So herrlich unsterblich

Wo ein Leben erlöst ist, kann es kein Tod mehr schrecken.

Wer meine Gebote hält und nach meinen Gesetzen lebt, der soll nicht sterben um der Schuld seiner Vaters willen.
Hes. 18. 17

An solch einer Aussage kann man erahnen, in welch einer ungeheuren Größenordnung sich das Leben abspielt. Wenn Gott sagt: der soll nicht sterben, hat das mit unseren irdischen Lebensvollzügen zu tun. Zu der Tatsache des Sterben Müssens, gibt es ein Gesetz der Unsterblichkeit. Bei Gott geht beides zusammen. Bei Gott gibt es etwas Unauslöschbares. Etwas, was dem natürlichen Lebensvollzug entgegensteht. Wenn jemand nicht stirbt, wird er ewig leben, da ist nicht irgendwann Schluss. Einmal geschaffen, ist für alle Zeiten existent. Das lässt sich nie mehr aus dem Universum auslöschen. Wo Gott ja zu einem Leben sagt, ist das ein ja für immer. Wir sind zu viel Größerem geschaffen als das, was sich im Augenblick in unserem Leben abspielt. Das „nicht sterben“ ist der unumstößliche Gedanke Gottes, der über unserem Leben steht. Alles was geschaffen ist, ist für die Herrlichkeit geschaffen. Alles ist dazu bestimmt, dauerhaft in Gott zu sein. Die Liebe ist die Wiege unseres Lebens und dadurch unser ganzer Lebensraum. Das ist Gottes Traum, von einem Leben das nicht stirbt.

Wenn das Leben stirbt, dann dort, wo es aus diesem Traum herausfällt. Dort, wo es dieses Ziel und seine ureigenste Bestimmung verfehlt. Das ist die Schuld der Generationen, sich von dem „nicht sterben“ abzunabeln. Das ist der Fluch der auf dieser Erde liegt. Schuld ist nicht Kirschen klauen, Schuld ist, sich von dem unvergänglichen Leben abzukapseln. Das nimmt allem Leben seine unsterbliche Schöpferkraft. Gott gibt den Menschen durch Christus ihre Unsterblichkeit zurück. Er löst sie von ihrer Erdgebundenheit, die alle Existenz auf das Irdische begrenzen will. Er erlöst von dem Fluch des Sterben Müssens. Christus ist das Gebot und das Gesetz Gottes, das den Menschen in seinen ganzen, umfassenden Lebensraum stellt. Somit haben wir in Christus einen Schlüssel für Leben in allem Sterben.

Damit ist Erlösung ganz praktisch und real. In allem Tod, in allem Sterben setzt sich dadurch permanent das Leben durch. Wer ewig lebt, braucht selbst vor seinem eigenen Ende nicht mehr erschrecken. Wenn wir Angst haben, dann nur, weil wir das Schlimmste befürchten, den Tod. Wer von der Angst vor dem Tod erlöst ist, kann unbeirrt leben. Er kann Kopf und Kragen riskieren, wie den Widerstandskämpfer des dritten Reiches. Da kann keine Macht der Welt mehr schockieren. Erlöste stehen auf einem anderen Boden, wenn die Erde bebt. Da fallen dann die verwunderten Aussagen nach dem Großbrand: Dass ihr angesichts solcher Ascheberge noch lachen könnt? Erlösung macht unbeirrt. Erlösung befreit zu einem standhaften Leben mitten im Untergang. Erlösung bringt die Funken der Herrlichkeit in die Nacht der Welt.

Wenn wir nicht sterben sollen, warum leben wir das nicht aus voller Kraft?

Auslegungen für jeden Tag
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Staub soll blühen

Wo wir uns auf Grundlagen besinnen und der Realität stellen, bekommt Flüchtiges etwas Festes.

„Gott spricht: Im Schweiß deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“
1.Mose 3, 19

Dieses Wort aus der Sündenfallsgeschichte stellt auf den Boden der Tatsachen. Wir leben, ob wir glauben oder nicht in einer gefallenen Schöpfung. Irdisches Leben ist erdbezogen. Was aus Erde gemacht ist, wird dahin zurückkehren. Darauf liegt ein Hauch von Mühe und Flüchtigkeit. Alles unterliegt dem Kommen und Gehen, mit allen Lasten der Arbeit. Wo sich der Mensch von Gott gelöst hat, tritt er in ein Leben der Banalität und Vergänglichkeit ein. Im Staub ist nichts mehr von der Ebenbildlichkeit Gottes, zu der er eigentlich geschaffen war. Hier spielt sich die ganze Tragik des Sünderseins ab. Diese Gottlosigkeit in der wir in dieser Welt leben, hat sich der Mensch selbst geschaffen. Manch einer wird unter dem Staub sein verrückt. Auf- und Ableben ist die Ausgeburt von Sinnlosigkeit. Erdendasein mit Verfallsdatum hat keine Perspektive. Der Verfall der Gottesbeziehung, ist der Verfall des Lebens. Wo dem Leben Gott genommen ist, wird es um das Ewige beraubt. Das ist das Gesetz der Erde, unter dem jedes Leben steht. Es wird Mühe machen unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir werden um die Ernte kämpfen müssen, es fällt uns nichts in den Schoß. Alle Härten, alles Beschwerliche hat darin seinen Sitz. Auch der Glaubende braucht ein Ja zu dieser Tatsache. Wir schweben nicht darüber, oder sind von dieser Gesetzmäßigkeit entrückt. Gerade als Glaubende finden wir ein Ja zu harter Arbeit. Wir stellen uns bewusst dem Gesetz der Erde und akzeptieren damit Gottes Realität.

Doch der Glaubende lebt in einer zweiten Realität, wie sie Paulus ausdrückt: Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Mit Christus kommt der Unvergängliche in die Vergänglichkeit. Damit knüpft Gott wieder an den Anfang der Schöpfung an. Der gefallene Mensch bekommt in Christus seine Gottesebenbildlichkeit zurück. Da kommt zusammen, was zusammen gehört. Mit Christus wird der Zerfall zurück in die Erde durchbrochen. Damit bekommt das Staub sein etwas ewiges. Somit ist unserer irdisches Dasein ein Doppelleben. Wir leben in der gefallenen Schöpfung, mit all ihren Mühen und Plagen, und gleichzeitig kommt unsere Hoffnung nicht aus dieser gefallenen Welt, sondern aus Christus. In allem Sterbensprozess findet dann einen ständige Gegenbewegung des Lebens statt. Wir sind nicht mehr die an die Welt Ausgelieferten, sondern durch Christus die Lebendigen, die kein Ende kennen.

Geben wir da einer vergänglichen Welt, nicht einen ganz neuen Glanz?

Begnadet ins neue Jahr

Selten wird uns unser Vergehen so bewusst, wie beim Jahreswechsel.

„Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, es blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da. Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

Ps. 103, 15-17
Blühen und Verwelken ist ein schmerzlicher Prozess. Kommen und Gehen offenbart die Endlichkeit. Morgen beißt das Jahr 2017 ins Gras. Es wird auf nimmer Wiedersehen weg sein. War das Jahr gefüllt mit Leben, war unser Leben lebenssatt? Was ist verwelkt? Was bleibt von dem, was wir erlebt und erschaffen haben? Oft bleibt über diesen Fragen ein flaues Gefühl im Magen. 
Über aller Flüchtigkeit steht heute ein großes ABER. Gnade gegen Verwelken. Ewigkeit gegen Endlichkeit. Gott legt eine Bodenständigkeit, die nicht in Schall und Rauch aufgeht. Von ihm kommt etwas, dem wir nicht auf dem Friedhof nachtrauern. Gott gewährt Gnade. Er begnadet zu einer unsterblichen Christusbeziehung. Er begnadet zu einer Liebe, die ewige Spuren hinterlässt. Das begnadet sein schafft etwas über das Sterben hinaus. In der Gnade liegt die Begegnung mit der Auferstehung. Die Gnade zeigt auf, dass Leben in einem viel größeren Gesamtzusammenhang steht. Eine Orchidee hat nicht nur jedes Jahr zu blühen und zu verwelken, sondern Gott hat sie mit seiner eigenen Geschichte verbunden. Gott will allen Blühen und Verwelken einen ewigen Sinn geben. In alles Kommen und Gehen gibt er das Eigentliche noch dazu. Mit sterblichen Menschen soll durch die Gnade Ewiges geschaffen werden. Wir sind Begnadet, um unsere Jahre mit Bleibendem zu füllen. 
Da entstehen nicht nur unvergessliche Geschichten, da erhält die gesamte Lebensgestaltung Heiterkeit und Tiefe, die mit Unvergänglichem angefüllt ist. Durch die Gnade wird die Bandbreite des Lebens größer und das Drama kleiner. Da ist die Planung für ein neues Jahr, von einer Liebe getrieben, die sich ausbreiten und verschenken will. Wer begnadet ist, kann nicht einfach in das neue Jahr stolpern und abwarten, was da so kommt, sondern sucht nach dem Gehalt, dem er dem Jahr geben kann. In der Gnade erkennt der Mensch seine eigentliche Bestimmung und damit die Aufgabe, die er in einer verwelkenden Welt hat. Somit steht am Jahresende nicht das Bedauern über verpasste Gelegenheiten, sondern dass wir randvoll begnadet sind, Bleibendes in Verwelkendes hineinzutragen.
Wissen wir für das neue Jahr, für welche Menschen und Aufgaben wir begnadet sind? 

Das Wort ist sicher

Das Wort ist die alles bestimmende Macht.

Der Welt Grundfesten sind des Herrn, und er hat die Erde daraufgesetzt.“

1.Sam. 2,8



Welch starkes Bild; egal, was alles auf dieser Welt wichtig erscheint, wie sich die Menschheit auf dieser Erde entwickelt oder sich selbst zugrunde richtet, alles ruht in dem Wort. Das lebendige Wort, der Christus, sind die beiden Hände, die die Erde wie einen Spielball tragen. Umschlossen, fest im Griff des Wortes: „Ja ich will“, steht das Weltgeschehen. Die Erde ist kein Selbstläufer, sondern vom Wort getragen und durch das Wort funktionsfähig. Das Wort ist das Betriebssystem des Universums. Auch wenn der Erde die Luft ausgeht, ruht ihre Vergänglichkeit in etwas Bleibenden. Auch wenn die ganze Welt zerfällt, geschieht das innerhalb des lebendigen Wortes. Das ist die Spannung zwischen Tod und Leben, zwischen Sterbendem und Ewigen. Die Tragfähigkeit des Wortes garantiert das Überdauern in allem Zerfall. Nichts und niemand kann aus dem, „es werde und es ward“ herausfallen. Die Schaffenskraft des Wortes ist unauslöschbar. Die Macht des Wortes, überragt alle Sicherheitssysteme, die sich die Menschen auf dieser Erde einrichten. Das Wort ist das bedeutendste Wertpapier, die garantierte Lebensversicherung, das, was alle Börsencrashs überdauert. 
Jeder weiß, wie flüchtig die Sicherheiten sind, auf die sich die Menschen verlassen. Eine Währungsreform, und das ganze Kapital ist nur noch die Hälfte wert. Menschen können sich gegenseitig keine Sicherheiten geben, weil es auf der Erde keinen beständigen Halt gibt. Alles Streben nach Existenzsicherung und finanzieller Freiheit, was die meisten in ihrem täglichen Tun antreibt, ist so brüchig, dass es noch etwas Sicheres darüber hinaus braucht. Lebenssicherheit liegt in beidem, dem Mühen um das tägliche Brot und dem Festmachen in dem Wort. Wo der Halt in dem Gehaltenen wegbricht, verstärkt sich die Sorge um das Alltägliche. Wo der Mensch in der Macht des Wortes ruht, und von der Kraft des Christus getragen ist, steht er, auch wenn in ihm und um ihn alles zerfällt. Wo sich das Leben durch Höhen und Tiefen bewegt, ist das Wort der Stabilitätspakt, der Vergängliches überdauern lässt. Das Wort ist sicher.
Wenn wir auf diesen Grundfesten stehen, was sollte uns da aus diesen tragenden Händen werfen?

Leben ohne Verfallsdatum

Einmal gezeitigt, ist für immer verewigt. Viktor Frankl

„Deine Toten werden leben.“

Jes. 26, 19
Zwischen Gott und dem Menschen ist in dem Begriff Tod ein himmelweiter Unterschied. Was für den Menschen das Ende ist, ist für Gott der Anfang. Wo den Menschen das Licht ausgeht, geht bei Gott das Licht an. Am Tod erkennt man dem Glauben und das Gottesbild des Menschen. Bei Gott gibt es keinen Anfang und Ende, es gibt nur Sein. Das ist ein ewiger Ist-Zustand. „Ich bin“. Alles was aus diesem Ich bin hervorgeht, ist geschaffen für die Ewigkeit. Was Gott ins Leben ruft, kennt keine Schrottpresse. Entstandene Lebensenergie lässt sich nie mehr vernichten. Was geschaffen ist, geht in die Geschichte ein. Leben im irdischen Zeitfenster ist ein Bruchteil, von dem was der Mensch ist. Der Mensch ist weit mehr als seine leibliche Hülle, die die Daseinsform der vergänglichen Welt ist. Daher ist der Tod kein Bruch, sondern der Übergang in ein weit größeres Leben. Mit der Auferstehung Christi offenbart Gott, dass es für das Leben kein Verfallsdatum gibt. 
Beim Blumenschmuck dekorieren auf dem Friedhof, tritt eine Trauernde an mich heran und sagt: Die Blumen sehen so schön aus, das würde meiner Mutter bestimmt gefallen, wenn sie es noch sehen könnte. Ich sagte ihr nur: Sie sieht es. – Dann großes Erstaunen und die Rückfrage: Glauben sie das wirklich? – Ich nickte und spürte, wie das bei der Tochter etwas auslöste. 
Der Glaube an das ewige Leben verändert unser gebrechliches, vergängliches Leben total. Da sind wir in allem Verfall getröstet. Wo die Toten leben werden, ist dem Endgültigen die Macht und der Schrecken genommen. Darin bekommt das Leben seinen Sinn, weil in unserem Leben Ewiges schaffen können. Durch den Glauben an Jesus Christus, bauen wir in unserem vergänglichen Miteinander an bleibenden Werten. Da lernen die Menschen wieder hoffen, wo es nichts zu hoffen gibt. Da kann uns das Sterben und alles Vergehen um uns herum keine Angst mehr machen, weil wir um die Lebenszusammenhänge wissen. Wir vertrösten uns nicht mit der Zukunft, die nach dem Tod beginnt, sondern wir bringen jetzt schon das Leben in alles Sterben.
Welchem Tod können wir heute zum Leben verhelfen? 

Früchte reifen im Elend

Was sich jetzt leuchtend bunt sich zum Sterben bereitet, wird im Frühling zu neuem  Leben erwachen.
„Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie die Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich.

Jes. 51, 6
Eine biblische Wahrheit, deren beiden Extreme nicht krasser ausformuliert werden können. Vergehen, zerfallen, dahinsterben, stehen im Gegensatz zu bleiben. All das was Menschen umgibt, der Mensch an sich ist Schall und Rauch, ist da und verpufft, doch Gottes Ja zum Leben, ist unauslöschlich. Das eine stirbt, das andere bleibt. Wenn das Heil wie ein Regenbogen über allem Weltuntergang steht, verliert Sterben seine Macht. Das zerfallende Kleid, die dahinsterbende Mücke ist nicht das Letzte. Das Allerletzte ist das Einssein mit dem Ewigen. Alles Sterben läuft auf das Leben in Vollkommenheit zu. Was zerfällt ist für die Herrlichkeit geschaffen.
Genau das, was als die Tragik des Lebens erscheint, hat einen tiefen Sinn. Wir zucken zusammen, wenn die Erde zerfällt und die Menschen wie die Fliegen sterben. Wir erstarren vor Schreck, wenn wieder eine Welt zusammenbricht. Gestern feierte die Kirchengemeinde hier in unserer Buchhaldesiedlung ihr 50 jähriges Bestehen. Am Anfang dieser Geschichte stand ein unschöner Konflikt zwischen Kirche und unserer neu entstandenen Ordensgemeinschaft. Helles Entsetzen prägte die Gemüter. Doch jetzt im Rückblick kann man nur sagen, aus dem schmerzhaften Sterbensprozess ist die Ordensgemeinschaft der Blumenmönche gewachsen. Das Zerfallen war die Voraussetzung für Neues. Die täglichen Auslegungen hier, sind nicht aus einer genialen, spirituellen Idee entstanden, sondern aus einem Unglück, wo ein junges Leben auf dem Scherbenhaufen landete.
Wo Gott Bleibendes schaffen will, fliegen oft die Fetzen. Für das Heil gehen die Wege über Golgatha und das Kreuz. Die Passion ist die Bedingung für Ostern. Auferstehen kann nur das Gestorbene. Daher bekommt alles Sterben den Herbstcharakter. Nur wenn die Blätter fallen und der Baum wie tot in der Landschaft steht, kann der Frühling zu neuem Leben ansetzen. Der Baum setzt eine neue Wachstumsschicht an und bereitet sich auf seine nächsten Früchte vor. Gott baut sein Reich, mit dem Dahinsterben dieser Welt. Damit geht die Hoffnung nie aus.
Haben wir Angst, wenn unser Kleider zerfallen, oder können wir dahinter schon den ewigen Schaffensprozess erkennen?  

Ewig ist jetzt

Jeder Augenblick birgt einen Funken von Ewigkeit.
„Alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun.“

Pred. 3, 14
Wann beginnt die Ewigkeit? Eine Frage, die viele ins Jenseits datieren. Dabei ist ewig jetzt. Dort wo sich Zeit und Ewigkeit kreuzen ist in diesem Augenblick. Die Erfahrungen des Ewigen, dessen wo Gott Anfang und Ende ist, machen wir nicht gestern und nicht morgen, sondern in diesem augenblicklichen Moment. Das allumfassende, unvergängliche Reich Gottes begegnet uns nicht in der Vergangenheit, noch in der Zukunft, sondern in der Gegenwart. Die Gottesoffenbarung ist in diese Sekunde und Minute gelegt. Ewigkeit ist eine absolute Live-Erfahrung. „Alles, was Gott tut“ ist in der Sache, die Begegnung mit dem aktiven Ewigen. Auch wenn Gott in der Vergangenheit gehandelt hat und in der Zukunft handeln wird. Doch Gestern war und ist vorbei, da kann nachträglich keine Handlung mehr stattfinden. Morgen ist noch nicht, auch da finden jetzt noch keine Handlungen statt, das ist Zukunftsmusik. Die Aktivität des ewig handelnden Gottes ist jetzt. Der jetzige Augenblick ist die goldene Stunde, in der Gott mit uns und an uns etwas für die Ewigkeit schafft.
Was auf ewig besteht, ist unvergänglich. Viktor Frankl sagt: Was wir einmal gezeitigt haben, ist für immer verewigt. Das, was in diesem Augenblick geschieht, geht für alle Zeiten in die Geschichte ein. Wir kennen das von unvergesslichen Momenten, die wir voll ausgeschöpft haben und in ganzer Intensität in uns aufnahmen. Da sind Augenblicke zu einem unvergesslichen Wert geworden. Da haben wir intensiv gelebt und hatten erfüllende Erlebnisse mit lieben Menschen. Da begleiten uns Lebenserfahrungen im Guten wie im Schweren ein Leben lang. Es waren alles Jetzt-Erfahrungen. 
Gott will das Leben ewigkeitsträchtig machen. Er will mit seinem Tun unsere Tage satt machen. Er will sich in uns verewigen. Das geschieht einzig, wenn wir voll und ganz im Jetzt leben. Da dürfen wir nicht in den Geschichten unserer Vergangenheit leben, wie bei vielen alten Menschen, in denen immer noch die Erinnerung des letzten Krieges hochkommen. Genauso wenig ereignet sich das eigentliche Leben, wenn wir nur von den Planungen auf das Morgen getrieben sind. Wo die Tage nur mit der Sorge um die Zukunft angefüllt sind, kann sich im jetzigen Augenblick keine Ewigkeit ereignen. Wir betrügen uns um die wertvollste Gotteserfahrung und um das eigentliche Leben wo wir in unserer Zeit, dem Jetzt und Ewigen keinen Raum geben.
Wie wollen wir Gott erfahren, mit all dem, was er in uns verewigen will, wenn wir gar nicht in diesem Augenblick anwesend sind?

Glaube ist unsterblich

Dauerhaftes gibt es nicht bei vergänglichen Menschen.
„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“

Jes. 7, 9
Kurz und knapp sind wir bei dem Ewigen. Wer glaubt bleibt. Bleibendes gibt es bei dem, der nicht vergeht. Gott ist unvergängliches, immerwährendes Leben. Ohne Tod, ohne Zerfall, ohne verwelken. Er ist ein Bollwerk der Unsterblichkeit, ein ewiger Jungbrunnen. Er ist der Atem, der nie stillsteht, der Puls der immer schlägt. Er ist jeden Morgen wie ein atemberaubender Sonnenaufgang. Solange die Erde steht, soll der Rythmus von Tag und Nacht nie aufhören, hat er sich auf die Fahne geschrieben. 
Dieses Bleiben spricht Jesaja zu einem Volk, das den Zerfall nur zu gut kennt. Wie oft wurde Jerusalem zerstört und wieder aufgebaut? Zerbrüche sind des Menschen Schicksal. Da wird mühsam ein Lebenwerk aufgebaut, das in einer Nacht abbrennt. Einst blühende Kulturen präsentieren heute Ruinen. Wertvollste Beziehungen gingen in die Brüche, und am eigenen Körper spüren die Verletzlichkeit. Was in dieser Welt erschaffen wird, ist dem Zerfall ausgesetzt. 
Doch in alles Vergängliche hinein, schlägt Jesaja eine Brücke zu dem Bleibenden. Der Glaube ist eine bleibende Lebenszelle in einem brüchigen Menschen. Der Glaube ist der Griff nach Christus, der Auferstehung in den Tod bringt. Der Glaube ist das Lebenselixier in einem sterblichen Menschen. Das Frischhaltemittel gegen das Verfallsdatum. Der Glaube ist der Sonnenaufgang, der die Nacht zum Leben ruft. Der Glaube lässt die Sonne einfach über sich aufgehen, und erfüllt den jungen Morgen mit neuem Tatendrang. Der Glaube trotzt der Nacht, trotzt allem Untergang. Der Glaube feiert Auferstehung in einer heillosen Welt. Im Glauben lässt der kindlich Vertrauende, den ewigen Gott an sich zu. Der Glauben hält das Sterbende lebendig.
Warum lassen wir nicht viel öfters in unseren Untergängen die Sonne aufgehen?

Tuchfühlung mit dem Allmächtigen

Gültige Worte bauen endloses Vertrauen.
„Herr, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit.“

2.Sam. 7, 2
Worte von Gott sind wahr. Auf wahre Worte kann man Hochhäuser bauen. Sie sind ein Fundament, die Wolkenbrüche überstehen. Wahre Worte sind Schätze und Perlen, auf sie kann man sich verlassen, sie sind wie eine Lebensversicherung. Ein wahres Wort ist 100%tige Verlässlichkeit. Wahr ist endgültig, gestern, heute und morgen. Worte der Wahrheit können nur aus Gott kommen.
Wir brauchen nicht die Lügenpresse zu verdammen, die Wahrheiten auf den Kopf stellt, sondern brauchen nur uns selbst anzuschauen; heute so, morgen anders. Wieviele unserer Worte reden schön und denken anders. Wir sind von Wortbrüchen und Unverlässlichkeit umgeben. Worte der Wahrheit können nicht aus vergänglichen Wesen kommen.
Im Zusammenhang unseres Wortes, haben die Worte der Wahrheit noch einen ganz konkreten Sitz. Der König David, inzwischen sehr wohlhabend geworden, baute Gott noch einen weiteren Tempel. Über den Propheten Nathan bekam er darauf die Antwort, dass sich Gott nicht auf einen Ort festlegen lässt. Er will in und unter seinem Volk wohnen. Er will dort sein, wo seine Erwählten unterwegs sind. Er will der Christus mitten unter den Menschen sein. Das ist die Wahrheit Gottes, die zu den Glaubenden kommt. Diese Worte erkennt David als die Offenbarung der Wahrheit. Worte der Wahrheit sind keine ausgesprochenen Worte, sondern Gottes Existenz unter den Menschen. Es ist der Christus, der mit Menschen unterwegs ist. Wahrheit ist die Tuchfühlung des Allmächtigen. 
Diese Direktheit, diese Dichte festigt in aller Unwahrheit. Damit kommt Verlässlichkeit in eine Scheinwelt. In alles Vergehen kommt festen Boden unter die Füße. Darin liegt die Statik der Welt. Wo Christus unter den Menschen lebt, wird die Lüge entwaffnet. Die Wahrheit blickt hinter die Fasaden und macht in allem Grauen unverzagt.
Wenn das Wort der Wahrheit so dicht an uns dran ist, warum lassen wir uns dann so oft von dem Vergehenden beeindrucken? 

Treue ist kein Traum 

Verlässlichkeit, ist das Netz, das Beziehungen verknüpft und auffängt.
„Die Wege des Herrn sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten.“

Ps. 25, 10
Auf die Frage, wem oder was können wir vertrauen, kommt hier die Antwort; den Wegen des Herrn. Da ist das Gute in Stein gemeiselt. Treue ist das, wonach sich jeder sehnt, was jedoch nicht einmal die Hälfte der Menschen in ihren Beziehungen schaffen. Jeder will etwas Festes, sucht das Vertrauen und ist selbst nicht in der Lage auch nur eines von beiden zu leisten. Umso mehr muss muss uns diese Treue hellwach machen. Bei Gott ist etwas Beständiges, was alles menschliche überragt. Da gibt es ein Bündnis, das nicht in die Brüche geht. Da ist Verlässlichkeit für alle Zeit. Da ist etwas Tragfähiges, das durch alle brüchigen Zeiten trägt. Hinter allem Dasein steht gut und treu. Da steht einer zu sich und zu allem, was er geschaffen hat. Diese Treue ist die Garantie für alles Leben. Wenn Gott untreu wäre, hätten wir nichts mehr zu lachen, da würden wir an unserer Untreue zugrunde gehen. Das was die Menschheit erhält, ist diese Grundverlässlichkeit, auf die alles aufgebaut ist. 
Wenn wir Vertrauenswege suchen, dürfen wir nicht bei vergänglichen Menschen anfangen. Wer Treue bei Menschen sucht, muss unweigerlich enttäuscht werden. Unsere Treue kann sich nur aus dem Treuen aufbauen. Wo wir seinen Bund, wo wir Christus in Anspruch nehmen, kommt Stabilität in Untreue. Wir werden dadurch zu vertrauenswürdigen Personen, wenn wir dieser Treue vertrauen. In diesem Bund verfestigt sich das brüchige Menschsein. Indem wir in Christus die Treue zu spüren bekommen, werden wir zu tragfähigen Menschen. Weil Gott sich unverrückbar fest an Menschen bindet, können diese zu Säulen für andere werden. Verrtrauen kann dort wachsen, wo jemand dieser Treue vertraut. Hier bekommt alle Auflösung ein trägfähiges Fundament. 
Wie sehr halten wir uns an diesen Bund, dass treulose Menschen wieder festen Boden unter die Füße bekommen?