Gott tickt anders

Wir werden nie verstehen, wie ein Verbrecher am Galgen, noch heute mit Christus im Paradies sein wird.

„Herr, deine Güte reicht soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Ps. 36. 6

Die Güte des Herrn ist für den Menschen so unfassbar, wie der ganze Kosmos, in dem die Entfernungen mit Lichtjahren gemessen wird. Die Güte zeigt sich am Stärksten, wie Gott mit denen umgeht, die nicht gut sind. Hier ist der gravierende Unterschied zu uns Menschen. Er liebt nicht nur die, die ihn lieben, er liebt auch die, die ihn hassen, die ihn verspotten, die ihm den Rücken kehren und ans Kreuz nageln. An der Feindesliebe zeigt sich die echte Liebe. An der Feindesliebe offenbart sich die Güte. Gott liebt die Widerspenstigen und Überzwerchen. Die Güte, ist die Liebe, die das Heil ihres Feindes will. Die Güte will nicht verdammen, sie will erlösen. Gott haut nicht in die Pfanne, sondern nimmt die Schuld der Welt auf seine Verantwortung. Dort wo wir sagen, selber schuld, der hats nicht anders verdient, der gehört weggesperrt, fängt Gott an zu leiden. Die Liebe findet sich nie mit der Entgleisung des Menschen ab, gerade auch dort, wo sie in Terror, Gewalt und Tod ausformt. Gott leidet unter jeder Form der Zerstörung. Er leidet unter der sündigen Menschheit. Er leidet unter meiner und deiner verunglückten Liebe. Diese unsagbaren Leiden sind die Quelle der Güte. Je abgrundtiefer der Mensch, umso unendlicher die Güte. Diese Güte hat seinen Gipfel, am dunkelsten Punkt der Menschheitsgeschichte, dem Kreuz Christi. Darin zeigt sich für alle Zeit was Güte ist. Von Kreuz zu Kreuz ruft Jesus dem Verbrecher zu: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Das sagt er zu dem, der es verdient hat zu sterben. Dieser Verbrecher hatte keine Zeit mehr, für ein einziges gutes Werk auf dieser Erde. Das Paradies öffnete ihm einzig Christus, keine menschliche Handlung.

An solch einer Güte, könnte man fast irre werden. Nicht Strafe muss sein, sondern Liebe muss sein. An dieser Güte werden wir uns die Zähne ausbeißen. Sie konzentriert sich nicht auf ein einziges gutes Werk des Menschen, sondern auf die Gnade Christi. Wo wir mit Paulus konsequent von Christus her denken, erkennen wir: Die Liebe, die Gott uns entgegenbrachte, hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht, obwohl wir tot waren in unseren Verfehlungen – durch die Gnade seid ihr gerettet. Die Güte kann nicht verdammen, die Güte errettet. Gott klagt nicht an, sondern hat sich durch Christus zu Güte durchgelitten.

Wer diese Güte und Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, kann weder sich selbst noch andere verdammen. Unter der Güte können wir uns über andere kein Urteil erlauben. Gott tickt anders. Bei ihm gilt eine andere Gerechtigkeit. Der Staat und die Gerichte dieser Welt haben ihren berechtigten göttlichen Auftrag, das Gute zu fördern und das Böse zu strafen, doch für Gottes Gericht gilt ein anderes Gesetz. In der Güte erbarmt sich Gott durch Christus.

Wo so viel Güte ist, können wir da unseren Nächsten in Ungnade stürzen?

Auslegungen für jeden Tag
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Hoffen heißt umkehren

Wer hoffen will, kann nicht weitermachen wie bisher.

Bist du es nicht, Herr, unser Gott, auf den wir hoffen?
Jer. 14, 22

Bei Jeremia gibt es gerade nichts zu hoffen. Das erwählte Volk ist Gott mal wieder davongelaufen. Das ganze Land ist daher in Unruhe, von Dürre überzogen, von Kriegen geplagt und von Seuchen heimgesucht. Dazwischen pflegen Propheten beschwichtigende Reden und versuchen mit schön reden die Menschen zu trösten. Alles nicht so schlimm, es wird alles wieder gut! So ein Geschwätz ist der größte Quatsch, wenn es um die Folgen von Ungehorsam und Unglauben geht. Sie vermitteln dabei den Eindruck, es ist völlig egal wie wir leben und wie wir uns verhalten, Gott ist so barmherzig, dass er immer durch fünf Finger schauen wird. Welch ein gewaltiger Irrtum. Gott aus der Schule laufen kann nicht gut gehen. Das lässt sich nicht beschönigen oder verharmlosen. Jeremia trauert über diese untröstlichen Zustände. Er kann es nicht mit ansehen, wie sich das Gottesvolk selbst zerfleischt und dann noch beschwichtigt wird. Er ist der Einzige, der diesen Spuk nicht mitmacht und schreit nach Gottes Erbarmen. Doch Gott erhört ihn nicht. Er kann ihn gar nicht erhören, solange sich Menschen von ihm abwenden. Würde er Jeremia jetzt erhören, würde er sagen: Es spielt keine Rolle, wie sich mein Volk verhält, ich drücke einfach mal die Augen zu. Gott sagt ihm: Ich bin so heilig, dass ich nicht einfach über Schuld hinweggehen kann. Damit ein Mensch in seinem Elend hoffen kann, ist Umkehr nötig. Er braucht in seiner verrannten Lage einen Christus, damit es wieder gut werden kann. Heil und hoffen liegt allein in Gott, zu dem sich der Abgewandte wieder hinwendet. Christus macht aus einem gottfernen einen gottnahen Menschen. Hoffnung kommt nicht automatisch, sondern liegt in der Selbsterkenntnis; ich habe mich verrannt und ich brauche einen gnädigen Gott. Wo dieser Umbruch und innerer Zerbruch nicht stattfindet, kann selbst ein Gott der Hoffnung keine Hoffnung schenken.

Wie ernst es Gott damit ist, konnten wir vergangene Woche erschreckend erfahren. Wir erfuhren vom Tod eines ehemaligen Bruders, der in der Gründungszeit zum Kern unserer Bruderschaft gehörte. Er war der erste, der aus persönlichen Gründen aus der Gemeinschaft ausgetreten ist. In den letzten Jahren nahm er wieder Kontakt zu uns auf und wollte uns durch finanzielle Forderungen das Leben schwer machen. Dann diese Nachricht, dass er nicht mehr lebt. Ein Schock, selbst für uns, wie heilig Gott ist und sich nicht spotten lässt.

Hoffen heißt nicht die Umstände ignorieren und einfach weitermachen, in der billigen Hoffnung, dass irgendwann sowieso alles gut wird. Hoffen liegt in der bewussten Hinwendung zu Christus. In uns muss immer neu dieser Wille zu dieser Veränderung geschehen. Wir haben einen Gott auf den wir hoffen können, der uns in unserem anders wollen in Christus begegnet.

Kann Gott das Gebet überhören, wo wir auf Christus hoffen?

Gnade knackt harte Nüsse

Das Leben der Glaubenden hat mitunter den höchsten Anspruch, zu dem jedoch kein Mensch in der Lage ist.

Herr, erweise uns deine Gnade und gib uns dein Heil!
Ps. 85, 8

Wenn einer um Gnade bittet, hat er irgendwo Dreck am Stecken. Der Beter erkennt, dem was Gott mit mir vor hat, hinke ich hinterher. Da ist selbst bei Gerufenen ein ständiges Fallen und wieder aufstehen. Das erwählte Volk Israel wurde von Mose und Aron aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeführt. Sie erlebten die zehn Schreckenswunder, die Gott dem Pharao schickte, damit er überhaupt bereit war, dieses Volk abzuschieben, damit er endlich Ruhe hat von diesen unerträglichen Plagen. Das Volk zog durch das Schilfmeer, wo Gott auf spektakuläre Weise das Wasser auseinandertrieb, damit sie trockenen Fußes hindurchgehen konnten. Pharaos Krieger, die sie dann doch wieder zurückholen wollten, kamen nicht mehr durch das Wasser und sind samt und sonders abgesoffen. Unvorstellbar zeigte Gott immer wieder, wie er mit seinem Volk ist und sie dankten und verherrlichten ihn. Doch vierzehn Tage später, beim Gang durch die Wüste, fing schon das Gejammer wieder an. Wasser und Brot werden knapp und sie klagten Mose an, weil er sie aus Ägypten herausgeführt hat, wo es doch in aller Knechtschaft immer genügend zu essen gab. Das ist der Mensch. So klein ist sein Glaube und sein Vertrauen zu Gott. Wenn´s ungemütlich wird, können zuvor Wunder noch und nöcher geschehen sein, da steigen sofort wieder Groll und Zweifel auf. Das Herz ist ein trotziges, verzagtes Ding. Da rumort ständig diese eine Frage: Sollte Gott gesagt haben? Dort wo der Mensch diesen seinen Zustand erkennt, kann er nur um Gnade ringen. Gottesbegegnung beginnt damit, dass wir vor uns selbst erschrecken und jeden Tag neu entdecken, wir können weder glauben, noch vor Gott gerecht sein. In uns liegt ein Gen, das immer dagegen löckt, egal was Gott auch tut. Unser Mangel an Vertrauen, unsere Glaubensnot, will uns im Angesicht Gottes unsere Heilsbedürftigkeit bewusst machen. Diese Undankbarkeit und dieses Dagegenlöcken braucht den Christus, der zur Gnade geworden ist.

Das ist die tägliche Buße, von der Martin Luther spricht. Wir leben täglich aus dem begnadet werden, damit Gottes Geschichte überhaupt weitergeht. Wir leben nicht aus den Wundern von gestern. Wir sehen an uns selbst, wie schnell die großen Ereignisse in uns verblassen, wir leben aus dem täglichen Umdenken und Zurückkehren zu Christus, der uns vor Gott begnadet. Da beginnt jeder Tag mit der Hinwendung zu Christus und der Abkehr von meinem eigenen Trotz. Damit Gottes Sache mit uns geschieht, können wir nur ständig um Gnade und Heil bitten, damit in unserem Aufbegehren Neues entsteht. Die Gnade schafft es, unsere harte Nuss zu knacken.

Wenn uns nicht die Gnade halten würde, wer würde uns dann trösten und unsere Wege hell machen?

Gerechtigkeit macht verletzungssicher

Oft werden Menschen krank, weil andere sie beleidigen und missachten.

„Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue treten vor dein Angesicht.“
Ps. 89, 15

Ungerechtigkeit und Unrecht treffen mitten ins Herz. Mit Intrigen werden Leben ruiniert. Mit Verleumdungen, Menschen schachmatt gesetzt. Verdrehte Worte machen krank. Ungerechte Behandlung im menschlichen Miteinander schafft Aufruhr. Wo Menschen sind, geht es verletzend zu, weil für das Recht der umfassende Blick fehlt. Gerechtigkeit steht für die Wahrheit auf beiden Seiten. Kein Mensch kann diese Wahrheit für sich selbst beanspruchen. Der Psalmbeter erkennt, dass Gerechtigkeit und Recht in einer weit höheren Instanz liegt. Gott in seiner Existenz ist wahr und gerecht. Hier liegt der Maßstab, für das was richtig ist. Hier ist die Ruhe in aller Unruhe. Wo Gerechtigkeit regiert, beginnt das Aufatmen. Wo Gott zum Richtigen führt, beginnt Heilung. Unheil ist die Frucht der Ungerechtigkeit. Mit Christus antwortet Gott auf die Ungerechtigkeit. Wo Gott im Menschen zu seinem Recht kommt, heilen die durch das Unrecht erlittenen Schmerzen. Mit Christus kann der Mensch in einer ungerechten Welt leben. Weil Gott Recht schafft, kann das Unrecht nicht mehr verklagen. Das ist die Gnade, die aus einer höheren Gerechtigkeit leben kann. Diese Gnade bleibt zu allen Zeiten an unserer Seite. Es ist ein riesen Geschenk, wenn Lügen nicht mehr krank machen können. Es ist ein halb Himmelreich, wenn Unwahrheiten ihre verletzende Kraft verlieren. Wo wir bei dem Gerechten zuhause sind, verliert das Unrecht seine lähmende Macht.

Diese Wahrheit brauchen wir für alles belastende Miteinander. Wenn wir unsere Verletzungen betrachten, die jeder mit sich herumschleppt, erkennen wir, das unbewältigte Unrecht, das uns zu schaffen macht. Enttäuschungen, Beleidigungen, Unwahrheiten, das ganze Programm menschlicher Ungerechtigkeiten, belasten das Gemüt und machen unfrei. Wir quälen uns wegen böser Worte zu oder über uns. Wir leiden an dem Unrecht, das an uns geschehen ist. Ein Geschwür, das sich immer tiefer frisst, bis wir nicht mehr können. Es ist die größte Gnade, wenn hier die Gerechtigkeit Gottes ins Spiel kommt. Sie will herauslösen aus dem auffressenden Krampf der Ungerechtigkeit. Bei manchen Gerichten können wir lange warten, bis uns Recht zugesprochen wird. Wer sich in Christus rehabilitieren lässt, braucht auf keine andere Gerechtigkeit mehr warten. Da können Wunden ausheilen, auch mitten im Unrecht. Da kann jemand Böses wollen, doch damit nicht mehr verletzen. Die Gerechtigkeit in Christus stabilisiert geschlagene Gemüter. Dieses Geschenk des Himmels ist das stärkste Heilmittel in aller Ungerechtigkeit.

Wenn wir solch eine Gnade haben, was will uns dann verletzen?

Stadt der Freude

11.02.18 – Amos 5, 21-24

Stadt der Freude

Der Romanautor Dominique Lapierre nennt Kalkutta „Stadt der Freude“ und beschreibt damit das positive Lebensgefühl der Menschen in dieser Stadt, das westlichen Beobachtern rätselhaft erscheint. Da gibt es das Phänomen Ganges. Außer Menschenleichen landen Tierkadaver, Kot, ungefilterte und giftige Abflüsse industrieller Betriebe im Fluss. Dementsprechend ist das Wasser an vielen Stellen des Ganges verseucht: Werte von 1,5 Millionen Kolibakterien pro Zentiliter sind keine Seltenheit – erlaubt sind in Indien 500. Trotzdem gehen Millionen Menschen in Kalkutta täglich in den Fluss um sich zu waschen, die Zähne zu putzen oder sogar um das Wasser zu trinken. Normalerweise müssten Seuchen und ein Massensterben die Folgen sein, was jedoch nicht der Fall ist.

Wissenschaftler untersuchten dieses Wasser und stellten fest, dass dieses Ganges-Wasser von Himalaya-Wasser angereichert ist. Wasser kann Informationen speichern. Informationen sind Schwingungen und Schwingungen können sich überlagern. Es gibt Töne, die andere Töne übertönen und überlagen und dadurch in den Vordergrund rücken. Somit überlagert das „gute Wasser“ das verunreinigte Wasser, und nimmt ihm die schädigende Wirkung.

Etwas Quantenphysik, das uns den heutigen Text näherbringen soll.

 

  1. Die Durchströmten

24b Das Recht soll das Land durchströmen wie ein nie versiegender Fluss. 

Wenn Gott das Land mit Recht durchströmt, geht es um eine hoch brisante Information. Recht und Gesetz, das beim Menschen eher Widerwillen auslöst, hat einen Gehalt, der allen menschlichen Unrat überlagert. Darin liegt eine Macht, die das Schädigende unschädlich macht. Wo das Recht strömt, will nicht das Gesetz gesetzlich machen, es will kein Zwang einem strengen Gott unterwerfen, es will genau das Gegenteil von dem auslösen, was wir befürchten. Im strömenden Recht, kommt Gott im Menschen zu seinem Recht. Da durchströmt die Gnade den Sünder. Das ist der Beginn des Christus im Menschen. Mit Christus wird die Selbstgerechtigkeit überlagert. Da hat die Selbstreinigung, die Selbstdarstellung ein Ende, weil die reinigende Kraft durch die Christusinformation wirkt. Da wird die Gnade zur bestimmenden Macht. Wo das Recht strömt, muss kein Mensch mehr um sein Recht kämpfen und kein Recht mehr schaffen. Ab diesem Moment ist nichts von menschlicher Leistung und Zustand abhängig. Da fließt auf den Menschen etwas zu, das ihn durchdringt. Da müssen keine Untaten verdeckt und kein Dreck versteckt werden. Da bleibt Jauche nach wie vor Jauche, hat aber die Information vom Quellwasser. Da löst sich aller fromme Krampf, etwas sein zu wollen, was wir gar nicht sind. Das Gesetz befreit von gesetzlicher Frömmigkeit. Das Recht Gottes fließt um dem Menschen zu dienen.

Der gesetzliche Mensch dreht genau das um. Martin Schleske, der Geigenbauer sagt: „Er versucht, seinem Leben Sinn zu geben, indem er das Gesetz hält, und glaubt so, sich bei Gott etwas zu verdienen.“ Der Glaubende lebt aus dem Recht, doch nicht aus dem, das es selber schafft, sondern aus dem, welches ihn durchdringt. Der Glaubende bleibt Sünder, er bleibt verseuchter Mensch, der jedoch durch den Durchströmenden unschädlich und gerecht gemacht wird. Durch die Quelle wird er selbst zum Trinkwasser. Christus steigert die Qualität des Menschen.

  1. Die Verseuchten

21 Gott sagt: »Ich hasse eure Feiern, geradezu widerwärtig sind sie mir, eure Opferfeste verabscheue ich. 22 Eure Brand- und Speiseopfer nehme ich nicht an, und wenn ihr Tiere mästet, um sie mir darzubringen, ist mir das völlig gleichgültig. 23 Eure lauten Lieder kann ich nicht mehr hören, verschont mich mit eurem Harfengeklimper.

Amos bringt hier gewaltige Misstöne zum Klingen. Gottesdienst als fromme Show. Perfekte Abläufe, die bist auf´s Letzte durchgedrillt sind, beeindruckende Opfer, gnadenlose Hingabe, Rituale wohldurchdacht und faszinierend – alles Bluff. Mit äußerlich funktionierenden Abläufen, wird ein stimmiges Inneres suggeriert – alles Beschiss. Starke Formen, ohne prägende Kraft. Wasser, es sieht nach Wasser aus, ist jedoch tot. Gottesdienst als Selbstzweck und Alibi.

Lieber Gott, wir machen dir mal etwas Ordentliches vor, an dem du deine helle Freude haben wirst. Perfektion ohne Herz. Feier um Gott, in der Gott keinen Platz hat. Die Quelle darf nicht strömen, weil sich das Land in sich selber suhlt. Ihr seid nach wie vor dieselbe Pampe, die für mich ein Brechmittel ist. Weil ihr euch alle wichtiger seid, habe ich nichts mehr zu melden. Gottesdienst ohne Gott. Die Gesetzlichkeit feiert ihre selbstgerechten Triumphe. Jeder lebt sich selbst, doch nicht mehr in der Realität Gottes. Bei dem was wir machen, sind wir mit den Gedanken wo ganz anders. Vor lauter Selbstbetrug, bleibt die durchdringende Liebe vor der Türe. Gott will zu seinem Recht verhelfen, will in seine Wahrheit stellen und wird von Lobgesängen der Selbstdarstellung übertönt.

Mein geliebter Geigenbauer sagt: „Das nicht liebende Herz aber stellt die Selbstgerechtigkeit über das Recht, die Selbstzufriedenheit über den Frieden, das eigene Recht über die Versöhnung, usw.“ Wo wir uns selbst im Gottesdienst suchen, unser Wohlbefinden, eine schöne fromme Atmosphäre, belügen wir Gott und uns selbst. Wo das Recht, wo Christus nicht zu einer inneren Ordnung wird, wird jede Suche zur Sucht. Menschen die sich nicht der Wahrheit und der Realität Gottes stellen, werden im Inneren von Selbstsucht zerstört; eine Gemeinschaft, die ihr Herz verliert, wird im Äußeren durch Ungerechtigkeit zerstört. Recht und Liebe sind die inneren Größen des Glaubens, es sind die harmonischen Gegensätze, die sich im Äußeren des gemeinsamen Lebens zeigen!

Wir machen uns zu frommen Narren, wenn wir die Einhaltung von Ritualen zum Gesetz erheben. Nicht wir sind die Macher unseres Lebens, nicht wir bestimmen wo´s lang geht. Nicht das fetteste Opfer, nicht das engagierteste Harfengeklimper macht uns gerecht, sondern Christus durchströmt die Verseuchten.

  1. Die Erneuerten

24 setzt euch lieber für die Gerechtigkeit ein!

Wenn Christus sein Recht am Glaubenden schafft, hat der Glaube nichts mehr mit Rechtschaffenheit zu tun.

Sich für die Gerechtigkeit einsetzen heißt:

die Gerechtigkeit ist bereits da

ich lasse die Gerechtigkeit an mir zu

ich brauche nicht etwas anderes schaffen wollen

weiter heißt es:

ich akzeptiere meinen Ist-Zustand

ich stelle mich zu der Wahrheit die ich bin

ich will weder etwas anderes sein, noch etwas anderes tun als ich bin.

Die Gerechtigkeit will in dem sein, was jetzt gerade in meinem Leben ist. Wir brauchen nicht mehr aus unserer Situation herauszuflüchten. Glaube lässt im Hier und Jetzt eine fremde Gerechtigkeit an sich zu. Es muss die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit, die Liebe fließen, damit unsere Harfe klingt. Die Gerechtigkeit ist Dreh- und Angelpunkt aller christlichen Existenz. In dieser Gerechtigkeit liegt Gottes ganzes Erbarmen mit den Verseuchten. Darin liegt die Wasserverwandlung durch Christus. Da werden die Grundvoraussetzungen umgekehrt. Nicht Opfer, weil ich muss und soll, sondern weil ich will und kann. Nicht Harfenklang weil ich klinge, sondern weil Christus zu klingen beginnt.

Wo die Gerechtigkeit berührt, bin ich bereit für das Heil, das in diesem Augenblick, an dieser Stelle, an mir geschieht. Die Gerechtigkeit macht uns authentisch. Da beginnt ehrlicher, lebendiger Glaube. Da fließen frische und erneuerte Kräfte, die keinen Leistungsdruck und Selbstdarstellung brauchen. Sich für die Gerechtigkeit einsetzen bedeutet, das Ja zu eigenen Schicksalshaftigkeit. Gerade dieser, mein elender Zustand jetzt, den ich gerne ganz anders hätte, ist der Ort größter Glückseligkeit. Die Liebe wird zu unserem inneren Recht, das das Land durchdringt.

Unser Lebensauftrag ist dadurch keine Pflichterfüllung und kein Weglaufen mehr, weil wir zum Teil des nie versiegenden Flusses geworden sind, der verseuchtes Wasser zum Trinkwasser macht. Dann wird in unserem Opfer das Bittere süß. Unser Gottesdienst und unser Leben wird zu einer Verwandlungsstation, in der Christus alles wandelt.

Wo die Liebe zu fließen beginnt, werden die Slums zur Stadt der Freude.

Demut gibt göttlichen Charme

Wahre Größe, steht unter dem Höchsten.

Den Demütigen wird der Herr Gnade geben.“

Spr. 3, 34
Demütig drückt die ureigenste Beziehung zu Gott aus. In der demütigen Gesinnung erkennt der Mensch seine eigentlichen Größe in Gott. Die Demut steht an der höchsten Stelle des Lebens, – direkt unter Gott. Sie hat ihre eigentliche Größe nicht im Menschsein an sich, sondern in der unmittelbaren Bindung an den Schöpfer. Der Mensch erkennt sich in seinem gefallenen Wesen, in seinem Sündersein und dadurch in seiner Gnadenbedürftigkeit. Dem Demütigen ist der hohe Mut, die Überheblichkeit gebrochen. Im Demütigen findet ein Gesinnungswechsel von Einbildung zur Gotteshingabe statt. In der Demut ist der Mensch nicht groß aus sich selbst, sondern groß in seinem Stehen in Gott. Demut regelt in erster Linie die Beziehung mit Gott und hat nichts mit einem Duckmäusertum vor den Menschen zu tun. Demütig sein heißt nicht, der Fußabtreter der Nation zu sein und alle Schandtaten der Menschen willig zu ertragen. Demut erkennt zuerst seinen Wert in Gott. Sie erkennt, dass sie aus dem Erbarmen Gottes lebt. Demut heißt, die Herrschaft Gottes über sich stehen lassen und somit das erste Gebot zu erfüllen. Darauf liegt die größte Verheißung eines Lebens. Gnade findet der, der Christus bedarf. Ein Demütiger lebt in der Christusgesinnung.
Menschliche Größe steht unter Gott. Daraus gestaltet sich alles menschliche Miteinander. Die Demut vor Gott, formt die Sanftmut vor den Menschen. Sanftmut ist wie Christus gesinnt sein. Darin liegt der aufrechte Gang der Christen. Hier liegen bei Glaubenden einige Missverständnisse vor. Demütig ist nicht der, der sich von Menschen demütigen lässt. Eine falsch verstandene Demut kommt oft bescheiden, zurückhaltend und leicht gebeugt daher. Doch Demut ist ein kraftvolles, standhaftes Stehen vor Gott und den Menschen. Demütige sind keine Leisetreter, die keinem zu nahe treten wollen, sondern sind Begnadete, die Gnade erweisen. Demütige sind groß in ihrer Vergebungsbereitschaft. Dahinter steht ein hohe Entschlossenheit und aktive, aufbauende Auseinandersetzung mit den Schwachheiten des Nächsten. Demütige sind Kämpfer der Liebe, die sich nicht von Hass beeindrucken lassen. Unsere heutige Gesellschaft braucht viel mehr demütige Menschen, als solche, die ihren Wert und Anerkennung aus sich selbst heraus suchen.
Stehen wir in der Demut nicht mit übervollen Händen im Leben?

Einbildung trennt

Menschliche Größe, kommt nicht aus der Einbildung.

Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.“

Spr. 16, 18



Eine biblische Weisheit, die sich umgangssprachlich eingebürgert hat. Dahinter steht eine ungute Selbsterhöhung, die sich über andere setzt. In Stolz und Hochmut liegt eine Überheblichkeit, die sich erhöht und andere erniedrigt. Ein Lebensentwurf des Untergangs. Wer sich selbst zum Maßstab macht, hat bereits den Bezug zur Realität verloren. Die Größe des Menschen liegt in Gott, der ihm seinen Wert gibt. Größe ist Geschenk nicht Verdienst. Wertvoll sind wir nicht durch unsere Leistungen, sondern dass sich Gott über uns erbarmt. Wo sich der Stolze in seinem Erhaben Sein verkalkuliert, rechnet Gott immer die Schwachheit mit ein. Der Mensch ist erst durch die Gottesbeziehung ein Ganzguss. Perfektion kommt nicht durch eigene Verdienste, sondern dass Gott zum Heil begnadet. Die Unvollkommenheit des Menschen wird ihn immer an seine Grenzen führen, er hat sich ständig mit seinem Fallen auseinanderzusetzen. Wo er das nicht einrechnet, kommt er in seiner Einbildung um. Paulus hat diese Spannung treffend beschrieben: Das Gute, das ich tun will, tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht tun will. Das ist das reale Menschenbild. Der Stolze akzeptiert seine Tendenz zum Fallen nicht und wird dadurch erst recht eine Bauchlandung erleiden. Der Stolze ignoriert die Gnade, von der er eigentlich lebt. Stolz kennt nur sich und das kann nicht gut gehen.
Der Stolz ist eine subtile Sache. Es gibt auch frommen Stolz, indem sich die eine Gemeinde besser vorkommt als die andere; indem sich der eine näher an der Wahrheit sieht, als sein Nächster. Gerne erheben wir uns über die Fehler der anderen und beschwichtigen unsere eigenen. Das sich besser dünken als… , ist der Anfang der Zerstörung. Wo wir unsere Gnadenbedürftigkeit verlassen, trennen wir uns vom anderen. Miteinander stirbt, wo einer die Wahrheit gepachtet hat. Die Einbildung ist die Auflösung jeglicher menschlichen und christlichen Gemeinschaft. In dem was wir sind, sind wir immer die Abhängigen der Barmherzigkeit. Darin liegt die geistliche Größe eines Menschen, die keinen ausgrenzt und abwertet.
Wo gehen wir mit eigenen Leistungen hausieren und stellen andere in den Schatten? 

Umkehren befreit

Es ist ein halb Himmelreich, wo Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Der Herr hat mich gesandt, zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unseres Gottes“

Jes. 61, 1,2
Gott schafft Umbrüche; radikale Umdenkprozesse, bei denen nichts mehr beim Alten bleiben wird. Er agiert wie ein innovativer Unternehmer. Ganz nach dem Prinzip: Wenn dein Pferd tot ist, steig´ ab. Wo die Sache mit den Menschen aus dem Ruder läuft und zu sterben droht, reißt er das Ruder herum. Gott steht für den Bau seines Reiches, einer großartigen Idee, die durch nichts zu toppen ist. Dieses Ziel hat er nie aus den Augen verloren. Herrlichkeit ist das Maß all seiner Dinge. Diesen Kurs will er aufrecht halten, auch dort wo ihm seine Schöpfung durch die Finger zerrinnt. Mit Christus schafft er die Wende, wo sich die Menschen verrannt haben. Da findet eine umfassende Kurskorrektur statt, wo das Unrecht regiert und die Mitarbeiter die Grundlagen des Unternehmens verlassen haben. In der Rache liegt der unbändige Wille, wieder auf Kurs zu kommen und Recht zu schaffen. Ein Tag Rache zu einem Jahr Gnade ist eine noch nie dagewesene Strukturwende. Da legt sich ein Unternehmer derart ins Zeug, dass eine menschlich unerreichbare Zielerfüllung über einen Bonus erreichbar ist. Durch Christus ist der Mensch zu größten Umdenkprozessen in der Lage. Er erkennt seine eingeschränkten Gedanken und sein zu kurz geschossenes Verhalten. Darin liegt die Gnade eines Neuanfangs. Das versteht die Bibel als Buße und Umkehr.
Wo das Ziel Herrlichkeit ist und wir in der Niedrigkeit stehen, ist in Christus die Wende aus dem Irrtum. Diese Gnade haben wir, dass wir in jeder Situation ausbrechen und umbrechen können. Mit Christus durchbrechen wir die aussichtslose Lage unseres Lebens. Wo wir das annehmen, geht die Hoffnung nie aus. Da sind wir nie am Ende, auch wenn all unsere Kräfte versagen. Ab diesem Moment brauchen wir uns nicht mehr wegen unserer Schwachheit zu schämen oder wegen unseres Versagens ins Unglück stürzen. Der Beginn dieser Wende ist die schlichte Zuwendung zu Christus. Damit entsteht mitten in unserem Chaos ein Stück dieser Herrlichkeit.
Ist somit Umkehr und Umdenken nicht ein fast magischer Begriff für Freiheit und Erneuerung?

Fröhlich sündigen 

Wo der Geist vor Ehrfurcht still steht, kann nur die unendliche Liebe unterwegs sein.
„Ich will euch mehr Gutes tun als je zuvor, und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin.“

Hes. 36, 11
Wenn Gott das Gute in sich ist, ist noch mehr Gutes, das Höchste der Gefühle. Gott übertrifft sich damit selbst. Wo Gott sich im Guten überschlägt gibt es keine Steigerung mehr vom Allerbesten. Seine Zuneigung zum Menschen ist durch nichts zu toppen. Da kocht die Liebe in  ihrer ganzen Leidenschaft. Mehr Gutes ist der Höhepunkt all dessen, was Gott für die Versöhnung mit Menschen einsetzt. Der Gipfel des Guten ist Christus, mit dem er dem Adamsgeschlecht vergibt. Damit ist der abgrundtiefe Mensch gerecht und vor Gott in Ordnung. Zwischen Gott und Mensch steht kein Makel von Schuld mehr. In diesem mehr Guten, soll der Mensch erfahren, dass alle Gerechtigkeit von Gott ausgeht. Kein menschliches Werk kann mit dazu beitragen. Das ist die reformatorische Botschaft, die wir morgen feiern. Wir erfahren das Gute durch: allein das Wort, allein die Gnade, allein Christus. Durch das mehr Gute, wird der Mensch vor Gott gut, was sonst unmöglich wäre. Damit hat Gott sich selbst übertroffen. Versöhnung mit Gott ist allein sein Werk und in Christus für alle Welt zusammengefasst. Gott hat dadurch nichts mehr gegen uns in der Hand. Wo er vergeben hat, stehen wir makellos vor ihm. Durch Christus steht der sündige Mensch unter der Schöpfungsaussage: Und alles war sehr gut.
Wie tut das Gute so gut. Da formt sich ein Staunen vor so viel unfassbarer Liebe. Da schlägt die Dankbarkeit Purzelbäume. Da kann die belastete Seele befreit aufatmen. Wo wir von diesem Guten übermannt werden, leben wir aus der Gnade. Wir können fröhliche Sünder sein, wie Luther es sagt, weil aus der Vergebung leben. Wir fallen und können sofort wieder aufstehen, als sei nichts gewesen. So natürlich wir sündigen, so selbstverständlich wird uns vergeben. Wer in dieser unfassbaren Liebe des Guten steht, gebraucht Vergebung in höchster Ehrfurcht. Je mehr wir sündigen, umso Christusabhängiger werden wir. 
Was passiert, wenn wir aus diesem Staunen und befreit sein unseren Tag gestalten?

Hoffen ist Gnade

Um morgens Hoffnung zu haben, müssen wir aufs richtige Pferd setzen.
„Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich.“

Ps. 143, 8
Wer auf die Gnade hört, hat Christus im Boot. Auf Gnade hören heißt, sich selbst loszulassen und Erbarmen zu erfahren. Die Jünger schufteten eine ganze Nacht vergeblich. Sie verließen sich auf ihre Erfahrung und ihr Können als Fischer. Sie waren fixiert auf die Nacht und ihren persönlichen Einsatz; alles vergeblich. Die Wende kam, als Jesus am Morgen am Ufer stand. Genau hier beginnt Hoffnung, wo die Gnade größer wird, als das Vertrauen auf sich selbst. 
Wir rackern oft bis zum Umfallen. Wir setzten uns mit ganzer Kraft für unser Leben, die Menschen, die Gemeinde ein und vieles scheint so vergeblich. Es ist der Kampf gegen Windmühlen, oder der Lauf im Hamsterrad. Viel Einsatz und wenig Erfolg. Eine Nacht in ihrem Spezialgebiet als Fachleute gearbeitet, ohne Ertrag. Das Vergeblich wird zum Frust. Das Vergeblich wird zur Hoffnungslosigkeit. Der Mensch neigt dazu, alles von sich zu erwarten und auf seine eigene Leistung zu vertrauen. Doch bei allem Einsatz müssen wir erkennen, dass unsere Hoffnung nicht in unserem Mühen liegt.
Da ist nicht der Faulheit das Wort geredet, sondern der Gnade. Nicht der gnadenlose Einsatz macht´s, sondern der Jesus am Ufer. Auf die Gnade hören, gibt der vergeblichen Nacht Hoffnung. Zu all unserem Einsatz kommt das Entscheidende dazu, dass wir auf sein Wort hören. Wo die Jünger auf das Wort Jesu noch einmal loszogen, hatten sie solch einen Fang, dass sie ihn kaum nach Hause brachten. Hier hat das Christus-Wort in die Erfahrung der Fachleute hineingeredet, und das brachte das hoffnungsvolle Ergebnis. Die Gnade, der Christus am Ufer entscheidet über Sein oder Nichtsein. Darin finden wir den Mut in aller Vergeblichkeit. Unsere Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit kann nur durch das Hineinhören in das Wort, das von Christus ausgeht, durchbrochen werden. Wir können hoffen, wir können glauben, weil Jesus am Ufer steht.
Warum wundern wir uns über unsere Verzweiflung , wenn wir meinen, wir müssten uns in allem auf uns selbst verlassen?