Hab Mut, bau‘ die Kapelle

Weil Gott treu ist, können Menschen übermenschliche Dinge wagen.

„Herr, wer ist wie du? Mächtig bist du, Herr, und deine Treue ist um dich her.“
Ps.89, 9

Der Klang eines Liebesliedes ertönt aus einem erstaunten Herzen. Du bist so einzigartig, so unfassbar, so all das schwache Menschliche übersteigend. Du bist so unbeirrbar, bei allem, wie untreu dir wir dir gegenüber sind. Du hältst fest, wo wir schon lange losgelassen haben. Du hast immer noch Kraft, wenn wir schon lange am Boden liegen. Da erkennt die Ohnmacht eine gewaltige Macht. Da steht der Mensch vor einer Gotteserkenntnis, die gerade einen neuen Fixstern entdeckt. Da ist ein Sonnensystem, von dem alles ausgeht, von dem aller Kosmos durchdrungen und bestimmt ist. Da geht schlagartig die Grenze des eigenen Horizontes auf. Da werden plötzlich Dinge Realität, die sich vorher kein Mensch denken konnte. Wo der Mensch seinen Gott entdeckt, werden die eigenen Maßstäbe in den Schatten gestellt. Da können acht Christusträger-Schwestern, die uns vergangene Woche besucht haben, ein kühnes Projekt planen und eine Autobahnkirche an die Kochertalbrücke stellen. Da waren langwierige Verhandlungen mit Regierungspräsidium nötig und da gab es gewaltige bürokratische Hürden zu überwinden, doch die Kirche steht. Eine kleine Schar von Schwestern, vertrauten einem übermächtigen Gott. Da zählt nicht wer wir sind, was wir können und welche Stimme wir im Landtag haben, da reicht einzig das Vertrauen an den Treuen. Die Kirche auf dem Parkplatz der Kochertalbrücke ist ein Kleinod geworden, und wird für immer mehr Fernreisende zur Anlaufstelle. https://bit.ly/2IFMi03

Gottes Treue macht Mut, Dinge zu wagen, vor denen wir normal zurückschrecken. Dieser Treue können wir trauen. Damit können wir etwas wagen, was wir in uns selbst nicht finden. Gerade wenn uns der Mut verlässt, die Lasten unerträglich werden, wir mehr und mehr an unseren eigenen Grenzen zerschellen, leben wir aus dieser Treue. Damit bestimmt über uns nicht die eingeschränkte Gesundheit, das abgebrannte Haus, oder ein Dschungel von Behördenwegen, sondern die Kühnheit des Glaubens, die mächtiger ist als aller Widerstand. Mächtig und treu steht am Anfang dieses Tages. Damit sind alle Türen, offen heute an einem unvorstellbaren Ort unsere Kirche zu bauen. Damit ist weit mehr möglich als wir uns selbst zutrauen. Die Treue des Herrn ist ein Ansporn, über sich selbst hinauszuwachsen.

Herr, wer ist wie du? Können wir da noch in unserem Unvermögen stehen bleiben? Oder können wir in unserem Glauben noch viel mutiger uns hoffnungsvoller werden?

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Ich habe einen Traum

Wer eine weite Sicht bekommt, kann nur von einem großen Frieden träumen.

„Du bist die Zuversicht aller auf Erden und fern am Meer“Ps. 65, 6

Was die Rede „I have a dream“, von Martin Luther King so unvergesslich und weltumspannend gemacht hat, war die Zuversicht, die dieses Worte ausstrahlten. Zuversicht ist eine Sicht in die Zukunft, mit der die Hoffnung alle Grenzen sprengt. In Zuversicht liegt eine Bewegung, die einen viel größerer Horizont über unserem begrenzten Dasein aufreißt. Darin liegt die Perspektive, wie umfassend Gott alles Leben sieht. In Zuversicht, ruht alles Dasein in Gott. Das ist weit mehr als ein bisschen Hoffnung für mich. Da ruht die Zukunft der ganzen Schöpfung in Gott. Aller Menschen auf Erden und am fersten Meer. Gott träumt diesen weltumfassenden Traum. Er ist die Hoffnung und Zukunft für die Glaubenden und nicht Glaubenden. Diese Sicht schließt die Versöhnung aller Menschen ein. Es ist die Sicht, dass alles aus Gott hervorgeht und auf ihn zurückfließt. Gott vereint die Völker, er vereint seine ganze Schöpfung. Es ist der umfassende Blick von Heil, der Gott in seinem Handeln antreibt. Mit dieser Sichtweise, mit dieser Vision, hat Martin Luther King, die Welt bewegt, die Herzen erobert, Grenzen und Systeme überwunden und die Menschen näher zusammengebracht. Das war ein historischer Beitrag zum Frieden in der Welt. In der Zuversicht, liegt der Christus, der in die Welt gekommen ist, um unter den Menschen ein neues Friedensreich aufzubauen. In Christus liegt die Gegenbewegung zu einer auseinanderbrechenden Welt. Mit der großen Sicht auf den Plan, den Gott mit seinem Menschen hat, rücken Fremde näher zusammen. Die Zuversicht hat ein menschenverbindendes Element. Wer unter diesem Horizon lebt, kann dem Andersdenkenden und Andersglaubenden, nicht mehr den Schädel einschlagen. In der Zuversicht aller auf Erden, kann für die Zukunft der Fremde nicht mehr mein Gegner sein.  Da liegt selbst da Leben des Ungläubigen in Gottes Hand. Gott lässt hinter den Frommen keine Schranke herunter, sondern steht mit Christus für eine unversöhnte Welt. Gott will alle, auch die, die wir nicht wollen, weil sie seine Geschöpfe sind. Wo wir in Zuversicht leben, leben wir in der großen Sichtweise Gottes.
In der Zuversicht sehen wir die Menschen nicht wie sie sind, sondern wie sie Gott gedacht hat. Wir sehen sie darin, welches Entwicklungspotential in ihnen liegt. Damit wird der Umgang mit dem Anderen anders. Für eine große Zukunft wird jeder gebraucht, da suchen wir viel mehr das Verbindende, als das Bekämpfens werte. 
Wo kann uns die Zuversicht, hier eine weite und große Sichtweise schenken?

Was wir anschauen bekommt die Macht

wer einen Gott im Heute kennt, braucht sich für Morgen keine Sorgen machen.
„Du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an.“

Ps. 71. , 5
Zuversicht ist tragfähige Meditation. Da wird der Blick auf etwas gelenkt, das aufbaut. Sich Sorgen machen ist genau das Gegenteil. Wer sich Sorgen macht, meditiert auch. Die Gedanken kreisen nur um etwas, das nach unten zieht und innerlich aufwühlt. Wer sich Sorgen macht, kann sehr gut meditieren, nur der Blick ist auf Beschwerendes gerichtet und kann daher keine Hoffnung machen. Zuversicht auf die Sorgen endet in Verzweiflung.
Wer hoffen will, braucht eine andere Blickrichtung. Zuversicht auf den Herrn trägt. Der Blick wendet sich zu dem, der über die Sorge hinaus handelt. Zuversicht reißt den Blick weg von der Not, von dem Schmerz, zu dem Heil. Wo wir auf Christus zusehen, verlassen wir breits das Unheil. Unsere Ohnmacht zieht es zu dem Mächtigen. In unserer Meditation lösen wir uns von unseren Sorgen und sichten nach Erlösung. Mit der Zuversicht, wird dem realen Elend, der reale Christus gegenübergestellt. Da wird das Drama unserer Tage nicht beschönigt, sondern im Drama Raum geschaffen für den lebendigen Gott. 
Zuversicht ist eine Lernaufgabe, für den Umgang mit Krisen. Man kann von klein auf lernen, seinen Blick und seine Gedanken zu schulen. Wir können aus dem Sorgen-Kreisen eine Christus-Meditation werden lassen. In dem zu Christus sehen, verwandelt sich nicht unbedingt unser Schmerz, aber unsere Trostlosigkeit in Hoffnung. Dem äußerlichen Zerfall wirkt eine innere Erneuerung dagegen. 
Zu wem oder was sind unsere Blicke ausgerichtet?

Wer auf Starkes sieht, wird stark

es liegt an der konzentrierten Sichtweise, ob wir Hoffnung haben.
Der Herr ist deine Zuversicht.

Ps. 91, 9
Auf was schauen wir, wenn die Wellen hoch schlagen und die Stürme pfeifen? Zuversicht ist eine Umleitung zu etwas, was den Blick in eine andere Richtung lenkt. Von etwas weg, zu etwas hin. Es ist der Blick auf das was noch stärker ist, als das, was mächtig über mich hereinbricht. Die stärkste Zuversicht sehen wir bei Jesus am Kreuz. In seiner größten Gottverlassenheit schreit er zu seinem Gott. Er macht seine größte Not zum Gebet. Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Kurz zuvor sagt er zu dem Mitgekreuzigen: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Zuversicht hat im Schrecken eine Perspektive. Wo sich der Blick Gott zuwendet, verliert die Bedrohung ihre Macht.
Zuversicht ist das was uns vor Augen steht. Wenn wir dem Elend in die Augen schauen, können wir keine Hoffnung haben. Wenn wir auf das Unrecht der Welt sehen, haben wir keine Zukunft. Wenn wir unsere Einschränkungen betrachten, sind wir beschränkt. Wo uns Gott vor Augen steht, sind wir nicht mehr schicksalsbestimmt. Die Blickrichtung, „zu dem Herrn“, führt in stürmischen Wellen durch das Meer. Wo wir zu Gott sehen, verändern sich nicht die Situationen, sondern wir verändern uns, im Umgang mit den Situationen. Zuversicht lässt Aufstehen, in dem was uns auf den Boden wirft. Zuversicht gibt dem Handeln Gottes Raum in aller Ohnmacht.
Auf was richten wir unsere Augen, wenn´s ungemütlich wird?

Blickkontakt killt Sorgen 

ruhig werden hängt mit dem zusammen, was wir anschauen.
„Der Herr sprach: Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten.“

2. Mose 33, 14
Das was uns vorangeht, bestimmt unseren inneren Zustand. Wundern wir uns manches Mal über unsere Unruhe? Das nicht zur Ruhe kommen quält viele Menschen, selbst in der Nacht. Was macht denn unruhig? Wenn wir uns vor Augen halten, was uns da vor Augen steht, dann sehen wir oft das ungewisse Morgen. Wir sehen mit Sorgen auf die Zukunft. Wir haben Angst, dem was kommt nicht gewachsen zu sein. Vor unseren Augen steht Nacht. Unsere Gedanken und Befürchtungen kochen uns eine total düstere Suppe. Wo wir auf uns selbst und die Umstände schauen entsteht Unruhe. Da produzieren wir selbst einen Stromausfall.
Als das Volk Israel aus Ägypthen aufgebrochen ist, lag auch eine ungewisse Zukunft vor ihnen. Da hinein spricht Gott sein Vorangehen. Gott polt den Blick von Ungewissheit auf sein Angesicht um. Wir haben einen Gott vor Augen. Ein Angesicht das in Christus für uns eine fassbare Gestalt geworden ist. Wir gehen einen Weg, bei dem einer vorangeht. Wir folgen nicht der Ungewissheit sondern der Zukunft. Die Sorge wird in Ruhe verwandelt. Ruhe hängt unmittelbar mit dem zusammen, in welches Gesicht wir sehen.
Wir können uns selbst einen Strick drehen und uns alle Hoffnung rauben, mit dem was wir vor Augen halten. Wir können jedoch eine große Zuversicht haben, wenn unsere Sicht zu dem geht, der vorangeht. Da wohnt in uns eine tragfähige Ruhe, weil die Sorge ausgezogen ist.
Wir haben es selbst in der Hand, in welches Gesicht wir schauen; welchem Blick wollen wir folgen?

Lass dich nicht einschüchtern

Warum sollte ein Leben mit Gott peinlich sein?

Schäme dich nicht, denn du sollst nicht zum Spott werden.“
Jes. 54,4

Wo es um Gott geht, krachen zwei Welten aufeinander. Die Welt um Gott kann kein Mensch verstehen. Da ist eine Grenze, die von unserer Seite nicht überschritten werden kann. Für den „natürlichen Menschen“ gibt es keinen Gott. Diese andere Welt, dieses Unvergängliche und Ewige, kann von einem rationalen Verstand nicht erfasst werden.

Die Brücke zu dieser anderen Welt, schafft allein Gott selbst durch seinen Geist. Wo Gott nicht diese Türe aufschließt, bleibt sein Geheimnis im Verborgenen. Damit ein Mensch überhaupt etwas von diesem Gottesgeheimnis erfahren kann, braucht er diesen Geist, den Christus uns schenkt.

Diese Tatsache führt unweigerlich zu Konflikten. Da sind die, die Gott erkennen und die, bei denen der Vorhang dicht bleibt. Somit steht Gotteserkenntnis unter Spott. Jemand der Gott nicht erkennt, kann sich nur über diese „Hirngespinste“ lächerlich machen, obwohl er selbst unter Erkenntnisverlust leidet.

Deshalb wird uns gesagt: Zieht nicht den Schwanz ein, du hast kein Grund dich zu schämen. Du hast einen Vorsprung, dass du etwas erkennen kannst, das anderen verborgen ist. Wo Gott sich zu erkennen gibt, steht er zu denen, denen er etwas von seiner neuen Welt offenbart. Auch wenn der äußere, menschliche Druck hoch sein wird und zu extremen Leiden führen kann,  das Heil um Gott bleibt die unverrückbare Wahrheit, die die Welt rund laufen lässt. Wir brauchen uns von nichts uns niemand einschüchtern lassen, nur weil bei ihm der Rolladen noch nicht hochgegangen ist. Gott wird immer zu seinem Werk stehen und zu denen, denen er sich anvertraut hat.

Warum sollten wir da nicht gelassen mit kurzsichtigem Spott umgehen?