Liebe ist besser

Wenn Gott wissen will, wie sehr ich ihn liebe, dann fragt er nicht mich, sondern meinen Nächsten. Walter Lüthi

„Besser ein Gericht Kraut mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Hass.“
Spr. 15, 17

Nicht nur in der Küche gilt der Maßstab, Liebe geht durch den Magen, sondern es ist das Markenzeichen der Glaubenden. Wo der Tisch perfekt gedeckt ist, das Buffet eine Vielfalt präsentiert, der Wein vom Besten ist, die gehobene Gesellschaft edel sich die Gläser zuprostet, kann der Schein sehr groß und die Atmosphäre eiskalt sein. Menschen können sich mit Perfektion, mit eindrucksvollen Gesten sehr viel vormachen und ihre Herzlosigkeit überspielen. Der gemästete Ochse soll blenden, soll Eindruck schinden, soll etwas zeigen, was gar nicht da ist. Im Gegenteil, wir können die schönsten Worte machen, mit Engelszungen reden, und offenbaren dabei wie rücksichtslos und lieblos wir sind. Mit ganz süßen Worten, wird der andere super freundlich abserviert. Im lächelnden Gesicht, zeigt sich ein abgrundtiefen Charakter. Fromm und verschlagen, das wird sehr oft den Glaubenden vorgeworfen. Hinter einen schönen Maske heulen die Wölfe. Wenn eine bürgerliche Gemeinde, einer siebenköpfigen Flüchtlingsfamilie gönnerhaft eine alte Wohnung anbietet, in der an den Wänden das Wasser vom oberen Stockwerk herunterläuft und keine Heizung funktioniert, ist das alles andere als eine liebevolle Geste.

Gott sagt, die Liebe ist das Markenzeichen des Glaubens. Da ist die Begegnungsebene das Herz, der Sitz der ganzen Persönlichkeit. Gott selbst ist durch und durch getriebene Liebe zum Leben. Seine Handlungen wollen Herzen erweichen. Unter ihm geschmeidig gewordene Menschen, wollen in ihrer ganzen Schwachheit, von dieser Liebe lernen, zu der wir nur so schwer in der Lage sind. Die Liebe ist die einzige Annäherung zu Menschen, mit denen wir uns auf anderer Ebene nicht mehr austauschen können. Die Liebe versteht jedes Kind, es versteht jeder alte und demente Mensch. Aus unserem Haus Geborgenheit kennen wir die Schicksale, in denen die alten Väter in ihrer beginnenden Verwirrung, die Söhne und Töchter beschimpfen, dass sie allein gelassen worden sind und von ihnen abgeschoben wurden. Da kommen Vorwürfe noch und nöcher, die nur noch verletzend sind. Hier hilft kein Gespräch, keine noch so sachliche Auseinandersetzung oder Diskussion, dass es das Beste wäre, was Kindern ihrem Vater tun könnten; es kann nur die Liebe zaghafte Brücken bauen. Die Liebe kann gelassen mit den Beleidigungen und Verletzungen umgehen, um den brummenden Vater in den Arm nehmen. Das ist besser als rechthaberische Gespräche zu führen. Ein Liebe, die wir schweren Herzens, am Herz Gottes lernen können.

Ist es nicht besser, diese Liebe zu lernen, und kleine Brücken zu bauen, wo sonst nur noch Hass regieren würde?

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Fröhlich sündigen 

Wo der Geist vor Ehrfurcht still steht, kann nur die unendliche Liebe unterwegs sein.
„Ich will euch mehr Gutes tun als je zuvor, und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin.“

Hes. 36, 11
Wenn Gott das Gute in sich ist, ist noch mehr Gutes, das Höchste der Gefühle. Gott übertrifft sich damit selbst. Wo Gott sich im Guten überschlägt gibt es keine Steigerung mehr vom Allerbesten. Seine Zuneigung zum Menschen ist durch nichts zu toppen. Da kocht die Liebe in  ihrer ganzen Leidenschaft. Mehr Gutes ist der Höhepunkt all dessen, was Gott für die Versöhnung mit Menschen einsetzt. Der Gipfel des Guten ist Christus, mit dem er dem Adamsgeschlecht vergibt. Damit ist der abgrundtiefe Mensch gerecht und vor Gott in Ordnung. Zwischen Gott und Mensch steht kein Makel von Schuld mehr. In diesem mehr Guten, soll der Mensch erfahren, dass alle Gerechtigkeit von Gott ausgeht. Kein menschliches Werk kann mit dazu beitragen. Das ist die reformatorische Botschaft, die wir morgen feiern. Wir erfahren das Gute durch: allein das Wort, allein die Gnade, allein Christus. Durch das mehr Gute, wird der Mensch vor Gott gut, was sonst unmöglich wäre. Damit hat Gott sich selbst übertroffen. Versöhnung mit Gott ist allein sein Werk und in Christus für alle Welt zusammengefasst. Gott hat dadurch nichts mehr gegen uns in der Hand. Wo er vergeben hat, stehen wir makellos vor ihm. Durch Christus steht der sündige Mensch unter der Schöpfungsaussage: Und alles war sehr gut.
Wie tut das Gute so gut. Da formt sich ein Staunen vor so viel unfassbarer Liebe. Da schlägt die Dankbarkeit Purzelbäume. Da kann die belastete Seele befreit aufatmen. Wo wir von diesem Guten übermannt werden, leben wir aus der Gnade. Wir können fröhliche Sünder sein, wie Luther es sagt, weil aus der Vergebung leben. Wir fallen und können sofort wieder aufstehen, als sei nichts gewesen. So natürlich wir sündigen, so selbstverständlich wird uns vergeben. Wer in dieser unfassbaren Liebe des Guten steht, gebraucht Vergebung in höchster Ehrfurcht. Je mehr wir sündigen, umso Christusabhängiger werden wir. 
Was passiert, wenn wir aus diesem Staunen und befreit sein unseren Tag gestalten?

Der kleine Mann im Ohr

Joh. 16, 13-15

Habt ihr schon einmal einen modernen Schwerhörigen wie mich telefonieren sehen? Man könnte meinen, die mit Stöpsel im Ohr sind nicht ganz bei Trost. Dabei sind die neuesten Hörgeräte geradezu Wunderwerke der Inspiration. Da hört man nicht nur seinen Gesprächspartner glasklar, sondern da hört man Dinge, die andere gar nicht mitbekommen. Mit einem Smartphone landet das Gespräch direkt im Ohr, ohne das Telefon in der Hand zu halten. Wenn ich telefoniere, sehe ich aus wie ein Bekloppter. Beobachter denken sofort an Psychiatrie. Gespräche ohne Partner muten schizophren an. Zumindest geht es hier nicht mit rechten Dingen zu. Dabei können diese kleinen Freunde in Ohr noch viel mehr. Sie können mir als Navi den Weg ansagen, mir Geschichten erzählen und Musik einspielen, ohne dass irgendjemand das Drumherum wahrnehmen kann.

Mit dieser kleinen Hörgerätewerbung sind wir direkt beim Heiligen Geist.

 

  • Flüstertöne

 

13 Wenn aber der Geist der Wahrheit kommt, hilft er euch dabei, die Wahrheit vollständig zu erfassen. Denn er redet nicht in seinem eigenen Auftrag, sondern wird nur das sagen, was er hört. Auch was in der Zukunft geschieht, wird er euch verkünden.

Zum Schrecken der Jünger, will Jesus wieder weg. Das bisher gehabte Miteinander mit ihm ist vorbei. Seine Rede, sein Führen, sein Heilen, scheint im Geschichtsbuch zu verschwinden. Eine Ära der Gottesgeschichte, wohl nur noch für´s Poesiealbum?

Doch was Jesus hier ankündigt, gab´s noch nie. Jesus geht, der Geist kommt. Es kommt ein Steuerungsinstrument einer anderen Welt. Da kommt Christus flächendeckend und allesdurchdringend. Wo bisher Jesus, der Gott zum Sehen und Anfassen war, wird er durch den Geist zum allgegenwärtigen Christus. Seine Macht verstärkt sich in seiner Unsichtbarkeit.

Der Geist ist kein blasses, unscheinbares Gedenken an Wirkungsjahre Jesu auf Erden, sondern die Vollmacht des Christus’, der jetzt die gefallene Schöpfung erneuert. Es ist nicht der Geist eines verstorbenen Geschäftsführers, in dessen Sinne die Kinder sein begonnenes Werk fortsetzen. Es ist der Geist, mit dem Christus seine Jünger in den weltweiten Gottesauftrag stellt. Dieser Geist lebt nicht aus der Erinnerung, sondern aktiviert das Dasein. Er ist inspiriert aus dem Wort, er ist das Wort, er ist der lebendige und auferstandene Christus. Er ist keine eigenständige Größe, sondern das Echo des lebendigen Wortes. Er ist der Verstärker des Wortes. Er ist der Christus-Verstärker. Er offenbart damit die ganze Welt Gottes. Er verdeutlicht Zusammenhänge zwischen Gott, Christus und Mensch. In diese Wahrheit dringt der Mensch durch den Geist. Er ist die Dauer-Inspiration der unsichtbaren Welt. In das natürliche Dasein, klingt die von außen nicht wahrnehmbare Christus-Melodie hinein.

Diese Flüstertöne…

 

  • verraten neue Geheimnisse

 

So wird er meine Herrlichkeit sichtbar machen; denn alles, was er euch zeigt, kommt von mir. 

Die Jünger und die Glaubenden, der damaligen Zeit, konnten noch nicht über Tod und Auferstehung hinausdenken. Sie erlebten Reich Gottes durch den wundertätigen Jesus in ihrer Mitte. Welche Dimensionen hinter diesem Wirken stecken, war damals unmöglich zu erfassen. Der ganze Glauben war noch sehr erdverbunden.

Erst durch den Geist kann sich Herrlichkeit erschließen. Da wächst ein Erkennen heran, für etwas, was Menschen aus sich nie erkennen können. Durch den Geist lässt Gott hinter die Kulissen schauen. Der Geist ist der Schlüssel für das Erkennen. Wo dieser Geist auf unseren Geist trifft, erkennt der Mensch den handelnden Gott und sich selbst. Menschsein in seinem Vollsinn offenbart der Geist in Gotteserkenntnis und Sündenerkenntnis. Seine Hauptaufgabe ist es, uns, unsere Christusbedürftigkeit aufleuchten zu lassen.

Dem Geheimnis Gottes, kommt der Mensch nicht durch nachdenken und studieren auf die Spur, sondern erst wenn der Geist die Gedanken bewegt. Wo der Geist die Wahrheit erfassen lässt, stellt er den Menschen in die unmittelbare Beziehung zu Christus. Unsere Gottesebenbildlichkeit verdolmetscht der Geist. Wir können Dinge sehen und erfassen, die außerhalb unseres Radius liegen. Mit dem Geist hört es nicht bei unserem Denken auf. Er durchbricht das Menschenmögliche. Gerade das, was wir uns nicht vorstellen können, wofür uns der Horizont zu klein ist, ist die Spezialität des Geistes. Wir müssen uns darauf gefasst machen, dass das, was von ihm kommt, kein Mensch versteht. Was der Geist offenbart, geht voll gegen die menschliche Logik. Wer es verstehen will, wird es nicht begreifen. Wer vom Geist erfasst ist, wird vom natürlichen Denken in Frage gestellt.

Den Geist erkennt man daran, wo er das Erlösungswerk Christi in die Mitte stellt. Wo nicht Heil rauskommt, ist kein Geist drin.  Der Geist will das Kommando übernehmen, und…

 

  • zeigen wo´s lang geht

 

Alles, was er euch zeigt, kommt von mir.

Es ist immer gut, wenn einer dort, wo wir fremd sind, den Weg zeigt. Der Geist ist Zeiger. Er zeigt nicht nur wer Gott ist und wer wir sind, er zeigt Lebenswege durch die Wüste. Er bringt den Christus an die Nahtstellen des Lebens. Er zeigt dem Volk Israel jährlich beim Passafest den Auszug aus Ägypten. Anhand der Geschichte führt sein Weg aus der Sklaverei, bis zu Christus am Kreuz. Der Geist offenbart dabei das Heil in aller Gottverlassenheit. Er zeigt die Christus Gegenwart im Schrecklichen. Er erhebt nicht in eine Traumwelt, sondern träumt Gottes Traum in einer gefallenen Welt.

Er beschlagnahmt Menschen und spricht Berufungen aus. Er krempelt Menschen um, alles Bisherige an den Nagel zu hängen. Er heißt Wege zu gehen, die vielleicht überhaupt nichts mit unserer Lebensplanung zu tun haben. Wer lässt sich heute noch wie die Jünger damals rufen? Häng´ deinen Beruf und deine Familie an den Nagel und folge mir. Da entsteht schon mal eine Spannung im Gewissen, da gibt es ein paar schlaflose Nächte, und dann siegen doch die „Vernünftigen Argumente“, es doch sein zu lassen. Wieviel Geist wurde in der Berufungsfrage schon abgewürgt?

Der Geist ist der Größte Arbeitgeber, der jede Menge Aufträge zu verteilen hat. Da sind zuhauf Aufgaben in jeder Gemeinde und Gemeinschaft. Er legt sie uns vor die Füße und ans Herz und zeigt uns, dass er die Gaben dazu mitliefert, und dann oft ein müdes Lächeln. Die Antworten, die dann kommen kennt er schon auswendig. „Bin bereits überlastet und ausgebucht.“ „Mehr geht beim besten Willen nicht mehr.“ „Außerdem macht meine Gesundheit das nicht mehr mit und übrigens meine Nächte sind gerade auch nicht besonders.“ Der Geist zeigt, der Mensch kneift. Dieser Gefahr müssen wir uns ständig bewusst sein.

Ja, es kann ungemütlich werden, wenn der Geist treibt. Da kann es schon einmal heißen, bei einem vollen Programm, noch eine Stunde früher aufzustehen. Doch was der Geist zeigt ist doch nicht unmöglich. Wenn er etwas zeigt kennt er uns genau und kennt die Umstände genau und kennt dazu die Wirkungen Gottes in die Umstände hinein. Die Gaben des Geistes erfährt der, der sich auf die Flüstertöne einlässt. Der Geist will das Mehr des Reiches Gottes, gerade dort entfalten, wo das Heil heilsnotwendig ist. Er legt seine Maßstäbe über die Verhältnisse. Sein Zeigen will uns zu viel mehr führen, als das, was wir uns selbst zutrauen und vermögen.

An Pfingsten will der Geist, in aller Auflösung dieser Welt, Reich Gottes möglich machen. Auch einer alternden Gemeinde, einer Kirche, die einer neuen Reformation bedarf, will der Geist aufzeigen, Christus garantiert Leben. Das Heil, in all unseren schweren Tagen, müssen nicht wir bewirken, sondern schafft Christus, zu dem der Geist führt. Wir müssen die Flüstertöne hören, um in die Geheimnisse einzudringen, die er offenbaren will.

Das Charisma ist uns ins Ohr gelegt. Wie weit darf es unseren ganzen Körper durchdringen?

Zickenzoff im Gotteshaus

Luk. 10, 38-42

Zickenzoff unter Geschwistern ist nichts Außergewöhnliches. Wer ist der Bessere? Der den Hamsterkäfig ausmistet, oder im Garten das Unkraut jätet? Der für Gäste den Kuchen backt, oder der den Tisch deckt? das Richtig und Wichtig kann da schnell mal die Gemüter erhitzen. Über dem Be-werten wird ein Ab-werten, und dadurch knallt es. Aus Erheben wird Überheben und die Vorwürfe fallen knietief. Es wird gefeuert und abgeschossen und um das eigene Recht gekämpft. Zoff, Meinungsverschiedenheiten und Ansichtssachen brauchen Klarstellung.

Maria bringt Marta auf die Palme und Jesus soll es richten.

  • So ganz orientalisch

38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!  41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.“

Martha, eine großherzige, engagierte Frau, die vieles im Reich Gottes begriffen hat. Ganz nach orientalischer Sitte, reißt sie sich alle Beine heraus, ihren Gast auf das fürsorglichste und nobelste zu bewirten. Erst recht, weil sie Jesus ins Haus aufgenommen hat. Ihre ganze Leidenschaft legt sie dahinein, ihrem Gast auf das Vornehmste zu dienen und für sein leibliches Wohl zu sorgen. Wenn Jesus da ist, kann sie an nichts Anderes mehr denken, als an seine vortreffliche Versorgung. Sie lebt aus tiefstem Herzen Diakonie und Hingabe. Sie steht im Gesetz von Saat und Ernte, und weiß im Unterschied zu Tieren und Pflanzen, dass der Mensch arbeitet und sich sein Brot verdient. In ihren hauswirtschaftlichen Verpflichtungen sieht sie die einzige Möglichkeit, Jesus ihre Verehrung und Liebe zu beweisen. Sie hat etwas ganz Wichtiges vom Evangelium begriffen, das so oft von praktischer und tätiger Liebe spricht: „Gehe hin und tue desgleichen.“ Sie ist ganz nahe am Sendungsauftrag und dem Liebesgebot Jesu. Ich diene, das ist meine Legitimation!?

Es ist nur zu logisch, dass ihr die orientalische Galle überläuft, wenn sie neben ihrem gnadenlosen Einsatz ihre untätige Schwester sieht? Sie kocht Jesus zwei Suppen!  Die eine, die sie ihm auf den Tisch stellt und mit der anderen serviert sie ihm ein Topf voller Vorwürfe. Ein heißes Tischgebet, das sie da spricht. „Herr, du fragst nicht danach, dass mich meine Schwester alleine dienen lässt? Klopfe ihr doch auf die Finger, dass sie endlich etwas tut!“ Bei solchen Gebeten geht der Schuss oft nach hinten los. Jesus erhört das Gebet und dreht den Spieß um. „Marta, deine Sorgen drehen sich um deinen Kochtopf!“ „Du hantierst hier rum und bist völlig der Erhaltung des leiblichen Lebens verfallen.“ „Ist das Leben nicht viel mehr als Essen und Trinken?“ „Du machst hier viel Lärm um Nichts.“

Gottfried Voigt: „Jesus kann ihr nichts zuliebe tun, weil sie in ihrer `diakonischen´ Aktivität ihm dazu gar keine Gelegenheit gibt.“

Wir lassen uns leicht von unseren frommen Dingen und Aufgaben gefangen nehmen, dass wir ihnen selbst nur noch dienen müssen. Der heißeste Einsatz für Christus, ist noch lange nicht die Garantie, dass wir ihm begegnen. Christus macht mit allem Zoff, was sich in seinem Namen letztlich doch gegen ihn stellt.

  • So ganz einfach

„Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.“

Wo Christus einkehrt, drehen sich die Gesetzmäßigkeiten um. Da ist immer noch Arbeit da, da ist immer noch der Nächste da, der versorgt werden muss, da ist jedoch zuerst Jesus da. Wenn Jesus da ist, gibt es keine andere Priorität. Selbst seine Gebote treten an die zweite Stelle. Wo Jesus kommt, betritt der größte Diener das Haus. Da gibt es nur noch eines: Setzen und Hören. Da ist alle Aktivität von Übel. Setzen und Hören ist die einzige Aktivität um Christus zu empfangen. Es ist die Bereitschaft, Heil zuzulassen. In diesem Moment übernimmt er die Sorge für unser Wohlergehen. Der dienende Christus trennt uns von allem Leistungsdenken. Hier unterscheidet sich das Christentum von allen anderen Religionen. Im Evangelium dient Gott den Menschen. Im Gottesdienst dient zuerst Gott. Wo Christus einkehrt hat der Mensch ausgedient. Wenn Christus kommt, steht der dienende Mensch seinem eigenen Heil im Weg. Wo Christus an der Tür steht, muss sich das dienen in empfangen verwandeln.

Der Gott-Mensch-Konflikt kann erst dort aufhören, wo wir nicht mehr meinen, wir müssten Gott immer noch etwas servieren. In der Christus-Begegnung wird Gott der Handelnde.  Da sind wir nicht mehr die Gebenden, sondern die Beschenkten. Beschenkt werden, setzt das setzen und hören voraus. Im Hören geht das Wort, geht der Christus in uns ein. Wo das Wort eingeht, legt sich der Zoff gegen Gott.

Es wäre ein gewaltiger Irrtum, wenn man meint, hier würde die Kontemplation gegen die Aktion ausgespielt. Hier geht es nicht um eine Flucht vor dem harten, wirklichen Leben, das Gottesbegegnung in irgendeine Askese verbannt. Es geht auch nicht darum, die Aktivitäten um das tägliche Brot und die Hingabe in Kirche und Gemeinde zu verunglimpfen, sondern es geht um eine hochbrisante innere Bereitschaft. Hörende sind keine Flüchter. Christus zu Füßen sitzen ist kein Selbstzweck und keine Seelen-Massage. Wer sich von Christus nur bedienen lässt und darin bessere Zeiten erhofft, handelt aus Eigennutz.

Maria wurde nicht in bessere Welten entrückt. Sie hat einzig in ihrem täglichen Trubel Christus die Türe aufgemacht. Auf Christus zu hören heißt: Gott Gott sein lassen. Zu hören hat immer einen Sinn und Zweck, da passiert etwas. Unter dem dienenden Christus verwandelt sich der Mensch zum Heil für die Welt. Maria hat es ganz einfach verstanden; Verwandlung geschieht nur im vor die Füße setzen, zuhören und sich von Jesus beschenken lassen.

  • So ganz offen

 „42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“

In Jesu Antwort an Marta, durchbricht er gezielt deren Geschäftigkeit und konfrontiert sie mit ihrem Mangel und Umtrieb. Auf ihren Vorwurf „sage Maria doch …“ spricht Jesus nicht Maria, sondern sie selbst an. „Eins aber ist not.“ „Das Problem sitzt nicht bei deiner Schwester, sondern bei dir.“ Ihre Not ist nicht das engagierte Dienen, sondern das nicht offen sein. Das nicht hören ist die Not der Gemeinde, die zum Himmel schreit. Wo Christus unterbrechen will, ist jeder mit einer anderen wichtigen Aufgabe beschäftigt, die partout nicht liegen bleiben kann.

Reich-Gottes-Arbeiter im Konflikt der Pflichten. In uns und um uns klappern die Töpfe so laut, dass wir nicht mehr hören können. Da ist so viel Lärm, den wir zum größten Teil selbst produzieren. Da kommt Christus zu Besuch und der Terminkalender ist leider so voll, dass wir nur von ihm erwarten, dass er uns bewundernd zuschaut. „Bitteschön Herr, alles Einsatz für deine gute Sache!“ Wir arbeiten und singen, wir pflegen und dienen, aber wir haben verlernt zu hören.

In den Kirchen und Gemeinden gibt es viele Burnout-Patienten; ausgefallen wegen Überengagement. Im Reich Gottes liegt das Problem nicht in erster Linie am nötigen Einsatz, es liegt am offen sein, für das was dran ist. Lieber Gott, es tut mir leid, ich habe keine Zeit.

Maria hat das gute Teil erwählt. Sie hat die beste Portion abgeschnitten. Sie hat die Wahl für den Guten getroffen. Wer wählt trifft eine Entscheidung. In dem Wort Entscheidung liegt eine Trennung. Wo ich mich für das eine entscheide, wähle ich eine andere Möglichkeit ab. Ich kann im Urlaub nicht gleichzeitig ans Meer und in die Berge fahren. Ich entscheide mich für das eine oder das andere. Maria wählt das Gute. Das ist eine klare Entscheidung für Christus. Sie wählt das Hören auf sein Wort. Sie zieht das Wort allem anderen vor. Wir haben jeden Tag die Wahl, welchen Raum wir dem Wort geben. Wir haben die Wahl den Gottesdienst zu besuchen, oder etwas Anderes als wichtiger zu betrachten.  Selbst die alten Orden haben das in ihrer Regel festgeschrieben: „Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen.“ Wer diese Wahl hat, muss gezielt das was dem Wort entgegensteht abwählen. Er muss sich gegen alle Ausreden auflehnen. Unser offen sein müssen wir uns tagtäglich neu gegen das Allzuviele erkämpfen. Viel Zoff entsteht dadurch, dass wir nicht mehr offen sind und mit Christus und den Geschwistern das diskutieren und rechtfertigen anfangen.

Es liegt allein an unser Wahl.

Was ist das gute Teil, das wir heute zu wählen haben?

Worte die glühen 

wie wir im Vergänglichen das Bleibende gewinnen.
„Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.“

Ps. 119, 116
In unserem Gottesdienst verwenden wir Weihrauch. Für die Anbetung löst sich wertvolles Harz auf und steigt im Rauch mit unserem Lob zu Gott. Das geschieht mit einer glühenden Kohle. Erst wenn diese Kohle durch und durch Glut ist, kann sich der Weihrauch entfalten und das zum Ausdruck bringen, was Worte nicht sagen können.
Durch und durch leben und hoffen können liegt im Glühen. Hoffnung und Leben geschieht in einem durchdrungen sein. Das was uns erhält und glühen lässt ist das Wort. Es ist nicht die Kraft, die wir aus uns selbst entwickeln, es ist das Feuer, das die Kohle zum Glühen bringt. Das Wort ist die Macht die lebendig macht. Im Wort entfaltet sich Christus, der uns feurig in die Zukunft blicken lässt. Durch das Wort sehen wir weit über unser Dasein hinaus. Wir stehen im Horizont des Ewigkeitssonntags. Unser Hoffnung ist nicht Weltuntergang, sondern die Vollendung in Christus. Alles Unvollendete, was uns jetzt zu schaffen macht, ist nie das Ende. Das Ende ist, dass Unvollkommenheit nicht mehr sein wird. Das Wort gibt immer neu Anlass zu solch unverschämter Hoffnung. Das Wort hält uns lebendig, weil wir dadurch immer das Bleibende in aller Vergänglichkeit gewinnen. Wo wir im Wort bleiben, kann das Glühen nicht ausgelöscht werden. Im Wort bleibt in uns der Ewigkeitssonntag lebendig.
Wie sehr lassen wir uns durch das Wort immer neu entzünden?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

So eine starke Speisekarte 

die Frage nach dem Lebensunterhalt ist elementar.
„Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden.

Ps. 119, 6
Es gibt Ernährungspläne und Fitnessprogramme, die eine Gesundheit fördern. Was unternehmen die Menschen alles, um agil und lebendig zu sein? Bei allem, was zu unserem Wohlbefinden beiträgt sagt unser Wort, schaue allein auf die Gebote. Das Wort Gottes braucht einen hohen Stellenwert auf dem Menuplan. Ein funktionierender Organismus lebt weit mehr von diesem Wort, als von sonstigen lebenserhaltenden Maßnahmen. Es sind nicht die handwarmen Frühstücksbrötchen, die uns morgens ausfstehen lassen und unserem Tag Sinn geben. Allein das Wort kann eine solche Antriebkraft in uns entfalten, dass wir die Hürden des Tages meistern. Das Wort setzt einen Stoffwechselprozess in Gang, das mit der besten Mahlzeit nicht erreicht werden kann.
Wir alle sind bestimmt keine Kostverächter und wissen um die Auswirkungen eines liebevoll zubereiteten Menus, doch das Wort ist der Trumpf auf unserer Lebensspeisekarte. Wir können beste Seminar besuchen, wir können alles in die Gesundheit investieren, doch was uns leztlich überdauern lässt, sind nicht Maßnahmen sondern die HandlungenGottes im Wort. Die Schwierigkeiten des Lebens meistern wir sicher auch durch gute Worte von Menschen, doch viel stärker aus der Kraft die aus der Führung von Gottes Wort kommt. Da werden wir satt, da kommen die Antworten, da erfüllt sich Dasein mit Sinn. Deswegen konnte Jesus sagen: Meine Speise ist, den Willen Gottes zu tun.
Welchen Stellenwert hat das Wort in unserem Leben?

Ein Wort das reich macht 

durch was bauen wir in unserem Leben Sicherheiten auf?
„Herr, ich freue mich über den Weg, den deine Mahnungen zeigen, wie über großen Reichtum.“

Ps. 119, 14
Sicherheitsbestrebungen treiben das Leben an. Ganz nach dem Motto: Wo Vermögen ist, schwindet die Armut. Die Angst zu wenig zu haben, treibt an, mehr zu wollen. Hinter Reichtum steckt der Gedanke, jetzt habe ich Ruhe und Sicherheit. Der Ansatz ist gut, jedoch gleichzeitig gefährlich. Welcher Reichtum gibt dem Leben Qualität, Erfüllung und Sicherheit?
In der biblischen Botschaft liegt in dem „Wort“ Reichtum. Die Gebote, die Weisungen von Gott, haben einen weit größeren Stellenwert, als das erwirtschaftete Kapital. Das Wort, der Christus ist das über allem tragende Fundament. Aus dem Gebot der Liebe schlüsselt sich alles Leben auf. Hier findet der Mensch die Ruhe und Sicherheiten, die das Dasein verankern. Die Grundmotivation ist das Wort, aus dem heraus sich auch alles Materielle entfaltet. Großer Reichtum entsteht durch die von Gottes Mahnungen angetriebenen Menschen. Aus dem inneren Reichtum wächst äußerer Reichtum. Wo die Schwerpunkte umgedreht werden, kann bei äußerem Reichtum, das Innen hohl und arm bleiben.
Der Schatz ist das Wort, das Menschen zu Liebe befähigt. Wer liebt, wer andere beschenkt, der wird beschenkt und dadurch reich. Für wahren Reichtum muss als erstes die Hingabe gelernt werden. Das alles schlüsselt uns das Wort auf. Das ist die Botschaft die von Christus ausgeht. Wo wir auf diese Art reich werden, da kommt Freude auf.
Leben wir entspannt auf diesem freudigen Weg des Schenkens und beschenkt Werdens?

Der Verschwendthagoras

2. Korinther 9, 6-8
In der Schule lernten wir stolz, verbindliche mathematische Wahrheiten wie den Satz des Herrn Pythagoras. Katheten und Hypotenuse in einem rechtwinkligen Dreieck stehen in einer ausgeglichenen Beziehung zueinander. Die am rechten Winkel liegenden Seitenlängen im Quadrat zusammengezählt, haben den gleichen Flächeninhalt, wie die Fläche der gegenüberliegenden Seite. Ein in Stein gemeißeltes Gesetz. Herrlich! Wir lernten, wenn wir aus einem Korb mit 7 Äpfeln, 10 herausnehmen, müssen wir wieder 3 hineinlegen, damit der Korb leer ist. Im späteren Leben lernten wir die gehobene Finanzmathematik: Wer mehr ausgibt als er hat, sieht rot, oder den Rotstift, oder irgendwann sogar den Gerichtsvollzieher.
Mathematik hat klare Gesetze. Haben, ist gleich Einnahmen, Soll, ist gleich Ausgaben. Wer ausgeben will muss im Plus stehen oder braucht einen Kredit. Ausgeben ohne zu haben bekommt bald ein neues Zuhause: Unter der Brücke 5. 
An diesem Gott-Vater-Dank-Fest, lernen wir ein neues Rechengesetz kennen: Den Verschwendthagoras.
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1. Weggeben = Überfluss

„Er wird euch dafür alles schenken, was ihr braucht, ja mehr als das. So werdet ihr nicht nur selbst genug haben, sondern auch noch anderen von eurem Überfluss weitergeben können.“ 

Gott kennt ein Vermehrungsprinzip, das anders rechnet. Am Anfang schenkt Gott. Damit ist der Überfluss in die Schöpfung programmiert. Alles was auf der Erde lebt, ist mit Zugewinn bedacht. Gott garantiert Grundversorgung mit Mehrwert. Das heißt, einen voll gedeckten Tisch für knapp 7,4 Mrd. Menschen, die 2016 auf der Erde leben. Unser Planet ist eine Oase, prall gefüllt mit einem Willen zum Schenken. Da sind Schätze vorhanden, die eine ganze Weltbevölkerung nicht verbrauchen kann. Ein Potential des Überflusses. Reichtum für Alle. Alles trägt die Spuren eines Schöpfers, der Freude am Leben hat.
Der arbeitende Mensch steht im Herbst in seinem Weinberg staunt und freut sich über jede gesunde Traube. Es ist doch nicht selbstverständlich, dass die Fässer voll sind. Bei allem Mühen, das wir investiert haben, bleibt der Ertrag ein Geschenk. Welch ein Wunder ist jede Geburt. Solch ein kleines Menschenkind bringt selbst Atheisten in Verzückung. Kein Mensch käme auf den Gedanken zu sagen, das habe ich doch klasse gemacht. Bei allem, was wir zum Glück für solch ein neues Leben beitragen, bleibt das unfassbare Dazugeben dessen, der das Leben liebt. Bei allem was der Mensch schafft und sich erarbeitet, läuft er gewollt oder ungewollt in Gottes Spuren. Auf allen Früchten und Lebensmitteln müsste eigentlich der Hinweis stehen:“ Enthält Spuren eines großartigen Schöpfers.“ Oder „Achtung, das ist eine fromme Banane.“ In allem Arbeiten und Mühen ist mehr Gott drin, als draufsteht.
Dieses Schenken ist so universal in allem Geschaffenen verankert, dass wir vieles fälschlicherweise für uns verbuchen. Auf geheimnisvolle Weise sind die Abläufe der Natur und der Schaffenskraft der Menschen in einem Miteinander mit dem Wirken Gottes verbunden. Das was wir haben und verbrauchen, haben wir dadurch, dass es uns gegeben wurde. Wir leben in einem natürlichen Kreislauf  von Empfangen und Tun. Voigt sagt: „Nichts, was wir tun, entsteht aus dem Nichts; alles ist ein Aufnehmen von Dingen, die wir vorfinden, weil Gott sie hineingelegt hat.“
Das „mehr als genug“, der Überfluss, ist das, mit dem wir am Erntedank rechnen müssen.
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2. Wenig = Nichts

„Ich bin davon überzeugt: Wer wenig sät, der wird auch wenig ernten.“

Kleine Brötchen kommen von mangelndem oder falschem Einsatz. Mit nur ökonomischem Zweckdenken, kommt die Menschheit auf keinen grünen Zweig. Mit dem für sich behalten entsteht Krampf. Wo die Ernte klein ist, ist der Kreislauf von Gottes Überflussprinzip unterbrochen. Dieses Jahr hat 1% der Weltbevölkerung mehr, als die restlichen 99% zusammen. „Die soziale Ungerechtigkeit wächst schockierend schnell“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.
Wo viel und wenig auseinanderklafft, da hat nicht Gott, sondern da hat der Mensch versagt. Viele Menschen können nicht mit Überfluss umgehen. Sie werden zwar beschenkt, lassen jedoch die Ernte verkommen, z.B. die Misswirtschaft oft in den kommunistischen Ländern. Eine Studie besagt, wenn das gesamte Vermögen der Welt auf alle Menschen aufgeteilt würde, und jeder 5000,- erhielt, würden gleich nach ein paar Tagen wieder Unterschiede auftreten. Nach einem Monat hätten einige bereits wesentlich mehr und andere ziemlich wenig. Nach ca. einem Jahr wären die Verhältnisse wieder wie am Anfang. Kleine Ernte hängt mit kleinem Denken zusammen. Wenig säen ist ein Mangel an Vertrauen an den schenkenden und versorgenden Gott. Wenig säen, wenig hingeben geschieht aus Angst, die Witterung könnte nicht passen. Wenig säen kommt aus einem armen Herzen, das ein armes Leben schafft. Wer mit wenig rechnet, rechnet mit Sorgen und nicht mit Hoffnung. Wir können an einem Geist, der nur auf Sicherheiten pokert, zugrunde gehen. Säen ist die totale Hingabe, ist das mit Leidenschaft austeilen für Neues, da kann nur reiche Frucht entstehen, wenn nicht zugehalten wird. Wer eine Kartoffel in den Boden steckt, braucht sich nicht wundern, wenn der restliche Acker voll Unkraut ist, wo Gott eigentlich die Voraussetzungen für eine satte Ernte hineingelegt hat. Hingabe riskiert sich selbst und rechnet, dass Gott damit Fässer überlaufen lässt. Wir betrügen uns selbst, wenn wir das zurückhalten, was Gott in unser Leben gelegt hat. Mit der Rechenart der Vorsicht und der Zurückhaltung erschaffen wir unsere eigene Armut und die Armut der Welt.
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3. Verschwendung = Vermehrung

„wer aber viel sät, der wird auch viel ernten. So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt.“
Nicht das Haben, sondern das Geben schafft Leben. Viel Geben ist sein Naturgesetz, ist Gottes Lebensprinzip. In seiner Totalhingabe liegt das Heil, liegt die Erlösung der Welt. Jesus Christus ist das Verschwendungsprinzip Gottes. Mit Christus hat der Mensch ausgesorgt. Gott gibt alles was er hat. Bei Gott gehören Wohl und Heil immer zusammen.
Gottfried Voigt:
„Gott hat das Zeug dazu, dass alle Gnade über uns kommt, damit wir in allem allezeit alles haben und somit reich sind zu jedem guten Werk“
Wir sind Saatgut; für eine große Ernte bestimmt. Das uns Gegebene soll sich multiplizieren. Unsere Gaben sollen sich flächendeckend ausbreiten, sie sollen die Welt erhalten und die Bedürftigen sättigen. Wir selbst sind Gottes Geschenk für die Erde, an dem die Menschen satt werden. Wo wir verschwenderisch säen, beschenkt Gott diese Welt. Unsere Hingabe denkt den Armen den Tisch. Gerade denen, die an Gott-Vater-Dank beschenkt wurden, müssen die Armen auf dem Gewissen liegen. Erntedank kann nie in der Dankbarkeit aufhören, sondern muss immer in die Hingabe hinein fließen. Ein Beschenkter kann nur Schenker werden. Überfluss muss fließen, sonst geht die Rechnung nicht auf. Die Welt wird an unserer Hingabe genesen. Sie wird an unserem Verschwenden den Christus erfahren. Wir Glaubenden treten nicht als die lieben, netten, hilfsbereiten Sozialarbeiter auf, sondern als solche, an denen die Menschen, den ihnen zugewandten Gott erkennen. Wir sind eine lebenswichtige Saat für die Not der Welt; verschwenden wir sie!
Nelson Mandela sagt:
Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu machen nützt der Welt nicht. Es zeugt nicht von Erleuchtung, dich zurückzunehmen, nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen. Wir alle sind aufgefordert, wie die Kinder zu strahlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen. Sie ist nicht in einigen von uns, sie ist in jedem. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unser Dasein automatisch die anderen.“
Ist das nicht Grund genug den Verschwendthagoras nicht nur zu lernen, sondern großzügig anzuwenden?

Atem und Stimme macht alles

was sollen wir uns sorgen, wenn durch Gottes Atem die Welt sich dreht?
„Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.“

Ps. 33, 6
Gott regiert durch einen Hauch. Unscheinbar entwickelt er weltumspannende Macht. Sichtbare und unsichtbare Welt ist quasi so einfach dahingehaucht. Gott schafft, indem er spricht und atmet. Gottes Atem und Stimme ist Schöpfung. Atem und Stimme erhält die Welt. In Gottes schlichter, ursprünglicher Lebensäußerung funktioniert der Kosmos. Nur weil Gott aus- und einatmet und dabei ein paar Töne von sich gibt, kommt die ganze Welt ins Schwingen. Alles wachsen und gedeihen ist in nichts anderem verankert, als in diesem Atemvollzug. Hierin liegt die Inspiration, die eine Welt zum atmen und tönen bringt. Der ursprüngliche Lebensimpuls ist der Hauch, der von Gott ausgeht. Kein Mensch kann da etwas anstoßen oder in Bewegung bringen, sondern wir sind alle die in Bewegung gebrachten. Dieser Hauch macht lebendig. Von diesem Hauch dreht sich die Welt. Dieser Atem hält die Menschen in Atem.
Wer sich mit Atem und Stimme beschäftigt, entdeckt dass damit Persönlichkeiten geformt werden. Atem und Stimme ist eine ganzkörperliche Angelegenheit. Von den Zehenspitzen bis zum Kopf ist daran alles beteiligt. Nur wenn der gesamte Körper in einer „gesunden“ Grundspannung sich befindet funktioniert Atmen und Stimme. Gott begegnet uns dadurch als eine schöpferische Persönlichkeit, die mit seiner Schöpfung kommuniziert. Er knüpft Beziehungen und macht alles Geschaffene zu Persönlichkeiten.
Gottes Atemtechnik entkrampft alles spannungsgeladene Dasein. Wir brauchen keine Leistungen erbringen, die uns überfordern. Wenn dieser Hauch da ist, ist für alles gesorgt. Da kann alles im Leben entspannt atmen und klingen. 
Können wir von dieser Atemtechnik nicht viel mehr lernen?

Unser Mann

1. Kor. 15, 1-11 
 
Offenes Grab, Leichenraub, der Friedhof von seiner dunkelsten Seite. Ein Grab, und der Frischbeerdigte ist weg. Wo Blumen waren, ein großes schwarzes Loch. Schrecklich! Unser Geliebter, einfach fort. War der Abschied schon brutal und jetzt das noch…
Ich werde wahnsinnig! Was hat sich Gott dabei gedacht? Na denn, frohe Ostern!
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1. Christus im Wort

3  Zuerst habe ich euch weitergegeben, was ich selbst empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben. Das ist das Wichtigste, und so steht es schon in der Heiligen Schrift. 4  Er wurde begraben und am dritten Tag vom Tod auferweckt, wie es in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist.“
Ostern kann man nicht begreifen. Christus kann man nicht verstehen. Das Geheimnis um Christus lässt sich nur empfangen. Die Heilige Schrift erzählt nicht von Christus, sie bringt ihn. Das Wort ist der Christus Träger. Jesus ist das Wort, das sich ereignet. Wir empfangen Gottes Handlungen im Wort. „Christus ist für unsere Sünde gestorben“ ist keine historische Aussage, sondern der Gott, der sich jetzt gerade aktiv über einen Menschen erbarmt. Der Christus im Wort bringt die verkrachte Situation des Menschen in Ordnung. Dieses Wort verbindet das menschliche Aufbäumen mit Gnade. Im Wort setzt sich unablässig das Heils Christi frei. Dieses Wort wurde beerdigt und auferweckt. Es hat die tiefsten Abgründe der Menschlichkeit erfasst, sich dann aber von aller Vergänglichkeit getrennt.
Auferstehung ist kein biologisches Geschehen. Es hat nichts mit der Reanimierung eines Toten zu tun. Hier ist niemand rückwärts gestorben und dadurch wieder lebendig geworden. Das Wort, der Christus hat eine unvergängliche Form angenommen. Das ist von der Eigenschaft eine neue Materie, die gar nichts mehr mit irdischen Abläufen zu tun hat. Durch die Auferstehung wirkt die unmittelbare Welt Gottes. Christus ist jetzt einer von der anderen Seite. Das Wort hat einen ewigen Wirkstoff. Diese Verwandlung geschieht in Auferstehung. Christus hat nichts mehr mit der sterblichen Welt zu schaffen, sondern begründet den Anfang der neuen Menschheit. Er ist „unser Mann“; er hat unsere Hölle auf sich genommen und gibt sie uns als neue Leiblichkeit zurück, als etwas von der anderen Welt Gottes. Christus schenkt in unsere irdische Daseinsform etwas von dem zukünftigen Reich Gottes. Das Wort vergegenwärtigt Ewiges in Vergänglichem.

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2. Christus in den Zeugen

5  Er hat sich zuerst Petrus gezeigt und später allen zwölf Jüngern. 6  Dann haben ihn mehr als fünfhundert Brüder zur gleichen Zeit gesehen, von denen die meisten noch heute leben; einige sind inzwischen gestorben. 7  Später ist er Jakobus und schließlich allen Aposteln erschienen. 8  Zuletzt hat er sich auch mir gezeigt, der ich es am wenigsten verdient hatte. 9  Ich bin der unbedeutendste unter den Aposteln und eigentlich nicht wert, Apostel genannt zu werden; denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt. 10  Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade.“ 
Christus zeigt sich in Menschen. Auch da ist er genauso wenig ein Stück Geschichte, wie in dem Wort von damals. Die Aufzählungen, an wem er wann und wie handelte sind keine Referenzliste, mit der Jesus haussieren geht. Er braucht keine geistliche Hitliste von Trophäen im Reich Gottes. Von solch einem Zeugnis kann kein Mensch leben, wenn er weiß, welchen Rang Mose oder Billy Graham in Gottes Geschichte hat. Glaube entzündet sich nicht am Glauben anderer. Ein Glaube, der aus der Erfahrung eines anderen leben will kann nicht lebendig sein. Stellvertretend glauben gibt´s nicht. Wir sollten nie vom Glauben anderer abhängig sein, sondern immer wie sich Christus durch sie selbst bezeugt. Und Christus bezeugt sich an Menschen. Was uns an anderen überzeugt ist nicht ihre Gläubigkeit, sondern der Christus, der durch sie zu uns kommt. Im Zeugnis des Anderen findet eine Selbstoffenbarung des Christus statt.
Auch das apostolische Zeugnis bindet uns an Christus. Wo das Evangelium verkündet wird, entsteht jetzt und heute ein lebendiges Gespräch mit Gott. Dieses Gespräch ist immer rückbezogen auf das, was Gott in Christus für alle Zeit an mir getan hat. Der heute mit uns redende Gott ist kein anderer, als der, der sich in Christus zu erkennen gibt. Der gestorbene Christus zeigt sich als der Lebendige in der Liste der Augenzeugen, zu denen wir jetzt dazu gehören. Wem Christus erscheint, der wird dem anderen zum Christus. Wir haben es auch bei den Zeugen immer mit einem gegenwärtigen Christus zu tun.
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3. Christus in mir

1  Liebe Brüder und Schwestern! Ich möchte euch an die rettende Botschaft erinnern, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie angenommen und darauf euer Leben gegründet. 2  Ganz gewiss werdet ihr durch diese Botschaft gerettet werden, vorausgesetzt, ihr bewahrt sie genau so, wie ich sie euch überliefert habe. Sonst glaubt ihr vergeblich und erreicht das Ziel nicht.“
Ostern gibt es nur in dem sich so offenbarenden und rettenden Christus. Ohne den sich im Wort und Zeugnis ereignenden Christus in der Glaube ein luftleeres Ei. Ostern ist ein Christusereignis. Dieses Ereignis findet in jedem Gottesdienst statt. Somit ist jeder Sonntag ein Auferstehungsfest. Wir leben nicht aus den Jesuserinnerungen, sondern erfahren in Wort und Sakrament eine Jesusbegegnung, eine Begegnung mit dem Auferstandenen. Nur dieses Ostergeheimnis trägt den Glauben. 
Das ist das Ende allen frommen Machwerks, hier wirkt kein Mensch mehr, sondern allein die unvergängliche Welt Gottes. Nur die Christuswirkungen geben überhaupt unserer irdischen Welt etwas Tragfähiges. Dazu dient Kirche, Ostergeheimnisse in Menschen zu pflanzen. Da ist unser persönliches Erlebnis und gleichzeitig unser Auftrag. Hier entzündet sich das Osterfeuer, das sich in die Welt hinaus ausbreitet. Es gibt keinen Grund, ein Schattendasein zu führen, es gibt keine Ausrede, dass irdisches Leben mühsam und schwer ist; seit Ostern wirkt Christus. Die unerlöste Welt hochzuhalten, hieße, die Auferstehung hätte doch etwas mit Scheintod zu tun. Doch wenn Ostern ein Christus-Ereignis ist, stellt das alle unsere Erfahrungswerte auf den Kopf. Da geschehen Handlungen, die nicht von dieser Welt sind.
Wir sind eine österliche Kirche, wir sind österliche Menschen, deshalb ist Christus unser Mann.
Amen.