Glanz in finsteren Herzen

Die Sonne geht über denen auf, die erkennen, wo ihre Grenzen und Schwachheiten liegen.

Der Herr wendet sich zum Gebet des Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.“
Ps. 102, 18

Heutzutage muss jeder stark sein, muss funktionieren und seinen Platz ausfüllen. Es geht uns grundsätzlich gut, weil wir ungerne unsere Schwächen nach außen tragen. Wer seine Schwächen vermarktet und ständig über seine Probleme jammert, geht anderen schnell auf den Geist. Schwache werden in der Gesellschaft gerne aussortiert. Solche Menschen fallen oft auf die Nerven, man distanziert sich, um nicht von ihrem Schwermut runtergezogen zu werden. Wir haben gelernt zu stehen, uns durchzuboxen und den dicken Max herauszuhängen. „The show must go on.“ Der Schein muss gewahrt bleiben, dass alles rund läuft. Oft ist dabei mehr Schein als Sein. Nach außen ja keine Blöße geben. Doch was geschieht in den Stunden, in denen wir nicht so stark sind wie wir scheinen? Was passiert in den Momenten, in denen wir fragen: Was mache ich mit meinem Leben? Für wen oder was funktioniere ich denn überhaupt? Was passiert wenn die äußere Routine auf die innere Hilflosigkeit trifft? An der Grenze, an der vieles im Leben sinnlos erscheint, wo wir die ganze Verlorenheit und Verlassenheit in uns erkennen, liegt der Ansatz, in dem Grundlegendes passiert. Die Hilflosigkeit des Verlassenen steht direkt vor Gott. Dieses Gebet der Ohnmacht trifft mitten in Gottes Herz. Es ist der Augenblick, in dem sich der Mensch vor Gott erkennt und wie der Zöllner in dem Gleichnis Jesu an seine Brust schlägt und sagt: Gott sei mit Sünder gnädig! Das ist ein heiliger Moment, wo der Mensch an sich und seiner eigenen Lebensgestaltung zerbricht und erkennt, ohne Gott ist alles haltloser Krampf. Es geht die Sonne auf, wenn ein Mensch erkennt, wo Gott nicht ist, bin ich von ihm und allen guten Geistern verlassen. Wenn wir an diesem dunkelsten Punkt stehen, an dem Jesus am Kreuz war und ausrief: Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen, beginnt der Auferstehungsmorgen. In der größten Verlassenheit, wird Gott ganz groß. Im menschlichen Nichts, wird Gott alles. In der Verlassenheit ist die vollkommene Gottesnähe.

Von dem Zöllner heißt es: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus. Diese Gottesbegegnung hat Grundlegendes verändert. Ihm wurde seine Verlassenheit abgenommen. Wo diese Gottverlassenheit weg ist, wird ein Geist fröhlich. Es ist eine gewaltige Befreiung, wenn ich nicht mehr auf meine eigene Rechtschaffenheit angewiesen bin. Da brauche ich nicht mehr krampfhaft um irgendwelche Anerkennungen kämpfen, da bin ich von Gott erkannt und anerkannt. Wo Gott dem Sünder gnädig ist, brauche ich nicht mehr nach gnädigen Menschen zu suchen. In dieser Anerkennung wird ein Leben stimmig und stark. Es wird unabhängig von meinen mehr oder weniger guten Werken, oder dem Wohlwollen der anderen. Wir sind gefestigt, weil wir nicht mehr verlassen sind. Wir sind gerechtfertigt, weil uns niemand mehr anklagen kann. Welch ein Glanz kommt da in finstere Herzen.

Wohin wenden wir uns, wenn wir uns verlassen fühlen?

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Der Frosch erstarrt nicht mehr

Das Leben lobt die Wunder, die als Geheimnis unter uns leben.

Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist.
Ps. 75, 2,

Leben schwappt am Außergewöhnlichen über. Entweder es sprudelt am Faszinierenden über, wenn wir an einen Sonnenaufgang in den Alpen denken, oder es ist am Boden zerstört, wenn es die Tragik des jungen, abgestürzten Segelfliegers verfolgt, der inzwischen sechs Wochen im Koma liegt. Das Leben bewegt sich wellenartig zwischen Wunder und Schrecken. Beides ist uns sehr nahe und sehr vertraut. Das schwerer Wiegende hat oft die Macht, das Lobenswerte zu ersticken. Angesichts des Elends in der Welt, bleibt vielen das Lob im Halse stecken. Wie kann man da noch danken, wenn mir mein Kind in jungen Jahren aus dem Leben gerissen wird? Wo sind da noch Wunder zu verkünden, wenn eine Frau im besten Alter vom Krebs zerfressen wird und elendig ihr Leben aushaucht? Wer angesichts des realen Lebens noch Gott danken kann, scheint von einem anderen Stern zu sein, ober blauäugig über bittere Tatsachen hinwegzusehen. Was sind denn die Wunder, mitten in einem Dasein, bei dem alles schwarz geworden ist? Petrus gibt darauf eine Antwort: „Ihr seid aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen.“ Finsternis ist der reale Zustand des Lebens, doch darin geschieht das Wunder. Schicksal ist nicht endgültig. Es kann in jeder verzweifelten Situation ein totaler Umbruch geschehen. Wer ins Licht gerufen ist, erlebt eine Verwandlung vom Tod zum Leben. Dieses Wunder ist die Realität der Glaubenden. Wem Christus in der Nacht begegnet, für den bleibt es nicht mehr dunkel. Das verkündigen wir, das macht christliche Existenz aus. Es ist der Name des Heils, der hautnah ist.

Im Wunder erhält der Mensch in der unwürdigsten Situation seine Würde zurück. Er ist nicht mehr der handlungsunfähig Ausgelieferte, sondern erhält in dem Namen Jesus seine gestalterische Kraft zurück. Das Wunder ist, dass wir nicht mehr der erstarrte Frosch vor der Schlange sind. So kann ein gläubiger Therapeut, im Gefängnis in Kalifornien, den Schwerverbrechern sagen: Ihr seid nicht die Opfer der Gesellschaft oder missratenen Erziehung, die nichts gegen ihre versaute Entwicklung tun können, sondern ihr könnt von heute auf morgen alles verändern. So wie ihr euch entschieden habt, den größten Blödsinn anzustellen, könnt ihr genauso entscheiden, Grundlegendes anders zu machen. Es ist Quatsch zu glauben, ihr seid für alle Zeit versaute Existenzen und reparaturbedürftige Wesen, die nicht aus ihrem Teufelskreis aussteigen können. Ihr seid auch hier in Sicherheitshaft vollwertige Menschen, die in der Verantwortung ihr Leben in die Hand nehmen können. Von diesen größtenteils Analphabeten haben die meisten ein Abitur nachgemacht und einer davon erlangte sogar eine Professur.

Dieses Wunder lebt im Menschen. Durch den Namen kommt Licht in die Finsternis. Es gibt keine aussichtslose Lage, in der das Leben nicht Gestalt gewinnen kann. Auch letzte Wege, in denen der eine geht und der andere bleibt, können zu mutvollen Wegen werden. Dieses Wunder verkündet unser Leben.

Können dadurch nicht Leidenswege zu sinnvollen Lebenswegen werden?

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Freude nach dem Frost

Die Freude an dem Herrn, ist unsere Stärke.

„Die Befehle des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz“
Ps. 19, 9

Bei den Befehlen des Herrn, sind wir Christen des Neuen Testamentes ganz schnell von den zehn Geboten des Mose, beim Gesetz Christi: Liebe mich, und deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist das Gebot, das Gott den Menschen gegeben hat, in dem alles verankert ist, was Leben ausmacht. Jesus lieben, ist ein Gesetz das aufbricht und nicht gefangen nimmt. Aus der Liebe heraus ordnen sich alle Beziehungen. Unter diesem „Befehl“ kommt ein Mensch zur Ruhe und schweigen seine Sorgen. Wer Christus liebt und von ihm geliebt ist, hat für sein Leben die Geborgenheit eines Mutterschoßes. Das Gesetz der Liebe baut auf. Es tut seinem Nächsten das, was zu seinem Besten dient. Das sind keine Befehle, die erniedrigen, da kommen Worte, die Mut machen und dahinschmachtende Seelen aufrichten. Da sind Worte, die wachrütteln und in die Erkenntnis der Wahrheit führen. Wo die Befehle von Menschen belasten und das Herz schwer machen, richten diese Worte belastete Gemüter auf. Diese Befehle sind eine Tankstelle für Leib und Seele. In der Liebe Christi findet der Mensch seine Unbefangenheit wieder. Da schmilzt die Eiseskälte, die das Miteinander erstarren ließ. Da werden Gefrustete, in aller Bitterkeit mit Freude aufgetankt. Das Gesetz Christi ist der anbrechende Frühling am zugefrorenen Wasserfall. Da brechen aus dem matten Boden, zarte farbige Krokusse auf. Diese Freude, lässt die Minusgrade der zurückliegenden Tage vergessen. Es ist Umbruch- und Aufbruchstimmung. Da fangen die Gesichter wieder an zu lachen, da klingen fröhliche Lieder auf den Lippen. Die Poeten lassen die blauen Bänder wieder fliegen.

Die Befehle des Herrn legen einen mächtigen Schalter um. Auf die Nacht von gestern, folgt der neue Tag von heute. Beim Sonnenaufgang liegt die Last der Nacht zurück. Bei den ersten wärmenden Strahlen, sind die trübenden Schleier durchbrochen und eine neue Freude kann aufsteigen. Wo die Liebe Christi uns erfasst, kommt die Freude zurück, die im Müll des gestrigen Tages erstickt ist. Die Befehle des Herrn haben solch eine reinigende Gewalt, dass sie Lust machen, verbrannte Erde neu zu beackern, verkrachten Beziehungen einen jungfräulichen Anfang schenken. Unter dem Gesetz der Liebe, muss der Hass dahinschmelzen.

Ist das nicht ungeheuer spannend, mit den Befehlen des Herrn, die Freude wieder sprießen zu lassen?

Aufbruch ist auch Umbruch

Auch wenn die Kirche auf wackeligen Beinen steht und manche Säulen wegbrechen, lässt der Herr der Kirche keinen Trümmerhaufen zurück.

„Lass leuchten dein Angesicht über dein zerstörtes Heiligtum um deinetwillen, Herr!“
Dan. 9, 17

Welch krasse Gegensätze treffen hier aufeinander. Jerusalem liegt am Boden. Das Gottesvolk ist über ihrem Ungehorsam und Eigenwillen zerschlagen. Da ist nichts mehr vom Glanz der Erwählten. Bei den Glaubenden ist die Luft raus. All die Werte und Schönheiten einer Gemeinde verwirtschaftet, die Armen sind auf der Strecke geblieben. Über diesen hoffnungslosen Zuständen ruft Daniel diesen Psalmvers aus: Lass leuchten dein Angesicht. Es grenzt schon fast an Unverschämtheit, Gott in ein Elend hineinzubitten, das selbst verschuldet ist. Da haben wir uns eine Suppe eingebrockt, die ein anderer auslöffeln darf. Da ist das Leben an die Wand gefahren, und ein anderer soll es kitten. Eigentlich der Punkt, an dem jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und das ausbadet, was er sich eingehandelt hat. Es ist ganz normal, dass jeder die Konsequenzen für sein eigenes Handeln übernehmen muss. Doch Daniel appelliert an das leuchtende Angesicht. Er ruft nach Erbarmen. Er legt die Schuttberge Gott zu Füßen. Damit gesteht er ein, es liegt nicht in unserer Macht Reich Gottes zu bauen. Wir sind eigentlich gar nicht zu der Liebe fähig, die Gott unter die Menschen verströmen will. Es ist die Kapitulation vor dem Höchsten, die erkennt, alles liegt in seinem Leuchten. Berufen sein heißt, sich täglich bewusst zu werden, ich lebe einzig aus der Barmherzigkeit. Damit schafft sich Gott selbst Ehre, dass er sich über Unfähige erbarmt. Die Tragik von zerstörtem Heiligtum, wird vom leuchtenden Angesicht überstrahlt. Es ist einzig Gott, der zerstörtes Heiligtum aufrichtet, unabhängig von den Trümmern, die seine Berufenen hinterlassen haben.

Ein gewaltiger Trost für alle die sich mühen und so wenig Ertrag sehen. Gott gefällt es mit schwachen, angefochtenen Menschen, etwas ganz neues zu schaffen. Wo das leuchtende Angesicht über unserem Leben steht, dürfen uns ruhig die Knie schlottern und uns manche Aufgaben als zu groß erscheinen. Da brauchen wir keine Angst haben, wir seien den Herausforderungen nicht gewachsen. Leuchten ist immer stärker als Trümmer und Ohnmacht. Da ist die ganze Gottesgegenwart in zerbrochenen Menschen und Verhältnissen. Wo sein Angesicht leuchtet, wird auch eine nach außen hin sterbende Kirche, durch geistliche Aufbrüche, von Gemeinschaften und Kommunitäten erneuert und belebt. Da entsteht eine bereichernde Vielfalt durchaus auch am Rande und außerhalb von dem, was wir an klassischer Kirche kennen. Da kommen wertvolle Impulse, die die Kirche inzwischen immer mehr für sich entdeckt. Da kann es sein, dass Altes sterben muss, damit Neues Raum bekommt. Wo Gottes Angesicht leuchtet, bleibt es nie beim zerstörten Heiligtum.

Können wir da nicht viel mehr Mut entwickeln, wenn wir wissen, dass wir nicht auf verlorenem Posten kämpfen?

Das Geheimnis in uns

Wo Geheimnisse gelüftet werden, steigt die Spannung.

„Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart.“

Dan. 2. 28
Noch 4 Tage, bis Gottes großes Geheimnis gelüftet wird. Da wird etwas aufgedeckt, was bisher verborgen war. Gott entpackt den Gabentisch. Diese Offenbarung gibt einen AHA-Effekt. Jesus Christus lässt eine neue Zeit anbrechen. Da wird in einem beschwerlichen Lebensrhythmus der Menschen etwas grundsätzlich anders. In einem Stall, findet ein geschichtlicher Umbruch statt. Zwischen Heu und Stroh beginnt das Gottes Reich. Der Schöpfer der Welt startet eine Neuschöpfung  in einem Futtertrog. In einem ärmlichen Bild malt Gott sein Geheimnis von sichtbarer und unsichtbarer Welt in die Geschichte. Da fällt ein Funke Ewigkeit in eine Krippe. An dieser Offenbarung, kann jeder einfache Mensch erkennen wie Gott tickt. Ab jetzt verkörpert sich für den Menschen etwas bisher Unfassbares und wird zum Sehen, Riechen und Anfassen. Der unerreichbare Gott, wird in einem Baby liebenswert. Er macht seinen Jesus zu meinem Kind. Das ist das unvorstellbare Geheimnis, dass er mir dieses Kind schenkt. Ich bekomme Familienzuwachs aus Gottes Welt. 

Dieses Geheimnis ist dadurch nicht in erster Linie eine weltbewegende Geschichte, sondern eine absolut persönliche. Durch Christus beginnt in mir die Neuschöpfung. Das ist das große Geheimnis an Weihnachten. Das große Schenken liegt darin, dass wir nicht als Kirche und Gemeinde in einem umfassenden Kollektiv beschenkt werden, sondern Gott mich ganz persönlich mit seinem Geschenk überschüttet. Das globale Reich wird ganz klein und lokal. Reich Gottes wird nicht zu einer Massenveranstaltung, sondern zu einer ergreifenden persönlichen Veränderung. Gottes Geheimnis offenbart sich in mir. Wir selbst sind die, die umgebrochen werden und in denen das Geheimnis gelüftet wird. 
Reich Gottes sind nicht die prallgefüllten Kirchen an Weihnachten. Das Geheimnis lüftet sich nicht in großen, engagierten Programmen, die viel für´s Auge bieten. Das Geheimnis offenbart sich ganz im Stillen, wo wir das Kind bekommen. Wo wir Raum schaffen für diese Geburt und alle Zimmer neu einrichten, die Möbel umstellen, dass diese Kind ein Zuhause bekommt. Noch ist Advent, die Zeit der Vorbereitung, in der wir unser Leben ausmisten können, um Platz zu schaffen. Noch können wir uns selbst infrage stellen, ob alles bereit ist, dass dieses Geheimnis mich verändern kann. Das Reich Gottes kommt nicht von außen auf uns zu, es will in uns entstehen.
Was muss geschehen, dass dieses Geheimnis sich in uns offenbart?

  

Spiel mal mit Licht

Licht beendet das Drama der Dunkelheit. 
„Kommt nun, lasst uns wandeln im Licht des Herrn!“

Jes. 2, 5
Der mitreißende Seitenhieb eines Entdeckers. Kommt nun, kommt endlich ist ein Wachrütteln aus der Lethargie. Fische nicht mehr weiter im Trüben. Es ist ein dramatischer Aufschrei, weil einer den Schalter entdeckt hat. Das Tasten und durch die Nacht schleichen ist vorbei. Endlich ist Licht in Sicht. Licht am Ende des Tunnels, Licht in den Schatten des Lebens. Licht in der Verzweiflung verändert alles. Das Licht des Herrn bricht die Nacht der Menschen um. Christus ist der Umschalter im Drama des Lebens. Mit ihm erschrickt die Finsternis. Da ziehen sich die Nebel zurück, die wie eine Dunstglocke alle Sicht versperrt haben. Gott macht mit Christus das Licht an. 
Kommt nun, ist das Anstacheln für alle, denen die Lichter ausgegangen sind. Unsere Tage sind voll Enttäuschungen, Bitterkeit und Trauer, wo am Ende mehr Frust als Dankbarkeit steht. Es ist nicht die große Bedrohung eines evtl. 3 Weltkrieges, die uns zu schaffen macht, es sind vielmehr die vielen kleinen Verwundungen im Miteinander, die belasten und lähmen. Das nicht mehr wollen und können, das keinen Ausweg sehen, das sinnlose ertragen müssen, sind die Nächte unserer Tage. Dahinein kommt dieses Herausreißen des Lichtes. Christus ist genau für die Unerträglichkeiten gemacht. Er ist der Umschalter im Kleingedruckten unseres Daseins. Das Licht ist nicht für die sonnigen Zeiten gemacht, sondern genau für die grauen und schweren Tage. Es gibt den Aussichtlosen eine Perspektive, und denen die nichts mehr zu hoffen haben, festen Boden unter die Füße. In diesem Licht, verliert selbst die Stunde des Todes ihren Schrecken.
Wir sind Kinder, die mit diesem Licht spielen. Bei diesem Spiel zieht sich Dunkelheit geschlagen zurück. Da brauchen wir gar nicht viel machen, wir müssen nicht verkrampft Licht generieren, wir strahlen durch das Licht, das uns umgibt. Das Licht ist unser Aufenthaltsort, unser Wegbegleiter. Damit wird es in uns hell und wir werden zum Leuchtfeuer für die Nächte der Menschen.
Macht solch eine Einladung nicht Lust, mit dem Licht zu spielen?  

Kosmische Wende

Ein gewaltiger Umbruch kommt, nicht in weiter Ferne, sondern jetzt.
„Des Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein. Und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird.“

Jes. 30, 26
Der Kosmos spielt verrückt. Welch ein gewaltiges Naturschauspiel, wenn aus Nacht Tag wird und sich die Mittagssonne ums siebenfache steigert. Hier steht ein unvorstellbarer Umbruch bevor. Wo manch ein dahergelaufener Prophet den Weltuntergang prophezeit, sieht hier Jesaja einen schöpferisch neuen Morgen. Eine virusinfizierte Welt, erfährt eine radikale Erneuerung. Mit diesem unglaublichen Bild wird in die gefallene Schöpfung Christus eingepflanzt. Gott greift massiv in den Schaden und die Wunden seines Volkes ein. Das was die Menschen quält, worunter sie unerträglich leiden, findet eine Zeitenwende. Dabei ist die Zukunftsmusik, die in diesem Wort anklingt bereits am Spielen.
Den Schaden des Volkes erleben wir täglich an der eigenen Haut. Der Fluch, der auf der Erde liegt breitet sich flächendeckend mit einem Sterbensprozess in jeder Hinsicht aus. Wir sind vom Jammer unserer Tage infiziert und leiden uns bis zu unserem letzten Tag aus dieser Welt hinaus. Genau diese hoffnungslose Perspektive bekommen wir auch von allen Kanälen, die auf uns einströmen, erschlagend vermittelt. Bald jede Zeitungsseite predigt den Schaden des Volkes. Unser eigenes Umfeld bestätigt nur die Zerrissenheit und die verwundeten Seelen.
Doch genau diese ausweglose Lage wird nicht nur ein bisschen heller, ein bisschen erträglicher, sondern auf unvorstellbare Weise ins Gegenteil verkehrt. Der angekündigte Christus kommt nicht erst in ferner Zukunft einmal, auf die wir uns hintrösten können, sondern er ist da. Die Vision des Jesaja ist bereits Realität. Wo Christus ist, hat der Mond bereits die Kraft der Sonne. Da ist die Nacht heller Tag. Da verwandeln sich die Schreckensmeldungen in eine Hoffnungsbotschaft. Mit Christus findet in der Nacht ein kosmischer Umschwung statt. Da fällt das siebenfache Licht auf die Wunden. Da fällt Herrlichkeit in alles Elend. Da fängt etwas an zu heilen, inmitten des Chaos. Nicht die Nacht wird anders, sondern der Mond, der zur Sonne wird. Mit Christus fängt es an, in uns hell zu werden. In uns findet die kosmische Veränderung statt, die zum Umbruch für die Welt wird. Wir dürfen an die große Zukunftsmusik des Reiches Gottes glauben, jedoch hat sie ihren Anfang heute in uns.
Wollen wir nicht allen dunklen Mediennachrichten zum Trotz, diese helle Welt Realität werden lassen?

Herrlichkeit beginnt in uns

Unser ganzes Leben ist ein Ringen um Reife und um Herrlichkeit.
„So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen herrlichen Wohnung! Wo ist nun ein Eifer und deine Macht?

Jes. 63, 15
Jesaja ringt um Hilfe. Er weiß um Gott und seine Herrlichkeit und sieht so wenig davon. Er durchlebt die Spannung von Glaube und Verzweiflung. Er weiß genau um die Größe und Macht Gottes, doch erlebt in der Vertreibung und Anfechtung des Volkes Gottes gerade das Gegenteil. Jesus sagt: Ich bin gekommen, ein brennendes Feuer auf der Erde zu entzünden, aber ich muss einen bitteren Weg der Taufe und des Neuwerdens gehen.
Das Leben steht immer in der Zerreißprobe des Göttlichen und Menschlichen. Gottes Eifer ist auch da, wo der Mensch in der Krise und Katastrophe steht. Das Geheimnis des Glaubens will in der Nacht der Welt geboren werden. Gott will das Feuer des Lebens in der Kälte unseres Daseins entzünden. Genau in den Herausforderungen unserer angefochtenen Existenz, will Gott den Umbruch schaffen. Im Widerstand und Schmerz wird das Heilige geboren. Da werden Menschen und keine Situationen umgebrochen. In unseren dunkelsten Stunden will der Christus in uns ein Feuer anmachen. Dort wo die äußeren Einflüsse uns den Atem nehmen und unsere Sicht vernebeln, will in uns eine Erneuerung stattfinden. In uns entsteht etwas von dieser herrlichen, heiligen Wohnung, die in die unheilige Welt hinausdringt.
Der Glaube greift nach dem Eifer und der Macht Gottes. Er ringt danach, dass Gott seine heilige Wohnung nicht um mich herum baut, sondern in mir selbst einrichtet. Der Glaubende ringt, dass dieser Umbau in ihm stattfindet. Er ringt darum, dass in der verzweifelten Situation, in ihm das Feuer entfacht wird. Glaube ringt nach Reife, ringt nach Herrlichkeit, ringt darum, dass er selbst zu einer Behausung Gottes wird. 
Fragen wir nicht: warum ist so wenig sichtbar von Gottes Herrlichkeit, sondern viel mehr, wie wird die Herrlichkeit in und durch mich sichtbar?

Umbruch kommt von innen

wenn etwas anders werden soll, müssen wir zuerst anders denken und anders handeln.
Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen!“

Jer. 4, 3
Das Volk Israel erkennt, so wie es ist, kann es nicht weitergehen. Es muss etwas anders werden. Doch alles nach dem Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Viel klagen über dem, was nicht in Ordnung ist, sie schreien regelrecht nach Veränderung. Es ist unerträglich, so weiterzumachen, wie das im Augenblick läuft. Doch viele unterliegen dem Irrtum,  weitermachen wie bisher, irgendwann wird  sich dann von selbst eine Änderung einstellen.
Pflüget ein Neues heißt:  Es ändert sich etwas, wenn ich mich verändere. Veränderung kommt nicht von außen, sondern von einer neuen Gesinnung, die sich in mir entwickelt. Gott will für ein neues Denken, die Grundlagen unsere Lebens umbrechen. In dem flach daliegenden Acker, sollen tiefe Schollen aufgerissen werden. Wenn etwas Brauchbares aus dem brach liegenden und verunkrauteten Land werden soll, muss zuerst alles einmal auf den Kopf gestellt werden. Für das Neue greift Gott ordentlich in die Erdkruste hinein. Das Neue entsteht nicht auf dem bisherigen, naturbelassen Boden, auf den ein paar Samen ausgestreut werden. Neues entsteht, wenn erst einmal die bisherigen Grundlagen zerlegt werden. Mit Christus beackert Gott die verunkrautete Schöpfung. Neues entsteht, wenn Gott die bestehenden Denksysteme durchbricht und eine Christus-Gesinnung pflanzt. Mit dieser Gesinnung erkennen wir den Willen Gottes. Darin entsteht die ersehnte Veränderung zum Guten, zum Wohlgefälligen und Vollkommenen. Unsere Umstände werden sich nicht verändern, darüber werden wir auch noch in Jahren zu klagen haben; Veränderung geschieht durch die Erneuerung unserer Sinne, wie Paulus es ausdrückt. Pflüget ein Neues, ist unser Umbruch in Christus, mit dem unsere Umstände verwandelt werden. Da geht eine unvergängliche Saat in der Not unserer Tage auf.
Sind wir bereit, uns selber umpflügen zu lassen, oder warten wir immer noch, bis sich die Welt um uns verändert und wir ungeschoren davonkommen?

Der Umbruch im Kopf

Glaube ist weit mehr, als ein billiges „Kopf hoch!“
„Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen.“

Jes. 40, 26
Aus einer Augentherapie wird eine Glaubenstherapie. Manch einer kennt noch das Kinderspiel; ich sehe was, was du nicht siehst. Da steht einem etwas vor Augen, was die anderen erraten müssen. Der Prophet macht ein ähnliches Spiel, doch mit viel größerer Wirkung. Er löst im Denken des Gottesvolkes einen Dammbruch aus. In der Verbannung, in der der Blick nur auf Verfolgung, Ausbeutung und Erniedrigung liegt, reißt er die Köpfe herum. Seht nicht auf das, was euch vor Augen steht und das Leben schwer macht, sondern hebt den Blick. Seht nicht auf das Handeln von Menschen, seht auf das Handeln Gottes. Die Änderung der Blickrichtung ist der Weg des Glaubens. Der Glaube verdreht den Kopf. Er sieht Dinge, die in Gottes Macht stehen. Er sieht Wege, die es noch garnicht gibt. Er sieht das ganze Volk, befreit im verheißenen Land. Der Glaube lebt mit dieser Blickrichtung bereits in einer erfüllten Sehnsucht. Da ist etwas Realität, was noch garnicht da ist.
Wenn ein schwer Kranker, der all die leidvollen Behandlungen einer Chemotherapie durchlebt hat, die Nachricht bekommt: wir haben es geschafft, geschieht etwas Gewaltiges. Er bekommt schlagartig in all seiner Schwachheit und seinem Elend einen unvorstellbaren Energieschub. Der Ausblick auf Rettung, der Blick auf Heilung, multipliziert die Genesung. Der Blick auf das was Gott tut und tun wird, setzt eine Revolution in Gang. Der Glaube ist ein Umbruch im Kopf. Da lebt bereits die Zukunft in der Gegenwart. Da ist der jetzige Augenblick immer größer und weiter, als alle Kurzsichtigkeit. Wer die Augen aufhebt, hat die Hoffnung mit im Boot. Im Aufblicken stellt sich schöpferische Macht gegen menschliche Ohnmacht.
Unsere Blickrichtung entscheidet über Kraft oder Schwäche, über Glaube oder Verzweiflung. Worauf schauen wir?