Mit Liebe entwaffnen

Mit Gewalt kann man keine Konflikte lösen.

„Wer den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat.“

  1. Kön. 20, 11

Der König von Israel lässt dieses Wort dem angriffslustigen und großschwätzerischen König von Syrien ausrichten. Anders ausgedrückt sagt er: Nimm den Mund nicht so voll! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Doch Syrien erklärt trotzdem Israel den Krieg und ging dabei zweimal heillos baden. Gott stellte sich zu seinem Volk gegen einen scheinbar mächtigen, aufbrausenden Angreifer. Wenn man die großen und kleinen Konflikte der Menschen betrachtet, stellt man sich immer wieder wie Dostojewski die Frage: „Soll man es mit Gewalt anfassen oder mit demütiger Liebe?“ Er sagt: „Entscheide dich immer für demütige Liebe.“ Ein Gottesprinzip, mit dem er die ganze Welt bezwingt. Er bezwingt die Menschheit nicht mit Ross und Wagen, sondern mit Tod und Auferstehung. Gott könnte über der Schuld der Menschen berechtigterweise aufbrausen, doch er leidet das Heil in die Welt hinein. Frieden lässt sich nicht mit Gewalt herbei kämpfen. Gott schafft seinen Frieden mit dem Blutvergießen am Kreuz. Das ist Gottes Art von Konfliktlösung. Er erneuert nicht, indem er das Heil krampfhaft überstülpt, sondern mit ungebrochener Liebe Herzen aufweicht. Er geht auf den an ihm schuldig gewordenen, mit entwaffnendem Erbarmen entgegen.

Auseinandersetzungen müssen sein; Streit ist wie ein Gewitter, das die Atmosphäre entlädt, doch gesteigerter Zorn, Wut und Geschrei schafft weder Recht noch Entspannung. Um Fronten zu bereinigen gehört eine Gesinnung wie Jakobus es ausdrückt: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Dahinter steht die Christus-Gesinnung, der demütigen Liebe. In Christus brauchen wir nicht auf Biegen und Brechen um unser Recht kämpfen, da schafft ein anderer Recht. Wir brauchen nicht die Bedrohung vor einem wortgewaltigen Schwätzer fürchten, wenn wir in dem eigentlichen Wort verankert sind. Unser Stehen und Fallen liegt nicht in den Schlachten, die wir schlagen, sondern im Stehen bei dem, der unsere Schacht schon geschlagen hat. Durch den Glauben können wir Bedrohungen gelassen und stark begegnen.

Ist das nicht eine siegreiche Strategie, mit Liebe zu entwaffnen?

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Hoffen ist Gnade

Um morgens Hoffnung zu haben, müssen wir aufs richtige Pferd setzen.
„Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich.“

Ps. 143, 8
Wer auf die Gnade hört, hat Christus im Boot. Auf Gnade hören heißt, sich selbst loszulassen und Erbarmen zu erfahren. Die Jünger schufteten eine ganze Nacht vergeblich. Sie verließen sich auf ihre Erfahrung und ihr Können als Fischer. Sie waren fixiert auf die Nacht und ihren persönlichen Einsatz; alles vergeblich. Die Wende kam, als Jesus am Morgen am Ufer stand. Genau hier beginnt Hoffnung, wo die Gnade größer wird, als das Vertrauen auf sich selbst. 
Wir rackern oft bis zum Umfallen. Wir setzten uns mit ganzer Kraft für unser Leben, die Menschen, die Gemeinde ein und vieles scheint so vergeblich. Es ist der Kampf gegen Windmühlen, oder der Lauf im Hamsterrad. Viel Einsatz und wenig Erfolg. Eine Nacht in ihrem Spezialgebiet als Fachleute gearbeitet, ohne Ertrag. Das Vergeblich wird zum Frust. Das Vergeblich wird zur Hoffnungslosigkeit. Der Mensch neigt dazu, alles von sich zu erwarten und auf seine eigene Leistung zu vertrauen. Doch bei allem Einsatz müssen wir erkennen, dass unsere Hoffnung nicht in unserem Mühen liegt.
Da ist nicht der Faulheit das Wort geredet, sondern der Gnade. Nicht der gnadenlose Einsatz macht´s, sondern der Jesus am Ufer. Auf die Gnade hören, gibt der vergeblichen Nacht Hoffnung. Zu all unserem Einsatz kommt das Entscheidende dazu, dass wir auf sein Wort hören. Wo die Jünger auf das Wort Jesu noch einmal loszogen, hatten sie solch einen Fang, dass sie ihn kaum nach Hause brachten. Hier hat das Christus-Wort in die Erfahrung der Fachleute hineingeredet, und das brachte das hoffnungsvolle Ergebnis. Die Gnade, der Christus am Ufer entscheidet über Sein oder Nichtsein. Darin finden wir den Mut in aller Vergeblichkeit. Unsere Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit kann nur durch das Hineinhören in das Wort, das von Christus ausgeht, durchbrochen werden. Wir können hoffen, wir können glauben, weil Jesus am Ufer steht.
Warum wundern wir uns über unsere Verzweiflung , wenn wir meinen, wir müssten uns in allem auf uns selbst verlassen? 

Versteckte sind entdeckt

Wir können aufrecht gehen, auch wenn das Gewissen schlägt.
„Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn.“

1. Mose 3, 8
Mit Gott Versteck spielen geht nicht auf. Er erkennt unser wahres Gesicht, auch wenn wir flüchten. Unsere Schwachstellen können wir ihm nicht entsziehen. Gott blickt durch, auch wenn wir überspielen, entziehen, oder das Weite suchen.
Wenn uns das Gewissen schlägt, möchten wir uns gerne in einem Mauseloch verstecken. Es ist nicht angenehm „ertappt“ zu werden. Wir haben Angst vor unangenehmen Folgen und Gesichtsverlust. Es gibt Menschen, die leben mit einem permanent schlechten Gewissen und kommen sich furchtbar minderwertig vor. Wo sie ihre Schwachheit und Hilflosigkeit entdecken, sind sie ständig mit zudecken oder sich zurückziehen beschäftigt. Schwachheit und Einschränkung, will ja den anderen nicht zur Last fallen. Verstecken, ducken, sich selbst aus der Schussline ziehen scheint die einzige Lösung zu sein.
Wo Gott unser wahres Gesicht entdeckt, kommt nicht der Feuerstuhl, sondern er schaut uns in die Augen. Mit einem Fell bedeckt er Adams und Evas Nacktheit. Sie haben zwar die Konzequenzen ihres Griffs nach dem Apfel zu tragen, mit arbeiten, unter Schmerzen Kinder bekommen und der Vergänglichkeit ausgeliefert sein, doch vom ersten Moment an, findet sich Gott nicht damit ab. Wo sich der Mensch im Angesicht Gottes erkennt, geht Gott bereits auf Wiedergutmachung zu. Auf unser Verstecken folgt sein Entdecken. Gott lässt es sich nicht nehmen, gnädig zu sein. Er erbarmt sich über Nacktheit und Unvermögen. Vor ihm kann unser Versteckspiel aufhören. Wir brauchen ihm nichts vormachen. Wo seinem Angesicht dürfen wir unperfekt sein. Er selbst sorgt für Reinheit und Erlösung. 
Das richtet den Glaubenden auf, wenn er sich in seinem schuldig sein entdeckt. Aus Verstecken, wird aufgerichtet werden. Aus Angst, wird getröstet werden. Wer vor dem Angesicht Gottes steht, kann erhobenen Hauptes Sünder sein. Sünde wird nicht verdammt, sondern erlöst. Wir brauchen keine Angst vor Versagen und der eigenen Schwachheit mehr haben. Wir können frohen Mutes mit unseren Fehlern umgehen. Wir sind vor seinem Angesicht in allem Versagen vollwertige Menschen.
Wo wollen wir uns verstecken, wenn uns das Erbarmen schon lange gefunden hat?

Barmherzigkeit baut auf

Nur wenn sich einer über uns erbarmt, können wir gerecht werden.
„Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unserer Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“

Dan. 9. 18
Gerechtigkeit und Gnade waren Luthers großes Thema. Daniel hatte die große Erkenntnis: So wie ich bin, kann ich Gott nicht genügen. Und wer ernsthaft glauben will, stellt immer wieder fest, dem, was Gott mit mir vor hat, kann ich nicht gerecht werden. Da klafft eine riesige Lücke. Wir müssen immer wieder entdecken, wie wenig wir zu echter Liebe in der Lage sind. Der Mensch steht vor Gott immer in seinem Mangel und seinem Defizit. Da ist keiner, der sich heilig sprechen könnte.
Wir vertrauen auf Erbarmen. Wir werden heilig und gerecht durch Gottes Anteil, der er zu unserem Leben dazu gibt. Christus ist Gottes Auffangbecken für Ungerechte. Mit ihm holt uns das Erbarmen ein. Die Barmherzigkeit befreit den Sünder vom schuldig sein. Das ist die einzige Wiedergutmachung von Übel. Vor Gott kann sich kein Mensch, durch noch so gute Leistungen etwas verdienen; einzig dass Gott durch Christus auf ihn zukommt. Nicht unsere frommen Werke stimmen Gott gnädig, sondern in Christus sind wir begnadigt. 
Mit Christus enden alle Selbstvorwürfe, alle Anklage. Durch die Barmherzigkeit findet unsere Selbstaufwertung statt. Dadurch sind wir der wertvollste Mensch, in Gottes Gegenwart. Wo wir in unseren Gebeten darauf vertrauen, entspannt sich die Last unseres Lebens. Wo wir auf dei Barmherzigkeit vertrauen, können wir Gott nicht mehr zur Last fallen und werden in unserer Schwachheit wertvoll und wichtig. Das Vertrauen auf die Barmherzigkeit versönt mit Gott und dem Leben.
Verkrampfen wir uns noch im Kämpfen um das Gute, oder nehmen wir das Gute einfach dankbar an?

Blühen ist stärker

Das Aufrichten und Stärken ist immer größer, als alle Niedergeschlagenheit.
„Der Herr verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.“

Klagel. 3, 31-32
Erbarmen ist Gottes großes Thema. Das ist sein Manifest gegen alle Zerstörung. Gott findet sich nie mit Leid ab. Er ist der starke Gegenpol, zu allem, was über den Menschen hereinbricht. Güte schockiert den Terror.
Menschen neigen dazu, sich vom Übel bestimmen zu lassen. Wenn ein Unglück passiert, wenn Beziehungen zerbrechen, wenn Miteinander belastet oder angefeindet ist, dann kommt oft danach der Zweifel an Gott. „Gott hat mich wohl vergessen und verlassen!“ Wo´s dick kommt, wo wir unten durch müssen, wo Glaube kein Zuckerschlecken mehr ist, da gehen uns die Lichter aus. Da konzentriert sich der Blick nur noch auf das Elend. Ganz leicht lassen wir uns in die Ausweglosigkeit buchsieren. 
Neben allen Härten, die wir erleben, steht die Güte. Das Schwere, das Böse ist von dem Guten eingekreist. Leid steht immer im Erbarmen. Das Ungute ist zeitlich befristet, durch die ewige Güte. Da ist eine permanent lebensschaffende Kraft, die das Erdrückende erdrückt und überdauert. Da ist für den Gelähmten die Aussicht, wieder auf eigenen Beinen stehen zu können; da werden sich die Blinden an der Schönheit einer Blume erfreuen können. Der augenblicklich, unerträgliche Zustand, verliert angesichts der Güte seine bedrohende Macht. Wo Gott sich erbarmt, ist das Schicksal entmachtet. Da werden wir im Leid aufgerichtet und gestärkt. Da ist die schwierigste Situation  nie mehr ohne Hoffnung. Da wird durch Christus das Leid mit Herrlichkeit verbunden. Da ist der Schmerz nicht das Ende, sondern der Anfang des Erbarmens, das wieder aufrichtet
Wo die Güte bestimmt, flieht das betrübt sein. 

Beflügelt uns in der Blindheit bereits die Farbe der Blume? 

Erbarmen macht stark

Wir sind weder inneren, noch äußeren Spannungen preisgegeben.
„Bei dir finden die Verwaisten Erbarmen.“

Hos. 14, 4
Erbarmen garantiert Durchkommen. Erbarmen heißt: Wir können allen Widerständen zum Trotz, das Ziel erreichen. Im Erbarmen zeigt sich, es liegt nicht an unserem Können und Vermögen, dass unser Leben gut wird. Anfechtung ist nie das Letzte. 
Wo wir verwaist sind, sind wir wie das Volk Israel herrenlos. Durch Zeitgeist und die eigenen Wünsche, durch unverständliche Schicksalsschläge und die eigene Lauheit, immer wieder auf Abstand zu Gott. Wir sind die, dem Gewitter des Lebens Ausgelieferten und die, die immer wieder an den Führungen Gottes Zweifelnden. Verwaist sein, zeigt den Kampf ums nackte Überleben. Gerade an den Glaubenden zeigt sich noch mehr, wie spannungsgeladen und angefochten Dasein ist. Wo wir als die von Gott Berufenen unterwegs sind, haben wir nicht nur mit Widerstand von außen zu kämpfen, sondern oft mit uns selbst. Wir müssen unsere eigene Trägheit überwinden, oft unsere Unbeweglichkeit und Müdigkeit. Manchesmal zweifeln wir, ob das richtig ist, was wir tun. Leben ist der Kampf gegen das eigene Versagen. Wir müssen die Spannung zwischen der vergänglichen und unvergänglichen Welt aushalten. 
In diesem Kämpfen finden die Verwaisten Erbarmen. Unser Kämpfen wird von dem Guten gestreift. Im Erbarmen kämpft Gott in unseren Widerständen. Erbarmen zeigt, wie nahe Gott in der Anfechtung ist. Erbarmen kennt alle Zerrissenheit. Durch das Erbarmen sind wir nicht mehr die dem Schlachtfeld Ausgelieferten. Hier fällt Güte in die Ohnmacht. Da liegt es nicht mehr nur an unserem Kampfgeist. Erbarmen ist die Zuwendung des Hohen zum Geringen. Da fängt der Christus in uns an zu kämpfen. Wir sind in diesem Erbarmen nicht mehr auf uns selbst gestellt. Christus tröstet die Angefochtenen. Er ist der Lebensgeist, der jeder Nacht einen neuen Morgen schenkt. Im Erbarmen liegt der Überwindergeist, den wir in uns selbst nicht finden. 
Wenn wir kein Erbarmen finden würden, müssten wir die Schlachten unseres Lebens alleine fürhren. Wäre das nicht trostlos und hoffnungslos?

Die kleine Drehung macht’s 

Wohl dem, der Aufbauendes kennt, wenn er am Ende ist.
„Herr sei du mit mir um deines Namens willen; den deine Gnade ist mein Trost: Errette mich!

Ps. 109, 21
Welch ein starkes Bild, wie der Mensch vor Gott steht. Menschliche Größe ist da, wo der Große dabei ist. Erbarmen ist es, das dem Menschen seine Würde schenkt. Es wirkt geradezu lächerlich, wo die Einbildung sich an die Brust schlägt und glaubt, sie hätte das Tischtuch an fünf Zipfeln. Groß ist der Mensch, wo er erkennt, wie schnell ihm die Felle davon schwimmen und er am Boden liegt. Groß ist, wo er erkennt, mein Stehvermögen kommt nicht aus mir. „Gnade ist mein Trost.“ Da sind immer starke Hände, wenn ich einknicke. Da sind ausgestreckte Hände und ein Vater, der dem vom Leben gebeutelten Sohn entgegen geht.  Diese Güte garantiert Leben. Egal wie das Leben zuschlägt, es ist nicht unser Ehrgeiz, unser eisener Willen der tröstet; es ist der Tröster selbst. Wir brauchen uns gar nicht selbst aus dem Schlamassel ziehen, es braucht nur eine kleine Drehung zu dem großen Erbarmer. Dem verlorenen Sohn kam nur der Gedanke in den Sinn; beim Vater war´s eigentlich besser, dann drehte er nur um. Das war der Auslöser, dass beim Vater alles in Bewegung kam. Er ging entgegen, er umarmte und küsste ihn.
Diese Geste baut auf. Gnade ist die Größe des Lebens. Erbarmen ist die Antwort auf Trostlosigkeit. Der Weg aus dem Jammer ist der kürzeste den es gibt; „errette mich.“ Bereits im Erkennen der Ohnmacht erfahren wir Kraft. Ausweglosigkeit lebt vom Erbarmen. Die kleine Drehung dahin macht´s. 
Wenn so viel Trost auf uns wartet, warum sollen wir liegen bleiben?

Der innere Schweinehund lockt Erbarmen 

zum Glück gibt es einen, der keinen Schlussstrich zieht.
„Der Herr sprach: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“

1. Mose 8, 21
Das Menschenbild der Bibel steht in absoluter Konkurrenz zu vielen Auffassungen unseres modernen Lebens. Von wegen: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, wie es seinerzeit Goethe ausformuliert hatte. Das mit dem Guten im Menschen ist reine Illusion. Jeder, der mit solch einem Menschenbild sein Dasein gestaltet, macht sich etwas vor und hat sich in der Tiefe noch nicht erkannt. In der Krise zeigt sich der wahre Charakter, sagt ein Wort. Wenn wir unsere Krisen betrachten, müssen wir leider feststellen, wie schnell wir zu Hyänen werden. Kommt da etwas mehr Druck, erfahren wir Ungerechtigkeit, müssen wir über die Maßen Schmerzen aushalten, werden wir ganz schnell ungemütlich. Werden wir nur einmal beleidigt, dann steigt in uns die Galle wie eine Fontaine auf. Da sehen wir, wie real die Bibel den Menschen sieht. Trotz allem Bemühen, trotz aller Frömmigkeit, ist da ein Herz das rebelliert. „Böse von Jugend auf“, ist das, was uns überhaupt nicht schmeckt, was jedoch zutiefst in uns steckt.
Wo die Menschen sich über der Unwilligkeit wieder trennen, wenn es einfach nicht mehr geht, sagt Gott nein. Er lässt sich von einem trotzigen Kind nicht beeindrucken. Gerade wo die innere Auflehnung gegen ihn aufsteigt, was der Inbegriff allen Bösen ist, sagt Gott: Jetzt erst recht. Das böse Herz kann Gott nicht erschrecken, sondern reizt den Guten zur Versöhnung. Das böse Herz lockt Gottes ganzes Erbarmen. Damit ein böses Herz umgewandelt wird, schießt Gott den Christus zu. Das Gute im Menschen entsteht, wenn Christus einzieht. Der innere Schweinehund lässt sich nicht wegtrainieren, sondern nur mit Christus überwinden. Die Menschen betrügen sich selbst, wenn sie denken, sie können über irgendwelche Methoden, das Gute in sich bewirken. Hier werden viele in den modernen Seminaren zur Lebensgestaltung in die Irre geführt. Die tiefe innere Auflehnung gegen Gott, die die Wurzel allen Übels ist, kann nur durch Christus aufgebrochen werden. Gegen das Böse hilft nur Erbarmen. Zum Glück, muss menschliche Sturheit nicht an die Wand fahren.
Welchen Platz hat dieses Erbarmen in unseren Krisen?

Ritter Gnadenlos lernt Erbarmen 

wer vom Erbarmen lebt, kann nicht erbarmungslos sein.
„Wer seinen Nächsten verachtet, versündigt sich; aber wohl dem, der sich der Elenden erbarmt!“

Spr. 14, 21
Wie sehr Gott zu den Menschen steht, sehen wir an diesem Wort. Ein jeder steht unter seiner Hoheit und besonderen Wertschätzung, unabhängig seines Verhaltens und seines Standes. Gott sieht den Menschen tatsächlich als Krone der Schöpfung und als ein ihm gut gelungenes Werkstück. Er steht zu ihm und grenzt keinen aus. Wer den Menschen antastet, tastet Gott an. Wer ihn verachtet, verachtet Gott. So eng ist Gott an den Menschen geknüpft. Wer anfängt auszugrenzen, trennt sich von Gott. Sünde ist, den Sünder verachten. Genau dort, wo Menschen schuldig werden, wo Fehler und Schwachheiten ans Tageslicht kommen, tickt Gott anders. Nicht Ablehnung, nicht Überhebung, nicht Verachtung, sondern Erbarmen. Da wo Menschen durch böses Verhalten Unfrieden schaffen, schafft Gott Frieden. Somit ist der schuldige Mensch nicht verdammenswert, sondern erbarmenswert. Dem Bösen wirft Gott in Christus sein Heil entgegen. Er tritt das Abfällige nicht in den Dreck, sondern hebt es auf. Seine Liebe ist stärker als alles Versagen. Er hofft auch dort, wo es nichts zu hoffen gibt.
In dem Moment, in dem wir den Elenden verachten, erheben wir uns über ihn. Wir kommen uns über dem Schlechteren besser vor. Wir machen uns zum Herrenmenschen über dem Schwachen und trennen uns selbst, von der erfahrenen Barmherzigkeit. In der Distanz zum anderen, machen wir uns Christuslos. Wir haben selbst das Maß der Gerechtigkeit ausgesprochen und uns von seinem Recht schaffen gelöst.
Dieses Wort gilt gerade in unseren Gemeinden und Gemeinschaften, wo wir uns mit den Unarten des anderen schwer tun. Wir sind viel schneller dabei, die kalte Schulter zu zeigen, als liebevoll zu verbinden. Doch wo Christus eingeht, können wir nicht wie Hund und Katz´ leben. Da kann nicht Böses mit Bösem beantwortet werden, sondern da beginnt eine Jagd nach dem Guten, wie Paulus es ausdrückt. Da wird die Barmherzigkeit zum verbindenden Element.
Wenn unsere Bosheit Erbarmen erfahren hat, warum sollten wir dann unbarmherzig sein?

Ein kaltes Herz schlägt Gott ins Gesicht

Hartherzigkeit stellt außerhalb des Erbarmens.
„Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines anderen Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.“

Spr. 17, 5
Sich über Arme erheben, ist ein Zeichen von Armut. Hier gehen schafte Worte gegen jede Art von Überheblichkeit. Gott ist der Anwalt der Armen. Er steht für die Hilflosen, Schwachen und diejenigen, die ihm nichts zu bringen haben. Erbarmen ist seine Antwort auf die Armen. Wo der Mensch Geschöpf Gottes ist, ist keiner von Gott ungewollt. Vom Anfang an, steht Gott zu allen, die er einmal geschaffen hat. Jeder Mensch ist sein Augapfel, der höchste Aufmersamkeit und Schutz genießt. Gerade dem Schutzlosen, dem, der sich selbst nicht helfen kann gilt seine Fürsorge um so mehr. 
Daher macht sich der schuldig, der einen Hilfsbedürftigen, egal in welcher Form, verachtet. Die Missachtung der Not des anderen, trifft in erster Linie Gott selbst. Die kalte Schulter zeigen wir dem Schöpfer, nicht dem Geschöpf. Das was Gott mit Liebe bedacht hat, beantworten wir mit Lieblosigkeit. Der Umgang mit den Armen zeigt unsere Christusgesinnung. Wo das Elend des anderen nicht unser Herz berührt, sind wir nicht von Christus berührt. Wo wir in unseren Häusern geistliche Lieder singen, und den Armen vor der Türe sitzen lassen, wird unser Gesang zum Hohn. 
Die Not des anderen hat uns Gott ans Herz gelegt. Wir sind für jede Form von menschlichem Schicksal mitverantwortlich. Armut ist immer kolektive Armut. Wir können uns ums Gottes Willen von keinem Elend ausgrenzen. Des andern Unglück ist mein Unglück. Wir haben Gott zum Gegner, wo angesichts der Not unsere Herzen kalt bleiben. Dabei sind die Armen viel mehr als allein die hungernden Kinder in Afrika und die syrischen Flüchtlinge in unserem Land. Da hat jeder seine Aufgabe, den Armen an seiner Seite aufzuspüren und sein Herz für ihn zu erwärmen.
Wollen wir uns nicht scharf prüfen, wo wir uns eiskalt über andere erheben und Schwachheiten belächeln?