Grenzen dienen dem Erkennen

Um von manchen Irrtümern loszukommen, ist oft eine harte Lebensschule nötig.

„Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis.“
Spr. 1, 7

Die Ehrfurcht vor Gott ist für den normal denkenden, eigenständigen Menschen keine selbstverständliche Sache. Um zu der Erkenntnis zu kommen, Gott will mein Leben zum Blühen und Klingen bringen, braucht es oft harte Lebensschläge. Dass Gott das Beste für uns vor hat und uns zur Liebe befähigen will, lernt der Mensch nicht in der Schule, nicht im Konfirmandenunterricht und nicht in Kirche, sondern mit der Nase auf der Straße. Die großartigen Einsichten über Gott, erfahren wir nicht in erster Linie aus Büchern und Vorträgen, sondern wenn das Leben an seine Grenzen kommt. Dort wo ein Mensch mit seinem Motorrad in Einzelteilen auf dem Asphalt liegt.

Gestern Abend war im Stift Urach, mit dreißig Frauen, ein Blumensteckseminar mit Natalie und mir, zum Thema: Mit Grenzen leben und Grenzen durchbrechen. Anhand ihrer Lebensgeschichte machte Natalie deutlich, sie hat in ihrer Grenzerfahrung eines schrecklichen Unfalls, ihre Ehrfurcht vor Gott zurückgewonnen. Obwohl sie zuvor schon fast die ganze Welt bereist hatte, auf ihrer beruflichen Karriereleiter richtig steil nach oben stieg, erkannte sie unter einem zertrümmerten Rückenmark, unter zig Schläuchen auf der Intensivstation und unter gelähmten Beinen, den eigentlichen Sinn ihres Lebens. Dieser harte Einschnitt, diese brutale Grenze, war der Anfang für etwas ganz Neues. Gott erkennen geht durch Mark und Bein. Um den Wert seines Daseins zu entdecken, muss man oft an den Nullpunkt kommen.

Das eigentlich Große beginnt dort, wo in einem eigenständigen Menschenleben Gott noch größer wird. Gerade da, wo wir zu der Einsicht gelangen, es ist nicht unser Bestreben, das uns groß macht, sondern dort, wo Gott anfängt die Register zu ziehen. Unsere Lebensgeschichte will in allem, was sie uns an Lasten auflegt nicht zerbrechen und von Gott abrücken lassen, sondern uns in die Erkenntnis seiner Nähe führen. Somit kann der Zerbruch, zum Aufbruch des Heils werden. Wir dringen zu einer Wahrheit durch, die anders in unserem Leben verschlossen geblieben wäre. Alles dient der Erkenntnis Gottes. Alles was an uns geschieht, will die Ehrfurcht vor einem gewaltigen Schöpfer wecken. Gott will uns unter Lasten zum Blühen bringen, wie das Hornveilchen, das im Winter mit Schnee zugedeckt ist, und sein Lachen nicht verliert, bis die Sonne die belastende Decke schmelzen lässt.

Warum sollten wir Gott anklagen, wenn er uns seine Nähe erkennen lassen will?

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Für Frieden umgekrempelt

Krieg hat seinen Ursprung in mir.
„Er wird Frieden gebieten den Völkern.“

Sach. 9, 10
Bei Gott entsteht etwas, was bei Menschen nicht funktioniert. Frieden, etwas, was in der Tiefe unmenschlich ist. Wenn Gott Frieden gebietet, setzt er das durch, was kein Mensch schaffen kann. Friedensnobelpreisträger haben Großes für die Völkerverständigung geleistet, doch wo ein Feuer erloschen ist, ist woanders wieder eines entbrannt. Frieden den Völkern ist eigentlich völlig utopisch. Das sprengt alle politischen und menschlichen Möglichkeiten. 
Wenn wir den Ursprung von Unfrieden anschauen, sind wir direkt bei uns. Wie schnell sind wir bereit andere zu verletzen? Wie schnell sind wir selbst verletzt oder enttäuscht? Da sind doch die täglichen Beziehungen in Familie, Beruf und Gemeinde unweigerlich Kriegsschauplätze. Eine Beleidigung, ein Mißverständnis, eine Vermutung, ein Fehlverhalten und schon gehen die Sicherungen durch. Wo wir uns im Unrecht fühlen beginnt der Kampf. Jeder Angriff fordert Verteidigung heraus. 
Wenn Gott Frieden gebietet, geschehen Strukturveränderungen in diesen unseren Verhaltensmustern. Ganz eindrücklich sehen wir das an der Josefsgeschichte. Von den Brüdern gefangen genommen, in den Brunnen gesteckt, an Sklavenhändler nach Ägypten verkauft, ist eine gehässige Demütigung. Eine Menschenrechtsverletzung oberster Ordnung, die eigentlich harte Konsequenzen zur Folge haben müsste. Doch Frieden entsteht in dieser menschverachtenden Aktion, durch die Christus-Gesinnung von Josef. Als er die Macht hatte, mit Pauken und Trompeten die Tische gerade zu rücken, geschieht nicht Vergeltung, sondern Versöhnung, Zuwendung und Unterstützung. Die Brüder rechneten mit einer Abfuhr, doch dann erlebten sie Frieden. Wo Josef mit Gott versöhnt war, hatte er Frieden. Großherzig konnte er dem Bösen begegnen. „Ihr hattet Schlechtes im Sinn, Gott hat es gut gemacht. 
Frieden hat diese Keimzelle im Menschen. Durch Christus verwandelte Menschen, haben es nicht mehr nötig um ihr Recht zu streiten. Da können wir nicht mehr nachtragen und endgültige Striche ziehen. Christus ist Gottes flächendeckendes Friedensangebot für die Völker. Wo Christus einzieht, entspannt sich das menschliche Miteinander. Da wächst eine Großherzigkeit, zu denen, die sich an mir schuldig gemacht haben.
Sind wir zu dieser weltbewegenden, Frieden schaffenden Veränderung bereit?

Staub wird zu Gold

gute Nachrichten, für alle, die sich manches Mal so gering und wertlos vorkommen.
„Er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.“

Ps. 103, 14
Gott gedenkt des Staubes. Was für eine Wertschätzung. Das, was uns lästig ist, was schnell entsorgt werden muss, hat in seinen Augen Bedeutung. 
Dass wir Staub sind, wird uns täglich bewusst. Wie brüchig das Leben ist, wie schnell wir außer Kurs geworfen sind oder ganz weg, ist oft erschreckend. Ein Herzinfarkt, eine Krebsdiagnose, ein Unfall; alles Staub. Dazu kommt dann noch die entsprechende Bestattungskultur, mit Urne auf der anonymen Wiese und das Leben versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Oft leiden wir unter dieser Brüchigkeit und scheinbaren Belanglosigkeit des Daseins. 
Da wo Menschen oft kurzen Prozess machen und sich alles vollends in der Nichtigkeit auflöst, sagt Gott, nein!

Er gedenkt dem unwerten Vergehenden. Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Nicht Tod steht über dem Leben, sondern das Ende des Todes. Nicht das Kreuz ist das Letzte, sondern die Auferstehung. Mit Christus bekommt das Leben sein Qualitätssigel. Wo Gott des Staubs gedenkt, ist die Entsorgungskultur durchbrochen. Da sind wir nicht zerfallsgeprägt, da lebt etwas Unzerstörbares in uns. Sein Gedenken nimmt der Welt ihren Jammer. Da werden Staubkörner zu Goldbarren. Weil Gott weiß, was Menschen ohne ihn für ein hinfälliges Gebilde sind, macht er sie mit Christus wertvoll. In dieser gewaltigen Bedeutung, haben wir einen großen Auftrag für die Menschen.
Welche Wertschätzung geben wir dem eigenen Leben und des unserer Mitmenschen, wenn solche Wertachtung auf unserem Dasein liegt, 

Wir sind ein Früchtecoktail 

Wertschätzung macht uns fruchtbar.
„Der Herr spricht: Ich will mich zu euch wenden und will euch fruchtbar machen und euch mehren und will meinen Bund mit euch halten.“

3. Mose 26, 9
Mit welch einer Energie werden wir vollgepackt. Gott verbündet sich mit Menschen. Er investiert sich voll und ganz in eine Beziehung zu uns. Mit dem Bund fasst er etwas zusammen, was sich gegenseitig bedingt. In uns verwirklicht sich, was Gott hinein legt. Wo Gott sich uns zuwendet, erfahren wir die größte Wertschätzung. Darin liegt der ganze Wertzuwachs des Menschen. Das was uns ausmacht ist diese Zuwendung. Da fließt andauernd schöpferisches Kapital in uns hinein. Weil Gott sich uns zuwendet ist jeden morgen der Akku voll.
Dass wir wachsen, gedeihen und blühen, liegt nicht an unserer Anstrengung. Fruchtbar werden wir durch diese Wertschätzung. Wie in meiner Erntedankpredigt, können wir hier sagen, in unseren Handlungen ist mehr Gott drin als drauf steht. In unseren Worten, in unseren Händen wirkt dieser Zufluss, dieser Segensstrom. Wer sich in irgendeiner Weise zurück hält, blockiert diesen Segen. Wer sich selber klein macht und an seinen Fähigkeiten zweifelt, der sabotiert Gottes Zuwendung. Wir sind für die Fruchtbarkeit in der Welt bestimmt, die Gott durch uns wirkt. Durch uns vermehrt sich Gottes Zuneigung zu den Menschen. Wir selbst sind der Früchtecoktail den Gott ausgebrannten Menschen auftischt.
Wie werden wir schmackhafter; durch das, was wir selber erwirtschaften oder durch das was uns durch Zuwendung zufließt? 

Eine harte Hand ist Gold wert

Leben ist ein konstantes Lernen und Wachsen.
„Du erkennst ja in deinem Herzen, dass der Herr, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht.“

5.Mose 8, 5
Erziehung hat ein klares Ziel; es will zum Leben tüchtig machen. Ein Mensch soll Weisheit und Stabilität erlangen. Wir kennen das Wort von der Schule des Lebens. Hinter dem Leben steht ein Erziehungsprogramm. Hinter dem tüchtig machen für das Leben steht Gott. Wenn wir die Spuren des Lebens richtig deuten, will uns bei allen Härten, die wir erfahren niemand bestrafen, sondern aufbauen.
Im alten Israel hat der Vater ab den sechten Lebensjahr den Sohn erzogen, der zuvor bei der Mutter war. Er brachte ihm alle Grundlagen des Lebens bei und baute in auf, indem er ihn forderte. Er nahm ihn in die Pflicht und Verantwortung und war dabei nicht zimperlich. Das förderte ein gesundes Wachstum und eine starke Widerstandskraft. So ein Junge wurde lebenstüchtig und entwickelte einen großen Respekt vor seinem Vater. Er konnte erkennen, eine harte Erziehung macht das Beste aus mir.
Gott will nicht , dass wir stehen bleiben, sondern in allem wachsen. Wir sollen keine Schallplatte sein, die einmal gepresst, jahraus, jahrein dieselben Lieder spielt. Er will Weiterentwicklung, er will uns immer mehr in seine Erkenntnisse hineinwachsen lassen. Oft sind es gerade die harten Erziehungsmaßnahmen, die uns nicht zerbrechen wollen, sondern die eigentlichen Werte des Lebens auftun. Im Lernen und Wachsen, soll Vertrauen wachsen, und der Zugang zu seiner Erlösung immer größer werden. Wo wir Gottes Erziehung an uns erkennen, erfahren wir einen Vater, der das allerbeste für uns im Auge hat. Er will uns zum Heil verändern. Seine Wesensart, sein Sein, seine Liebe soll uns immer mehr prägen.
Wollen wir uns selber unglücklich machen, indem wir solch einer Erziehung aus der Schlue laufen?

Wir geben Würde

Schöpfung geht uns alle an.
„Gott der Herr machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen. Und der Mensch gab einem jeden seinen Namen.“

1. Mose 2, 19.20
Was für eine geniale Cooperation. Gott, Mensch und Schöpfung, als ein ineinandergreifender Organismus. Da gibt es keine für sich stehende Größe, sondern jedes ist durch jeden bedingt. Ein Gemeinschaftswerk für das jeder verantwortlich ist. Die Tiere und Pflanzen gehören zu unserem Wirkungsbereich. Wo Gott über seiner Schöpfung wacht, sie versorgt und erhält, sind wir diejenigen, die mit Hand anlegen, dass alles gehegt und gepflegt wird und nichts übersehen wird. Der Schöpfungsauftrag an den Menschen ist global. Wo der Mensch den Tieren und Pflanzen seinen Namen und seine Bestimmung gibt, zeigt sich wie detailliert Gott denkt und handelt. Selbst die Insekten und Unkräuter haben ihren Platz, damit ein umfassender Organismus funktioniert. Gott denkt an kleinste Kleinigkeiten und vertraut sie uns an, sie zu erforschen und zu erhalten.
Meeresbiologen haben festgestellt, dass in gewissen Wassertiefen, tausende von Tierarten noch nicht bestimmt oder teilweise entdeckt sind. Unsere Schöpfung ist so vielseitig uns so grenzenlos. Und diese Schöpfung bingt Gott den Menschen. Er legt sie in unsere Hände, sie zu hüten und zu bebauen.
Was machen die Menschen damit? Bei vielem was in der Industrie, Wirtschaft und Politik geschieht, kann einem nur schlecht werden, wie unverantwortlich und lieblos mit diesem anvertrauten Gut umgegangen wird. Doch Schöpfung geht uns alle an. Veränderung geschieht durch verändertes Denken, das bei dem Einzelnen beginnt. Es ist wohltuend, was für ein ökologisches Bewusstsein in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Es ist ein Zeichen dafür, dass wo wir als Einzelne Verantwortung übernehemen, große Fehlentwicklungen verändert werden können. Deshalb können wir das, was Gott uns in die Hand gelegt hat, nicht irgendwelchen großen Organisationen überlassen, die sich darum kümmern, sondern sind selbst gefordert. Ob Mensch, ob Tier, ob Blume, Gott hat keinen vergessen. Alles hat seinen großen Wert, den wir ihm geben. Somit haben wir an unserem Platz einen klaren schöpferischen Auftrag.
Wie können wir durch unser Dasein jedem Geschöpf seine Würde geben?

Die wundersamen Alten sind wertvoll

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das Alter steht bei Gott unter einem besonderen Segen und Schutz.

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren.“
3. Mose 19, 32

Das Gebot der Nächstenliebe bekommt hier eine besondere Qualität. Die Alten, die in unserer Gesellschaft oft zu einem Problemfall geworden sind, haben in der Bibel ihren eigenen Wert. Sie betrachtet die Menschen hohen Alters, als die von Gott Gesegneten. Ein Leben lang hat Gott an ihnen seine Spuren hinterlassen. Sie sind die mit der Weisheit Gottes Angefüllten. An ihnen hat sich Gott reichlich offenbart. Die andere Seite ist die Schwachheit ihres abnehmenden Lebens. Gott schützt sie vor Ausgrenzung, wo die Alten uns schnell zur Last werden. Seine Fürsorge gilt den Gebrechlichen. Die, die Gott ein Leben lang durchgebracht hat, lässt er bis zum Schluss nicht hängen. Es selbst legt seine Hand auf das graue Haupt und überträgt uns dafür die Verantwortung.

Nächstenliebe ist die Hochachtung vor dem Leben, das in Gott verankert ist. Es ist die Wertschätzung, auch des alt gewordenen Lebens, im dem noch mehr die Güte Gottes offenbar wird. Wir können das, worauf Gott sein Augenmerk legt, nicht mit Verachtung strafen, nur weil es uns unbequem wird. Gerade dort, wo uns die altgewordenen Menschen zur Belastung werden, das Miteinander ungemütlich ist, gilt uns die Aufgabe der Achtung und Liebe. Genau dort, wo in einem alt gewordenen Leben die Verwirrung beginnt, muss unsere Zuneigung umso stärker sein. Auch dort wo das Alter wunderlich wird, ist das kein Grund, es zum alten Eisen zu werfen. Der Wert des Menschen bleibt, auch wenn er selbst seine Werte nicht mehr unter Kontrolle hat.

Wie gelingt uns das Aufstehen vor einem grauen Haupt, wenn das organische Miteinander nicht mehr so funktioniert, wie es einmal war?

Vergeben schafft Wertschätzung

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Schönheit findet, der sich verwandelt

Hochachtung kann man nicht erzwingen.

„Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.“
Ps. 130, 4

Warum tun sich die Menschen mit Gott so schwer? Da ist Gott, der in aller Großzügigkeit Millionen verschenken will und der Mensch steht bescheiden vor ihm uns sagt, „nein Danke, mir reicht 1 Euro.“ Gott bekommt seine Geschenke nicht los. Er trifft auf die Satten, die nicht beglückt werden wollen. Er will gönnerhaft Reichtum verteilen und niemand will ihn. Die Menschen ziehen es vor, Schulden zu machen und sich so durchzuwursteln. Sie sind selber groß und wollen von niemand abhängig sein. Unsere Sünde ist nicht irgendeine böse Tat, sondern die Trennung von den Millionen. Wir blockieren Gottes Geschenke. Wir trennen uns von dem Reichtum, der in unser Leben fließen soll. Hier beginnt alle Not.

Jemand der Schenken will und nur abgefahren lassen wird, ist schnell gefrustet. Doch Gottes Antwort ist Vergeben. Jemand der Geben will und abgeblockt wird, schafft mit Ver-Geben einen Neustart. Mit dem Vergeben hat Gott ein Prinzip geschaffen, das enttäuschungsresistent ist. Wo gestern das Geben nicht geklappt hat, schafft das Vergeben einen Nullschnitt, dass Geben heute ganz neu möglich ist. Vergeben schafft ständig eine jungfräuliche, unverbrauchte Situation. So steht Gott tagesfrisch mit seinen Geschenken wieder vor uns.

Das schafft Ehrfurcht. Dieser unablässige Gottesdrang zu uns, bringt uns auf die Knie. Christus ist sein Geschenk, das wir seinen Reichtum erfahren. Wir sind nicht zur Armut geboren, sondern zur größten Hochachtung vor dem lebendigen, sich verschenkenden Gott.

Warum bringt uns diese Vergebung nicht noch viel schneller auf die Knie?

Was leer ist, kann man füllen

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Lebensqualität hängt mit Wertschätzung zusammen.

„Wo Träume sich mehren und Nichtigkeiten und viele Worte, da fürchte Gott!“
Pred. 5, 6

Gott fürchten und wertschätzen hängt zutiefst mit Sinnerfüllung zusammen.

Ein junger Mann fragte seinen Meister: Was muss ich tun, um viel von dir zu lernen? Da stellte ihm der Meister einige Fragen, auf die er promt viele Antworten wusste. Er hatte ja schließlich auch schon einiges an Erfahrung gesammelt. Da nahm der Meister ein Glas, drückte es ihm in die Hand und fing an, aus einer Karaffe Wasser einzugießen. Als das Glas voll war, goß er immer weiter, dass alles auf den Boden spritzte. Der Junge schrie: Hör endlich auf, es läuft doch alles über! da sagte der Meister: Genauso ist es bei dir, alles, was ich dir beibringen könnte läuft über. Du bist so voll, da kann ich nichts mehr dazugießen.

Gottesfurcht ist eine Erwartung. Gott wertschätzen braucht leere Gefäße. Wir sind oft viel zu voll mit Nichtigem, mit billigen Worten. Unsere Zeit ist ausgefüllt mit viel Unnützem. Gott will Raum, damit er uns füllen kann. Er will tragen, dem Leben Sinn und Gehalt geben, er will seine ganze Schöpfermacht in uns hineininvestieren. Seine erneuernden Kräfte brauchen Platz, sein Christus sucht ein Zuhause.

Wie diese Heilkräfte an uns wirksam werden können, liegt in unserer Erwartung, in unserer Offenheit, in unserem leer sein. Die Ehrfurcht vor Gott setzt andere Schwerpunkte. Da können wir uns nicht nur durch den Tag treiben lassen, durch all die dringenden Verpflichtungen, die auf uns warten. Da braucht es bewusste Zeiträume, die das nichtige Hamsterrad durchbrechen. Gott wertschätzen hat mit Tages- und Lebensplanung zu tun. Zu all dem Dringenden, das von der Zeit bestimmt ist, muss das Wichtige kommen, das von meinen Werten getragen ist. Oft räumen wir dem Unwichtigen, das zeitlich drück, mehr Zeit und Raum ein, als dem, was dem Leben den eigentlichen Sinn gibt, aber unter keinem Zeitdruck steht. Für die Qualitäten, die Gott unserem Leben schenken will, braucht es leere Gläser.

Wieviel Nichtigkeiten stehen heute schon vor unserer Türe Schlange und wollen der Wertschöpfung Gottes den Rang ablaufen?

Eltern als Zentrum des Gottes Willen

auch menschliche Verbindungen haben bei Gott einen hohen Stand.

„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“
2. Mose 20, 12

Das 4. Gebot zeigt, wie Gott manche menschlichen Gefüge wichtig sind. Vater und Mutter zu ehren ist nicht nur als Lebensweisheit unter den Sprüchen abgelegt, sondern hat einen zentralen Platz in den Ordnungen, die Gott den Menschen gegeben hat. Vater und Mutter genießen eine besondere Wertschätzung und einen besonderen Schutz bei Gott. Sie haben einen wichtigen Platz in Gottes Heilsplan. Durch sie hat Gott zu unserem Leben sein Ja gesprochen. Durch sie verwirklichte Gott seinen Plan und seine Idee mit uns. Er sieht die Eltern nicht nur als die reinen Erzeuger an, sondern als diejenigen, in denen sich Gottes Lebenswille ereignete. Darum adelt Gott den Stand von Vater und Mutter. Sie sind nicht die „Alten“, von denen wir eine Zeit lang abhängig waren und die wir dann irgenwann nicht mehr brauchen. Durch das Gebot knüpft er ein dauerhaftes Band der Hochachtung und Dankbarkeit. Dadurch, dass wir unseren Vater und Mutter ehren, ehren wir Gott in seinem Handeln. Eine Missachtung dieses Gebotes würde nicht nur einen Bruch zu den Eltern bedeuten, sondern genauso zu Gott. So fein sind manche Zusammenhänge im Reiche Gottes.

Somit ist Wertschätzung von Vater und Mutter nicht nur ein Akt menschlicher Freundlichkeit, sondern ein Ausdruck unserer Wertschätzung Gott gegenüber.
Besonderns spannend  ist das, wenn das Verhältnis belastet ist, oder durch Alter und Krankheit uns bis an den Rand bringt. Genau an solchen Grenzen kann uns diese Sichtweise helfen, unser ja zu schweren Wegen zu finden. Somit sind Vater und Mutter die,  die uns einmal getragen haben und ins Leben begleitet, jetzt die von uns Getragenen, weil Gott dazu die Brücke baut.

Warum sollten wir Vater und Mutter nicht die Dankbarkeit erweisen, wenn gerade das bei Gott wohlgefällig ist?