerecht Gemachten. Wir brauchen uns nicht von irgendwelchem Unrecht einschüchtern oder schockieren lassen. Durch Christus leben wir als die Unrecht-Überwundenen. Der quälende Schmerz kann ausheilen. Die Beleidigungen können uns nicht mehr stechen und aus der Bahn werfen. Dieses Recht, das Gott für uns in Händen hält, ist solch ein gewaltiger Schatz, der den Lebensfrust und die hoffnungslosen Depressionen heilen kann. Wer aus dieser Gnade heraus lebt, wird für die Attacken des Lebens immer unantastbarer. Da ist ein köstlicher Lernprozess, den auch Paulus aufgreift: So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder. Das ist keine krampfhafte moralische Verpflichtung, sondern die große Freiheit, mit Christus alles zu erleidende Unrecht zu überwinden. Wir werden zwar gebeugt, aber durch diese Gnade umgehend wieder aufgerichtet. Die Zeiten des gefrustet sein verkürzen sich. Welch ein Wert ist solch ein Geschenk.

Wenn wir solch eine Gnade haben, weshalb kann uns das Unrecht noch so lange unten halten?

Gott segne dich.
Liebe Grüße Theophilos 💐😊

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Eine Glocke will wieder Danke sagen
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Liebe kann knallhart sein

Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod doch ein in Gottes Gnade trotz aller unserer Not. Arno Pötzsch

„In meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Gnade erbarme ich mich über dich.“
Jes. 60, 10

Wenn Gott zornig ist und schlägt, denken wir oft, Gott wäre launisch. Es gäbe auch bei ihm Phasen, in denen er sich nicht unter Kontrolle hat und auch ihm mal die Hand ausrutscht. Doch in der Kombination des heutigen Wortes bekommen wir darüber ein völlig anderes Verständnis. Zorn steht im Zusammenhang mit Gnade. Schlagen hat mit Erbarmen zu tun. In Gottes Zorn liegt die ganze Leidenschaft zum Guten. Wenn er schlägt, bebt er für das Beste, das verlorengegangen ist. Es ist der leidenschaftliche Kampf gegen das Böse, gegen alles was Menschen herabsetzt und kleiner macht als er sie sich gedacht hat. Er weiß in seiner Menschenführung, dass er viel mehr durch Schmerz die Menschen zum Umdenken bringen kann als mit vielen guten Worten. Da wird das Unglück, dem die OP-Schläuche auf der Intensivstation folgen, zum eigentlichen Wendepunkt in einem Leben. Da verhilft die Bauchlandung zu einem Sinneswandel. Wie viele Menschen haben solch harte Schläge als das zur Besinnung kommen ihres Lebens empfunden. Erst nach einem harten Eingriff, erkannte manch einer, jetzt muss in meinem Leben etwas radikal anders werden. Ohne den Schmerz, wäre alles ganz normal weitergelaufen. Wenn nicht manches Mal gesundheitliche Einschränkungen uns ausbremsen würden als die Warnsignale, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann, würden wir heillos in unser Elend rennen, bis alles zu spät ist. Schläge sind Gnade. Dahinter steht der sich erbarmende Gott, der es nicht mit ansehen kann, wie Menschen das Gute verwirtschaften. Im Zorn liegt sein ganzer Heilswille, der vor dem Abgrund bewahren will. Dieser Zorn ist prallvoll mit Liebe, die alles einsetzt, um ein Leben aus der Belanglosigkeit und Mittelmäßigkeit herauszuführen. Dahinter steckt eine Pädagogik, die heutzutage nicht sehr viel Anklang findet. Doch Gottes Schläge führen zum Guten. Eine straffe Hand will nicht zerstören, sondern vor der Zerstörung retten. Wenn der liebe Gott nicht auch knallhart wäre, würde er sich mit dem Bösen arrangieren. In den Schlägen ringt die Gnade für das Gute.

Es wäre fatal, all die Lebensschläge als ein Abwenden Gottes zu sehen. Es liegt viel mehr seine ganze Zuwendung darin. Wenn ein Kind unverhofft auf eine vielbefahrene Straße rennt, liegt die Rettung darin, ihm hinterher zu rennen und es so hart zu packen, dass wir ihm vielleicht wehtun, um ein Unglück zu verhindern. Unser Rettungswille entscheidet über die Maßnahmen. Würden wir aus Angst, dem Kind wehe zu tun nicht zupacken, hätten wir keine Liebe und würden es in sein Unglück rennen lassen. Hinter Gottes Zupacken steckt keine Strafe und keine Ablehnung. Er will uns vielmehr unter allen Härten unserer Tage einen Zugang zu seiner Gnade verschaffen. Die ganze Not und alles was wir nicht verstehen, will uns in seine Nähe ziehen. Alle Schläge wollen Gott groß machen, seine Liebe und seinen Rettungswillen offenbaren.

Warum sollten wir uns dann noch gegen die Härten in unserem Leben wehren?

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Kostbare Perlen

Gottes Reichtum ist für die Habenichtse.

Ich weiß, dass der Herr des Elenden Sache führen und den Armen Recht schaffen wird.“
Ps. 103, 22

Gott stellt unser Wertesystem auf den Kopf. Wo in unserer Welt der Reiche der Gewinner ist, gewinnt bei Gott der Arme und Elende. Reichtum hat für Gott einen völlig anderen Wert. Unser Glanz und Glimmer ist für ihn mehr hinderlich als nützlich. Mit denen, die volle Taschen haben, kann er wenig anfangen. Er greift nach denen, die das System der Gewinner ausgeklammert hat. Gott achtet auf die Entmündigten und auf die, die durch das gesellschaftliche Raster fallen. Für Gott ist gerade das menschlich Geringe besonders wertvoll. Er gibt dem scheinbar Unwerten seinen Wert zurück. Er stellt sich zu seinem Eigentum, wo alle anderen es verlassen haben. Was er führt und wem er Recht schafft, offenbart die Liebe zu allen Geschöpfen. Für ihn ist das ausgestoßenste Individuum eine kostbare Perle. Den, der von jedem anderen übersehen wird, spürt Gott auf. Er will, dass jeder von den Geringsten sein Erbarmen erfährt. Es sollen Gnade erfahren, die in Ungnade gefallen sind. Es fällt auf keinen die ganze Wucht des Evangeliums, als auf die, die Gott und den Menschen nichts zu bringen haben. Den, den wir vielleicht gar nicht wahrnehmen ist Gottes Augenstern. Das Häufchen Elend ist Gottes Goldgrube. Aus dem was die Menschen verachten, baut Gott sein Reich.

Gottes Herz schlägt für seine Sache und für die Menschen. Er ist viel mehr als ein sozialer Gott, der die Mitmenschlichkeit predigt. Er will das Geringe groß machen. An dem was keine Bedeutung hat, sein Handeln offenbaren. Als unsere Bruderschaft in den Anfangsjahren noch eine Projektgruppe war, mit einer Hand voll junger Menschen, die außer ihrer Berufung nichts in der Tasche hatten, war das noch ein recht armseliger Haufen. Die Kirche konnte mit diesem jungen Aufbruch nicht umgehen und isolierte diese sich entwickelnde Gemeinschaft aus ihrem Schoß. Ohne irgendwelche gefestigten Strukturen, ohne Rückendeckung von kirchlicher Seite, musste die werdende Bruderschaft das Laufen lernen. Was wir am Anfang schon als das Ende betrachteten, war das Führen der Hilflosen. Wo Gott ruft, reicht es, wenn er die Sache der Elenden führt. Was aus den paar ringenden jungen Menschen geworden ist, ist ein Werk mit nahezu einhundert Mitarbeitern und einem versöhnten Miteinander mit ihrer Landeskirche. Heute sind wir diejenigen, die rechtlosen jungen Menschen, die abgeschoben werden sollen, Schutz und Wohnraum bieten.

Wo Gott der Elenden Sache führt, brauchen wir nie die Angst haben, an den Rand gespült zu werden. Dort wo unsere Hilflosigkeit am Größten ist, ist Gottes Erbarmen noch größer. Auf der anderen Seite sind wir selbst das Erbarmen Gottes, das zur Handreichung wird, für die, die in staatlichen Systemen vermalen werden, das kein Erbarmen kennt. Wo Gott uns zu seinem Recht verhilft, trifft uns seine ganze Wertschätzung, die das Elende heil machen will. Mit den Elenden will er seine Sache zum Ziel führen.

Wertschätzen wir die Perlen, die Gott aus dem Staub aufheben will?

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Freier geht nicht

Der Mensch ist königlich frei, in dem, wie er auf äußere Reize und Ereignisse reagiert und antwortet.

„Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.“
Ps. 145, 9

Wo Gott gütig ist und sich erbarmt, ist Polen noch nicht verloren. Da kann es noch so katastrophal auf dieser Welt und zwischen den Menschen zugehen, da ist einer nie fertig mit dem, was seine Geschöpfe so ablassen. Gott lässt sich nicht von einem Sündenfall und einer Apfelgeschichte beeindrucken, auch nicht von den daraus resultierenden Folgen der Vergänglichkeit und der Unfreiheit. Wo die Güte sich erbarmt, antwortet sie nicht auf das Vergehen, sondern ringt um Leben und Freiheit. Dort wo der Mensch durch den Griff zum Apfel seine Freiheit aufgegeben hat, zum Bösen nein zu sagen, sagt das Erbarmen wieder ja. Das Erbarmen sagt: Mensch, ich habe dich zum gestaltenden Gegenüber der Schöpfung und meiner Werke geschaffen, da will ich dich zurückhaben. Das Erbarmen findet sich nicht mit der Vergänglichkeit ab, die der Adam in die Welt brachte. Was der erste Mensch an Zwängen und Gebundenheit in die Welt brachte, soll der zweite Mensch, Christus, wieder befreien. Der neue Adam bringt die Gegenbewegung in alle Schöpfung. Das Erbarmen lässt nicht locker, um dem Menschen seine ihm zugedachte Freiheit wieder zu geben. Dass Gott gütig ist und sich all seiner Werke erbarmt, führt Menschen über ihre Grenzen hinaus. In Christus hat der Mensch alle Freiheit zum Bösen nein zu sagen. Er stellt in eine Freiheit der Gegenwart Gottes. Da die Freiheit das größte Geschenk Gottes an den Menschen ist, steht sie immer in der Beziehung mit Gott. Alle Loslösung von ihm begrenzet diese Freiheit. Christus ist das Erbarmen Gottes, mit der er die ganze Schöpfung aus ihren Zwängen befreit. Güte und Erbarmen lässt uns wieder zu Menschen werden, wie sie von Gott gedacht sind.

Paulus schreibt: Auch die Schöpfung wird frei werden von der der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Hierin liegt das ganze Kapital des Glaubens. Leben ist dadurch nicht vergänglichkeitsgeprägt, sondern freiheitsgeprägt. Wir haben die Freiheit, uns nicht vom Übel dieser Welt bestimmen zu lassen. Wir sind nicht die Gefangenen, der Verletzungen anderer. Das Erbarmen macht zu einer Liebe fähig, gegenüber dem, der Böses will. Wir sind völlig frei zu entscheiden, wie wir mit Verletzungen und Beleidigungen umgehen. Wir sind nicht mehr das Opfer von Misshandlungen anderer, sondern können unter allen Widrigkeiten aufstehen und unser Leben in die Hand nehmen. Es ist ein Irrtum zu glauben, was einmal im Leben versaut wurde, daran hätten wir ein Leben lang zu tragen. Weil wir aus dem Erbarmen heraus leben, haben wir in jedem Augenblick die Freiheit, unserm Leben eine neue Richtung zu geben. Wo die Schöpfung frei geworden ist, braucht sich niemand mehr in einer Opferrolle verstecken. Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes braucht keine Schuldige mehr zu suchen. Sie kennt all die Spannungen des Lebens, sie kennt jedoch genauso die Macht, sich in allen Spannungen zu erheben. Durch das Erbarmen haben wir diese Freiheit.

Wir haben in jedem Augenblick die freie Wahl zu entscheiden. Macht uns das Erbarmen nicht kraftvoller?

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Flügel haben Macht

Wer dem Höchsten am Herzen liegt hat nichts zu befürchten.

Der Herr Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie Vögel es tun mit ihren Flügeln, er wird beschirmen und erretten, schonen und befreien.“
Jes. 31, 5

Jerusalem hat einen besonderen Status. Ausgerechnet diese Multi-Kulti-Stadt, mit ihrer bewegten Geschichte, in der alle Weltreligionen zuhause sind, heißt übersetzt: Stadt des Friedens. Von Gott wird sie als seine Braut bezeichnet. Sie ist Bild für die Gemeinde Gottes, und wie Gott sich seine Zukunft mit ihr vorstellt. Jeder Glaubende gehört zu dieser Stadt des Friedens und ist Braut des Herrn. Über dieser spannungsgeladenen Stadt wird maximaler Schutz ausgesprochen. Wer geschützt und gerettet werden muss, dessen Leben steht ständig in Gefahr. Gott weiß genau, wie sehr das Leben seiner Braut angefochten ist, wie brüchig der innerer Friede ist. Seine Allerliebste liegt wie ein junger Vogel im Nest, der allen Gefahren der freien Wildbahn ausgesetzt ist. Da bedrohen Wind und Wetter das schutzlose junge Leben. Da sucht der Kater Michel einen Weg, wie er diese kleinen Delikatessen verschlingen kann. Glaubende stehen in Lebensgefahr. Dieses zarte Pflänzchen, der Liebe zu Gott, steht permanent in der Bedrohung über Bord zu gehen. Gott kennt haarscharf unser inneren Fragen, unsere Zweifel, unsere Unzufriedenheit mit uns selbst und den Widerwärtigkeiten, die über uns hereinbrechen. Er weiß, wie klein der Glaube wird, wenn die Probleme groß werden. Er ist ganz am Puls der Härten, die uns fix und fertig machen und uns am Leben zerbrechen lassen.

Mit keinem schöneren Bild könnte er die Liebe zu seiner Braut ausdrücken, als mit dem Vogel der seine Flügel ausbreitet. Darin liegt die totale Geborgenheit, mitten in der Angst. Diese Flügel sagen: Ich tue alles für dich. Ich lasse nichts und niemand an dich heran. Ich lasse nicht zu, dass dich jemand aus meinem Schutz reißt. Der Hagel, der dich treffen sollte, prasselt auf mich runter. Ich beschirme, errette, schone und befreie. Nicht du trägst deinen Glauben durch, ich mache das für dich. Darin liegt die Erlösung von Christus, die allen Widerwärtigkeiten trotzt. Gott weiß, wie dick es in unserem Leben kommen kann, daher hat er alles dafür gegeben, dass seine Braut nie aus seiner Liebe herausfallen kann.

Es ist eine Tatsache, dass das Leben hart zuschlagen kann, doch es ist eine viel größere Tatsache, wieviel Schutz uns dafür zur Verfügung steht. Wir sind nur dem Leben Ausgelieferte, wenn wir den Schutz nicht in Anspruch nehmen. Wo wir angstgesteuert leben, wo wir hoffnungslos in unsere Tage blicken, wo wir das Leben beklagen, wie ungerecht es mit uns umgeht, haben wir den Schutz der Flügel verlassen. Wer sich außerhalb davon bewegt, verzichtet auf Schonung und Rettung.

Glauben wir, wir könnten uns in allem selber schützen und brauchen keinen der uns schont und rettet?

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Erbarmen überbrückt Gräben

Den Weinenden stehen Engel bei.

Der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel her und sprach zu ihr: Was ist dir, Hagar? Fürchte dich nicht; denn Gott hat gehört die Stimme des Knaben dort, wo er liegt. Steh auf, nimm den Knaben und führe ihn an deiner Hand; denn ich will ihn zum großen Volk machen.“1.Mose 21, 17-18

Ismael liegt keuchend vor Durst in der Wüste und seiner Mutter Hagar bricht dabei das Herz. Sie spielt in dieser Geschichte eine bittere, undankbare Rolle. Als Ausgestoßene war sie zuvor die Magd der kinderlosen Sara. Rein menschlich betrachtet, hatte Abraham von seiner Frau keinen Nachwuchs mehr erwarten können. Hagar schenkte ihm dann diesen Sohn. Danach bekam die zuvor lachende Sara doch noch den versprochenen Erben, Isaak. Die beiden Jungen wuchsen miteinander auf, bis in einer trotzigen, dummen Phase von Ismael, Sara von Abraham verlangte, Hagar mit ihrem Sohn, mit etwas Brot und Wasser, regelrecht in die Wüste zu schicken. Dort treffen Mutter und Sohn in ihrer größten Verzweiflung auf einen Engel. Trost vom Himmel; Wasser in der Wüste; Erbarmen Gottes über Verstoßenen. Menschlich verlassen, werden die Weinenden von einem Engel aufgefangen. Gottes Erbarmen ist größer als alle menschliche Ablehnung. Gott stellt sich zu Hagar und Ismael und legt auf sie eine große Verheißung. Seit diesem Zeitpunkt berufen sich die Araber und Muslime auf ihren Stammesvater Abraham. Sara sah die beiden Jungs als Rivalen, Abraham übernahm diese Sicht. Die Religionen behielten diese Sicht, bis zu blutigen Feindschaft. Doch Gott segnete die beiden Söhne, jeden auf seine Weise. Ismael wurde später der Vater von zwölf Fürsten. Egal ob Menschen verstoßen oder verwerfen, ausgrenzen oder dazunehmen, Gottes Erbarmen lässt sich davon nicht beeinflussen. In diesem Erbarmen ruht der Lauf der Geschichte. Egal wie wir über andere denken und wie wir mit ihnen umgehen, wir können es nicht aufhalten, dass Gott seine Engel zu den Weinenden sendet. Gottes Antwort auf Versagen ist Erbarmen. Mit Christus erbarmt er sich über eine unversöhnliche Welt. Für ihn zählen nicht die Maßstäbe die wir setzen, wen wir bejubeln und verdammen, sondern sein Erbarmen geht in die Wüste, in die wir die uns Unangenehmen schicken.

Abraham dachte, Gott stellt sich der Verheißung gemäß hinter Isaak. Doch das für uns Unbegreifliche ist, dass Gottes Erbarmen so weit geht, dass er sich auch hinter Ismael stellt. Er hat die Stimme des durstigen Knaben in der Wüste gehört. Das Erbarmen Gottes hat eine Dimension, die all unser Laufen und Wollen in den Schatten stellt. Er hört auch auf die, die wir ablehnen. Darum leben auch wir ausnahmslos aus Gottes Erbarmen.

Wie würde die Welt aussehen, wenn unsere Unbarmherzigkeit sie alleine regieren würde, und keine Engel mehr die Weinenden trösten?

Fürsorge fliegt durch die Luft

In der Gärtnerei ist unser Kater Michel Herr im Haus und die Freude der ganzen Belegschaft.

„Herr, du hilfst Menschen und Tieren.“
Ps. 36, 7

In der ganzen Schöpfung spiegelt sich der Schöpfer. Mensch, Tier und Pflanzen sind solch ein fein durchdachtes System, das sich gegenseitig erhält und trägt. Ein organischer Kreislauf, und das bezogen sein auf die Natur, ist der Lebensraum, der uns geschenkt ist. Menschen und Tiere bedingen und ergänzen sich. Sie sind sich zum gegenseitigen Erhalt und Freude geschaffen. Der ganze Kosmos ruht in diesem Zusammenspiel. Wenn unser Michel uns mit durch die Gärtnerei begleitet, wenn er in seiner Mooskiste auf dem Arbeitsplatz liegt, sind das Glücksmomente für beiden Seiten. So ein paar Schmuseeinheiten neben der Arbeit, durchbrechen schnell mal das hastige Getriebe. Für viele sind Hund und Katze zum Familienmitglied geworden, die manche einsame Stunde überbrücken. Wo Gott den Tieren hilft, tut er dem Menschen etwas Gutes. Umfassend und feinfühlig ist er, in dem was er schafft. Wo er die Vögel ernährt, die nicht säen und ernten, fliegt seine ganze Fürsorge durch die Luft. Unser ganzer Lebensraum ist, wo wir gehen und stehen von Wohlwollen und Liebe durchströmt. Es trägt die Handschrift eines Versorgers, der allem Lebenden seine Hände auftut. Da findet die Biene ihr Blume, das Schaf sein Gras, der Fisch sein Plankton. Im Grundgedanken der Schöpfung ist an alles gedacht und keiner übersehen. Da tobt sich der Liebhaber des Lebens nach allen Regeln der Kunst aus. Somit steckt in jedem Augenblick, im kleinsten Winkel alles Geschaffenen, die ganze Gegenwart Gottes. Die Natur ist schwanger mit Gottes Güte. Fleisch, Milch und Honig auf unserem Tisch, sind die Liebesgaben dieser Fürsorge.

Wo Güte der Pulsschlag der Schöpfung ist, hat der Mensch einen Gott, der nichts übersieht. Wo Gott sieht, hilft er umfassend. Er hilft auch dann noch, wo der Mensch ihn verlässt. Seine Hilfe wird zur Passion. Das Kreuz ist das letzte Zeichen davon, wie tiefgreifend und umfassend Hilfe ist. Die dunkelste Stunde der Menschheitsgeschichte, ist der Gipfel der Güte. Selbst wo wir die bittersten Pillen des Lebens verdauen müssen, sind wir nie ohne die Schmuseeinheiten des Schöpfers. Aus seiner Fürsorge kann kein Mensch oder Tier herausfallen.

Sind nicht jeder Vogel, der über unseren Kopf fliegt, jedes Augenpaar, das uns treuherzig anschaut, Zeichen dafür, dass nichts und niemand vergessen ist?

Mit Liebe entwaffnen

Mit Gewalt kann man keine Konflikte lösen.

„Wer den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat.“

  1. Kön. 20, 11

Der König von Israel lässt dieses Wort dem angriffslustigen und großschwätzerischen König von Syrien ausrichten. Anders ausgedrückt sagt er: Nimm den Mund nicht so voll! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Doch Syrien erklärt trotzdem Israel den Krieg und ging dabei zweimal heillos baden. Gott stellte sich zu seinem Volk gegen einen scheinbar mächtigen, aufbrausenden Angreifer. Wenn man die großen und kleinen Konflikte der Menschen betrachtet, stellt man sich immer wieder wie Dostojewski die Frage: „Soll man es mit Gewalt anfassen oder mit demütiger Liebe?“ Er sagt: „Entscheide dich immer für demütige Liebe.“ Ein Gottesprinzip, mit dem er die ganze Welt bezwingt. Er bezwingt die Menschheit nicht mit Ross und Wagen, sondern mit Tod und Auferstehung. Gott könnte über der Schuld der Menschen berechtigterweise aufbrausen, doch er leidet das Heil in die Welt hinein. Frieden lässt sich nicht mit Gewalt herbei kämpfen. Gott schafft seinen Frieden mit dem Blutvergießen am Kreuz. Das ist Gottes Art von Konfliktlösung. Er erneuert nicht, indem er das Heil krampfhaft überstülpt, sondern mit ungebrochener Liebe Herzen aufweicht. Er geht auf den an ihm schuldig gewordenen, mit entwaffnendem Erbarmen entgegen.

Auseinandersetzungen müssen sein; Streit ist wie ein Gewitter, das die Atmosphäre entlädt, doch gesteigerter Zorn, Wut und Geschrei schafft weder Recht noch Entspannung. Um Fronten zu bereinigen gehört eine Gesinnung wie Jakobus es ausdrückt: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Dahinter steht die Christus-Gesinnung, der demütigen Liebe. In Christus brauchen wir nicht auf Biegen und Brechen um unser Recht kämpfen, da schafft ein anderer Recht. Wir brauchen nicht die Bedrohung vor einem wortgewaltigen Schwätzer fürchten, wenn wir in dem eigentlichen Wort verankert sind. Unser Stehen und Fallen liegt nicht in den Schlachten, die wir schlagen, sondern im Stehen bei dem, der unsere Schacht schon geschlagen hat. Durch den Glauben können wir Bedrohungen gelassen und stark begegnen.

Ist das nicht eine siegreiche Strategie, mit Liebe zu entwaffnen?

Hoffen ist Gnade

Um morgens Hoffnung zu haben, müssen wir aufs richtige Pferd setzen.
„Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich.“

Ps. 143, 8
Wer auf die Gnade hört, hat Christus im Boot. Auf Gnade hören heißt, sich selbst loszulassen und Erbarmen zu erfahren. Die Jünger schufteten eine ganze Nacht vergeblich. Sie verließen sich auf ihre Erfahrung und ihr Können als Fischer. Sie waren fixiert auf die Nacht und ihren persönlichen Einsatz; alles vergeblich. Die Wende kam, als Jesus am Morgen am Ufer stand. Genau hier beginnt Hoffnung, wo die Gnade größer wird, als das Vertrauen auf sich selbst. 
Wir rackern oft bis zum Umfallen. Wir setzten uns mit ganzer Kraft für unser Leben, die Menschen, die Gemeinde ein und vieles scheint so vergeblich. Es ist der Kampf gegen Windmühlen, oder der Lauf im Hamsterrad. Viel Einsatz und wenig Erfolg. Eine Nacht in ihrem Spezialgebiet als Fachleute gearbeitet, ohne Ertrag. Das Vergeblich wird zum Frust. Das Vergeblich wird zur Hoffnungslosigkeit. Der Mensch neigt dazu, alles von sich zu erwarten und auf seine eigene Leistung zu vertrauen. Doch bei allem Einsatz müssen wir erkennen, dass unsere Hoffnung nicht in unserem Mühen liegt.
Da ist nicht der Faulheit das Wort geredet, sondern der Gnade. Nicht der gnadenlose Einsatz macht´s, sondern der Jesus am Ufer. Auf die Gnade hören, gibt der vergeblichen Nacht Hoffnung. Zu all unserem Einsatz kommt das Entscheidende dazu, dass wir auf sein Wort hören. Wo die Jünger auf das Wort Jesu noch einmal loszogen, hatten sie solch einen Fang, dass sie ihn kaum nach Hause brachten. Hier hat das Christus-Wort in die Erfahrung der Fachleute hineingeredet, und das brachte das hoffnungsvolle Ergebnis. Die Gnade, der Christus am Ufer entscheidet über Sein oder Nichtsein. Darin finden wir den Mut in aller Vergeblichkeit. Unsere Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit kann nur durch das Hineinhören in das Wort, das von Christus ausgeht, durchbrochen werden. Wir können hoffen, wir können glauben, weil Jesus am Ufer steht.
Warum wundern wir uns über unsere Verzweiflung , wenn wir meinen, wir müssten uns in allem auf uns selbst verlassen? 

Versteckte sind entdeckt

Wir können aufrecht gehen, auch wenn das Gewissen schlägt.
„Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn.“

1. Mose 3, 8
Mit Gott Versteck spielen geht nicht auf. Er erkennt unser wahres Gesicht, auch wenn wir flüchten. Unsere Schwachstellen können wir ihm nicht entsziehen. Gott blickt durch, auch wenn wir überspielen, entziehen, oder das Weite suchen.
Wenn uns das Gewissen schlägt, möchten wir uns gerne in einem Mauseloch verstecken. Es ist nicht angenehm „ertappt“ zu werden. Wir haben Angst vor unangenehmen Folgen und Gesichtsverlust. Es gibt Menschen, die leben mit einem permanent schlechten Gewissen und kommen sich furchtbar minderwertig vor. Wo sie ihre Schwachheit und Hilflosigkeit entdecken, sind sie ständig mit zudecken oder sich zurückziehen beschäftigt. Schwachheit und Einschränkung, will ja den anderen nicht zur Last fallen. Verstecken, ducken, sich selbst aus der Schussline ziehen scheint die einzige Lösung zu sein.
Wo Gott unser wahres Gesicht entdeckt, kommt nicht der Feuerstuhl, sondern er schaut uns in die Augen. Mit einem Fell bedeckt er Adams und Evas Nacktheit. Sie haben zwar die Konzequenzen ihres Griffs nach dem Apfel zu tragen, mit arbeiten, unter Schmerzen Kinder bekommen und der Vergänglichkeit ausgeliefert sein, doch vom ersten Moment an, findet sich Gott nicht damit ab. Wo sich der Mensch im Angesicht Gottes erkennt, geht Gott bereits auf Wiedergutmachung zu. Auf unser Verstecken folgt sein Entdecken. Gott lässt es sich nicht nehmen, gnädig zu sein. Er erbarmt sich über Nacktheit und Unvermögen. Vor ihm kann unser Versteckspiel aufhören. Wir brauchen ihm nichts vormachen. Wo seinem Angesicht dürfen wir unperfekt sein. Er selbst sorgt für Reinheit und Erlösung. 
Das richtet den Glaubenden auf, wenn er sich in seinem schuldig sein entdeckt. Aus Verstecken, wird aufgerichtet werden. Aus Angst, wird getröstet werden. Wer vor dem Angesicht Gottes steht, kann erhobenen Hauptes Sünder sein. Sünde wird nicht verdammt, sondern erlöst. Wir brauchen keine Angst vor Versagen und der eigenen Schwachheit mehr haben. Wir können frohen Mutes mit unseren Fehlern umgehen. Wir sind vor seinem Angesicht in allem Versagen vollwertige Menschen.
Wo wollen wir uns verstecken, wenn uns das Erbarmen schon lange gefunden hat?