Jubel nach dem Gewitter 

Wenn sich bei Nacht ein Gewitter ausgetobt hat, beginnt ein unvergleichlich neuer Morgen.

„Herr ich preise dich! Du hast mir gezürnt! Möge dein Zorn sich wenden, dass du mich tröstest.“

Jes. 12, 1
Wo der Zorn sich wendet, beginnt Glückseligkeit. Das tobende Gewitter in der Nacht hat uns vielleicht um den Schlaf gebracht, doch der Morgen danach, wenn die Sonne wieder aufgeht ist wie ein Traum. Dieser gewaltige Umbruch sorgt für eine Stimmung, die jeden Fotografen jubeln lässt. Alles ist so jungfräulich frisch und mit Regenperlen überzogen, die im anbrechenden Licht an Schönheit nicht mehr zu überbieten sind. Der Umbruch vom Zorn, offenbart Gottes größtes Geheimnis. Im Zorn hat sich die ganze Unlust des Menschen gegen Gott aufgeladen und die Welt unter Spannung gesetzt. Wo sich der Zorn entlädt, lässt Gott Noah eine Arche bauen, um Mensch und Tier zu erlösen. Zorn entsteht, wo sich die Liebe nicht mit dem Bösen abfindet. Doch die Entladung die bei Gott stattfindet ist seit Noah nicht die Zerstörung (nie wieder will ich alles Leben auslöschen), sondern die Vergebung. Das ist das Einzigartige, wie Gott mit Zorn umgeht. Er entlädt die Spannung, indem er einen neuen Morgen schafft. Der Schöpfungsmorgen nach dem Zorn heißt Christus. Damit ist der Dampf raus. Durch dieses Model von Versöhnung entkrampft er alles spannungsgeladene Miteinander. Mit Christus hat der Zorn seine zerstörende Kraft verloren und wird zu einem unvergleichlichen Morgen. Wo Gott angefangen hat zu vergeben, begann für die Welt die größte Erneuerung. Vergebung heißt das Zauberwort, das die Schöpfung in die Glückseligkeit führt. Wer vergibt, rechnet nicht mehr an, stapelt keine Spannungen mehr aufeinander, sondern tröstet im Unglück. Mit Christus haben die polternden Nächte ein Ende. Da erwacht ein neuer Morgen in einzigartiger Klarheit und Schönheit.
Weil sich der Zorn gewendet hat, können wir Versöhnung leben. Getröstete brauchen eigene und andere Schuld nicht mehr anhäufen bis der Haufen explodiert, sie entspannen durch ständiges Vergeben. Wo Vergeben zum Lebensprinzip wird, führen wir selbst ein unbelastetes Leben. Das ist unser Glück und Seligkeit. Da sind wir die Befreiten, die nur noch über den neuen Morgen jubeln können. 
Wo brodelt in uns noch das Gewitter, das uns von dieser selig machenden Erfahrung trennt?    

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Behalten hält frisch

Mit der Demenz fängt das Elend an.
„Versiegen die laufenden Wasser aus den sprudelnden Quellen? Mein Volk jedoch hat mich vergessen.“

Jer. 18, 14-15
Mit dem Vergessen fängt jede Beziehungskrise an. Wer vergisst, hat etwas aus dem Speicher verloren. Da fehlt etwas, was da sein müsste. Da ist ein Vakuum. Gott vergessen heißt, dass ein Leben aus dem Ruder läuft. Sein Wort nicht mehr präsent zu haben, heißt, Christus versiegt. Wer vergisst, trocknet aus. 
Es war ein Jammer, wenn wir in den heißen Sommertagen sehen mussten, wie manche unserer Pflanzen trotz gießen, schlapp machten. Manche waren nicht mehr zu retten, weil sie bei der Hitze kein Wasser mehr aufnehmen konnten. Diesen Zustand beschreibt Jesaja von denen die zu Gott gehören. Sie verdorren, weil sie hören und vergessen. Sie nehmen nichts mehr auf. Sie hören noch das Wort, doch sie speichern es nicht mehr. Die gestaltgebende und lebendig machende Kraft geht verloren. Vergessen und versiegen bedingen sich. 
Hören ist das offen sein für Christus. Es ist das an der Quelle bleiben. Es ist Mahlgemeinschaft. Hören und behalten, ist den Christus in mir abspeichern. Ich lasse gerade das nicht los, was mich am Leben erhält. Mit der Eucharistie wirke ich der Demenz entgegen. An Christus bleiben, ist das Gott nicht vergessen. Wo Christus an Bedeutung verliert, werden wir zur verwelkenden Blume. Christus können wir nicht locker nehmen, weil darin das Blühen unserer Existenz liegt. Hören und behalten machen uns zu Tätern. Damit begießt Gott die Menschen. Damit zieht das wieder Aufblühen seine Kreise. Als die von der Quelle Kommenden, werden wir zu Frischzellen für die Welt.
Sind wir noch an der Quelle, oder hat uns die Demenz schon ausgetrocknet?  

Genießen ist Lob

Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er auf´s Eis zum Tanzen.
„Wenn du isst und satt wirst, so hüte dich, dass du nicht den Herrn vergisst.“

5. Mose 6, 11-12
Hüte dich heißt: Schütze dich vor deiner eigenen Dummheit. Menschen haben ein großes Problem, sie vergessen, wenn sie satt sind. Der Esel vergisst die Verhältnisse in denen er lebt und wird übermütig. Manch einer hat sich in einer schweren Krankheit geschworen: Wenn ich hier davon komme, wenn ich das überlebe, wenn ich wieder gesund werde, gehört mein Leben Gott. Als er gesund war, hat er dann sein Versprechen schnell wieder vergessen. 
Doch nicht nur die Not soll uns beten lehren, sondern erst recht wenn wir satt sind, wenn der Segen fließt. Hinter dem Satt werden, steht nicht der Zufall, sondern der, der uns alles zufallen lässt. Jeder gedeckte Tisch, jedes delikate Essen, jeder vollmundig, fruchtige Spätburgunder ist die Frucht der menschlichen Arbeit und des Segens von Gott. Segen ist immer ein Zusammenspiel Schöpfer und Geschöpf. Wir können vieles tun, wir können uns anstrengen und uns Mühe geben, jedoch der Erfolg ist dadurch noch nicht garantiert. Wenn nicht Gott das Gelingen schenkt, können wir uns noch so sehr abstrampeln. Satt werden ist zutiefst im Segen verankert. Satt werden ist eine Gottes Gabe. Daher musste die sozialistische These in die Hose gehen: „Ohne Gott und Sonnenschein, bringen wir die Ernte ein.“  Das war nur dumm, das war vergessen, das war vermessen. 
Jesus Christus selbst knüpft das satt werden im Reich Gottes an Brot und Wein. Gott ist der Vollversorger. Aus ihm fließt alles, was den Menschen satt macht. Satt ist Segen. Im Satt werden hat Gott seine Kammern aufgerissen. Daher ist jeder Bissen Brot und jeder Schluck kaltes Wasser, Lobpreis uns Gottesdienst. Essen und genießen ist eine heilige Handlung in Dankbarkeit. Satt werden ist Anbetung.
Warum sollten wir da nicht aufpassen, dass wir das nie vergessen?

Undank ist lebensgefährlich 

Dankbarkeit hilft gegen geistliche Demenz.
„Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergisst.“

5. Mose 8, 12. 14
Undank ist der Welt Lohn, heißt es so schön. Wer nicht mehr danken kann, hat Erinnerungslücken. Demenz ist ein Zustand, im dem im Gedächtnis einiges verlorengegangen ist. Menschen sind der Gefahr ausgeliefert, zu vergessen. Wer die Zusammenhänge verliert wird arm, oder ist arm dran.
„Hüte dich“ ist ein Stoppschild gegen Demenz. Im Menschen liegt eine Veranlagung, dass wenn alles rund läuft, wir bei Gott abhängen. Wenn wir satt dastehen, hat Gott bei uns schnell ausgegessen. Es läuft ja, es ist alles da, was wir brauchen, was müssen wir da noch glauben. Das, was uns in schweren Tagen getragen hat, wird in den guten Tagen schnell bedeutungslos. Sobald das Glücksbarometer steigt, schwillt der Kamm und die Gottesbeziehung lässt nach.
Deshalb dieses „hab acht“. Gott zu vergessen kommt ganz schnell. Dessen müssen wir uns bewusst sein und es immer neu bewusst machen. Wer danken lernt, vergisst nicht. Die Dankbarkeit ist das Gefäß, in denen wir die Gaben Gottes festhalten. Dankbarkeit sollte zu einer Lebenseinstellung werden. Wer dank, kann nicht vergessen, dass er auch seine Sattheit Gott zu verdanken hat. Danken setzt das Leben mit Gott in Beziehung. Im Danken nehmen wir uns zurück und lassen den anderen groß sein. Unser Glück liegt in dem beschenkt worden sein. Dankbarkeit ist die stärkste Macht gegen das Gottvergessen. Hüten wir sie!
Wo können wir uns durch die Dankbarkeit noch besser gegen das Vergessen schützen?

Zum Glück gibt’s Unvergängliches 

wie gelingt der Drahtseilakt in unserem Leben?
„Mein Leben ist immer in Gefahr; aber dein Gesetz vergesse ich nicht.“

Ps. 119, 109
Leben ist ein Drahtseilakt zwischen kommen und vergehen. Was wir auch tun, was wir erschaffen, alles steht in der Gefahr, dass es uns zwischen den Fingern zerrinnt. Alle Sicherheiten, die wir uns erschaffen, kann der nächste Hausbrand oder Hochwasser dahinraffen. Wir leben in einem Außen und in einem Innen. Die Gefahr besteht, dass wir zuviel und oft alles auf das Außen setzen; auf die Formen und Äußerlichkeiten des Lebens. Wir suchen materielle Sicherheiten, großartige Erlebnisse, eine liebevolle, tragfähige Beziehung und einen guten Job. Von allem versprechen wir uns davon, das ist mein Leben. Wir bauen auf etwas, was morgen alles weg sein kann. Von all diesen Dingen erhoffen wir, dass wir einen Halt bekommen. Wie können wir von dem was sterben kann, das Leben erwarten?
Stabilität kommt allein aus dem ewigen Wort. Bodenständig wird das Dasein, wenn wir Gottes Maßstäbe als Grundlage haben. Festigkeit kommt von innen, wo eine Verbindung besteht, zu dem darüber hinaus. Wo Leben das Wort nicht vergisst, entkommt es der Gefahrenzone des Vergänglichen. Verzweiflung entsteht immer dort, wo die Hoffnung auf dem liegt, was vergeht. Wir werden nie entgültigen Halt in Dingen und Menschen finden, auch wenn sie uns noch so nahe stehen. Das unerschütterliche Leben braucht das Wort, braucht einen Christus, braucht das Ewige. Hier dringen wir in die Tiefe des Seins, das wir nirgends anders finden. Das dürfen wir nie vergessen.
Petrus fragt: Herr, wohin sollen wir gehen, wenn nur du Worte ewigen Lebens has?