Die Türe bleibt offen

Eine große Persönlichkeit lässt sich durch nichts beirren.

„Der Herr verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen.“
1.Sam. 12, 22

Wo das Tischtuch zerschnitten ist, hat die Schwachheit gesiegt. Menschen haben die Eigenschaft, wenn´s dick kommt das Trennende hervorzuheben. Da gibt es tausend Gründe, weshalb harte Schnitte gezogen werden. Der Herr verstößt nicht. Gott kennt keinen Schlussstrich. Bei ihm ist eine Verbindlichkeit, die alles menschenmögliche in den Schatten stellt. Ohne Wenn und Aber steht er selbst zu dem, der ihm ins Gesicht schlägt. Auch die größte Enttäuschung kann ihn nicht abschütteln. Sein Volk kann halsstarrig und dickköpfig sein wie es will, Gott lässt sich davon nicht erschüttern. Was zu ihm gehört, für das steht er gerade, auch unter widrigsten Bedingungen. Was sein ist, bleibt sein. Wer so steht, hat Format. Das hat nichts mehr mit menschlicher Größe zu tun. Dahinter steht ein Name, der über alle Namen ist. Wunderbar Rat, Kraft Held, ewig Vater Friedefürst. Ein Name, so hart wie Granit und so butterzart wie die Liebe einer Mutter. Was Gott liebt, kann er nicht loslassen. Was er liebt, kann kein Hass aus seinen Armen reißen. Sein Ja-Wort ist so endgültig, dass es für alle Zeiten gilt. Dieses Ja kann durch nichts umgestoßen werden. Einmal Ja, immer Ja. Dieses Ja bohrt sich durch alle Erniedrigung, durch alle Demütigung, durch alles Nein der Welt. Es ist ein königliches Ja in alle Armseligkeit hinein. Nach der Sintflut hat sich Gott geschworen: Nie wieder werde ich alles Leben auslöschen, wie ich es getan habe! Genau dort wo er mit Dreschflegel in die Welt ziehen müsste, kommt er als Kind. Er geht in allem Trennenden den Weg des Verbindenden. Er kann es nicht lassen gnädig zu sein. Er knüpft an den Bruchstellen an. Komme was da wolle, selbst unser größter Blödsinn, kann uns nicht aus seiner Hand reißen. Sein Erbarmen ist größer als sein Richten. Die zu seinem Volk gehören, die den Christus im Namen tragen, kann kein Verdammen mehr schrecken. Wo der Herr nicht verstößt, klagt er nicht mehr an. Dieser Glaube befreit von aller Selbstanklage. Wo Gott nicht mehr anklagt, brauchen wir uns schon lange nicht mehr anklagen. Dass er nicht verstößt, nimmt alle schweren Steine vom Gewissen.

Damit sind wir frei von jeglichem Duckmäusertum. Nicht verstoßen sein lässt aufatmen. Da steht einer hinter uns, gerade dort wo wir schwach sind, wo wir Schuld auf uns laden, wo wir anderes verdient hätten. Das lässt uns als aufrechte und befreite Sünder leben. Da haben die nagenden Vorwürfe in uns keine Stimme mehr. Jede Art von Schuld und Lieblosigkeit bindet uns in diesem Moment noch viel enger an die Gnade. Schuldig werden trennt nicht mehr die Gottesbeziehung, sondern belebt sie. Durch das nicht verstoßen sein ist ständig die Türe offen. Je mehr wir schuldig werden, umso größer wird uns Christus. Das macht uns natürlich und entspannt.

Was sollte unser Leben noch bedrohen können, wenn wir unser eigenes Versagen nicht mehr zu fürchten brauchen?

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Versöhnte Vielfalt

Wer einen gemeinsamen Nenner hat, kann mit vielen Ungereimtheiten klar kommen.

Du bist ja doch unter uns, Herr, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!“
Jer. 14, 9

Das klingt nach erstaunter Verwunderung; du bist ja doch unter uns. Das kann nur einer sagen, der von Gottes Nähe überrascht ist. So quasi, ich hätte nicht damit gerechnet, dass du dich zu deinem Volk stellst, trotzdem wir mit dir und untereinander nicht miteinander können. Gott verbindet was Menschen auseinanderreißen. Nicht nur in den Parteien der Politik gibt es einen Richtungsstreit, auch unter den Frommen können mächtig die Fetzen fliegen. Da sind die Konservativen, die sich auf alte Traditionen berufen und Bewährtes bewahren wollen, und da sind die Modernen, die gerne neue Antworten des Glaubens auf die Fragen der heutigen Zeit geben wollen. Da sind die, die schöne, reich gefüllte Liturgien lieben und die, die gerne alle Formen auflösen wollen, um dem Heiligen Geist viel Raum zu lassen. Bei Paulus waren es die Spannungen zwischen den Juden und den Christen, die oft für Zündstoff in den Gemeinden sorgten. Alles unter der Frage: Was ist Wahrheit? Darüber können sich selbst die Christen so richtig herrlich in die Wolle kriegen. Alt gegen Jung, Pop gegen Choral, Arbeit gegen Kontemplation. Genau an dem Punkt, wo manch einer sagt: Das ist nicht mehr meine Gemeinde, ich stelle mir Kirche anders vor, in der Umgebung kann ich meine Berufung nicht leben, bekommt unser heutiges Wort seine Bedeutung. Du bist ja doch unter uns zeigt, dass Gott da ist, auch wo die Verhältnisse nicht unserem Geschmack entsprechen. Gott ist da, weil die Alten und die Jungen nach seinem Namen heißen. Das Fundament von Kirche und Gemeinschaft ist nicht die Einheit in Geschmacksfragen, sondern die Einheit in Christus, dessen Namen wir tragen. Über den Christus-Namen verbindet Gott die Verschiedenheit. Im Glauben sind wir die Kinder Gottes, vom frommen Hippie, bis zum seriösen Stundenbruder. Dieser Name verbindet etwas, was sich normalerweise gar nicht verbinden lässt. Durch die Kindschaft, hat auch der eine Berechtigung, der mir menschlich nicht schmeckt. Christus und das Wort bringen die größten Unterschiede an einen Tisch.

Wo die Verschiedenartigkeit den gleichen Namen trägt, wächst zusammen, was zusammen gehört. Da ist der Andere ein Teil von mir, auch wenn er mich herausfordert und unangenehm ist. Christus liebt ausgerechnet den, mit dem ich mir schwer tue. Kann ich da noch so einfach ausgrenzen wo Gott verbindet? Kann ich da sabotieren, wo er Brücken baut? Kann ich da Schuld anrechnen, wo er verzeiht? Gelten da immer noch meine Maßstäbe, wo er ganz neue setzt? Wo wir nach seinem Namen heißen, verliert unser Name an Gewicht. Mit diesem Namen sind wir die Geliebten des Versöhners. Wir wachsen in eine Liebe hinein, die die Verschiedenheit verbindet. Das ist die Kirche der Zukunft. Das ist Reich Gottes, in dem die ganze Farbigkeit der Schöpfung, die Vielfalt der Auffassungen, vereint an seinem Altar steht.

Wo wollen wir differenzieren, was Gott versöhnen will?

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Die Schande ist zugedeckt

Wer glücklich sein will, sollte vergeben lieben.

„Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist.“

Ps. 32, 2

Glück hängt auch mit Unbeschwertheit zusammen. Glückselig steht hier im unmittelbaren Zusammenhang mit vergeben. Es ist ein Aufatmen, wo Schuld nicht mehr anklagt. Es ist ein Befreiungsschlag, wo quälende Lasten abfallen. Das Vergeben hat immense Auswirkungen auf die psychohygienische Gesundheit des Menschen. Den gegenteiligen Zustand kennen wir zu Genüge. Wo die Übertretungen im Raum stehen, Konflikte nicht ausgeräumt sind, das eigene Versagen einen Unfall oder Katastrophe ausgelöst hat, quält sich eine Seele Tag und Nacht. Da frisst ein Nagetier in uns und lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Wie musste es dem weltberühmten Tenor Peter Schreier ergehen, als unter seiner Aufsicht, sein Enkel im Gartenteich ertrunken ist. Ein Schmerz und eine Schuld, die viele bis an ihr Lebensende belastet. Solche Belastungen können untröstlich machen und jede Lebensfreude rauben. Da ist ständig dieser Stich ins Herz, die Gedanken, die um das eigene Versagen kreisen. Da kann man auch nicht mehr einfach sagen, das ist nun mal passiert, es muss weitergehen. Genauso wenig ist da mit einem billigen Schwamm drüber eine neue Zukunftsperspektive geschaffen. Da ist eine Schuld, die fix und fertig macht und das Leben außer Kraft setzt. Unter solcher Last kann kein Mensch, der noch etwas Empfinden in sich hat, froh werden. In solchen Extremsituationen erkennen wir, welch eine Macht die Vergebung ist. Da wird uns auch klar, dass Vergeben nicht aus uns heraus geschehen kann. Wenn hier ein Gott aufsteht und sagt: deine Vertretungen sind dir vergeben und deine Sünde ist zugedeckt und unsichtbar, dann sind das keine leeren Worte mehr. Hier geschieht etwas elementar Schöpferisches. Hier ordnet Gott selbst das Chaos und Unglück. In die zerbrochene Schöpfung rammt er das Kreuz. Er stellt sein Kreuz gegen unser Kreuz. Das Vergeben ist die höchste Form des Gebens, des totalen Hingebens, der unendlichen Liebe, die den geknickten Halm aufrichtet. Wo Gott zudeckt, ist etwas aus dem Leben ausradiert. Es ist nicht die Tat weg, jedoch die Anklage und all das Leben zerstörende.

Wohl dem, ist das glückselig, von dem Christus spricht. Wo die Übertretungen zugedeckt sind, kann das Leben wieder austreiben. Wem vergeben ist, dem sind Zentnerlasten abgenommen. Christus ist unser Glück. Da ist keiner der nachträgt und uns immer wieder an unser Versagen erinnert. Es ist einfach weg. Spüren wir nicht die Gewalt, die in der Vergebung liegt? Unsere größte Katastrophe ist nie der Ort, an dem das Leben vorbei wäre. Es können noch so sehr die Fetzen fliegen, durch die Vergebung ist alles wieder möglich. Gottes Wohlwollen schafft Wohlbefinden. Dieses Wohl heilt die tiefsten Wunden. Es gibt kein besiegeltes Schicksal, das nicht von ihm zugedeckt werden könnte.

Auch wir können Menschen entlasten und zu ihrem Wohl führen, wenn wir vergeben. Wo wir uns und anderen vergeben, werden wir an den Puls des Lebens zurückgestellt. Diese befreiende Kraft hat uns Gott in die Hände gelegt, dass wir dem belasteten Leben die Glückseligkeit zurückgeben.

Was bleibt noch übrig von der Schuld, die zugedeckt ist? Wo bleibt die Glückseligkeit, wenn die Übertretungen vergeben sind?

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Gott tickt anders

Wir werden nie verstehen, wie ein Verbrecher am Galgen, noch heute mit Christus im Paradies sein wird.

„Herr, deine Güte reicht soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Ps. 36. 6

Die Güte des Herrn ist für den Menschen so unfassbar, wie der ganze Kosmos, in dem die Entfernungen mit Lichtjahren gemessen wird. Die Güte zeigt sich am Stärksten, wie Gott mit denen umgeht, die nicht gut sind. Hier ist der gravierende Unterschied zu uns Menschen. Er liebt nicht nur die, die ihn lieben, er liebt auch die, die ihn hassen, die ihn verspotten, die ihm den Rücken kehren und ans Kreuz nageln. An der Feindesliebe zeigt sich die echte Liebe. An der Feindesliebe offenbart sich die Güte. Gott liebt die Widerspenstigen und Überzwerchen. Die Güte, ist die Liebe, die das Heil ihres Feindes will. Die Güte will nicht verdammen, sie will erlösen. Gott haut nicht in die Pfanne, sondern nimmt die Schuld der Welt auf seine Verantwortung. Dort wo wir sagen, selber schuld, der hats nicht anders verdient, der gehört weggesperrt, fängt Gott an zu leiden. Die Liebe findet sich nie mit der Entgleisung des Menschen ab, gerade auch dort, wo sie in Terror, Gewalt und Tod ausformt. Gott leidet unter jeder Form der Zerstörung. Er leidet unter der sündigen Menschheit. Er leidet unter meiner und deiner verunglückten Liebe. Diese unsagbaren Leiden sind die Quelle der Güte. Je abgrundtiefer der Mensch, umso unendlicher die Güte. Diese Güte hat seinen Gipfel, am dunkelsten Punkt der Menschheitsgeschichte, dem Kreuz Christi. Darin zeigt sich für alle Zeit was Güte ist. Von Kreuz zu Kreuz ruft Jesus dem Verbrecher zu: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Das sagt er zu dem, der es verdient hat zu sterben. Dieser Verbrecher hatte keine Zeit mehr, für ein einziges gutes Werk auf dieser Erde. Das Paradies öffnete ihm einzig Christus, keine menschliche Handlung.

An solch einer Güte, könnte man fast irre werden. Nicht Strafe muss sein, sondern Liebe muss sein. An dieser Güte werden wir uns die Zähne ausbeißen. Sie konzentriert sich nicht auf ein einziges gutes Werk des Menschen, sondern auf die Gnade Christi. Wo wir mit Paulus konsequent von Christus her denken, erkennen wir: Die Liebe, die Gott uns entgegenbrachte, hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht, obwohl wir tot waren in unseren Verfehlungen – durch die Gnade seid ihr gerettet. Die Güte kann nicht verdammen, die Güte errettet. Gott klagt nicht an, sondern hat sich durch Christus zu Güte durchgelitten.

Wer diese Güte und Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, kann weder sich selbst noch andere verdammen. Unter der Güte können wir uns über andere kein Urteil erlauben. Gott tickt anders. Bei ihm gilt eine andere Gerechtigkeit. Der Staat und die Gerichte dieser Welt haben ihren berechtigten göttlichen Auftrag, das Gute zu fördern und das Böse zu strafen, doch für Gottes Gericht gilt ein anderes Gesetz. In der Güte erbarmt sich Gott durch Christus.

Wo so viel Güte ist, können wir da unseren Nächsten in Ungnade stürzen?

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Vergeben entspannt

Mit einem weiten Herzen lebt es sich gelassen, auch wenn Vorwürfe, Intrigen und Beschuldigungen über einen herunterbrassen.

„Sprich nicht: Ich will Böses vergelten! Harre des Herrn, der wird dir helfen.“
Spr. 20,22

Krieg ist nicht nur in Nord Syrien, Krieg beginnt in uns. Wo wir uns ungerecht behandelt fühlen, ziehen wir alle Register. Wer uns beleidigt und an der Ehre kratzt, muss mundtot gemacht werden. Keiner will Streit, doch ein Wort gibt das andere, in der Familie, in der Gemeinde, oder auf dem Amt bei unbeweglichen Beamten. „Das lasse ich mir nicht gefallen,“ startet Rachegelüste. Unrecht muss ja schließlich bekämpft werden. Das ist richtig, doch Gott kämpft anders. Er begegnet dem Bösen mit weitem Herzen. Er ersäuft Untaten in Liebe. Jesus lässt sich zugrunde richten, ans Kreuz schlagen und sagt: Vater vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Die Antwort auf Hass ist Vergeben. Wer dem Bösen mit Bösem antwortet, vermehrt es, wer ihm mit Liebe begegnet, entwaffnet es. Vergeben nimmt dem Konflikt die Luft weg. Das eine summiert das Drama, und endet im Streit um Rechthaberei, das andere verringert es, und lässt sich schmunzelnd gegenübertreten. Wem vergeben wurde, der bekommt ein geschmeidiges Herz. Wo wir selbst die Vergebung Christi erfahren haben und für uns in Anspruch nehmen, kennen wir die Entspannung, die darin liegt. Wer nicht mehr Schuld vorgeworfen bekommt, wem sein Versagen nicht mehr aufgerechnet wird, der braucht selbst nicht mehr zu rechnen. In der Vergebung haben wir bereits alles gewonnen, was unserer Ehrenrettung dient, wir brauchen nicht mehr um Ehre und Anerkennung zu kämpfen. Erfahrene Vergebung reißt Herzen auf, die allen, alles vergeben können, Da bleiben keine Reste und Reserven, die irgendwo im Magen weiterknurren. Harre des Herrn, ist das Festbeißen an der Vergebung. Wer sich an der Vergebung festbeißt, ist wie die Frühjahrsonne, die das Eis, der davorliegenden klirrenden Kälte dahinschmelzen lässt. Vergebung löst Verkrustungen und lässt sie wachsweich werden.

Im Kampf gegen all das Böse, mit dem wir uns täglich herumschlagen, ist Vergeben die stärkste Waffe. Dem ständigen Kleinkrieg können wir mit weitgewordenem Herzen begegnen. Wo der andere an mir schuldig geworden ist, entspanne ich meinen eigenen Groll, indem ich so schnell wie möglich vergebe. Es macht keinen Sinn lange zu warten, bis der andere „seine Lektion“ gelernt hat, und versauert dabei selbst . Wer vergeben lernt, hat die größte Hilfe, die Gott Menschen gibt, um mit einem weiten Herzen, dem Bösen zu begegnen.

Warum sollten wir da noch rechnen und vergelten?

Jubel nach dem Gewitter 

Wenn sich bei Nacht ein Gewitter ausgetobt hat, beginnt ein unvergleichlich neuer Morgen.

„Herr ich preise dich! Du hast mir gezürnt! Möge dein Zorn sich wenden, dass du mich tröstest.“

Jes. 12, 1
Wo der Zorn sich wendet, beginnt Glückseligkeit. Das tobende Gewitter in der Nacht hat uns vielleicht um den Schlaf gebracht, doch der Morgen danach, wenn die Sonne wieder aufgeht ist wie ein Traum. Dieser gewaltige Umbruch sorgt für eine Stimmung, die jeden Fotografen jubeln lässt. Alles ist so jungfräulich frisch und mit Regenperlen überzogen, die im anbrechenden Licht an Schönheit nicht mehr zu überbieten sind. Der Umbruch vom Zorn, offenbart Gottes größtes Geheimnis. Im Zorn hat sich die ganze Unlust des Menschen gegen Gott aufgeladen und die Welt unter Spannung gesetzt. Wo sich der Zorn entlädt, lässt Gott Noah eine Arche bauen, um Mensch und Tier zu erlösen. Zorn entsteht, wo sich die Liebe nicht mit dem Bösen abfindet. Doch die Entladung die bei Gott stattfindet ist seit Noah nicht die Zerstörung (nie wieder will ich alles Leben auslöschen), sondern die Vergebung. Das ist das Einzigartige, wie Gott mit Zorn umgeht. Er entlädt die Spannung, indem er einen neuen Morgen schafft. Der Schöpfungsmorgen nach dem Zorn heißt Christus. Damit ist der Dampf raus. Durch dieses Model von Versöhnung entkrampft er alles spannungsgeladene Miteinander. Mit Christus hat der Zorn seine zerstörende Kraft verloren und wird zu einem unvergleichlichen Morgen. Wo Gott angefangen hat zu vergeben, begann für die Welt die größte Erneuerung. Vergebung heißt das Zauberwort, das die Schöpfung in die Glückseligkeit führt. Wer vergibt, rechnet nicht mehr an, stapelt keine Spannungen mehr aufeinander, sondern tröstet im Unglück. Mit Christus haben die polternden Nächte ein Ende. Da erwacht ein neuer Morgen in einzigartiger Klarheit und Schönheit.
Weil sich der Zorn gewendet hat, können wir Versöhnung leben. Getröstete brauchen eigene und andere Schuld nicht mehr anhäufen bis der Haufen explodiert, sie entspannen durch ständiges Vergeben. Wo Vergeben zum Lebensprinzip wird, führen wir selbst ein unbelastetes Leben. Das ist unser Glück und Seligkeit. Da sind wir die Befreiten, die nur noch über den neuen Morgen jubeln können. 
Wo brodelt in uns noch das Gewitter, das uns von dieser selig machenden Erfahrung trennt?    

In uns frisst nichts mehr

Frisch verliebt, vergibt sich am besten.
„Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.“

Neh. 9, 17
Das ist wahre Größe. Gott ist grenzenlos unabhängig, von allem Unrecht, das ihm geschieht. Wer solche Eigenschaften besitzt, hat das Zeug, die ganze Welt zu erobern. Vergeben, gnädig und barmherzig zu sein, zeigt eine königliche Freiheit, die sich von keinem noch so großen Hass erschüttern lässt. Gott bewahrt sich dadurch seine Menschenfreundlichkeit. Selbst wenn er mit Füßen getreten wird, kann er offenherzig die Hände ausstrecken. Er belastet sich nicht mit Enttäuschung, Vorwürfen und pingeligen Auseinandersetzungen. Er hat sich komplett befreit, vom Kampf ums eigene Recht. Die Zusammenfassung von Vergebung, gnädig und barmherzig sein, von Langmut und reicher Güte heißt Jesus Christus. Mit dieser Begnadigung allen Unrechts, bewahrt sich Gott seine jungfräuliche Liebe zum Menschen. Durch dieses Vergeben, löst er sich aus aller Verkrampfung, die Schuld auslöst. Er kann offen und unbelastet auf jeden zugehen und mit dieser Barmherzigkeit die Welt zum Leben lieben. Da liegt nichts mehr in der Luft, was seinen Drang zum Nächsten zurückhalten könnte. Vergebung macht ihn handlungsfähig, damit seine Güte in voller Wucht auf die Erde fällt. Damit bleibt er uneingeschränkter Schöpfer und Liebhaber des Lebens. Nichts hindert ihn, segnend sein Wohlwollen reichlich zu verschwenden.
Frisch verliebt, liegt ein Anflug dieser Eigenschaften auf einer Beziehung. Wo die Liebe noch heiß und unverbraucht ist, verzeihen wir dem anderen fast jeden Blödsinn. Da kann man gönnerhaft über die kleinen menschlichen Schwächen hinweg gehen. Von anderen wird man bereits schief angeschaut, wenn man in den unterschwelligen Sticheleien, lächelnd darüber hinweg sieht. Wo die Liebe stark ist, ist die Vergebungsbereitschaft hoch. Doch wenn der Alltag nagt, Fehler sich wiederholen und die Länge die Last trägt, fällt das vergeben immer schwerer. Der Frust wird immer größer, die Belastung unerträglich. Da braucht es den Befreiungsschlag der ersten Liebe. 
Mit Christus stellen wir uns in die Selbstheilungskraft der Vergebung. Erfahrene Barmherzigkeit braucht nicht mehr anrechnen. Wer den gnädigen Gott erlebt, muss nicht mehr krampfhaft ums eigene Recht kämpfen. Er befreit sich selbst durch das Vergeben, von den Lasten die ihm zugefügt werden. Wo wir vergeben, können wir aufatmen, unabhängig vom Verhalten des anderen. Da nagt und frisst in uns keiner mehr. Durch das vergeben werden wir zu einem Menschen der frisch verliebt ist. Da ist nichts was uns aufhalten könnte, diesen neuen Tag als unbelastetes Geschenk zu gebrauchen.
Warum lernen wir nicht viel schneller zu vergeben, um frei zu werden für eine unverbrauchte Liebe? 

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Vergeben ist ein Sonnenaufgang 

Wer Vergehen anrechnet, nimmt sich selbst das Leben.
„Sprich nicht: Wie einer mir tut, so will ich ihm auch tun und einem jeglichen sein Tun vergelten.“

Spr. 24, 29
Bei Gott hat sich Vergelten in Vergeben gewandelt. Denn Liebe rechnet nicht auf, sie verschwendet sich. Schöpferisch leben, heißt neu anfangen, die Sonne über dem Chaos wieder aufgehen zu lassen.
Vor ein paar Tagen machte ich mich mit ein paar lieben Menschen früh auf, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Eine halbe Stunde bevor die Sonne kam, verfärbte sich der Himmel von glutrot in ein leuchtendes Orange am Horizont der schwäbischen Alb. Dann der Moment, als sich die glühende Kugel über den Sattelbogen schiebt und immer größer wurde. Augenblicke, die in andere Welten versetzen und das prägende Alltagsgeschehen vergessen ließen. Der Sonnenaufgang hatte solch eine Kraft von etwas Neuem, das alles Gestern vergessen ließ. In den schönsten Farben war da einfach nur unverbrauchtes Licht.
Vergelten ist, in der Nacht bleiben. Es ist das Festhalten am Alten, an der Schuld von gestern. Vergeben ist der Sonnenaufgang, der den Tag jungfräulich macht. Gott fängt heute neu an, egal was gestern war. Wenn Gott einen Groll schieben würde, würde die Sonne nochmals glühend untergehen und nie mehr wiederkommen. Vergeltung macht dicht. Vergeltung zerstört. Vergeltung ist ein schleichendes Krebsgeschwür. Nur die Vergebung frisst das fressende Ungeheuer in uns. Wo Gott durch Christus vergeben hat, schuf er den Auferstehungsmorgen. Vergeben durchbricht den Sterbensprozess. 
Wer vergibt befreit sich selbst ertmal vom Magengeschwür. Es ist das schlichte offen werden für Neues. Vergebung heilt zunächst uns selbst und kann danach wieder auf den anderen zugehen. Vergebung radiert aus, und schafft einen Zustand, als wäre heute der erste Tag meines Lebens. Vergeben ist die verwandelnde Kraft, die zu neuer Liebe fähig macht. Jeder Sonnenaufgang soll uns daran erinnern; heute ist der erste Tag meines Lebens. Ich kann ihn ausschöpfen, als wäre nie etwas gewesen.
Wenn der Sonnenaufgang solch ein erfrischendes, energiegeladenes Erlebnis ist, warum können wir dann nicht schneller vergeben?

Vergeben befreit für Neues

wer kein Vergeben kennt, tut sich immer mit einem Neuanfang schwer.
„Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?“

Jer.  8, 4
Wer in der Schule viele Fehler macht bekommt schlechte Noten. Da wird der Eindruck erweckt, wer Fehler macht ist nichts wert. Ein schlechter Schüler bekommt permanent vermittelt, du taugst nichts. Sein Minderwertigkeitskomplexkonto steht gefühlt auf -25 Grad. Dabei sind Fehler das Normalste der Welt, für eine gute Entwicklung. Ein kleines Kind das laufen lernt, haut sich ziemlich oft die Nase an, bis es aufrecht und stolperfrei gehen kann.
Aufstehen ist Gottes Prinzip mit dem Menschen. Seit Ostern, steht auf schuldig nicht mehr Strafe, sondern vergeben und Neuanfang. Gott hat sich mit seiner Vergebung einen neuen Zugang zum Menschen verschafft.  Vergeben zieht dem Hinfallen und Irregehen den Stachel. Kreuz und Auferstehung trennen uns von den Schuttbergen menschlicher Existenz. Der Ostermorgen ist das größte neu anfangen für die Menschen. Jesus fragt Pertrus dreimal: Hast du mich lieb? Genauso oft, wie er zuvor von ihm verleugnet wurde. Jesus schlägt Brücken zum „Versager“. Die Frage nach der Liebe, ist das bewusste Vergessen, dessen was vergeben ist. Die Frage der Liebe zeigt, dass wir jetzt eine Situation haben, als sei nie etwas gewesen.
Dort wo Glaubende sagen: Vergeben will ich schon, aber vergessen kann ich nicht, betrügen sie sich selbst. Was vergeben ist, ist weg. So weit weg, als sei nie etwas passiert. Mit Ostern hat eine Phase des frisch verliebt seins begonnen. Neuanfang, Aufstehen, wieder zurechtkommen, neues Vertrauen wagen, sind die Wege nach Ostern. Vergebung ist das Wunder, dass das Alte nicht mehr da ist und die Liebe ihren Platz eingenommen hat. Als Petrus die Frage der Liebe mit Ja beantwortete, hat Jesus ihm die Führungsaufgabe für seine Gemeinde anvertraut. Das ist Gottes Führungsstil; in Liebe zu vergeben, dass Gefallenes wieder aufstehen kann.
Wie geht das Aufstehen für uns nach Ostern weiter?

Schuld ist aus der Welt 

Schuld und Sühne ist das große Thema der Menschheitsgeschichte.
Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit.“

Jes. 53, 3


Wir sind hier im Zentrum der Erlösung. Der Prophet kündigt allem Leid dieser Welt den Christus an. Wenn Verhältnisse unter den Menschen in die Brüche gehen ist es ein langer Weg, bis ein versöhntes Miteinander wieder möglich ist. Wo Menschen aneinander schuldig werden, findet oft eine Trennung statt, die nicht mehr zu kitten ist. Schuld belastet, sie verletzt, sie treibt Keile in Beziehungen. Verhältnisse krachen auseinander.
Gott leidet unter verkrachten Verhältnissen. Er hat nur einen Gedanken: Schuld muss aus der Welt geschafft werden. Gott findet sich nie mit Trennung ab. Dass der Mensch so anders will, als er für ihn gedacht hat, bringt ihn an den Rand. Er kann nicht mit ansehen, wie der Mensch ohne ihn in sein eigenes Unglück rennt. 
Mit Jesus Christus leidet er seine Liebe in die Welt. Er geht den Weg der Verachtung, der Verzweiflung, des Ausgestoßen seins. Die geballte Schuld der Welt, bringt Christus um. Er hat sich von der Schuld zum Opfer machen lassen. Christus ist von der Sünde zur Sünde gemacht worden, um sie aus der Welt zu leiden. Wo Schuld hinausgetragen wurde, können wieder vertraute Verhältnisse wachten. Der Glaube an Christus bringt Versönung in die Welt. Dadurch hat Gott wieder Freude am Menschen. 
Leben und Leiden bekommt dadurch ein neues Gesicht. Wo Christus in die verkrachten Existenzen kommt, kommt der Wunderbar Rat, Kraft Held., Ewig Vater, Friedefürst. Gott selbst hat sich mit uns versöhnt. Für ihn ist mit Christus das Thema Schuld abgehakt. Es kann auch heute, alles wieder von ganz neuem beginnen.
Können wir glauben, dass Gott alle Brüche der Menschen hinausgelitten hat, und wir in allen Schwachheiten wieder Zugang zu Gottes ganzer Fülle haben?