Mit Liebe entwaffnen

Mit Gewalt kann man keine Konflikte lösen.

„Wer den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat.“

  1. Kön. 20, 11

Der König von Israel lässt dieses Wort dem angriffslustigen und großschwätzerischen König von Syrien ausrichten. Anders ausgedrückt sagt er: Nimm den Mund nicht so voll! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Doch Syrien erklärt trotzdem Israel den Krieg und ging dabei zweimal heillos baden. Gott stellte sich zu seinem Volk gegen einen scheinbar mächtigen, aufbrausenden Angreifer. Wenn man die großen und kleinen Konflikte der Menschen betrachtet, stellt man sich immer wieder wie Dostojewski die Frage: „Soll man es mit Gewalt anfassen oder mit demütiger Liebe?“ Er sagt: „Entscheide dich immer für demütige Liebe.“ Ein Gottesprinzip, mit dem er die ganze Welt bezwingt. Er bezwingt die Menschheit nicht mit Ross und Wagen, sondern mit Tod und Auferstehung. Gott könnte über der Schuld der Menschen berechtigterweise aufbrausen, doch er leidet das Heil in die Welt hinein. Frieden lässt sich nicht mit Gewalt herbei kämpfen. Gott schafft seinen Frieden mit dem Blutvergießen am Kreuz. Das ist Gottes Art von Konfliktlösung. Er erneuert nicht, indem er das Heil krampfhaft überstülpt, sondern mit ungebrochener Liebe Herzen aufweicht. Er geht auf den an ihm schuldig gewordenen, mit entwaffnendem Erbarmen entgegen.

Auseinandersetzungen müssen sein; Streit ist wie ein Gewitter, das die Atmosphäre entlädt, doch gesteigerter Zorn, Wut und Geschrei schafft weder Recht noch Entspannung. Um Fronten zu bereinigen gehört eine Gesinnung wie Jakobus es ausdrückt: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Dahinter steht die Christus-Gesinnung, der demütigen Liebe. In Christus brauchen wir nicht auf Biegen und Brechen um unser Recht kämpfen, da schafft ein anderer Recht. Wir brauchen nicht die Bedrohung vor einem wortgewaltigen Schwätzer fürchten, wenn wir in dem eigentlichen Wort verankert sind. Unser Stehen und Fallen liegt nicht in den Schlachten, die wir schlagen, sondern im Stehen bei dem, der unsere Schacht schon geschlagen hat. Durch den Glauben können wir Bedrohungen gelassen und stark begegnen.

Ist das nicht eine siegreiche Strategie, mit Liebe zu entwaffnen?

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Lebenslänglich umgeschwenkt

Wir sind eingehüllt in leidenschaftliche Empathie.
„Sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber den Morgen ist Freude.“

Ps. 30, 6
Gott zeigt menschliche Gefühle. Zorn und Gnade, Weinen und Freude umfasst das ganze Menschsein. Gott durchschreitet die Tiefen und Höhen des menschlichen Daseins. Unverkennbar ist dabei seine Leidenschaft zum Guten. Er bleibt nie im Chaos des Menschen stehen. Er ist die totale Gegenbewegung, zu allem was Menschen niederreißen, zu allem was aus dem Ruder läuft. Die Ignoranz Gott gegenüber, die zum Zorn Anlass gibt, verwandelt Vergeltung in Gnade.
Das ist jeden Tag neu, das Größte der christlichen Botschaft. Evangelium voller Leidenschaft und Empathie für das, was sich gegen Gott aufbäumt. Wenn wir dem Begriff Zorn nachgehen, ist das die geballte Energie gegen das Böse. Zorn ist nicht böse, sondern der Aufstand gegen das Böse. Da kocht die Liebe, die sich nicht mit schuldig werden abfindet. Da glüht der Schmerz, einer enttäuschten Seele. Zorn ist das Gegenteil von Belanglosigkeit, der alles egal ist, wie es läuft. Es ist großartig, wie Gott mit Entgleisung umgeht. Seine Wiedergutmachung, sein in Ordnung bringen von verkrachten Lebensumständen, geschieht nicht im Niederschmettern, sondern im Erbarmen. Der Mensch bekommt schon lebenslänglich, doch nicht Strafe, sondern Gnade.  Auf die menschliche Zielverfehlung folgt nicht verdammen, sondern erlösen. Diese geballte Leidenschaft gibt dem Menschen das Leben zurück.  Gottes Leidenschaft bedeutet, den Christus zuwerfen. 
Darin liegt der Umbruch vom Weinen zur Freude. Gott rechnet nicht an, er vergibt. Das entlastet jeden neuen Morgen. Da wird diese Gottes-Emotion zu unserem Tagesbeginn. Diese Leidenschaft der Liebe verändert alles Dasein. Da können wir anders mit eigener Schuld und der des anderen umgehen. Weinen ist in den gestrigen Abend gelegt. Da bekommt der Schmerz eine Antwort. Wer solch einen Morgen erfährt, dessen Tag kann nur gut werden.
Warum wollen wir festhalten, wo Gott schon lange für lebenslänglich umgeschwenkt hat?

Zorn rüttelt wach 

müssen wir vor Gott das Genick einziehen?
„Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm?

Ps. 6, 2
Wo wir auf den zornigen Gott stoßen, haben wir es nicht mit einem persönlich beleidigten Gott zu tun. Solch Züge kennt er nicht. Zorn ist Leidenschaft gegen das Böse und gegen alle Halbheiten. Gott bebt, weil der Mensch die Gnade nicht ausschöpft. Das ist das verdammenswerte im Menschen, dass Gott alles gibt und der Mensch nur Bruchteile davon aufgreift. Sünde ist, unter den Möglichkeiten Gottes bleiben, die er in uns hineingelegt hat. Unser Defizit ist nicht unser Versagen, sondern dass wir Gottes Gaben in uns verachten. Da steckt ein gewaltiges Potential ins uns und wir verkümmern in den Sorgen unseres ichs. Das ist Gottes große Not und das erkennt derjenige, der offen vor Gott steht.  Schuld ist nicht unser nicht können, sondern unser nicht glauben.
Da in Gottes Zorn seine ganz Liebe liegt, steht hinter seinem Handeln nicht verdammen, sondern erlösen. Jesus bringt nicht Strafe, sondern das Auferwecken. Mit Christus wachen wir auf und entdecken das Geheimnis, das Gott in uns gelegt hat. Somit steht nicht die Anklage oder irgendwelche Vorwürfe über unserem Leben, sondern die größte Entfaltung des Daseins.
Mit Christus endet das Duckmäusertum, das permanent und vorsorglich mit einem schlechten Gewissen herumläuft. Gott züchtet keine depressiven Frommen, die geduckt durch diese Welt gehen. Wir haben keinen Grund das Genick einzuziehen. Mit Christus können wir aufwachen und aufstehen und den Reichtum Gottes entfalten. Gott zeigt nicht mit dem Finger auf uns, sondern breitet seine Hände um unser Leben aus.
Wenn Christus hier ist, wer will uns da verdammen?

Zorn will retten 

was nichts taugt, darf nicht toleriert werden.
„Wer weiß? Vielleicht lässt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben.“

Jona 3, 9

 

Der grimmige Zorn passt oft gar nicht in unsere Vorstellung vom lieben Gott. Warum sollte Gott denn ausflippen? Wie verträgt sich Zorn mit Liebe? Ja, Gott rastet aus! Zorn ist seine ganze Leidenschaft gegen das Böse. Er kann es nicht ertragen, wenn das Gute absäuft. Er kocht innerlich, wenn Leben zugrunde geht. Zorn ist eine Seite seiner unfassbaren Liebe, weil er dem Verderben nicht zuschauen kann. Es ist sein Wehren, mit Händen und Füßen, gegen alles, was sterbend ist. Echte Liebe kann sich mit Unrecht nicht abfinden. Grimmiger Zorn kann nur einer entwickeln, dem der Untergang der Welt nicht egal ist. Was wäre das für eine Liebe, die zur Zerstörung Ja und Amen sagt? Luther sagt: Ein grober Klotz, braucht einen groben Keil. Wie oft erlebten wir, dass Menschen erst bei Schicksalsschlägen zur Besinnung kamen. Die netten Worte haben es vorher nicht geschafft. Die größte Ausgeburt des Zornes ist Jesus Christus. Gottes Selbstopfer gegen menschliche Untreue. 
Es geht um die Maßnahme die Reue schafft. Das Umdenken geschieht manches Mal mit einem kräftigen Durchschütteln. Wachrütteln ist nicht lieblos, sondern geballte Liebe, die retten will. Wieso wollen wir eine harte Hand in der Erziehung als schlecht betrachten? Sie will lebenstüchtig machen. Gott kämpft mit aller Macht gegen die Gottestrennung, die unser Ende bedeuten würde. Es ist seine ganze Leidenschaft gegen unser sündiges Wesen. Wo wir das erkennen, wendet sich das Blatt. Reue wendet uns und wendet Gott. Wo wir geschmeidig werden, unter dem Eingreifen Gottes, da legen sich die stürmischen Wellen. Da verfliegt die Gewitterstimmung und wir erleben diese Liebe, die gnädig und vergebend ist. Mit dieser Art des Umschwenkens Gottes und seiner Barmherzigkeit hatte selbst der Prophet Jona seine Schwierigkeiten. Das hatte ihm eine dreitägige Auszeit in einem großen Fisch beschehrt. 
Die Liebe Gottes ist so groß, dass sie sofort reagiert, wenn ein Mensch umschwenkt. Unsere Reue wendet Zorn. Unsere Einsicht öffnet alle Türen bei Gott.
Sind wir jeden Tag zu diesem Wenden und Gereuen bereit? 

Zorn putzt die Platte

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geballte Energie gegen die Zerstörung, schafft eine neue Plattform.

„Gott spricht: Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen.“
Jes. 57, 16

Mit dem Zorn Gottes haben manche so Ihr Problem. Sich den lieben Gott als ausrastendes Ungeheuer vorzustellen, passt nicht in das fromme Klischee. Doch was ist dieser Zorn? Gegen was richtet sich dieser? Zornig ist Gott auf alles, was aus seinen guten Ordnungen herausbricht, auf all das, was das Leben einengt und verkleinert. Der Zorn Gottes ist seine ganze Leidenschaft gegen das Böse. Mit seiner ganzen Existenz bäumt er sich gegen den, auf der Erde liegenden Fluch des Todes. Sünde und die Gottestrennung lässt sich nicht einfach mit einem Staubtuch wegwischen und dann ist wieder alles gut, sondern sie brauchen die geballte Faust. Gott kann sich nicht damit abfinden, dass Menschen unter ihren Verhältnissen leben und wertvolle Gaben brach liegen. In seinem Zorn, den Menschen seinen ganzen Reichtum zu erschliesen, liegt seine tiefe Liebe zu uns. Gottes Zorn endet am Kreuz. Dahin treibt ihn seine Liebe. Mit Jesus zieht Gott den radikalen Schnitt gegen den Bösen. Der Zorn hat sein Ziel erreicht.

Somit sind wir nicht mehr den Halbheiten des Lebens ausgeliefert. Mit Christus stehen uns alle schöpferischen Möglichenkeiten des Lebens offen. Es hat nicht mehr das Böse und alles was das Leben ausbremst das Sagen, sondern wir sind lebendig gemacht. Jetzt kann unser Leben wieder zu dem werden, was Gott hineingelegt hat. Wir brauchen uns nicht mit weniger zufrieden geben, als mit allem. Wir sind voll am Puls, von allem, was Gott ausmacht. Durch Christus können wir groß von uns denken, groß vom Leben, groß von der Macht, die er gegen das Böse, Negative und Zerstörerische hat. Durch den Zorn, sind wir frei, das ganze Leben auszuschöpfen. Wir sind nicht mehr machtlos den Schwierigkeiten des Daseins ausgeliefert.

Was tun wir heute, um nicht unter unseren Möglichkeiten zu leben? Wie sieht das für uns aus, diesen geschenkten Freiraum auszuschöpfen?

Trete mir ans Schienbein

Kurskorrekturen sind hart aber zielstrebig.

„Weise mich zurecht, Herr, aber im Gerichtsverfahren, nicht in deinem Zorn, damit du mich nicht auslöscht.“
Jer. 10, 24

Gott brennt leidenschaftlich für Recht und Gerechtigkeit. Gott liebt das Gute und hasst das Unrecht. Er hasst alles, was aus dem Ruder läuft und sich von ihm, dem Lebenschaffenden abwendet. Er glüht vor Leidenschaft gegen alles, was dem Untergang ausgeliefert ist. Sein Zorn ist seine geballte Emotion gegen Zerstörung und Tod. Sein Zorn ist keine willkürliche Entgleisung, sondern das Wissen, ohne ihn ist das Leben ausgelöscht. Gottes Zorn ist der Rettungsanker, der Schrei gegen das Verderben. Gott kann es nicht ertragen, wenn Leben zu Grunde geht.

Wenn der Mensch das erkennt, wenn er sich erkennt, kann er nur zu solch einem sonderbaren Gebet finden, wie in diesem Wort. „Weise mich zurecht“. Wer bittet schon gerne um Prügel? Wer so betet hat begriffen, wer er selbst ist; ein Mensch voller Abgründe und zu allem Unrecht in der Lage. Ihm ist bewusst, wenn Gott nicht seine Hand nach mir ausstreckt, habe ich keine Chance. Ich brauche Korrektur. Ich brauche ständig eine Kurserneuerung. Ich bin radikal abhängig von seiner Gerechtigkeit und seinem Heil.
„Deshalb Gott, fasse mich hart an, trete mich ans Schienbein, stoße mich vor den Kopf, damit ich kapiere, welch ein hoffnungsloser Fall ich ohne dich bin.“

Harte Wege sind jetzt schmerzhaft, doch meistens sind sie die heilsamen Kurskorrekturen, an denen wir wachsen. Züchtigung hat das Ziel, nicht an Gottes Gerechtigkeit vorbeizuschießen. Deshalb sehen wir Zurechtweisung nicht als persönliche Abwertung, sondern als die Zuwendung, an dem im Unheil etwas von Gottes Gerechtigkeit entsteht.

Warum sollten wir das Schwere, unter dem wir stöhnen nur kurzfristig betrachten, wenn langfristig unsere eigentliche Rettung darin liegt?

Wer vergibt, lebt gesünder

Menschliches Unvermögen macht krank.

„Kein Mensch im Land wird noch klagen, er sei von Krankheit und Schwäche geplagt; denn die Schuld des Volkes ist vergeben.“
Jes. 33, 24

Eigentlich unvorstellbar, dass kein Mensch mehr klagen wird. Wo Menschen sind, gibt es immer etwas zu beklagen. Menschliche Schwachheiten, Unreife, Verbohrtheit und alle Begrenzungen sind der Sprengstoff in der Welt, der alle Beziehungen zerstört. Nicht die großen Meinungsverschiedenheit trennen die Menschen, sondern die kleinen Unzulänglichkeiten machen krank. Das, was Miteinander belastet, kommt aus dem belasteten Verhältnis zu Gott. Wo der Mensch sich aus den  ständig heilenden Kräften Gottes ausklinkt, geht etwas kaputt.

 

Gott durchbricht ununterbrochen diesen Teufelskreis. Mit Christus trägt er die Schuldenberge ab. Vergebung wird zum Schlüsselwort, für heil und gesund werden. Vergebung ist umgewandelter Zorn. Vergeben, nimmt jeder Tat die zerstörende Macht. Vergeben entmachtet, das Krankmachende aller Vorwürfe. Wo Gott vergibt, hat er wieder Freude am Menschen; er geht wieder offen und unbefangen auf uns zu. Er hat zunächst sich selbst befreit, uns noch böse zu sein, und befreit uns, dass wir uns schuldig fühlen müssen.

Vergebung hat immer zwei heilsame Seiten. Der sie gewährt, löst sich von seinem Groll, der sich als Geschwür festsetzen will,  und der sie empfängt, wird von Anklage und Vorwurf befreit. Vergebung ist das stärkste Selbstheilungsmittel und die beste Medizin, um belastetes Miteinander, gesund werden zu lassen. Das ist Gottes umwerfende Geschenk, für das Gesund werden, von verkrachten Beziehungen.

Wollen wir dieses wirkungsvolle Instrument, das uns in die Hände gelegt ist, nicht viel stärker für uns in Anspruch nehmen, und uns, und eine kranke Welt damit beschenken?