Ohne Kompromisse

Luk. 11, 14-23 

Die Politik lebt von Kompromissen. Ohne das Aufeinander-zu-bewegen, keine Jamaika-Regierung. „Leider hätten sich die Parteien in den Sondierungsgesprächen bisher inhaltlich nicht wirklich angenähert. „Ich hätte mir konkretere Ergebnisse gewünscht“, so Robert Habeck von den Grünen. Das schreibt das Handelsblatt vergangene Woche.

Kompromisse und das aufeinander zugehen sind lebensnotwendig für jede funktionierende Form von Gemeinschaft, jedoch für den Glauben sind sie tödlich und unmöglich.

  • Kompromisslos anders

20 Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist das Reich Gottes zu euch gekommen. 

Die Texte im ausgehenden Kirchenjahr, behandeln sehr stark die beiden Ebenen des Reiches Gottes. Die gegenwärtige und die zukünftige Welt, wo etwas Gewöhnliches, von etwas total anderem durchdrungen und überwunden wird. Mit Fingerspitzengefühl schafft Jesus Reich Gottes in einer gottlosen Welt. Er bedient sich eines Fingers, um die Machtverhältnisse auf der Erde neu zu mischen. Er gebraucht ein Organ Gottes, um Dämonen auszutreiben. Mit dem Finger Gottes zeigt er Schöpfungshoheit. Er sagt damit: Wenn ich komme, betritt Gott diese Erde. Er zeigt damit die Visitenkarte seiner Existenz.

Wo Christus ist, handelt ausnahmslos der lebendige Gott. Mit dem Austreiben der Dämonen demonstriert er, wer im Hause dieses Menschen der Herr ist. Er übernimmt ab sofort das Kommando über eine Person, die bisher von anderen Mächten bestimmt war. Das Dämonen austreiben steht für einen mächtigen Christus im Menschen. Wenn Reich Gottes entsteht, bestimmt Christus den ganzen Menschen.

Unter diesem Finger scheiden sich die Geister. Da gibt es nur ein entweder oder. Wo diese Mächte wechseln, geschieht hier und jetzt, dieses andere zukünftige Reich, was es sonst in dieser Welt nicht gibt. Reich Gottes macht man nicht, sondern entsteht durch einen kompromisslosen Christus im Menschen.

  • Ein neckisches Spiel

15 Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Dämonen aus durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen. 16 Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. 17 Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre. 18 Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die Dämonen aus durch Beelzebul. 19 Wenn aber ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 

Es ist zum Schmunzeln, Jesus einmal derart polemisch zu erleben. Wo die sich Leute über das Wunder wundern und ihn versuchen aufs Kreuz zu legen, dreht er entwaffnend den Spieß um. Er diskutiert nicht, sondern lässt sie in ihrer eigenen Logik auflaufen. Umschrieben sagt er: Wie? Ich habe also mit des Teufels Hilfe diesen armen Menschen gesund gemacht? Ich soll quasi mit dem einen Teufel, den anderen ausgetrieben haben? Das wäre eine noch nie dagewesene Sensation und bei den Teufeln wäre eine Revolution angebrochen, dass der eine den anderen fertig macht. Wenn ihr recht habt, müsstet ihr euch freuen, wenn die bösen Gewalten sich gegenseitig aufreiben. Bei dieser Logik würden sich die Tyrannen nach und nach selber auflösen. Auch beim zweiten Gedanken geht der Schuss nach hinten los. Eure Leute treiben Dämonen aus, das bedeutet, ich befinde mich nach euren Maßstäben in guter Gesellschaft. Merkt ihr nicht die Zweideutigkeit eurer Argumentation? Eure Leute selbstverständlich auf Gottes Seite, und der eine, dem ihr misstraut, genauso selbstverständlich auf des Bösen Seite. Leute, ihr macht es euch da ein bisschen leicht. Jesus liebte es, so verschmitzt mit seinen Gegnern umzugehen, doch eine theologische Beweisführung konnte das nicht sein.

Wir werden bei der Tatsache des Wunders letztlich auf den Glauben geworfen. Das was wir von Jesus sehen, sind keine sichtbaren Beweise, die eine Logik des Reiches Gottes auf den Tisch legt. Auch in der Christusgegenwart bleibt vieles im Verborgenen und im Unverständlichen. Selbst wenn Christus da ist, haben die Menschen Zweifel und ringen darum, ob hier gute oder böse Mächte am Werk sind. Neulich sahen wir eine Reportage über Colonia Dignidad, der Kolonie der Würde in Chile.  Da wurden Menschen in treuem Glauben, in himmelschreiendes Elend geführt. Jesus wird bis zum jüngsten Tage nicht vom natürlichen Menschen erkannt, da er vielen Widersachern zum Verwechseln ähnlich sieht.  Jesus will nicht verstanden werden, sondern geglaubt werden. Er will in den unsichtbaren, widergöttlichen Kräften, die die Menschen quälen und beschädigen, sich mit Macht durchsetzen. Er will das Fremdbeherrschte zurückgewinnen. Das ist seine Dämonenaustreibung, dass er den Buhmann aus unserem Leben verscheucht, mit dem der Böse uns zu erpressen sucht. Dieser Finger befreit aus Fremdbestimmung.

  • Unverbindlich geht nicht

23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. 

Der menschliche Wille ist wie ein Pferd, das geritten wird, vom Guten oder Bösen, so drückt es Martin Luther aus. Wir sind von konstant von Mächten beeinflusst. Und wir können und wir müssen sogar ständig entscheiden wer uns bestimmt. Es gibt kein Niemandsland, es gibt im Glauben keine neutrale Schweiz. Wenn wir nur unsere Gedanken verfolgen, erkennen wir, wie Himmel und Hölle in uns entsteht und nicht von außen auf uns zukommt. Wer sich nicht entscheidet, hat sich auch entschieden. Die Nichtentscheidung wählt ganz bewusst Chaos und Untergang. Wo wir uns vor einer Entscheidung drücken, fängt das Elend an. Entweder eine bewusste Entscheidung für Christus oder wir steuern in den Abgrund. Der Kampf für das kommende Reich Gottes, das einmal alles in allem sein wird, wird nicht über unsere Köpfe hinweg ausgetragen, es wird in uns ausgetragen.

Entscheidung hat mit Scheidung, mit einer Trennung zu tun. Wo ich das eine wähle, entscheide ich mich gegen das andere. Wir trennen uns vor der Alternative die wir hätten. „Gottes Reich kommt wohl ohne unser Gebet von sich selbst; aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.“ sagt Gottfried Voigt.

Unter diesem Wort, können viele kirchlichen Kompromisse und Toleranzen nicht bestehen. Wo keine eindeutige Christus Entscheidung getroffen wird, spielt ein anderer auf dem Klavier. Das anbrechende Gottes Reich, kennt kein ausharren im Unverbindlichen. Bei Christus sind keine Kompromisse möglich. Reich Gottes ist eindeutig und entsteht nicht über Koalitionsverhandlungen oder Religionsmix. Christen können keine Doppelagenten sein und auf mehreren Schultern Wasser tragen. Wer in die Gemeinschaft der Glaubenden gerufen ist, brennt von ganzem Herzen für den Auftrag an den er gestellt ist, oder er wird zum Handlanger der Zerstörung. Einfach dabei sein und fromm genießen wollen, ohne sich klar zu entscheiden, baut kein Reich Gottes. Christen sammeln für Christus. Sie wollen in sich die neue Bestimmung.

Nichts für weiche unentschlossene Gemüter. Wir leben jeden Augenblick in den Auseinandersetzungen dieser Welt, doch mit jeder Entscheidung die wir treffen, entscheiden wir darüber, für welches Reich wir sammeln. Die Glaubenden wissen um diesen Entscheidungs-Konflikt. Sie gestalten aktiv ihre Entscheidungsprozesse und sehen sich nicht als Opfer unguter Mächte. Die Glaubenden sind nicht besser, doch sie können sich besser dem Bösen widersetzen. Sie können nach eigenem Versagen wieder neu anfangen, weil Christus Gewissensbisse austreibt. Der Übergang vom einen Reich in das andere beruht darauf, dass uns keiner mehr verklagen kann. Mit diesem kompromisslosen Wort blicken wir in allem ausnahmslos auf Herrlichkeit, die sich unter allen Widrigkeiten durchsetzen wird.

Wenn wirklich durch uns und in uns das Reich Gottes sichtbar werden soll, von wem wollen wir uns da beherrschen lassen?

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Umkehren befreit

Es ist ein halb Himmelreich, wo Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Der Herr hat mich gesandt, zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unseres Gottes“

Jes. 61, 1,2
Gott schafft Umbrüche; radikale Umdenkprozesse, bei denen nichts mehr beim Alten bleiben wird. Er agiert wie ein innovativer Unternehmer. Ganz nach dem Prinzip: Wenn dein Pferd tot ist, steig´ ab. Wo die Sache mit den Menschen aus dem Ruder läuft und zu sterben droht, reißt er das Ruder herum. Gott steht für den Bau seines Reiches, einer großartigen Idee, die durch nichts zu toppen ist. Dieses Ziel hat er nie aus den Augen verloren. Herrlichkeit ist das Maß all seiner Dinge. Diesen Kurs will er aufrecht halten, auch dort wo ihm seine Schöpfung durch die Finger zerrinnt. Mit Christus schafft er die Wende, wo sich die Menschen verrannt haben. Da findet eine umfassende Kurskorrektur statt, wo das Unrecht regiert und die Mitarbeiter die Grundlagen des Unternehmens verlassen haben. In der Rache liegt der unbändige Wille, wieder auf Kurs zu kommen und Recht zu schaffen. Ein Tag Rache zu einem Jahr Gnade ist eine noch nie dagewesene Strukturwende. Da legt sich ein Unternehmer derart ins Zeug, dass eine menschlich unerreichbare Zielerfüllung über einen Bonus erreichbar ist. Durch Christus ist der Mensch zu größten Umdenkprozessen in der Lage. Er erkennt seine eingeschränkten Gedanken und sein zu kurz geschossenes Verhalten. Darin liegt die Gnade eines Neuanfangs. Das versteht die Bibel als Buße und Umkehr.
Wo das Ziel Herrlichkeit ist und wir in der Niedrigkeit stehen, ist in Christus die Wende aus dem Irrtum. Diese Gnade haben wir, dass wir in jeder Situation ausbrechen und umbrechen können. Mit Christus durchbrechen wir die aussichtslose Lage unseres Lebens. Wo wir das annehmen, geht die Hoffnung nie aus. Da sind wir nie am Ende, auch wenn all unsere Kräfte versagen. Ab diesem Moment brauchen wir uns nicht mehr wegen unserer Schwachheit zu schämen oder wegen unseres Versagens ins Unglück stürzen. Der Beginn dieser Wende ist die schlichte Zuwendung zu Christus. Damit entsteht mitten in unserem Chaos ein Stück dieser Herrlichkeit.
Ist somit Umkehr und Umdenken nicht ein fast magischer Begriff für Freiheit und Erneuerung?

Das Wunder des Augenblicks

Wenn Gott heilt, will er nicht nur ein paar Pickel am Körper verschwinden lassen.
„Gott spricht: Als du mich in der Not anriefst, half ich dir heraus.“

Ps. 81, 8
Ganz provokativ attestiert Gott seine Hilfe. Anruf genügt und er hilft heraus. Ein Satz, der unumstößlich ausgesprochen ist, gegen alle Erfahrung der Menschen. Was ist mit denen, die ihn angerufen haben und immer noch im Elend sind?
Wie Gott heraushilft können wir z.B. bei der Heilung des Aussätzigen sehen. Dieser bittet Jesus, wenn du willst, kannst du mich reinigen. Jesus heilte ihn, jedoch mit zwei Auflagen. Geh zu den Priestern, dem damaligen Gesundheitsamt und lass deine Gesundheit bestätigen, und posaune nicht herum, was an dir passiert ist. Jesus will sich nicht als heilender Marktschreier verkaufen. Er will nicht Krankheiten, sondeen Menschen von Grund auf erneuern. 
Darin liegt das Heraushelfen Gottes, dass er nicht nur einen kranken Körper wieder zusammenflickt, sondern sich selbst in der Not offenbart. Heraushelfen ist das Überwinden der Not. Nicht die Not bestimmt unser Schicksal, sondern der in der Not gegenwärtige Gott. Damit verliert die Not an Macht. Wo der heilende Gott hereinbricht, geht in der Nacht die Hoffnung auf, da schwinden die Ängste für den Morgen. In der Begegnung mit dem Heil löst sich der Mensch von seiner Not. Die allesbestimmende Krankheit, hat nicht mehr das Sagen. Diese Hilfe  verändert Menschen total. Da findet ein innerer Umbruch statt. Das ist ein Umwandlungsprozess der ganzen Persönlichkeit. Da lernt ein Mensch gesund mit Krankheit umzugehen. Das sind die Wunder, die Gott in den Menschen hineinlegen will. Wo Gott heraushilft, macht er den Menschen neu, mitten in der alten Not. Darin zeigt sich göttliche und menschliche Größe.
Verwandelt sich nicht in Gottes Nähe, das Jammertal in das Wunder des Augenblicks?

Für Frieden umgekrempelt

Krieg hat seinen Ursprung in mir.
„Er wird Frieden gebieten den Völkern.“

Sach. 9, 10
Bei Gott entsteht etwas, was bei Menschen nicht funktioniert. Frieden, etwas, was in der Tiefe unmenschlich ist. Wenn Gott Frieden gebietet, setzt er das durch, was kein Mensch schaffen kann. Friedensnobelpreisträger haben Großes für die Völkerverständigung geleistet, doch wo ein Feuer erloschen ist, ist woanders wieder eines entbrannt. Frieden den Völkern ist eigentlich völlig utopisch. Das sprengt alle politischen und menschlichen Möglichkeiten. 
Wenn wir den Ursprung von Unfrieden anschauen, sind wir direkt bei uns. Wie schnell sind wir bereit andere zu verletzen? Wie schnell sind wir selbst verletzt oder enttäuscht? Da sind doch die täglichen Beziehungen in Familie, Beruf und Gemeinde unweigerlich Kriegsschauplätze. Eine Beleidigung, ein Mißverständnis, eine Vermutung, ein Fehlverhalten und schon gehen die Sicherungen durch. Wo wir uns im Unrecht fühlen beginnt der Kampf. Jeder Angriff fordert Verteidigung heraus. 
Wenn Gott Frieden gebietet, geschehen Strukturveränderungen in diesen unseren Verhaltensmustern. Ganz eindrücklich sehen wir das an der Josefsgeschichte. Von den Brüdern gefangen genommen, in den Brunnen gesteckt, an Sklavenhändler nach Ägypten verkauft, ist eine gehässige Demütigung. Eine Menschenrechtsverletzung oberster Ordnung, die eigentlich harte Konsequenzen zur Folge haben müsste. Doch Frieden entsteht in dieser menschverachtenden Aktion, durch die Christus-Gesinnung von Josef. Als er die Macht hatte, mit Pauken und Trompeten die Tische gerade zu rücken, geschieht nicht Vergeltung, sondern Versöhnung, Zuwendung und Unterstützung. Die Brüder rechneten mit einer Abfuhr, doch dann erlebten sie Frieden. Wo Josef mit Gott versöhnt war, hatte er Frieden. Großherzig konnte er dem Bösen begegnen. „Ihr hattet Schlechtes im Sinn, Gott hat es gut gemacht. 
Frieden hat diese Keimzelle im Menschen. Durch Christus verwandelte Menschen, haben es nicht mehr nötig um ihr Recht zu streiten. Da können wir nicht mehr nachtragen und endgültige Striche ziehen. Christus ist Gottes flächendeckendes Friedensangebot für die Völker. Wo Christus einzieht, entspannt sich das menschliche Miteinander. Da wächst eine Großherzigkeit, zu denen, die sich an mir schuldig gemacht haben.
Sind wir zu dieser weltbewegenden, Frieden schaffenden Veränderung bereit?

Umdenken macht fröhlich 

Es ist Gottes Markenzeichen, dass sich das Blatt wendet.
„Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“

Ps. 118, 24
Tage, die der Herr macht haben eine eigene Qualität. Gottes Tage sind von Umbruch, von Umgestaltung, von Erneuerung geprägt. Da bleibt nichts wie es ist. Dieses „machen“ ist immer vom Heil machen überschattet. Das was der Herr macht, sind Erlösungs-Tage und Christus–Tage. Jeden Tag ist er unterwegs um Umbrüche zu schaffen. Dieser Psalm ist ein Loblied auf Gott, der sich in aussichtloser Lage zu seinem Volk gestellt hat. Es ist ein Lob auf den Herrn, der sich immer zu den Seinen aufmacht. 
Gott wendet sich zum Menschen, das macht die Tage anders. Da verändert sich das Leben des verlorenen Sohnes total. In seinem verwirtschafteten Dasein klickt es, er besinnt sich auf seinen Vater. An dem Punkt, an dem nicht mehr geht, kommt der Rückblick. Im Aus erinnert er sich an seinen Ursprung. Das wird zum Umbruch. Wo sich Gott in die Erinnerung bringt, geschieht die Wende. Das was der Herr macht, ist Kehrtwende, ist Umkehr, ist das zurückkommen zu ihm. Umkehr ist Gottes großartiges Lebenswerk. Das ist Sinn und Ziel all seines Schaffens. 
Somit wird jeder Klick, den er auslöst zum Fest. Er wartet nicht auf den Sohn, der sich dann zu ihm auf den Weg macht, sondern geht ihm sofort entgegen. Wenn Gott einen Ansatz von Umdenken auf all seine Bemühungen erkennt, zieht er alle Register. Umkehr ist Fest im Ausnahmezustand. Da gibt es keine Frage, keine Vorwürfe, keine Aufarbeitung und Klarstellung, da gibt es nur noch feiern und fröhlich sein. 
Auch heute ist der Tag, am dem Gott das Blatt wendet. An den Schweinetrögen unseres Lebens, stehen im Hintergrund bereits die festlich gedeckten Tische. Gott streckt uns die Hände entgegen, dass wir nicht im Jammer umkommen. Es gibt keinen erbärmlichen Zustand in unserem Leben, in dem Gott nicht das Blatt wendet. Weil Gott das macht, können wir uns freuen und fröhlich sein.
Wenn Gott diesen Glanz in unsere Tage bringen will, weshalb bleiben wir sooft am Trog sitzen?

Mein und Dein

Die Grundausrichtung muss stimmen.
„Wir wollen nicht mehr sagen zu dem Werk unserer Hände: „Du bist unser Gott.““

Hos. 14, 4
Schon das Volk Israel kannte nicht den Unterschied zwischen Mein und Dein. Sie machten sich ein goldenes Kalb. Mose zerschmetterte darüber entsetzt die Gesetzestafeln. Auch der glaubende Mensch steht ständig in der Gefahr, sich und sein Werk in den Mittelpunkt zu stellen. Nach dem Motto: In meinem Leben dreht sich alles um mich. Ich bin mein. Mein Bauch gehört mir. Ich erschaffe meine Welt. Alle Zukunft liegt in meinen Händen. Es ist erschreckend, wieviel christliche Lebensberatung und wieviele aktuelle Bücher auch in der frommen Szene in diese Richtung schlagen. Wenn jedoch meine Lebensgestaltung in meinen Händen liegt, wenn alles von meiner Disziplin, meinem Eifer und meiner Zielstrebigkeit abhängt, was passiert dann in den schweren Tagen? Was geschieht, wenn das Leben zuschlägt und alles anders verläuft, als ich mir ertäumt habe? Da platzen doch ganz schnell die Träume, da ist das goldene Kalb nur noch Blech, da bin ich von Gott und allen guten Geistern verlassen. Da wäre es unverschämt zu sagen, Gott hat seinen Segen entzogen und mich total hängen lassen.
Mein und Dein; da fällt der Groschen. Nicht ich bin mein Gott, sondern du bist mein Gott. Zu dieser Erkenntnis müssen wir täglich kommen. Paulus sagt: Alles ist euer, ihr aber gehört Christsus, Christus aber Gott. Das ist die Positionierung der Glaubenden. Wir sind das ausführende Organ des lebendigen Gottes. Wenn wir eigenes voran stellen, legen wir Gott die Handschellen an. Reich Gottes will sich an und durch uns verwirklichen. Verherrlichung ist die Christus-Profilierung in uns. Die Geschichte unseres Lebens schreibt Gott. Da wäre es stümperhaft, wenn wir nur eigene Ziele verfolgen. Nur der Umbruch von Mein zum Dein, ist die Gottesverwirklichung in unserem Dasein. Wenn wir meinen, wir müssten alles schaffen, wir heben die Welt aus den Angeln, auf unsere Strategien kommt es an, wie bleibt da noch Platz für das Heilige, das Christus schaffen will? 
Wie anders soll Reich Gottes, soll Kirche entstehen, als dadurch, dass wir unsere Selbstverliebtheit verlassen?

Einsicht schafft Jubel

Dem, der an seine Brust schlägt geht der Himmel auf.
„David sprach zum Herrn: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Und nun, Herr, nimm weg die Schuld deines Knechtes.“

2. Sam. 24, 10
Ehebruch, mit der Frau eines obersten Soldaten, ist für einen König kein Kavaliersdelikt. David hat heftig über die Stränge geschlagen. Doch es kommt die Stunde der Wahrheit. Das Gewissen schlägt. Schuld macht unruhig. Da ist ein Mechanismus in uns, der quält wie ein kleines Kind, das am Rockzipfel seiner Mutter zieht. Schuld zerstört in uns und anderen etwas. Dieses Unheil klagt an. Da schreit etwas nach Versöhnung. Da jammert das Unglück. Da stechen die Selbstvorwürfe. Wo Schuld übergangen wird, totgeschwiegen,  und ignoriert, da werden Herzen wie Beton. Da werden Gewissen kaltgestellt. 
Doch David lässt die Anklage zu. Er lässt sich in Frage stellen. Er erschrickt vor sich selbst. Das ist die Stunde Gottes. Wo der Mensch sich erkennt, erkennt er Gott. Schuldeinsicht ist Gotteserkenntnis. Erkannte Schuld ruft nach Sühne. Schuld schreit nach einem Erlöser. Wo der Mensch sich in Frage stellt, kommt Gott zum Zuge. Einsicht ist der Anfang der Erneuerung. Wo Schuld aufgedeckt wird, hat Gott wieder das Sagen. Da kann sich Heil werden ausbreiten. Da kommt Christus ins Spiel. In der Einsicht über sich selbst, wird das Verdammenswerte, zu einem Neuanfang. Somit ist nicht die Schuld an sich das Übel. Die Uneinsichtigkeit, Verstockung und Sturheit verhindern das Wirken Gottes. Erkannte Schuld ist der Anfang des Reiches Gottes. 
Bei Gott gibt es keine unverzeihliche Schuld. Es gibt kein Vergehen, das einen Neuanfang verhindern könnte. Das, was den Umbruch zu Erneuerung blockiert, ist wenn der Mensch vertuscht und uneinsichtig bleibt. Wir müssen nicht vor der eigenen Schuld erschrecken, wir müssen nur davor erschrecken, wenn wir nicht zu Selbstanklage bereit sind. Wir sollten dort zusammenzucken, wo wir endecken, dass wir nicht mehr zum Umdenken und Umkehren bereit sind. Jesus sagt: Der Himmel jubelt über einen Sünder, der umkehrt.
Warum betrachten wir Schuld als furchtbar schlecht, wenn sie zur Umkehr treibt und Reich Gottes zur Blüte kommt?

Ohne Stallgeruch, kein Glaube 

will die Kuh auf der Golfplatzwiese grasen, braucht sie sich nicht wundern, wenn sie hungrig bleibt und keine Milch gibt.
„Lernt, Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten!“

Jes. 1, 17
Wer etwas zu lernen hat, hat es entweder bisher noch nicht gelernt, oder bereits wieder verlernt. Das Gottesvolk hat es verlernt, Gutes zu tun. Gutes tun, ist keine moralische Aufforderung und heißt erst recht nicht: Seid nett zueinander! Jesaja vergleicht mit Oche und Esel, die ihren Stall kennen. Sie wissen, wo  sie hingehören und wo ihr Futtertrog steht. Doch das Volk, kennt seinen Herrn nicht mehr. Wer den Guten verlässt, kann nichts Gutes tun. Wer auf fremden Wiesen grast, wer sich in den eigenen Sorgen suhlt, braucht sich über Entwurzelung nicht zu wundern. 
Trachtet nach Recht ist der Ruf zum Umdenken. Wir leben aus der Fokussierung auf Gottes Gerechtigkeit. Gott muss sich ständig gegen unseren Eigensinn durchsetzen. Wir brauchen seinen Stallgeruch. Nach dem Recht trachten, ist das Ausrichten auf Christus, der uns vor Gott richtig macht. Trachten ist das Rückbesinnen, auf meinen Kuhstall. Der Stall, in dem unsere Erlösung geboren wurde. Der Platz, an dem wir bei dem Guten zuhause sind. Hier können wir bei dem Guten Wurzeln schlagen. Da lernen wir was gut ist und werden zur Liebe fähig. Ohne Stallgeruch, kann kein Glaube entstehen. 
Wo wir bei Christus zuhause sind, sehen wir die Not des Anderen. Da bekommen die Unterdrückten Gutes, da erhalten die Schwachen neue Kraft. Daraus erwächst alles soziale Engagement, bei dem die ausgehungerte Welt ihr Brot erhält. Um den Menschen Gutes tun zu können, müssen wir lernen, welcher Stall unser Zuhause ist. 
Sind wir nicht dumme Ochsen, wenn wir nach anderem trachten?

In die Sonne springen 

erst wo wir zutiefst über uns erschrecken, wächst die Sehnsucht nach Umkehr.
„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“

Ps. 51, 12
David, der fromme König, bereut in Sack und Asche. In der Konfrontation mit dem Propheten Natan, muss er seine kriminelle Energie erkennen. Vorsätzlicher Mord, nur um eine Frau heranzukommen. Er ist schockiert, von seinen eigenen Abgründen. Im Angesicht Gottes erkennt er einen tiefen Schaden. Vor Gott erkennt er sich selbst.
Wer Gott erkennt, entdeckt sich in seinem abgründigen Potenzial zum Bösen. Auch der fromme Mensch kann da nicht großzügig darüber hinwegsehen, dass hier gewaltige Portionen Hass und Eigensinnigkeiten in einem liegen. Wie schnell sind wir bereit, andere zu verletzen, zu demütigen oder uns zu übervorteilen. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, hier sind nur kleine Fehler in unserer Entwicklungsstufe, die ich Stück um Stück verbessern und ausmerzen muss. Unser christliches Menschenbild zeigt die Gefahr von Mord und Todschlag, wo der Mensch nicht im Einklang mit Gott steht. Menschseiin in sich ist unrein. Da sind die Herzen und Gedanken zu allem fähig. Diese Erkenntnis erhalten wir am Herzen Gottes. Hier fängt ein Mensch an, unter seinem Hang zur Gottlosigkeit zu leiden. Vor ihm erkennen wir, wie abhängig wir von dem Reinen sind. Reinheit aus uns heraus geht nicht, es braucht den ständig Reinigenden und Erneuernden. 
David ringt um diese Erneuerung, er ringt um das beständige Stehen in Gott. Erneuerung ist keine Fehlerkorrektur, sondern die Rückkehr ins Vaterhaus. Es ist die tiefe Einsicht, ohne den Vater lande ich am Schweinetrog. Oder positiv ausgedrückt wie es Luther sagt: Wer Buße tut ist wie einer, der aus einem finsteren Loch in die Sonne springt.
Erschrecken wir noch über unsere kriminelle Energie, die uns Gott ganz an den Hals werfen will?

Aha-Effekt an der Krippe 

wenn Schafhirten zu Engeln werden.
„Der Herr macht die Blinden sehend.

Ps. 146, 8
An Silvester ist bei uns in Dettingen Tag der offenen Tür im Ziegenstall. Dazu laden die Ziegenfreunde ein. Hier in der schwäbischen Alb Region ziehen auch immer wieder Schäfer mit ihren Herden durch. Diese Hirten sind in der Regel rauhe Naturburschen. Wind und Wetter machten sie widerstandfähig und kernig. Wenn jetzt zu solchen naturverwachsenen Jungs eine Engelserscheinung herantritt, stünde die Welt Kopf. Wenn die auch noch sagen würden, geht in den Ziegenstall, da passiert gerade etwas, das in die Weltgeschichte eingeht, dann ist die Psychiatrie nicht mehr weit.
Hirten haben eine Erleuchtung. Sie machen eine Krippenerfahrung, die sie total verändert. Sie sehen etwas, das ihr Dasein umkrempelt. Die Christusbegegnung gibt den Augen eine neue Blickrichtung. Von lobenden Engeln angetrieben, geschieht an der Krippe ein Aha-Effekt. Sie sehen etwas, was für sie bisher keinerlei Bedeutung hatte. Sie erkennen Gott. In diesem Augenblick werden die rustikalen Burschen butterzart. Gotteserkenntnis macht sie zu Lobsängern. Sie reihen sich lückenlos in die himmlischen Heerscharen mit ein. Diese Erfahrung macht Hirten zu Engeln. Nicht nur ihre Augen sondern auch ihr Herz haben in die Krippe geschaut
Weihnachten macht sehend. Wer wirklich dem Kind begegnet ist, bekommt eine neue Perspektive für 2017. Mir dieser Erfahrung, wird der Alltag vom Wesentlichen geprägt. Da kann man nicht einfach der Routine mehr folgen. Wer Christus gesehen hat, bekommt für sich eine neue Zielstrebigkeit. Da sehen wir neue Schwerpunkte. Alles bekommt eine neue Ausrichtung. Da ist ein Hirte kein gewöhnlicher Hirte mehr. Wer dem Licht begegnet ist, der strahlt etwas ab.
Welche Spuren hat unser Krippenbesuch hinterlassen?