In Gnade gebadet

Ein geadelter Mensch, kann aufrecht durchs Leben gehen.
„Du, Herr segnest die Gerechten, und deckest sie mit Gnade wie mit einem Schilde.

Ps. 5, 23
Wer von Gott mit Gnade zugedeckt ist, ist besser dran als Siegfried in der Nibelungen Sage. Der im Drachenblut Gebadete hatte einen Vollkörperschutz bis auf eine kleine Stelle auf der Schulter, die ihn noch verletzlich machte. Die Gnade wirkt vollflächig. Ein in Gnade Gehüllter ist ein gerecht Gemachter Ungerechter. Er lebt aus dem Zuschuss eines Anderen. Da tut einer mehr, als er muss, und wir erfahren etwas, was wir nicht verdient haben. Mit Gnade zudecken, ist wie in den Adelsstand erheben. Wir werden zu etwas gemacht, was wir nicht sind. Mit Gnade zugedeckt, ist mit Christus aufgerichtet. Damit wird ein Sünder zum Gerechten. Die Gnade verwandelt jede Anklage, die über einem Leben steht. Sie hüllt den Glaubenden in einen Schutzmantel, in seinem schuldhaften Dasein. Auch wenn wir nach wie vor in einer gefallenen Welt leben und ständig selber schuldig werden, macht die Gnade ständig neu vor Gott. Mit Christus hat Gott das Verdammenswerte aus unserem Leben gewischt. Ein Begnadigter ist frei von aller Anklage. Da kann kein schlechtes Gewissen mehr quälen. Da ist wirklich alles weg, was belasten will. Selbst wenn wir jemand umgebracht hätten, befreit die Gnade von einem lebenslänglichen Dauervorwurf. Wir hätten die Folgen unserer Tat auszutragen, doch wer mit Gnade zugedeckt ist, hat wieder Anteil am Leben.
Gnade lässt den Sünder aufrecht gehen. Schluss mit dem Jammer, der Dauergebückten, die die schlimmen Zustände an sich und um sich herum beklagen. Wo Christus aufrichtet, brauchen wir nicht niederdrücken, oder uns niederdrücken lassen. Wir sind aus dem Staub erhoben, um unseren Zudecker und Begnader zu ehren. Die Gnade lässt in all dem mitmenschlichen Krampf den Dampf ab. Da kann der Gebeugte jubilieren, weil er von dem einen Stand in den anderen erhoben wurde.
Warum sollen wir als die in Gnade Gebadeten, weder vergangene noch zukünftige Schuld fürchten?

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Heute alles frisch 

eine fantastische Gegenläufigkeit hält uns lebendig.
„Die Barmherzigkeit des Herrn hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß.“

Klagel. 3, 22-23
Barmherzigkeit ist für die, die mit Altem behaftet sind und bei denen etwas Neues beginnen soll. Unser irdisches Dasein, das den vergehenden Gesetzen dieser Welt ausgeliefert ist und unweigerlich zum Abstand mit Gott führt, findet Erbarmen. Dort wo wir einfach nicht in der Lage sind, die Liebe, die aus Gott kommt zu leben, holt uns die Liebe ein. Gott bleibt nicht an unserer Unvollkommenheit stehen. Gott findet sich nie damit ab, das Menschen aus dem Guten herausfallen. Unser Ermüdungsprozess, der unter den täglichen Lasten uns die Zukunft vernebelt und unfrei macht, soll Auffrischung erfahren. Im Erbarmen greift Gott nach den schwach Gewordenen. Er hällt seine Hände unter die Fallenden. Das Erbarmen ist der Christus, der uns von unserer menschlichen Ohnmacht befreit. Wir sind nicht mehr dem Vermögen oder nicht Vermögen von uns selbst ausgeliefert. Das angefochtene Menschsein hat eine Perspektive.
Jeder neue Tag unter der Barmherzigkeit, ist ein Neustart, der den Scherbenhaufen von gestern zurücklässt. Wir können heute ganz neu beginnen, als wäre nie etwas gewesen. Diese Zuwendung, die wir da erfahren, löscht das Belastende von gestern. Dass Gott sich erbarmt macht uns völlig unbefangen von unserer Menschlichkeit. Das Quälende und Belastende bekommt das Erneuernde entgegengehalten. Bei allem, was in uns und um uns ständig zerfällt, wird in uns unablässig etwas erneuert. 
Das ist christlicher Glaube, dass wir jeden Morgen aus diesem Erbarmen schöpfen. Da bricht ständig etwas auf, das leben und blühen will. Erbarmen ist Gottes Widerwärtigkeit gegen das Sterben. Welcher Lebensmacht sind wir da ohne Ende ausgesetzt?
Sind wir die Hilflosen, die den Turbulenzen ihrer Tage ausgeliefert sind, oder ergreifen wir dieses Erbarmen und leben Erneuerung, den Krisen zum Trotz?