Befreites Aufatmen

Was wir tun, hat Folgen.

Herr, geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.“
Ps. 143, 2

Der König David erkennt sich als Gottesknecht in seinem Unrecht. Er sieht, wie seine Ideale, wie sein Glaube, mit dem wirklichen Leben auseinanderklaffen. Ihm geht erschreckend auf, wie unstimmig sein Leben ist. Ich will das Gute und tue Böses. Ich will ein frommer und gerechter Herrscher sein, und lasse aus Lust und Eigennutz, einen meiner besten Feldherren über die Klinge springen. Meine Taten schreien zum Himmel. Meine Taten klagen mich an. Das Ergebnis meines Lebens, kann ich vor Gott und der Welt nicht verantworten. Mein Tun spricht eine andere Sprache als mein Wollen. In mir ist etwas nicht richtig, nicht so, wie es dem Leben, wie es Gott entsprechen soll. David erkennt sich in seiner Adams-Natur. Er muss an sich selber feststellen, das Großartige, das Gott will und in mein Leben gelegt hat, dem kann ich nie entsprechen. Aus mir heraus kann ich nicht der Gottesknecht sein, der ich eigentlich sein will. Da ist ständig ein Defizit, da ist ständig ein Mangel, da ist immer eine offene Rechnung, da klagt mich immer eine Schuld an. In diesem Bußgebet, steht er an dem wichtigsten Punkt, an dem ein Mensch stehen kann: Kein Lebendiger ist gerecht vor dir. Es ist die bedingungslose Kapitulation vor Gott. Kein Wenn und Aber, keine Ausreden. Ich bin der Mann. Wer das erkennt, steht unter dem Kreuz. Wer sein eigenes Unrecht erkennt, erkennt seine Erlösungsbedürftigkeit. Er steht damit unmittelbar vor Christus. Aus Gericht wird Gnade. Geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht, ist die tiefe Verwandlung, dass auf unser Tun, Gottes Tun folgt. In Christus ist das Gericht weg. Es ist keine menschliche Leistung, keine noch so intensive Bußübung, keine noch so große Selbstanklage die uns gerecht macht, es ist einzig Christus. Johannes sagt: Wer an Christus glaubt, kommt nicht ins Gericht.

Die Praxis des König David ist die einzige Gangart im Umgang mit dem eigenen Versagen. Hierin liegt der Sitz der königlichen Freiheit eines Christen. Da löst sich aller frommer Krampf, dass wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. An dem Punkt des Erschreckens vor sich selbst steht, braucht sich keiner mehr in irgendwelche Aufgaben hineinopfern, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Manche bringen einen gnadenlosen Einsatz in der Kirche und Gesellschaft, nur deshalb, um Gott gnädig zu stimmen. Oft meinen wir, dass wir durch unsere Hingabe, noch mit zu unserer Erlösung beitragen können. Wir wollen unsere Schlagseiten mit Gutem zudecken. Wir geben unser Opfer, damit Gott ein Auge zudrückt. Doch mit all unserm noch „Dazugeben“ wollen zeigen wir nur, dass wir noch nicht zu unserer eigenen Tragik stehen. Wir wollen unsere Gerechtigkeit selber machen und sind nicht bereit für das Christi. Der Schreck der Selbsterkenntnis kann nur zu Christus führen, damit das Gericht zur Gnade wird. Wo das geschieht, findet ein befreites Aufatmen statt, auch mitten in aller Ungerechtigkeit.

Wo steht unser Leistungsdenken, einem solch befreiten Leben im Wege?

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Eine Glocke will wieder Danke sagen
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Die Türe bleibt offen

Eine große Persönlichkeit lässt sich durch nichts beirren.

„Der Herr verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen.“
1.Sam. 12, 22

Wo das Tischtuch zerschnitten ist, hat die Schwachheit gesiegt. Menschen haben die Eigenschaft, wenn´s dick kommt das Trennende hervorzuheben. Da gibt es tausend Gründe, weshalb harte Schnitte gezogen werden. Der Herr verstößt nicht. Gott kennt keinen Schlussstrich. Bei ihm ist eine Verbindlichkeit, die alles menschenmögliche in den Schatten stellt. Ohne Wenn und Aber steht er selbst zu dem, der ihm ins Gesicht schlägt. Auch die größte Enttäuschung kann ihn nicht abschütteln. Sein Volk kann halsstarrig und dickköpfig sein wie es will, Gott lässt sich davon nicht erschüttern. Was zu ihm gehört, für das steht er gerade, auch unter widrigsten Bedingungen. Was sein ist, bleibt sein. Wer so steht, hat Format. Das hat nichts mehr mit menschlicher Größe zu tun. Dahinter steht ein Name, der über alle Namen ist. Wunderbar Rat, Kraft Held, ewig Vater Friedefürst. Ein Name, so hart wie Granit und so butterzart wie die Liebe einer Mutter. Was Gott liebt, kann er nicht loslassen. Was er liebt, kann kein Hass aus seinen Armen reißen. Sein Ja-Wort ist so endgültig, dass es für alle Zeiten gilt. Dieses Ja kann durch nichts umgestoßen werden. Einmal Ja, immer Ja. Dieses Ja bohrt sich durch alle Erniedrigung, durch alle Demütigung, durch alles Nein der Welt. Es ist ein königliches Ja in alle Armseligkeit hinein. Nach der Sintflut hat sich Gott geschworen: Nie wieder werde ich alles Leben auslöschen, wie ich es getan habe! Genau dort wo er mit Dreschflegel in die Welt ziehen müsste, kommt er als Kind. Er geht in allem Trennenden den Weg des Verbindenden. Er kann es nicht lassen gnädig zu sein. Er knüpft an den Bruchstellen an. Komme was da wolle, selbst unser größter Blödsinn, kann uns nicht aus seiner Hand reißen. Sein Erbarmen ist größer als sein Richten. Die zu seinem Volk gehören, die den Christus im Namen tragen, kann kein Verdammen mehr schrecken. Wo der Herr nicht verstößt, klagt er nicht mehr an. Dieser Glaube befreit von aller Selbstanklage. Wo Gott nicht mehr anklagt, brauchen wir uns schon lange nicht mehr anklagen. Dass er nicht verstößt, nimmt alle schweren Steine vom Gewissen.

Damit sind wir frei von jeglichem Duckmäusertum. Nicht verstoßen sein lässt aufatmen. Da steht einer hinter uns, gerade dort wo wir schwach sind, wo wir Schuld auf uns laden, wo wir anderes verdient hätten. Das lässt uns als aufrechte und befreite Sünder leben. Da haben die nagenden Vorwürfe in uns keine Stimme mehr. Jede Art von Schuld und Lieblosigkeit bindet uns in diesem Moment noch viel enger an die Gnade. Schuldig werden trennt nicht mehr die Gottesbeziehung, sondern belebt sie. Durch das nicht verstoßen sein ist ständig die Türe offen. Je mehr wir schuldig werden, umso größer wird uns Christus. Das macht uns natürlich und entspannt.

Was sollte unser Leben noch bedrohen können, wenn wir unser eigenes Versagen nicht mehr zu fürchten brauchen?

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So herrlich unsterblich

Wo ein Leben erlöst ist, kann es kein Tod mehr schrecken.

Wer meine Gebote hält und nach meinen Gesetzen lebt, der soll nicht sterben um der Schuld seiner Vaters willen.
Hes. 18. 17

An solch einer Aussage kann man erahnen, in welch einer ungeheuren Größenordnung sich das Leben abspielt. Wenn Gott sagt: der soll nicht sterben, hat das mit unseren irdischen Lebensvollzügen zu tun. Zu der Tatsache des Sterben Müssens, gibt es ein Gesetz der Unsterblichkeit. Bei Gott geht beides zusammen. Bei Gott gibt es etwas Unauslöschbares. Etwas, was dem natürlichen Lebensvollzug entgegensteht. Wenn jemand nicht stirbt, wird er ewig leben, da ist nicht irgendwann Schluss. Einmal geschaffen, ist für alle Zeiten existent. Das lässt sich nie mehr aus dem Universum auslöschen. Wo Gott ja zu einem Leben sagt, ist das ein ja für immer. Wir sind zu viel Größerem geschaffen als das, was sich im Augenblick in unserem Leben abspielt. Das „nicht sterben“ ist der unumstößliche Gedanke Gottes, der über unserem Leben steht. Alles was geschaffen ist, ist für die Herrlichkeit geschaffen. Alles ist dazu bestimmt, dauerhaft in Gott zu sein. Die Liebe ist die Wiege unseres Lebens und dadurch unser ganzer Lebensraum. Das ist Gottes Traum, von einem Leben das nicht stirbt.

Wenn das Leben stirbt, dann dort, wo es aus diesem Traum herausfällt. Dort, wo es dieses Ziel und seine ureigenste Bestimmung verfehlt. Das ist die Schuld der Generationen, sich von dem „nicht sterben“ abzunabeln. Das ist der Fluch der auf dieser Erde liegt. Schuld ist nicht Kirschen klauen, Schuld ist, sich von dem unvergänglichen Leben abzukapseln. Das nimmt allem Leben seine unsterbliche Schöpferkraft. Gott gibt den Menschen durch Christus ihre Unsterblichkeit zurück. Er löst sie von ihrer Erdgebundenheit, die alle Existenz auf das Irdische begrenzen will. Er erlöst von dem Fluch des Sterben Müssens. Christus ist das Gebot und das Gesetz Gottes, das den Menschen in seinen ganzen, umfassenden Lebensraum stellt. Somit haben wir in Christus einen Schlüssel für Leben in allem Sterben.

Damit ist Erlösung ganz praktisch und real. In allem Tod, in allem Sterben setzt sich dadurch permanent das Leben durch. Wer ewig lebt, braucht selbst vor seinem eigenen Ende nicht mehr erschrecken. Wenn wir Angst haben, dann nur, weil wir das Schlimmste befürchten, den Tod. Wer von der Angst vor dem Tod erlöst ist, kann unbeirrt leben. Er kann Kopf und Kragen riskieren, wie den Widerstandskämpfer des dritten Reiches. Da kann keine Macht der Welt mehr schockieren. Erlöste stehen auf einem anderen Boden, wenn die Erde bebt. Da fallen dann die verwunderten Aussagen nach dem Großbrand: Dass ihr angesichts solcher Ascheberge noch lachen könnt? Erlösung macht unbeirrt. Erlösung befreit zu einem standhaften Leben mitten im Untergang. Erlösung bringt die Funken der Herrlichkeit in die Nacht der Welt.

Wenn wir nicht sterben sollen, warum leben wir das nicht aus voller Kraft?

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Die Schande ist zugedeckt

Wer glücklich sein will, sollte vergeben lieben.

„Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist.“

Ps. 32, 2

Glück hängt auch mit Unbeschwertheit zusammen. Glückselig steht hier im unmittelbaren Zusammenhang mit vergeben. Es ist ein Aufatmen, wo Schuld nicht mehr anklagt. Es ist ein Befreiungsschlag, wo quälende Lasten abfallen. Das Vergeben hat immense Auswirkungen auf die psychohygienische Gesundheit des Menschen. Den gegenteiligen Zustand kennen wir zu Genüge. Wo die Übertretungen im Raum stehen, Konflikte nicht ausgeräumt sind, das eigene Versagen einen Unfall oder Katastrophe ausgelöst hat, quält sich eine Seele Tag und Nacht. Da frisst ein Nagetier in uns und lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Wie musste es dem weltberühmten Tenor Peter Schreier ergehen, als unter seiner Aufsicht, sein Enkel im Gartenteich ertrunken ist. Ein Schmerz und eine Schuld, die viele bis an ihr Lebensende belastet. Solche Belastungen können untröstlich machen und jede Lebensfreude rauben. Da ist ständig dieser Stich ins Herz, die Gedanken, die um das eigene Versagen kreisen. Da kann man auch nicht mehr einfach sagen, das ist nun mal passiert, es muss weitergehen. Genauso wenig ist da mit einem billigen Schwamm drüber eine neue Zukunftsperspektive geschaffen. Da ist eine Schuld, die fix und fertig macht und das Leben außer Kraft setzt. Unter solcher Last kann kein Mensch, der noch etwas Empfinden in sich hat, froh werden. In solchen Extremsituationen erkennen wir, welch eine Macht die Vergebung ist. Da wird uns auch klar, dass Vergeben nicht aus uns heraus geschehen kann. Wenn hier ein Gott aufsteht und sagt: deine Vertretungen sind dir vergeben und deine Sünde ist zugedeckt und unsichtbar, dann sind das keine leeren Worte mehr. Hier geschieht etwas elementar Schöpferisches. Hier ordnet Gott selbst das Chaos und Unglück. In die zerbrochene Schöpfung rammt er das Kreuz. Er stellt sein Kreuz gegen unser Kreuz. Das Vergeben ist die höchste Form des Gebens, des totalen Hingebens, der unendlichen Liebe, die den geknickten Halm aufrichtet. Wo Gott zudeckt, ist etwas aus dem Leben ausradiert. Es ist nicht die Tat weg, jedoch die Anklage und all das Leben zerstörende.

Wohl dem, ist das glückselig, von dem Christus spricht. Wo die Übertretungen zugedeckt sind, kann das Leben wieder austreiben. Wem vergeben ist, dem sind Zentnerlasten abgenommen. Christus ist unser Glück. Da ist keiner der nachträgt und uns immer wieder an unser Versagen erinnert. Es ist einfach weg. Spüren wir nicht die Gewalt, die in der Vergebung liegt? Unsere größte Katastrophe ist nie der Ort, an dem das Leben vorbei wäre. Es können noch so sehr die Fetzen fliegen, durch die Vergebung ist alles wieder möglich. Gottes Wohlwollen schafft Wohlbefinden. Dieses Wohl heilt die tiefsten Wunden. Es gibt kein besiegeltes Schicksal, das nicht von ihm zugedeckt werden könnte.

Auch wir können Menschen entlasten und zu ihrem Wohl führen, wenn wir vergeben. Wo wir uns und anderen vergeben, werden wir an den Puls des Lebens zurückgestellt. Diese befreiende Kraft hat uns Gott in die Hände gelegt, dass wir dem belasteten Leben die Glückseligkeit zurückgeben.

Was bleibt noch übrig von der Schuld, die zugedeckt ist? Wo bleibt die Glückseligkeit, wenn die Übertretungen vergeben sind?

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Die Vorwürfe sind weg

Wo Gott richtet entsteht etwas ganz Neues.

„Der Herr wird richten die Völker.“
Ps. 7, 9

Wer richtet, schafft für das Unrecht einen Ausgleich. Wo Gott richtet, findet er sich nicht mit dem, was sich von seinem Guten entfremdet hat ab. Mit Leidenschaft steht er gegen alles was die Liebe zerstört auf. Er kann es nicht ertragen, wenn das Gute und Richtige, das er zum Wohl aller erschaffen hat, verwirtschaftet wird. Für jeden einzelnen seiner Geschöpfe hat er das Beste im Auge, auch dort wo das Leben und die Liebe verunglückt. Gott rückt nie von den genialen Ideen seines Reiches ab, egal wie der Mensch sich entwickelt. Für ihn ist Vollkommenheit die Maxime seines Handelns, und Leben für alle Ewigkeit der Antrieb seines Brennens. Dieses Reich will er über aller Schuld von Menschen aufrichten. Sein Zielfoto heißt Herrlichkeit, das will er gegen allen Widerstand schaffen. Damit steht hinter seinem Richten nicht das Verdammen, sondern das neu schaffen. Wenn er richtet, haut er seine Kinder nicht in die Pfanne, sondern erlöst sie. Hinter dem richten steht sein ganzer Rettungswille. Er will nicht Rache für den Sünder, er will sein Heil. Er braucht sich nicht von menschlichen Verfehlungen beeindrucken lassen. Er kennt keine persönlichen Empfindlichkeiten, die ihn in Rage bringen würden. Gott hat die Macht, sich der Schuld der Welt zu stellen. Er ist ungeheuer belastbar, wo er Übel und Unrecht zu tragen hat. Richten heißt für ihn zurechtbringen, ins rechte Licht rücken, der Sünde einen Christus zu geben. Mit Christus und dem Wort richtet er die Menschen neu aus. Er geht damit ans Eingemachte der Gedanken und des Herzens. Dadurch entsteht die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Richten heißt für ihn, das Wort einpflanzen.

Mit Gottes Richten entsteht im Menschen ein Richtungswechsel. Das führt in ein befreites, hoffnungsvolles Dasein. Weit ab von dem mittelalterlichen Gedanken, wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. Unter diesem Richten hat Frömmigkeit nichts mehr mit Drohgebärden zu tun. Evangelium heißt nicht, Ängste mit der Hölle zu schüren. Angst machen ist nicht die Botschaft von Christus. Er ist gekommen, uns von der Angst zu befreien. Hier hat die christliche Verkündigung viel Schuld auf sich geladen, wo sie mit dem Gericht droht. Mit Christus hat die Strafe eine Wende genommen, denn er hat die Strafe auf sich genommen, auf dass wir Frieden hätten.

Mit dem Wort richtet Gott unseren Blick auf Christus. Unter dem Wort kommen unsere Schuldgefühle zur Ruhe. Unter dem Wort werden wir zu der Liebe fähig, zu der uns Gott geschaffen hat. Glaubende können unter dieser Neuschöpfung befreit leben, und sich in allem durch das Wort ausrichten, verändern und korrigieren lassen.

Wer soll uns etwas vorwerfen, wenn Gott uns gerichtet hat?

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Vom Opfer zum Herrscher

Wenn uns Zorn und Rachegedanken verfolgen, brauchen wir nicht denken, der Friede kommt von selber wieder.

Ist´s nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.“

1.Mose 4, 7



Gott macht den Menschen zum Herrscher über die Sünde. Ein starkes Wort an Kain, der danach seinen Bruder Abel erschlagen hat. In väterlicher Liebe, macht ihm Gott klar, welche Vollmacht gegen die Anfechtung in ihm liegt. Im Glauben lässt sich entspannter mit erfahrenem Unrecht umgehen. Kain kam sich von Gott benachteiligt vor, weil Gott sein Opfer nicht angenommen hatte. Er sah sich als weniger wertgeschätzt und zurückgestellt an. Es kratzte ihn an seiner Ehre. Eine angekratzte Ehre kann aus Schafen Löwen machen. Das ist die wunde Stelle der Anfechtung, in der der Mensch zu allem in der Lage ist. Da geht der Blick nicht mehr nach oben, sondern nur noch der Knüppel nach unten. Gott will den Kain noch davor bewahren und verdeutlicht die Tricks der Sünde. Er sagt: Die Sünde liegt nicht in dir, sondern lauert vor der Tür. Sie kommt von außen auf dich zu und du hast die Macht sie zu beherrschen. Sünde ist nichts zwanghaftes im Menschen, sondern ein Reiz, der auf ihn einwirkt, über den jeder frei entscheiden kann, wie er mit ihm umgeht. Auch wenn alles in uns kocht, haben wir die Macht Nein zu sagen zum Zuschlagen. Der Mensch ist ein freier Mensch. Er ist nicht Opfer der Umstände, sondern Herrscher über die Gewalten. Das ist die Würde und Vollmacht die im Aufblick zu Gott liegt. Der vor Gott Stehende ist kein Ausgelieferter an das Schicksal, sondern besitzt die Freiheit seine Reaktion auf das Schicksal selbst zu bestimmen. Keine Situation zwingt ihn zu einer notgedrungenen Handlung; er entscheidet frei, wie er mit der Anfechtung oder Ehrabschneidung umgeht.
Wir sind tagtäglich von Reizen umgeben, die uns herausfordern, und genau da beginnt unsere Verantwortung. Wo die Rechtsprechung und die moderne Psychologie hier verirrte Wege geht, indem sie die schlechte Kindheit für eine ungute Entwicklung verantwortlich macht; wo der Florist dafür haftet, wenn beim Kunden das Haus abbrennt, weil er unaufmerksam die Kerze am Adventskranz anzündet, sagt Gott nein. Herrsche über die schlechte Kindheit, über die brennende Kerze. Herrsche über das, wo du dem andern die Schuld in die Schuhe schieben willst. Sei ein eigenständiger, freier und verantwortlicher Mensch, der sein Leben vor Gott selbst in die Hand nimmt. Du bist nicht dazu geschaffen, dich zum Spielball irgendwelcher Umstände machen zu lassen.
Ist es nicht genial, wenn wir im Glauben frei den Blick erheben und zur Sünde Nein sagen können?

Ruckzuck sauber

Ratz fatz ist die Platte geputzt.
„Ich will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag.“

Sach. 3, 9
Gott räumt den Dreck weg. Wo die Sünde weg ist, ist die Ungerechtigkeit aus der Welt. Da ist alles weg, was von Gott und dem Leben trennt. Da herrschen saubere Verhältnisse. Wir kennen die Aktion „saubere Stadt“, bei der oft Schüler einen Tag lang die Straßenränder säuberten.
Wenn Gott an einem einzigen Tag die Sünde aufräumt, dann ist das für Gottes Zeitrechnung ein Klacks. Wenn für ihn tausend Jahre wie der gestrige Tag sind, dann ist ein einziger Tag ein winziges Aufblitzen. Blitzartig ist das Unrecht fort und Leben da. Mit Christus ist eine schlagartige Änderung möglich. Von jetzt auf sofort sind wir vor Gott gerecht gemacht. Ratz fatz sind Altlasten weg. Diese Befreiung, dieses Aufatmen wirkt sofort. Mit Schuld fertig zu werden, ist für Christus kein lang dahin schleichender Prozess. Weg ist weg. Kein Nachtragen, kein langwieriges Ausheilen, kein mühsames Vertrauen, das wieder aufgebaut werden muss.
Der von Christus befreite Mensch, kann unbefangen in Grechtigkeit leben. Er lebt als der gerecht Gemachte in einer sündhaften Welt. Von ihm gehen die sauberen Verhältnisse aus, die er in die sterbende Menschheit hineinbringt. Damit wird die Verantwortung wahrgenommen, die wir in der Welt haben. Wir greifen wie Bonhoeffer dem Rad in die Speichen. Da kann man nicht mehr mit der Ungerechtigkeit der Menschen leben. Da geschieht Erneuerung in allem Alten. Das durchzieht unsere Familien und Gemeinschaften, das durchdringt Gesellschaft und Politik. Wem die Lasten abgenommen sind, der kann eine gebeutelte Menschheit aufrichten. Die gerecht Gemachten tragen das Recht, das Richtige und Gute in alles Unrecht.
Leben wir als die Befreiten in unserem Umfeld, oder tragen wir noch an den eigenen Lasten?

Einsicht schafft Jubel

Dem, der an seine Brust schlägt geht der Himmel auf.
„David sprach zum Herrn: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Und nun, Herr, nimm weg die Schuld deines Knechtes.“

2. Sam. 24, 10
Ehebruch, mit der Frau eines obersten Soldaten, ist für einen König kein Kavaliersdelikt. David hat heftig über die Stränge geschlagen. Doch es kommt die Stunde der Wahrheit. Das Gewissen schlägt. Schuld macht unruhig. Da ist ein Mechanismus in uns, der quält wie ein kleines Kind, das am Rockzipfel seiner Mutter zieht. Schuld zerstört in uns und anderen etwas. Dieses Unheil klagt an. Da schreit etwas nach Versöhnung. Da jammert das Unglück. Da stechen die Selbstvorwürfe. Wo Schuld übergangen wird, totgeschwiegen,  und ignoriert, da werden Herzen wie Beton. Da werden Gewissen kaltgestellt. 
Doch David lässt die Anklage zu. Er lässt sich in Frage stellen. Er erschrickt vor sich selbst. Das ist die Stunde Gottes. Wo der Mensch sich erkennt, erkennt er Gott. Schuldeinsicht ist Gotteserkenntnis. Erkannte Schuld ruft nach Sühne. Schuld schreit nach einem Erlöser. Wo der Mensch sich in Frage stellt, kommt Gott zum Zuge. Einsicht ist der Anfang der Erneuerung. Wo Schuld aufgedeckt wird, hat Gott wieder das Sagen. Da kann sich Heil werden ausbreiten. Da kommt Christus ins Spiel. In der Einsicht über sich selbst, wird das Verdammenswerte, zu einem Neuanfang. Somit ist nicht die Schuld an sich das Übel. Die Uneinsichtigkeit, Verstockung und Sturheit verhindern das Wirken Gottes. Erkannte Schuld ist der Anfang des Reiches Gottes. 
Bei Gott gibt es keine unverzeihliche Schuld. Es gibt kein Vergehen, das einen Neuanfang verhindern könnte. Das, was den Umbruch zu Erneuerung blockiert, ist wenn der Mensch vertuscht und uneinsichtig bleibt. Wir müssen nicht vor der eigenen Schuld erschrecken, wir müssen nur davor erschrecken, wenn wir nicht zu Selbstanklage bereit sind. Wir sollten dort zusammenzucken, wo wir endecken, dass wir nicht mehr zum Umdenken und Umkehren bereit sind. Jesus sagt: Der Himmel jubelt über einen Sünder, der umkehrt.
Warum betrachten wir Schuld als furchtbar schlecht, wenn sie zur Umkehr treibt und Reich Gottes zur Blüte kommt?

Schuld ist aus der Welt 

Schuld und Sühne ist das große Thema der Menschheitsgeschichte.
Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit.“

Jes. 53, 3


Wir sind hier im Zentrum der Erlösung. Der Prophet kündigt allem Leid dieser Welt den Christus an. Wenn Verhältnisse unter den Menschen in die Brüche gehen ist es ein langer Weg, bis ein versöhntes Miteinander wieder möglich ist. Wo Menschen aneinander schuldig werden, findet oft eine Trennung statt, die nicht mehr zu kitten ist. Schuld belastet, sie verletzt, sie treibt Keile in Beziehungen. Verhältnisse krachen auseinander.
Gott leidet unter verkrachten Verhältnissen. Er hat nur einen Gedanken: Schuld muss aus der Welt geschafft werden. Gott findet sich nie mit Trennung ab. Dass der Mensch so anders will, als er für ihn gedacht hat, bringt ihn an den Rand. Er kann nicht mit ansehen, wie der Mensch ohne ihn in sein eigenes Unglück rennt. 
Mit Jesus Christus leidet er seine Liebe in die Welt. Er geht den Weg der Verachtung, der Verzweiflung, des Ausgestoßen seins. Die geballte Schuld der Welt, bringt Christus um. Er hat sich von der Schuld zum Opfer machen lassen. Christus ist von der Sünde zur Sünde gemacht worden, um sie aus der Welt zu leiden. Wo Schuld hinausgetragen wurde, können wieder vertraute Verhältnisse wachten. Der Glaube an Christus bringt Versönung in die Welt. Dadurch hat Gott wieder Freude am Menschen. 
Leben und Leiden bekommt dadurch ein neues Gesicht. Wo Christus in die verkrachten Existenzen kommt, kommt der Wunderbar Rat, Kraft Held., Ewig Vater, Friedefürst. Gott selbst hat sich mit uns versöhnt. Für ihn ist mit Christus das Thema Schuld abgehakt. Es kann auch heute, alles wieder von ganz neuem beginnen.
Können wir glauben, dass Gott alle Brüche der Menschen hinausgelitten hat, und wir in allen Schwachheiten wieder Zugang zu Gottes ganzer Fülle haben?

Das Geschwür ist weg

wer nicht entsorgt, kommt in Altlasten um.
„Der Herr sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast.“

4. Mose 14, 20
Wie ein gewaltiger Sonnenaufgang steht diese Aussage im Raum: Ich habe vergeben. Gott schafft Dreck weg. Da wird Belastendes weggegeben. Bedrohendes wird aus der Welt geschafft. Gott praktiziert den einzig richtigen Weg mit Schuld; – weg damit. Er kennt die zerstörerische Kraft, das wie ein Geschwür das Leben auffrisst, deshalb entsorgt er. Er befreit sich und den Menschen von einem inneren Zermürbungsprozess. Schuld frisst, Schuld ist wie Ungeziefer, die alles aushöhlen. Ganz egal ob wir an jemand schuldig geworden sind, oder andere uns Unrecht zugefügt haben. Schuld ist ein Dauerbrenner, ein zugrunde richtender Krebs ohne Heilungschance.
Vergeben macht Schluss mit diesem Quälgeist. Mit Christus hat Gott entsorgt. Das ist das Geschwür weg. Da regeneriert ein gebeutelter Körper. Da wird ein Messie von seinen Müllbergen befreit. Da weht frische Luft durch das Zimmer. Ich habe vergeben, ist ein Neuanfang. Es lässt das Alte beim Alten. Vergeben ist das Heute ohne gestern. Im Jetzt zählt das Vergeben, das nichts mehr mit dem Vergangenen zu tun hat. Es ist weg und hat im Heute nichts mehr verloren. Wo die Altlasten weg sind, beginnt ein neues Blühen. Ab da ist ein Leben frei, um sich in seiner ganzen Schönheit zu entfalten. Vergeben macht gesund. Vergeben ist die heilsamste Therapie. Vergeben bereit. Wer diese Vergebung erfahren hat, kann großzügig vergeben.
Warum halten wir soviel Müll fest? Wieso lassen wir uns von Dingen, die in der Vergangenheit liegen zerfressen? Warum quälen wir uns damit, in dem wir das uns zugefügte Unglück konservieren? Ist es wirklich gut, wenn wir an dem Satz festhalten: Vergeben will ich schon, aber vergessen kann ich nicht?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.